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Uta Kleinknecht:

Primäre Gehölzsukzession in der Bergbaufolgelandschaft des Leipziger Südraums

[The primary succession of bushes and shrubbery in the former pit mining area South of Leipzig, Germany]

2002. XVI, 187 Seiten, 74 Abbildungen, 97 Tabellen, 14x22cm, 420 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 358)

ISBN 978-3-443-64270-9, brosch., price: 50.00 €

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Keywords

LeipzigBergbaufolgelandschaftGehölzbestandHieracio piloselloidis-Betuletum pendulae

Contents

Beschreibung top ↑

Ziel der vorliegenden Arbeit war die vegetationskundliche und ökologische Differenzierung der natürlich aufgewachsenen Gehölzbestände der Bergbaufolgelandschaft des Leipziger Südraums. Die Vorwälder frischer bis trockener Standorte bilden die Grundlage für die Beschreibung einer neuen Assoziation, das Hieracio piloselloidis-Betuletum pendulae.

Zur ökologischen Charakterisierung der natürlich aufgewachsenen Gehölzbestände erfolgte einerseits eine qualitative Prüfung aller untersuchten Bestände hinsichtlich soziologischer Bindung, Verbreitungsmechanismen, Strategietypen und Lebensformen, andererseits auf 20 Dauerbeobachtungsflächen die Erhebung der bodenphysikalischen und -chemischen Bedingungen, der vertikalen und altersbezogenen Gehölzstruktur, der Diasporenbank und des Diasporenniederschlags. Eine Charakterisierung der floristisch differenzierten Vegetationseinheiten anhand dieser Parameter außer der Diasporenbank ist möglich. Jedoch liefert die Diasporenbank Aussagen über vorangegangene Sukzessionsstadien.

Basierend auf der Erfassung des Ist-Zustandes wurden mit Hilfe indirekter Sukzessionsanalysen Sukzessionsmechanismen und -modelle abgeleitet und praktische Hinweise für die Sanierungsplanung gegeben.

Bespr.: Tuexenia 23, 2003 top ↑

Die zumeist sehr öde wirkenden Tagebaulandschaften des Braunkohleabbaus gehören schon seit längerem zu den interessanten Studienobjekten der Vegetationsökologen. Hier kann man in Mitteleuropa noch Vorgänge echter Primärsukzession auf anfänglich lebensfreiem Substrat untersuchen, zudem für die Praxis Ratschläge für eine naturnahe Begrünung erarbeiten. Sicher zunächst unerwartet, sind solche Gebiete inzwischen sogar für den Naturschutz von Bedeutung. - Die vorliegende Arbeit (50 EUR) richtet sich auf bereits weiter fortgeschrittene Sukzessionsstadien, nämlich verschiedene Gehölze. Die vegetationskundliche Erfassung sollte Aufschluss über gemeinsame Charakteristika weit gestreuter Gehölzflächen geben, sowohl aus pflanzensoziologischer wie allgemeiner struktureller und ökologischer Sicht. Dabei werden auch grundlegende Fragen der Sukzession (Ausbreitungsbiologie, Strategien von Arten) bis zu modellartigen Vorstellungen zur Vegetationsentwicklung angegangen. - Die Gehölzvegetation feucht-nasser Vorwälder wird bestimmt von Salix cinerea, Alnus incana oder A.glutinosa. Bemerkenswert ist auf basenreichen Substraten das Vorkommen von Orchideen (Epipactis palustris, Dactylorhiza incarnata) und anderen Seltenheiten. Den Schwerpunkt bilden weniger feuchte Standorte mit Zitterpappel-Birkenbeständen, die als neue Assoziation Hieracio piloselloidis-Betuletum pendulae (Sambuco-Salicion) mit vielen Untereinheiten bereits in Tuexenia 21 vorgestellt wurden. Hier werden die Gesellschaften jetzt eingehender hinsichtlich ihrer Ausbreitungsmechanismen, Strategietypen, Lebensformen, Rote Liste-Arten und vor allem bodenökologischer Analysendaten besprochen. Auch Diasporenbank und -niederschlag werden sehr differenziert vorgestellt. Ökologisch lassen sich die Bestandestypen über Zeigerwerte und Messdaten kennzeichnen und voneinander absetzen, auch unter Anwendung multivariater Vergleiche. In der Diskussion werden allgemeinere Züge der Sukzession herausgestellt, z.B. die Abhängigkeit von Säuregrad und Nährstoffgehalt des Substrates, das Vorherrschen anemochorer Ruderalstrategen in der Anfangsphase, Bezüge zum Diasporenangebot aus der Umgebung. Sukzessionsschemata zeigen Grundzüge der bisherigen Entwicklung und Annahmen der Weiterentwicklung zum Quercion roboris oder Carpinion. Aus den Ergebnissen wird abschließend ein Leitbild für die Sanierungsplanung auf natürlicher Grundlage vorgestellt. Die sehr gründliche und detaillierte Analyse und Synthese sollte sich auch anregend auf weitere Untersuchungen auswirken.

H.Dierschke

Tuexenia 23, 2003

Inhaltsverzeichnis top ↑


1 Einleitung 1
2 Untersuchungsgebiet und Methoden 4
2.1 Untersuchungsgebiet 4
2.1.1 Lage und naturräumliche Einordnung 4
2.1.2 Klima 4
2.1.3 Geologie 6
2.1.4 Hydrologie 7
2.1.4.1 Oberflächengewässer 7
2.1.4.2 Grundwasser 7
2.1.5 Nutzungsgeschichte 8
2.1.6 Folgen des Großtagebaus 9
2.1.6.1 Geologie 9
2.1.6.2 Hydrologie 11
2.1.7 Spezifische Angaben zu einzelnen Tagebauen und Kippen 11
2.2 Methoden 15
2.2.1 Vegetationserfassung 15
2.2.2 Dauerbeobachtungsflächen 15
2.2.3 Bodenuntersuchungen 16
2.2.4 Dendroökologische Untersuchungen 18
2.2.4.1 Jahresringanalyse 18
2.2.4.2 Gehölzvermessungen 18
2.2.5 Diasporenbankuntersuchungen 18
2.2.6 Erhebung des Diasporenniederschlags 21
2.2.7 Auswertung 22
2.2.7.1 Tabellenauswertung pflanzensoziologischer Daten 22
2.2.7.2 Bezugsquelle der ökologischen Daten 22
2.2.7.3 Zeigerwerte 23
2.2.7.4 Klassifikation 24
2.2.7.5 Ordination 24
2.2.7.6 Weitere statistische Methoden 25
3 Ergebnisse 26
3.1 Vegetation 26
3.1.1 Vegetationseinheiten 26
3.1.1.1 Vorwälder feuchter bis nasser Standorte 26
3.1.1.2 Vorwälder trockener bis frischer Standorte 30
3.1.2 Charakteristika des Artenspektrums 37
3.1.2.1 Artenzahlen 37
3.1.2.2 Soziologische Bindung 39
3.1.2.3 Verbreitungsmechanismen 40
3.1.2.4 Strategietypen 42
3.1.2.5 Lebensformen 43
3.1.3 Gefährdete Arten 44
3.2 Boden 46
3.2.1 pH-Wert und Kalk 46
3.2.2 Nährstoffe 47
3.2.3 Kohlenstoff und C/ N-Verhältnis 48
3.2.4 Bodenformen 50
3.2.5 Kationenaustauschkapazitäten 52
3.3 Alter der Gehölzbestände 54
3.4 Vertikale Raumstruktur der Gehölzbestände 55
3.4.1 Vorwälder nasser bis feuchter Standorte 55
3.4.2 Vorwälder frischer bis trockener Standorte 57
3.5 Diasporenbank 60
3.5.1 Artenzahlen 60
3.5.2 Diasporenzahlen 62
3.5.3 Übereinstimmung mit der aktuellen Vegetation 62
3.5.4 Soziologische Bindung 62
3.5.5 Verbreitungsmechanismen 65
3.5.6 Strategietypen 66
3.5.7 Lebensformen 68
3.6 Diasporenniederschlag 70
3.6.1 Artenzahlen 70
3.6.2 Diasporenzahlen 71
3.6.3 Übereinstimmung mit der aktuellen Vegetation 72
3.6.4 Übereinstimmung mit der Diasporenbank 73
3.6.5 Soziologische Bindung 74
3.6.6 Verbreitungsmechanismen 77
3.6.7 Strategietypen 78
3.6.8 Lebensformen 80
4 Ökologie der Vorwälder 83
4.1 Vorwälder feuchter bis nasser Standorte 83
4.1.1 Indirekte ökologische Gradienten 83
4.1.2 Direkte ökologische Gradienten 84
4.1.2.1 Abiotische Faktoren 84
4.1.2.2 Zeigerwerte 85
4.1.2.3 Strukturelle Parameter 87
4.1.2.4 Soziologische Bindung 88
4.1.2.5 Verbreitungsmechanismen 91
4.1.2.6 Strategietypen 92
4.1.2.7 Lebensformen 93
4.1.2.8 Diasporenbank und Diasporenniederschlag 94
4.1.3 Zusammenfassende Betrachtung 94
4.2 Vorwälder frischer bis trockener Standorte 97
4.2.1 Indirekte ökologische Gradienten 98
4.2.2 Direkte ökologische Gradienten 100
4.2.2.1 Abiotische Faktoren 100
4.2.2.2 Zeigerwerte 103
4.2.2.3 Strukturelle Parameter 104
4.2.2.4 Soziologische Bindung 107
4.2.2.5 Verbreitungsmechanismen 108
4.2.2.6 Strategietypen 109
4.2.2.7 Lebensformen 110
4.2.2.8 Diasporenbank und Diasporenniederschlag 111
4.2.2.9 Zusammenfassende Betrachtung 113
5 Diskussion 119
5.1 Vegetationskundliche Differenzierung der Gehölzbestände 119
5.2 Ökologische Eigenschaften der Gehölzbestände 120
5.2.1 Charakteristika der Artenzusammensetzung 120
5.2.2 Abiotische Faktoren 122
5.2.3 Gehölzalter und -struktur 124
5.2.4 Diasporenbank 124
5.2.5 Diasporenniederschlag 127
5.3 Sukzession innerhalb der Gehölzbestände 129
5.3.1 Sukzessionsmechanismen 129
5.3.2 Sukzessionsmodelle 135
5.3.2.1 Weidengebüsche und Erlenbestände 135
5.3.2.2 Birkenvorwälder 137
5.4 Praktische Hinweise für die Sanierungsplanung 141
6 Zusammenfassung / Summary 145
7 Literaturverzeichnis 147
8 Anhang 161