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Steffen Wolters:

Vegetationsgeschichtliche Untersuchungen zur spätglazialen und holozänen Landschaftsentwicklung in der Döberitzer Heide (Brandenburg)

[A study of vegetation history and late glacial and Holocene landscape development of the Doeberitz Heather region, Brandenburg State, Germany]

2002. 157 Seiten, 39 Abbildungen, 13 Tabellen, 14x23cm, 380 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 366)

ISBN 978-3-443-64278-5, brosch., price: 46.00 €

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Keywords

Botanik Vegetation spätglazial holozän Landschaft Döberitzer Heide Nauener Platte Brandenburg Germany

Contents

Zusammenfassung top ↑

Vegetationsgeschichtliche Untersuchungen zur spätglazialen und holozänen Landschaftsentwicklung in der Döberitzer Heide (Brandenburg)

In der Döberitzer Heide nördlich von Potsdam wurden vegetationsgeschichtliche Untersuchungen durchgeführt. Das Untersuchungsgebiet befindet sich im östlichen Teil der Nauener Platte, die bisher vegetationsgeschichtlich weitgehend unerforscht war. In sechs verschiedenen Mooren wurden acht Bohrungen niedergebracht. Die Bohrkerne wurden stratigraphisch und pollenanalytisch untersucht und für die Radiocarbondatierung beprobt. Die Pollendiagramme ermöglichen die Rekonstruktion der Vegetationsentwicklung der terrestrischen Standorte und der Moore in der Döberitzer Heide in den letzten 14.000 Jahren.

Neben einer Revision der Gliederungsprinzipien der spätglazialen Vegetationsentwicklung Brandenburgs und einer vergleichenden Betrachtung der Moorentwicklung in der Döberitzer Heide wurde besonderes Augenmerk auf die Geschichte des Döberitzer Lindenwaldes gerichtet, der einen Sonderfall in der brandenburgischen Vegetation darstellt. Die Untersuchungen boten die Möglichkeit, die Ursachen seiner Entstehung zu klären, Aussagen zu den Perspektiven seiner Entwicklung zu treffen und mögliche Entwicklungspotentiale von Lindenwäldern im Land Brandenburg aufzuzeigen.

Bespr.: Tuexenia 23, 2003 top ↑

Die Döberitzer Heide nördlich von Potsdam wurde fast 100 Jahre als Truppenübungsplatz genutzt und war für die Wissenschaft verschlossen. Seit 1991 sind dort verschiedene Arbeiten über Vegetation, Geschichte und zum Naturschutz angefertigt worden, die nun durch die vorliegende Arbeit (46 EUR) fortgesetzt werden. In dem durch stärkere Reliefierung und entsprechende Standortvielfalt ausgezeichneten Gebiet der Brandenburger Jungmoränenlandschaft gibt es ein diverses Vegetationsmosaik, das anfänglich kurz dargestellt wird. Eine Besonderheit ist der Döberitzer Lindenwald, ein Mischwald mit herrschender Tilia cordata.

Die Untersuchungen beruhen auf Analysen von Pollen und Makroresten aus 6 Kleinstmooren. Aus der Summe der Daten wird die allgemeine Vegetationsentwicklung des Gebietes in feiner zeitlicher Auflösung rekonstruiert. So ist zum Beispiel Fagus sylvatica seit etwa 4500 Jahren vorhanden, gefolgt von Carpinus betulus, beide aber nie als dominante Waldbildner. In einem weiteren Teil wird die lokale Entwicklung der Moorvegetation rekonstruiert. - In der Diskussion entsteht im Literaturvergleich eine neue chronostratigraphische Gliederung des Spätglazials in Brandenburg. Ein Vergleich der bestehenden PNV-Karte von 1000 v.Chr. mit eigenen Daten zeigt deutliche Unterschiede, da Linde und Hainbuche in den Pollendiagrammen weniger Gewicht haben. Daraus wird geschlossen, dass das als naturnah geltende Tilio-Carpinetum stärker anthropogen geprägt sein muss. So zeigen auch dendrochronologische Analysen im Döberitzer Hainbuchenwald ein Höchstalter der Bäume von nur 84 Jahren. Naturwälder bestanden vor 3000 Jahren aus Eichen und Waldkiefer. Die Buche spielte nur lokal auf feuchteren Standorten eine stärkere Rolle. Nach diesen und weiteren Ergebnissen wird eine neue Vegetationskarte für etwa 800 v.Chr. entworfen. - Menschliche Einflüsse lassen sich seit der Jungsteinzeit nachweisen. Seit dem Hochmittelalter ist eine großräumige Landwirtschaft bei fast völliger Waldfreiheit erkennbar, die später wieder zurückgeht. Interessant ist, dass der Übergang zu militärischer Nutzung auch pollenanalytisch durch Rückgang typischer Siedlungszeiger erkennbar wird. Auch die Moorentwicklung sowie die Einwanderung weiterer Gehölze und Kräuter wird diskutiert. Insgesamt gehen Thematik und Details deutlich über übliche vegetationsgeschichtliche Arbeite hinaus und bringen vor allem auch für die Vegetationskunde interessante Aspekte.

H.Dierschke

Tuexenia 23, 2003

Bespr.: TELMA 33 (2003) top ↑

Die Döberitzer Heide nordwestlich von Potsdam inmitten der Brandenburger Jungmoränenlandschaft gelegen, wurde schon zu Zeiten Friedrich des Großen als Truppenübungsplatz genutzt und zählt somit zu den ältesten militärisch genutzten Flächen Deutschlands. In den 90iger Jahren sind einige ehemalige Truppenübungsplätze im Gebiet der Neuen Bundesländer durch die Aufgabe der militärischen Nutzung freigeworden und wurden, wie der Truppenübungsplatz Döberitz, in Teilflächen zu Naturschutzgebieten umgewidmet. Die unterschiedliche Inanspruchnahme der Landflächen in den Übungsgebieten führte im Verlaufe der Nutzung zu einem Landschafts- und Vegetationsmosaik, das Heimat für eine Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten bietet. Hierdurch nehmen diese Flächen eine herausragende Stellung im Arten- und Biotopschutz ein. Durch die vorliegende Arbeit werden die bisher erschienenen Veröffentlichungen zur Geschichte, Vegetation und zum Naturschutz dieses Naturraumes nun durch eine vegetationsgeschichtlich orientierte Untersuchung bereichert.

Die wissenschaftlichen Arbeiten wurden an 6 Kleinstmooren durchgeführt, die alle pollenanalytisch und makrorestanalytisch untersucht wurden. Die relative zeitliche Einstufung der Pollendiagramme wurde durch 20 Radiocarbondatierungen abgesichert. Im Vordergrund der vegetationsgeschichtlichen Untersuchungen standen die Klärung und chronostratigraphische Neugliederung der spätglazialen Vegetationsentwicklung Brandenburgs im Vergleich mit regionalen und überregionalen Referenzprofilen sowie die Herausarbeitung der natürlichen Vegetation der anstehenden Grundmoränenplatten vor der mittelalterlichen Besiedlung. Die dargelegten Ergebnisse liefern einen wertvollen Beitrag der Paläoökologie zu naturschutzfachlichen Fragestellungen, denn das vielfach postulierte natürliche Vorkommen lindenreicher Wälder (Tilio-Carpinetum) im Untersuchungsgebiet konnte palynologisch nicht bestätigt werden. Neben siedlungsgeschichtlichen und moorstratigraphischen Aspekten wird in der vorliegenden Arbeit auch dem Döberitzer Lindenwald ein Kapitel gewidmet. Das reiche Vorkommen der Linde im Untersuchungsgebiet dokumentiert die potenziell günstigen edaphischen und lokalklimatischen Wuchsbedingungen, allerdings zeigt sich auch hier, dass der Döberitzer Lindenwald nicht auf eine jahrtausende andauernde Geschichte zurückblicken kann, sondern erst etwa 100 Jahre alt ist und auf aufgelassenen Ackerstandorten stockt. Untermauert werden diese Ergebnisse durch dendrologische Untersuchungen, die an ausgewählten Bäumen im Lindenwald durchgeführt wurden.

Insgesamt ist die hervorragend geschriebene Arbeit ein weiterer Mosaikstein in der vegetationsgeschichtlichen Erforschung Brandenburgs und weiterhin ein Beleg dafür, dass paläoökologische Untersuchungen über die Grenzen der Vegetations- und Siedlungsgeschichte hinaus, interessante und wertvolle Aspekte zum Beispiel für die Vegetationskunde und den Naturschutz liefern können.

H. FREUND

TELMA 33 (2003)

Inhaltsverzeichnis top ↑

1 Einleitung 1
2 Untersuchungsgebiet 3
2.1 Naturräumliche Charakterisierung 3
2.2 Vegetation 6
2.2.1 Wälder 7
2.2.2 Gras- und Staudenfluren sowie Heiden 10
2.2.3 Moore 12
2.3 Siedlungsgeschichte 12
2.4 Untersuchungspunkte 15
2.4.1 Kienfenn 15
2.4.2 Schwanengrabenrinne 16
2.4.3 Jungfernfenn 17
2.4.4 Weidenkuhle 18
2.4.5 Lindenfenn 19
2.4.6 Schwarzes Fenn 20
3 Material und Methoden 21
3.1 Feldarbeit 21
3.2 Pollenanalyse 21
3.3 Gliederung der Pollendiagramme 22
3.4 Makrofossilanalyse 23
3.5 Radiocarbondatierung 23
3.6 Dendrochronologie 23
4 Ergebnisse 24
4.1 Stratigraphie 24
4.1.1 Kienfenn DKF 24
4.1.2 Schwanengrabenrinne DSG 26
4.1.3 Jungfernfenn DJF 27
4.1.4 Weidenkuhle DWK 27
4.1.5 Lindenfenn DLF 28
4.1.6 Schwarzes Fenn DSF 29
4.2 Pollenanalytische Untersuchungen 29
4.2.1 Rezentpollenanalysen 29
4.2.2 Palynostratigraphie 32
4.3 Radiocarbondaten, Zeit-Tiefen-Diagramme 39
4.3.1 Kienfenn DKF, Weidenkuhle DWK und Lindenfenn DLF 39
4.3.2 Schwanengrabenrinne DSG 41
4.4 Dendrochronologie 43
5 Rekonstruktion der Vegetationsentwicklung 45
5.1 Rezentpollenanalyse 45
5.2 Vegetationsentwicklung auf den terrestrischen Standorten 48
5.2.1 Spätglazial und frühes Holozän 49
5.2.2 Atlantikum 58
5.2.3 Subboreal und Subatlantikum 61
5.3 Entwicklung der lokalen Wasser- und Moorvegetation 81
5.3.1 Schwanengrabenrinne DSG 81
5.3.2 Kienfenn DKF 85
5.3.3 Jungfernfenn DJF 88
5.3.4 Weidenkuhle DWK 90
5.3.5 Lindenfenn DLF 92
5.3.6 Schwarzes Fenn DSF 95
6 Diskussion 97
6.1 Zur bio- und chronostratigraphischen Gliederung des Spätglazials und frühen Holozäns in Brandenburg 97
6.1.1 Meiendorf-Interstadial 99
6.1.2 Älteste Dryas (Ia) 100
6.1.3 Bølling (Ib) 101
6.1.4 Ältere Dryas (Ic) 102
6.1.5 Allerød (II) 103
6.1.6 Jüngere Dryas (III) 105
6.1.7 Präboreal (IV) 105
6.1.8 Boreal (V) 107
6.2 Ursprüngliche Vegetation 110
6.3 Landnutzung seit dem Deutschen Mittelalter 114
6.4 Der Döberitzer Lindenwald 117
6.5 Moorentwicklung 120
7 Florengeschichtliche Beiträge 126
7.1 Gehölze 126
7.2 Helio- und Hemerophyten 128
7.3 Sonstige Nichtbaumpollen 129
8 Zusammenfassung 131
9 Summary 133
10 Danksagung 134
11 Literatur 135
12 Abbildungsverzeichnis 150
13 Tabellenverzeichnis 151
14 Verzeichnis der Beilagen 152
15 Anhang 152