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Dierk Michaelis:

Die spät- und nacheiszeitliche Entwicklung der natürlichen Vegetation von Durchströmungsmooren in Mecklenburg-Vorpommern am Beispiel der Recknitz

[Late and postglacial development of the indigenous vegetation of percolation-mires in Mecklenburg-Vorpommern State, Germany: The Recknitz example]

2002. 188 Seiten, 40 Abbildungen, 10 Tabellen, 14x23cm, 480 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 365)

ISBN 978-3-443-64277-8, brosch., price: 50.00 €

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Keywords

MoorRecknitzMecklenburg-VorpommernEiszeitVegetation

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Im Rahmen dieser Arbeit wurden acht Profile mit insgesamt 41,8 m Länge und daraus 396 Proben auf Großreste hin analysiert. Diese beinhalteten Torfe, Mudden, Sande und Schluff. Die daraus erstellten Makrofossildiagramme sind zoniert, beschrieben und hinsichtlich der torfbildenden Vegetation, der Hydrologie und Standortparameter (Trophie, Reaktion) interpretiert worden. Dabei konnten Ablagerungen von Verlandungs-, Versumpfungs-, Quell-, Überflutungs-, Überrieselungs-, Durchströmungs- und Regenmooren identifiziert werden.

Content Description top ↑

Eight cores from the Recknitz valley mire with a total length of 41,8 metres were analyzed for macrofossils in this study. The 396 samples included peats, muds, sands, and silts. The macrofossil diagrams were arranged, described, and interpreted with respect to peat-forming vegetation, hydrology, and other factors (nutrients, pH value). It was possible to identify deposits of terrestrialisation mires, paludification mires, spring mires, transgression mires, surface flow mires, percolation mires, and raised bogs.

Bespr.: Tuexenia 23, 200 top ↑

Durchströmungsmoore sind vermoorte Niederungen, in denen oberflächennah Wasser von quelligen Randhängen zum Fließgewässer in ständigem Strom durchsickert. Da diese Talungen bei uns großenteils seit langem entwässert und genutzt werden, gibt es nur noch wenig aktuelles Anschauungsmaterial; man ist vorwiegend auf die Rekonstruktion früherer Zustände und Entwicklungen angewiesen. Dies geschieht in vorliegender Arbeit mit verschiedenen Ansätzen. Im Vordergrund stehen detaillierte Großrestuntersuchungen von 8 Bohrprofilen, begleitet von einigen Pollenanalysen zur zeitlichen Einordnung der lokalen Ergebnisse. Die Großrestfunde werden einer Art pflanzensoziologischer Analyse und Synthese unterzogen. Mit Hilfe einer großen Tabelle werden die Funde floristisch gegliedert und 8 Torftypen zugeordnet. Eine Vorstellung aktueller Vegetation liefern zwei Beispiele von ungestörten Durchströmungsmooren aus Polen und Weißrussland mit gehölzarmen Bult-Schlenken-Systemen bei Vorherrschen von Seggenrieden. In der langen Diskussion (teilweise eher zum Ergebnisteil gehörend) werden unter Zusammenfassung der Einzelergebnisse die floristischen Torftypen genauer beschrieben und die Genese der erbohrten Moorbereiche analysiert. Erstvorkommen von Carex limosa und Meesia triquetra lassen den Übergang von anfänglichen Überrieselungsmooren (Atlantikum, zuerst mit Birkenbruch) zu Durchströmungsmooren erkennen, denen kleinflächig noch ein Regenmoor mit Sphagnen aufgesetzt sein kann. - Im aktualistischen Vergleich wird versucht, die vermutlichen Entwicklungsstadien bestimmten Pflanzengesellschaften zuzuordnen. Hieraus ergeben sich Leitbilder und Vorschläge für Renaturierungsvorhaben. Das Buch (50 EUR) zeigt, wie man über eine Art detektivisches Puzzlespiel am Ende zu gut nachvollziehbaren Ergebnissen kommen kann.

H.Dierschke

Tuexenia 23, 2003

Bespr.: TELMA 33 (2003) top ↑

In diesem Band der Dissertationes Botanicae veröffentlicht Michaelis seine 2000 in Greifswald abgeschlossene Dissertation. Die Arbeit widmet sich den heute nicht mehr existenten Durchströmungsmooren als Untertyp der Flusstalmoore in Abgrenzung zu Schwing- und Überrieselungsmooren. Da potentielle Standorte in den Flusstälern alle in Kultur genommen sind, ist ihr postulierter Charakter der eines schwammsumpfigen, schwach geneigten, oszillationsfähigen Flusstalmoores.

Auf 14 Seiten führt Michaelis in das Thema und das Untersuchungsgebiet ein, es folgen 10 Seiten Material und Methoden, 31 Seiten Ergebnisse und 82 Seiten Diskussion. Ziel der Analysen ist eine floristische Klassifizierung von Torftypen, wobei vor allem die mikroskopische Makrofossilanalyse zur Anwendung kommt. Damit widmet er sich einer in den letzten Jahren etwas vernachlässigten paläoökologischen Methode. Pollenanalysen ergänzen die Ergebnisse, dienen vor allem aber der Datierung der Profile. Insgesamt 41,8 m Bohrkerne in 8 Profilen mit 396 Makrorestproben hat der Autor untersucht. Ein Teil der Pollenanalysen konnte aus bereits vorliegendem Material übernommen wurden, ein Diagramm hat der Autor selber erstellt.

Aufgrund der schwierigen Aufgabe, heute nicht mehr existente Pflanzengesellschaften zu rekonstruieren, hat Michaelis keine strenge syntaxonomische Vorgehensweise mit Kennarten gewählt, sondern verfährt nach dem Vegetationsformenkonzept der Eberswalder Schule und kommt damit zu einer Gliederung aufgrund der Kombination ökologischer Artengruppen. Die Analyse führt zu einer Klassifikation von 7 Torftypen ohne und einem mit Gehölzresten. Es sind dies ein

* Kieselalgen-Schilftorf * Armleuchteralgen-Schneidentorf * Armleuchteralgen-Schnabelseggentorf * Krummoos-Schlammseggentorf * Spießmoos-Skorpionsmoostorf * Goldmoos-Seggentorf * Torfmoos-Seggentorf * Birkenbruchtorf

Diese Torftypen werden spezifischen Vegetationsniveaus (Höhe der Mooroberfläche zum mittleren Moorwasserstand), Trophiestadien und Salinitätsstufen zugeordnet. Auf diesem Wege ließen sich aus den Torftypen Moortypen rekonstruieren, die in zwei Transekten (Abb. 25 u. 26) zusammengestellt sind. Leider sind diese sehr wichtigen Ergebnisse nicht so übersichtlich gestaltet, das die verschiedenen hydrogenetischen Moortypen in ihrer Tiefenposition und Abfolge auf einen Blick erfasst werden können. Die zuvor eingeführten Begriffe werden nicht wieder aufgegriffen (Cladiumtorf mit Chara anstelle von Armleuchteralgen-Schneidentorf). Eine Verwendung von Schraffuren und Symbolen wäre an dieser Stelle hilfreich gewesen.

Drei der Profile sind durch Pollenanalysen datiert, zwei 14C-Daten ergänzen und bestätigen dieses relativ grobe, für die Fragestellung aber ausreichendes Datierungsgerüst. In diesem Zusammenhang stört auch die Verwendung unkalibrierter Altersangaben nicht, wenn auch in Zukunft angesichts paläoökologischer Vergleiche mit jahresgeschichteten Sedimenten, Grönlandeiskernen und dendroklimatologischen Ergebnissen sicher nur kalibrierte Angaben Verwendung finden werden. Die pollenanalytischen Datierungen erfolgen im Vergleich mit Diagrammen von Rügen (ca. 100 km nordöstlich des Untersuchungsgebietes) und dem Odermündungsbereich (ca. 150 km östlich).

So lässt sich auch die Nutzungs- und damit Zerstörungsgeschichte der Durchströmungsmoore nur dahingehend rekonstruieren, dass die Talung der Recknitz wohl bis in slawische Zeit im Naturzustand verblieben ist, um dann während der deutschen Ostkolonisation und dem damit verbundenen Landesausbau zu stagnieren. Spätestens ab dem 18. Jahrhundert nimmt Michaelis in der Folge von Entwässerung und Kultivierung eine Sackung und Vererdung der Durchströmungsmoore an, bis dann im 20. Jahrhundert die Moorböden infolge der industriellen Landwirtschaft stark degradiert sind. Als Renaturierung bzw. Revitalisierung schlägt er die Auswahl geeigneter Bereiche unterhalb von Hangmooren mit permanentem Grundwasserstrom vor.

Es ist dem Autor mit seiner Arbeit der Nachweis eines nicht mehr existierenden Moortyps glaubhaft gelungen, der in der Naturlandschaft des Norddeutschen Flachlandes weite Bereiche der flachen Flusstalmoore geprägt haben dürfte. Für die Moorkunde und den Bereich der Renaturierung liefert er damit einen wichtigen Beitrag mit einem umfassenden methodischen Ansatz.

W. DÖRFLER

TELMA 33 (2003)

Inhaltsverzeichnis top ↑

1. EINFÜUHRUNG 7

1.1. Forschungsstand 7

1.1.1. Das Konzept des hydrogenetischen Moortyps Durchströmungsmoor 7
1.1.2. Das Bild der Literatur von der Vegetation der Flußtalmoore 10
1.2. Zielstellung der Arbeit 11

1.2.1. Identifikation von Durchströmungsmoorbedingungen 11
1.2.2. Rekonstruktion der torfbildenden Vegetation 12
2. UNTERSUCHUNGSGEBIET 14
2.1. Lage und naturräumliche Charakteristik 14
2.2. Anlage und Entwicklung des Recknitz-Tales 16
2.3. Hydrologische Verhältnisse 18
2.4. Klimatische Bedingungen 18
2.5. Die überlieferte Geschichte des Recknitz-Tales 19
3. MATERIAL UND METHODEN 21
3.1. Makrofossil-Analysen 21
3.1.1. Probengewinnung 21
3.1.2. Aufbereitung der Makrofossil-Proben 22
3.1.3. Analyse der Proben 24
3.1.4. Verwendete Bestimmungsliteratur 25
3.1.5. Darstellungsweise 25
3.1.6. Auswertung der Makrofossil-Analysen 26
3.1.7. Hinweise zu den gefundenen Typen 27
3.2. Palynologische Analysen 29
3.2.1. Probengewinnung und Bearbeitung 29
3.2.2. Darstellung der Palynologischen Analysen 30
3.3. C/N-Analysen 30
4. ERGEBNISSE
4.1. Makrofossil-Analysen 31
4.1.1. Das Profil Goritz 31
4.1.2. Das Profil Liessow 32
4.1.3. Die Profile Bad Sülze Hauptbohrung, A und B 34
4.1.4. Das Profil Birkbruch 40
4.1.5. Das Profil Schaapmoor 42
4.1.6. Das Profil Freudenberg 44
4.2. Klassifikation floristischer Torftypen 46
4.3. Palynologische Analysen 50
4.3.1. Die Palynologischen Diagramme Bad Sülze H, B und S 50
4.3.2. Das Palynologische Diagramm Goritz 55
4.4. Aktuelle Vegetation naturnaher Moor 57
5. DISKUSSION 63
5.1. Charakteristik der Torftypen 63

5.2. Zeitliche Entstehung nach den palynologischen Analysen 70
5.2.1. Die Entwicklung bei Bad Sülze 70
5 2.2. Zeitliche Entwicklung bei Goritz 75
5.3. Moorgenese 77
5.3.1. Entwicklungen am Recknitz-Oberlauf 77

5.3.2. Entwicklungen im Grenztal 85
5.3.3. Die Entstehung von Durchströmungsmooren 108
5.3.4. Differenzierung im Talquerschnitt 114
5.3.5. Der Einfluß der Litorina-Transgressionen 118
5.3.6. Entstehung und Eigenart von Regenmooren im Grenztal 125
5.4. Lokale Vegetation anhand der Palynologischen Analysen 131
5.4.1. Das Pollen-Diagramm Bad Sülze H/Feuchgebietsdiagramm 132
5.4.2. Das Pollen-Diagramm Goritz/Feuchgebietsdiagramm 134
5.4.3. Autochthones Pollenspektrum mesotroph-basenreicher
Durchströmungsmoore 137
5.5. Vergleich fossiler und naturnaher aktueller Vegetation 137
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN 146
6.1. Vegetation natürlicher Durchströmungsmoare 146
6.2. Leitbilder für Naturschutz und Modelle für die Wissenschaft 147
6.3. Vorschläge für Renaturierungen bzw. Revitalisierungen 148
7. ZUSAMMENFASSUNG/SUMMARY 151
8. LITERATUR 155
9. ANHANG 165
9.1. Übersicht der gefundenen Pflanzen- und Tiersippen 165
9.2. Lage der Bohrpunkte - Detailkarten 171
9.3. Tabellen und Diagramme 179