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Otto Harnisch:

Die Biologie der Moore

1929. 146 Seiten, 30 Abbildungen, 5 Tafeln, 16x24cm, 520 g
Language: Deutsch

(Die Binnengewässer, Band 7)

ISBN 978-3-510-40007-2, brosch., price: 18.00 €

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Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Wenn ein Zoologe über die Biologie der Moore schreibt, an deren Erforschung andere Disziplinen, besonders die Botanik, weit mehr beteiligt sind, so muß ihm ein besonderes Ziel vorschweben. Es sei mir gestattet, dieses im folgenden anzudeuten.
Immer mehr kämpft in der Zoologie die Ansicht um Anerkennung, daß nicht nur Bau und Leistung der Organismen, sondern auch ihre Verbreitung im Raum wichtige Probleme bietet, die nicht nur morphologische und physiologische Fragestellungen aufs reichste zu befruchten vermögen, sondern deren Lösung auch an und für sich zur tieferen Erfassung des Lebens, die wir anstreben, gehört (s. bes. Hesse 1924).
Diese Probleme befassen sich einmal mit Geschehnissen, die im Lauf der Geschichte, einmalig gegeben, die geographische Verbreitung der Organismen bestimmten, zum ändern mit Faktoren, die unabhängig von einem Zeitgerüst in jedem Augenblick wirkend die Besiedlung von Lebensräumen regeln: Historische und ökologische Fragestellungen. Fragestellungen der letztgenannten Art soll unser Heftchen in erster Linie dienen, die historischen müssen freilich auch behandelt werden, denn Verständnis der Verbreitung der Organismen im Raum ist nur durch Berücksichtigung beider erzielbar.
Zwei Methoden stehen uns (wie der Biologie überhaupt) zu Gebote: Beobachtung und Experiment. Beide werden gemeinsam arbeiten müssen, um die ökologische Forschung zu fördern, die stets typisch synthetisch ist: die Ergebnisse physiographischer und biologischer Forschungen müssen durch sie zueinander in Beziehung gebracht werden.
Es läge nahe, hierbei so vorzugehen, daß man an irgendwelchen Einzelorganismen ihre Abhängigkeit von irgendwelchen Faktoren der Umwelt untersucht. Solche Untersuchungen befriedigen aber meistens nicht ganz! Das hat zunächst einen prinzipiellen Grund: Die Natur ist ein Ganzes und ein Einzelwesen ist aus dem Zusammenhang herausgerissen nie restlos verständlich. Ferner liegt die Gefahr vor, daß solche Untersuchungen methodisch planlos sind: Es ist, wenn man sich nur auf Einzelobjekte beschränken will, reine Glückssache, wenn man ein für die Erforschung der gesetzmäßigen Bedingtheit des Lebens im Raum geeignetes Objekt "herausgreift" und die wesentlichen Faktoren der Umwelt, deren Verbreitung regelnde Bedeutung zu prüfen ist, erkennt. — Wenn wir hingegen nicht von isolierten Einzelorganismen, sondern von einer in ein bestimmtes Milieu "eingepaßten" Gesamtheit von Lebewesen ausgehen, so ist es nicht schwer, die richtigen Versuchsobjekte zu erkennen, und die wesentlichen zu prüfenden Milieufaktoren ergeben sich fast von selbst.
Für fruchtbare experimentell-ökologische Untersuchungen liefert die beste Grundlage das Studium eines durch bestimmte physio-graphische Charaktere ausgezeichneten Raums und seiner Besiedlung. Diese Vorarbeit erfordert weitgehendes Studium der den Raum an sich erforschenden Hilfswissenschaften, ferner Zusammentragung und Sichtung eines zumeist von sammelnden Spezialisten und Liebhabern geförderten Materials: sehr zeitraubende und oft wenig befriedigende Arbeit, eben Vorarbeit. Doch ist sie wichtige Voraussetzung für experimentell ökologische Forschung und eröffnet bei Betrachtung der Lebewelt eines bestimmten Raums als Ganzes auch für die allgemeine Biologie bedeutsame Ausblicke.
Im vorliegenden Heftchen soll versucht werden, diese Arbeit für ein mir geeignet erscheinendes Gebiet, die Moore, zu leisten. Wenn es dazu beiträgt, bei der Formulierung geeigneter Fragestellungen zu helfen und das nötige Eindringen in die Hilfswissenschaften erleichtert, so erfüllt es seinen Zweck.

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Vorwort I
Einleitende Vorbemerkungen (Definitionen) 3
I. Der Lebensraum 7
1. Habitus und Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft „Moor“ 7
2. Entwicklung und Geschichte der Moore 27
3. Die Milieubedingungen im Moor 50
4. Die ökologische Bedingtheit der das Moor bildenden Lebensgemeinschaft 63
II. Die Lebensgemeinschaft 71
Vorbemerkungen 71
1. Die Lebewesen des freien Wassers 72
2. Die Lebewelt des gebundenen Wassers 88
3. Die Grundlagen für die Eigenarten der Lebensgemeinschaft der Moore 103
4. Die atmosphärische Fauna der Moore 113
5. Theoretische Betrachtungen über die Lebensgemeinschaft der Moore 120
Literatur 132
Sachregister 140
Namenregister 142