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Lieselotte Schiller:

Das Vegetationsmosaik von biologisch und konventionell bewirtschafteten Acker- und Grünlandflächen in verschiedenen Naturräumen Süddeutschlands

2000. V, 183 Seiten, 36 Abbildungen, 29 Tabellen, 12 Diagramme, 14x22cm, 520 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 337)

ISBN 978-3-443-64249-5, brosch., price: 66.00 €

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Keywords

Vegetation

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Gegenstand dieser Arbeit ist ein synoptischer Vergleich der Auswirkungen biologischer und konventioneller Landwirtschaft auf die Vegetation von Äckern, Grünland und Rainen. Hierzu wurde eine großräumige Untersuchung im süddeutschen Raum durchgeführt. Die Auswahl von acht Naturräumen erfolgte mit dem Ziel, die Auswirkungen beider Bewirtschaftungstypen bei verschiedenen edaphischen und klimatischen Verhältnissen zu untersuchen. Die ausgewählten Naturräume sind: Griesheimer Sand/Neckarried, Odenwald/Bergstraße, Ansbacher Hügelland, Nürnberger Sande, Vorland der Fränkischen Alb, Fränkische Alb, Schwäbische Alb und Klettgau.

Content Description top ↑

Subject of this thesis is a synoptic comparison of the effects of organic and conventional agriculture on the vegetation of agricultural and grassland fields as well as their borders. For this purpose, a widespread investigation was carried out at eight natural units of southern Germany. These are: Griesheimer Sand/Neckarried, Odenwald/Bergstraße, Ansbacher Hügelland, Nürnberger Sande, Vorland der Fränkischen Alb, Fränkische Alb, Schwäbische Alb und Klettgau. They were selected in order to investigate the effects of both management systems under different edaphic and climatic conditions.

Bespr.: Tuexenia 21, 2001, S. 307/308 top ↑

Im Ökologischen Landbau wird auf den Einsatz synthetischer Handelsdünger und Pestizide verzichtet; angestrebt werden vielfältigere Fruchtiolgcn und eine standortangepaßte Tierhaltung. Die positiven Auswirkungen "kontrolliert biologischer" Wirtschaftsweisen auf Flora und Fauna sind inzwischen durch viele Untersuchungen belegt worden. In ihrer am Institut für Botanik der TU Darmstadt angefertigten Dissertation hat sich die Autorin auf vergleichende Untersuchungen der Vegetation biologisch und konventionell bewirtschafteter Äcker, Grünlandschläge und Raine konzentriert, einschließlich der seltener bearbeiteten Ebene der Vegetationskomplexe. Dabei werden in acht Naturräumen Südwestdeutschlands liegende biologisch und konventionell wirtschaftende Betriebspaare verglichen und Unterschiede bei verschiedenen Boden- und Klimabedingungen herausgearbeitet.

Pflanzensoziologische Tabellen im Anhang doLumcntieren die Vegetation der Halm- und Hackfruchtäcker (279 Aufnahmen) und Grünlandflachen (141 Aufnahmen) und geben eine erste Übersicht über das Arten- und Gesellschaftsspektrum der untersuchten Wirtschaftsflächen. Die aus den Untersuchungsgebieten bisher kaum dokumentierte Vegetation der Raine wird von der Autorin in "die Gesellschaften son trittbeeinflußten Rainen mit 108 Aufnahmen, die Grünlandgesellschaften i. w. S. der Raine mit 98 Aufnahmen und die Gesellschaften im Bereich von Gebüsch-/Waldrändern (126 Aufnahmen)" untergliedert. Die Verteilung der Pflanzengesellschaften auf Schlägen unterschiedlicher Bewirtschaftungsform wird mittels signasoziologischer Aufnahmen dargestellt, wodurch alle auf einer Fläche vorhandenen Gesellschaften incl. ihrer Deckung bzw. Abundanz erfaßt werden.

Die Pflanzengesellschaften der herkömmlich mit Herbiziden bewirtschafteten Äcker erweisen sich gegenüber den "kontrolliert biologisch" bewirtschafteten als deutlich verarmt. Weniger eindeutig sind die Unterschiede im Grünland: Biologisch bewirtschaftete Wiesen und Weiden weisen zwar im Mittel eine "10-15% höhere Kräuterdeckung" auf als konventionelle und um etwa 10% höhere Artenzahlen; über die Artenzusammensetzung entscheidet jedoch letztlich die Bewirtschaftungsintensität, die nicht notwendig mit der Anbauweise korreliert sein muß. - Bei Vergleich der Raine zeigt sich, daß auf konventionellen Flächen "das Verhältnis der auftretenden Vegetationseinheiten leicht zugunsten der Vegetationseinheiten mit nitrophytischen Arten verschoben ist". Die mittels klassischer Tabellenarbeit ausgewerteten Aufnahmen werden zusätzlich einer multivariaten Analyse unterzogen. Die Analyse der Vegetationskomplexe zeigt u.a., daß die Ausprägung der Vegetation der Raine deutlich von der Nutzung der angrenzenden Wirtschaftsflächen beeinflußt wird: Gesellschaften hoher Störungsintensität (ruderale Rasen und Trittgesellschaften) grenzen häufiger an Äcker an als an Grünland. Die Vielfalt der Gesellschaften auf den Schlägen zeigt sich bei konventioneller Bewirtschaftung eingeschränkt; die Komplexe von unterschiedlich bewirtschafteten Flächen sind hier durch das stete Auftreten von verartenten Gesellschaften in Komplexaufnahmen gekennzeichnet.

Vor dem Hintergrund der Diskussion um eine "Agrarwende" ist die Dissertation von hoher Aktualität, denn es ist zu erwarten, daß Deutschland Ländern wie Dänemark, Italien und Österreich nachfolgt, in denen umweltfreundliche Anbauverfahren seit Jahren massiv gefördert werden und entsprechende Zuwachsraten aufweisen. Einmal mehr bescheinigen die Ergebnisse dem Ökologischen Landbau, daß seine Wirtschaftsflächen höheren Artenreichtum aufweisen, deuten aber auch auf Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten hin, die in der etwas knapp gehaltenen Diskussion von Naturschutzaspekten in der Arbeit nur ansatzweise thematisiert werden, aber essentiell für die künftige Entwicklung der Landwirtschaft sind. Auch bei biologischer Wirtschaftsweise sind die Möglichkeiten für eine "naturschutzorientierte" Bewirtschaftung etwa von Grünland durch ökonomische Zwänge begrenzt, und nur die angemessene Honorierung ökologischer Leistungen etwa im Rahmen der Agrarumweltprogramme kann künftig Landwirten erlauben, die "Produktion von Artenvielfalt" in ihr Wirtschaftsziel zu integrieren. Damit wird es letztlich zur Frage an unsere Gesellschaft, welche biologische Vielfalt wir in unserer Kulturlandschaft wollen und zu bezahlen bereit sind.

T. van Elsen

Tuexenia 21, 2001, S. 307/308

Bespr.: Botanik und Naturschutz in Hessen 15, 2002 top ↑

Auswertungen der Roten Listen nennen Änderungen in der Landbewirtschaftung als Hauptrückgangsursache für den Artenschwund in der Kulturlandschaft. Die konventionelle Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden, leichtlöslichen Handelsdüngern und mit eingeengten Fruchtfolgen, aber auch die Nutzungsaufgabe von Grenzertragsstandorten schränken den Lebensraum vieler Arten zunehmend ein. Die Landwirte drohen dabei gebietsweise selbst zur "gefährdeten Spezies" zu werden: Zuletzt wies der Naturschutzbund (NABU) mit der Kampagne "Landschaft schmeckt" darauf hin, wie Verbraucher durch ihr Einkaufsverhalten umwelt- und naturgerecht produzierende Landwirte und damit den Erhalt artenreicher Landschaften unterstützen können.

Möglicherweise kommt bei einer Ökologisierung der Landbewirtschaftung, wie siedie neue Agrarpolitik im Zuge der "Agrarwende" anstrebt, dem "kontrolliert biologischen Landbau" eine Schlüsselrolle zu, der auf gängige Agrochemikalien verzichtet sowie vielfältigere Fruchtfolgen und eine standortangepasste Tierhaltung anstrebt. Die positiven Auswirkungen des ökologischen Landbaus auf Flora und Fauna sind inzwischen durch viele Untersuchungen belegt worden, die nun um eine umfangreiche, am Institut für Botanik der TU Darmstadt angefertigte Dissertation bereichert worden sind. In dieser hat sich Lieselotte Schiller auf vergleichende Untersuchungen der Vegetation biologisch und konventionell bewirtschafteter Äcker, Grünländer und Raine konzentriert, einschließlich der seltener bearbeiteten Ebene der Vegetationskomplexe. In acht Naturräumen Südwestdeutschlands liegende biologisch und konventionell wirtschaftende Betriebspaare werden verglichen und Unterschiede bei verschiedenen Boden- und Klimabedingungen dargestellt.

Die Vegetation der Wirtschaftsflächen wird in pflanzensoziologischen Tabellen dokumentiert, die eine erste Übersicht über das Arten- und Gesellschaftsspektrum der untersuchten Halm- und Hackfruchtäcker (279 Aufnahmen) und Grünlandflächen (141 Aufnahmen) geben. Die aus den Untersuchungsgebieten bisher kaum dokumentierte Vegetation der Raine wird von der Autorin in "die Gesellschaften von trittbeeinflussten Rainen mit 108 Aufnahmen, die Grünlandgesellschaften i.w.S. der Raine mit 98 Aufnahmen und die Gesellschaften im Bereich von Gebüsch-/Waldrändern (126 Aufnahmen)" untergliedert. Die Verteilung der Pflanzengesellschaften auf Schlägen unterschiedlicher Bewirtschaftungsform wird mittels sigmasoziologischer Aufnahmen dargestellt, wodurch alle auf einer Fläche vorhandenen Gesellschaften einschließlich ihrer Deckung und Abundanz erfasst werden.

Die Ergebnisse zur Artenvielfalt im Bewirtschaftungsgradient konventionell/ökologisch decken sich mit aus früheren Untersuchungen bekannten Ergebnissen: Die Pflanzengesellschaften der konventionell bewirtschafteten Ackerflächen erweisen sich in ihrer Artenvielfalt als deutlich verarmt. Weniger eindeutig sind die Unterschiede im Grünland: Biologisch bewirtschaftete Wiesen und Weiden zeigen im Mittel eine 10-15% höhere Kräuterdeckung und um etwa 10% höhere Artenzahlen als konventionell bewirtschaftete. Entscheidender für die Artenzusammensetzung ist hier jedoch die Bewirtschaftungsintensität, die nicht notwendig mit der Anbauweise korreliert sein muss. - Bei den Rainen zeigt sich, dass auf konventionellen Flächen "das Verhältnis der auftretenden Vegetationseinheiten leicht zugunsten der Vegetationseinheiten mit nitrophytischen Arten verschoben ist".

Die Autorin unterzieht die mittels klassischer Tabellenarbeit ausgewerteten Aufnahmen zusätzlich einer multivariaten Analyse. Die Analyse der Vegetationskomplexe zeigt unter anderem, dass die Vegetation der Raine deutlich von der Nutzung der angrenzenden Wirtschaftsflächen beeinflusst wird: Gesellschaften hoher Störungsintensität (ruderale Rasen und Trittgesellschaften) grenzen häufiger an Äcker an als an Grünland. Die Vielfalt der Gesellschaften auf den Schlägen ist bei konventioneller Bewirtschaftung geringer; die Komplexe von unterschiedlich bewirtschafteten Flächen sind hier durch das stete Auftreten von verarmten Gesellschaften in Komplexaufnahmen geprägt.

Inwieweit ökologische Anbauverfahren wirkungsvoll Naturschutzzielen dienen können, hängt einerseits von deren flächenhafter Ausdehnung ab. Da in Deutschland die Umstellung auf ökologischen Landbau verglichen mit Ländern wie Dänemark, Italien und Österreich lange Jahre unzureichend gefördert wurde, besteht hier großer Nachholbedarf. Parallel muss jedoch auch hier an Verbesserungsmöglichkeiten in Hinblick auf eine "naturschutzorientierte" Bewirtschaftung gearbeitet werden, die von der Autorin in der etwas knapp gehaltenen Diskussion von Naturschutzaspekten nur ansatzweise thematisiert werden. Auch bei biologischer Wirtschaftsweise begrenzen ökonomische Zwänge die Einbeziehung von Naturschutzzielen etwa bei der Bewirtschaftung von Grünland; besondere Anstrengungen zur "Produktion von Artenvielfalt" sind nur durch die angemessene Honorierung ökologischer Leistungen etwa im Rahmen der Agrarumweltprogramme möglich, die letztlich Ausdruck der Bereitschaft unserer Gesellschaft sind, welche biologische Vielfalt wir in unserer Kulturlandschaft wollen und zu bezahlen bereit sind.

Thomas van Elsen

Botanik und Naturschutz in Hessen 15, 2002

Inhaltsverzeichnis top ↑

1 Einführung 1
2 Bisheriger Kenntnisstand: Vergleichende Untersuchungen zur
biologischen und konventionellen Bewirtschaftung (Vegetation, Flora,
Fauna und Boden) 6
2.1 Pflanzensoziologische Untersuchungen der Wirtschaftsflächen
(Auswahl) 6
2.1.1 Äcker 6
2.1.2 Grünland 7
2.2 Arbeiten zu sonstigen Organismengruppen (Auswahl) 8
2.3 Boden (Auswahl) 11
3 Physisch-geographische Grundlagen 13
3.1 Auswahl und Lage der Naturräume 13
3 2 Griesheimer Sandgebiet und Neckarried westlich von Darmstadt (G) 14
3.3 Bergstraße und Odenwald östlich von Heppenheim (O) 14
3.4 Nürnberger Sandgebiete (N) 15
3.5 Südliches Ansbacher Hügelland (A) 15
3.6 Vorland der Fränkischen Alb (V) und mittlere Fränkischen Alb (F) 16
3.7 Schwäbische Alb(S) 16
3.8 Klettgau bei Uhlingen/Birkenau (K) 17
4 Methoden 19
4.1 Kriterien für die Auswahl der Höfe und Schläge 19

4.2 Betriebsdaten 21
4.3 Bodenuntersuchungen 21
4.3.1 Probenahme 21

4.3.2 Bestimmung des pH-Wertes 22
4.3.3 Umgang mit nicht beprobten Flächen 24

4.4 Klassische Pflanzensoziologie, 24
4.5 Sigmasoziologie 25
4.5.1 Definition und Abgrenzung der Vegetationskomplexe 26

4.5.2 Grenzziehung der Sigma-Aufnahmen im Gelände 29
4.5.3 Aufnahmemethode 32
4.6 Diversität 33
4.7 Multivariate Analysen 34
4.7.1 Kurzbeschreibung der angewandten Verfahren 35
4.7.2 Voreinstellungen 37
4.7.3 Vergleich der beiden Methoden der indirekten Gradientenanalyse 40
5 Ergebnisse und Diskussion 42
5.1 Bodenkundliche Untersuchungen 42
5.1.1 Geologisches Ausgangssubstrat und pH-Werte des Ap-Horizonts 42

5.2 Pflanzengesellschaften, klassische Bearbeitung 45
5.2.1 Ackerbeikrautgesellschaften 45
5.2.2 Grünlandgesellschaften 50
5.2.3 Raingesellschaften 55
5.3 Verteilung der Pflanzengesellschaften auf Schlägen unterschiedlicher
Bewirtschaftungsforrn (Bearbeitung anhand sigmasoz. Aufnahmen) 61
5.3.1 Ackerbeikrautgesellschaften 61
5.3.2 Grünlandgesellschaften 66
5.3.3 Gesellschaften der Raine 70
5.4 Pflanzengesellschaften, multivariate Analyse und Vergleich mit den
Ergebnissen aus den Kapiteln 5.2 und 5.3 77
5.4.1 Ackerbeikrautaufnahmen 77
5.4.2 Grünlandaufnahmen 81
5.4.3 Rainaufnahmen 84
5.5 Vegetationskomplexe, klassische Bearbeitung 90
5.5.1 Äcker 91
5.5.2 Grünland 97
5.5.3 Raine 100
5.6 Vegetationskomplexe, multivariate Analyse und Vergleich mit den
Ergebnissen aus Kap. 5.5 108
5.6.1 Äcker 108
5.6.2 Grünland 114
5.6.3 Raine 11
5.7 Diversitätsmerkmale 121
5.7.1 Artniveau - Alpha-Diversität 121
5.7.2 Gesellschaftsniveau Gamma-1-Diversität 134
6 SynoptischeDiskussion 148
6.1 Beziehungen: Standortsfaktoren, Bewirtschaftungsformen und
Vegetation 148
6.1.1 Äcker 148
6.1.2 Grünland 149

6.1.3 Raine 151
6.2 Beziehungen zwischen Rainen und Schlägen 154
6.2.1 Einflüsse von Schlägen auf Raine 154
6.2.2 Einflüsse von Rainen auf Schläge 155
6.3 Diskussion der Methoden 156
6.3.1 Sigmasoziologische Analysen 156
6.3.2 Multivariate Analysen 156
7 Naturschutzaspekte 160
7.1 Bedeutung der Biodiversität für den Naturschutz 160
7.2 Bedeutung der biologischen Landwirtschaft für den Arten- und
Biotopschutz und den Schutz erhöhter Biodiversität 160
7.2.1 Äcker 160
7.2.2 Grünland 162
7.2.3 Raine 163
8 Zusammenfassung 164
9 Summary 167
10 Danksagung 170
11 Literatur 171
12 Anhang (mit geringer Stetigkeit auftretende Arten der Tabellen) 180