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Herbert Scholz:

Bau und Werden der Allgäuer Landschaft

Zwischen Lech und Bodensee. Eine süddeutsche Erd- und Landschaftsgeschichte. 2. völlig neu bearbeitete Auflage von "Das Werden der Allgäuer Landschaft" mit Zeichnungen von Udo und Herbert Scholz

1995. 2. Auflage, 305 Seiten, 134 Abbildungen, 47 Tafeln, 17x24cm, 970 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65165-8, gebunden

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Keywords

geologieallgäudeutschlandstrukturstratigraphieentstehunglandschaft

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Welche Kräfte haben die doch so spröden Gesteine der Alpen wie ein Tischtuch in Falten gelegt? Wie kommen die Abdrücke von Meeresmuscheln in den Fels, Hunderte von Kilometern von der Küste entfernt? Wie sah das Allgäu aus, welche Tiere und Pflanzen lebten damals in dieser Landschaft, lange bevor die ersten Menschen kamen?
Die neue Auflage des Buches von Herbert Scholz gibt auf diese und viele andere Fragen Antwort. Die Geschichte der Allgäuer Landschaft, ihrer Gesteine und ihrer Lebewelt von den Anfängen vor mehr als 300 Millionen Jahren bis zum heutigen Tage wird packend geschildert.
Die erste Auflage des Buches mit dem Titel "Das Werden der Allgäuer Landschaft" hat Herbert Scholz 1981 gemeinsam mit seinem Vater Udo Scholz verfaßt.

Mit dieser völlig neubearbeiteten Auflage legt Herbert Scholz wieder ein Werk vor, das sich in erster Linie an interessierte Laien, Biologie- wie Geographielehrer, Geologiestudenten, aber auch an Fachkollegen wendet. Eine Flut von Erkenntnissen in den letzten Jahrzehnten erlaubt es jetzt, von der Geschichte des Allgäus ein Bild von nie geahnter Genauigkeit zu zeichnen. Herbert Scholz lädt den Leser ein, der Vergangenheit und Gegenwart der Allgäuer Landschaft zwischen Lech und Bodensee, ihrer Geologie und Struktur nachzuspüren. Es gelang ihm, die komplizierten Vorgänge der sich über viele Jahrmillionen hinziehenden Gebirgsbildung leicht verständlich zu schildern und die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt darzustellen. Für Fossilsammler sind die häufigsten Versteinerungen und die Fundmöglichkeiten eingehend beschrieben worden. Gegenüber der vorhergehenden Auflage wurden vor allem die Kapitel über das Alpenvorland, die Molasse und das Quartär wesentlich erweitert, die Zahl der Textabbildungen mehr als verdoppelt. Entstanden ist wieder ein prächtiges Buch, dem die stimmungsvollen Landschaftszeichnungen von Udo Scholz und die ausgezeichneten, meist farbigen Fototafeln ein besonderes Gepräge geben.
Dr. Herbert Scholz ist Diplomgeologe und als Privatdozent am Lehrstuhl für Allgemeine, Angewandte und Ingenieur-Geologie der Technischen Universität München beschäftigt. Seit mehr als 2 Jahrzehnten widmet er sich vor allem der geologischen Erforschung des Allgäus.

Bespr.: Deutscher Alpenverein Mitteilungen, 48.Jg.1996,S. 159 top ↑

Wen als Bergsteiger das erdgeschichtliche Gestern seiner Spielwiese interessiert, der hat's im Allgäu schwerer aber auch wieder leichter als andernorts. Schwerer, weil die Vielfalt der Formen und Formationen in kaum einem anderen Teil der Alpen und ihres Vorlandes so verwirrend ist wie hier. Leichter, weil ihm seit nunmehr 30 Jahren ein Leitfaden durchblicken hilft, wie es ihn für manch andere Region nicht gibt. Mit Franz Müller/Udo Scholz "Ehe denn die Berge wurden" war er 1965 erstmals erschienen. Daraus ist 1981 - aus der Feder von Herbert Scholz und seinem damals noch lebenden Vater Udo Scholz - "Das Werden der Allgäuer Landschaft" hervorgegangen; als Neuerscheinung in Heft 5/1981 der DAV-Mitteilungen besprochen. Das sehr erfolgreiche Buch ist seit Jahren vergriffen. Auch hat der lebhafte Fortgang der Forschung die Überarbeitung notwendig gemacht.

Die jetzt vorliegende Arbeit ist mehr als nur eine Neuauflage. Stärker als bisher ist das Alpenvorland einbezogen. Der Aufbau im übrigen wird im wesentlichen beibehalten, sehr vieles aber wird differenzierter behandelt, alles ist aktualisiert. Die zeitnahe wissenschaftliche Arbeit des profilierten Allgäukenners wird sichtbar. Neue Methoden der Radiometrie haben genauere Datierungen ermöglicht, Tiefbohrungen neue Einblicke vermittelt und dabei zum Beispiel für das Allgäu die Deckentheorie bestätigt. Örtliche Hobbygeologen und Mineralogen, mit denen Herbert Scholz engen Kontakt pflegt, haben den Verfasser an ihren Funden teilhaben lassen.

Wieder ist Herbert Scholz der schwierige Spagat zwischen Gemeinverständlichkeit und ausreichender wissenschaftlicher Genauigkeit gut gelungen: Der Laie kommt mit und der Fachmann hat ebensoviel davon. Etliches ist jetzt ausführlicher und mehr verfeinert behandelt als im Vorgängerbuch. Beispiel etwa die Beschreibung des Flyschs. Der "Architektur" der Allgäuer Alpen ist ein stark erweitertes Kapitel gewidmet. Ganz neu ist der Abschnitt über Entwicklung und Bau der Allgäuer Voralpenlandschaft, der besonders deutlich die Handschrift des versierten Quartärgeologen trägt.

Anschauliche Zeichnungen - überwiegend vom Autor selbst und seinem verstorbenen Vater Udo Scholz - verdeutlichen die Texte. Das umfassende Literaturverzeichnis macht denkenswerwerweise jene Arbeiten kenntlich, die ohne spezielle Vorkenntnisse lesbar sind. Beifallswert auch der Hinweis auf einschlägige Museen und Sammlungen.

47 Bildtafeln von überwiegend sehr guter Qualität (Tafel 23 leider seitenverkehrt) beenden den Band.

Ein empfehlenswertes Buch nicht nur für den Bergsteiger. Genußvolle Lektüre aber gerade für ihn, vorausgesetzt er will in der großartigen Allgäuer Landschaft nicht nur klettern und wandern, sondern über sie auch ein klein wenig nachdenken.

Dr. Erich Knoll

Deutscher Alpenverein Mitteilungen, 48.Jg.1996,S. 159

Bespr.: Kosmos 1996 top ↑

Viele Bücher, die sich mit regionaler Geologie befassen, setzen beim Leser entweder einschlägige Vorkenntnisse voraus oder genügen fachlichen Ansprüchen nicht. Ein erfreulicher Kompromiß ist mit dem vorliegenden Führer durch das Allgäu gelungen, der durch den informativen Text und durch zahlreiche Abbildungen und Fototafeln im bestenn Sinne zu einem geologischen Heimatbuch des Alggäus wird.

Für Naturfreunde, Bergsteiger und Geologen, die durch die vielfältige Landschaft wandern, läßt das Buch kaum eine Frage zur Entstehung der Gesteine, Fossilien und Landschaftsformen offen. Über den fundierten Inhalt hinaus ist das Werk dank seiner reichen Illustration auch ein optischer Genuß -- die richtige Einstimmung für einen Urlaub im Allgäu.

Kosmos Mai 1996

Inhaltsverzeichnis top ↑

Vorwort III

1 Einleitung 1
1.1 Ozean und Gebirge 4
1.2 Von der Tethys zu den Alpen 9
2 Entwicklung und Bau der Allgäuer Alpen 13
2.1 Das Erdaltertum im Allgäu 16
2.2 Die Trias im Allgäu 18
2.2.1 Alpiner Buntsandstein 21
2.2.2 Alpiner Muschelkalk 23
2.2.3 Partnachschichten 24
2.2.4 Wettersteinkalk 25
2.2.5 Raibler Schichten 29
2.2.6 Hauptdolomit 31

2.2.7 Plattenkalk 35
2.2.8 Kössener Schichten und Rhätolias-Riffkalk 36
2.2.9 Tethys-Kreuzfahrt 1 40
2.3 Der Jura im Allgäu 41
2.3.1 Bunte Schwellenkalke der Jurazeit 43
2.3.2 Allgäuschichten 48
2.3.3 Radiolarit 54
2.3.4 Aptychenschichten 55
2.3.4.1 Tethys-Kreuzfahrt 2 60
2.4 Die Kreide im Allgäu 61
2.4.1 Die kalkalpine Kreide 63
2.4.1.1 Tannheimer Schichten 63

2.4.1.2 Losensteiner und Branderfleckschichten 64
2.4.1.3 Über den Ablagerungsraum der kalkalpinen Kreide 69
2.4.2 Die Kreide der Aroser Zone
2.4.3 Die Flyschkreide (Rhenodanubischer Flysch) 74

2.4.3.1 Ablagerungsbedingungen des Flysches 76
2.4.3.2 Schichtfolge des Flysches 81

2.4.3.3 Über den Ablagerungsraum des Flysches 85

2.4.4 Die helvetische Kreide 87
2.4.4.1 Älteste Gesteine der helvetischen Schichtfolge 88
2.4.4.2 Tiefste helvetische Unterkreide 89
2.4.4.3 Schrattenkalk und Drusbergschichten 91
2.4.4.4 Garschella-Formation 98
2.4.4.5 Seewerkalk, Leistmergel und Wangschichten 102
2.4.4.6 Die ultrahelvetische Kreide der Liebensteiner Decke 104
2.4.4.7 Über den helvetischen Ablagerungsraum 105
2.4.4.8 Tethys-Kreuzfahrt 3 107
2.5 Das Tertiär im Allgäu 109

2.5.1 Das Alttertiär der Liebensteiner und Feuerstätter Decken 110
2.5.2 Das helvetische Alttertiär 113
2.5.2.1 Nummulitenschichten 113
2.5.2.2 Stadschiefer und Fischschiefer 120
2.6 Die Architektur der Allgäuer Alpen 121
2.6.1 Über tektonische Strukturen in den Allgäuer Alpen 121
2.6.1.1 Deformation und Klüfte 121
2.6.1.2 Faltung und Schieferung 123
2.6.1.3 Störungen, Schuppen und Decken 126
2.6.2 Die tektonischen Baustile im Allgäu 131
2.6.3 Die Entwicklung der Allgäuer Alpen - ein Rückblick 134
2.6.3.1 Trias 136
2.6.3.2 Jura 136
2.6.3.3 Kreide 137
2.6.3.4 Tertiär 140
3 Entwicklung und Bau des Allgäuer Alpenvorlandes 143
3.1 Die tertiären Molassegesteine 144
3.2 Die Schichtfolge der Molasse 145
3.2.1 Über den tieferen Untergrund des Molassebeckens 147
3.2.2 Untere Meeresmolasse 150
3.2.3 Untere Süßwassermolasse und Brackwassermolasse 153
3.2.3.1 Fossilien der Unteren Süßwassermolasse 155
3.2.3.2 Kohle aus dem älteren Teil der Molasse 159
3.2.4 Obere Meeresmolasse 160
3.2.4.1 Schichtfolge und Fossilien der Oberen Meeresmolasse 163
3.2.4.2 Das schwäbische Molassemeer 166
3.2.5 Obere Süßwassermolasse 169
3.2.5.1 Fossilien der Oberen Süßwassermolasse 171
3.2.5.2 Kohle, Eisenerz, Quarz und Gold aus der Oberen Süßwassermolasse 179
3.3 Über die tertiären Flüsse im Molassebecken 181
3.4 Über schwäbische Vulkane und Meteoritenkrater 187
3.5 Die Architektur des Allgäuer Alpenvorlandes 191
4 Das Quartär im Allgäu 197
4.1 Die eiszeitlichen Gletscher 200
4.2 Spuren und Ablagerungen der Eiszeit 203
4.3 Die älteren Kaltzeiten 212
4.3.1 Bildungen der Biber-Kaltzeitengruppe 219
4.3.2 Bildungen der Donau-Kaltzeitengruppe 219

4.3.2.1 Über die Geschichte der Flüsse im Eiszeitalter 222
4.3.3 Bildungen der Günzeiszeit 223
4.3.4 Bildungen der Mindeleiszeit 225
4.3.5 Bildungen der Rißeiszeit 226
4.4 Die älteren Warmzeiten 230
4.5 Die Lebewelt der Kaltzeiten 233
4.6 Die Würmeiszeit 237
4.6.1 Frühglaziale Bildungen der Würmeiszeit 237
4.6.2 Hochwürmglaziale Vorstoßbildungen 238
4.6.3 Hochwürmglaziale Bildungen der Maximalstände 240
4.6.4 Hochwürmglaziale Bildungen des Eisrückzuges 243
4.7 Die ausgehende Würmeiszeit und die Nacheiszeit 250
4.7.1 Menschen im Spätwürmglazial und Holozän 253
4.7.2 Spätwürmglaziale und holozäne Bildungen 255
4.8 Über die Ursachen der Eiszeiten 258
Literatur 261
Bildnachweis 272
Stichwortverzeichnis 273
Bildteil 307