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August Thienemann:

Verbreitungsgeschichte der Süßwassertierwelt Europas

Versuch einer historischen Tiergeographie der europäischen Tiergeographie der europäischen Binnengewässer

1950. XVI, 809 Seiten, 249 Abbildungen, 12 Tabellen, 11 Tafeln, 16x24cm, 2000 g
Language: Deutsch

(Die Binnengewässer, Band 18)

ISBN 978-3-510-40727-9, gebunden, price: 79.80 €

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Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Zwei Hauptgesichtspunkte sind zu berücksichtigen, will man die heutige Verteilung der einzelnen Tiere und Pflanzen auf der Erde erklären. Ein Organismus kann sich nur dann an einer bestimmten Lebensstätte halten, wenn ihm dort alle unbedingt notwendigen Lebensbedingungen geboten werden, und wenn er seit seiner Entstehung und, seitdem der betreffende Biotop sich gebildet oder für ihn besiedlungsfähig geworden ist, von seinem sonstigen Verbreitungsgebiet oder dem seiner Vorfahren an die betreffende Lebensstätte hat gelangen können. Man muß also die Lebensbedürfnisse einer Tier- oder Pflanzenart kennen, um beurteilen zu können, an welche Umweltbedingungen sie gebunden ist, ferner ihre Verbreitungsmittel und die Wege, die ihr für die Verbreitung offen standen, sowie die Schranken, die ihre Verbreitung erschwerten oder unmöglich machten. So hat die Biogeographie eine ökologische Seite, indem sie in den Lebensbedingungen, die an einem und um einen Biotop herrschen, die eine Ursache für das Auftreten eines Organismus an dieser Stätte erkennt. Sie hat aber auch eine historische Seite, denn das Bild der heutigen Verteilung des Lebens auf der Erde ist das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung des betreffenden Organismus wie des von ihm besiedelten Gebietes. Eine Biogeographie, die nicht nur mit groben Strichen Umrißzeichnungen geben, sondern zum Verständnis der Einzelheiten in der Organismenverbreitung Vordringen will, muß stets beide Seiten, die ökologische wie die historische, berücksichtigen. "In der Geschichte jenes Lippenblütlers, der nur einige Alpwiesen Kärntens bewohnt, jenes Insektenfressers, der auf ein Pyrenäen-Hochtal beschränkt ist, oder des kleinsten Zwergvolkstammes im afrikanischen Urwald leben die Wirkungen der Größe und Gestalt, der Bewegungen, Masse und stofflichen Zusammensetzung des ganzen Erdballes“ (Ratzel 1901, S. 1). In diesem Buche wird der Versuch gemacht, die geschichtliche Entwicklung der Süßwassertierweit Europas zu schildern, eine historischeTiergeographie der europäischen Binnengewässer zu geben.

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Vorwort XTII
A. Grundlagen der limnischen Tiergeographie 1
I. Die biongeographische Grundfrage. Die Verbreitung des Krebses Mysis
relicta als Beispiel für die Lösung eines Problems aus der
Tiergeographie des Süßwassers 1
II. Allgemeine ökologische Grundlagen der Verbreitung der limnischen
Tierwelt 19
a) Die ökologische Valenz 20
b) Konstanz der ökologischen Valenz? 32
c) Das Lebensoptimum und die Grundgesetze der Biozönotik 41
d) Das Wirkungsgesetz der Umweltfaktoren 51
III. Die Faktoren, welche die Verbreitung der Süßwasserorganismen regeln 55
a) Der Zeitfaktor 56
b) Der topographische Faktor (raumbedingte Verbreitungsschranken) 58
c) Der Zufall als tiergeographischer Faktor 63
d) Die räumliche Ausdehnung eines Biotops und die "Treffsicherheit
der Verschleppung" als verbreitungsregulierender Faktor 67
e) Die ökologischen Faktoren 69
-) Die physikgraphischen Faktoren 70

1. Die energetischen Faktoren 73
Das Licht 73
Die Wärme 75
2. Der hydromechanische Faktor (Wasserbewegung) 80
3. Die hydrochemischen Faktoren 82
Der Kalk 83
Das Kochsalz 86
Der Humusgehalt des Wassers 89
Die Fäulnis 91
Der Sauerstoff 92
Weitere chemische Faktoren 95
4. Die geographisch-geologische Gestaltung des Gewässers 95
- Die biozönotischen Faktoren- 101
Ernährungsbeziehungen 102
Andere biozönotische Beziehungen 105
- Ein Beispiel für das Zusammenwirken der ökologischen Faktoren:
Die Stechmückenplage in der Arktis 106
d) Der Grad der Konstanz der Lebensbedingungen-Eustasie und
Astasie-als tiergeographischer Faktor 109
f) Der überorganische Faktor: Der Einfluß des Menschen auf die
Verbreitung der Süßwassertiere 116
- Unnittellarc Eingriffe des Menschen 117
- Veränderung der Lebensbedingungen der Süßwassefauna durch
den Menschen 127

g) Das Holocoen 138
IV. Die Verbreitungsmittel der Süßwassertiere 142
a) Aktive Ausbreitung 142
b) Passive Ausbreitung 146
- Innerhalb des Wassers 146
- Durch die Luft 150
1. Der Wind als Transportmittel 153
2. Transport von Wassertieren durch Vögel 156
3. Transport von Wassertieren durch Insekten 159
c) Anhang: Uber die Unwahrscheinlichkeit der Verschleppung
mehrerer Arten in das gleiche Gewässer 160
B. Archaische Typen in der Süßwasserfauna der Erde und prä-
glaziale Elemente der europäischen Süßwasserfauna 166
I. Archaische Typen in der Süßwasserfauna der Erde 166
a) Fische 167
b) Amphibien 169
c) Krebse 172
d) Würmer 180
e) Die mutmaßlichen Gründe für die Erhaltung archaischer Tierformen
bis zur Gegenwart 181
II. Präglaziale Elemente der europäischen Süßwasserfauna 184
a) Einige Notizen über fossile tertiäre Süßwassertiere 184
b) Allgemeine Gliederung der Süßwasserfauna auf Grund ihrer
Siedlungsgeschichte 190
c) Landbrücken im alten Sinne oder Kontinentalverschiebung ? 196
d) Präglaziale Ureinwohner der europäischen Binnengewässer nördlich
der Alpen 201
e) Präglaziale Relikte in der Süßwasserfauna Europas 211
- Tertiärrelikte in der europäischen Thermalfauna 211
- Präglaziale Relikte in der Fauna der unterirdischen Gewässer
Europas 214
1. Relikte marinen Ursprungs 216
Die einzelnen Arten 216
Allgemeines über die Relikte marinen Ursprungs 245
2. Alte Süßwassertiere 948
f) Über die Süßwasserfauna europäischer-glazialer Refugialgebiete 268
- Die Tierwelt des Ochridasees 269
1. Ubersicht über die charakteristischsten Tiere des Ochridasees 270
2. Alter und Herkunft der Fauna des Ochridasees 282
- Die Süßwasserfauna des Balkans im allgemeinen 284
- Die Süßwasserfischfauna der glazialen Refugialgebiete Süd- und
Südosteuropas 288

C. Die Tielwelt der Binnengewässer Europas während der Eiszeit 299

I. Physiogralhie des Eiszeitalters in Eurasien 299
a) Die Maximalvereisung der Paläarktis 299
b) Die Gliederung des Eiszeitalters 304
- Die Elster-Mindel-Eiszeit 305
- Die Saale-Riß-Eiszeit 300
- Die Weichsel-Würm-Eiszeit 305
II. Die Interglazialzeiten und ihre limnische Tierwelt 307
a) Das erste Interglazial 309
b) Die Elster-Saale-Interglazialzeit 310
c) Die Saale-Weichsel-Interglazialzeit 312
III. Die europäische Süßwassertierwelt während der Eiszeit 321
a) Die großen holarktischen Disjunktionen und ihre Entstehung 322
b) Die palearktischen glazialen Refugialgebiete 329
c) Die glaziale Süßwasserfauna zwischen nordischer und alpiner
Vergletscherung 335
A. Gletscherrandarten 336
a) Nördliche Gletscherrandarten 337
a) Die rein arktische Süßwasserfauna als eiszeitliche
nördliche Gletscherrandfauna 337
b) Nördliche Gletscherrandarten, die heute auch stellenweise
in Mitteleuropa vorkommen 349
- Fische 349
1. Der dreistachelige Stichling, Fasterostens aculeatus L. 349
2. Die Gattung Coregonus s. s. 350
3. Der Saibling, Salmo (Salvelinus) alpines L. 356
- Nördliche Gletscherrandarten aus der niederen Süßwassertierwelt 361
1. Hydracarinen 361
2. Crustaceen 362
a) Euphyllopoden 362
- Branchinecta palndosa (O. F.MÜLLER) 362
- lepidurus arclicas (PALLAS) 365
b) Cladoceren 367
- Eurycercus glacialis (LILLJ.) 367
- Camptocercus fennicus (STENROOS) 368
- Alona Karelica (STENROOS) 369
- Daphnia cristata (G. O. SARS) 370
- Drepanothris dentata (EUREN) 370
- Limnosida frontosa (G. O. SARS) 370

3. Insekten 370
Plecopteren, Ephemeropteren, Trichopteren 370
Die Chironomiden Lasiodiumesa gracilis K. und
Spaniotoma tatrica (PAGAST) 372
Käfer, Wasserwanzen und Collembolen 373
Tardigraden und Rotatorien 376
- Überblick über die nördlichen Gletscherrandarten 379
- Südliche Gletscherrandarten 380
- Hydracarinen 380
- Andere Tiere 383
1. Insekten 383
2. Amphipoden 386
3. Ein Fisch, Cottus gobio L. 388
4. Amphibien 392
5. Turbellarien 394
B. Die glaziale Mischfauna 394
a) Die Fische der glazialen Mischfauna 402
1. Die kaltstenothermen: Fische (Winterlaicher) der glazialen
Mischfauna 402
2. Die eurythermen Fische (Sommerlaicher) der glazialen
Mischfauna 404
3. Die Wanderfische 414
4. Übersicht der tiergeographischen Gliederung der deutschen
Süßwasserfischfauna 415
b) Die niedere Tierwelt der Binnengewässer 417
1. Quellen und Bäche 417
2. Stehende Gewässer 419
D. Spätglaziale und frühpostglaziale Veränderungen in der
Süßwasserfaune Mitteleuropas 424
A. Die physikgraphischen Veränderungen der Binnengewässer und ihre
allgemeinen biologischen Folgen 424
B. Die Postglazialgeschichte der Ostsee und Nordsee 460
C. Die Baltikum-Tiere 469
a) Die auch in Norddeutschland vorkommenden Baltikum-Tiere 469
1. Die Fische 471
- Der Stint (Osmerus eperlanus L.) 471
- Die kleine Maräne (Coregonus albula L. ) 480
- Formen der Gattung Coregonus als Baltikum-Fische 485

2. Die glazialmarinen Reliktenkrebse Mysis, Pontoporeia und Pallasea 490
- Mitpsis rötlich (LOVEN) 490
- Ponlopoem affinis (LIDSTRÖM) 492
- Pallaseca quadrispinosa (SARS) 495
b) Die nur in Fennoskandia und dem Ostbaltikum vorkommenden
Baltikum-Tiere 498
- Cottbus quadricornis (L.) 499
- Mesdothea entomort (L.) 504
- Gamwaraconthus loricatus (SABINE) var lacustris (G. O. SARS) 507
- Limnocclarus grimaldii-macrurus 508
- Echirorhyrchus Salzomis (O. F. Müller) 513
c) Weitere als Baltikum-Tiere betrachtete Arten 514
d) Zusammenfassende Bemerkungen über die Baltikum-Tiere 516
D. Spätglaziale Osteinwanderer in Mitteleuropa 518
1. Cottbus ecipus (HECKEL) 519
2. Thymallus thymallus (L.) 519
3. Die Donau-Rhein-Rhone-Fische 522
4. Niphargus-Verwandte 522
E. Die übrige Süßwasserfauna 522
a) Die theoretischen Möglichkeiten und die Verbreitung der
stenothermen und rheophilen Wassermilben 522
b) Die boreßalpine Disjunktion 528
A. Verzeichnis boreoalpiner Süßwassertiere 530
B. Allgemeiner Teil 547
- Allgemeine Betrachtungen über die boreoalpine Disjunktion 547
- Der Begriff "Glazialrelikt" 555
- Eurytherme Glazialrelikte 558
- Die Ausbildung neuer Tierformen durch die Eiszeit 563
1. Chironomiden 564
2. Krebse 565
3. Der Formenkreis der P1naria alpina (DANA) 567
4. Fische 573
5. Amphibien 578
- Bemerkungen zur sog. SCHARFF'schen Hypothese 579

c) Die bipolare Disjunktion 582
d) Die sog. KEILHACK'sche Disjunktion 584
E. Spätere Veränderungen in der Süßwasserfauna Mitteleuropas
insbesondere Deutschlands 590
a) Postglaziale Einwanderer aus dem Osten 595
1. Fische
A. Einwanderer aus Südosten und Nordosten 593
B. Einwanderer aus dem Südosten, "Donaufische" 607
C. Nordöstliche Formen 613
2. Die ührige aus dem Osten eingewanderte Süßwasserfauna 613
b) Postglaziale Einwanderer aus dem Süden 624
c) Die 13edeutung der postglazialen Wärmezeit für die Süßwasserfauna 638
d) Einige ileränderungen in den Glewässern und ihre biologischen Folgen 650
F. Neueste Einwanderer in der Süßwasserfauna Deutschlands 654
1. Cordglophora caspia PALLAS 655
2. Euplanaria tigrina GIRARD (maculata LEIDY) 656
3. Pectinatella magnifica LEIDY 657
4. Dreissensia polymorpha PALLAS 658
5. Congeria cochleala NYST. 662
6. Unio requfenii MICE. 664
7. Lithoglyphus naticoides DE FERUSSAC 665
8. Polamopyrqus crystallirus carinatus J. T. MARSH (= Hydrobia
(Paladestrina) jenkinsi SMITH) 667
9. Physa acula DRAP. 669
10. Eriocheir sinensis MILNE-EDWARDS 670
11. Pilumnopeus tridendatus MAITLAND 680
12. Cambarus affinis SAY 682
13. Atyaephyra desmaresti MILLET 683
14. Corophium curvispinum G. O. SARS f. devium WUNDSCH 687
15. Chaetogammarus ichnus STEBB. 690
16. Echnogammarus berilloni (CATTA) 691
17. Asellus(Proasellus) meridianus RACOVITZA 694
18. Jaera sarsi VARANOV 697
19. Gobins marmoratus PALLAS 699
20, 21. Salmo iridens GIBB. und Salmo fontialis MITSCH 702
22. Eupomots gibbosus (L.) (aurens JORD.) 702
23. Grystes salmoides GÜNTH. 703
24. G/rystes nigricans GÜNTH. (dolomieu LAC.) 704
25. Aminrus nebulosus RAF. 704
26. Fiber zibethicus (L.) 704
Allgemeine Bemerkungen über die nodernen Immiganten in der
Süßwasserfauna Deutschlands 711
G. Rückblick und Überblick 714
H. Literaturverzeichnis 730
Sachregister 781
Organismenverzeichnis 788