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Late Neogene and Quaternary biodiversity and evolution: Regional developments and interregional correlations

Proceedings of the 18th International Senckenberg Conference (VI International Palaeontological Colloquium in Weimar). Volume II

Ed.: Ralf-Dietrich Kahlke; Lutz Christian Maul; Paul P. A. Mazza

2007. 297 pages, 139 figures, 45 tables, 1 plate, 21x30cm, 1230 g
Language: English

(Courier Forschungsinstitut Senckenberg, Band 259)

ISBN 978-3-510-61390-8, paperback, price: 64.80 €

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late neogene biodiversity quaternary biodiversity evolution 18th International Senckenberg Conference Kahlke Hans-Dietrich

Contents

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The 18th International Senckenberg Conference (VI International Palaeontological Colloquium, Weimar) “Late Neogene and Quaternary biodiversity and evolution: Regional developments and interregional correlations” was hosted by the Senckenberg Research Unit of Quaternary Palaeontology Weimar on April 25 to 30, 2004. This conference was dedicated to Hans-Dietrich Kahlke, one of the senior distinguished leaders of interdisciplinary Quaternary palaeontological research in Eurasia.

165 participants from 28 countries presented talks on current topics highlighting results of their research on the evolutionary history of European, Asian, African and American Late Neogene and Quaternary floras and faunas. Scientific problems from the whole northern hemisphere as well as from key regions of the southern hemisphere were discussed. The papers of the conference are included in two special proceedings volumes, of which this is the second. This is the second of the two volumes. It includes 24 papers. The first part comprises results on regional studies from Europe, Asia and America covering most current areas of quaternary research. These include climatic change and biotic respones, biostratigraphy, paleoenvironmental conditions during the Quaternary, mammals, Quaternary vegetation, magnetostratigrapic-biostratigraphic correlation and Quaternary megafaunal extinctions.

Bespr.: Zentralblatt Geol. Pal. T. II Jg. 2008 H. 5/6 top ↑

Das Buch ist der zweite Band der der Berichte über die 18. Internationale Senckenberg-Konferenz (zugleich VI. Internationales Paläontologisches Kolloquium in Weimar), das vom 25.-30. April 2005 unter dem Titel „Late Neogene and Quaternary biodiversity and evolution: Regional developments and interregional correlations“ in Weimar stattfand. Gastgeber war die Senckenberg- Forschungsstation für Quartärpaläontologie des Forschungsinstituts und Museums Senckenberg. Die Konferenz wie auch die beiden Tagungsbände sind HANSDIETRICH KAHLKE anlässlich seines 80. Geburtstages gewidmet, der noch zu DDR-Zeiten das Institut für Quartärpaläontologie in Weimar gründete und viele Jahre leitete. Über 120 Autoren trugen mit Arbeiten über laufende Forschungen zur Evolutionsgeschichte und zu überregionalen Korrelationen europäischer, asiatischer, afrikanischer und amerikanischer jungneogener und quartärer Floren und Faunen zu beiden Bänden bei.

Der erste Band ist der Evolution, Systematik und Paläökologie von Säugergruppen und regionalen Korrelationsstudien in plio-/altpleistozänen Kontexten gewidmet. Der vorliegende zweite Band umfasst regionale Studien von Faunen- und Florenassoziationen überwiegend früh- bis spätpleistozänen Alters. Er enthält aber auch Beiträge zu transregionalen und biostratigraphischen Verbreitungen und Beiträge zur Debatte zum Aussterben.

Der Autor H. HEMMER zeigt in Sabre-tooth cats and cave lions − from fossils to felid performance and former living communities, dass das Studium ausgestorbener Katzenarten unter Beachtung synökologischer Aspekte und im Kontext der gesamten Karnivoren- und Herbivorengemeinschaft einer Lokalität zum Verständnis des Einflusses auf die Ökologie in der Folge eines Wandels der Felidengilde beitragen kann.

M. R. PALOMBO analysiert in Climate change versus biotic interaction: a case study of large mammal faunal complexes on the Italian Peninsula from the Pliocene to the Late Pleistocene. New methodological approaches italienische Faunenkomplexe und korreliert Trends in der Diversität mit ausgedehnten mittel- bis jungpleistozänen Umweltveränderungen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass zumindest in Italien die klimatischen Veränderungen der bestimmende Faktor waren, insbesondere im Hinblick auf das Erstauftreten bei Großsäugern, während die Gesamtzusammensetzung der Faunengemeinschaften auch durch die interne Dynamik beeinflusst wurde, die nicht notwendig von größeren klimatischen Veränderungen abhängt. Darüber hinaus zeigen zunehmende Veränderungen in der Zusammensetzung der Faunen, dass Migrationen in der Folge von klimatischen und Umweltveränderungen zusammen mit biotischen Interaktionen hauptsächlich zur Evolution der Faunen beitragen.

Die Autoren P. CROITOR & J.-P. BRUGAL schlagen in New insights concerning Early Pleistocene cervids and bovids in Europe: dispersal and correlation ein Modell zur Ausbreitung, geographischen Korrelation und zum Wandel großer altpleistozäner Wiederkäuer vor. Die geographischen Verhältnisse in Europa mit von West nach Ost zunehmend kontinentalem Klima begünstigte die Ankunft neuer Cerviden und Boviden aus Asien. Der äußerste Nordwesten Europas war ein „Feuchtklima-Refugium“, wo Cerviden überlebten. Am Ende des Alt-Pleistozän machte zunehmend arides Klima den Weg frei für große Boviden.

M. BREDA & M. MARCHETTI legen in Pleistocene mammal faunas from the Leffe Basin (Bergamo, Northern Italy): revision and new data eine Neubearbeitung der von der zweiten Hälfte des 19. Jh. bis zum Ende der 50er Jahre des 20. Jh. in der Braunkohlenmine von Leffe (Bergamo, Italien) aufgesammelten Funde vor. Sie erweitern die Liste der bisher nachgewiesenen Arten und ordnen sie drei altpleistozänen Einheiten zu.

V. V. POPOV & M. MARINSKA untersuchen in An almost one million year long (Early to Late Pleistocene) small mammal succession from the archaeological layers of Kozarnika Cave in Northern Bulgaria die 62 Taxa umfassende Kleinsäugerfauna aus einer Sedimentabfolge vom Eingang der Kozarnikahöhle in Bulgarien. Sie unterscheiden vier biostratigraphische Einheiten und korrelieren die Biozonierung dieser Abfolge mit der Biostratigraphie im Karpathenbecken in Ungarn. Die Studie zeigt, dass die Abfolge von Kleinsäugergemeinschaften in Sedimenten der Kozarnikahöhle eine Dauer von mindestens einer Million Jahren repräsentiert. Das Vorkommen von Steinartefakten in allen Lagen zeigt die kontinuierliche menschliche Besiedlung seit dem Alt-Pleistozän in diesem Teil des Balkans an.

A. KRUKOVER berichtet in Quaternary arvicolid faunas of the southern West Siberian Plain über die in den vergangenen Jahren entdeckten Kleinsäugerfaunen in Westsibirien. Die Synthese paläontologischer, geologischer, paläopedologischer und paläomagnetischer Ergebnisse sowie Thermolumineszens-Daten liefern die Grundlage zur Untersuchung der regionalen Entwicklung von Kleinsäugerfaunen und verbessern die bisherige Biostratigraphie.

Im Artikel von G. CUENCA-BESCÓS, G. & N. GARCÍA Biostratigraphic succession of of the Early and Middle Pleistocene mammal faunas of the Atapuerca cave sites (Burgos, Spain) repräsentieren die Höhlenfundstellen der Sierra de Atapuerca im Norden Spaniens (Gran Dolina – TD, Trinchera Galeria – TG, Trinchera Elefante – TE, Sima de los Huesos – SH) die reichsten Faunen aus dem Pleistozän Europas und sind vor allem durch die Hominidenfunde weltweit bekannt. Die Faunen reichen stratigraphisch vom Alt- bis zum Mittel-Pleistozän. Die Autorinnen unterscheiden sechs verschiedene lokale Faunengemeinschaften und berichten über den Nachweis von bislang 103 Wirbeltiertaxa aus neun Ordnungen, 27 Familien und 61 Gattungen.

E. AGUIRRE berichtet in Atapuerca (Burgos, Northern Spain) − potential, progress and questions über den gegenwärtigen Forschungstand der Höhlen in der Sierra de Atapuerca, die insbesondere durch ihren zahlreichen Hominidenfunde und die Funde der ältesten Europäer Berühmtheit erlangten. Er zeigt auch, welches Potential die Fundstellen noch haben.

A. ARGANT, J. ARGANT, M. JEANNET & M. ERBAJEVA schildern in The big cats of the fossil site Château Breccia Northern Section (Saône-et-Loire, Burgundy, France): stratigraphy, palaeoenvironment, ethology and biochronological dating die Fundstelle Château in Burgund. Sie ist seit 1863 bekannt, wurde 1968 wiederentdeckt, und man führte neue Ausgrabungen 1997-2006 durch. In den Fossilanreicherungen der Château-Brekzie dominieren die Bärenfunde. Eine Besonderheit stellt die große Anzahl von Großkatzenresten dar. Die Autoren berichten über die bisher fehlgeschlagenen Versuche, absolute Datierungen zu erhalten. Sie ermitteln biochronologisch ein frühmittelpleistozänes Alter für die Brekzie 4 und ein mittleres mittelpleistozänes Alter für die Brekzie 2.

D. SCHÄFER, W.-D. HEINRICH, G. BÖHME & W. STEINER korrelieren in Aspects of the geology, palaeontology and archaeology of the travertine site of Weimar- Ehringsdorf (Thuringia, Central Germany) den unteren Travertin von Weimar- Ehringsdorf aufgrund des Evolutionsniveaus verschiedener Kleinsäugerarten mit einer Wärmeschwankung innerhalb der Saale-Eiszeit. Eine Analyse der Steinartefakte des unteren Travertins zeigt die meisten Ähnlichkeiten mit eem- und frühweichselzeitlichen Inventaren.

Die Autorin J. MAUCH LENARDIĆ stellt in Comparative metric analysis of Late Pleistocene Microtus ex. arvalis/agrestis (Arvicoidae, Rodentia, Mammalia) teeth from some Croatian localities stellt die Ergebnisse ihrer Untersuchungen der Kleinsäugerfaunen von drei kroatischen jungpleistozänen Fundstellen vor: die Vindijahöhle in NW Kroatien, Marlera im südlichen Istrien und die Mujinahöhle in Mitteldalmatien. Sie untersuchte 252 erste Unterkiefermolaren (m1) von Microtus ex gr. arvalis/agrestis und verglich sie mit Proben von anderen Fundstellen.

E. SCHULZ & T. M. KAISER diskutieren in Feeding strategy of the Urus Bos primigenius BOJANUS, 1827 from the Holocene of Denmark die kontroverse ökologische Rolle großer herbivorer Säugetiere während des Holozän in Europa. Sie untersuchten die Zähne von 20 holozänen Fossilfundstellen in Dänemark und rekonstruierten die Paläodiät des ausgestorbenen Urs. Sie wandten dazu die Mesowear-Methode an, bei der man die Abrasion der Zähne durch die Nahrung und die Attrition durch die Okklusion der Zähne untersucht. Diese Methode gestattet Rückschlüsse auf die Nahrung, die einer Population von Uren zur Verfügung stand. Die Autoren fanden eine Änderung in der Ernährung, die eine flexible Strategie der Nahrungsaufnahme beim südskandinavischen holozänen Ur bezeugt. Die subboreale Urpopulation zeigt eine geringere Abrasion im Vergleich zu den älteren Populationen. Ursprünglich war der Ur ein Grazer. Mit der Ankunft der neolithischen Menschen in Skandinavien konkurrierten dessen Haustiere und der Ur um die offenen Landschaften, und der Ur musste in die Wälder ausweichen. Die Daten der Autoren bestätigen eine frühere Hypothese, dass der Ur in Südskandinavien der Konkurrenz des Menschen erlegen ist.

C. HERTLER, Y. RIZAL & Y. ZAIM beschreiben in Habitat differentiation in the Pleistocene of Jawa − Introduction of the new Pleistocene fossil locality Majalengka Säugerfaunen von Java und ordnen sie biostratigraphisch mittels ihrer Proboscidier- Gattungen zu: der altpleistozänen Mastodon-Geochelone-Fauna, der frühmittelpleistozänen Stegodon-Homo erectus-Fauna und der spätmittelpleistozänen Elephas- Homo sapiens-Fauna. Sie stellen ein Modell zur Untersuchung der endemischen Evolution in Java vor. Zur Prüfung ihres Modells sind aber eine Bestimmung bis zum Artniveau und weitere Funde nötig.

J. DE VOS, F. AZIZ, E. SETIABUDI, G. D. VAN DEN BERGH & E. Y. PATRIANI schildern in A new vertebrate fossil locality near Sumberdadi, Modjokerto (East Java, Indonesia) die Wirbeltierfossilien einer neuen Fundstelle bei Sumberdadi, ca. 30 km nördlich der bekannten Hominidenfundstelle Modjokerto auf Ostjava. Das fortschrittliche Evolutionsstadium von Stegodon spricht für ein spätmittelpleistozänes bis jungpleistozänes Alter der Fauna, vergleichbar mit der Ngandong- Fauna.

M. STEBICH, J. ARLT, Q. LIU & J. MINGRAM präsentieren in Late Quaternary vegetation history of Northeast China − Recent progress in the palynological investigations of Sihailongwan maar lake hochauflösende palynologische, sedimentologische und geochemischen Studien an einer Warvenabfolge aus dem Sihailongwan- Maarsee, Provinz Jilin, zur Rekonstruktion der Vegetationsentwicklung und der Klimageschichte von Nordostchina seit der letzten Eiszeit. In dieser entlegenen Gegend ist der Einfluss des Menschen erst in den letzten Jahrhunderten erkennbar.

J. ARROYO-CABRALES, O. J. POLACO & E. JOHNSON stellen in An overview of the Quaternary mammals from México eine Säugetierdatenbank des Quartär in Mexiko vor, die 15.000 Datensätze mit 12 Ordnungen, 43 Familien, 146 Gattungen und 274 Arten von über 770 Fundstellen umfasst. Nach der Analyse der Daten ist die fossile Überlieferung zugunsten der mittelgroßen bis großen Säuger merklich verzerrt. Die gegenwärtige Verteilung mehrerer Artengruppen wird als Ergebnis der Auswirkung der pleistozänen Vereisungen gedeutet.

S. MUÑOZ & M. MONDINI zeigen in Humans in South American faunal communities: Interactions with prey and predators in the Southern Cone, wie die biotischen und physikalischen Eigenheiten des südlichen Südamerika die Abhängigkeit zwischen Mensch und Beute als auch die Beziehungen des Menschen zu anderen Prädatoren beeinflusst haben. Kamele waren in weiten Teilen des Kontinents das Grundnahrungsmittel des Menschen, und beide entwickelten eine Art koevolutionärer Beziehung. Menschen koevoluierten aber auch mit anderen Prädatoren. Die Autoren liefern einige Beispiele zur Illustration dieser Interaktionen und der Rolle des Menschen in regionalen Faunengemeinschaften.

S. J. DAVIS, I. ROBERT & J. ZILHÃO schreiben in Caldeirão cave (Central Portugal) − whose home? Hyaena, man, bearded vulture über die Caldeirãohöhle, 140 Kilometer nordöstlich von Lissabon. Diese enthält ein Abfolge von jungpleistozänen bis holozänen Sedimenten mit assoziierten Kulturresten aus dem Mousterien bis zum Neolithikum. Unter den Faunenresten finden sich Ungulaten, Karnivoren und Hasen. Die Autoren bringen das Problem zur Sprache, wer die Tierknochen anhäufte – Mensch, Tier oder beide? Die Autoren fanden heraus, dass in den älteren Schichten die Höhle hauptsächlich von Karnivoren bewohnt und dass diese im Laufe der Zeit vom Menschen verdrängt wurden. Der Bartgeier kann in älteren Schichten ebenfalls zur Knochenakkumulation beigetragen haben.

A. TESAKOV, E. VANGENGEIM & M. PEVZNER stellen in Arvicolid zonation of continental Pliocene deposits of East Europe eine auf Arvicoliden basierende Zonierung der kontinentalen pliozänen Ablagerungen Osteuropas vor. Die Zonen sind durch die Assoziation bestimmter Wühlmausarten und durch Evolutionsstadien von Evolutionslinien definiert. Die Autoren erklären, wie sie die Grenzen und das Alter jeder Zone definieren. Sie beschreiben auch die Typus- und Referenzlokalitäten sowie ihren Fauneninhalt. Die Grenzen werden durch eine Kombination von paläomagnetischen und biostratigraphischen Daten sowie durch Molluskenfaunen bei Lokalitäten mit marinen Ablagerungen festgelegt.

N. V. ALAKSEEVA, V. V. KARASEV & M. A. ERBAJEVA diskutieren in Pleistocene stratigraphy of the Transbaikal area (South East Russia) neue Ergebnisse und fassen ältere Informationen zur Biostratigraphie des Jung-Känozoikum im Transbaikalgebiet zusammen. Vom Alt-Pleistozän bis zum Holozän lassen sich zehn aufeinander folgende Kleinsäugerfaunen unterscheiden.

L. C. MAUL, W.-D. HEINRICH, S. A. PARFITT & A.-C. PAUNESCU vergleichen in Comment on the correlation between magnetostratigraphy and the evolution of Microtus (Arvicolidae, Rodentia, Mammalia) during the Early and early Middle Pleistocene die Korrelation der Magnetostratigraphie mit der Evolution von Microtus während des Alt- und des frühen Mittel-Pleistozän. Eine detaillierte regionale Korrelation der verschiedenen Evolutionsstadien von Microtus mit der magnetischen Zeitskala erfordert weitere Daten und Studien.

R.-D. KAHLKE stellt in Late Early Pleistocene European large mammals and the concept of the Epivillafrachian biochron die etwas über eine Million Jahre alte Fauna von Untermaßfeld in Thüringen vor. Dies ist eine der vollständigsten Faunenkomplexe Europas aus der Zeit vor 1,2-0,9 Mill. Jahren. Die Evolutionsstadien der meisten Großsäugerarten unterscheiden sich deutlich sowohl von Faunen des späten Villafranchien als auch des Galerien. Für Faunen wie Untermaßfeld prägte BOURDIER 1961 die Einheit „Epi-Villafranchien“. Der Autor plädiert für eine Wiedereinführung dieser biochronologischen Einheit und zählt die charakteristischen Arten auf, die alle in Untermaßfeld nachgewiesen sind. Die epivillafranchischen Faunengemeinschaftenlebte währen einer Zeit zunehmender klimatischer Instabilität.

J. W. F. REUMER führt in seinem Beitrag Habitat fragmentation and the extinction of mammoths (Mammuthus primigenius, Proboscidea, Mammalia): arguments for causal relationship das Aussterben des Mammuts und anderer Säugetiere des Mammuthus-Coelodonta-Faunenkomplexes auf die Auswirkungen natürlicher Habitatfragmentation als Folge des klimatischen Wandels im Jung-Pleistozän zurück. Die Jagd durch den Menschen führte zum endgültigen Verschwinden der vulnerablen isolierten Restpopulationen. Diese nicht ganz neue Hypothese vereint sowohl den Einfluss des klimatischen Wandels als auch der menschlichen Jagd auf das Verschwinden der pleistozänen Megafauna.

A. J. STUART & A. M. LISTER fassen in Patterns of Late Quaternary megafaunal extinctions in Europe and northern Asia die bisherigen Ergebnisse des “Late Quaternary Megfaunal Extinctions”-Projekt der Autoren zusammen, mit dem Schwerpunkt auf einer Bewertung der jüngst verfügbaren Daten zu ausgewählten Arten von Europa und Nordasien, nämlich Mammuthus primigenius, Coelodonta antiquitatis und Megaloceros giganteus. Die Autoren sammeln C14-Bestimmungen zu diesen Arten, um ihre raumzeitliche Geschichte zu rekonstruieren und Korrelationen mit Umweltbefunden und archäologischen Daten zu suchen, mit dem Ziel, eine oder mehrere Ursachen des Aussterbens zu finden. Die Aussterbeereignisse zogen sich über 30.000 Jahre hin, und alle Arten zeigen dramatische Verschiebungen in ihrem Verbreitungsgebiet infolge des klimatischen Wandels und von Veränderungen in der Vegetation. Mit den möglichen Ausnahmen von Palaeoloxodon antiquus, Stephanorhinus hemitoechus und Homo neanderthalensis korreliert das Aussterben nicht mit dem Erscheinen des anatomisch modernen Menschen. Menschen könnten allerdings bei fehlgeschlagenen Rekolonisationsversuchen eine Rolle gespielt haben.

Dieser Tagungsband ist für den quartären Säugetierpaläontologen von Bedeutung, enthält er doch fast ausschließlich Beiträge, in deren Focus Säugetiere stehen, und zudem deskriptive Arbeiten mit der Beschreibung von Faunen ohne Aufzeigen größerer Zusammenhänge, kommentierte Faunenlisten, Arbeiten mit interessanten methodischen Ansätzen und Beiträge zu bedeutenden Hominidenfundstellen. Es dürften für jeden Quartärpaläontologen zumindest einige interessante Artikel darunter zu finden sein.

R. ZIEGLER

Zentralblatt Geol. Pal. T. II Jg. 2008 H. 5/6

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Hemmer, H.: Saber-tooth cats and cave lions – from fossils to felid
performance and former living communities 1
Palombo, M. R.: Climate change versus biotic interaction: a case study
of large mammal faunal complexes on the Italian Peninsula from the
Pliocene to the Late Pleistocene. New methodological approaches 13
Croitor, R. & Brugal, J.-P.: New insights concerning Early Pleistocene
cervids and bovids in Europe: dispersal and correlation 47
Breda, M. & Marchetti, M.: Pleistocene mammal faunas from the Leffe
Basin (Bergamo, Northern Italy): revision and new data 61
Popov, V. V. & Marinska, M.: An almost one million year long (Early to
Late Pleistocene) small mammal succession from the archaeological
layers of Kozarnika Cave in Northern Bulgaria 79
Krukover, A.: Quaternary arvicolid faunas of the southern West
Siberian Plain 93
Cuenca-Bescós, G. & García, N.: Biostratigraphic succession of the
Early and Middle Pleistocene mammal faunas of the Atapuerca cave sites
(Burgos, Spain) 99
Aguirre, E.: Atapuerca (Burgos, Northern Spain) – potential, progress
and questions 111
Argant, A., Argant, J., Jeannet, M. & Erbajeva, M.: The big cats of
the fossil site Château Breccia Northern Section (Saône-et-Loire,
Burgundy, France): stratigraphy, palaeoenvironment, ethology and
biochronological dating 121
Schäfer, D., Heinrich, W.-D., Böhme, G. & Steiner, W.: Aspects of the
geology, palaeontology and archaeology of the travertine site of
Weimar-Ehringsdorf (Thuringia, Central Germany) 141
Mauch Lenardić, J.: Comparative metric analysis of Late Pleistocene
Microtus ex gr. arvalis/agrestis (Arvicolidae, Rodentia, Mammalia)
teeth from some Croatian localities 149
Schulz, E. & Kaiser, T. M.: Feeding strategy of the Urus Bos
primigenius BOJANUS, 1827 from the Holocene of Denmark 155
Hertler, C., Rizal, Y. & Zaim, Y.: Habitat differentiation in the
Pleistocene of Jawa – Introduction of the new Pleistocene fossil
locality Majalengka 165
De Vos, J., Aziz, F., Setiabudi, E., Van Den Bergh, G. D. & Patriani,
E. Y.: A new vertebrate fossil locality near Sumberdadi, Mojokerto
(East Java, Indonesia) 175
Stebich, M., Arlt, J., Liu, Q. & Mingram, J.: Late Quaternary
vegetation history of Northeast China – Recent progress in the
palynological investigations of Sihailongwan maar lake 181
Arroyo-Cabrales, J., Polaco, O. J. & Johnson, E.: An overview of the
Quaternary mammals from México 191
Muñoz, S. & Mondini, M.: Humans in South American faunal communities:
Interactions with prey and predators in the Southern Cone 205
Davis, S. J. M., Robert, I. & Zilhão, J.: Caldeirão cave (Central
Portugal) – whose home? Hyaena, man, bearded vulture 213
Tesakov, A., Vangengeim, E. & Pevzner, M.: Arvicolid zonation of
continental Pliocene deposits of East Europe 227
Alexeeva, N. V., Karasev, V. V. & Erbajeva, M. A.: Pleistocene
Biostratigraphy of the Transbaikal area (South East Russia) 237
Maul, L. C., Heinrich, W.-D., Parfitt, S. A. & Paunescu, A.-C.:
Comment on the correlation between magnetostratigraphy and the
evolution of Microtus (Arvicolidae, Rodentia, Mammalia) during the
Early and early Middle Pleistocene 243
Kahlke, R.-D.: Late Early Pleistocene European large mammals and the
concept of an Epivillafranchian biochron 265
Reumer, J. W. F.: Habitat fragmentation and the extinction of mammoths
(Mammuthus primigenius, Proboscidea, Mammalia): arguments for a causal
relationship 279
Stuart, A. J. & Lister, A. M.: Patterns of Late Quaternary megafaunal
extinctions in Europe and northern Asia 287