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Andrej Ernst; Peter Königshof:

Bryozoan fauna and microfacies from a Middle Devonian reef complex (Western Sahara, Morocco)

2010. 91 pages, 6 figures, 1 table, 27 plates, 21x30cm, 480 g
Language: English

(Abhandlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Band 568)

ISBN 978-3-510-61397-7, paperback, price: 24.80 €

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Keywords

rhenish massifNorth Africa Middle Devonian Reef Microfacies Bryozoa Taxonomy PalaeobiogeographyDissotrypa sincera Fistuliphragma parvaSulcoretepora moderataholy cross mountains

Contents

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Devonian bryozoans from North Africa are scarcely known. The present study is devoted to the investigation of bryozoan fauna and microfacies of the Middle Devonian reef complex in Western Sahara, Morocco. In total, 26 bryozoan species were identified. Two genera with two species are new: Lenapora pulchra n. g. n. sp. and Dissotrypa sincera n. g. n. sp. Furthermore, 15 new species were described: Fistuliphragma parva n. sp., Sulcoretepora moderata sp. n., Leioclema crassiparietum n. sp., Eridotrypella minutiformis n. sp., E. modesta n. sp., Atactotoechus gaetulus n. sp., Acanthostictoporella angusta n. sp., Euspilopora spinigera n. sp., Acanthoclema triangularis n. sp., Rhombopora minutula n. sp., Prolixicella lata n. sp., Rhombocladia striata n. sp., Filites gaetulus n. sp., Anastomopora clara n. sp., and A. recta n. sp. Four species are described in open nomenclature: Spinofenestella sp., Hemitrypa sp., Ptylopora sp., and Semicscinium sp. The studied fauna shows relations to the Middle Devonian of Holy Cross Mountains, Poland and Rhenish Massif, Germany, as well as to the Middle Devonian of North America.

Bespr.: Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2010 Heft 3/4 top ↑

Die Verf. beschreiben in der vorliegenden Arbeit die Bryozoen-Fauna des mitteldevonischen Sabkhat-Lafayrina-Riffkomplexes in der von Marokko besetzten West-Sahara. Bryozoen sind in verschiedenen Teilen des Riffkomplexes sehr häufig. Sie fingen das Sediment ein und stabilisierten es. Insgesamt sind 26 Bryozoen-Arten, darunter zwei neue Genera (Lenapora n. gen., Dissotrypa n. gen.) nachgewiesen. Die 17 neuen Arten sind Lenapora pulchra n. gen. et n. sp. (Typusart), Dissotrypa sincera n. gen. et n. sp. (Typusart), Fistuliphragma parva n. sp., Sulcoretepora moderata n. sp., Leioclema crassiparietum n. sp., Eridotrypella minutiformis n. sp., E. modesta n. sp., Atactotoechus gaetulus n. sp., Acanthostictoporella angusta n. sp., Euspilopora spinigera n. sp., Acanthoclema triangularis n. sp., Rhombopora minutula n. sp., Prolixicella lata n. sp., Rhombocladia striata n. sp., Filites gaetulus n. sp., Anastomopora clara n. sp. und A. recta n. sp.

Der Teil des Buches über die Bryozoen (die Kapitel „Taxonomic descriptions“, „Systematic palaeontology“, „Appendix“ und die 27 Tafeln) ist vorbildlich: Alle Arten sind klar beschrieben und vorzüglich abgebildet. Außerdem werden auf S. 7-8 die paläobiogeographischen Beziehungen der Bryozoen-Fauna beschrieben. Es ist etwas schade, dass man hier keine Vergleiche mit den publizierten Daten zu anderen Riffbildner-Gruppen in der West-Sahara und Marokko anstellte. Die Arbeiten von SCHRÖDER & KAZMIERCZAK (1999), PEDDER (1999) und COENAUBERT (2005) über rugose Korallen und von MAY (2008) über tabulate Korallen zeigen durchgängig enge Beziehungen zum altweltlichen Faunenreich (insbesondere Europa, aber auch Asien) und nur untergeordnete Beziehungen zum ostamerikanischen Faunenreich. Die in der vorliegenden Arbeit beschriebene Bryozoen-Fauna zeigt genau dieselben Verteilungsmuster.

Der große Wert der vorliegenden Arbeit ist nicht nur, dass es eine der ersten Arbeiten über die devonischen Bryozoen Nord-Afrikas ist, sondern auch, dass es ein sehr wichtiger Baustein in der aktuellen Forschung von ANDREJ ERNST ist, der sich zum Ziel gesetzt hat, einen der beschämendsten Weißen Flecken in der Paläontologie des Devon anzugehen: die Bryozoen Europas und angrenzender Gebiete (ERNST 2008–2011, ERNST & BOHATÝ 2009, ERNST et al. 2011, ERNST & HERBIG 2010, ERNST & KÖNIGSHOF 2008, ERNST et al. 2009, ERNST & MAY 2009, ERNST & MAY 2011, im Druck, ERNST & MOHAMMADI 2009, ERNST & RODRÍGUEZ 2010, ERNST & SCHRÖDER 2007, TOLOKONNIKOVA & ERNST 2010). Alle diese Veröffentlichungen bilden zusammen eine Art „Meta-Monographie“, denn sie sind eng miteinander verwoben und von überregionaler Bedeutung, wie z. B. die Arbeit von ERNST & RODRÍGUEZ (2010) dokumentiert, in der sie aus Spanien eine Bryozoen-Fauna beschrieben, die verblüffend enge Beziehungen zur vorliegenden Fauna der West-Sahara besitzt.

Demgegenüber ist der stratigraphisch-fazielle Teil des Buches (die Kapitel „Geological setting“ und „Microfacies analysis“) nicht so herausragend: Von einer Mikrofazies-Analyse erwartet der Rez. mehr, als hier geboten wird: Obwohl die Autoren mehrere hundert Dünnschliffe erstellen (S. 4), beschreiben sie weder die Mikrofazies-Typen systematisch, noch bilden sie sie umfassend ab (nur die 5 Farbfotos der Fig. 3a–3d und Fig. 4 sind der Mikrofazies gewidmet). Die Beschreibung der (stratigraphischen) Abfolge der Mikrofazies-Typen und die mikrofazielle Interpretation (S. 7) gehen über einige generelle Ausführungen nicht hinaus. Man unternimmt auch nicht den geringste Versuch, diesen Riffkomplex mit zeitgleichen Riffkomplexen in anderen Teilen der Welt zu vergleichen. So kommt es, dass einige Fragen, die dem kundigen Leser auf der Zunge brennen, weder gestellt, geschweige denn beantwortet werden. Ein Beispiel ist die Frage, warum in diesem Riffkomplex Bryozoen eine derartig herausragende Rolle spielen, während in den meisten givetisch-frasnischen Riffkomplexen Bryozoen mehr oder weniger selten sind. Zum Beispiel sind im givetisch-frasnischen Massenkalk des Sauerlandes Bryozoen sehr selten (MAY 1988: 180–181). Eine andere interessante Frage ist, welches Riff-Modell den Sabkhat-Lafayrina-Riffkomplex angemessen beschreibt: das „klassische“ Modell, in dem der „Riffkern“ eine echte Barriere darstellt, oder das von MAY (1987: 71; 1997: 131–133, Abb. 2; 2003: 62–63, Abb. 4) für den Massenkalk des Sauerlandes entwickelte Modell, in dem der „Riffkern“ keine Barriere ist, sondern nur den obersten Teil des beckenwärts gerichteten Abhanges der Karbonat-Plattform bildet.

Noch enttäuschender sind die Angaben zur Stratigraphie: Zwar unterscheiden sie in Fig. 2 vier lithostratigraphische Einheiten (Part A-D) und markieren zwei bryozoenreiche Horizonte, aber bei der biostratigraphischen Einstufung und der Beschreibung der Bryozoen nehmen sie keinerlei Bezug mehr auf diese lithostratigraphischen Einheiten und Horizonte. Deshalb weiß der Leser weder, ob es irgendwelche Unterschiede in der (stratigraphischen) Verteilung der Bryozoen gibt, noch ob die untersuchte Karbonatsequenz vielleicht verschiedene chronostratigraphische Einheiten enthält.

Die in der vorliegenden Arbeit präsentierten Daten zur Biostratigraphie dokumentieren anschaulich die fatalen Konsequenzen einer Praxis, die sich ausschließlich auf Conodonten beschränkt und die Makrofossilien ignoriert. Wie üblich für devonische Riffkomplexe, ist die Conodonten-Fauna sehr arm und wenig aussagekräftig (S. 4). Aus den Conodonten leiten sie ohne detaillierte Begründung ein Givetium-Alter ab. Als einziges weiteres biostratigraphisches Datum führen sie das Auftreten von Heliolites porosus an (S. 4, hier fälschlich Heliolithes) und leiten daraus eine Einstufung als „Late Givetian“ ab. Weder bilden sie den Heliolites porosus ab, noch geben sie diagnostisch relevante Informationen über ihr Material oder eine Referenz auf eine publizierte Beschreibung dieser Art, die für ihre Bestimmung maßgeblich gewesen wäre. Deshalb ist es nicht gesichert, dass sie einen echten Heliolites porosus (GOLDFUSS, 1826) gesehen haben. Des weiteren ist nicht klar, wie sie dazu kommen, dieser Art Leitwert für das Ober-Givetium zuzuschreiben, da sie keinen Literaturhinweis anführen. IVEN (1980: 163–172) und BIRENHEIDE (1985: 40–42) geben übereinstimmend als stratigraphische Reichweite von Heliolites porosus tota species das gesamte Mittel-Devon an. Während BIRENHEIDE (1985: 41) die Nominatsubspezies auf das Ober-Givetium beschränkt, fand IVEN (1980: 167–168) Heliolites porosus porosus (GOLDFUSS, 1826) im Ober-Eifelium!

Nach Ansicht des Rez. wäre es ein Leichtes gewesen, unter Benutzung der Arbeiten von SCHRÖDER & KAZMIERCZAK (1999), PEDDER (1999), COENAUBERT (2005) und MAY (2008) aus den Korallen mehr biostratigraphisch relevante Informationen herauszuholen. Darüber hinaus hätte KÖNIGSHOF auf die von BIRENHEIDE und STRUVE am selben Forschungsinstitut Senckenberg zusammengetragenen Informationen über Korallen und Brachiopoden zurückgreifen können. Da in der vorliegenden Arbeit keine rugosen Korallen abgebildet sind, kann der Rez. nur auf folgende Angaben (S. 3-5) zurückgreifen: Neben häufiger Phillipsastrea kommen Heliolites und Mesophyllum vor. Diese Kombination spricht in der Tat für Ober-Givetium, da Heliolites und Mesophyllum am Ende des Givetium verschwinden und Phillipsastrea vor dem Ober-Givetium nur vereinzelt auftritt (siehe BIRENHEIDE 1978, 1985; MCLEAN 1993). Trotz der Schwächen des stratigraphisch-faziellen Teiles ist das Buch eine herausragende Arbeit, und Generationen von Bryozoen-Experten werden den Autoren dafür dankbar sein.

ANDREAS MAY, Madrid

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II, 2011, Heft 3-4

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Introduction 1
Geological setting 3
Microfacies analysis 4
Interpretation 5
Taxonomic descriptions 5
Taxonomic overview and palaeobiogeographic implications 7
Systematic palaeontology 9
Acknowledgements 28
References 28
Plates 1-27 32
Appendix 86