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Heidi Danker-Hopfe:

Die säkulare Veränderung des Menarchealters in Europa

1986. VIII, 165 Seiten, 35 Abbildungen, 39 Tabellen, 15x21cm, 330 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65130-6, brosch., price: 24.00 €

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Contents

Synopsis top ↑

The age at menarche is probably the most commonly reported developmental milestone of fe male adolescence. It is a relatively late maturational event, occurring almost invariably after peak height velocity. Menarche is also a developmental event which has received considerable study from a biocultural perspective, recognizing the role of both biological and cultural factors in influencing the timing of its occurrence.

Dr. Danker-Hopfe provides a comprehensive overview of the literature which deals with menarche . Beginning with a critical evaluation of methodological problems and contraints, she reviews menarcheal ages in Europe in antiquity and the Middle Ages, between 1500 and 1800, and then in the twentieth century. She also provides a detailed examination of the work of Backman (1948), which is often a starting point for discussions of secular changes in menarcheal age in Europe.

A careful evaluation of secular changes in mean age at menarche in Europe follows. This section includes a critical discussion of data for several Eastern European countries. The latter is significant since western researchers often overlook or limit discussion of Eastern European data for primarily language limitations. The author then discusses factors which may have brought about secular changes in menarche, and then considers menarche in the context of the overall maturation of the young female.

The work integrates a wealth of information on menarcheal ages in many European populations of the past and the present and will be a valuable complement to the already extensive literature on menarche. It is of interest to those engaged in the study of human development.

Inhaltsbeschreibung top ↑

Das Wort Menarche hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache. In der wissenschaftlichen Literatur wurde dieser Begriff Menarche erstmals von STRATZ im Jahre 1908 verwendet. Er bezeichnete damit den Zeitpunkt des Auftretens der ersten Menstruation. Diese inhaltliche Bedeutung des Wortes hat auch heute noch Gültigkeit.

Das Auftreten der Menarche kann zwar nicht als Zeichen für die volle Ausprägung der reproduktiven Funktion gewertet werden - häufig treten die ersten Menstruationen noch unregelmäßig auf und sind anovulatorisch - es kennzeichnet jedoch ein bestimmtes - vermutlich matures - Stadium der Uterusentwicklung. Da dieses qualitative, in der körperlichen Entwicklung von Mädchen bedeutende Ereignis genau datierbar ist, wurde ihm in der wissenschaftlichen Literatur - nicht nur der medizinischen und biologisch-anthropologischen -, die sich mit Problemen der Pubertätsentwicklung befaßt, schon seit alters her besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Aufzeichnungen über das Menarchealter in Europa finden sich bereits in Schriften des griechischen Arztes Hippokrates (460-377 v. Chr.) und des griechischen Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.). Die aus dem historischen Schrifttum bis einschließlich 19. Jh. bekannten Angaben zum Menarchealter in Europa werden in Kap. 3 des vorliegenden Buches behandelt. Schon relativ früh wurde die Variation des Alters beim Auftreten der ersten Menstruation mit verschiedenen Parametern wie "Temperament" (zurückführbar auf die Säftelehre des klassischen Altertums), Klima , Herkunft (Stadt - Land), etc. beobachtet. Es folgten - insbesondere im 19. und 20. Jh. - eine Vielzahl von Untersuchungen über den Einfluß der verschiedensten Faktoren auf den Menarcheeintritt.

Trotz einer Vielzahl bereits publizierter Arbeiten zu diesem Thema weitere Untersuchungen notwendig, um die Diskussion um die Bedeutung einzelner Faktoren bzw. Faktorenkomplexe sowie deren Wechselwirkungen für die Variabilität des Menarchealters voranzubringen. Aufschluß ist hier von Ergebnissen zu e rwarten, die unter Anwendung multivariater statistischer Methoden zur Datenanalyse in Untersuchungen mit einem umfassenden multifaktoriellen Ansatz gewonnen wurden.

Unklarheit besteht auch über die Bedeutung des Faktors Zeit für die Variabilität des Menarchealters. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde erstmals auf das Phänomen einer Vorverlegung der körperlichen Reife hingewiesen (vgl. Kap. 4.1, S. 27). Es folgten eine Reihe von Untersuchungen, in denen Beginn, Verlauf und Ausmaß des sogenannten säkularen (lat.: saeculum: Menschenalter, langer Zeitraum) Trends in der körperlichen Entwicklung in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Methoden analysiert wurden. Am bekanntesten und in der Literatur am weitesten verbreitet ist die zusammenfassende Bewertung des Trends im Menarchealter durch den bekannten Auxologen TANNER. Nach seiner Analyse der Literaturdaten beträgt die Vorverlegung des Menarchealters in Westeuropa in der Zeit von 1830 bis 1960 etwa 4 Monate/Jahrzehnt (vgl. Kap. 4.4, S. 47).

Für die Vergleichbarkeit von Menarchealterdaten sind jedoch die Stichprobenzusammensetzung und das methodische Vorgehen sowie deren ausreichende Dokumentation von en tscheidender Bedeutung. Um dem Leser einige Kriterien für die Bewertung der in Kap. 4 aufgeführten Untersuchungen zur säkularen Akzeleration der körperlichen Reife an die Hand zu geben , werden in den Kapiteln 2 und 3 zunächst allgemeine Probleme der Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von Menarchealterdaten aufgezeigt. In Kap. 2 werden drei mögliche Methoden zur Gewinnung und Analyse von Menarchealterdaten vorgestellt und im Hinblick auf die soeben genannten Aspekte diskutiert. Schwierigkeiten, die sich vorwiegend aus einer unzureichenden Dokumentation von Material und Methode ergeben, werden in Kap. 3 am Beispiel der dort aufgeführten Literaturdaten aus dem klassischen Altertum, dem Mittelalter und der Neuzeit bis Ende des 19. Jhs. aufgezeigt. Der Darstellung von Untersuchungen zur säkularen Akzeleration des Menarchealters in Europa schließt sich in Kap. 5 die Einordnung dieses Phänomens in den Prozeß eines allgemeinen säkularen Trends in der physischen Entwicklung an. Mögliche Ursachen und Folgen dieses Trends we rden in den Kapiteln 6 und 7 diskutiert. Eine Zusammenfassung der zuvor genannten Aspekte des Themas enthält Kap. 8.

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Methoden zur Gewinnung und Auswertung von Menarchealterdaten . 3
2.1 Retrospektive Methode 3
2.2 Prospektive Methode 8
2.3 Status quo-Methode 9
3 Das Menarchealter in Europa in Schriften aus der Zeit zwischen dem
klassischen Altertum und der Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts 11
3.1 Klassisches Altertum 11
3.2 Mittelalter 12
3.3 Neuzeit (1500—1800) 15
3.4 Menarchealterdaten aus dem 19. Jahrhundert — ein Beitrag zur Bewertung des
säkularen Trends? 18
4 Die säkulare Veränderung des Menarchealters in Europa 26
4.1 Hinweise auf eine Vorverlegung des Menarchealters in Publikationen bis 1948 27
4.2 BACKMANs Analyse der säkularen Veränderung des Menarchealters in Europa 33
4.3 Hinweise auf eine Dezeleration des Menarchealters in Kriegs- und Nachkriegszeiten
in Publikationen nach 1948 42
4.4 TANNERs Analyse der säkularen Veränderung des Menarchealters
in Europa 47
4.5 Untersuchungen zur säkularen Veränderung des Menarchealters in einzelnen europäischen Ländern 50
4.5.1 DDR 51
4.5.2 Polen 53
4.5.3 Sowjetunion (europäischer Teil) 57
4.5.4 Ungarn 58
4.5.5 Rumänien 60
4.5.6 Bulgarien 62
4.5.7 Griechenland 63
4.5.8 Jugoslawien 64
4.5.9 Italien 65
4.5.10 Spanien 65
4.5.11 Österreich 66
4.5.12 Frankreich 68
4.5.13 Belgien 68
4.5.14 Niederlande 71
4.5.15 Großbritannien 71
4.5.16 Dänemark 75
4.5.17 Finnland 76
4.5.18 Schweden 77
4.5.19 Norwegen 77
4.6 WYSHAK & FRlSCHs Analyse der säkularen Veränderung des Menarchealters in Europa 83
4.7 Zusammenfassende Diskussion der Untersuchungen zur säkularen Veränderung des
Menarchealters in Europa 86
5 Die säkulare Veränderung des Menarchealters als Teil eines übergeordneten Prozesses 90
6 Hypothesen zur Erklärung der säkularen Veränderungen im physischen Entwicklungsprozeß 98
6.1 Genetische Hypothesen 98
6.1.1 Mutation, Selektion und Siebung 98
6.1.2 Heterosiseffekte 100
6.1.3 Biologischer Rhythmus 101
6.2 Umwelthypothesen 102
6.2.1 Helioexposition 102
6.2.2 Urbanisation und Industrialisation 104
6.2.3 Gesundheitspflege und-fürsorge 106
6.2.4 Reduktion der Familiengröße 110
6.2.5 Ernährung 113
6.3 Zusammenfassende Diskussion der Hypothesen zur Erklärung
der säkularen Veränderungen 135
7 Folgen der säkularen Veränderungen in Wachstums- und Reifungsprozessen 136
8 Zusammenfassung 145
Literatur 148
Autorenregister 162