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Contributions to bryozoology: a tribute to Ehrhard Voigt (1905-2004)

Ed.: Joachim Scholz; Paul D. Taylor; Norbert Vavra

2006. 176 pages, 40 figures, 10 tables, 22 plates, 21x30cm, 800 g
Language: English

(Courier Forschungsinstitut Senckenberg, Band 257)

ISBN 978-3-510-61384-7, paperback, price: 39.80 €

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bryozoology Voigt Ehrhard Funktionsmorphologie Taxonomie

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Content Description top ↑

This volume is dedicated to Erhard Voigt (1905-2004), who was an extraordinary bryozoologist. Erhard Voigt felt at home in palaeontology and mainstream geology and when he retired in 1970, he had already published 120 scientific works in a wide range of topics. Three generations of bryozoologists, all friends or colleagues, have published papers in this memorial volume.

Bespr.: Zentralblatt Gel. Pal. T. II Jg. 2008 H.1-2 top ↑

Der vorliegende CFS-Band sollte zum 100. Geburtstag von Prof. EHRHARD VOIGT erscheinen. Leider durfte VOIGT, der auf ein 80 Jahre währendes Forscherleben zurückblicken konnte, diese Ehrung nicht mehr erleben; er verstarb 99jährig kurz vor Fertigstellung des Bandes. Um den zahlreichen und unterschiedlichen Forschungsgebieten gerecht zu werden, in denen VOIGT während seiner Laufbahn tätig war, würde ein Buch nicht ausreichen. Dieser CFS-Band gilt somit einzig dem Themenschwerpunkt VOIGTs, den Bryozoen, und zielt aufgrund der relativ spezifischen Artikel auch auf diese Forschergruppe als Leserschaft ab.

Die 22 Artikel sind, mit einer Ausnahme, in englischer Sprache, reichen zeitlich vom Paläozoikum bis in die Gegenwart und enthalten (palä-)ökologische, funktionsmorphologische sowie taxonomische Themen. Textgestaltung und Illustrationen sind von hervorragender Qualität, so dass Bryozoologen gerne bereit sein werden, die knapp € 40,- für diesen Band auszugeben.

Hillmer, G.: Ehrhard Boigt, 28 July 1905 - 22 November 2004, S. 1-6

GERO HILLMER, ein langjähriger Weggefährte und Arbeitskollege VOIGTs an der Universität Hamburg, blickt in dieser kurzen Biographie auf das einzigartige (Forscher-) Leben dieses herausragenden Bryozoologen zurück. Bereits als Jugendlicher lenkte VOIGT mit seiner umfangreichen Bryozoensammlung die Aufmerksamkeit international renommierter Forscher auf sich. Ihre Besuche im Elternhaus in Dessau sind auf Fotos aus den 20er Jahren festgehalten. Angetrieben durch seinen ausgeprägten wissenschaftlichen Ehrgeiz schaffte VOIGT es, die seinerzeit bereits größte Kollektion kreidezeitlicher Bryozoen nach deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein weiteres Mal aufzubauen.

Neben der Bryozoologie beleuchtet der Verf. weitere Forschungsgebiete in denen VOIGT tätig war, u. a. die Geologie des Harzes und die Entwicklung der Lackfilmmethode, sowie sein privates Leben, das zumeist unter dem Arbeitseifer VOIGTs litt. Hingegen wird das wissenschaftliche Vermächtnis von EHRHARD VOIGT, für das man das Bryozoenzentrum im Forschungsinstitut Senckenberg gründete, noch für Generationen von Bryozoologen Material für taxonomische, paläökologische und evolutionäre Studien liefern.

Bernecker, M. & Weidlich, O.: Paleocene bryozoan and coral mounds of Fakse, Denmark: habitat preferences of isidid octocorals. – S. 7-20, 6 Abb.

Die einzige Arbeit in diesem Band, die sich nicht explizit mit Bryozoen befasst, widmet sich der paläökologischen und taxonomischen Bearbeitung der paleozänen Faunen isidider Oktokorallen des Fakse-Kalks. Die behandelten und größtenteils auch abgebildeten Arten sind Epiphaxum auloporoides LONSDALE, 1850, Heliopora incrustans NIELSEN, 1917, Graphularia groenwalli NIELSEN, 1913, Gorgonella torta NIELSEN, 1913, Primnoa costata NIELSEN, 1913, Isis steenstrupi NIELSEN, 1913, Moltkia isis STEENSTRUP, 1846 sowie M. lyelli NIELSEN, 1913. Während G. groenwalli, P. costata und I. steenstrupi in den dortigen Bryozoen-Mounds vorkommen, sind G. torta, E. auloporoides und P. costata auf die Korallen-Mounds beschränkt, trugen jedoch nicht zum Riffwachstum bei. Riffbildend sind einzig die beiden Moltkia-Arten. Vollständig erhaltene, fächerförmige M. isis Kolonien sind auf den leewärtigen Seiten der Mounds zu finden. Der gute Erhaltungszustand ist darauf zurückzuführen, dass die hornigen Internodien, wie bei rezenten Isididae, durch Kalkschichten überzogen sind, was man als eine Anpassung auf tiefes Wasser (100-300 m) und niedrigenergetische Bedingungen deutet. Ein Vergleich zwischen der Skelettmorphologie und Wuchsform der hier beschriebenen Korallen und moderner Isididen des Mittelmeeres stützt diese Annahmen.

Braga, G. & Crihan, I. M.: Up-dating of the taxonomy, stratigraphy and palaeoecology of Bryozoa rich sediments from Mera (N.W. Transylvania- Romania). – S. 21-33, 4 Abb., 2 Taf., 1 Tab.

Die Verf. widmen sich der bislang wenig beachteten Bryozoen des Unter- Oligozän. Dies ist in jedem Fall löblich. Jedoch sind die makroskopisch ansprechenden, großen Koloniefragmente in rasterelektronenmikroskopischer Auflösung nicht mehr ganz so detailreich, so dass die bis auf Artniveau reichende Bestimmung der meisten Taxa ein wenig optimistisch erscheint. Die Arbeit ist trotzdem im Hinblick auf eine Zusammenfassung der bisherigen Arbeiten, der Bryozoendiversität und der Faunenzusammensetzung dieser rumänischen Lokalität wichtig. Knapp 50 Arten führen die Verf. aus den obersten Brebi Marls (Cluj Group, nahe der Stadt Cluj-Napoca) auf, wobei die meisten zu den Cheilostomata gehören, die jedoch in geringer Koloniezahl vorkommen. Das Gros der Fragmente (etwa 80%) stellen cyclostome Bryozoen. Dies ist im Känozoikum äußerst ungewöhnlich, Paläozoologie 340 wurde jedoch inzwischen häufiger vom Nordrand der oligo-miozänen Paratethys beschrieben. Da die dominierenden Wuchsformen erekten Typs sind und zudem photophile Organismen in der Begleitfauna fehlen, schließen die Verf. auf eine Fauna unterhalb der Wellenbasis in tieferem Wasser. Desweiteren stellen sie in einem Kapitel die Biostratigraphie der eozän-oligozänen Sedimentabfolge der Cluj Group zusammenfassend dar.

Cuffey, R. J.: Bryozoan-built reef mounds – the overview from integrating recent studies with previous investigations. – S. 35-47, 1 Abb.

In diesem Artikel charakterisiert und kategorisiert der Verf. die unterschiedlichen Typen von Bryozoen-Mounds und -Riffen. Seit dem Erscheinen der Bryozoen im Unter-Ordovizium treten diese Strukturen bis heute sporadisch auf, wobei unterschiedliche, zur jeweiligen Zeit vorherrschende Bryozoentaxa ähnliche Strukturtypen bilden. Die Größenordnung der in dieser Arbeit behandelten, von Bryozoen dominierten Strukturen liegt im Bereich zwischen einem und mehreren hundert Metern lateraler Ausdehnung, sowie mehrerer zehner Meter in der Vertikalen. Der Verf. unterscheidet drei Typen: „crust-mounds“, „frame-thickets“ und „mudmounds“. Crust-Mounds sind relativ kleine Erhebungen, gebildet von knolligen und/oder tabularen, übereinander wachsenden Kolonien. Frame-Thickets befinden sich im kleinen bis mittleren Größenbereich und vornehmlich Kolonien mit erektverzweigtem Wuchs bauen sie auf, die mehr oder weniger dicht stehen. Die Füllungen der Zwischenräume reichen in beiden Typen von Ton bis Sand. Die größten Strukturen sind Mud-Mounds, in denen erekte Kolonien weit verstreut stehen und deren Matrix ausschließlich aus Silt bis Ton besteht. Der Verf. zitiert die bisherige relevante Literatur hierbei umfangreich.

Ernst, A. & Schäfer, P.: Palaeozoic vs. post-Palaeozoic Stenolaemata: Phylogenetic relationship or morphological convergence? – S. 49-63, 2 Abb., 3 Taf.

Trotz des umfangreichen Wissens über paläozoische Bryozoen liegen Ursprung und Phylogenie, insbesondere der modernen Vertreter der Ordnung Cyclostomata im Mesozoikum, weitestgehend im Dunkeln. Die Verf. nehmen sich dem Problem der Unvereinbarkeit verschiedener Skelettorganisationen zwischen spätpaläozoischen Cyclostomen und einigen vermeintlichen triassischen Nachfahren an. Während zwischen spätem Perm und dem Auftreten von modernen Cyclostomen in der späten Trias eine Lücke von ca. 20 Millionen Jahren liegt, in der man bislang keine Bryozoen fand, vergingen stattliche 200 Millionen Jahre seit dem letzten Auftreten einer der modernen Formen ähnlichen Skelettmorphologie im Ordovizium.

Auch die Tatsache, dass die ordovizischen Cyclostomen sich in mehreren strukturellen Eigenschaften von denen der postpaläozoischen unterscheiden, deutet auf eine konvergente Entwicklung. Die Verf. erwägen die Möglichkeit, dass unverkalkte ctenostome Bryozoen, die sowohl als Vorfahren für die paläozoischen Bryozoa 341 Stenolaemata, als auch für die jurassischen Cheilostomata gelten, in einem Zwischenschritt die modernen Cyclostomata hervorbrachten. Die paläozoischen Cyclostomen wären folglich eine von den modernen Cyclostomata unabhängige Gruppe und würden einen neuen Namen benötigen. Genetische Analysen zwischen Ctenostomata, Cyclostomata und Cheilostomata sollten Aufschluss über den Ursprung dieser Gruppen geben.

Gordon, D.P.: Sfeniella, nom. nov. pro Sphenella DUVERGIER 1924, and Sfeniellidae, a new family of umbonuloid-shielded cheilostomes. – S. 65-71, 2 Taf.

Der Verf. präsentiert eine Beschreibung der ungewöhnlichen, umbonulomorphen Bryozoe Sfeniella polymorpha (DUVERGIER) und diskutiert ihre systematische Stellung. Die Besonderheiten dieser Art liegen zum einen in einer umbonuloiden Frontalwand, die mit Pseudoporen besetzt ist, und zum anderen in der Bildung von polymorphen Zooiden, in denen die Öffnung des Orifiziums durch sekundäre, frontale Kalzifikation extrem reduziert ist. Da es sich bei dem ursprünglich eingeführten Gattungsnamen um ein doppeltes jüngeres Homonym von Sphenella ROBINEAU-DESVOIDY, 1830 (Diptera) und Sphenella HAECKEL, 1879 (Cnidaria) handelt, ist dieser durch Sfeniella nom. nov. zu ersetzen. Die morphologischen Besonderheiten rechtfertigen zudem die Einführung der neuen Familie Sfeniellidae n. fam.

Harmelin, J.-G.: The Puellina flabellifera species complex: a remarkable example of worldwide species radiation in cribrimorph bryozoans. – S. 73-91, 3 Abb., 2 Tab., 3 Taf.

Das Artkonzept von Bryozoen-Morphospezies wurde, dank Rasterelektronenmikroskopie und genetischer Analysen, in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich verfeinert. Damit einhergehend identifizierte man viele „kosmopolitische Arten“, die man unerwartet häufig in den zumeist brütenden Cheilostomata mit nichtplanktotrophen Larvenstadien registriert hatte, als Artkomplexe. Einen dieser Komplexe cribrimorpher Bryozoen zerschlägt der Verf. in dem vorliegenden Artikel. Zu der ursprünglich einzigen Art, Puellina flabellifera (KIRKPATRICK, 1888), sowie der vor 20 Jahren beschriebenen P. arrecta BISHOP & HOUSEHAM, 1987, gesellen sich jetzt vier neue (P. atlantis n. sp., P. macaronensis n. sp., P. mikelae n. sp. und P. vaceleti n. sp.), sowie fünf weitere Morphotypen, die der Verf. aufgrund von unzureichendem Material nicht formal einführt. Die Arten sind durch Avikularien charakterisiert, die eine distal extrem verbreiterte Mandibel besitzen. Deren Funktion(en) bleibt jedoch unklar, da die Taxa Habitate mit unterschiedlichsten Umweltbedingungen besiedeln. Die weltweite Verbreitung dieses Komplexes in tropisch bis warm-temperierten Gewässern lässt darauf schließen, dass, bei Annahme eines monophyletischen Ursprungs, dieser Morphotyp im tethyalen Raum entstanden ist.

McKinney, F. K. & Taylor, P. D.: Encrusting community on an Upper Cretaceous erect bryozoan assemblage, eastern North America. – S. 93-102, 4 Abb., 2 Tab.

Durch ihre dreidimensionalen Strukturen erzeugen erekte Bryozoen eine große Oberfläche mit vielfältigen Mikromilieus, die vielen Inkrustierern sowie mobilen Organismen als Lebensraum dienen. Die Biodiversität in und um diese Strukturen ist deshalb im Vergleich zum umgebenden Substrat deutlich erhöht. Während man Inkrustierer auf rezenten Bryozoen quantitativ wie qualitativ vielfach beschrieb, sind Studien über fossile Organismen, die dieses Substrat besiedeln, äußerst rar. Nach der von den Verfn. analysierten oberkretazischen Fauna, aus der man drei Arten mit unterschiedlicher Morphologie zur Untersuchung ausgewählt hatte Mecynoecia? exterogemma TAYLOR & MCKINNEY, 2006, Onychocella alveolata TAYLOR & MCKINNEY, 2006, Tretocycloecia tennesseensis (CANU & BASSLER, 1926)] siedeln vor allem cheilostome Bryozoen und Foraminiferen als auch cyclostome Bryozoen, Polychaeten und Bivalven (insgesamt etwa 40 Arten) auf den erekten Kolonien. In Bezug auf die zur Verfügung gestellte Fläche sind alle drei Kolonietypen ähnlich dicht und generell von den gleichen Taxa besiedelt. Bemerkenswert ist, dass Kolonien mit dem kleinsten Astdurchmesser (M.? exterogemma) von Bryozoen besiedelt wurden, die deutlich kleinere Zooide ausbilden als die Arten, die auf Kolonien mit größerer Oberfläche zu finden sind. Wachstumsspitzen der bifoliaten Kolonien von O. alveolata sind nicht besiedelt. Dies tritt, wie in vielen rezenten Beispielen, erst in proximaleren Bereichen der Kolonie ein, in denen die Zooide abgestorben sind. Leider ließ die fragmentarische Erhaltung weiterführende Studien, etwa über eine eventuelle Zonierung der Inkrustierer entlang der Mikromilieu-Gradienten im Inneren der Kolonien von O. alveolata, nicht zu.

Ross, J. R. P. & Ross, C. A.: Permian bryozoans from the Kap Stosch area, central East Greenland. – S. 103-117, 7 Abb., 3 Taf., 1 Tab.

Diese Studie schließt eine Lücke in der Faunenbeschreibung des Kap Stosch im Osten Grönlands. Nachdem man die meisten Fossil-Großgruppen bereits in den 30er bis 60er Jahren beschrieb, holt man dies nun für die Bryozoen, zumindest ansatzweise, nach. Neben einem Abriss der Erforschungsgeschichte des Gebietes werden die in früheren Expeditionen aufgenommenen und beprobten Profile sowie die Lithologie der Schichtenabfolge des Ober-Perm bis Unter-Trias abgebildet und beschrieben. Allerdings sind die Bryozoen nur als relativ kleine Bruchstücke erhalten und somit schwer im Dünnschliff bestimmbar. Außerdem zeigen die Bryozoen, wie auch die rugosen Korallen und Brachiopoden, kaum Übereinstimmungen mit bekannten Vergesellschaftungen aus dem Unter- bis Mittelperm anderer nordischer Regionen, oder mit gleichaltrigen tethyalen Faunen. Insofern konnte man das Material bestenfalls auf Gattungsniveau bestimmen, worunter sich Ramipora sp., Permoheloclema sp., Claustrotrypa? sp., Rhabdomeson sp., Polypora sp., und dyscritellide Bryozoen befinden.

Schäfer, P., Bader, B. & Blaschek, H.: Morphology and function of the flexible nodes in the cheilostome bryozoan Cellaria sinuosa (HASSALL). – S. 119-129, 1 Abb., 2 Taf.

Da es keine (na gut, kaum noch) Bryozoologen mehr gibt, müssen Paläontologen das biologische Basiswissen erarbeiten, in diesem Fall zur Entstehung, Beschaffenheit und Funktionsmorphologie der Verbindungsstücke flexibler Cellaria- Kolonien. Diese organischen Nodien zwischen den verkalkten Ästchen, an denen die Autozooide sitzen, erlauben es der aufrecht wachsenden, mehrere Zentimeter hohen Kolonie, die mechanische Belastung bei hoher Strömungsenergie zu kompensieren. Die Nodien entstehen innerhalb der verlängerten proximalen Teile der an der Verzweigung beteiligten, nodalen Zooide und sind vermutlich mesodermalen Ursprungs. Durch Bruch des die Internodie überlagernden Skeletts kommt die organische Struktur zum Tragen, die die dabei getrennten proximalen und distalen Teile der nodalen Zooecien miteinander verbindet. Die Internodie selbst ist eine flexible Röhre aus Chitin, die durch den vielschichtigen Aufbau einzelner Lagen, die wiederum aus individuellen, mosaisch angeordneten Elementen bestehen, ihre Stabilität bezieht. Obwohl flexible, organische Nodien häufig und in den verschiedensten Gruppen cheilostomer und cyclostomer Bryozoen entstanden sind, war bislang äußerst wenig über ihre Beschaffenheit bekannt. Insofern leistet diese Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der flexiblen Kolonieformen.

Taylor, P. D. & Voigt, E.: Symbiont bioclaustrations in Cretaceous cyclostome bryozoans. – S. 131-136, 2 Abb., 1 Tab.

Im Gegensatz zur von VOIGT eingeführten Bioimmuration, bei der ein verkalkender über einen nicht verkalkenden Organismus wächst und ihn auf der Unterseite abbildet, ist „Bioklaustration“ die Einbettung nicht verkalkter Organismen, die auf dem verkalkenden Organismus aufsitzen. In der vorliegenden Arbeit werden Einbettungsstrukturen auf Kolonien von vier verschiedenen Taxa kretazischer, cyclostomer Bryozoen beschrieben, die durch unbekannte Symbionten induziert wurden. Es befinden sich teilweise mehrere dieser trichterförmigen Strukturen auf einer Kolonie, wobei man vermutet, dass der Symbiont während der frühen Ontogenese ein Zooid befallen hat, das darauf mit der Produktion einer extrem vergrößerten Kammer reagierte. Unterschiede in der Reaktion auf die Besiedelung der Kolonieoberfläche von Fremdorganismen bei rezenten Cyclostomen lassen darauf schließen, dass die fossile Beziehung enger war und dass der Symbiont zumindest toleriert wurde.

Voigt, E. & Vávra, N.: Stylodefranciopora turris nov. gen. nov. sp. – eine neue cyclostome Bryozoe aus der Oberkreide von Schleswig-Holstein (Deutschland). – S. 137-147, 3 Taf.

Wie die vorige Arbeit ist auch dieser Beitrag Zeugnis der wissenschaftlichen Aktivitäten VOIGTs bis kurz vor seinen Tod. Aus noch weitgehend unbearbeitetem Material aus der Kreidegrube Saturn bei Kronsmoor beschreiben die Verf. Paläozoologie 344 Stylodefranciopora turris n. gen. et n. sp. Die aufrecht wachsende Kolonie zeigt als Besonderheit eine morphologisch-strukturelle Differentiation in dünne, aus Kenoozooecien bestehende Astabschnitte, die sich mit ringförmigen, von Autozooecien aufgebauten Verdickungen abwechseln. Die bisherige Zuordnung dieser Art zu Defranciopora HAMM, 1881 (und damit zu den Cerioporidae) kann man aufgrund mehrerer morphologischer Unterschiede nicht aufrechterhalten wobei man allerdings auf eine eindeutige Familienzuordnung aufgrund des wenigen vorhandenen Materials verzichtet.

Wyse Jackson, P. N.: Bryozoa from the Waulsortian buildups and their lateral facies (Mississippian, Carboniferous) in Belgium and Ireland. – S. 149-159, 1 Taf., 2 Tab.

Die unterkarbonischen „Waulsortian buildups“ sind große (>1 km Längserstreckung, mehrere hunderte Meter mächtig), hauptsächlich aus Mikrit bestehende Strukturen, die ohne Beteiligung von Gerüstbildnern entstanden. Fenestelliden sind die häufigsten Vertreter der Bryozoen in diesen Mud-Mounds, jedoch von geringer Bedeutung und treten entweder in Form von flächigen oder erekten Kolonien auf, letzteres allerdings nur in kleinen Bruchstücken. Die Diversität innerhalb der Mounds ist zudem äußerst gering. Das trifft jedoch weniger auf die liegende und laterale Fazies der „Waulsortian buildups“ zu, in denen Bryozoen häufiger und mit mehreren Arten vorkommen. Der Verf. listet die in belgischen und irischen Mounds vorhandenen Arten auf und bildet Vertreter von Pseudonematopora, Rhombopora, Fenestella, Sulcoretepora, Fistulipora und Stenopora ab.

Zágorsek, K. & Vodráza, R.: Cretaceous Bryozoa from Chrtníky (Bohemian Massif). – S. 161-177, 2 Abb., 3 Taf., 1 Tab.

Die Verf. präsentieren eine hervorragend erhaltene Bryozoenfauna aus dem Turonium Tschechiens. Dies ist von besonderer Bedeutung, da man bislang äußerst wenig Arten aus der Ober-Kreide des Böhmischen Massivs beschrieb. Insgesamt stellen die Verf. 21 Taxa cyclostomer und cheilostomer Bryozoen vor, die aus tonigmergeligen Sedimenten stammen, und bilden sie größtenteils auch ab. Sie bestimmten dabei bis auf Artniveau folgende Bryozoen: Stomatopora simplicissima NOVÁK, 1877, Voigtopora calypso (D‘ORBIGNY, 1850), Mecynoecia madreporacea (GOLDFUSS, 1827), Osculipora truncata (GOLDFUSS, 1827), Desmepora plebeia (NOVÁK, 1877), Tholopora novaki (GREGORY, 1909), Clausa heteropora D‘ORBIGNY, 1850, Reptomultelea betusora TAYLOR, 1994, R. reussi (PERGENS, 1890), R. sarthacensis (D'ORBIGNY, 1853), R. acupunctata (NOVÁK, 1877), Wilbertopora bohemica PRANTL, 1938, Marginaria elliptica ROEMER, 1841, Onychocella novaki (BRYDONE, 1910), O. reussi PRANTL, 1938, Latereschara achates D‘ORBIGNY, 1851, Tyloporella reussi VOIGT, 1989, Polyceratopora euglypha (NOVÁK, 1877).

B. BERNING

Zentralblatt Gel. Pal. T. II Jg. 2008 H.1-2

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Hillmer, G.: Ehrhard Voigt, 28 July 1905 - 22 November 2004 1
Bernecker, M., & Weidlich, O.: Paleocene bryozoan and coral mounds of
Fakse, Denmark: Habitat preferences of isidid octocorals 7
Braga, G., & Crihan, I. M.- Up-dating of the taxonomy, stratigraphy
and palaeoecology of Bryqozoa rich sediments from Mera (N.W.
Transylvania-Romania) 21
Cuffey, R. J.: Bryozoan-built reef mounds --The overview from
integrating recent studies with previous investigations 35
Ernst, A., & Schäfer, P.: Palaeozoic vs. post-Palaeozoic Stenolaemata:
Phylogenetic relationship or morphological convergence? 49
Gordon, D. P.: Sfeniella, nom. nov. pro Sphenella DUVERGIER 1924, and
Sfeniellidae, a new family of umbonuloid-shielded cheilostomes 65
Harmelin, J.-G.: The Puellina flabellifera species complex: a
remarkable example of worldwide species radiation in cribrimorph
bryozoans 73
McKinney, F. K., & Taylor, P. D.: Encrusting community on an Upper
Cretaceous erect bryozoan assemblage, eastern North America 93
Ross, J. R. P., & Ross, C. A.: Permian Bryozoans from the Kap Stosch
area, central East Greenland 103
Schäfer, P., Bader, B., & Blaschek, H.: Morphology and function of the
flexible nodes in the cheilostome bryozoan Cellaria sinuosa
(HASSALL) 119
Taylor, P. D., & Voigt, E.: Symbiont bioclaustrations in Cretaceous
cyclostome bryozoans 131
Voigt, E., & Vavra, N.: Stylodefranciopora turris nov. gen. nov. sp. -
eine neue cyclostome Bryozoe aus der Oberkreide von Schleswig-Holstein
(Deutschland) 137
Wyse Jackson, P. N.: Bryozoa from Waulsortian buildups and their
lateral facies (Mississippian, Carboniferous) in Belgium and
Ireland 149
Zágorsek, K., & Vodráza, R.: Cretaceous Bryozoa from Chrtniky
(Bohemian Massif) 161