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Thorolf Hardt; Bernd Herkner; Ulrike Menz:

Safari zum Urmenschen

Die Geschichte der Menschheit entdecken - erforschen - erleben

[Safari to primeval man. Discovering, studying and experiencing the history of mankind]

2009. 144 Seiten, 146 farb. Abb., 19x22cm, 550 g
Language: Deutsch

(Kleine Senckenberg-Reihe, Band 51)

ISBN 978-3-510-61395-3, brosch., price: 9.80 €

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steinzeitstone ageneanderthalerfirst humans

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Woher kommt der Mensch?
Welche Stellung hat er in der Natur?
Und wie geht es weiter mit der Menschheit?

Die Safari beginnt in Afrika, wo Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes anhand von Fossilien die Ursprünge der Menschheit rekonstruieren. Der Leser erfährt anschaulich, wie man geeignete Fundorte ausfindig macht, wie man am besten vorgeht, um Reste von fossilen Menschen zu finden, wie diese ausgegraben, dokumentiert, geborgen und schließlich für den Transport verpackt werden. Weiter geht es dann mit der Auswertung der Daten, der Präparation und Datierung der Fossilien, die Daten werden dann mit modernsten Methoden im Senckenberg Forschungsinstitut ausgewertet.

Der zweite Teil des Buches beschreibt eine Zeitreise durch die Ahnengalerie des modernen Menschen– eine weltweit einzigartige Inszenierung von 27 lebensechten und mit individuellen Gesichtszügen versehenen Kopfmodellen. Die Ahnengalerie beginnt vor sieben Millionen Jahren mit dem Sahelanthropus, erstreckt sich über viele Stationen der Menschheitsgeschichte, um endlich bei uns, dem heutigen Menschen, Homo sapiens, zu enden.

Safari bedeutet auf Swahili „Reise“ – und auf eine ganz besondere Reise lädt Sie dieses Begleitbuch zur gleichnamigen Sonderausstellung „Safari zum Urmenschen“ ein.

Bespr.: ekz-Informationsdienst ID 2/10 top ↑

Begleitbuch zur gleichnamigen Sonderausstellung "Safari zum Urmenschen" des Senckenberg Naturmuseums. Beschrieben werden Arbeitsweisen und Methoden, mit denen Wissenschaftler versuchen, an Hand von Fossilien die Ursprünge des Menschen zu rekonstruieren, wie z.B. Fundorte erkundet werden, wie Ausgrabungen durchgeführt oder wie Funde datiert und präpariert werden. Der 2. Teil des Buches befasst sich mit dem Evolutionsverlauf des Menschen und wichtigen Entwicklungsstadien der Menschwerdung mit ihren charakteristischen, morphologischen und anatomischen Merkmalen. Das Buch enthält - ähnlich wie "Der lange Weg zum Menschen" (BA 10/08) - beeindruckende Abbildungen mit Modellen, die eine Vorstellung vom möglichen Aussehen früherer Menschenformen vermitteln. Diese Kopfmodelle mit individuellen Gesichtszügen wurden auf der Grundlage von originalen Fossilfunden mit Hilfe forensischer Methoden konstruiert. Das Buch empfiehlt sich, unabhängig von seinem Bezug zur Ausstellung, als attraktive, kompakte, gut verständliche und ansprechend gestaltete Einführung.

Helmut Köhne

ekz-Informationsdienst ID 2/10

Bespr.: Mitt. d. Verbandes d. dtsch. Höhlen- und Karstforscher e.V. Nr. 1/2010 top ↑

In dieser neuen Veröffentlichung in der Reihe der Hefte der Kleinen Senckenberg-Reihe wird dem Leser die Entwicklung des Menschen als eine Reise und Safari in seine eigene Vergangenheit vorgestellt. Nach einer Rekonstruktion der fossilen Reste unserer Vorfahren wird dem Leser beschrieben, wie man fossile Reste des Menschen im Gelände auffinden kann, verbunden mit allen Tätigkeiten des Auffindens, Entnehmens, Präparierens und Transportfähigmachens. Nach diesem Geländeexkurs in Afrika wird die Laborarbeit in den Senckenberg Forschungslaboren beschrieben: das Datieren, die Lehre der Stratigraphie, radiometrische Methoden bis hin zur Computerrekonstruktion. Im anschließenden Kapitel wird dem Leser die Evolution des Menschen vom Menschenaffen zum Homo sapiens aufgezeigt. Wenig bekannt ist, dass aus dem Miozän etwa 100 verschiedene Menschenaffenarten bekannt sind, während heute nur noch eine Reliktgruppe von etwa 20 Arten existiert. Mit der Entwicklung zum Homo sapiens änderten sich auch die benutzten Geräte und Waffen. Es werden die verschiedenen Ausbreitungsmodelle des Out-of-Africa-Modells oder des Multiregionalen Modells zur Ausbreitungen der Menschenformen auf dem Planeten diskutiert.

Anschließend ein Abschnitt, in dem der Leser mit „seinen“ fossilen Vorgängern konfrontiert wird – seine Ahnengalerie mit Abbildung des Schädels, einer aussagestarken Rekonstruktion und dem Fundort in kartographischer Darstellung. Ein aktueller Stammbaum des Menschen und eine Vorstellung der Senckenberg-Forschungsinstitute in Deutschland beschließen dieses interessante Heft. Es soll jedoch nicht vergessen werden, dem Leser von einer systematischen Suche nach fossilen Menschenknochen abzuraten, sondern dieses den Fachleuten zu überlassen, obwohl das Heft ganz detailliert die Suche beschreibt.

Stephan Marks

Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. München Nr. 1/2010 Jg. 56, 1. Quartal

Bespr.: FOSSILIEN Heft 4 (2010) top ↑

Die Frage nach der prähistorischen Herkunft des Menschen ist eine der spannendsten, und so befasst sich eine eigene Wissenschaft, die Paläoanthropologie, damit. Am Frankfurter Senckenberg-Museum haben sich gleich zwei Wissenschaftler, Prof. Friedemann Schrenk und Dr. Ottmar Kullmer, diesem Gebiet verschreiben. Aus deren Erkenntnissen und profundem Fachwissen schöpft die als Ausstellungs-Begleitbuch herausgegebene Broschüre. Die Suche nach Überresten des Vormenschen in Ostafrika atmet noch immer den Abenteurergeist früherer Tage, aber heute bestimmen darüber hinaus moderne Dokumentations- und Auswertungsmethoden die Bearbeitung, die schließlich unser Bild prägt. Aber nicht nur die fachgerechte Bergung und Präparation der Funde ist wichtig, sondern auch die Berücksichtigung des Kontextes. So sind Schweinebackenzähne für die Datierung der Fundschichtung von immenser Bedeutung. Der Leser erhält eine Übersicht über heutige Hominoiden und ihre Vorfahren und bekommt anschaulich geschildert, welche evolutionären Veränderungen auf dem langen Weg zum heutigen Homo sapiens notwendig waren. Der aufrechte Gang, das Sprachvermögen, die Vergrößerung des Gehirns und die Gestalt von Hand und Fuß sind hier zu nennen. Weitere wichtige Themen sind der Werkzeuggebrauch und die Entstehung von Kultur, mit der erst kürzlich gefundenen Venus vom Hohlen Fels und anderen figürlichen Darstellungen eindrucksvoll dargestellt Wie jedoch die vergleichsweise wenigen Fossilfunde jeweils zu deuten sind, darüber sind sich die verschiedenen Wissenschaftler noch nicht abschließend einig. Dies gilt speziell auch für den Neandertaler, den wohl berühmtesten Urmenschen. Hier sind noch viele Fragen offen, und manches wird auch nie zu klären sein. Mit kriminalistischen Methoden werden schließlich 27 der wichtigsten fossilen Schädelfunde, vom Sahelanthropus tchadensis bis zum prähistorischen Homo sapiens, wieder Gesichter gegeben und steckbriefartig vorgestellt, die einen mehr affenartig, andere schon viel vertrauter, aber wegen bewusst weggelassener Körperbehaarung doch etwas fremdartig.

Die Fotos und Grafiken sind zwar durchwegs von sehr guter Qualität und Anschaulichkeit, bei letzteren wäre allerdings in zwei Fällen Überarbeitungsbedarf. Eine davon zeigt die Verbreitung des Neandertalers in Europa im Kontext mit der maximalen Vereisung im Pleistozän. Diese Vereisungsgrenze stimmt nicht einmal annähernd mit den tatsächlichen Verhältnissen überein, wie ein Blick in eine geologische Karte leicht gezeigt hätte, und etliche der Fundorte sind etwas oder sogar stark deplatziert (z.B. Steinheim, Atapuerca). Und dass die Vormenschen erst angefangen haben zu jagen, als Werkzeug- und Feuergebrauch längst etabliert waren, ist reichlich unlogisch. Ein kleiner Kritikpunkt ist schließlich noch das völlige Fehlen jeglicher weiterführender Literatur. Aber auch wenn die die Frankfurter Paläoanthropologen selbst betonen, dass das in dieser Broschüre aufgezeigte Bild in einigen Jahren wegen neuer Funde oder neuer Methoden vielleicht schon wieder überholt sein mag, so lohnt es sich doch, diesen in gut verständlicher Form dargestellten heutigen Stand zu verinnerlichen.

Günter Schweigert

FOSSILIEN Heft 4 (2010), Seite 251

Bespr.: Naturwissenschaftliche Rundschau 64. Jg., Heft 7, 2010 top ↑

Das Buch ist parallel zu der gleichnamigen Ausstellung im Senckenberg- Museum erschienen, auf welche auch verschiedentlich Bezug genommen wird. Dennoch ist es keine reine Begleitlektüre, sondern bietet unabhängig davon eine gut verständliche und ansprechende Einführung in das Thema Paläoanthropologie. Eine Vielzahl von Photos und Graphiken ergänzt und veranschaulicht den Text und gibt einen Einblick in den Alltag der paläontologischen Forschungsarbeit. Zudem erfährt der Leser interessante Details, z. B., warum fossile Schweinezähne bei der Datierung afrikanischer Funde eine wichtige Rolle spielen.

Das Buch lässt sich grob in zwei Abschnitte gliedern: Der erste Teil beginnt mit einem einleitenden Kapitel über die Anfänge der Paläoanthropologie; es folgen eine Beschreibung der praktischen paläontologischen (Grabungs-)Arbeit an den Fundstätten und eine Darstellung der präparatorischen Aufbereitung der Funde im Labor bis hin zur Altersbestimmung und systematischen Einordnung. Der zweite Teil befasst sich speziell mit der Entwicklungsgeschichte vom Menschenaffen zum Homo sapiens. Hier werden zum einen die verschiedenen Entwicklungslinien und Entstehungstheorien beschrieben, zum anderen wird das komplexe Zusammenspiel der einzelnen Elemente der Menschwerdung – wie aufrechter Gang, Sprache, Form und Motorik der Hand, Verwendung von Werkzeugen, Kunst etc. – erläutert. Abschließend werden in sehr anschaulich gestalteten „Steckbriefen“ 27 Vertreter von 16 verschiedenen Homininen vorgestellt. Einzigartig an diesen Portraits ist, dass nicht nur die Schädel abgebildet sind, sondern auch jeweils ein Photo des nach forensischen Methoden lebensecht rekonstruierten Kopfes.

Die Ausstellung „Safari zum Urmenschen“ ist im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main, noch bis zum 15. August 2010 zu sehen.

Angela Wüstenhagen, Stuttgart

Naturwissenschaftliche Rundschau 63. Jg. Heft 7, 2010, Seite 382

Bespr.: Acta Praehistorica et Archaeologica, vol. 42, 2010 top ↑

Schon beim ersten Durchblättern wird man anhand der vielen Abbildungen und der aufgelockerten Gestaltung neugierig darauf, sich intensiver in den Inhalt des Kataloges zu vertiefen. Obwohl zum 150jährigen Jubiläum des Namen gebenden Fundes im Neandertal 2006 bereits eine Reihe Veröffentlichungen zur Evolution des Menschen erschienen, bietet die vorliegende Publikation noch einmal eine kompakte Zusammenfassung.

Verständlich geschrieben, gibt sie umfangreiche Einblicke in Arbeit der Wissenschaftler von der Ausgrabung bis zur plastischen Rekonstruktion von fossilen Funden, wobei jeweils der aktuelle Stand der Forschung berücksichtigt wurde.

Nach einem Grußwort des Hessischen Ministerpräsidenten und dem Vorwort des Generaldirektors der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zur Einführung in die Sonderausstellung „Safari zum Urmenschen“, gliedert sich der Band in sechs Kapitel und schließt mit der Nennung der Förderer und dem obligatorischen Impressum ab.

Der Ausstellungskatalog ist ausgestattet mit einer ansprechenden grafischen Gestaltung. Die gut verständliche Tabellen, Übersichten und Karten sind sehr anschaulich, die farbigen Fotos sind passend zu den Texten ausgewählt und mit kurzen Bildunterschriften versehen. Sie geben teilweise nicht alltägliche Einblicke in die Arbeit der Forscher des Senckenberg- Institutes.

Begriffserklärungen und Zusatzinformationen sind in farbig abgesetzten Kästen (z.B. Sensationsfund „Ida“ oder: Die Herstellung von Steingerät) den jeweiligen Themen zugeordnet.

Populäre Kurzüberschriften (z.B. „Schweizer Taschenmesser“ der Frühzeit oder: Eher Bummelei statt Blitztour ) gliedern die Texte innerhalb der Kapitel und machen sie dadurch noch übersichtlicher. Am Ende eines jeden Kapitels befinden sich, als eine Rezensionen Art Zusammenfassung, die ganz persönlichen Expertenmeinungen von Prof. Dr. Friedemann Schrenk und Dr. Ottmar Kullmer. Schade, dass die Klebebindung nicht stabil genug ist, um den Band auch über längere Zeit zum Nachschlagen zu nutzen.

Zum Auftakt gibt das Kapitel 1 „Safari zum Urmenschen – entdecken, erforschen erleben“ einen kurzen Überblick über die Arbeiten der Wissenschaftler von der Entdeckung von Fossilien bis zur Ausstellung im Museum.

Im anschließenden Kapitel „Auf der Suche nach uns selbst – Fossilien entdecken in Afrika“ erhält man eine kurze Einführung in die Geschichte der Erkundungen zur Herkunft des Menschen, ausgehend von dem sensationellen Fund 1856 im Neandertal, über die Entwicklung der Evolutionstheorie durch Charles Darwin bis hin zu den aktuellen Feldforschungen in Afrika. Anschaulich wird dabei gezeigt, welche verschiedenen Gebiete der Wissenschaften sich unter dem Dach der Paläoanthropologie mit der Menschwerdung beschäftigen. Erklärt wird, dass nicht mehr nur die Überreste von Vor- und Frühmenschen, sondern ebenso Spuren von Flora, Fauna sowie der geologische Befund Auskunft über die Lebensbedingungen und die Umwelt der frühen Menschen in Afrika geben. Anhand des geschilderten Ablaufes eines Arbeitstages während einer Grabungskampagne lassen sich die Anstrengungen der Forscher in z.T. unwirtlichen Gebieten Afrikas genauso nachempfinden wie ihre Freude über Entdeckungen, seien sie auch noch so klein.

„Detektivarbeit im Labor – Unsere Herkunft erforschen“, das 3. Kapitel, berichtet über die ebenso spannende, wie mühevolle Kleinarbeit, die notwendig ist, um die Funde zu Hause im Labor freizulegen, zu kopieren und zu erforschen. Modernste Technik hilft den Forschern dabei, die Funde zu datieren und einzuordnen. Von besonderer Bedeutung für die verschiedenen Analyseverfahren erweisen sich dabei fossile Zahnfunde von Hominiden, also von Vor-, Früh- und Urmenschen. Für Vergleiche werden jedoch auch die rezenten Zähne von großen Menschenaffen herangezogen.

Am umfangreichsten stellt sich Kapitel 4 „Vom Menschenaffen zum Homo sapiens – Die Evolution der Menschheit erleben“ dar. Von der Zuordnung des Homo sapiens im Linnéschen System der biologischen Kategorien bis hin zu ersten künstlerischen Äußerungen des anatomisch modernen Menschen wird ein weiter Bogen der Entwicklung gespannt. Spannend auch die Erläuterungen der Ergebnisse von molekularbiologischen Untersuchungen der Erbinformationen, nach denen Schimpanse und Mensch zu über 98 % identisch sind. Die Abspaltung der zum heutigen Menschen führenden Zweige von den Menschenaffen konnte aufgrund dieser geringen genetischen Abweichung errechnet werden und soll vor etwa 7 bis 5 Millionen Jahren stattgefunden haben.

Als zusätzliche Information wird sogar der erst kürzlich bekannt gewordene Fund „Ida“, ein 47 Millionen Jahre alter Überrest eines Halbaffen-Weibchens aus der Grube Messel, vorgestellt. Ausführlich werden Hominoidea (Menschenaffen und Mensch) beschrieben, ihre biologischen Besonderheiten, ihre geografische Verbreitung bis zu anatomischen Veränderungen zwischen Affe und Mensch im Verlauf der Entwicklung des aufrechten Ganges beim Menschen. Natürlich werden auch die verschiedenen Thesen der Besiedelung der Kontinente durch die ersten Menschenarten vorgestellt – „Out-of-Africa“ oder Multiregionales „lumper“-Modell. Grafisch sehr anschaulich dargestellt sind jeweils Gegenüberstellungen der anatomischen Merkmale, etwa die Ausrichtung der Hinterhauptsöffnung, die Wirbelsäule sowie Becken, Beine, Füße, Arme und Hände. Kurz und eindrücklich werden sehr komplexe Zusammenhänge zwischen den Veränderungen im Laufe der Evolution des Menschen erläutert, etwa zwischen dem aufrechten Gang und dem unanhängig werden der Hände, der Hirnvergrößerung und der Herstellung von Steingeräten. Die Nutzung des Feuers und der Gebrauch der Sprache werden ebenso thematisiert wie das Leben und Überleben in der Eiszeit. Aktuellste wissenschaftliche Erkenntnisse vom Neandertaler bis zu den ersten Kunstwerken des anatomisch modernen Menschen werden sehr anschaulich dargeboten, immer in der Kürze, die ein Ausstellungskatalog gebietet.

Das folgende Kapitel 5 „Gesichter der Familie Mensch – Die Ahnengalerie“ enthält alle 27 lebensecht rekonstruierten Kopfmodelle, die in der Ausstellung gezeigt werden und sicher die Publikumsmagnete in der gesamten Präsentation bilden dürften. Sie wurden von den niederländischen Brüdern Adrie und Alfons Kennis geschaffen. Ihre Figuren bestechen im Gegensatz zu früheren Nachbildungen durch individuelle Mimik, z.B. der lachende Neandertaler, der die Besucher seit 2006 im Neanderthal Museum in Mettmann begrüßt.

Besonders ansprechend sind neben den Abbildungen auch die prägnanten Beschreibungen unserer Ahnen, vom Sahelanthropus tchadensis bis zum Homo floresiensis. Der „Steckbrief“ enthält die wichtigsten Informationen zum jeweiligen Fossil, inklusive einer Karte mit dem markierten Fundgebiet. Auf einer Zeitleiste kann man zusätzlich anhand von Symbolen den Entwicklungsstand ablesen, also Nutzung des Feuers oder Herstellung von Werkzeug und anderes.

Im abschließenden 6. Kapitel „Vielfalt des Lebens bei Senckenberg – Weit mehr als Urmenschenforschung“ gewinnt man einen kurzen Einblick in die Aufgabenvielfalt der Senckenberg Forschungsinstitute an den verschiedenen Standorten in Deutschland.

„Safari zum Urmenschen. Die Geschichte der Menschheit – entdecken, erforschen, erleben. Das Buch zur Ausstellung“ ist für den interessierten Laien mit Gewinn zu lesen, auch wenn er nicht die Gelegenheit haben sollte, die Ausstellung selbst zu besuchen. Auf jeden Fall macht es Lust auf einen solchen Besuch.

Almut Hoffmann, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Schloss Charlottenburg-Langhansbau

Acta Praehistorica et Archaeologica vol. 42, 2010

Bespr.: Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2010 Heft 1/2 top ↑

Diese weitere Veröffentlichung in dieser Reihe stellt dem Leser die Entwicklung des Menschen als die Safari in seine eigene Vergangenheit vor. Sie erschien als Begleitbuch zur gleichnamigen großen Sonderausstellung des Senckenberg-Museums in Frankfurt am Main. Dies ist die zweite große Sonderausstellung und der erste selbstkonzipierte Ausstellungsführer des Senckenberg.

Die Sonderausstellung zeigt wie in einem Familienalbum die Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens auf. Dabei beginnt die Reise zur eigenen Geschichte mit der Rekonstruktion fossiler Reste unserer Vorfahren. Für den Leser sind die Arbeiten beschrieben, um fossile Reste des Menschen im Gelände auffi nden zu können, so das Auffi nden, Entnehmen, Präparieren und für den Transport abfertigen. Nach diesem Geländeexkurs in Afrika folgt die Beschreibung der Laborarbeit in den Senckenberg-Forschungslaboren: Datieren, Stratigraphie, radiometrische Methoden bis hin zur Rekonstruktion mit dem Computer.

Im anschließenden Kapitel zeigen die Verf. die Evolution des Menschen vom Menschenaffen zum Homo sapiens auf. Wenig bekannt ist, daß man aus dem Miozän etwa 100 verschiedene Menschenaffenarten beschrieb, während heute nur noch eine Reliktgruppe von etwa 5 Arten existiert. Mit der Entwicklung zum Homo sapiens änderten sich auch Herstellung und Art der benutzten Geräte und Waffen. Verschiedene Ausbreitungsmodelle des Out-of-Africa-Modells oder des Multiregionalen Modells zur Ausbreitungen der Menschenformen auf dem Planeten sind diskutiert.

Anschließend konfrontiert ein Abschnitt den Leser mit „seinen“ fossilen Vorgängern – enthaltend seine Ahnengalerie mit Abbildung des Schädels, einer aussagekräftigen Rekonstruktion und dem Fundort in kartographischer Darstellung. Ein aktueller Stammbaum des Menschen und eine Vorstellung der Senckenberg- Forschungsinstitute in Deutschland beschließen dieses interessante Heft.

Nicht vergessen darf man, dem Leser von einer eigenen systematischen Suche nach fossilen Menschenknochen abzuraten und diese den Fachleuten zu überlassen, obwohl das vorliegende Heft die Suche detailliert beschreibt.

S. J. MARKS

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2010 Heft 1/2

Bespr.: POLLICHIA Band 95 (2010) top ↑

Die in der Kleinen Senckenberg Reihe erschienene ”Safari zum Urmenschen“ ist nicht nur ein Überblick über aktuelle Forschungen zur Evolution des Menschen, sondern auch das Begleitbuch zur gleichnamigen Sonderausstellung die im Jahr 2010 am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt am Main lief. Das Werk ist jedoch auch ohne Kenntnis der Ausstellung zu verstehen.

Nach einer kurzen Einleitung in die Thematik beschäftigt sich das erste Kapitel ”Auf der Suche nach uns selbst“ mit der Erforschungsgeschichte der fossilen Überreste von Urmenschen in Afrika und den Umständen unter denen aktuelle Feldforschung in Afrika betrieben wird. Das zweite Kapitel gibt dann einen Einblick über die Techniken die man heute im Labor einsetzen kann, um den wenigen menschlichen Fossilien so viel Information wie möglich zu entlocken. Das Spektrum reicht dabei von der klassischen mechanischen Präparation der Fossilien bis hin zu modernsten Techniken der Computer-Tomographie und 3D-Rekonstruktion am Computer.

Quasi das Kernstück des Buches bildet dann ein, mehr als 60 Seiten umfassendes, Kapitel zur Evolution des Menschen. Hier geben die Verfasser einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand zu dieser Thematik. Dabei spannen sie den Bogen von der Evolution der (frühen) Primaten, bis hin zum Beginn der kulturellen Evolution des modernen Menschen in der Jungsteinzeit.

Einer der Höhepunkte der gleichnamigen Ausstellung waren 27 lebensecht rekonstruierte und modellierte Köpfe, mit jeweils individuellen Gesichtszügen von Urmenschen, sozusagen unsere Ahnengalerie. In einem eigenen Kapitel geben die Verfasser einen kurzen Überblick über die Entstehung dieser Lebendrekonstruktionen, die dabei auch auf jeweils einer Seite mit einem Bild und den wichtigsten Fakten zu den zugrundeliegenden Fundstücken vorgestellt werden.

Am Ende des Werkes findet sich dann noch eine kleine Übersicht über die aktuelle Forschung bei Senckenberg die weit über die Urmenschen-Forschung hinausgeht und zahlreiche andere Aspekte der heutigen Biodiversität aber auch der Evolution von Organismen und Ökosystemen umfasst.

In das Werk eingestreut sind auch immer wieder Kommentare von Experten zu den jeweiligen Themen, wodurch auch Hintergrundinformationen und Interpretationen geliefert werden, die es dem Leser erleichtern die Informationen in den Kontext der aktuellen Forschung einzuordnen.

Das Werk gibt, alles in allem, einen exzellenten und auch für Laien verständlich und spannend geschriebenen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand zur Evolution des Menschen, natürlich mit einem starken Fokus auf die aktuellen Tätigkeiten der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

apl. Prof. Dr. Dieter Uhl, Neustadt/Weinstr.

POLLICHIA Band 95 (2010)

Bespr.: Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2010 Heft 3/4 top ↑

Das Buch will den neusten Stand der gegenwärtigen Forschung zum Thema Evolution des Menschen wiedergeben. Nach einem Grußwort des Hessischen Ministerpräsidenten und dem Vorwort wird im Kapitel Safari zum Urmenschen anschaulich vermittelt, wie Wissenschaftler zu ihren Erkenntnissen gelangen. Dass man dabei auf eigene, umfangreiche Aktivitäten um die Forscher FRIEDEMANN SCHRENK und OTTMAR KULLMER zurückgreifen kann, macht die Darstellung originär. Dabei wird die Paläoanthropologie als ein Weg „Auf der Suche nach und selbst“ beschrieben. Didaktisch gut gelöst ist die Präsentation der praktischen Bereiche im Kapitel Detektivarbeit im Labor. Die wesentlichen Aspekte der Hominisation sind in Vom Menschenaffen zum Homo sapiens zusammengefasst. Das Schwergewicht liegt dabei auf den „out of Africa“-Hypothesen. Die Verf. stellen eine repräsentative Auswahl an fossilen Menschenschädeln unterschiedlicher Spezies im Kapitel Gesichter der Familie Mensch den darauf begründeten Gesichtsrekonstruktionen gegenüber. Abschließend folgt ein kurzer Überblick zu Standorten von Senckenberg-Instituten und ihren Arbeitsgebieten, was belegt, dass es auch eine “Vielfalt des Lebens bei Senckenberg“ außerhalb der Urmenschenforschung gibt. Ein Verzeichnis der Förderer und ein Impressum runden das Buch ab. Die kompakte Form und gute Ausstattung des Werkes erlauben einen Einsatz über die Rolle als Ausstellungsführer hinaus, etwa zur Unterrichtsgestaltung.

H.-V. KARL

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2010 Heft 3/4

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Grußwort 6
Vorwort 6
Safari zum Urmenschen
entdecken, erforschen, erleben 10
Auf der Suche nach uns selbst
Fossilien entdecken in Afrika 12
Detektivarbeit im Labor
Unsere Herkunft erforschen 28
Vom Menschenaffen zum Homo Sapiens
Die Evolution der Menschheit erleben 44
Gesichter der Familie Mensch
Die Ahnengalerie 106
Vielfalt des Lebens bei Senckenberg
Weit mehr als Urmenschenforschung 140
Förderer, Impressum 144