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Einar Naumann:

Einführung in die Bodenkunde der Seen

[Introduction to the bottom sedimentology of lakes]

1930. IX, 126 Seiten, 28 Abbildungen, 7 Tafeln, 16x24cm, 490 g
Language: Deutsch

(Die Binnengewässer, Band 9)

ISBN 978-3-510-40709-5, gebunden, price: 18.00 €

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Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Die Entwicklung der limnischen Bodenkunde ist in den letztvergangenen zwei Dezennien eine sehr lebhafte gewesen.
Sie ist bedingt durch die Begründung der Methoden einerseits zur quantitativen Erforschung der Bodenfauna um etwa 1910 (29), anderseits zur exakten Untersuchung der Bodenablagerungen auf Grund von profilentnehmenden Apparaten, die um etwa 1917 (92) zum erstenmal auf dem Gebiet der Süßwasserbiologie in Gebrauch kamen.
Diese methodologischen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium der limnischen Bodenkunde haben dann auch eine sehr lebhafte Wirksamkeit nach verschiedener Richtung hin bedingt. Sie ist tatsächlich schon in mehrere Hauptzweige gespalten, die z. T. nur von besonders darauf eingestellten Spezialisten verfolgt werden können. Ein Zweig, der älteste, führt ins zoologische Gebiet. Dieser hat auch für die praktisch angewandte Fischereibiologie eine wesentliche Rolle gespielt. Ein anderer, jüngerer Zweig führt in die Sedimentkunde hinein. Hier wurden zuerst ins Einzelne gehende exakte Methoden ausgebildet, die in erster Linie in einer Chronologie der Schlammablagerungen gipfelten. Das schaffte zahlreiche, früher nicht hinreichend gewürdigte Berührungspunkte mit der Geologie. Der jüngst ersprossene Zweig der limnischen Bodenkunde geht endlich von der Mikrobiologie aus, scheint aber jedenfalls vorläufig die dabei gewonnenen Erfahrungen in erster Linie wiederum in geologischer Richtung hin verwerten zu können.
Wohin wir also schauen, herrscht zurzeit eine sehr lebhafte Arbeit auf dem Gebiet der limnischen Bodenkunde. Es ist gewiß unter diesen Voraussetzungen kaum möglich, eine Zusammenstellung dieser z. T. noch so sehr im Fluß befindlichen Forschungen in ihrer Gesamtheit zu geben. Die vorliegende Darstellung macht auch gar keine Ansprüche in dieser Richtung. Ihr Zweck ist nur, eine allgemeine, elementar gehaltene Einführung in die sich auf rezente Verhältnisse beziehende limnische Bodenkunde zu geben. Sie befaßt sich demnach nur mit den allgemeinen Voraussetzungen, die eigentlich jedem Limnologen - ganz abgesehen von seiner speziellen Einstellung — bekannt sein sollten. Wer dann spezielle Gebiete erschließen will, muß zur Spezialliteratur greifen, die in dieser Sammlung durch die Werke von Lundqvist (Sedimentkunde, 82) und Thienemann (Bodenfauna, 157) vertreten wird, bezw. vertreten werden soll (Perfiliew, Mikrobiologie).
Die Übersicht über die Bodenablagerungen der Seen, welche im Folgenden gegeben werden soll, trägt natürlich in Übereinstimmung mit dem eigenen Standpunkt der Forschung noch einen höchst ungleichmäßigen Charakter. Im großen und ganzen mußte sie weiter auf die Verhältnisse der normalen Süßwasserseen des temperierten Europas beschränkt bleiben. Es ist mein Bestreben gewesen, dem sich hierauf beziehenden Tatsachenmaterial auf regionalem Grund eine allgemeine Beleuchtung zu geben, um damit besonders auf die zahlreichen noch vorhandenen Lücken unseres Wissens hinzuweisen. Denn die limnische Bodenkunde wird noch für Jahre Gebiete aufzuweisen haben, die den Forscher mit all dem Zauber des Unbekannten umgeben.

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Vorwort 1
I. Zur Entwicklungsgeschichte der limnischen Bodenkunde. Ihr
Umfang 3
II. Die Stellung der limnischen Bodenkunde innerhalb der allgemeinen
Bodenkunde 9
III. Die Bodenablagerungen und die eulimnische Zonation 11
IV. Die Prinzipien der Probenentnahme 13
A. Die Fragestellung 13
B. Die aktuelle Schicht und die fossilen Schichten 14
G. Die Abgrenzung der aktuellen Schicht 16
D. Über Schichtungen am Seeboden 16
V. Die Praxis der Probeentnahme 18
A. Das Becherlot 19
B. Das Profillot 20
1. Allgemeines 20
2. Das kleine Profillot 20
3. Das große Profillot 22
4. Kritisches 25
C. Profillot und Wasserschöpfer 26
D. Weiterer Ausbau des Profillotens. Das Studium der Mikrozonen 28
E. Die Probeentnahme für bakteriologische Zwecke 28
1. Die Untersuchung bezieht sich auf morphologisch nach Gattung und Art bestimmbare Bakterien 28
2. Die Untersuchung bezieht sich auf morphologisch nach Gattung und Art nicht bestimmbare Bakterien 29
F. Qualitativ arbeitende Apparate zum Nachweis der gröberen Fauna bezw. Flora 30
G. Der quantitative Bodenschöpfer für zoologische bezw. botanische Zwecke 30
H. Apparate zur Probeentnahme in der Litoralzone 35
J. Bohrer 36
VI. Prinzipielles über die physikalische und chemische Untersuchung
der Bodenproben 36
A. Die Untersuchung der aktuellen Schicht 37
B. Die mikrozonale Untersuchung 37
C. Physik der Ablagerungen 37
D. Chemie der Ablagerungen 38
E. Rückblick 39
VII. Prinzipielles über die biologische Untersuchung bezw. Beurteilung
der Bodenproben 40
A. Die bakteriologische Untersuchung 40
B. Die botanische Untersuchung 41
G. Die zoologische Untersuchung 43
D. Einige allgemein-produktionsbiologische Gesichtspunkte. —
Über Bodentätigkeit und Bodenkraft. — Bonitierung 44
VIII. Die regionale Fragestellung 47
A. Allgemeine Problemstellung der regionalen Limnologie 48
B. Die ursprüngliche Zweigliederung der Gewässertypen nach Naumann 49
G. Die Dreigliederung der Gewässertypen nach Thienemann 51
D. Versuch eines weiteren Ausbaues der Seetypenlehre 52
E. Praktische Fragen 54
IX. Regionale Limnologie und allgemeine Bodenkunde 55
X. Systematik der Bodenablagerungen 60
A. Die Grundbegriffe Gyttja und Dy 60
B. Spezielle Ablagerungstypen 63
XI. Die Schlammablagerungen in statu nascendi. — Förna und Äwja 70
XII. Der Sapropelbegriff. — Sapropel und Tyrfopel 72
A. Der Begriff Sapropel nach Lauterborn 72
B. Der Begriff Sapropel nach Potonie 74
G. Über Sapropel und Tyrfopel74
XIII. Die Kalk- und Eisenablagerungen. — Eine vergleichende Übersicht 75
A. Woher stammt der Kalk bezw. das Eisen des Seewassers? 77
B. Korrosionserscheinungen in der Litoralzone 77
G. Inkrustationserscheinungen in der Litoralzone 79
D. Die profundalen Ablagerungen 82
E. Definitive Ablagerungen 86
XIV. Das See-Erz 88
A. Definition 88
B. Prinzip der Erzbildung 89
1. Chemisches 89
2. Biologisches 89
a) Treten morphologisch nach Gattung und Art bestimmbare Eisenbakterien auf bezw. in dem Boden, wo Seenerze gebildet werden, auf? 90
b) Sind Eisenbakterien in den Seenerzen nachweisbar? 91
c) Sind morphologisch nicht bestimmbare Eisenbakterien im Bildungsmilieu der Seenerze nachweisbar? 92
d) Rückblick 93
C. Terminologie der See-Erze 95
D. Stellung der Erze in der limnischen Zonation96
E. Chemie der See-Erze 96
F. Die Forrnbildung der Eisenerze 96
1. Prinzip der Konkretion 96
a) Organisches Material 96
b) Anorganisches Material 97
2. Der Erztypus in seiner Abhängigkeit vom Initialmaterial 97
3. Die verschiedenen Initialen 97
a) Die allolimnische Förna als Initial 97
b) Sand und Grus als Initial 98
c) Koprogene Bildungen als Initial 98
d) Initialmaterial, produziert durch den mechanischen Effekt der Pflanzenwurzeln auf den Boden 99
e) Die autochthone Förna als Initial 100
f) Mikroskelette als Initial 100
g) Die Kalkschalen der Mollusken als Initial 101
h) Die totale Bodenvererzung 102
G. Die Formbildung der Manganerze 102
H. Sekundäre Veränderungen der Erzfelder 103
J. Die mikroskopische Struktur des Erzes 103
K. Die quantitativen Verhältnisse des See-Erzes 104
L. Das Alter des See-Erzes 104
M. Die praktische Bedeutung des See-Erzes 105
N. Das regionale Vorkommen des See-Erzes 105
O. Die Homologien des See-Erzes 106
XV. Die regionale Verteilung der Bodenablagerungen 106
A. Allgemeines 106
B. Regionale Kartierung von Südschweden 107
C. Ausblick 111
Literatur 113
Sachregister 124