cover

Wolfgang Friedrich Gutmann:

Die Evolution hydraulischer Konstruktionen

Organismische Wandlung statt altdarwinistischer Anpassung

1995. 2. Auflage, 220 Seiten, 37 Abbildungen, 550 g
Language: Deutsch

(Senckenberg Bücher, Nr. 65)

ISBN 978-3-510-61048-8, gebunden, price: 22.00 €

in stock and ready to ship

Order form

BibTeX file

Contents

Beschreibung top ↑

Das Evolutionsdenken ist heute weltweit im umbrechen, neue Theorien, Revisionen, veränderte Vorstellungen tauchen auf. Immer deutlicher tritt hervor, daß die traditionelle darwinistische Theorie, die von vielen Autoren auch heute noch wie eine gesicherte Wahrheit vorgetragen wird, nicht nur große Unzulänglichkeiten aufweist, sondern in ihren tiefsten Grundlagen und auch der Vorstellung von Umweltanpassung und Auslese unhaltbar, ja falsch ist.

Seit den späten 60er Jahren wurde von einer Gruppe von Wissenschaftlern im Forschungsinstitut Senckenberg eine neue organismisch-konstruktiv begründete Theorie der Evolution entwickelt, die nun in die breiten Bestrebungen der Neubegründung des Evolutionsdenkens einmündet. Sie wird in dem hier angezeigten Buch vorgestellt.

Evolution ist im neuen Verständnis ein durch die Aktivität der Organismen erzeugtes Geschehen, das durch die Organisation der Lebewesen selbst gerichtet und begrenzt wird. Die neue Theorie hat eine einfache, leicht zu begreifende, ja verblüffend einfache Grundlage. Sie versteht aus physikalischen Gründen die Organismen als Konstruktionen und Energiewandler, die wie Maschinen arbeiten. Solche Konstruktionen, die sich arbeitend selbst mit Nahrung versorgen müssen, können nur nach Maßgabe ihrer inneren Eigenschaften bei Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit als Konstruktionen im Evolutionslauf verändert werden. Konstruktionen vermögen sich nicht beliebig, sondern nur nach Maßgabe ihres Aufbaus, ihrer energiewandelnden Leistungserfordernisse zu transformieren.

Selektion ist dann notwendigerweise ein vollkommen interner, durch den Aufbau und die Leistung der Organismen begründeter, Mechanismus. Lebewesen passen sich nicht an die Umwelt an, sondern dringen, soweit es ihre Konstruktion erlaubt, unter Konkurrenzdruck in die verschiedenen Lebensräume ein, nutzen als Konstruktionen viele Lebensräume und entwickeln sich immer nach Maßgabe ihrer internen Konstruktion weiter. Evolution ist somit nicht ein durch die Umwelt kontrollierter, sondern durch die Aktion und den Aufbau der Lebewesen bestimmter, intern arganismisch kontrolliertet Prozeß. Die neue Theorie gestattet es, die entscheidenden Stadien der Evolution von der Zelle über Vielzeller und die Konstruktionstypen der Coelomtiere neu und in stärkstem Kontrast zu bisherigen unbegründeten Reihungen zu entfalten und naturgesetzlich zu begründen.

In der Erklärung der Stammesgeschichte kommt das durchgehende Prinzip lebender Organisation, der Hydraulik-Mechanismus, ins Spiel. Leben ist an wässrige Lösungen in flexiblen Membranen gebunden. Solche Gebilde stellen hydraulische Apparate dar. Ihre Form kann bei Abweichung von der automatisch gebildeten Kugelgestalt nur durch mechanisch wirkende Elemente, meist Verspannungen, aber auch Bandagen und Versteifungen bestimmt werden. Bewegung besteht in der durch Energiewandel bewirkten Deformation der Konstruktion durch Gleiten von Proteinfibrillen (Aktomyosin in Zellen, Muskeln) oder von Mikrotubuli (Zilienbewegung). So wie die Molekularbiologie ein invariantes Grundprinzip, die Doppelhelix mit ihren mankomolekularen Wirkungen kennt, so verfügt die Morphologie im Hydraulik-Mechanismus über ein grundlegendes Naturprinzip, das jede Formbildung und Bewegung bestimmt.

Grundlegend neu ist der Ausblick, wie Fossilien und heutige Belege der Evolution genutzt und in ganz verblüffend veränderter Weise als Konstruktionen und Konstruktionsteile verstanden werden können. In sehr kritischer Weise kann aufgezeigt werden, daß und warum die bisherige Morphologie, die von der Form und vom Formvergleich ausging, nicht in der Lage war, die Natur der Lebewesen als energiewandelnde Hydraulik-Konstruktionen zu erfassen und in wie starkem Maß die auf Darwin zurückgehende Vorstellung von der Anpassung der Lebewesen an die Umwelt die Einsicht in die notwendigen Studien der Evolution der Tiere behinderte.