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Heike Culmsee:

Vegetation und Weidenutzung im Westlichen Hohen Atlas (Marokko). Eine Nachhaltigkeitsbewertung aus geobotanischer Sicht

[Vegetation and pastoral use in the Western High Atlas Mountains (Morocco). An assessment of sustainability from a geobotanical perspective]

2004. 244 Seiten, 57 Abbildungen, 30 Tabellen, 14x23cm, 520 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 389)

ISBN 978-3-443-64302-7, brosch., price: 70.00 €

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Keywords

Nutzungsdruck Weide Nutzung Degradation

Contents

Kurzfassung top ↑

Am Beispiel des Westlichen Hohen Atlas (SW-Marokko) wird der Frage nachgegangen, ob die Gehölzvegetation in diesem konkreten Raum unter dem ortsüblichen Nutzungsdruck der Ziegenbeweidung fortschreitend degradiert oder ob die dort praktizierten Formen der Weidenutzung als nachhaltig zu bewerten sind. Die Arbeit leistet methodische Beiträge, wie anhand geeigneter vegetationskundlicher Parameter Degradationszustände unterschieden, Weidenutzungsintensitäten festgestellt und aktuelle Degradationsprozesse, die in Beziehung zur Weidenutzung stehen, untersucht werden können. Zugleich trägt die Arbeit zur Kenntnis über die Gehölzvegetation des Raumes bei, zeigt Zusammenhänge zwischen Mustern in der Gehölzvegetation und Weideintensitätsgradienten sowie Tendenzen in der Regenerations- und Etablierungsfähigkeit der Schlussbaumarten im Gebiet auf.

Bespr.:Tuexenia 25, 2005 top ↑

Im ganzen Mittelmeerraum, auch in Nordafrika, hat sehr langfristige Weidenutzung zu teilweise starker Degradation von Vegetation und Böden geführt. In der vorliegenden Arbeit werden geobotanische Fragen in Verbindung mit solchen der Ziegenbeweidung und deren Intensität bearbeitet, ausgerichtet auf aktuelle Degradationsprozesse und Möglichkeiten einer nachhaltigen Regeneration. Das Untersuchungsgebiet grenzt an die Atlantikküste bei Agadir und enthält nach Osten Bereiche der infra-, thermo- und mesomediterranen Stufe. Es gehört zum Biosphärenreservat Arganeraie, benannt nach dem Vorkommen des endemischen Eisenholzbaumes Argania spinosa. Die heutige Vegetation reicht von offenen Kleingesträuchen bis zu dichten Hartlaubwäldern. Für ihre speziellen Fragestellungen hat die Verfasserin eigene Untersuchungs- und Bewertungsmethoden entwickelt, die auf über 30 Seiten ausführlich dargestellt sind. Insbesondere wird zur Beurteilung der Beweidungsintensität ein System von Verbissformen bei Argania spinosa und Juniperus oxycedrus aus verschiedenen Merkmalsgruppen entwickelt, das über einen Bestimmungsschlüssel im Gelände rasch anwendbar ist.

Grundlage für verschiedene Auswertungen sind 233 Vegetationsaufnahmen, die nach den üblichen Methoden geordnet und floristisch-physiognomisch klassifiziert werden. Einige Vegetationstypen lassen sich bereits beschriebenen Syntaxa zuordnen, oft reicht die Datenlage aber vorerst nur zur Abgrenzung lokaler Gesellschaften. Alle gehören in die Klasse der Quercetea ilicis. Ordinationsdiagramme zeigen teilweise klare floristische Unterschiede, aber auch manche stärkeren Überlagerungen der Einheiten. Die gesellschaftsbezogene Auswertung des Beweidungsdruckes ergibt Gradienten mit hoher Intensität in Nähe der Siedlungen bis zu weniger beeinflussten Bereichen in weiterer Entfernung.

Zur Ermittlung des Regenerationspotentials wurden über 2 Jahre Paare repräsentativer Dauerflächen mit und ohne Umzäunung untersucht. Da dieser Zeitraum recht kurz ist, ergaben sich vorerst nur einige Tendenzen. Sehr genau erfasst und zeichnerisch dargestellt ist das Keimungsaufkommen. Bei den Zwergsträuchern ließen sich bestimmte Muster in Bezug zu Mikrohabitaten erkennen (z. B. die Bedeutung von Ammenpflanzen). Höhere Gehölze keimten kaum, was eine schlechte Regenerationsfähigkeit vermuten lässt. ­ Am Schluss der ausführlichen Diskussion wird versucht, durch Synthese der Ergebnisse die Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung abzuschätzen. Allgemein ergibt sich zur Zeit kein positives Bild, was länger andauernde Untersuchungen möglicherweise modifizieren können. Die Arbeit liefert einmal interessante pflanzensoziologische Ergebnisse aus einem bisher wenig bekannten Gebiet, vermittelt aber auch methodische Ideen und Grundlagen, die sich in anderen Degradationslandschaften anwenden lassen. Damit ist auch der Nutzerkreis umschrieben, dem man dieses Buch (70 EUR) empfehlen kann.

Hartmut Dierschke

Tuexenia 25, 2005

Inhaltsverzeichnis top ↑


1 Einleitung 11
1.1 Problemstellung und Forschungsfragen 11
1.2 Methodischer Ansatz 13
1.3 Wahl des Untersuchungsgebietes 16
1.4 Zielsetzungen 16
2 Untersuchungsgebiet 17
2.1 Lage 17
2.2 Klima 20
2.3 Geologie und Böden 23
2.4 Flora 28
2.5 Kenntnisstand der Vegetationsforschung 30
2.6 Landnutzung 31
3 Methoden 33
3.1 Konzeption des Bewertungssystems und Definition zentraler Begriffe 33
3.1.1 Nachhaltigkeitsbegriff und Betrachtungsausschnitt 33
3.1.2 Direkte und indirekte Bewertungskriterien (Generelle Kriterien) 35
3.1.3 Spezielle Kriterien (Attribute) 35
3.1.4 Betrachtungsebenen 36
3.2 Großräumiger Versuchsaufbau 38
3.3 Pflanzenbestimmung und Nomenklatur 39
3.4 Vegetationstypisierung auf der Basis pflanzensoziologischer Aufnahmen 40
3.4.1 Aufnahme von Gesellschaftsmosaiken 40
3.4.2 Aufnahmeverfahren, Datenverarbeitung und Datenauswertung 42
3.5 Verbissformenanalyse 44
3.5.1 Einleitung 44
3.5.2 Artspezifische Verbissmerkmale 44
3.5.3 Individuen- und bestandesbezogene Aufnahme von Verbissmerkmalen 49
3.5.4 Verbissformenklassifikation 49
3.5.5 Räumliche Analyse von Weideintensitätsgradienten 50
3.6 Bestimmung der geographischen Position und kartographisches Arbeiten 50
3.7 Auswahl und Aufbau der Dauerbeobachtungsflächen 51
3.7.1 Auswahl der Bestände 51
3.7.2 Flächengröße 52
3.7.3 Flächenwahl innerhalb der Bestände 54
3.7.4 Flächendesign 54
3.7.5 Zeitplan der Dauerflächeninstallation 56
3.7.6 Erschwerende Umstände beim Arbeiten mit Dauerbeobachtungsflächen
im Mittelmeerraum 56
3.8 Individuenscharfe Strukturaufnahmen 57
3.8.1 Erstaufnahme 57
3.8.2 Abgrenzung von Durchmesser- und Höhenklassen 58
3.8.3 Weitere Verwendung 58
3.9 Untersuchungen zur Regenerations- und Etablierungsfähigkeit 58
3.9.1 Einleitung 58
3.9.2 Charakterisierung der strukturellen Nischen 59
3.9.3 Erhebungsverfahren, Aufnahmezeitpunkt und Auswertung 60
Verzeichnisse 4
3.10 Untersuchungen der Häufigkeitsverteilungen im Größenklassenspektrum
von Pflanzenpopulationen 62
3.10.1 Einleitung 62
3.10.2 Versuchsdurchführung und Datensituation 63
3.10.3 Statistische Auswertung 65
4 Ergebnisse 67
4.1 Die Gehölzvegetation des Westlichen Hohen Atlas und ihre
Degradationsformen 67
4.1.1 Gebüsche und Offengehölze der infra-mediterranen bis zur mittleren
thermo-mediterranen Stufe 67
4.1.2 Wald- und Gebüschgesellschaften der oberen thermo-mediterranen
und meso-mediterranen Stufen. 75
4.1.3 Zwergstrauchgesellschaften 82
4.1.4 Steppenelemente 84
4.1.5 Physiognomisch-strukturelle Differenzierung der Gesellschaftsmosaike 85
4.1.6 Floristische Differenzierung der Gesellschaftsmosaike der
inframediterranen bis mittleren thermo-mediterranen Stufen 86
4.1.7 Floristische Differenzierung der Gesellschaftsmosaike der oberen
thermo-mediterranen und meso-mediterranen Stufen 88
4.1.8 Höhenstufen der Vegetation und des Bioklimas: eine Synthese 89
4.2 Verbisstypologie und Weideintensitätsklassifikation 90
4.2.1 Verbisstypologie und Weideintensitätsklassen von Argania spinosa 91
4.2.2 Verbisstypologie und Weideintensitätsklassen von Juniperus oxycedrus 97
4.3 Weideintensitätsgradienten in der Vegetationslandschaft 101
4.3.1 Weideintensitätsgradienten und räumliche Verteilung verschiedener
Ausbildung des Oleo salicifoliae-Arganietum spinosae-Gesellschaftsmosaiks 102
4.3.2 Weideintensitätsgradienten und Gehölzvegetation in der oberen
thermo-mediterranen Stufe 104
4.4 Die Dauerflächen 107
4.4.1 Bioklimatische Einordnung 107
4.4.2 Reliefsituation und Böden 108
4.4.3 Floristisch-soziologische Kennzeichnung 111
4.4.4 Homogenität der Vergleichsflächen und der strukturellen Nischen 118
4.5 Regenerations- und Etablierungsfähigkeit 120
4.5.1 Überblick über Keimungs- und Etablierungsereignisse auf den
Dauerflächen 121
4.5.2 Keimung und Etablierung von Argania spinosa 126
4.5.3 Keimung, Etablierung und Altersstruktur in Tetraclinis articulata-
Beständen 128
4.5.4 Keimung und Etablierung von Juniperus oxycedrus 132
4.5.5 Die Keimnischen im Flächenvergleich 133
4.6 Veränderungen im Größenklassenspektrum in ausgewählten
Pflanzenpopulationen 142
Verzeichnisse 5
4.6.1 Veränderungen im Größenklassenspektrum in Bestand 3 143
4.6.2 Veränderungen im Größenklassenspektrum in Bestand 1 144
4.6.3 Entwicklungstendenzen von Genista tricuspidata im Vergleich der
Bestände 145
5 Diskussion 148
5.1 Ausbildung der Assoziationen und Gesellschaftsmosaike unter dem Einfluss
der Beweidung 148
5.2 Verbisssyndrom und Weideintensitätsgradienten 155
5.3 Einflussfaktoren auf die Regenerations- und Etablierungsfähigkeit 161
5.4 Einflussgrößen auf Veränderungen im Größenklassenspektrum von
Zwergstrauch-Populationen 168
5.5 Skalenübergreifende Synthese, Nachhaltigkeitsbewertung und Ausblick 170
Zusammenfassung 177
Summary 180
Literaturverzeichnis 184
Danksagung 196
Anhänge
Anhang I: Lage der Dauerbeobachtungs- und Aufnahmeflächen 197
Anhang II: Liste der im Arbeitsgebiet gesammelten Höheren Pflanzen mit Angaben
zu Lebensform und Arealtyp 199
Anhang III: Aufnahmebogen Verbissformen (Juniperus oxycedrus) 208
Anhang IV: Kennwerte der Ordinationsdiagramme 208
Anhang V: Statistische Testergebnisse 213
Anhang VI: Strukturaufnahmen der Dauerbeobachtungsflächen 216
Anhang VII: Tabellen zur Keimung und Etablierung auf den
Dauerbeobachtungsflächen 228
Anhang VIII: Größenklassenspektren: Häufigkeitsverteilungen und statistische
Testergebnisse 233