cover

Gerd Mangel:

Faszination Welterbe Grube Messel

Zu Besuch in einer Welt vor 47 Millionen Jahren

[The Fascinating Messel Pit: A journey into the Tertiary (47 Ma ago)]

2011. 160 Seiten, 149 Abbildungen, 141 Farbabbildungen, 23x22cm, 650 g
Language: Deutsch

(Kleine Senckenberg-Reihe, Band 52)

ISBN 978-3-510-61398-4, brosch.

availability and price on request

BibTeX file

Keywords

messel*tertiary*eocene*fossil*maar lake*dump*quarry*pit

Contents

Inhalt top ↑

Manche Orte haben etwas Besonderes, man muss sich ihnen mit Bedacht nähern!

Die Grube Messel ist so ein Ort. Ein Weltnaturerbe – das erste deutsche Weltnaturerbe der UNESCO –, das seine Besucher mit Schlackehalden begrüßt und mit schweren Lastwagen, die ständig Material abtransportieren: befremdlich und faszinierend zugleich!

Seit ein paar Jahren besteht Gewissheit: Hier befand sich einmal ein Maarvulkan. Auf der Aussichtsplattform am Rand der Grube stehen wir praktisch auf dem Grund des ehemaligen Messelsees, der das riesige Loch, das durch die Explosion des Vulkans entstanden war, ausgefüllt hat. Dieses Buch nimmt seine Leser mit auf eine Reise in das Erdzeitalter Eozän – vor mehr als 47 Millionen Jahren. Dabei folgt es dem Rundgang durch das Besucherzentrum am Rand der Grube Messel.

Synopsis top ↑

Some places are special, they must be approached with care.

The Messel pit, a tad South of Frankfurt, Germany is such a place - the first location in Germany on the UNESCO Cultural Heritage list. It is a bizarre place, a place where heavy trucks are hauling off material, strange and fascinating at the same time.

A few years ago it became clear: Messel is an extinct Maar volcano, and on the platform overlooking the pit, the visitor is virtually walking the bottom of the former Maar lake, which filled the void created by the explosion of the volcano.
This book accompanies the visitor on a journey into Eocene times, 47 million years before present. It retraces the route through the modern and architectonically novel Messel visitor center, located at the margin of the Messel pit. Profusely illustrated, the book explains the evolutionary significance of the unique fossil remains recovered from the Messel sediments (book is in German).

Bespr.: Senckenberg - natur • forschung • museum, Band 141, Heft 1/2, 2011 top ↑

Seit Ende August 2010 ist Messel um eine Attraktion reicher: Das neu eröffnete Besucherzentrum ist ein Publikumsmagnet – mehr als 16.000 Besucher haben sich seitdem bereits von diesem außergewöhnlichen Ort, von den Messel- Fossilien und von den Geschichten, die sie erzählen, faszinieren lassen.

Und das Begleitbuch zum Besucherzentrum ist dazu angetan, die Begeisterung der Besucher noch lange danach wach zu halten bzw. neugierige Interessierte zu einem baldigen Besuch zu animieren: Ein großzügiges Format und eine Fülle hervorragender Bilder und Grafiken, eingebettet in ein abwechslungsreiches Layout, laden spontan zum Blättern und Staunen ein. Die informativen Texte sind kurz, prägnant und sehr lebendig geschrieben. Protokolle, Chroniken, Interviews mit Wissenschaftlern, Architekten und einem Hobby- Gräber verleihen ihnen zusätzlich Authentizität. Der Leser wird wie der Besucher auf einen Rundgang mitgenommen, der einer Entdeckungsreise gleicht.

Kaleidoskopartig blitzen nacheinander die einzelnen Facetten der langen und wechselhaften Geschichte der Grube Messel auf, darunter die Industriegeschichte, die ersten Fossilienfunde, der Kampf gegen die Umwandlung in eine Mülldeponie, die vulkanische Vergangenheit und die Geologie des Ortes. Eine Zeitreise durch den Tunnel einer wissenschaftlichen Probebohrung, bis in die Zeit vor 47 Millionen Jahren – als die Fossilien entstanden, die wir heute bewundern – schließt sich an. Der Leser lernt die Arbeit der Wissenschaftler kennen, die diese nicht nur für uns sichtbar machen, sondern ihnen Erkenntnisse über die Evolution von Tieren wie Pflanzen und die Umweltbedingungen von damals abringen und – nicht zu vergessen – das „Makingof“ zur Entstehung des Besucherzentrums. Wann hat man schon einmal Gelegenheit zu erfahren, wie sich Architekten und Szenografen mit dem Konzept eines Projekts auseinandersetzen, um ihm eine angemessene innere und äußere Gestalt zu geben? Eine Gestalt, die sich anlehnt an die Schichtung des Ölschiefers, mit dem alles begann.

Senckenberg - natur • forschung • museum, Band 141, Heft 1/2, 2011

Bespr.: Darmstädter Echo online top ↑

Prächtige Fotos, kurze prägnante Texte und Interviews mit prominenten Paläontologen und Geowissenschaftlern machen das in der Senckenberg-Reihe erschienene neue Messel-Buch Faszination Welterbe Grube Messel zu einem aktuellen Kompendium. weiterlesen

Echo online

Bespr.: Wiesbadener Erbenheimer Anzeiger vom 21.04.2011 top ↑

Mit der Eröffnung des Besucherzentrums an der Grube Messel im August 2010 wurde den Geschehnissen um das UNESCO Weltnaturerbe Grube ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Das kürzlich unter dem Titel „Faszination Grube Messel - Zu Besuch in einerWelt vor 47Millionen Jahren“ erschienene Buch fasst sowohl die erdgeschichtlichen Aspekte als auch das Geschehen in der jüngeren Vergangenheit zusammen. Maarvulkan, tropischer Urwaldsee, Tagebau, Fossilienfundort für Amateurpaläontologen, Mülldeponie und vor allem eine herausragende Grabungsstätte für Wissenschaftler, das alles und mehr ist die Grube Messel bei Darmstadt. Wie bei einem Rundgang führt der Autor durch die Themenbereiche des Besucherzentrums: Der vulkanischenVergangenheit und der Geologie des Ortes folgt eine Zeitreise durch den Tunnel einer wissenschaftlichen Forschungsbohrung. Sie brachte 2001 den Beleg dafür, dass die Grube Messel einst ein Maarvulkan war. Der Leser schreitet in der Zeit voran und steht am Ufer eines Sees, am Kraterrand, in einem Regenwald mit einer erstaunlichen Vielfalt von Tieren und Pflanzen,wie sie vor 47 Millionen Jahren existierte. Der Leser gewinnt einen Einblick in die Arbeit der Wissenschaftler. Er erfährt, wie sie die fossilen Zeitzeugnisse aus dem Ölschieferablagerungen befreien und welche Erkenntnisse über die Evolution von Tieren, Pflanzen undden Umweltbedingungen von damals sich daraus ableiten lassen.

Das großzügige Format und die hochwertigen Fotografien und Grafiken, eingebettet in ein abwechslungsreiches Layout, laden zum spontanen Blättern und Staunen ein. Protokolle,Chroniken, Interviews mit Wissenschaftlern, Hobby-Gräbern und Architekten geben den Kapiteln eine persönliche Note und verleihen eine authentische Sichtauf die Dinge. Ein besonderes Kapitel ist dem „Making of“ des Besucherzentrums gewidmet. Architekten und Szenografen erklären, welche Ideen und Gedanken in das Konzept des Zentrums einflossen, um ihm eine angemessene innere und äußere Gestalt zugeben. Eine Gestalt, die sich anlehnt an die Schichtungen des Ölschiefers, dem Material, das die Vergangenheit einschließt.

Wiesbadener Erbenheimer Anzeiger vom 21.04.2011

Bespr.: POLLICHIA Band 95 (2010) top ↑

Die Fossillagerstätte Grube Messel bei Darmstadt war lange Zeit das einzige UNESCO Weltnaturerbe in Deutschland. In der Grube Messel sind etwa 47 Millionen Jahre alte Sedimente eines Maarsees aus dem Eoz¨an aufgeschlossen und in diesen Sedimenten findet man immer wieder hervorragend erhaltene Fossilien, die uns einen einzigartigen Einblick in eine Zeit erlauben, als hier in Europa noch ein tropisches Klima herrschte und Terrier-große Urpferdchen sich beim Trinken am Seeufer vor Krokodilen in Acht nehmen mussten.

Bevor die Grube jedoch Weltnaturerbe wurde hatte sie bereits eine lange und bewegte Geschichte hinter sich, die mit dem Ausbruch eines Maarvulkans vor etwa 47 Millionen Jahren begann. Der Verfasser, lange Jahre Aufsichtsratsvorsitzende derWelterbe-Gesellschaft Grube Messel, erzählt im vorliegenden Begleitbuch zur Ausstellung im Bildungs- und Informationszentrum die Geschichte der Grube Messel vom Vulkanausbruch, der das Loch schuf in dem die Sedimente abgelagert wurden, bis zur Eröffnung eines Bildungs- und Informationszentrum am Rand der Grube Messel im Jahr 2010.

Nach einer zusammenfassenden Einführung in verschiedene Aspekte, die die Faszination der Grube Messel ausmachen, stellt der Verfasser eine Reihe der spektakul¨aren Fossilfunde aus der Grube Messel vor, um so auch von der Paläontologie ”unbelasteten“ Lesern ein Gefühl für die Einzigartigkeit dieser Fundstelle zu vermitteln. In diesen Überblick zu den Fossilien eingebetet ist auch eine kurze Einführung in die Welt des Eozäns und wie es damals in Mitteleuropa aussah. Abgeschlossen wird dieser Zeil von einem kurzen Exkurs über die Grube als aktuelles Biotop. Der Geschichte der Grube, von den Anfängen als Ölschieferabbau, über die Nutzung als Rohstoff und Enegielieferant für die Produktüulldeponie und der Rettung der Grube für die Wissenschaft widmet sich das folgende Kapitel. Das darauf folgende Kapitel stellt kurz das Konzept und die Baugeschichte des Bildungs- und Informationszentrums vor. Die folgenden Kapitel widmen sich dann der vulkanischen Entstehungsgeschiüusselung durch eine Forschungsbohrung die im Jahr 2001 abgeteuft wurde. In den abschließenden Kapiteln stellt der Verfasser dann dar, wie man sich die fossilen Ökosysteme des Messelsees und des ihn umgebenden tropischen Regenwaldes vorstellen kann und zu welchen wissenschaftlichen Themen die Forschung in Messel aktuell beitragen kann. Am Ende des Werkes fasst der Verfasser dann noch einmal kurz zusammen warum Messel ein Schatz der gesamten Menschheit ist. In den Text eingestreut sind immer wieder kurze Interviews mit Spezialisten zu verschiedenen, für Messel relevanten Themen. Dem Textteil folgt ein Glossar wichtiger Fachbegriffe, ein Bildnachweis, ein kurzes Verzeichnis der wichtigsten weiterführenden Literatur, ein Verzeichnis der Kooperationspartner und Sponsoren der Welterbe-Gesellschaft Grube Messel, sowie Informationen für Besucher des Bildungs- und Informationszentrums.

Das Werk stellt die Hintergründe der Entwicklung von einer Ölschiefergrube hin zu einem Weltnaturerbe sowie den aktuellen Forschungsstand zu den eozänen Ökosystemen von Messel in einer sehr gut und spannend lesbaren Form dar. Speziell für Laien ist dieses Werk eine hervorragend gelungene Einführung in die Grube Messel, Fachwissenschaftler, für die das Werk ohnehin nicht primär gedacht ist, werden hier allerdings kaum etwas Neues finden.

Der Rezensent kann das Werk allen Besuchern der Grube Messel und des Bildungs- und Informationszentrums f¨ur die Vor- und Nachbereitung einer Exkursion nur wärmstens empfehlen.

apl. Prof. Dr. Dieter Uhl, Neustadt/Weinstr.

POLLICHIA Band 95 (2010)

Bespr.: ekz-Informationsdienst ID 27/11 top ↑

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Grube Messel bei Darmstadt bis heute und gibt dabei einen umfassenden Überblick über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der weltberühmten Fossilienfundstätte. Behandelt werden insbesondere die eozäne Lebenswelt (Urwaldsee und Ufer), die anhand der hervorragend erhaltenen Fossilien rekonstruiert wurde, die Industriegeschichte der Grube Messel, der erfolgreiche Kampf einer Bürgerinitiative gegen die Weiternutzung als Mülldeponie und schließlich die Unterschutzstellung als Forschungsstätte und Ausweisung als UNESCO Welterbe. Zugleich ist es ein Führer durchs Besucherzentrum der Grube Messel und erklärt auch dessen Entstehungsgeschichte. Den Schwerpunkt bilden die einzigartig erhaltenen Fossilien, die in großformatigen Fotos gezeigt werden und ihre Bedeutung für die Forschung wie z.B. die Urpferde und "Ida", ein früher Primat. Neben Fotos gibt es z.B. auch Röntgenaufnahmen und Aufnahmen unter dem Rasterelektronenmikroskop. Neben "Messel" (BA 9/07), dem Begleitbuch zur Ausstellung "Messel on Tour" mit Schwerpunkt auf den Fossilien gerne empfohlen.

ekz-Informationsdienst ID 27/11

Bespr.: Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2011 Heft 5-6 top ↑

Dieses neue Buch über die Grube Messel unterscheidet sich grundsätzlich von allen bisher zu diesem Thema verfassten. Dieses liegt darin begründet, dass nicht die Fossilien oder deren Bergung, Präparation und Auswertung im Vordergrund stehen, wie es bei den meisten populären Büchern zum Thema der Fall ist. Dieses kommt natürlich auch zur Sprache, aber in erster Linie wird auf Seite 66–151 die Einrichtung des neuen Besucherzentrums gefeiert – und auch sehr reichlich illustriert. Die fachlichen Inhalte sind dabei eher knapp dargestellt. Dennoch bekommt man nicht den Eindruck, die Fossilien im Rahmen dieser speziellen Darstellungsform kämen zu kurz. Hier hat eine größere Fülle von Themen ihre Berechtigung – mehr als in sonstigen Messel-Büchern. Wer etwas über die Fossilien aus Messel wissen möchte, dürfte ohnehin zu anderer Literatur greifen. Einige der Inhalte vermittelt man durch Interviews. Die Palette der Interviewten reicht dabei von den ersten Fossiliensammlern in den 70er Jahren des 20. Jh. über die Untersuchungsmethodik an den Fossilien bis hin zum Architekten des Besucherzentrums. Dies ist eine wirklich aufl ockernde Idee!

Dieses gilt im Übrigen für die gesamte Darstellung die erfrischend und anregend ist. Selbst „Messel-Muffeln“ unter den Paläontologen – wie dem Rez. – legt sie nahe, einmal den Weg in die Grube zu finden. Geowissenschaftler sind jedoch nicht die Zielgruppe: Vor allem interessierten Laien will man Appetit machen – und dieses dürfte die qualitativ hervorragende und sehr abwechslungsreiche Bebilderung vermögen. Allein die moderne Didaktik und die spezielle Architektur des Zentrums sind einen Besuch wert – zu diesem Schluss führt die Lektüre des Buches.

Diese Herangehensweise hätte sicher kaum ein Geowissenschaftler gewählt, der die geliebten Sedimente und Fossilien in den Vordergrund geschoben hätte. Zu dieser alternativen Herangehensweise bedurfte es eines Autors wie GERD MANGEL, studierter Germanist und Politologe, der im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst tätig und über Jahre an der Verwirklichung der heutigen Nutzung der Grube Messel beteiligt war sowie Mitinitiator für das Besucherzentrum ist.

Zusammenfassend ist dieses Buch ein „Muss“ für jeden an dem Thema Interessierten. Für einen geringen Preis wird neben vielen Fotos aus dem neuen Besucherzentrum auch eine Menge von Zeitdokumenten seit den Zeiten des Bergbaues in der Grube abgebildet, die man in anderen Messel-Dokumentationen nicht sieht.

JENS LEHMANN, Bremen

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2011 Heft 5-6

Bespr.: der aufschluss Ausgabe 4 Jg. 63 (Juli/August 2012) top ↑

Die Grube Messel wurde 1995 in die Liste der Weltnaturerbestätten der UNESCO aufgenommen und ist damit die dritte ihrer Art weltweit und die erste auf deutschem Boden. Der Weg bis hin zu dieser bedeutenden internationalen Auszeichnung war steinig und wurde von Interessenkonflikten flankiert. Die als Band 52 in der „Kleinen Senckenberg- Reihe“ erschienene Publikation „Faszination Welterbe Grube Messel“ vermittelt eine Chronologie der Ereignisse, die besonders seit den frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts politische Brisanz hatten. Bereits 1791 wurden die Messeler Ölschiefer- und Braunkohlevorkommen entdeckt. Von Interesse für die Paläontologie wurde die Grube Messel im Jahr 1875, als Reste eines Krokodils geborgen wurden.

Erste wissenschaftliche Grabungen erfolgten schließlich 1966; sie zeigten das enorme Potential für die paläontologische Forschung auf. Als das Land Hessen die Grube Messel 1972 in eine zentrale Mülldeponie umwidmen wollte, war ein politischer Konflikt vorprogrammiert. Die Gründung einer Bürgerinitiative 1975, die sich gegen solche Bestrebungen richtete sowie die Intensivierung der Grabungsaktivitäten durch verschiedene Museen und Forschungsinstitutionen, wie das Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main, in den nachfolgenden Jahren führten letztendlich zur Erhaltung der Grube Messel als einzigartiger Fossillagerstätte. Die Eröffnung eines Besucherzentrums im Jahre 2010 bildet den konkreten Anlass für die vorliegende Publikation von Gerd MANGEL.

Das Besucherzentrum, so lautet die Botschaft, solle „kein musealer Ort“ sein, sondern ein „Erlebniszentrum“. Dem Besucher werden drei Erkenntnisse vermittelt, dass 1) die Erde ein dynamisches System sei, wobei die Evolution den Motor für die Entwicklung des Lebens bereitstelle, 2) der Mensch als Teil der Natur mit dieser sorgsam umgehen müsse und 3) der aktuelle Zustand der Erde und des Lebens nur zu begreifen sei, wenn die Entwicklungsgeschichte unseres Planeten und seiner Lebewelt wissenschaftlich immer weiter entschlüsselt werde. Schließlich sei Forschung „spannend und macht Spaß“. Auf der Grundlage dieses Anspruchs führt der Autor ein in die vielgestaltigen Facetten der Grube Messel. Im Kapitel „Faszination Messel“ werden exzellente Beispiele von in den Messeler Ölschiefern geborgenen Fossilfunden, einer 47 Millionen Jahre alten Flora und Fauna, vorgestellt. Abschließend wird dem aktuellen Lebensraum „Grube“, der sich mittlerweile zu einem artenreichen Biotop entwickelt hat, nachgespürt. Das Kapitel „Messel, oder was wir mit der Natur machen“ zeigt auf, welche gewaltigen Eingriffe in die Natur die Ölschiefer-Förderung sowie die Produktion von Rohöl, Farbkoks und Paraffin mit sich brachten in der Zeit von 1885 bis 1962. Das neue Besucherzentrum wird im Kapitel „Extravagant: Ölschiefer als Vorbild der Architektur“ vorgestellt. Auf einem Rundgang kommen Aspekte zur Sprache, die sich um die Grube Messel ranken: Landschaft, Vulkanismus, Expedition Bohrung, Regenwald, Evolution und Schatzkammer. Nach Durchschreiten der einzelnen Räume hat der Besucher die Möglichkeit, den Außenbereich zu betreten, wo er einen Blick in die mittlerweile legendäre Grube Messel werfen kann. Im Kapitel „Ein Maarvulkan verändert die Landschaft“ wird aufgezeigt, dass die Fossillagerstätte „Messel“ nur durch seine vulkanische Vorgeschichte denkbar ist. Die Ölschiefer, die beim Spalten die in sie eingebetteten Fossilien freigeben, lagerten sich vor 47 Millionen Jahren im ehemaligen Messel-See, einem Maar, ab, das von einem tropischen Regenwald umstanden wurde. Eine im Jahr 2001 abgeteufte Forschungsbohrung erbrachte nicht nur detaillierte Kenntnisse von der sedimentären Seefüllung, sondern ebenfalls von der Füllung des Vulkanschlotes im Liegenden. Das Protokoll des Bohrverlaufs wird akribisch wiedergegeben. Im Kapitel „Ein See im tropischen Regenwald“ werden auch Überlegungen zum damaligen Klima angestellt. Bei der Suche nach rezenten Vergleichsbeispielen stieß man auf einen See auf der Insel Sumatra. „Foschung: Geheimnisse des Lebens – Fossilien als Momentaufnahmen der Evolution“ ist das nächste Kapitel überschrieben. Darin wird auf spezielle analytische Verfahren, wie die Röntgen- und Computertomografie, eingegangen, die bei der Erforschung der Messel-Fossilien zum Einsatz kommen. So können beispielsweise Erkenntnisse über das Innenohr von Messel-Fledermäusen gewonnen werden. Untersuchungen am Rasterelektronenmikroskop kommen zum Einsatz bei der Erforschung der Mageninhalte von Urpferden, die sich danach von Blättern und Früchten ernährten. Auch dem Messel-Primaten „Ida“, der über längere Zeit die Schlagzeilen beherrschte, wird entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet. Ausgewählte Fossilfunde aus der Grube Messel werden im Kapitel „Ein Schatz der Menschheit“ vorgestellt. Die einzelnen Kapitel gewinnen durch Interviews, die mit Wissenschaftlern zu den behandelten Themen geführt wurden. Ein Glossar erläutert Fachbegriffe, während ein knapp gefasstes Literaturverzeichnis auf weiterführende Messel-Publikationen verweist.

Die neu erschienene Veröffentlichung „Faszination Welterbe Grube Messel“ führt kompetent und gut lesbar in den „Messel- Komplex“ ein. Sie macht zudem „Appetit“ darauf, das neue Besucherzentrum in unmittelbarer Nähe dieser Weltnaturerbestätte der UNESCO bei nächster Gelegenheit zu besuchen.

Norbert HAUSCHKE, Halle (Saale)

der Aufschluss Ausgabe 4, Jg. 63 (Juli/August 2012), Seite 223-224

Bespr.: FOSSILIEN (6) 2012 top ↑

Die Grube Messel bei Darmstadt mit ihren Seeablagerungen aus der Zeit des Eozäns ist bisher das einzige Fossilvorkommen Deutschlands, das das Prädikat „Weltnaturerbe“ der UNESCO trägt. Ein neues Besucherzentrum soll interessierte Personen die dortige Erdgeschichte und ihre Erforschung vermitteln. Nicht Fossilien, sondern der Ölschiefer als Rohstoff hatte zunächst ausschließlich im Fokus gestanden, und als dies nicht mehr rentabel war, kam man auf die heute fast absurd erscheinende Idee, die Grube als Mülldeponie zu verwenden. Dass es nicht dazu kam, ist Bürgerinitiativen und nationalem wie internationalem Protest und nicht zuletzt schließlich der Einsicht der zuständigen Landesregierung zu verdanken. Die Fossilien selbst, ursprünglich kaum zu bergen und daher dem Zerfall preisgegeben, verdanken ihre Rettung Präparationsmethoden, die von dort nicht immer ganz legal aktiven Amateurpaläontologen entwickelt wurden und die später auch von den Profis adaptiert wurden. Heute ist das geborgene Fossilmaterial eine einzigartige Informationsquelle für das Klima und die Lebewelt am und um den einstigen Messel-See vor 47 Millionen Jahren. Erst seit kurzem wurde mit einer Forschungsbohrung bewiesen, dass der See eigentlich vulkanischen Ursprungs ist und damit ein Maar wie in der Eifel darstellt. Der Autor ist Mitinitiator des Besucherzentrums und hat sich spürbar mit der Materie identifiziert. So beschränkt sich dieses Buch nicht auf die Abbildung einiger optisch höchst eindrucksvoller Fossilien, unter denen das berühmte Äffchen „Ida“ nicht fehlt, sondern dokumentiert von Beginn an, wie es letztlich zum Bau des Besucherzentrums kam, wie versucht wird, die Forschungsergebnisse mit modernsten Methoden (verschiedenste Mikroskopieverfahren, Computertomografie,...) zu erlangen und verständlich einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Eingeschoben sind kurze Interviews des Autors mit einigen der beteiligten Personen, darunter auch einem Fossiliensammler. Auch die industriegeschichtlich höchst interessante Rohstoffproduktion aus dem Ölschiefer kommt hier nicht zu kurz. Einige beispielhaft herausgegriffene Forschungsergebnisse werden auf einfache Weise erklärt und machen ein Stichwortverzeichnis, wie es am Ende des Buchs angefügt ist, eigentlich fast überflüssig. Auf jenen Fall ist es möglich, die behandelten erdgeschichtlichen Thema nahezu ohne Vorwissen zu verstehen und sich dafür zu interessieren. Die Qualität der Abbildungen ist durchwegs hervorragend und die grafische Umsetzung gelungen, der Preis angemessen. Nicht nur als eine kurze Gesamtschau zu den verschiedenen Aspekten des Themas „Messel“ ist dieses Buch empfehlenswert. Es zeigt darüber hinaus auch auf, wie manchmal ein gewisses Maß an zivilem Ungehorsam dazugehört, um unsinnige Projekte zu stoppen, über deren bloße Existenz man rückblickend heute nur noch den Kopf schütteln kann.

Günter Schweigert

FOSSILIEN (6) 2012

Bespr.: SENCKENBERG – natur • forschung • museum 142 (11/12) 2012 top ↑

Die meisten von uns kennen die Fossilienfundstelle Grube Messel in der Nähe von Darmstadt wegen ihrer Urpferdchen und des Primatenfunds „Ida“. Doch auch die Pflanzen-fossilien aus Messel sind in ihrer Vielfalt einzigartig! Eine umfassende Übersicht über den Reichtum der urzeitlichen Pflanzenwelt geben Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt, der Universität London und des Florida Museum of Natural History in der gerade erschienenen Monografie „Fossil Fruits and Seeds of the Middle Eocene Messel biota, Germany“.

Insgesamt beschreiben die Autoren über 140 Gattungen von Pflanzen aus den Sammlungen des Senckenberg und des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt. Die Samen und Früchte wie auch viele Blätter, Blüten und Pollenkörner wurden bei den Ausgrabungen beider Institutionen in den letzten Jahrzehnten geborgen, bisher aber nicht umfassend untersucht. Mehr als 34 Familien von Blütenpflanzen sind vertreten, zehn davon neu für Messel. Drei heute noch existierende Gattungen wurden erstmals für das Paläogen nachgewiesen. Über 60 der beschriebenen Pflanzenreste konnten jedoch noch keiner bisher bekannten Familie zugeordnet werden und sind neu für die Wissenschaft. Die entsprechenden Fossilien werden auf 76 Bildtafeln detailliert abgebildet.

Beeindruckend ist nicht nur die große Anzahl unterschiedlicher Pflanzenfamilien, sondern auch die Vielfalt ihrer Verbreitungsstrategien. Einige bildeten Flügel an ihren Samen aus und vertrauten auf den Wind, andere setzten auf die Verbreitung durch Tiere und weitere entwickelten durch Überdruck explodierende Kapseln, die ihre Samen im näheren Umkreis verstreuten.

Aus der beschriebenen Flora konnte das Autorenteam auch Rückschlüsse auf die Nahrung der Tiere vor 47 Millionen Jahren ziehen. Früchte und Samen im Darminhalt von Wirbeltieren weisen darauf hin, dass sie ein wichtiger Bestandteil ihres Speiseplans waren. Auch die aus Messel bekannten Rüsselkäfer ernährten sich von bestimmten Pflanzen, wie angebohrte Samen belegen.

Die Pflanzenwelt eignet sich zudem hervorragend für die Rekonstruktion von Klima- und Umweltbedingungen. Die Auswertung von inzwischen etwa 30 000 Pflanzenresten lassen die Wissenschaftler auf ein tropisch-warmes Klima mit leichten saisonalen Schwankungen schließen. Die Arbeit der Paläobotaniker bestätigt damit die vorherigen Studien zum Paläoklima zur Zeit des Messel-Sees. Die Autoren gehen davon aus, dass der damalige See von einem mehr oder weniger tropischen Regenwald mit verschiedenen Stockwerken umgeben war, ähnlich wie in Gebieten mit einem vergleichbaren Klima zur heutigen Zeit. Auch Lianen und einige Sumpfpflanzen waren in hohen Anteilen vertreten – eine echte Dschungelatmosphäre und das fast vor unserer Haustür.

Diese Monografie zeigt, dass das UNESCO-Welterbe Grube Messel weltweit eine der reichhaltigsten Pflanzenfundstellen des Paläogen darstellt.

SENCKENBERG – natur • forschung • museum 142 (11/12) 2012

Inhaltsverzeichnis top ↑

Grussworte 5
Einführung 9
Messel, oder was wir mit der Natur machen 51
Extravagant: Ölschiefer als Vorbild der Architektur 67
Ein Maarvulkan verändert die Landschaft 85
Die Sprache der Steine: Ein Bohrkern erzählt 97
Ein See im Tropischen Regenwald 111
Forschung: Geheimnisse des Lebens - Fossilien als Momentaufnahmen
der Evolution 125
Ein Schatz der Menschheit 145
Fachbegriffe 152
Bildnachweis 156
Literatur 157
Kooperationen und Sponsoren 158
Informationen für Besucher 159
Impressum 160