cover

Klaus Rüdiger Neugebauer:

Auswirkungen der extensiven Freilandhaltung von Schweinen auf Gefäßpflanzen in Grünlandökosystemen

[The impact of extensive pig pasturing on vascular plants, their dispersal their ecosystems]

2004. 251 Seiten, 39 Abbildungen, 75 Tabellen, 14x23cm, 550 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 381)

ISBN 978-3-443-64294-5, brosch., price: 60.00 €

in stock and ready to ship

Order form

BibTeX file

Keywords

Schwein Pflanze Auswirkung Freiland

Contents

Kurzfassung top ↑

Ziel dieser Dissertation ist die Beschreibung und Bewertung der Auswirkung der extensiven Schweinefreilandhaltung auf die Vegetation von Grünland. Dazu wurde ein artbezogener Ansatz gewählt und die Entwicklungen in fünf verschiedenen Weiden (Elbaue, Weserbergland und Schwäbische Alb) auf Dauerquadraten dokumentiert. Die Vegetation weist hohe Dynamik und eine Zunahme an Biodiversität auf. Historische Schweineweidearten, Segetal- und Ruderalarten, sowie Arten der Zwergbinsengesellschaften werden gefördert. Mit Hilfe von funktionellen Merkmalen werden die Ergebnisse aus den verschiedenen Untersuchungsgebieten generalisiert und die Basis für die Prognose der Vegetationsentwicklung auf zukünftigen Schweineweiden geschaffen. Demnach sind die geförderten Arten kurzlebig, sie weisen langlebige Samen, flache Wurzelsysteme und geringes klonales Wachstum auf.

Außerdem wurden Kotproben genommen, um die Ausbreitungsfähigkeit der Diasporenarten zu bestimmen. Ergebnis dieser Untersuchungen ist, dass grundsätzlich alle diasporenbildenden Pflanzenarten von Schweinen transportiert werden können. Die Besonderheit der Schweine liegt in der Ausbreitung von Samen, die aus der Diasporenbank im Boden stammen. Diese Diasporenbank hat auch für Etablierungsvorgänge auf den Weiden die größte Bedeutung unter den denkbaren Besiedelungsquellen.

Bespr.: Tuexenia 26, Göttingen 2006, S. 403-404 top ↑

Das Schwein in der Landschaftspflege? Knappe Kassen, freiwerdende Flächenressourcen und zunehmende Berücksichtigung der Vegetationsdynamik im Naturschutz fördern seit geraumer Zeit die Rückbesinnung auf historische Weidepraktiken und Überlegungen, wie diese mit den Ansprüchen an moderne und nachhaltige Landschaftspflege in Einklang zu bringen sind. Der dazu notwendigen angewandt vegetationsökologischen Forschung widmet sich der Autor im Rahmen des BMBF-Projektes "Schweinefreilandhaltung im Rahmen der Landschaftspflege". - Welche Vegetationsveränderungen verursachen im Freien weidende Hausschweine in zuvor brach liegenden oder konventionell beweideten Grünlandflächen? Lassen sich diese Vegetationsänderungen mittels funktioneller Pflanzenmerkmale verallgemeinern? In welchem Ausmaß und auf welche Weise vermögen Schweine zur Ausbreitung von Pflanzenarten beizutragen? Woher kommen Arten, die zuvor auf den Probeflächen nicht festgestellt worden waren? Neugebauer folgt diesen miteinander verknüpften Fragesträngen in voneinander unabhängigen Kapiteln, jeweils mit eigenen Methoden-, Ergebnis- und Diskussionsteilen. Von den fünf Untersuchungsgebieten liegen drei im Weserbergland und je eines in der brandenburgischen Elbaue und auf der Schwäbischen Alb. Natürlich sind sie hinsichtlich ihrer Vegetationsausstattung ganz verschieden. Die Wühltätigkeit der Schweine führt aber im Untersuchungszeitraum 1999 - 2002 überall zu erheblichen Anteilen offenen Bodens und damit zu mehr räumlicher wie zeitlicher Dynamik. Es gibt mehr neu etablierte als lokal ausgestorbene Arten, höhere Artenzahlen und Turnover-Raten als in den jeweiligen brach liegenden oder konventionell beweideten Referenzflächen. Im Gegensatz zu Schaf- oder Rinderweiden geht der Trend zu mehr Kräutern, weniger Gräsern. Als Nutznießer der Schweinebeweidung erweisen sich vorwiegend Potentillo-Polygonetalia- und Stellarietea-Arten, während eine Förderung von Arten der Klasse Isoeto-Nanojuncetea nur in sehr geringem Umfang nachgewiesen werden konnte. Dabei sind es sind vor allem Vertreter dieser Klasse, die mit der historischen Nutzungsform der Schweineweiden in Verbindung gebracht werden. Offenbar sind sie aus den Artenpools einschließlich der Diasporenbank der - wohl auch standortsökologisch wenig geeigneten - Untersuchungsgebiete so weitgehend verschwunden, dass ihnen die wühlenden Schweine nicht Keimbettbereiter sein konnten. Dabei können alle Diasporen grundsätzlich von Schweinen ausgebreitet werden, sei es epizoochor durch Schlammspritzer (die Diasporenbank von Suhlstellen erwies sich als Abbild dieses Potenzials) oder endozoochor, wobei sich Schweine bei der Nahrungsaufnahme beträchtliche Teile der örtlichen Diasporenbank direkt einverleiben. Eine Folge der Schweinefreilandhaltung ist daher eine Zunahme von Arten mit langlebigen Samen. Neben Aussagen wie dieser lassen die Ergebnisse durchaus weitere Prognosen zur Vegetationsentwicklung zu, zumal Untersuchungsergebnisse aus den rezenten Modell-Schweineweiden der kroatischen Save-Aue zur Verfügung standen. Offen bleibt für die Praxis der Landschaftspflege die Beantwortung der Frage nach dem günstigen Mittelweg der Störungsintensität, mithin nach der Besatzdichte. Doch dies lag außerhalb des experimentellen Ansatzes der anregenden Studie Neugebauers, die neben vielen Fakten und Originaldaten auch ein 14-seitiges Literaturverzeichnis zu bieten hat, unverzichtbar für alle, die die methodische Breite und Tiefe der Arbeit (60 €) nachvollziehen wollen.

E. Bergmeier

Tuexenia 26, Göttingen 2006, S. 403-404

Inhaltsverzeichnis top ↑

1 Einleitung (Gesamtteil) 11
2 Material und Methoden (Gesamtteil) 13
2.1 Untersuchungsgebiete 13
2.2 Managementvarianten 16
3 Vegetationsveränderungen auf den Schweineweiden 19
3.1 Einleitung 19
3.2 Methoden 23
3.2.1 Vegetationskundliche Datenerhebung 23
3.2.2 Standortkundliche Datenerhebung 24
3.2.3 Datenanalyse 25
3.3 Ergebnisse 28
3.3.1 UG Brucht 28
3.3.1.1 Vegetationskundliche Entwicklungen 28
3.3.1.2 Lebensstrategien nach Grime 41
3.3.1.3 Standortkundliche Veränderungen 42
3.3.2 UG Lenzen 44
3.3.2.1 Vegetationskundliche Entwicklungen 44
3.3.2.2 Lebensstrategien nach Grime 52
3.3.2.3 Standortkundliche Veränderungen 53
3.3.3 UG Eggelwiesen 55
3.3.3.1 Vegetationskundliche Entwicklungen 55
3.3.3.2 Lebensstrategien nach Grime 61
3.3.3.3 Standortkundliche Veränderungen 63
3.3.4 UG Schmandberg 67
3.3.4.1 Vegetationskundliche Entwicklungen 67
3.3.4.2 Lebensstrategien nach Grime 73
3.3.4.3 Standortkundliche Veränderungen 74
3.3.4.4 Offenhaltung 75
3.3.5 UG Tieringen 76
3.3.5.1 Vegetationskundliche Entwicklungen 76
3.3.5.2 Lebenstrategien nach Grime 83
3.3.5.3 Standortkundliche Veränderungen 84
3.3.6 Zusammenfassung der Ergebnisse aus den einzelnen
Untersuchungsgebieten 85
3.3.6.1 Vegetationskundliche Veränderungen 85
3.3.6.2 Artenvielfalt 90
3.3.6.3 Dynamik 90
3.3.6.4 Soziologische Einheiten 91
3.3.6.5 Lebensstrategien nach Grime 92
3.4 Diskussion 94
3.4.1 Diskussion der Veränderungen in einzelnen Untersuchungsgebieten 94
3.4.1.1 UG Brucht 94
3.4.1.2 UG Lenzen 97
3.4.1.3 UG Eggelwiesen 99
3.4.1.4 UG Schmandberg 100
3.4.1.5 UG Tieringen 102
3.4.2 Vergleichende Diskussion der Vegetations- und Standortparameter 106
3.4.2.1 Vegetationskundliche Veränderungen 106
3.4.2.2 Artenzahlen 107
3.4.2.3 Artenturnover und Dynamik auf den Flächen 108
3.4.2.4 Zuordnung zu soziologischen Einheiten 109
3.4.2.5 Standortkundliche Generalisierung 110
3.4.2.6 Lebensstrategien der Pflanzen 113
3.4.3 Offenhaltung durch Schweine 114
3.5 Zusammenfassung 116
4 Ausbreitung von Pflanzenarten durch Schweine 119
4.1 Einleitung 119
4.2 Methoden 121
4.2.1 Epizoochorie 121
4.2.2 Endozoochorie 121
4.2.3 Vegetationsaufnahmen 121
4.2.4 Diasporenbank 122
4.2.5 Datenanalyse 122
4.3 Ergebnisse 125
4.3.1 Epizoochorie 125
4.3.2 Endozoochorie 126
4.4 Diskussion 136
4.4.1 Epizoochorie 136
4.4.2 Endozoochorie 136
4.4.3 Schlussfolgerung 138
4.4.4 Historische Perspektive und Bedeutung für den Naturschutz 139
4.5 Zusammenfassung 141
5 Analyse der Besiedelungsquellen 143
5.1 Einleitung 143
5.2 Methoden 146
5.2.1 Vegetationskartierung 146
5.2.2 Umfeldkartierung 146
5.2.3 Bestimmung der Diasporenbank 146
5.2.4 Datenauswertung 148
5.3 Ergebnisse 149
5.3.1 Betrachtungsebene: Gesamte Schweineweide 149
5.3.2 Betrachtungsebene: Einzelne Aufnahmeflächen innerhalb der S
chweineweiden 152
5.3.3 Räumliche Struktur der Neuetablierung - Fallbeispiel Peplis portula 158
5.4 Diskussion 159
5.4.1 Neubesiedelung durch lokale Effekte versus Fernausbreitung 159
5.4.2 Aktivierung der Diasporenbank 161
5.5 Zusammenfassung 163
6 Funktionelle Analyse der Vegetationsveränderungen auf
Schweineweiden 165
6.1 Einleitung 165
6.2 Methoden 169
6.2.1 Erhebung der Vegetationsdaten 169
6.2.2 Erhebung, Herkunft und Bedeutung der funktionellen Merkmale 169
6.2.2.1 Lebensformen 169
6.2.2.2 Nutzungs-Wertzahlen 169
6.2.2.3 Fraßpräferenz der Schweine 170
6.2.2.4 Vegetative Merkmale 170
6.2.2.5 Generative Merkmale 171
6.2.3 Auswertungsprozeduren und Datenanalyse 172
6.3 Ergebnisse 173
6.3.1 Lebensformen 173
6.3.2 Nutzungs-Wertzahlen für Wiesen- und Weidepflanzen 177
6.3.3 Fraßpräferenz der Schweine 181
6.3.4 Vegetative Merkmale 182
6.3.5 Generative Merkmale 191
6.3.6 Strategien der Pflanzen auf Schweineweiden 196
6.4 Diskussion 202
6.4.1 Einzelne funktionelle Merkmale 202
6.4.1.1 Lebensformen 202
6.4.1.2 Nutzungs-Wertzahlen 203
6.4.1.3 Fraßpräferenz der Schweine 204
6.4.1.4 Vegetative Merkmale 204
6.4.1.5 Generative Merkmale 206
6.4.2 Regenerationsstrategien 207
6.4.3 Vergleich mit Saveauen 209
6.4.4 Generalisierung der Befunde 210
6.5 Zusammenfassung 212
7 Gesamtdiskussion 215
7.1 Schweinebeweidung als Störung in Grünlandökosystemen 215
7.2 Schweinebeweidung im Vergleich zu herkömmlicher Landschaftspflege
und Landnutzung 218
7.3 Schweinebeweidung als Instrument des Naturschutzes 220
7.3.1 Renaturierung dynamischer Prozesse 220
7.3.2 Zielarten und Zielartengruppen 221
7.3.3 Unerwünschte Arten 222
7.3.4 Eutrophierung 223
7.4 Prognose der Vegetationsentwicklung 224
8 Zusammenfassung / Abstract 225
9 Literatur 235
10 Dank 249
11 Anhang 251