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Litho- und Biostratigraphie der außeralpinen Kreide von Bayern

Beitrag zur Stratigraphie von Deutschland

Hrsg.: Birgit Niebuhr; Herausgegeben im Auftrag der Deutschen Stratigraphischen Kommission

[Litho- and biostratigraphy of non-alpine Cretaceous age rocks of Bavaria (Germany).]

2009. 127 Seiten, 50 Abbildungen, 6 Tafeln, 21x30cm, 480 g
Language: Deutsch

(Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, Heft 65)

ISBN 978-3-510-49211-4, brosch., price: 44.80 €

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stratigraphy germanycretaceousbavariabayern

Contents

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Der Band behandelt die Verbreitung und Stratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. Im Zuge der Transgressionen der frühen Oberkreide wurden auch weite Gebiete nördlich der unterkretazischen Tethys zu randlichen Schelfmeeren. In Nord-Bayern zeigt sich diese Überflutung in der Danubischen Kreide-Gruppe (früher „Regensburger”, „Oberpfälzer” und „Fränkische albüberdeckende Kreide”). Die zwölf Formationen dieser Gruppe repräsentieren terrestrische bis neritische Ablagerungsräume, in denen Konglomerate, Sande und Sandsteine, Tone, Mergel und Mergelsteine, Kalkarenite, spiculitische Opoka und Kalksteine mit einer Mächtigkeit von 300-500 m sedimentiert wurden. Neun der Formationen beinhalten marine Sedimente (Wellheim-, Regensburg-, Eibrunn-, Winzerberg-, Kagerhöh-, Großberg-, Hellkofen-, Sandbach- und Jeding-Formationen) und zwei weisen ausschließlich terrestrische Sedimente auf (Schutzfels- und Hessenreuth-Formationen), die Roding-Formation vermittelt zwischen beiden Faziesräumen. Zwei Beiträge beschäftigen sich mit den Inoceramen und Ammonoiden, die in diesen Sedimenten leitend sind.

Synopsis top ↑

This volume describes the extent and the properties non-alpine Cretaceous age deposits of the German state of Bavaria.
During the early Late Cretaceous, vast, formerly continental areas North of the Early Cretaceous Tethys were flooded and transformed into peri-continental shelf seas. In northern Bavaria (southern Germany), this onlap is exemplified by the Danubian Cretaceous Group (formerly „Regensburger”, Oberpfälzer” and „Fränkische albüberdeckende Kreide”). The twelve formations of this 300-500 m thick group represent non-marine to neritic environments, comprising conglomerates, sandstones, clays, marls, calcarenites, siliceous opoka and limestones. Nine of the formations contain marine sediments (Wellheim, Regensburg, Eibrunn, Winzerberg, Kagerhöh, Großberg, Hellkofen, Sandbach, and Jeding formations), and two consist exclusively of terrestrial sediments (Schutzfels and Hessenreuth formations). The Roding Formation characterizes a transitional zone between both principal environments.

Two contributions focus on inoceramid and ammonoid stratigraphy, as inoceramids are the premier choice for the biostratigraphically sudbividing the strata of the Danubian Cretaceous Group in Bavaria (Germany), as the occur in all marine facies. Ammonoids are a stratigraphically similarly important group. The contribution on the ammonoids is a compilation of the ammonoid record of the Danubian Cretaceouos Group, supplemented with new data on their taxonomy and biostratigraphy.
It is based on ammonoid material of the Museum für Mineralogie und Geologie, Dresden, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie, Munich and the Juramuseum Eichstätt and comprises a taxonomic re-evaluation of the ammonoids described and illustrated by Dacqué (1939).

Bespr.: Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2010 Heft 3/4 top ↑

Niebuhr/Pürner/Wilmsen:

Die großen Transgressionen im Cenomanium überfl uteten nördlich der Tethys weite Gebiete. Ein solches Schelfmeer kennzeichnet die Danubische Kreidegruppe, die früher „Regensburger“, „Oberpfälzer“ oder „Fränkische albüberdeckende Kreide“ hieß. Sie umfaßt mit 12 Formationen terrestrische bis neritische Fazies mit Konglomeraten, Sanden, Sandsteinen, Tonen, Mergeln, Mergelsteinen, Kalkareniten, spikulitischer Opoka und Kalksteine in einer Gesamtmächtigkeit von 300-500m. Die Wellheim-, Regensburg-, Eibrunn-, Winzerberg-, Kagerhöh-, Großberg-, Hellkofen-, Sandbach- und Jeding-Formation sind marin, die Schutzfels- und Hessenreuth- Formation ausschließlich terrestrisch, und die Roding-Formation bildet den Übergang von marin zu terrestrisch. Die Regensburg-Formation (Unter-Cenomanium bis Unter-Turonium) repräsentiert im distalen Teil auf der Höhe der heutigen Donau den ältesten Meeresvorstoß der Kreide im Unter-Cenomanium. Im proximalen Teil (Bodenwöhrer Senke) dagegen transgredieren glaukonitisch-bio klastische Flachwasserablagerungen über kristallinem Varistikum etwa 5-6 Millionen Jahre später (Ober-Cenomanium-Unter-Turonium). Mit der mergeligen Eibrunn-Formation zeigt sich eine Eintiefung des Sedimentationsraumes. Die Wellheim-Formation (tiefes Unter-Cenomanium bis Unter-Turonium) ist eine zeitgleiche karbonat- und glaukonitfreie Stillwasserbildung im Raum Solnhofen und Neuburg a. d. Donau. In die Unter-Kreide gehören – zumindest im Gebiet zwischen Regensburg und Wellheim – die in Vertiefungen der Paläokarst-Verebnungsfl äche im Kalkstein des Ober- Jura erhaltenen fl uviatil-limnischen Sedimente und Eisenerze (Amberg-Member) der Schutzfels-Formation. Die Winzerberg-Formation (Unter-Turonium) enthält die klassischen „Reinhausener Schichten“ und den „Knollensand“. Am Top dieser Formation und an der Basis der darüberfolgenden Kagerhöh-Formation kennzeichnet die grobsandige „Hornsand“-Fazies eine Sequenz- und Formationsgrenze. Die Kagerhöh-Formation enthält die klassischen „Eisbuckel-Schichten“, den „Pulverturm- Kalk“ und die „Karthauser Baculitenmergel“. Diese drei aufeinanderfol genden Member sind durch auffällige Glaukonitsandmergel gegeneinander abgegrenzt. Die höchsten Karbonatwerte während der maximalen Überfl utung in der Danubischen Kreidegruppe beobachtet man im mittleren Pulverturm-Member. Mit deutlichem lithologischem Wechsel überlagert die Großberg-Formation (höheres Ober- Turonium) mit ihren schräggeschichteten Kalkareniten und Sandsteinen erosiv die Kagerhöh-Formation. Die Roding-Formation der Bodenwöhrer Senke enthält fl uviatil-limnische bis fl achmarine Ablagerungen des Mittel- und Ober-Turonium. Ein deutlicher Faziesschnitt trennt die Großberg- und Roding-Formation von den überlagernden Tonen und Mergeln der Hellkofen-Formation (Coniacium) und den glaukonitischen, glimmerführenden Sandsteinen der Jeding-Formation. Die Hessenreuth-Formation enthält die groben, terrestrischen Schuttfächer des Parkstein-, Friedersreuth- und Hesserberg-Members im nördlichen Sedimentationsraum um Parkstein-Erbendorf und Auerbach. Aufgrund eines Vergleichs mit der Roding-, Hellkofen- und Jeding-Formation dauert die Hessenreuth-Formation vom Mittel- Turonium bis zum Coniacium. Als Erosionsrest ist die Sandbach-Formation (höheres Ober-Turonium bis Mittel-Coniacium) mit dem liegenden Marterberg- und dem hangenden Buchleiten-Member in der Ortenburger Kreide westlich von Passau von den übrigen Kreidevorkommen völlig isoliert. Ein auffallend hoher Glimmergehalt in der zeitgleichen Hellkofen-, Jeding- und Sandbach-Formation und im Friedersreuth- Member der Hessenreuth-Formation dürfte auf zunehmende Hebungen des Hinterlandes ab Ober-Turonium zurückgehen. Unter einer mächtigen Molasse-Überdeckung am Übergang zur alpinen Kreide liegen südlich von Regensburg marine Sedimente des ?Santonium. Die formal gut ausgearbeitete und ansprechend-übersichtlich farbig illustrierte Zusammenstellung zeigt erstmals alle in diesem Raum heute noch vorhandenen Kreideschichten. Sie ist daher für jeden, der in diesem Gebiet arbeitet, ein absolutes Muß. Aber auch zur Beurteilung des nördlichen Gegenstücks, nämlich der Kreidetransgression auf das Rheinische Schiefergebirge und insbesondere im nördlichen Sauerland, dürfte diese Arbeit eine brauchbare Hilfe sein.

Tröger/Niebuhr/Wilmsen:

Da sie hier in fast allen marinen Faziesbereichen auftreten, sind Inoceramen in den Sedimenten der Danubischen Kreide-Gruppe Bayerns für die biostratigraphische Datierung eine nützliche Hilfe. Die über 170 vorliegenden Exemplare aus alten Sammlungen und neuen Aufsammlungen gehören mit ihren 29 Arten und einigen Unterarten zu den fünf Gattungen Inoceramus, Mytiloides, Rhyssomytiloides?, Cremnoceramus und Platyceramus. Die Wellheim-Formation zwischen Solnhofen und Wellheim umfaßt aufgrund von Inoceramus crppsi crippsi MANTELL, In. hoppenstedtensis TRÖGER, In. pictus J. SOWERBY und Mytiloides mytiloides tieferes Unter-Cenomanium bis höheres Unter-Coniacium. Die Oberkreide-Transgression an der Basis gehört nach dem Crippsi-Event in die Mantelliceras mantelli-Ammonitenzone. Aufgrund von In. virgatus virgatus SCHLÜTER gehört das Saal-Member der Regensburg-Formation in deren unterem Teil auch im Raum Regensburg-Kelheim der Mantelliceras dixoni-Ammonitenzone des Unter-Cenomanium an. Für die Bodenwöhrer Senke belegt In. pictus subsp. aff. concentricoundulatus TRÖGER höheres Ober-Cenomanium. Verschiedene Inoceramus- und Mytiloides-Arten datieren die Eibrunn-Formation als Ober-Cenomanium bis tiefstes Unter-Turonium.

Die Winzerberg-Formation enthält nahezu alle für das europäische und westasiatische Unter-Turonium charakteristischen Leit-Arten von Mytiloides. Eine individuenarme, aber artenbereiche Inoceramenfauna belegt für die Kagerhöh-Formation Mittel-Turonium bis tieferes Ober-Turonium. Die Großberg-Formation umfaßt mit ihrer hochdiversen Inoceramenfauna eine stratigraphisch nur kurze Zeitspanne im höheren Ober-Turonium. Nach den Inoceramen (5 Gattungen mit 8 Arten) reicht die Sandbach-Formation bei Passau vom höheren Ober-Turonium bis zum Mittel- Coniacium und setzt zeitgleich mit der Großberg-Formation ein. Die jüngste der marinen Formationen in der Danubischen Kreide-Gruppe, die Jeding-Formation, lieferte nur Platyceramus sp. ex gr. mantelli (DE MERCEY), die für hohes Unter- bis Mittel-Coniacium spricht. In der Danubischen Kreide-Gruppe reicht also die marine Sedimentation vom tiefen Unter-Cenomanium bis zum Mittel-Coniacium.

Wilmsen/Wood/Niebuhr/Kaplan:

Die Verf. bearbeiteten die Ammoniten aus der Danubischen Kreide-Gruppe taxonomisch und biostratigraphisch, die E. DACQUÉ (1939) beschrieb und abbildete, die aber verloren sind, und die Gehäuse aus den Sammlungen des Museums für Mineralogie und Geologie in Dresden, der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie in München und dem Jura-Museum Eichstätt. In der Danubischen Kreide sind Ammoniten stets mit wenigen Arten vertreten und selten. Wegen ihrer unzureichenden Erhaltung mußten viele Taxa in offener Nomenklatur verbleiben. Aus dem Cenomanium, Turonium und Coniacium liegen die 24 Taxa Mantelliceras mantelli (J. SOWERBY, 1814), Calycoceras (Calycoceras) naviculare (MANTELL, 1822), Metoicoceras geslinianum (D‘ORBIGNY, 1850), Euomphaloceras septemseriatum (CRAGIN, 1893), Pseudocalycoceras angolaense (SPATH, 1931), Ps. cf. harpax (STOLICZKA, 1864), Romaniceras (Romaniceras) cf. kallesi (ZÁZVORKA, 1958), Vascoceras diartianum (D‘ORBIGNY, 1850), Lewesiceras peramplum (MANTELL, 1822), Le. mantelli WRIGHT & WRIGHT, 1951, Collignoniceras cf. woollgari (MANTELL, 1822), Subprionocyclus sp., Su. cf. neptuni (GEINITZ, 1849), Peroniceras (Peroniceras) westphalicum (V. STROMBECK, 1859), Placenticeras? sp., Worthoceras vermiculum (SHUMARD, 1860), Hemiptychoceras sp., He. cf. reesidei COBBAN & SCOTT, 1972, Sciponoceras sp., Sca. cf. gracile (SHUMARD, 1860), Sc. bohemicum (FRITSCH, 1872), Baculites sp., Scaphites sp. und Sca. kieslingswaldensis cf. doylei WRIGHT, 1978. Nach der Beschreibung und Abbildung der meisten dieser Taxa erfolgte ihre Einbezihung in die aktualisierte litho- und biostratigraphische Gliederung der Danubischen Kreide-Gruppe (NIEBUHR et al. 2009, TRÖGER et al. 2009, beide in diesem Band).

W. Riegraf

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2010 Heft 3/4

Inhaltsverzeichnis top ↑

Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M.: Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns 7
Tröger, K.-A., Niebuhr, B. & Wilmsen, M.: Inoceramen aus dem Cenomanium
bis Coniacium der Danubischen Kreide-Gruppe (Bayern, Süd-Deutschland) 59
Wilmsen, M., Wood, C.J., Niebuhr, B. & Kaplan, U.: Cenomanian–Coniacian
ammonoids of the Danubian Cretaceous Group (Bavaria, southern Germany) 111