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Hanno Schäfer:

Chorology and Diversity of the Azorean Flora

2003. X, 130 pages, 63 figures, 36 tables, 1 CD-ROM, 14x23cm, 330 g
Language: English

(Dissertationes Botanicae, Band 374)

ISBN 978-3-443-64286-0, paperback, price: 50.00 €

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Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

In einer kommentierten Checklist mit Verbreitungsatlas (auf der beiliegenden CD mit 536 Seiten Umfang) werden erstmalig die Areale aller etablierten, eingebürgerten und indigenen Gefäßpflanzenarten der Inseln Flores, Faial und Santa Maria in UTM- Rasterkarten mit Häufigkeitssymbolen dargestellt. In zusätzlichen Diagrammen wird die Höhenverbreitung der Arten aufgezeigt. Daneben werden für alle Sippen der Azoren das komplette Zitat, die wichtigsten gültigen und ungültigen Synonyme, der erste Fossil- oder Literaturnachweis, die Lebensform, die wichtigsten Ausbreitungsmechanismen, die Häufigkeit, der Status auf den Azoren, die Herkunft, eine Beschreibung des Habitats und - soweit bekannt - auch die Chromosomenzahl angegeben.

Synopsis top ↑

A commented checklist with distribution atlas (536 pages) is enclosed on a CD. The distribution of all established, naturalised and indigenous species of higher plants is shown in UTM grid maps of the islands of Flores, Faial and Santa Maria, using different symbols for different status and abundance. Furthermore, in this first combination of checklist and distribution atlas, the altitudinal range of each species is presented. Besides this, for all taxa of the Azores the full citation, the most important correct and erroneous synonyms, the first fossil record or record in literature, the life form, the main dispersal mechanism, the origin, the frequency, a description of the habitat and when available the chromosome numbers are given.

Bespr.: Willdenowia 33, 2003, S. 481-482 top ↑

"In dieser Arbeit werden die Ergebnisse einer Feinrasterkartierung der Farn- und Blütenpflanzen der Azoren (Portugal) mit Schwerpunkt auf den Inseln Flores, Faial und Santa Maria vorgestellt. Die Arealdaten werden zur ersten detaillierten Analyse von Chorologie und Diversität der Azorenflora genutzt. Insgesamt wurde eine Fläche von 416 km² (520 UTM Rasterfelder) kartiert. Alle neun bewohnten Inseln des Archipels und das unbewohnte Formigas Riff wurden besucht und 4,000 Belege von Gefäßpflanzen und ca. 600 Diasporenproben gesammelt. Fast 400 Arten konnten für Einzelinseln oder den Archipel neu nachgewiesen werden". So beschreibt der Autor das Projekt, das er im Rahmen seiner Dissertation mit Feldarbeiten in den Jahren 1998 bis 2001 realisiert hat. Nach den Ergebnissen seiner Studie umfasst die Flora der Azoren 811 Gefäßpflanzenarten und zusätzlich mindestens 299 nicht etablierte Sippen. Nur 24 % der Sippen sind als indigen zu betrachten, davon ist mehr als die Hälfte auch auf dem europäischen Festland zu finden. Damit zählen die Azoren zweifellos zu den neophytenreichsten Regionen Europas, sofern der Abgrenzung des Kontinents im Sinne der Flora Europaea gefolgt wird. Die meisten dieser Neubürger erreichten die Inselgruppe bereits vor 1850. Acht Prozent der etablierten Neophyten gelten als Invasoren, die die Reste naturnaher Vegetation bedrängen. Es gibt nur wenige Reliktendemiten, aber mehrere Paare von Schizoendemiten. Radiationen bei der Sippenbildung wie etwa auf den Kanaren fanden offensichtlich nicht statt. Ornithochorie wird als wichtigster Faktor für die Einwanderung von Arten angesehen. Trotz der vorherrschenden Westwinde treten neotropische Sippen überraschend selten auf.

Weitere Aspekte der Arbeit sind die Ausbreitungsmechanismen der Arten zwischen den Inseln, die sich über eine Distanz von rund 600 Kilometern erstrecken, die Darstellung hypothetischer Verbreitungsgebiete der wichtigsten Vegetationstypen sowie die Phytodiversität. Höchste Werte werden im Umfeld von Siedlungen erreicht, wo mehr als 300 Arten auf dem Quadratkilometer vorkommen. Die Ergebnisse stützen frühere Vorschläge, das Makaronesien-Konzept der Biogeographen zu verwerfen. Demnach gehören die Azoren eindeutig zur Atlantischen Region der Holarktis. Die intensive Untersuchung der Flora erforderte auch die Beschäftigung mit kritischen Formenkreisen. Einige Problemfälle werden ausführlich diskutiert; dazu gehört die Neubeschreibung zweier endemischer Unterarten bei Pericallis malvifolia und Euphorbia stygiana.

Dem schmalen Textband, der all diese Ergebnisse umfasst, sind selbstverständlich einleitende Kapitel über alle relevanten abiotischen und biotischen Faktoren vorangestellt. Teilbereiche der vulkanischen Azoren erhalten - um nur ein spektakuläres Beispiel zu nennen - bis zu 4900 mm Niederschlag, also rund die vier- bis fünffache Menge deutscher Mittelgebirgs-Kammlagen.

Nur wenige Kleinigkeiten lassen sich als Kritikpunkte anmerken. Obwohl das Problem andiskutiert wird, misst der Autor nach Meinung des Rezensenten der Endozoochorie bei Vögeln zu viel Bedeutung bei und der Epizoochorie zu wenig (die oft diskutierten Schlammkrusten an Schnäbeln und Beinen von Wasservögeln sowie Limikolen). Schließlich sind die Azoren inzwischen bei Ornithologen berühmt für das regelmäßige Auftreten seltener Vogelarten aus allen Himmelsrichtungen. So selten diese Ereignisse von Diasporentransporten auch sein mögen, bei Inseln mit einem angenommenen Maximalalter von fünf Millionen Jahren gab es doch reichlich Zeit für derartige Besiedlungsprozesse. Die in Tabelle 7 aufgelistete Ralle Porphyrula martinica stammt nicht aus Europa, sondern aus Amerika. Coronopus didymus (S. 100) kommt ursprünglich vermutlich aus Südamerika und nicht aus Europa, mag aber über diesen Umweg auf die Azoren gelangt sein. Bei den auch im Textband eingestreuten Artverbreitungskarten fehlen die Erläuterungen der Häufigkeitssymbole. Diese müssen am Anfang einer auf CD-ROM gespeicherten Pdf-Datei nachgesehen werden. Weder dort noch im Methodenteil wird verraten, wie die vier Häufigkeitsstufen im Gelände ermittelt wurden.

Grundsätzliche Zweifel an der Haltbarkeit von elektronischen Datenträgern im Hinblick auf eine dauerhafte Dokumentation seien hier nur am Rande erwähnt. Für die 536 Seiten umfassende Zusatzdatei wären die Druckkosten in der Tat kaum bezahlbar gewesen. In dieser Datei steckt eine hervorragend kommentierte Liste aller auf den Azoren bekannten Sippen, u. a. mit Rasterverbreitungskarten zu den drei näher untersuchten Inseln, Angaben über Erstnachweise, Frequenzen, Bestandsgefährdung, Habitate, Lebensformen, Verbreitungsmechanismen, Chromosomenzahlen (meist aber Zählungen von außerhalb der Azoren) und Diagramme zur Höhenverbreitung, also eine wahre Fundgrube an Informationen.

Der Autor hat mit seiner Dissertation zweifellos für lange Zeit ein Standardwerk über die Flora der Azoren geschaffen. Es ist bewundernswert, in welch kurzer Zeit derart viele neue Erkenntnisse über Chorologie und Diversität zu Tage gefördert wurden. Schön wäre es, wenn das Werk zu Detailkartierungen der übrigen Inseln anspornen würde und mittelfristig eine vervollständigte chorologische Flora der Azoren folgen würde. Wer zu diesem Band und dem vom gleichen Autor stammenden, reich illustrierten Feldführer (siehe Willdenowia 32: 396-397. 2002) greift, ist für einen Besuch der Azoren aber schon heute bestens ausgerüstet.

Ralf Hand

Willdenowia 33, 2003, S. 481-482

Bespr.: Ber.Bayer.Bot.Ges. Band 73/74 31.12.2004 top ↑

Hauptanliegen des vorliegenden Werkes ist es, den Einfluß von eingeführten Arten höherer Pflanzen auf die einheimische Flora und Vegetation der Azoren zu untersuchen. Voraussetzung für die Beantwortung der Fragestellung war es, die Zahl der aktuell auf den Azoren vorhandenen Pflanzenarten ebenso zu ermitteln wie ihren Status, ihre Herkunft, die Zeit ihrer Ankunft und ihre Verbreitung auf den einzelnen Inseln. Dazu führte der Autor eine detaillierte Feinraster-Kartierung von 520 UTM-Quadraten durch, wobei der Schwerpunkt der Untersuchungen der westlichsten Insel Flores, der zentral gelegenen Insel Falal und der östlichsten Insel Santa Maria galt, auch wenn alle bewohnten Inseln des Archipels besucht wurden. Ergebnis ist, etwas abweichend von der anfänglichen Fragestellung, eine Checklist der Azorenflora. Diese umfaßt demnach 811 etablierte und mindestens 299 nicht etablierte Arten. 66 Arten gelten als Endemiten. Eingebürgerte Arten bilden heute in manchen Bereichen tieferer Lagen bis 80 \% der Pflanzenwelt.

Nach einem kurzen Vorwort und der Zusammenfassung wird im einführenden Teil ein Überblick über die geographische Lage und Geographie der Azoren, über Klima, Geomorphologie, Böden, die Schwerpunkt-Inseln, Besiedlung und Vegetation gegeben. Als nächstes werden kurz Material und Methoden vorgestellt, ehe mit dem Kapitel über Struktur und Ursprung der Azren-Flora einer der Hauptteile beginnt. Der Autor teilt die Arten der Azoren auf in einheimische Flora, eingebürgerte Flora, etablierte Flora sowie nicht etablierte Taxa. Die bei den einzelnen Arten geltenden Verbreitungsmechanismen und die erkennbaren Verbreitungsmuster lassen Rückschlüsse auf die Zeit der Ankunft auf der Inselgruppe zu. Es werden Verbreitungstypen innerhalb des Archipels ebenso vorgestellt wie die Verteilung von Arten nach Höhenlage und Vegetationsformen oder ihre Unterteilung nach Lebensformen. Wie notwendig es ist, kritische Standards für die Beurteilung der Diversität von Regionen zu verwenden, zeigt der Autor durch den Vergleich von Verbreitungskarten aller vorgefundenen Arten mit solchen der indigenen Taxa und ganz besonders der Endemiten. Anschließend werden taxonomische Probleme angesprochen und in einigen Fällen neue Taxa beschrieben. Im Kapitel Naturschutz wird die Bedrohung der einheimischen Flora durch invasive Pflanzen- und Tierarten, durch Straßenbau und Erosion geschildert und eine bedauernswert lange Liste gefährdeter Arten vorgelegt; die vom Autor erarbeiteten Verbreitungskarten können als Schlüssel für die Ausweisung von Schutzgebieten dienen. Einige besonders gravierende Beispiele stark bedrohter Arten werden vorgestellt. Die einzelnen Themenbereiche werden durch zahlreiche Karten und Diagramme erläutert und durch Artenlisten ergänzt.

Aus den gewonnenen Daten schließt der Autor, daß die ursprüngliche Flora der Azoren westeuropäisch und atlantisch getönt war und daß Macaronesien keine biogeographische Einheit ist. Der mediterrane Einfluß in der Flora der Azoren beruht vor allem auf in jüngerer Zeit eingeführten oder eingeschleppte Therophyten. Die floristische Affinität zu den Kanaren beruht auf einigen wenigen Arten (Tertiärrelikten) des Lorbeerwaldes.

Diese vorbildliche Untersuchung und Dokumentation einer bislang noch bei weitem nicht so genau bekannten Region der Azoren bedeutet einen erheblichen Zuwachs an Kenntnis über die Flora. Die Quintessenz findet sich auf der beigefügten CD-ROM: eine kommentierte Checklist der Azorenflora und ein Verbreitungsatlas für die Azoreninseln Flores, Faial und Santa Maria. Das Werk zeigt aber auch, daß - wie der Autor anmerkt - noch weiterer Forschungsbedarf für die übrigen Inseln besteht, der von ihm empfohlenen Kooperation europäischer Institutionen mit den lokalen Botanikern sei eine gute Zukunft gewünscht.

W. Lippert

Ber.Bayer.Bot.Ges. Band 73/74, 31.12.2004

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Table of Contents Preface . V Objectives
VI Summary
VII Zusammenfassung
IX Part I.
1 1. Introduction
1 1.1 General Geography and Geology
1 1.2 General Climate 3
1.3 General Geomorphology and Soils 6
1.4 The Project Islands 7
1.4.1 Flores 7
1.4.2 Faial 9
1.4.3 Santa Maria 10
1.5 Colonisation 12
1.6 Vegetation 15
2. Methods and Material 18
3. Structure and Origin of the Azorean Flora 20
3.1 Indigenous Flora 24
3.1.1 Origin 24
3.1.1.1 Anemochory 26
3.1.1.2 Hydrochory 29
3.1.1.3 Zoochory 30
3.1.2 Azorean Endemics 35
3.2 Naturalised Flora 39
3.2.1 Origin 39
3.3 Established Flora 47
3.4 Non-established Taxa 47
4. Dispersal and Distribution in the Azores 50
4.1 Dispersal 50
4.1.1 Anthropochory and Zoochory 50
4.1.2 Hydrochory and Anemochory 51
4.2 Distribution 55
4.2.1 Distribution Types within the Archipelago 55
4.2.1.1 All Islands 55
4.2.1.2 Western Group 55
4.2.1.3 Central Group 55
4.2.1.4 Eastern Group 56
4.2.1.5 Disjunctions 62
4.2.2 Altitudinal Distribution and Vegetation Zones. 64
4.2.3 Life Forms 71
5. Diversity 76
5.1 General Facts 76
5.2 Total Flora 76
5.3 Indigenous Species 77
5.4 Endemic Species 78
5.5 Naturalised and Established Species 79
5.6 Pteridophyte Diversity 80
5.7 Inter-insular Comparison 80
5.8 Floristic Similarity 82
6. Taxonomic Problems 84
6.1 Ranunculus cortusifolius Willd. 84
6.2 Pericallis malvifolia (L'Hér.) B. Nord. 86
6.3 Euphorbia stygiana Wats 89
6.4 The genus Ammi 91
6.5 The genus Agrostis 93
6.6 Platanthera azorica and P. micrantha 97
7. Conservation 99
7.1 Dangers 99
7.1.1 Invasive Plants 99
7.1.2 Invasive Animals 104
7.1.3 Road Construction 104
7.1.4 Erosion 105
7.2 Endangered Species 106
7.3 Distribution of Endangered Species 108
7.4 Case Studies 109
7.4.1 The Case of Myosotis azorica 109
7.4.2 The Case of Veronica dabneyi 111
7.4.3 The Case of Vicia dennesiana 113
8. Discussion and Biogeographical Conclusions 114
9. References 116
Part II (on enclosed CD) Commented Checklist of the Azorean Flora and
Distribution Atlas of Flores, Faial and Santa Maria.