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Maurice Mattauer:

Berge und Gebirge

Werden und Vergehen geologischer Großstrukturen

Übers.: Herbert Voßmerbäumer

[Mountains and mountain ranges: the formation and the demise of large scale geological structures]

1999. 1. Auflage, VIII, 191 Seiten, 93 Abbildungen, 1 Tabelle, 17x24cm, 510 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65184-9, brosch., price: 29.00 €

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Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Maurice Mattauer, Professeur de classe exceptionnelle an der Universität Montpellier, weltweit forschender Strukturgeologe und Lehrer vieler Schüler von Weltruf, wurde 1996 mit der Leopold von Buch-Plakette der Deutschen Geologischen Gesellschaft ausgezeichnet. Er beginnt die Danksagung zu diesem Buch mit einer Zueignung: Diese Seiten sind für die zahlreichen Natur- und Bergfreunde geschrieben worden, die sich für Steine interessieren. Das geschah, weil sie mir unzählige Fragen gestellt haben, und weil sie bei meinen Antworten stets überrascht, bisweilen gar hochgradig verwundert waren. Deshalb habe ich mich entschlossen, ihnen meine ``Sicht der Gebirge'''' zu erklären.

Das Buch wendet sich somit zunächst an Laien und Freunde der Geologie im weiteren Sinne. Dessen ungeachtet, ist es aber auch für junge Studenten der Geowissenschaften, der Geographie, Geologie, Geophysik, Mineralogie, Paläontologie, eine anregende und Begeisterung vermittelnde Darlegung der neuen Dimensionen unserer Disziplin. Aus- und eindrucksvolle Abbildungen fesseln bereits beim Durchblättern. Man liest sich hier ein, dort fest, vor allem wohl in den Kap. 3 bis 5, und kommt erst allmählich zu der Erkenntnis, daß man das Buch eigentlich von vorne nach hinten ``degoustieren'''' soll.

Ein französisches, streckenweise bewußt poetisch gehaltenes, mit seinen zahlreichen Wiederholungen didaktisch wertvolles Werk, dem im deutschen Sprachbereich nichts Vergleichbares gegenübersteht. Eine liebenswerte, informative Darstellung des Abenteuers ``Geologie'''', aus deren regionalen Beispielen sogar mancher etablierte Spezialist hierzulande wertvolle Hinweise und Denkanstöße beziehen kann. Es zeigt, wie spannend moderne Geologie ist und wie wichtig. Unsere Gesellschaft braucht die Geologie. Dieses Buch ist der Beleg dafür.

Besprechung: Schwaben Alpin, 3/99, S. 44 top ↑

10 bis 100 Mio. Jahre sind für den irdischen Maßstab - die Erde ist 4,6 Milliarden alt - eine sehr kurze Zeit. In diesen Zeitspannen gibt es bemerkenswerte, tiefgreifende Veränderungen. Große Ozeane verschwinden, Kontinente kollidieren, Gebirge mit mehr als 5000 m Höhe werden emporgehoben und wieder zerstört: Gebirge können mehrere 100 km weit wandern. Die Entdeckung der Plattentektonik hat die Erdwissenschaften revolutioniert. Sie liefert eine weltumspannende Erklärung für die Wanderung der Kontinente und sie erklärt den Mechanismus, durch den Ozeane entstehen und vergeben. Zugleich bietet sie einen globalen Mechanismus für die Entstehung von Gebirgen, die bei Annäherung und Kollision von Lithosphären-Platten geboren werden.

Der bedeutende französische Geologe Maurice Mattauer hat in diesem Buch das Werden und Vergehen der Kontinente, Ozeane und Gebirge leicht verständlich und packend erklärt, ergänzt mit vielen einprägsamen Abbildungen. Die deutsche Übersetzung stammt von dem bekannten Würzburger Geologen Prof. Dr. Herbert Voßmerbäumer.

Ein packendes Buch über das Entstehen der Gebirge -- schreibt der Verlag. Ein Krimi ist es nicht, bestimmt aber eine anschauliche und lesbare Darstellung für den Laien auf seinem fürwahr steinigen Weg zum Verstehen.

"Schwaben Alpin", 3/99, S. 44

Besprechung: Mitt. Höhlen u. Karstf. 45(3),1999 top ↑

Auch wenn es so aussieht, als würden sie ewig stehen: Auch die Gebirge der Erde haben nur eine begrenzte Existenzdauer auf unserem Planeten. Die Prozesse, die zur Entstehung und zur Abtragung von Gebirgen führen, sind sehr vielgestaltig. Sichtbar werden sie erst, wenn man die geologischen Großstrukturen mit geologischen ZeitmaBstäben betrachtet. Dann wird deutlich, welche Dynamik und Beweglichkeit in den uns normalerweise bewegungslos erscheinenden Felsmassen steckt.

In seinem Buch "Berge und Gebirge. Werden und Vergehen geologischer Großstruckturen" lädt der Autor, Geologieprofessor an der Universität von Montpellier, den Leser ein, teilzuhaben an dem geologischem Wissen um Berge und Gebirge. Ein leichtverständlicher und sehr anschaulich geschriebener Text, illustriert durch zahlreiche SW-Abbildungen (Zeichnungen und Karten) erklärt alles, was notwendig ist, um die Veränderungen zu erkennen und zu verstehen, die junge und alte Gebirge in ihrer Geschichte erfahren haben. Dazu gehören z.B. die Plattentektonik, der Motor der Gebirgsbildung. Auf über 60 Seiten kann der Leser außerdem einen geologischen Streifzug durch verschiedenen Gebirge der Erde unternehmen und erhält so ganz spezielle Informationen. Abgerundet wird das sehr empfehlenswerte Buch durch eine kleines Lexikon der wichtigsten Fachbegriffe.

Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher 45(3), 1999
Wilfried Rosendahl

Bespr.: Hydrologie und Wasserbewirtsch. 44, S. 60 (2000) top ↑

"Diese Seiten sind für die zahlreichen Natur- und Bergfreunde geschrieben worden, die sich für Steine interessieren...", so formulierte der Verfasser in einer Art Vorwort. Damit zeigt er bereits den unkonventionellen Charakter des Buches an und fährt dann mit den zwei Kapiteln "Das Gebirge, eine Leidenschaft" (Der Geologe ist zunächst einmal ein Liebhaber des Gebirges - S. 96) und "Geologische Forschungen im Gebirge" fort. Es folgen insgesamt zwei große Teile (Hilfsmittel auf dem Wege zur Erkenntnis - 84 Seiten - und Geologische Streifzüge - 85 Seiten), die in fünf Kapitel (3+2) mit zahlreichen Abschnitten aufgeteilt werden. Ein Literatur- und Sachverzeichnis ist nicht vorhanden jedoch ein mehrseitiges, vielleicht nicht ganz erschöpfendes Lexikon, welches eine Anzahl der wichtigsten verwendeten geologischen Fachausdrücke näher erläutert.
Diese Anordnung lässt auf einen eigenwilligen, nicht streng an das gebräuchliche Procedere der etablierten wissenschaftlichen Darstellung gebundenen Autor schließen, was aber nicht schon deshalb ein Nachteil zu sein braucht. Vorteilhaft zeichnet sich andererseits de lockere, durchgehend erzählende Stil nebst sehr belebenden Elementen aus, ergänzt durch vorzügliche, das Verständnis vor allem des Laien erst ermöglichende Zeichnungen, und der "Charme" der Darstellung ist offensichtlich bei der Übersetzung aus dem Französischen erhalten geblieben - ein Plädoyer also für den Geologen und seine Welt nach dem Motto: Das, was die Astronauten auf dem Mond suchten, was die Raumsonden vom Planeten Mars berichtet haben, das kann jedermann ganz einfach auf der Erde sammeln. Nun: ganz so einfach ist es nicht, wie sich später erweisen wird.
Im ersten großen Teil verwirklicht der Autor seine Absicht, auch für den Laien verständlich "einige unverzichtbare Grundlagen der Geologie zu vermitteln". Dazu verwendet er die ersten drei Kapitel: Grundbegriffe irdischer Mechanik; Die erstaunlichen Entdeckungen des Geologen; Die Vielfalt der Gebirge. Sehr klar werden die Grundlagen, die sog. Platten-Tektonik, hervorgehoben, das heißt, alle Gebirge gehen auf gleiche Ereignisse zurück, die Kollision von Platten. Des Weiteren das Wandern der Gebirge, die Strukturtypen, die Bildung von Mineralen und Metamorphiten, die ständig weitergehende Bewegung der Platten (Kontinente und Ozeane) und der Erosion.
Globale Betrachtungen der Bildungsmechanismen führten sodann vor allem zu dem Typ des alpidischen Gürtels (junge Faltengebirge Europas und Asiens) und den amerikanischen Kordilleren. Es wird betont, dass der tektonisch arbeitende Geologe zur Aufstellung seiner Synthesen oft auch die Zuarbeit der Biologen, Chemiker, Physiker und komplexer Rechenmethoden bedarf.
Mit diesem Wissen gestärkt wird der Leser im zweiten Teil durch die französischen Gebirge: die Alpen, die Pyrenäen und die variszischen Gebirge (Kap. 4), geführt - eine Reise, in die autobiographische Momente eingeflossen sind (s. Vogesen).
Weitere große Gebirge der Erde: Anden, Himalaya und Tibet, das kanadische Felsengebirge und das Kaiser-Qin-Gebirge (Kap. 5) führen die "Geologischen Streifzüge", immer unter Berücksichtigung der Beobachtungen des Verf., unter besonders schwierigen Bedingungen fort. Schlussendlich wird auf knapp 4 Seiten eine gänzlich neue Sicht auf die Stadt und deren "Gesteine" eröffnet. Es bleibt hervorzuheben, dass es der souveränen Art des Autors, seinem umfassenden Wissen dazu offenbar gelingt, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in didaktisch ausgezeichneter Weise selbst dem nicht immer fachkundigen Leser näher zu bringen.
H. Hellmann, Koblenz
Hydrologie und Wasserbewirtsch. 44, S. 60 (2000)

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Das Gebirge, eine Leidenschaft 1
Geologische Forschungen im Gebirge 5
Von der Beobachtung zum Nachdenken 5
Die Archäologie der Gesteine 5
Vom Wechsel der Landschaften 6
Auf der Suche nach der Zeit 7
Das Verstehen der Botschaften 8
Die Architektur des Gebirges 9
Wie es gewesen ist 9
Der Strukturgeologe 9
Hilfsmittel auf dem Wege zur Erkenntnis
I. Grundbegriffe irdischer Mechanik 13
Die Verschiebungen der Erdkruste 13
Ein einfacher Versuch 16
Die Platten und die Störungen 18
Das Studium von Erdbeben oder alter Bewegungen 21
Die gegenwärtigen Plattenbewegungen 22
Die geologische Vergangenheit 22
Man kann den Gang der Erde voraussagen 22
Echte und falsche Gebirge 23
Über erstaunliche Untersuchungsverfahren 25
II. Die erstaunlichen Entdeckungen des Geologen 29
Der Spürsinn des Geologen 29
Mit Blick vom Atom zum Kilometer 30
Ein Gebirge durchsuchen 30
Wie ein Bulldozer 31
Die geologischen Karten 33
Die biologische Uhr 34
Die "Atomuhr" oder die Geochronologie 36
Glücksumstände bei der Erkundung 37
Gesteinssammlungen 38
Das Lesen von Landschaften 38
Die Analyse von Verformungen 41
Verwerfungen und Brüche 42
Die Faltung 46
Verschiebung von Gesteinen: kleine und große Überschiebungen 50
Drucke und Temperaturen 52
Schicksale der Gesteine 52
Die Tiefe 53
Der Druck 53
Die Temperatur 55
Die kleinen Verformungen: Mikrogefüge 56
Stylolithen oder Drucklösung 57
Die Botschaft des Dachschiefers 57
Von der Kugel zum Ellipsoid 58
Von der Gefügekunde zur Ästhetik 59
Eine großartige Architektur 61
Architektonische Grundmotive (Der Fächer - Die Überschiebung -
Die Blattverschiebung Die zusammengesetzten Gebäude) 62
Die geologischen Baustile 63
Die tiefen Stockwerke des Gebäudes 64
Wiederbelebte Tektonik 65
Diskordanzen und Diskontinuitäten 65
Die wesentlichen Ereignisse im Leben eines Gebirges 66
Rekonstruktion der Kontinentalverschiebung 68
III. Vielfalt der Gebirge 71
Die jungen Gebirge und ihre Mechanismen 71
Der alpidische Gürtel 71
Die amerikanischen Kordilleren 72
Das westpazifische System: Gebirge über und unter dem Meer 73
Intraplatten-Deformationen 74
Subduktionsgebirge: der Ozean taucht unter den Kontinent ab 74
Der andine Typ 76
Die sedimentären Wülste untermeerischer Gebirge 78
Die Subduktionen in Ozeanen unter Kompression 79
Die teilweise subaquatischen Gebirge 81
Obduktionsgebirge: der Ozean klettert auf den Kontinent 82
Die Kollisionsgebirge oder der Zusammenstoß von Kontinenten 84
Die Zeugen der Kollision 84
Der Himalaya 86
Große und kleine Kollisionen 88
Die schrägen Kollisionen 89
Die intrakontinentalen Gebirge 89
Ihre Bildung 89
Gebirge über Becken 90
Gebirge über Blattverschiebungen 91
Die Subduktionen im Inneren von Kontinenten 92
Zusammengesetzte Gebirge 92
Geologische Streifzüge
IV. Die französischen Gebirge 99
Die Vogesen 99
Die Oberrhein-Ebene 99
Eine Störung tertiären Alters 100
Das Bruchfeld von Sentheim 102
Wälder und Vulkane vor Hunderten von Millionen Jahren 103
Der große variszische Umbruch 104
Die Blaue Linie der Vogesen 105
Der Oberrheingraben 106
Die Alpen 107
Der Mont Blanc, der aus der Tiefe kam 109
Die gestreckten Fossilien am Fuße der Meije 112
Die Berge, die von irgendwoher kamen 114
Die Kalkschollen des Brianconnais 116
Der Mt. Viso: ein vom Himmel gefallener Ozeanboden 118
Das Matterhorn: ein Stück von einem driftenden Kontinent 120
Ein Auge aus weißem Marmor mit Blick auf den Monte Rosa 123
Die Pyrenäen 125
Die Falten unter dem Flachland 126
Die ersten Vorberge 126
Das alte Gebirge der Zentralzone 127
Die Decke von Gavarnie 127
Aufstieg in die Tiefen 129
Unter dem Mittelmeer 132
Das variszische Gebirge in Frankreich - Streifzüge auf altem Untergrund 134
Die überkippte Schichtenfolge der Montagne Noire 136
Die Cevennen: ein Schieferstapel 139
Die variszischen Faltungen in den Pyrenäen 140
Die Glimmerschiefer am Meer 141
Die alten Ozeane auf den Weiden des französischen Zentralmassivs 142
V. Die großen Gebirge der Erde 145
Die Anden 145
Die pazifische Seite der Anden 146
Die West-Kordillere 148
Eine vulkanische Hochebene 149
Zu Fuß von Cuzco nach Macchu-Pichu 150
La Paz und der Altiplano 151
Abstieg in den Regenwald 151
Die Weiße Kordillere 153
Vom Himalaya nach Tibet 155
In der Höhe der Götter: Annäherung an die 8848 Meter des
Tschomolungma (alias Everest) 157
Die aufgeheizten und geschmolzenen Gesteine des hohen Gebirges 158
Die beeindruckendste Überschiebung der Erde 159
Die von oben gekommenen Berge von Katmandu 160
In den Falten des Annapurna 161
Der Yalung-Tsangpo - oder die Narbenzone Asiens 164
Entdeckung der Anden bei Lhasa 164
Von tropischen Hochwäldern 165
Das kanadische Felsengebirge 166
Die transkanadische Autobahn 169
Das Kaiser-Qin-Gebirge 173
Die seismische Ebene von Xian 174
Die 2,5 Milliarden Jahre alten Gesteine von Nord-China 175
Ein altes Gebirge und ein alter Ozean 176
Eine gigantische Blattverschiebung 176
Ein außergewöhnlicher Faltenzug in Südchina 177
Der lange Marsch der Kontinente Chinas 178
Gesteine in der Stadt 181
Lexikon 185