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Martin Basse; Peter Müller:

Trilobiten aus dem Ober-Emsium und frühen Eifelium der südlichen Lahnmulde (Rupbach-Schiefer, Leun-Schiefer und Ballersbach-Kalk)

[Upper-Emsian and early Eifelian trilobites from the Southern Lahn syncline, Germany (Rupbach-shale, Leun-shale and Ballersbach limestone)]

2016. 329 Seiten, 7 Abbildungen, 9 Tabellen, 33 Tafeln, 21x30cm, 1340 g
Language: Deutsch

(Abhandlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Band 572)

ISBN 978-3-510-61407-3, brosch., price: 64.80 €

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Sedimentrechtsrheinisches SchiefergebirgeFaunaPaläobiogeographieSystematikStratigraphie

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Der als autochthon gewertete Rupbach-Schiefer der südwestlichen Lahnmulde (Rhenoherzynikum) ist ein Sediment des Epikontinentalschelfs des nördlichen Rheia-Ozeans vor der Küste Ostavalonias. Er umfasst mittleres Ober-Emsium bis jüngeres Givetium (Unter- und Mitteldevon). Abschnitte bis zum frühen Eifelium liefern eine sukzessiv verarmende Trilobitenfauna. Der tiefe Rupbach-Schiefer führt die geologisch älteste biofaziell rheinisch-herzynische Mischfauna im rechtsrheinischen Schiefergebirge mit sechs Ordnungen, 14 Unterfamilien und 16 Gattungen (mit Scabriscutellum (Rheiscutellum) und Barrandeops (Lahnops) als neuen Untergattungen) mit bis auf eine Ausnahme je einer Art. Acht davon neu: Cyphaspis kweberi n. sp., Diademaproetus habenichti n. sp., Rhenocynproetus vanvierseni n. sp., Tropidocoryphe werneri n. sp., Acastoides (?n. subgen.) poschmanni n. sp., Destombesina schumacherorum n. sp., Barrandeops (Lahnops) steinmeyeri n. subgen. n. sp., Koneprusia martini n. sp.
Diese Fauna wirkt stärker gondwanisch als jede andere bekannte rheinisch-herzynische Fauna aus dem autochthonen Unterdevon des deutschen Rhenoherzynikums. Noch im Ober-Emsium wird sie durch eine herzynische mit Cornuproetinae abgelöst. Die jüngste, herzynische Fauna (frühes Eifelium) ist mit vier Ordnungen, fünf Unterfamilien und sechs Gattungen mit je einer Art formenarm. Aulacopleura (Paraaulacopleura) lemkei n. sp. und Cyphaspides (Cyphaspides) malbertii n. sp. sind neu. Cyphaspides (Cyphaspides) weugi n. sp. (Deutschland, frühes Eifelium), Pelitlina? corbachoi n. sp. (Spanien, Unter- Emsium) und Psychopyge angeles n. sp. (Marokko, Ober-Emsium) liefern ergänzende Daten. Faunistisch vergleichbar sind vor allem folgende Gebiete mit Sedimenten des Rheia-Ozeans: Die nordwestliche Türkei, Tschechien, andere Teile Deutschlands, Nordwestafrika. Jedoch bestehen für den Rheia-Ozean noch zu große Kenntnislücken, um dies paläo(bio)geografisch auszuwerten.

Bespr.: POLLICHIA-Mitteilungen Band 98 (2017) top ↑

Das Devon der südlichen Lahnmulde in Westerwald und Taunus mit seinen unter- bis mitteldevonischen Rupbach- Schiefern ist seit dem 19. Jahrhundert für seine Fossilführung bekannt. Seit den 1990er-Jahren fanden auch die reichen Trilobitenvorkommen der Gegend zunehmend Beachtung. Fundortbezeichnungen wie „Gutenacker“,„Steinsberg“ oder „Heckelmanns Mühle“ sind mittlerweile überregional, wenn nicht sogar international bekannt. Dennoch lag eine umfassende und modernen wissenschaftlichen Standards genügende, monographische Darstellung der devonischen Trilobiten der Lahnmulde bislang nicht vor. Das ändert der kürzlich publizierte Band der „Senckenbergischen Abhandlungen“, dessen Erscheinen von „Insidern“ schon mit Spannung entgegen gesehen wurde.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Warten hat sich gelohnt.
Die vorliegende Abhandlung stellt eine konsequente Fortsetzung der, von dem Bochumer Trilobiten-Spezialisten Martin Basse begründeten, (Eifel-)Trilobiten-Monographien dar und weitet die Untersuchungen auf den rechtsrheinischen Raum aus, wiederum in bewährter Zusammenarbeit mit Peter Müller, einem weiteren ausgewiesenen Trilobiten- und Devon-Kenner. Die Autoren widmen sich hier den Trilobitenfaunen aus dem Grenzbereich Unter-/Mitteldevon der Lahnmulde, wobei der Schwerpunkt klar auf den Rupbach-Schiefer gelegt wird. Die Auswertungen der Vorkommen im Leun-Schiefer und Ballersbach-Kalk haben demgegenüber einen noch eher vorläufigen Charakter.
Der Text gliedert sich im Wesentlichen in einen allgemeinen und einen systematischen Teil plus ein umfangreiches Literaturverzeichnis mit mehr als 780 Einträgen. Der etwa 60 Seiten umfassende allgemeine Teil beschäftigt sich ausführlich mit der Geologie, Stratigraphie, Paläogeographie und Fazies der Fundregion bzw. der einzelnen Fundpunkte, greift aber auch paläobiologische Aspekte, wie Ontogenie und Paläopathologie, auf. Es findet sich hier eine Fülle von Informationen, die für den Fachwissenschaftler wie für den interessierten Laien gleichermaßen von Nutzen ist. Unter anderem wird die bisherige Grenzziehung von unterlagernder Scheidt-Formation zu Rupbach- Schiefer neu überdacht. Zeitgemäß ist auch die Beschreibung der beobachteten Beziehungen von Trilobiten mit Epizoen, also Organismen, die den Trilobitenpanzer besiedelt haben. Dieser Passus erscheint mir dank der Vorsicht, welche die Autoren bei der diesbezüglichen Diskussion an den Tag legen, besonders gelungen. Die kurze Darstellung der Trilobiten-begleitenden Makrofauna deutet das Potential einiger Fundpunkte (hier: Schaumburg V und I) hinsichtlich anderweitiger Untersuchungen an. Der stratigraphisch und taxonomisch ausgerichtete Vergleich des Rupbach-Schiefers mit ähnlichen Trilobiten-Vorkommen, sowohl im rheinischen Schiefergebirge wie auch im übrigen Europa und nordwestlichen Afrika, ist für Leser mit überregionalem Interesse höchst willkommen.
Den weitaus größten Raum beansprucht die systematische Beschreibung und Diskussion der einzelnen Trilobitentaxa inklusive der Vergleiche mit verwandten, in- und ausländischen Formen. Eingehend besprochen werden 34 Arten aus sieben Ordnungen bzw. neun Familien, einige davon in offener Nomenklatur. Formal neu beschrieben und benannt werden zwei Untergattungen und 13 Arten, 11 davon aus der Lahn- bzw. Dillmulde und je eine aus Spanien und Marokko. Für die (Unter)Gattungen Diademaproetus, Acastoides, Psychopyge, Koneprusia, Kettneraspis, Leonaspis, Aulacopleura (Paraaulacopleura) sowie Cyphaspides (Cyphaspides) wird mit dem aktuellen Material die bislang umfangreichste Dokumentation aus dem eurasischen Raum vorgelegt. Für den Rupbach-Schiefer lässt sich konstatieren, dass er in seinem tieferen Anteil eine diverse, auffallend gondwanisch geprägte, rheinisch-hercynische Mischfauna liefert, die im Verlauf der Zeit vom Ober- Emsium bis zum frühen Eifelium sukzessive verarmt und durch zunehmend hercynisch geprägte Faunen abgelöst wird.
Auf 33 Tafeln werden 377 Einzel- und Detailaufnahmen gezeigt, überwiegend von bestechender Qualität und groß genug um die wichtigen Einzelheiten erkennen zu lassen. Einige wenige Aufnahmen, so auf den Tafeln 31-32, hätte sich der Betrachter größer gewünscht. Das tut der Tatsache aber keinen Abbruch, dass der Tafelteil insgesamt und über seinen wissenschaftlich hervorragenden Gehalt hinaus einen ästhetischen Genuss darstellt. Das liegt zum einen daran, dass P. Müller beim Anfertigen der mit Magnesiumoxid berauchten Silikonkautschuk- Abgüsse und ihrer anschließenden fotografischen Dokumentation hervorragende Arbeit geleistet hat. Zudem konnten die Autoren aus einer Fülle von Material auswählen, die viele Sammler/innen über etliche Jahre zusammengetragen und für eine Bearbeitung zur Verfügung gestellt haben. Die Rede ist hier von mehreren Tausend Trilobiten-Fossilien. Damit haben diese Sammler/ innen nicht unerheblich zum Gelingen der Monographie beigetragen, was seinen Niederschlag auch in den Benennungen der neuen Arten findet. Erfreulich ist, dass das gesamte neue Typenmaterial im Original und darüber hinaus umfangreiches Belegmaterial in öffentliche Sammlungen überführt wird, was längerfristig die taxonomische Stabilität sichert. So ist der vorliegende Band ein beredtes Zeugnis für die fruchtbare Zusammenarbeit von Forschern und Sammlern. Das meiste des hier von Fundpunkten in aktiven Steinbrüchen, wie etwa „Heckelmann- Mühle“, dokumentierten Materials wäre ohne den Enthusiasmus aller Beteiligter weder gefunden und gesammelt noch präpariert worden. Die Ressourcen der offiziellen Stellen für langfristige Beobachtungen und Aufsammlungen sind sehr eingeschränkt und Denkmalschutz in der Paläontologie muss sich dann an den Fakten orientieren.
Beim Betrachten der Fotografien stellt man immer wieder erstaunt fest, wie überaus detailliert sich dieses in oft geschmähter „Steinkern-Erhaltung“ vorliegende Material unter günstigen Umständen und mit geeigneten Methoden darstellen lässt. Es steht dann den schalenerhaltenen Trilobiten, wie man sie beispielsweise aus dem Devon der Eifel, aus Marokko oder dem Ordovizium von St. Petersburg kennt, kaum nach. Besonders beeindruckend wirken in dieser Hinsicht einige Präparate der Odontopleuriden-Gattungen Koneprusia, Kettneraspis oder Leonaspis wegen ihrer starken Bestachelung. Auch die Dokumentation bislang noch nicht gesehener Details der Ventralseite des Panzers mancher Taxa verdient besondere Erwähnung, auch wenn zum gegenwärtigen Zeitpunkt deren systematische Aussagekraft, mangels vergleichbarer Exemplare, noch unklar ist.
Im Anhang A wird in 94 Tabellen das gesamte(!) in die Publikation eingeflossene Material aufgelistet, wobei unter anderem Fund- und Aufbewahrungsort, sowie Inventarnummern und Finder/in auf übersichtliche Weise nachvollziehbar sind.
Die Wortwahl bei der (im Übrigen gerechtfertigten) Kritik an der einen oder anderen vorangegangenen Arbeit ist vielleicht stellenweise etwas harsch ausgefallen. Formatierungs- und Druckfehler sind vernachlässigbar selten. Allerdings gibt die auf Seite 64 angesprochene Autorschaft des nominellen Taxons Arthropoda auch hier wieder Anlass zur Diskussion, denn die mir zur Verfügung stehende Ausgabe der zitierten von Siebold’schen Publikation datiert von 1848 (nicht 1845).
Als Fazit kann festgehalten werden, dass der hier vorgelegte Band das Referenzwerk für devonische Trilobiten der Lahnmulde ist und wohl auch für lange Zeit bleiben wird. Darüber hinaus stellt er eine unverzichtbare Datenquelle für jede Bearbeitung von Trilobitenfaunen mit stratigraphischen und paläogeographischen Bezügen dar. Die vorbildliche Ausführung und großzügige Tafelausstattung rechtfertigen den nicht unerheblichen Preis. Ich wünsche dem Werk die weite Verbreitung, die es zweifellos verdient.

Markus Poschmann, Koblenz

POLLICHIA-Mitteilungen Band 98 (2017)

Bespr.: FOSSILIEN - Journal für Erdgeschichte Heft 2017/5 top ↑

Lange angekündigt, ist das von vielen ersehnte Werk endlich erschienen. Die unter Trilobiten-Kennern u.a. durch die „Eifel-Trilobiten“-Bände bekannten Autoren Martin Basse und Peter Müller legen eine deutschsprachige (!) wissenschaftliche Abhandlung im Buchformat vor. Auf 329 Seiten vermitteln sie den neuesten Wissensstand zu einigen heimischen Trilobitenfaunen, die in jüngerer Zeit das Interesse vieler Paläontologen und Sammler auf sich gezogen haben. Es ist die erste monographische Darstellung der Trilobitenvorkommen im Rupbach-Schiefer, mit denen eine recht vollständige Trilobiten-Sequenz aus dem oberen Unterdevon und frühen Mitteldevon dokumentiert werden kann. Im allgemeinen Teil werden die geographische, geologische und paläobiogeographische Situation und Stratigraphie der sogenannten Schaumburger Profile sowie der markante Faunenwechsel innerhalb der Sequenz ausführlich beschrieben. Sehr gründlich werden mögliche Beziehungen zu ähnlich alten deutschen, europäischen und weltweiten Trilobitenvorkommen betrachtet. Ganz nebenbei erhält der Leser umfangreiche Informationen zu den verglichenen Vorkommen, jeweils mit entsprechenden Faunenlisten. Dabei wird auch ein Ausblick auf Forschungsergebnisse geboten, die aus neuen, reichen Trilobitenfunden im Leun-Schiefer und Ballersbach-Kalk zu erwarten sind. Besondere Aufmerksamkeit wird den im rechtsrheinischen Devon vorkommenden „exotic limestones“ gewidmet, deren fremdartig anmutende Faunen nicht in den faziellen Kontext passen wollen. Zumindest nicht nach der bisherigen Kenntnis, denn die hier neu betrachteten Vorkommen lassen ahnen, dass mit deren zunehmender Kenntnis ein bislang vermuteter weiter Transportweg dieser mutmaßlich mit tektonischen Decken eingeschleppten „exotic limestones“ in einigen Fällen neu zu diskutieren sein wird oder überhaupt die Frage nach ihrem allochthonen Charakter. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit paläobiologischen Aspekten, die manche Funde aufgeworfen haben. Vorgestellt und diskutiert werden erstmals Merkmale der Ontogenese einiger Arten sowie Paläopathologien („krankhafte“ Veränderungen) und ökologische Interaktionen. Im systematischen Teil werden 40 Trilobiten-Arten explizit beschrieben, wobei der Leser über die Merkmale der Gattungen (und Untergattungen) weitreichend aufgeklärt wird. Zehn neue Arten und zwei (bzw. drei) neue Untergattungen werden aufgestellt. Die beschriebenen Trilobiten werden jeweils eingehend mit ähnlichen Formen anderer Fundstellen verglichen, womit der Leser nützliche Informationen zu unzähligen weiteren Trilobiten erhält. Die zum Teil sehr komplexen Diagnosen und Vergleiche lassen manchmal die Frage aufkommen, von wie vielen Lesern dies ohne weiteres verstanden wird. Nach der Devise „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ wäre ab und zu eine erklärende Abbildung oder Skizze wünschenswert gewesen. Das Werk basiert auf fast 400 Funden. Die Autoren haben hierzu hervorragende Stücke aus öffentlichen und privaten Sammlungen zusammengetragen, die im Tafelteil eindrucksvoll abgebildet werden. Die meisten davon sind vollständig und als geweißte Silikonabformungen dargestellt. Es ist bemerkenswert, welche Details sich auf diese Weise zeigen lassen. Neben den sonst üblichen Abgüssen der Dorsalseiten werden auch Ventralseiten in bisher kaum bekanntem Umfang gezeigt und so manche bisher nicht oder selten dokumentierte Merkmale dokumentiert. Die 33 Bildtafeln haben im Vergleich zu den „Eifel-Trilobiten“-Bänden erfreulicherweise an Übersichtlichkeit gewonnen; was für die Abbildungsbeschreibungen leider nicht zutrifft. Der Modus der Fundstellenangaben ist kaum zu durchschauen. Was haben die Aufzählungszeichen vor manchen Fundstellenangaben zu bedeuten? Manchmal werden zunächst alle Abbildungen einer Tafel einer Fundstelle zugeschlagen und nachfolgend dann doch wieder einzelne Bilder davon mit anderen Fundstellenangaben versehen. Dabei bleibt die Frage, welche Angabe denn nun stimmt. Dass einige Fundstellen nicht richtig angegeben sind und einzelne Funde im Appendix falschen Sammlungen zugeordnet wurden, dürfte nur den Besitzern der betreffenden Stücke auffallen. Die übersichtliche Auflistung der Belegstücke im Appendix ist im Übrigen sehr zu begrüßen. Insgesamt wurde mit dieser Abhandlung ein großartiges Werk herausgegeben, das Maßstäbe setzt. Dies rechtfertigt den recht hohen Preis, der aber auch den Umfang widerspiegelt. Trilobiten-Interessierte mit Schwerpunkt auf Devon-Faunen dürfte der Preis ohnehin nicht abschrecken; sie erhalten hier ein kaum zu umgehendes Standardwerk. Zweifellos richtete es sich an eine wissenschaftlich orientierte Klientel. Dank der selten in vergleichbarer Qualität gebotenen Zusammenschau hervorragender Trilobiten ist das Buch vielleicht aber auch für sonstige Fossilienliebhaber interessant, die sich von der Vielfalt und Ästhetik begeistern lassen.

Mirco Alberti <7p>

FOSSILIEN - Journal für Erdgeschichte Heft 2017/5