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Stefan Eggenberg:

Die Waldgrenzvegetation in unterschiedlichen Klimaregionen der Alpen

[Treeline vegetation characteristics in different climatic zones of the Alps]

2002. 157 Seiten, 37 Abbildungen, 15 Tabellen, 14x23cm, 320 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 360)

ISBN 978-3-443-64272-3, brosch., price: 34.00 €

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Keywords

Botanik Wald Vegetaion Alpen

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Die vorliegende befaßt sich mit der baumfreien Vegetation an der Waldgrenze. Sie ist ein Teil eines Projektes, das die Waldgrenzschwankungen in den Schweizer Alpen seit der Waldentwicklung nach der letzten Eiszeit zu rekonstruieren und erklären versucht. Innerhalb dieses Projektes stellte sich die Farge, wie sich die baumfreie Vegetation an einem Waldgrenzort entwickelt, wenn sich das Klima verändert. Das Konzept der Arbeit bestand darin, eine grössere Anzahl klimatisch verschiedener Waldgrenzorte aufzusuchen, die Zusammensetzung der jeweiligen Vegetation zu ermitteln und sie in Beziehung zu seiner klimatischen Charakteristik zu setzen.

Bespr.: Ber.Bayer.Bot.Ges. 73/74, 31.12.04, S. 239 top ↑

Eggenbergs Studie behandelt die Waldgrenzvegetation in verschiedenen Regionen der Schweizer Alpen, was sich durchaus in ihrem Titel hätte niederschlagen können.

In einem ersten Kapitel beschäftigt sich der Autor mit der Lage der Wald- und Baumgrenze in den Schweizer Alpen und dem Klima an der Waldgrenze. In einem zweiten Abschnitt wird die Vegetation der Zwergstrauchgesellschaften an der Waldgrenze untersucht. Die Ergebnisse werden in nach der Methode von Braun-Blanquet erarbeiteten Vegetationstabellen dargestellt und abschließend einer Erfassung nach dem Soziations-System von Du Rietz gegenübergestellt. Für die in Kapitel 4 dargestellten weiteren Auswertungen wurden zunächst in etwa 30 Gebieten eine Art vereinfachter _-Aufnahmen (Aufnahmen von Vegetationskomplexen) erhoben. In einer Niederschlagsgradienten-Analyse lassen sich die Flächen der Nord-, Inner- und Südalpen voneinander unterscheiden. Größeren Raum widmet der Verfasser der Darstellung der 30 Untersuchungsregionen, in denen die Vegetationskomplexe bearbeitet wurden, in einem Koordinatensystem aus Höhe der Jahresniederschläge und Anzahl der Niederschlagstage pro Jahr. Auch einzelne Arten der jeweiligen Zwergstrauch-Gesellschaften werden in dieses Koordinatensystem eingetragen. Eine Twinspan-Analyse der mittleren Vorkommen jeder Heidegesellschaft in den Einheitsflächen unterscheidet sieben geographische Regionen, die gut mit z. B. den von Ozenda benutzten bio-geographischen Sektoren übereinstimmen. Geographisch finden sich die meisten Zwergstrauchgesellschaften in allen Teilbereichen des Untersuchungsgebiets, entsprechend dem Gesetz der Relativen Standortskonstanz jedoch unterschiedlich eingenischt.

Zur Modellierung der Waldgrenzökotone wurden digitale Karten von drei Faktoren (Anzahl der Regentage, Jahresniederschlag, Exposition) mittels GIS in Punktraster mit 100 m Maschenweite umge- wandelt. Als Vegetationsdaten wurden die ca. 500 vereinfachten Z-Aufnahmen eingesetzt. Als die realen Verhältnisse am besten voraussagendes Modell erwies sich ein Häufigkeitsmodell mit den beiden Parametern Jahresniederschlag und Anzahl der Regentage, das für die Nord- und die Südhänge jeweils ge- trennt berechnet wurde. Simulationen mit veränderten Niederschlagsverhältnissen erweisen die Grenzbereiche zwischen den heute ozeanisch bzw. kontinental getönten Teilen des Untersuchungsgebietes als die am sensibelsten reagierenden. Ein Kapitel mit einer zusammenfassenden Gesamtdiskussion und das Literaturverzeichnis beschließen den Band.

Insgesamt leidet die Arbeit unter einer gewissen Knappheit, um nicht zu sagen Oberflächlichkeit. Dies beginnt mit Formalien wie den fehlenden Ortsdaten (und anderen Angaben) für die ebenen Vegetationsaufnahmen, setzt sich u.a. fort in der fehlenden Wiedergabe der Z-Aufnahmen, die essentielle Basis des analysierenden Teils der Arbeit sind. Auch z.B. die Umsetzung digitaler Niederschlagskarten in Karten mit 100 m Maschenweite - eigentlich eine reine Leer-Vergrößerung ohne jeglichen Daten-Hintergrund - würde eine eingehende Diskussion und Begründung erfordern. Grundsätzlich aber hätte man sich angesichts der zunehmenden Untersuchungen und Diskussionen, des zunehmenden Gewichts des laufenden Klimawandels in der Öffentlichen Meinung einen eher darauf zentrierten Untersuchungs- ansatz vorstellen können. Wer sich mit Waldgrenz-Vegetation beschäftigt, wird dennoch zu diesem Buch greifen müssen.

Franz Schuhwerk

Ber. Bayer.Bot.Ges. 73/74, 31.12.2004, S. 239

Inhaltsverzeichnis top ↑

Zusammenfassung 5
Summary 6
1. Einleitung 9
2. Die Waldgrenze im Untersuchungsgebiet 13
2.1 Die Ermittlung von Wald- und Baumgrenze 13
2.2 Isolinien von Wald- und Baumgrenze 14
2.3 Das Klima an der Waldgrenze 16
3. Vegetation an der Waldgrenze 23
3.1 Methoden 24
3.2 Pflanzensoziologische Einheiten 25
3.2.1 Gesellschaften der Alpenrosenheiden 29
3.2.2 Gesellschaften der Wacholderheiden 47
3.2.3 Gesellschaften der Krähenbeerenheide 60
3.2.4 Gesellschaften der Grünerlengebüsche 66
3.3 Soziationen 70
4. Niederschlagsklima und Vegetation 77
4.1 Erhebung der Vegetationskomplexe 78
4.2 Erklärende Umweltfaktoren 80
4.3 Pflanzen und Pflanzengesellschaften im Niederschlagsgradienten
(Gradientanalyse) 83
4.3.1 Alpenrosenheide 83
4.3.2 Wacholderheide 89
4.3.3 Krähenbeerenheide 95
4.3.4 Mischheiden 96
4.3.5 Grünerlengebüsche 97
4.3.6 Rasenvegetation und Hochstaudenfluren 98
4.4 triogeographische Aspekte 103
4.4.1 TWINSPAN-Analyse der Untersuchungsgebiete 103
4.4.2 Korrespondenzanalyse der Hangflächen 108
4.4.3 Diskussion bingeographischer Aspekte 113
4.4.4 Die bingeographischen Regionen 115
4.4.5 Relative Standortskonstanz 118
5. Simulation der Vegetation im Waldgrenzökoton 121
5.1 Methoden 122
5.2 Resultate und Diskussion 129
6. Gesamtdiskussion 147
Literatur 153
Abkürzungen 157

Bespr.: Tuexenia 23, 2003 top ↑


Das Studienobjekt dieser Arbeit (34 EUR) ist die Vegetation im
Übergangsbereich von geschlossenen Wäldern zu alpinen Rasen, die vor
allem aus Zwergstrauchheiden besteht. Unklar bleibt die Definition der
Waldgrenze. Zwar wird anfangs von naturnaher Vegetation gesprochen,
gemeint ist aber wohl doch der aktuelle Zustand unter langzeitigem
anthropogenem Einfluss. Näher untersucht wurden 29 Waldgrenzökotone
auf Silikatgestein der Schweizer Alpen in einem Nord-Süd-Transekt mit
sehr unterschiedlichem Klima. Den ersten Hauptteil bildet eine
breitere Darstellung der Pflanzengesellschaften auf der Grundlage von
150 Aufnahmen: Rhododendro- und Empetro-Vaccinietum,
Junipero-Arctostaphyletum, Alnetum viridis und randlich das Festucetum
paniculatae. Bemerkenswert differenziert ist die Untergliederung in
Subassoziationen, die zum Teil neu beschrieben werden. Unklar bleibt
der Zweck eines Versuches, diese Gesellschaften auch nach
Schichtsynusien als Soziationen abzugrenzen. Die Subassoziationen
(später als Varianten bezeichnet) sind Grundlage für Korrelationen mit
Klimadaten, insbesondere mit der Zahl der Regentage und dem
Jahresniederschlag. Diese Parameter werden als Achsen von Ökogrammen
verwendet, in denen sich die Gesellschaften, noch getrennt nach ihrem
Vorkommen an Nord- oder Südhängen, ökologisch interpretieren
lassen. Im Text werden gesellschaftsspezifische Gebietsverteilung und
floristische Eigenheiten erörtert. Eine Tabelle der
Vegetationskomplexe an den Nord- und Südhängen der Gebiete führt zu
einer Klassifikation des Gesamtgebietes in biogeographische
Regionen. Aufgrund der Beziehungen zwischen Vegetation und Klima
lassen sich mit Hilfe eines Modells Karten der potentiellen
Verbreitung der Gesellschaften herstellen. Insgesamt geht die Arbeit
damit über die pflanzensoziologische Darstellung weit hinaus in
Richtung einer biogeographischen Großgliederung mit Hilfe von
Vegetationskomplexen. Entsprechende Untersuchungen wären auch für
andere Vegetationstypen sehr interessant.


H.Dierschke


Tuexenia 23, 2003