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Peter Leins:

Blüte und Frucht

Aspekte der Morphologie, Entwicklungsgeschichte, Phylogenie, Funktion und Ökologie

Mitarb.: Claudia Erbar

[Flowers and Fruits: Their Morphology, Evolution, Phylogeny, Function and Ecology]

2000. IX, 390 Seiten, 244 Abbildungen, 3 Tabellen, 17x24cm, 950 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65194-8, brosch.

out of stock - new edition available

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Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Einen faszinierenden Blick in die unerschöpfliche Vielfalt der Blüten und der sich aus ihnen entwickelnden Früchte bietet dieses Buch. Phylogenetische, funktionelle und ökologische Fragestellungen werden auf der Grundlage der Morphologie und Entwicklungsgeschichte behandelt: von spiraligen zu zyklischen Blüten - die Blütenorgane - Prozesse, die die Blüten als Werkstätten der Blütenpflanzen- Evolution ausweisen - Verhinderung bzw. Einschränkung von Inzucht - Pollen- und Samenportionierung - Vernetzung von Faktoren der Blüten- und Fruchtfunktionen - Anpassungen an den Pollen- und Samentransport- Betrug als eine Strategie der Blumenbestäubung - Muster der Samenausbreitung u.a.m.
Der Text wird ergänzt durch zahlreiche übersichtliche, großenteils vom Autor stammende Zeichnungen und Fotos.

Das Buch richtet sich an Botaniker, Studenten der Biologie, Lehrer und Pflanzenfreunde.

Bespr.: Natur und Museum top ↑

Wie im Untertitel angedeutet, werden in diesem Buch ganz verschiedene Fragestellungen, Blüte und Frucht betreffend, zusammenfassend dargestellt. Am Anfang steht natürlich der Aufbau und die Entwicklung der Blüten, mit zahlreichen rasterelektronenmikroskopischen Aufnahmen illustriert und erläutert. Mehr als die Hälfte des Buches ist aber der Funktion und Ökologie gewidmet - Senckenmitgliedern und -Besuchern wird noch die interessante, kürzlich gezeigte Sonderausstellung über "Blütenökologie" in Erinnerung sein, sie zeigte nur einen kleinen Ausschnitt aus diesem faszinierenden Gebiet, das im Buch in vielen Aspekten vorgestellt wird. So wird ausführlich über die sonst kaum beachtete Frage der Ökonomie der Pollenverteilung geschrieben. Das gleiche gilt für Probleme der Fruchtausbreitung. Bei der Vielzahl der angesprochenen Aspekte kann keine Vollständigkeit erreicht werden, wenn man nicht ein dickes Handbuch verfassen will. So wird manches nur angerissen wie z.B. der genetische Ansatz. Jeder Abschnitt enthält am Ende Hinweise auf weiterführende Literatur, die in Auswahl (immerhin 13 Seiten) am Buchende zusammengefaßt ist. Ein ausführliches System der Blütenpflanzen (30 Seiten) beschließt den Text. Es basiert auf den neueren Erkenntnissen. Die Liliatae (Monocotyledonae) werden innerhalb der Magnoliatae eingeordnet, die alten Zweikeimblättler sind also in zwei Gruppen getrennt. Das Thema ist interessant dargestellt und reich - allerdings nur schwarzweiß- bebildert. Gerade wegen der unterschiedlichen ökologischen Aspekte wird das Buch nicht nur Fachwissenschaftler und Studierende ansprechen, sondern auch die Pflanzenfreunde.
Kurt Baumann
"Natur und Museum"

Bespr.: ekz-Informationsdienst 07/2000 top ↑

Baupläne, Entwicklung, Stammesgeschichte, Funktion und Ökologie der Blüten und der sich daraus entwickelten Früchte werden umfassend und sehr anschaulich auf Hochschulniveau dargestellt, z.B. verschiedene Blüten- und Fruchttypen, Wachstum und Abgrenzung einzelner Organe, Anpassung an die Befruchtung und Ausbreitung der Samen durch Wind, Tiere und Wasser. Die Anschaulichkeit beruht vor allem auf den vielen Schwarz-Weiß-Fotos, Mikrofotos und Zeichnungen.

Sehr gute Ergänzung zum botanischen Großpraktikum, also vor allem für Biologiestudenten ab mittleren Semestern geeignet, die mit mikroskopischen Strukturen vertraut sind. Für Öffentliche Bibliotheken breiter einsetzbar ist D. Heß "Die Blüte" (zuletzt BA 9/91), dort als -konkurrenzloses Standardwerk- bezeichnet und der Fotobildband "Wundersame Verwandlungen" von C. Nuridsany (ID 44/98). (3)

Enderle

ekz-Informationsdienst 07/2000

Rev.: Nova Hedwigia, vol. 71, no. 1-2, p. 266/267 top ↑

Mit dem Werk "Blüte und Frucht" liegt nun eine zusammenfassende Darstellung der Morphologie, Entwicklungsgeschichte, Phylogenie, Funktion und Ökologie von Blüte und Frucht vor. Eine vergleichbare Darstellung dieses Komplexes gibt es nicht. Es ist ein Buch, das auf einem breiten Verständnis von Botanik aufbaut: Fest verwurzelt im Basiswissen wird ein Themenkreis in einer kompakten, überschaubaren und inhaltsreichen Form dargestellt.

Wichtige Kapitel in diesem Buch sind u.a.: die Angiospermen-Blüte, der genetische Ansatz, Organe der Blüte, Blütensymmetrie, Perianth, Androeceum, Gynoeceum, Blütenachse, Blütendiagramme, Blütenfunktionen, Blüten und ihre Pollenvermittler, Muster der Samenausbreitung, Möglichkeiten der Diasporenausbreitung und ein System der Blütenpflanzen. Mit einer Literaturauswahl wird das Werk abgeschlossen. Die große Anzahl an Abbildungen erhöht ganz wesentlich den Informationsgehalt. Dabei sind die Strichzeichnungen und rasterelektronenmikroskopischen Abbildungen als qualitativ hochwertig einzustufen, während einige der Makrophotos dagegen leider qualitativ abfallen. Ganz entschieden muß die sehr große Anzahl von Originalabbildungen hervorgehoben werden.

Das Werk ist klassisch aufgebaut. Leider vermißt man moderne populationsbiologische Aspekte. Trotzdem stellt es eine sehr gelungene Darstellung des Themenkomplexes dar, und wer sich mit Blüte und Frucht beschäftigt, wird sicher dieses Buch zur Hand nehmen.

W. FREY, Berlin

Nova Hedwigia, vol. 71, no. 1-2, p. 266/267

Bespr: Bot.Jahrbücher 122,4 (2000) top ↑

Blüte und Frucht sind nach wie vor die für die Verwandtschaftsforschung bei den Angiospermen wichtigsten Organe, denn sie bieten mit ihrem oft komplizierten Aufbau eine große Fülle von für die Systematik wichtigen Merkmalen. Der in erster Linie als Blütenmorphologe bekannte Autor des jetzt vorliegenden Buches zu diesem Thema, Peter Leins, hat sich -- zusammen mit seinen Schülern und Mitarbeitern -- in den letzten Jahren zunehmend mit den Zusammenhängen zwischen der Morphologie der Blüten und Früchte und deren Biologie bzw. Ökologie beschäftigt. Diese Forschungsaktivitäten führten dazu, daß die rein morphologischen Aspekte deutlich in den Hintergrund treten. Der Autor stellt "die Werkstatt der Blütenpflanzen-Evolution, die Blüte und die sich aus ihr entwickelnde Frucht, in den Mittelpunkt ..."

Das Buch, das unter Mitarbeit von Leins' Schülerin und langjährigen Mitarbeiterin Claudia Erbar entstand, ist im wesentlichen in drei Abschnitte gegliedert. Der umfangreichste erste Abschnitt ist der Morphologie der Blüten gewidmet, wobei die durch viele ausgezeichnete REM-Aufnahmen illustrierte Entwicklungsgeschichte der einzelnen Organbereiche die Grundlage bildet - nicht zufällig ist das Buch dem großen französischen Blütenmorphologen J.-P. Payer gewidmet, der als erster die Bedeutung der Ontogenese für das Verständnis komplizierter Blütenstrukturen erkannte. Nach einigen "Gedanken zur Entstehung und Bedeutung der Blüte im Lebenszyklus der Pflanzen", einer kurzen Darstellung der neuesten Vorstellungen zur Morphogenese der Blüten und allgemeinen Ausführungen über Organzahl und Organstellung in den Blüten wird die Morphologie in der üblichen Reihenfolge der Organkreise von außen nach innen behandelt. Spätestens bei der Behandlung des Androeceums wird klar, daß Leins nicht die klassische Blütentheorie von der Sproßnatur der Blüte vertritt, nach der alle Blütenorgane abgewandelte Blätter sind. Er meidet den Terminus Staubblatt und verwendet für die Stamina nur das (altbekannte) Wort Staubgefäße. Vielleicht wäre hier ein Hinweis auf die Verwendung des Wortes Staubblatt in vielen anderen Lehrbüchern in einer Fußnote angebracht gewesen. Neben der klaren und anschaulichen Schilderung der manchmal recht komplizierten Strukturen, werden immer wieder Überlegungen zur Bedeutung bestimmter Ausbildungsformen für die Evolution eingeflochten, wie beispielsweise über das "Erfolgskonzept" Coenokarpie. Eingehend werden auch die becherförmigen Bildungen und die Entstehung der unterständigen Fruchtknoten ("Hypanthialovarien") sowie die Nektarorgane behandelt. Zum Abschluß des morphologischen Abschnittes werden die Blütenstandsformen ganz kurz erläutert.

Im zweiten, nur wenig kürzeren Abschnitt werden zunächst Anpassungen der Blüten an ihre wichtigen Funktionen dargestellt: das Zwitterblumenproblem, ökonomischer Umgang mit dem Pollen, Pollenportionierung und Pollenpräsentation etc. Danach geht es um die Coadaptationen der Blüten und ihrer Pollenvermittler u.a. um die Anpassungssyndrome der Wind-, Wasser- und Tierblütigkeit, bis hin zum Betrug als Strategie der Bestäubung. Dieser Abschnitt enthält viele Beispiele von Coevolution mit faszinierenden Details.

Der dritte Teil ist der Frucht (Blüte zur Zeit der Samenreife) gewidmet. Nach der Behandlung der Entwicklung und des Baues der Samen folgt eine detaillierte Klassifikation der Früchte, wobei der Autor einzelne Begriffe verwirft (Achaene für Asteraceenfrüchte) oder anders als üblich deutet (Apfelfrucht als Steinfrucht, nicht als Sammelbalgfrucht). Abschließend werden die Möglichkeiten und Muster der Diasporenausbreitung unter Berücksichtigung neuester, auch experimenteller Untersuchungen und die Anpassungen an die ausbreitenden Agenzien mit zum Teil sehr eingehend beschriebenen Einzelbeispielen und Vergleichen zwischen verwandten Fruchtformen. Den Schluß bildet die Darstellung der Mechanismen zur effektiven Autochorie.

Danach findet man in einem Anhang ein "System der Blütenpflanzen zur Einordnung der im Text erwähnten Taxa", mit Angabe der jeweils wichtigsten Merkmale und, bei den Familien, mit Zahl der Gattungen und Arten. Dazu heißt es im Vorwort treffend: "Pflanzensysteme sind auch heute noch - und gerade heute - nur Arbeitshypothesen. In dem hier dargebotenen System wird versucht, eine Brücke zu schlagen zwischen den gewohnten "klassischen Systemen und den auf der Grundlage molekularer Daten neu gefaßten Systemvorschlägen".

Literaturzitate im Text werden durchgehend vermieden, wodurch der flüssig geschriebene Text nicht unnötig belastet wird. Dafür wird am Ende der einzelnen Kapitel eine Auswahl weiterführender Literatur in Kurzform zitiert. Das am Ende des Bandes stehende Literaturverzeichnis umfaßt immerhin 12,5 Seiten. Den Abschluß des Buches bildet ein sorgfältig erstelltes Register.

Das insgesamt reich illustrierte Buch ist vorbildlich redigiert, Druck und Einband - wenn auch flexibel - von ausgezeichneter Qualität. Schade ist nur, daß die - wie man aus anderen Publikationen des Autors weiß - vorzüglichen Farbbilder aus Kostengründen nur schwarz-weiß gedruckt wurden, was nicht nur die Attraktivität (vgl. Abb. 147 mit dem Farbbild des Einbandes) sondern manchmal auch den Informationsgehalt der Illustrationen beeinträchtigt. Zusammenfassend kann man dem faszinierenden und zu eigenen Beobachtungen und Überlegungen anregenden Buch nur wünschen, daß es bei allen Zielgruppen - Botanikern, Biologiestudenten, Lehrern und Pflanzenfreunden - eine weite Verbreitung finden möge.

Paul Hiepko, Berlin (Botanische Jahrbücher)

Bespr. Phytocoenologia (2001, N.N) top ↑

Der Verfasser, der sich seit vielen Jahren insbesondere mit der Entwicklungsgeschichte der Blüte beschäftigt, legt hier ein ebenso umfassendes wie faszinierendes Buch "rund um Blüte und Frucht" vor. Nach einleitenden Bemerkungen zur "Entstehung und Bedeutung der Blüte im Lebenszyklus der Pflanzen" sowie zum differentiellen Wachstum und zur Organabgrenzung werden zunächst Organzahl und Organstellung in spiraligen (schraubigen) und zyklischen Blüten dargestellt. Hier erscheinen zum ersten Mal in diesem Buch die berühmt gewordenen REM-Bilder des Verfassers und seiner Mitarbeiterin Claudia Erbar an denen vor allem der Ubergang von schraubig zu zyklisch bei den verschiedenen Teilen der Blüte sichtbar wird. Ausführlich wird dann zum Perianth, zum Androeceum, zum Gynoeccum und zur Blütenachse Stellung genommen, stets illustriert mit Fotos histologischer Schnitte, mit Schemata und eben wieder mit vorzüglichen REM-Bildern.

Nach jedem Abschnitt folgen Hinweise auf wichtige weiterführende Literatur, die auch die neuesten Arbeiten berücksichtigen. Ein weiterer Höhepunkt in Darstellung und Illustration ist das Kapitel «Nektarien». Ein zweiter großer Abschnitt beschäftigt sich mit den "wichtigen Blütenfunktionen" und den "diesbezüglichen Anpassungen" und beschreibt das spannende Feld der Blütenökologie. Wichtig ist dabei, daß zunächst so grundsätzliche Fragen wie Verhinderung der Selbstbestäubung und der Selbstbefruchtung angesprochen werden, jeweils mit ausgezeichnet ausgewählten Beispielen. In dieser Art und so umfassend sicher zum ersten Mal dargestellt ist das Problem der «Pollenportionierung», das sehr eng mit der sich entwik-kelnden Bestäubungssicherheit zusammenhängt. Das darauffolgende Kapitel "Blüten und ihre Pollenvermittler" ist eine klassische Darstellung der Koadaptationen im Bereich Blüten und Bestäuber, in der vor allem die "Anpassungssyndrome der Blumen" in übersichtlichen Tabellen zu Zoophilie-Syndrom (mit Unterteilung in die verschiedenen Tiergruppen), Anemophilie-Syndrom und Hydrophilie-Syndrom dargestellt sind. Auch zu diesem Kapitel sind sehr eindrucksvolle Illustrationen beigegeben, wobei die Qualität der Fotos schwankt, was mit dem vermutlich verwendeten Scanning-Verfahren zusammenhängt.

Das letzte Kapitel "Die Blüte zur Zeit der Samenreife" versucht, den Komplex Diasporenbildung und -ausbreitung gegliedert und logisch konsequent darzustellen, wobei neben lange Bekanntem auch zahlreiche neue Erkenntnisse insbesondere aus den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler von Leins eingefügt sind, z.B. die Untersuchungen zum Samenausbreitungsmuster mit zunehmenden Windgeschwindigkeiten im Windkanalexperiment. Zum besseren Zurechtfinden wird am Ende des Buches eine Ubersicht über das System der Blütenpflanzen gegeben, das - wie der Verfasser in seinem Vorwort betont - lediglich als Arbeitshypothese verwendet werden kann.

Insgesamt liegt ein flüssig und spannend zu lesendes Buch über das Thema von Blüte und Frucht vor, das Bewährtes und Neues didaktisch geschickt darstellt, verwendete Begriffe sauber klärt und die Beipiele umfassend illustriert. Im Vorwort schreiet der Verfasser: "Dieses Buch soll nicht nur den Studenten, den Lehrern an Gymnasien und anderen Schulen und vielleicht auch den sich mit der Biodiversität befassenden Kollegen dienlich sein, sondern auch den interessierten Laien in ein faszinierendes Stück Biologie "zum Anfassen" einführen." Alle die hier Genannten sollten zu diesem Buch greifen. Sie werden nicht nur nicht enttäuscht sondern begeistert sein

Dieter Vogellehner, Freiburg i.Br.

Bespr.: Gleditschia 28 (2000), 1-2, S. 144/145 top ↑

Dieses Werk ist von allen Fachkollegen, die um seine langjährige Entstehung wussten, mit großer Spannung erwartet worden. Kannte man doch den Autor als einen streitbaren Experten, der in zahllosen Publikationen unermüdlich gegen histonsch gewachsene, aber unbeweisbare Hypothesen und Spekulationen über Blütenstrukturen zu Felde zog und zu Recht verärgert war, wenn diese "alten Zöpfe' dennoch immer wieder in den neuen Auflagen der botanischen Lehrbücher auftauchten. Im vorliegenden Buch sind nun alle diese Forschungsergebnisse summiert. Sein besonderer Wert liegt in der detaillierten Darstellung der Ontogenie der Blütenorgane (mit ausgezeichneten rasterelektronenmikroskopischen Abbildungen illustriert), welche Aufschluss über die spezifischen Wachstumsprozesse gibt, die letztendlich die ungeheure Mannigfalt der Blütenstrukturen bedingen. Dies anschaulich und verständlich dargestellt zu haben, ohne Zuflucht zu theoretischen Konstrukten wie "Verwachsungs-", "Stauchungs-" und ähnlichen Prozessen zu nehmen, ist das große Verdienst des Autors. Als Beispiel seien die unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten der Blütenachse herausgegriffen, die zur Bildung eines Cynophors, Androgynophors, Anthophors, Stamen-Corollentubus, Kelch-Kronbechers oder Hypanthiums befähigt ist. Alle diese Strukturen entstehen durch die Artigkeit unterschiedlicher lokalisierten interkalareanlagen. Damit geht u. U. eine Proportionsänderung der Organe einher, wie bei den Karpellen im unterständigen Gynoeceum, deren Insertionsflächen gedehnt werden, während ihre Rückenpartien kurz bleiben. Dieses plausible Beispiel für das TROLLSCHE "Prinzip der variablen Proportionen" vermiest man in den gängigen Lehrbüchern, die stattdessen bis heute das unterständige Gynoeceum als Produkt einer hypothetischen "kongenitalen" Verwachsung von Karpellrücken und Blütenachse interpretieren.

Ausführlich wird auf blütenbiologische Aspekte und Coadaptationen zwischen Blumen und Bestäubern eingegangen. Hier ist zutiefst zu bedauern dass die informativen Blütenfotos nicht farbig sind aber das hätte den Preis des Buches wohl zu sehr angehoben. Auch die Fruchtklassifikation und die Ausbreitungsbiologie der Diasporen werden detailliert abgehandelt. Am Schluss jedes Kapitels findet sich eine umfangreiche Auswahl weiterführender Literatur. Der Anhang bietet ein System der Blütenpflanzen, das sich allerdings nur auf die Angiospermen bezieht und lediglich die im Text erwähnten Sippen umfasst. Dadurch vermiest man einige bekannte, aber nicht behandelte Familien (z. B. Sterculiaceae) sowie Informationen zu ihrer Blütenstruktur. Verbreitung und Gattungs-/Artenzahl, die für die besprochenen Familien gegeben werden. Das System wird bewusst als ."Arbeitshypothese" deklariert und versucht einen Kompromiss zwischen den klassischen, auf morphologischen Merkmalen basierenden Systemen und solchen, die auf molekularen Daten beruhen. Die Gliederung lehnt sich weitgehend an die klassischen Systeme an. wobei auf abweichende Positionen einzelner Sippen auf Grund molekularer Merkmale hingewiesen wird (beispielsweise wird die Unterklasse Hamamelidae noch aufgeführt, aber ihre wahrscheinliche Polyphylie hervorgehoben).

Zwei Abschnitte des Buches empfindet die Rezensentin als nicht völlig befriedigend. Zum einen ist das die Einführung in das Thema, in der - viel zu kurz! - über die Phylogenie der Angiospermenblüte reflektiert wird. Der Untertitel des Buches assoziiert da wesentlich mehr Information. Leider werden die neueren, hochinteressanten Funde winziger Angiospermenblüten aus der Unterkreide nur gestreift und lediglich die zwitterblutigen, aber nacktsämigen Bennettitatae (fälschlich "Bennittitatae", p. 5 und Register) als fossile Vorläufer mit fraglicher Verwandtschaft diskutiert. Die verschiedenen Pseudanthientheorien, die die Einzelblüten rezenter Angiospermen als Kondensationsprodukte von Infloreszenzen mit eingeschlechtigen Blüten deuten (wofür es paläobotanische Hinweise gibt) werden nicht erwähnt. Stattdessen wird der Begriff "Pseudanthium" auf rezente Blütenstände, die eine Einzelblüte imitieren, angewendet; um Fehlassoziationen zu vermeiden, ist dafür aber der Begriff "Anthodium" vorgeschlagen worden. - Zum anderen ist das kurze, den Blütenstandsformen gewidmete Kapitel nicht sehr eingängig, was inbesondere die Erläuterung der cymösen Verzweigung betrifft. Abgesehen von dem nicht geläufigen Terminus "Vorblatt-lnfloreszenzen" für cymöse Strukturen wird nicht deutlich, dass die Begriffe "Dichasium" und "Monochasium" (Wickel, Schraubel, Fächel) nur Teilblütenstände eines offenen Thyrsus bzw. geschlossenen Thyrsoids bezeichnen und nicht die gesamte Infloreszenz.

Viele Termini werden in kurzen Fußnoten erläutert. Einige gängige Begriffe kann man jedoch nicht nachschlagen; auch sie wären eine Fußnote wert gewesen (selbst wenn der Autor sie für nicht eindeutig oder überflüssig halten mag) - das betrifft z. B. "Polyandrie (primäre und sekundäre)", "Adelphien", "synkarpe" und "parakarpe" Gynoeceen, "Sammelfrucht", "Stachyosporie" versus "Phyllosporie". Dass Samenanlagen achsenbürtig sein können, wird schlicht konstatiert, es findet sich kein Hinweis auf die heißen, überwiegend ablehnenden Debatten, die um diese Möglichkeit seit dem vorigen Jahrhundert geführt worden sind. Stilistisch vorteilhaft wäre es, wenn bestimmte Begriffe im gesamten Text einheitlich geschrieben würden, z. B. entweder "Ovarium" oder "Ovar" "Ontogenie" oder "Ontogenese"; zum Substantiv "Skulpturierung" (p. 208) gibt es die Adjektive "skulptiert" (p. 152, 213) und "skulpiert" (p. 207) "skulpturiert" wäre logischer. Druckfehler finden sich erfreulicherweise äußerst selten, zu erwähnen wäre Rhynchosia "phaselioides" anstelle "phaseoloides" (p. 307). Abb. 101c zeigt nicht Galanthus nivolis, sondern G. elwesii.

Das Buch wendet sich vorrangig an Studenten und Lehrende, und diesen kann es nur wärmstens empfohlen werden. Die Lektüre bringt auf den modernsten Stand der funktionellen Blütenmorphologie. Aber auch für den bolanisch vorgebildeten Laien erschließen sich faszinierende Aspekte der pflanzlichen Reproduktion, die zudem verständlich erklärt und exzellent illustriert werden. Dafür ist der Preis keineswegs zu hoch.

C. BRÜCKNER, Berlin

Gleditschia 28 (2000), 1-2, S. 144/145

Bespr.: Hoppea Bd. 61, 2000, S. 857 top ↑

Das Buch bietet einen faszinierenden Blick in die Vielfalt der Blüten und der sich aus ihnen entwickelnden Früchte. Es gewinnt dabei wesentlich durch eine große Zahl hervorragender Bilder, mit elektronenmikroskopischer, mikroskopischer und makroskopischer Auflösung.

Das Anliegen des Autors ist es, Zusammenhänge zwischen Morphologie und Entwicklungsgeschichte, Funktion und Ökologie sowohl der Blüten als auch der Früchte der Angiospermen aufzuzeigen. Als spezielle Fragestellungen werden z. B. behandelt: die Entwicklung von spiraligen zu zyklichen Blüten, Ausbildung und Entwicklung von Perianth, Androeceum, Gynoeceum, Blütenachse und Nektarien, Blütenfunktionen und ihre Anpassungen, Blüten und ihre Pollenvermittler, Möglichkeiten der Diasporenausbreitung und Anpassungen der Pflanzen und ihrer Diasporen an die ausbreitenden Agenzien.

Das Buch bietet eine Vielzahl von Informationen zur Morphologie und davon abhängigen Ökologie von Blüten und Früchten, zur Bestäubungs- und Verbreitungsbiologie der Blütenpflanzen. Eine Besonderheit dieses Buches ist wohl auch, daß es zu einem großen Teil eine Zusammenfassung einer mehr als 35jährigen eigenen Beschäftigung des Autors und seiner Arbeitsgruppe mit diesen Fragen bildet.

Hoppea Bd. 61, 2000, S. 857

Bespr.: Biologie in unserer Zeit, 31. Jg. 2001, Nr. 1, S. 60 top ↑

Gewiss werden Sie sich als Leser der BiuZ noch an das Originelle Titelbild der Ausgabe 5/99 mit dem "Pollenmonster" erinnern. Es war der motivierende Hinweis auf einen spannend zu lesenden Artikel von P. Leins und C. Erbar. Unter dem Titel "Verschwendung oder Sparsamkeit? - Über den Umgang der Blütenpflanzen mit ihren Pollen wurden einige interessante Aspekte der Blütenbiologie, insbesondere der Pollenportionierung, behandelt.

Auch die Fortsetzung des Artikels in 6/99 "Über den Umgang der Blütenpflanzen mit ihren Samen" werden viele gespannt verfolgt haben. Alle Neugierigen erwartet nun neuer Lesestoff: das kürzlich erschienene Buch mit dem Titel "Blüte und Frucht", das ebenfalls von Prof. Dr. Peter Leins, dem Direktor des Instituts für Systematische Botanik und Pflanzengeographie sowie des Botanischen Gartens der Universität Heidelberg, unter Mitarbeit von Priv.-Doz. Dr. Claudia Erbar verfasst worden ist.

Die Blütenbiologie ist eine klassische Disziplin der Botanik. Begründet wurde sie bereits 1694 mit der Entdeckung der Sexualität der Pflanzen durch R. J. Camerarius und später der Insektenbestäubung durch J. G. Koelreuter (1733 - 1806) sowie vor allem durch die Untersuchungen von Chr. K. Sprengel ("Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befrurchtung der Blumen", 1793).Wesentliche Beiträge, insbesondere über Einrichtungen in den Blüten zur Verhinderung einer Selbstbestäubung, leistete später auch Ch. Darwin (1809 - 1982). Von späteren Forschern, die sich mit derThematik befassten, seien nur K. von Frisch und F. Knall genannt. Ist da noch etwas Neues zu erwarten? Die Frage muss nach der Lektüre des Buches unbedingt bejaht werden. Dem Autor ist es in origineller Weise gelungen, die Blüte und die sich aus ihr entwickelnde Frucht als die "Werkstatt" der Blütenpflanzen-Evolution in den Mittelpunkt einer Betrachtung aus unterschiedlichen Blickrichtungen zu stellen.

Mit einem weit gefächerten Spektrum an Themen bietet das Buch einen faszinierenden Einblick in die unerschöpfliche Vielfalt der Blüten und Früchte. Am Anfang stehen "einige Gedanken zur Entstehung und zur Bedeutung der Blüte im Lebenszyklus der Pflanzen", danach werden wichtige Grundbegriffe geklärt und die Organdetermination in einer Blüte durch genetische Untersuchungen auf molekularer Grundlage erläutert. Im Folgenden werden phylogenetische, funktionelle und ökologische Fragestellungen auf der Grundlage der Morphologie und Entwicklungsgeschichte behandelt. Für eine systematische Zuordnung der behandelten Beispiele findet sich im Anhang ein "System der Blütenpflanzen". In der dargebotenen Form wird versucht, eine Brücke zu schlagen zwischen den gewohnten "klassischen" Systemen und den auf der Grundlage molekularer Daten neu gefassten Systemvorschlägen.

Der Text wird ergänzt durch zahlreiche übersichtliche, großenteils vom Autor stammende Zeichnungen und Schwarzweinfotos. Durch Farbaufnahmen könnte die Attraktivität des Buches noch gesteigert werden, zumal Farbkomponenten auch wesentlich zur Funktion vieler Blüten beitragen. Dies sollte der Verlag bei künftigen Auflagen berücksichtigen und wenigstens einige Farbtafeln einfügen.

Trotz des stattlichen Preises kann das Buch allen Botanikern, Studenten der Biologie, Biologielehrern und allen interessierten Pflanzenfreunden wärmstens empfohlen werden. Es könnte den Leser sogar zu weiterführenden Studien anregen und dazu verführen, eigene Beobachtungen in der unerschöpflichen Welt der Blumen anzustellen.

Prof. Dr. Manfred Keil, Neckargemünd

Biologie in unserer Zeit, 31. Jg. 2001, Nr. 1, S. 60

Bespr.: Botanik und Naturschutz in Hessen 13 (2001) top ↑

Das vorliegende Werk gibt auf der Grundlage neuester Erkenntnisse einen umfassenden Einblick in die Vielfalt der Angiospermenblüten und -früchte, in den Zusammenhang zwischen Form und Funktion unter Berücksichtigung von Ontogenie und Phylogenie.

Der erste Abschnitt des Buches behandelt die Blütenorgane im einzelnen sowie deren Entwicklungsgeschichte und geht auf die Stellungsverhältnisse innerhalb der Blüten ein. Im weiteren werden die wichtigsten Funktionen der Blüte und diesbezügliche Anpassungen sowie Wirkungsmechanismen aufgezeigt, wobei das Zusammenspiel von Blüten und ihren Bestäubern ausführlich beschrieben wird. Schließlich steht die Blüte zum Zeitpunkt der Samenreife im Mittelpunkt der Betrachtungen, die Fruchtformen werden klassifiziert und die verschiedenen Möglichkeiten der Diasporenausbreitung erläutert. Im Anhang findet man eine systematische Übersicht zur Einordnung der im Text behandelten Taxa. Das umfangreiche Register ermöglicht dem Leser einen schnellen Zugang bei bestimmten Fragestellungen.

Trotz der großen thematischen Breite hinterläßt das Buch einen homogenen, in sich geschlossenen Eindruck, die Kapitel sind in logischer Folge angeordnet und aufeinander abgestimmt. Eine Numerierung der Kapitel würde aber sicherlich die Übersichtlichkeit noch erhöhen. Jedem Abschnitt ist eine kurze Einführung vorangestellt, die auch dem in der botanischen Terminologie weniger geübten Leser den Einstieg in das Thema erleichtert. Dazu trägt auch bei, daß die Fachtermini bei ihrer erstmaligen Verwendung im Text durch Fettdruck hervorgehoben und mit einer unmittelbar nachstehenden Erklärung versehen sind. Der eingängige, abwechslungsreiche und dennoch exakte Sprachstil läßt das Lesen nicht langweilig werden. Übersichtliche Zeichnungen und Schemata, häufig in Kombination mit Bildtafeln hochqualitativer elektronenmikroskopischer sowie makroskopischer Aufnahmen, veranschaulichen den Text in gelungener Weise.

Einzig zu bemängeln ist die im Gegensatz zur sonst sehr ansprechenden Aufmachung des Buches stehende Paperback-Einbindung, die einer häufigen Benutzung wohl kaum standhalten wird.

Die Lektüre dieses Buches ist nicht nur für Botaniker, Studenten und Lehrer der Biologie, sondern auch für jeden an Fragen der Ökologie und Evolution Interessierten eine Bereicherung und unbedingt empfehlenswert.

Maud von Lampe

Botanik und Naturschutz in Hessen 13 (2001)

Bespr.: Phyton (Horn, Austria) vol. 41, Fasc. 2, 28.12.01, S. 313 top ↑

Das in 18 Abschnitte gegliderte Buch über Bau und Funktion der Angiospermenbblüte beginnt mit Gedanken zu Kernphasen und Generationswechsel und zum, von der Arabidopsis-Genetik entwickelten Modell der Wirkung homöotischer Gene auf die qualitative Ausbildung der Blütenorgane. Ein ebenfals kurzer Abschnitt gilt differentiellem Wachstum und Organabgrenzung. Ausführlich (p. 10-35) und sorgfältig wird auf Organzahl und Organstellung in den Blüten eingegangen, ein Abschnitt der zeigt, daß selbst so einfach anmutende Dinge wie zyklische Blüten nicht problemfrei zu definieren sind; Obdiplostemonie als wemmal wird hier ganz abgewertet (".. ist für die Systematik ... nicht relevant .. "). Nach einem kurzen Hinweis auf Blütensymmetrie folgen die Abschnitte, welche die einzelnen Organkategorien Perianth, Andrözeum, Gynözeum, Blütenachse und Nektarien behandeln. Die Darstellung das Blütenbaues in Form von Blütendiagrammen und die Blütenstandstypen werden kurz bebandelt. Ein ausführlicher Abschnitt (p. 138-181) über Blütenfunktionen gilt Phänomen wie Proterandrie und -gynie, der Geschlechtsverteilung in Blüten (der LINNÉsche Terminus Polygamie wird nicht verendet), Heterostylie, Selbstinkompatitilität, Pollenpodionierung, sekundäre Pollenpräsentation, Pollenschlauchkonkurrenz etc. Daran schließt ein ebenfalls ausführlicher Abschnitt (p. 182-242) über Bestäubungsökologie inkl. Blütenfarben und -düfte. Dann folgt die Fruchtmorphologie unter dem Titel "Die Blüte zur Zeit der Samenreife" (p. 243-262). Nach einigen Seiten über Muster der Samenausbreitung wird schließlich die Ausbreitungsökologie (p. 270-322) dargestellt. Den Abschluß bilden eine Systemübersicht für die im Text behandelten Gattungen, das Literaturverzeichnis und das ausführliche Register.

Der vorliegende Band gefällt dem Rezensenten sehr gut, er ist ansprechend gestaltet, wobei die zahlreichen REM-Photos zur Entwicklungsgeschichte und von Detailstrukturen natürlich viel zum positiven Gesamtbild beitragen. Die einprägsame Darstellung erfüllt auch die didaktischen Erfordernisse, die an einen solchen Band zu stellen sind. Schließlich spricht aus dem Band die große eigene, fachliche Erfahrung des Autors plus seiner Mitarbeiter und Schüler.

Daß bei einem so umfangreichen Gebiet dennoch Wünsche offen bleiben und Auffassungsunterschiede bestehen können, liegt in der Natur der Sache. Einige Anmerkungen seien gestattet: P.2: Dem Megasporangium entspricht wohl nur der Nuzellus. Ein Nuzellus kann nicht nur eine, sondern auch mehrere bis viele EMZ enthalten (betr. auch p. 4), vgl. z.B. die Abb. in Phyton 20 (1-3): 83. Da eine Mikrospore sowohl im einzelligen als auch im zwei- oder dreizeiligen Zustand als Pollenkorn bezeichnet wird, ist es nur logisch, didaktisch viel einfacher und auch allgemein üblich, schon die Megaspore als Embryosack und folglich die Megasporenmutterzelle als EMZ zu bezeichnen. P.3: In Abb. 2 fehlt eine Teilfigur mit der EMZ (was neben der PMZ didaktisch wünschenswert wäre); in dieser Abb. gehören die Spermazellen an den vegetativen Kern gezeichnet (male germ unit ! Trifft auch für Abb. 58 zu; vgl. z.B. die Abb. in Phyton 33 (2):195 und 34 (2): 174). P.4: Die Teilung der generativen Zelle in die zwei Spermazellen kann auch erst in der Tiefe des Ovars, in der Spitze des Pollenschlauches kurz vor Erreichen der Mikropylen der Samenanlagen erfolgen (z.B. Abb. 22 in Phyton 25 (1): 157). Um der festen Verbindung von Exine und Intine Rechnung zu tragen, ist es besser, von zwei Wandschichten zu sprechen, nicht von zwei Wandhüllen. P.5: "Die Nährstoffspeicherung kann später ..." besser: im Zuge der Evolution auf Embryo oder Teile des Embryos übergehen; in der Folge kann Endosperm in reifen Samen völlig fehlen. "Im reifen Samenkorn . . . ist vom Nuzellus . . . nichts mehr zu erkennen" ist angesichts häufiger Nuzellusreste und von Perisperm übertrieben. Vielleicht wäre es didaktisch sinnvoll, "... von mehreren "Versuchen" Zwitterblüten zu bilden", nicht nur Irania zu erwähnen, sondern auch die Möglichkeit Mikro- und Makrosporophylle zu kombinieren und angesichts der "formal" zwittrigen Strukturen bei Gnetum und Ephedra und der Deutungsversuche ausgehend von Piperaceen- und Chloranthaceenblüten auch die Pseudanthientheorien zu erwähnen. P. 36: Die bekanntesten und am leichtesten erreichbaren Beispiele für asymmetrische Blüten sind wohl Phaseolus und Lathprus sect. Lathprus. P. 117: Unter Ölblumen sollten doch auch Malpighiacee genannt werden. Die Tabelle der Nektarien auf p. 118 läßt sich unschwer um ganz bekannte Beispiele ergänzen: Perigon: meiste Liliales s.str., also z.B. auch Fritillaria, Gloriosa, Veratrum. K: meiste Malvales. C: Grewia, Forsythia, Rhododendron. Staminodien: Hamamelis. Diskus: Salix, Aescalus, Brassicaceue, meiste Leguminosae; Achsensporn: Pelargonium; den Sporn von Tropaeolum hat der Rezensent bisher für einen Kelchsporn gehalten. P. 129: Unter Blütendiagrammen sollte im Hinblick auf asymmetrische Blüten auch die rechts/links-Definition im Sinne von Elchher, Blüthendiagramme 1:6 gebracht werden, da diesbezuglieb einheitlicher Gebrauch bei ungleichwertigen transversalen Vorblättern bzw. Vorblattachseln und bei Symmetrien Blüten Woge praktische Bedeutung bat (vgl. z.B. Phyton 30 (2, 335-330 und 39 (2, 302). Daß die Blütendiagramme in der der Entstehung der Blüte entsprechenden Position gezeichnet werden, auch im Falle von Resupination, sollte expressiv verbis angegeben sein. P 130: Abb. 123, Zeile 9, Teilfig. a (ebenso wie Abb. 101c, p. 104) rührt an ein heißes Eisen: Kann es ein unterständiges Gynözeum ohne Achsenbeteiligung überbaupt geben ? Der Rezensent kann sich das nicht vorstellen und nach p. 105 und 240 gibt es das auch nicht; der Versuch, Zusatzstrukturen im Umfeld des Gynözeums in Diagrammen auszudrücken, macht diese schwerer lesbar und erfordert volle Konzentration (viel. z.b. Abb. 124, Teilfiguren i und j) P. 240: Keimling = Embryo; die Keimpflanze heißt richtig Sämling. Die Definition der Früchte Ware um die Falle, in denen mehrere Blüten im Zustand der Samenreife eine funktionelle Einheit bilden, zu erweitern. P 257: Daß der Begriff Achäne als völlig nutzloser Begriff bezeichnet wird, ist irgendwie sympatisch. Daß Verwachsung von Fruchtwand und Samenschale für eine Definition nicht in Frage kommt, hat schon WAGENITZ ausführlich dargstellt (Candollea 31: 79-85, 1970). Wirklich nutzlos ist der Begriff allerdings nur dann, wenn Früchte mit und ohne Anhangsstrukturen am G nicht unterschieden werden, wie in diesem Buch. Wenn man aber - wie es oft geschieht - zwischen echten Früchten und Scheinfrüchten unterscheidet, dann ist Achäne als Sammelbegriff für alle Körbchenblütler- und Dipsacales-Früchte, unabhängig davon, ob mit oder ohne Pappus etc., sehr praktisch. Panzerbeeren sollte man, dem Namen entsprechend, mit einem harten Perikarp definieren; dann fallen allerdings Citrus und die meisten Cucurbitaceae weg; Cucurbita und Strychnos, allenfalls noch Avocado, wären BeispieIe. Manche andere Dinge, die dem Rezensenten besonders am Herzen liegen, sind in Phyton mehrfach behandelt worden, so vor allem in 39 (2), 216, 238, 249-250, 204, 270, 292 und 302, sodaß sie hier nicht wiederholt zu werden brauchen.

Obige Hinweise betreuen alle irgendwelche Details. Der einzige generelle Mangel den der Rezensent und auch seine Mitarbeiter empfunden haben, ist die Art der Zitierens; weiterführende Literaturhinweise sind nur bei den Abb. direkt zitiert (was sehr positiv ist); im Übrigen wird eine Literaturauswahl am Ende der Abschnitte geboten, was es mühsam bis unmöglich macht, die sich auf ein bestimmtes Faktum beziehenden Quellen zu ermitteln. Dennoch - ein sehr zu empfehlendes Buch (siehe oben), eine Bereicherung das Marktes an deutschsprachigen Lehrbüchern.

Prof. Dr. Herwig Teppner

Phyton (Horn, Austria), vol. 41, Fasc. 2, 28.12.01, S. 313

Rev.: Plant Science Bulletin, vol. 48, no. 1, p. 21/22 top ↑

With currently renewed interest in floral development by systematists and molecular geneticists as well as morphologists, we welcome this book by Professor Peter Leins, one of the world's leading plant morphologists. Professor Leins is Director of the Institute of Systematic Botany and Plant Geography, and Director of the Botanic Gardens of the University of Heidelberg, Germany. Dr. Claudia Erbar, listed as collaborator on the inner title page, is a Privat- Dozent at the same institution. She is credited with help in composition of the book, advising on the text, assembly of the plates, proofreading, and producing the index.

"Blüte und Frucht" describes the structure, development, and function of flowers and fruits, copiously illustrated with splendid scanning electron micrographs and photographs. It has three main parts: flower structure and development (~140 pp.); pollination and pollination biology (100 pp.); and seed and fruit structure, development, and function (~ 80 pp.). It is dedicated to the great French floral morphologist Jean-Baptiste Payer (1818- 1860), who produced a two-volume work on floral development of ~330 genera of flowers in 1857 (Traite d'organogenie compares de la flour, Masson, Paris), a work that remains indispensable to anyone working on floral development within a systematic or evolutionary framework. "Blüte und Frucht" is altogether different, however, in that it is basically a general treatment with emphasis on processes common to most flowers, rather than attempting to compare development in a definitive array of taxa. The sections on pollination biology and fruits emphasise the strong correlation between form and function in flowers.

Initial chapters cover floral organisation and the reproductive cycle of angiosperms, with important terms in boldface. The text is well organised and relatively easy to follow, even for those not proficient in German. The A-B-C genetic model for organ determination is described briefly. Succeeding chapters examine floral symmetry, number and position of parts, and order of organ initiation.

The authors use as examples and illustrations many of their previous publications, such as using their published work on Magnolia species (P. 23) to explain phyllotaxy. The order of organ initiation in each whorl, while usually consistent in a species, may diverge considerably as in the terminal flower versus the lateral flowers of Ervnalum camroestre (pp. 27, 28). This contrasting ontogeny indicates that the inflorescence controls or can modify the usual pattern of development of individual flowers. Interestingly, the authors show considerable variation in order of organ initiation in taxa of Brassicaceae, which is relevant to the extensive recent genetic literature on the related genus Arabidopsis. They show that the basic ground-plan of crucifer flowers can be produced in five different orders of initiation. Floral symmetry is covered very briefly, primarily as a list of terms and references only to Troll and Weberling publications. Inflorescences receive scant attention (5 pages), mostly including a glossary of terms.

Detailed chapters follow that deal with each set of floral organs: sepals, petals, androecium, gynoecium, and nectaries. The perianth chapter discusses generalised examples (sepals; perigon) versus flowers having a differentiated calyx and corolla; nectar spurs; aestivation; "extra" whorls such as the epicalyx of Malvaceae; the processes of fusion among sepals and petals; possible evolution of whorls from the spiral condition; and the function of a ring meristem in production of a fused calyx or corolla.

The androecium chapter emphasises external form, and also development of microsporangia, differing modes of pollen-sac formation, and differing forms of stamens such as those of Laurus with large nectaries and porate dehiscence. Deviations in number of microsporangia, different pollen morphology, a discussion of the interesting correlation between centrifugal vs. centripetal order of stamen initiation and vascular supply (but without illustrations or references). Evolutionary shifts among related taxa receives attention, particularly in polystemonous taxa. The initiation of stamen clusters or fascicles in Hypericum, Melaleuca, Paeonia, Stewartia, and Loasa are contrasted with successive initiation of multiple stamens in Magnolia (centripetally) and in Capparis (centrifugally). Reduction in stamen number is shown in a series of taxa in Scrophulariaceae. The diversity of nectaries in different parts of flowers is nicely illustrated. Ontogeny of pocketlike adaxial nectaries on perianth members in several genera of Ranunculaceae is shown in series of SEM's and sectional views. The various types of secondary pollen presentation are described and illustrated in taxa of Campanulales and Asterales.

The carpel chapter contrasts different forms as well as differing modes of carper fusion (coenocarpy) resulting in the various types of placenta/ion.. Considerable attention is paid to the compitum and transmitting tissue in compound ovaries such as that of Geranium sanguineum with both SEM and sectional views at several levels. The role of intercalary growth is detailed in formation of a hypanthium and of the epigynous condition in flowers.

The chapters on pollination discuss and show an intriguing variety of floral adaptations. Floral adaptations associated with wind, water, and animal pollinators include colors, color changes, UV guides on floral organs, flavenoids, nectar, and scent. Floral syndromes associated with different kinds of insect, bat, and bird pollinators are shown in a table. Novel examples are in the flowers of Asarum caudatum and Aristolochia arborea (Aristolochiaceae), which attract fly pollinators by simulating mushrooms by their odor, red-brown flower color, and their cauliflorous, clustered position around the base of the trunk (shown in A. arborea). Another remarkable story is the stigmatic papillae in Campanula rotundifolia that invaginate, carrying the pollen grains inside the body of the stigma.

The fruit and seed chapter has a picture key to fruit types, with photographs and lists of examples. Numerous types of diaspore dispersal (fruits or seeds) include some familiar examples (Coco-de-Mer or Lodoicia maldivica) and many that are new. Professor Leins and his students have demonstrated secondary seed presentation, somewhat analogous to that of a pollen presenter, in which seeds are dispersed first to the upper side of inrolled bracts, from which they can be dispersed more widely than they would if dropped on the ground (in Campanula glomerata). The diaspores of sedges are shown to be "floaters", aided by the inflated article. Ballistic diaspore mechanisms and myrmecochory (ant-plant associations) are explored, as well as the intriguing parallelism of red and black seeds in different plant families.

There is an extensive list of references (~400, 13 pages) at the end, with a good range representing most of the One criticism is that there are almost no citations to original publications in the text. For instance, the discussion of obdiplostemony does not cite any references; the list at the end of the chapter (on whorled flowers) contains 35 names and dates, but one would have to look at each of the 35 at the back of the book to determine which deal with obdiplostemony. Most descriptions and illustrations are from work by the author and his students. The author displays definitive knowledge of a diversity of floral form, but more references to specific work, including that of other investigators, would have enhanced usefulness of the text. Although this book is not organized along systematic lines, an appendix has an extensive outline of angiosperms which includes concise summaries of the significant features of each family (63 monocot families, 131 dicot families). These features include floral diagrams, symmetry, features such as fusion among organs, position of the carpers, pollen type, pollination method, floral attractants to pollinators, fruit type, number of genera and species, and names of a few representative genera. The systematic arrangement, according to the author, is a compromise between traditional treatments and the newest findings based on molecular studies.

The book is nicely organised and produced. The illustrations are uniformly excellent and appropriately located to illustrate concepts nearby in the text. I did not encounter any subjects that could not be located easily in the Table of contents orthe index. According to the preface, the book is intended for students, teachers at various levels of education, and the lay public who might be interested in new and unfamiliar aspects of biology. The profuse use of German common names of flowers, as well as their scientific names, should make the book more appealing to nonscientists familiar with German. "Steppenhexen" or "Steppe witch" is apparently what Americans would call tumbleweed. In my view, "Blüte und Frucht" could be used by those proficient in German as an introductory text in floral morphology and development, with the bonus of introductions to pollination biology and fruit form and function. It is useful as a reference to research on floral form and development by Professor Leins and his students and colleagues.

Dr. Shirley Tucker

Plant Science Bulletin, vol. 48, no. 1, p. 21/22

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Inhalt
Vorwort V
Vorab einige Gedanken zur Entstehung und zur Bedeutung der Blüte im
Lebenszyklus der Pflanzen 1
Kurze Beschreibung einer Angiospermen-Blüte - einige Grundbegriffe 8
Der genetische Ansatz - das a-b-c-Genklassen-Modell und die Organdetermination in einer Blüte 9
Differentielles Wachstum und Organabgrenzung 12
Organzahl und Organstellung in den Blüten 16
Spiralblüten mit großer und unbestimmter Organzahl 16
Übergang zu zyklischen Blüten 20
Zyklische Blüten 24
Blütensymmetrie 36
Das Perianth 38
Perigon, Kelch, Krone 38
Aestivation 42
Außenkelche 43
Röhrige Bildungen im Bereich des Perianths - Syntepalie, Synsepalie,
Sympetalie 44
Das Androeceum 51
Entwicklung (Ontogenie) eines Staubgefäßes 51
Abweichende Antherenformen 56
Die Pollenkörner 61
Staubgefäßbündel 65
Das Kuriositätenkabinett 72
Der Staminodien-Begriff 74
Das Gynoeceum 80
Entwicklung (Ontogenie) des Karpells 82
Das "Spiel" mit den Proportionen 85
Chorikarpie und Coenokarpie 87
Die innere Ausgestaltung coenokarper Gynoeceen 90
Pollenschlauchleitgewebe und Compitum 94
Die Samenanlagen 100
Die Blütenachse 103
Stielartige Achsenverlängerungen 103
Becherförmige Bildungen 105
Hypanthialovarien mit ungewöhnlicher innerer Ausgestaltung 110
Der unterständige Fruchtknoten der Gurkengewächse 110
VIII Inhalt
Außergewöhnliche Plazentationsformen im Zusammenhang mit
interkalaren Wachstumsprozessen in der Blütenachse 112
Nektarien 117
Bildungsorte von floralen Nektarien 117
Nektarorgane 121
Extraflorale Nektarien 126
Blütendiagramme 129
Blütenstandsformen 133
Die wichtigen Blütenfunktionen und die diesbezüglichen Anpassungen 138
Das Zwitterblumenproblem oder wie verhindern Blütenpflanzen Inzucht? 138
Dichogamie 139
Herkogamie 145
Geschlechtertrennung (Diklinie) 146
Heterostylie 148
Selbstinkompatibilität 151
Der ökonomische Umgang mit den Pollenkörnern - die Pollenportionierung 154
Die Mechanismen der Pollenportionierung bei primärer Pollenpräsentation 154
Die Mechanismen der Pollenportionierung bei sekundärer Pollenpräsentation 156
Die direkten und indirekten Beziehungen der Pollenportionierung zu
anderen Parametern 174
Präzygotische Selektion, Pollenschlauchkonkurrenz 175
Anteil an Selbstbefruchtung 177
Entwurf eines Korrelationsnetzes der Blütenfunktionen 180
Die Blüten und ihre Pollenvermittler - Coadaptationen 182
Ökologische Gestalttypen der Blumen 182
Blütenfarben und Blütenmale 193
Blütendüfte 203
Anpassungssyndrome der Blumen 205
Zoo- und Anemophilie 206
Hydrophilie 214
Syndrome der Tierblumen 218
Cantharophilie (Käferbestäubung) 218
Myiophilie (Fliegenbestäubung) 220
Melittophilie (Bienenbestäubung) 227
Wespenbestäubung 232
Ameisen als Bestäuber? 233
Lepidopterophilie (Schmetterlings-, Falterbestäubung) 233
Ornithophilie (Vogelbestäubung) 237
Chiropterophilie (Fledermausbestäubung) 239
Nichtfliegende Säugetiere als Bestäuber? 240
Die Blüte zur Zeit der Samenreife 243
Samenreifung 243
Die Frucht und ihre Bestandteile, Versuch einer Definition 246
Klassifikation der Früchte 246
Der Diasporenbegriff 260
Muster der Samenausbreitung 263
Möglichkeiten der Diasporenausbreitung und Anpassungen der Pflanzen
und ihrer Diasporen an die ausbreitenden Agenzien 270
Anemochorie 272
Windflieger 272
Bodenläufer 280
Anemoballisten 280
Beobachtungen und Experimente an Mohn-Kapseln 282
Beobachtungen und Experimente an Glockenblumen-Kapseln 287
Hydrochorie 292
Nautochore 292
Regenballisten 297
Zoochorie 299
Epizoochore 299
Zooballisten 304
Endozoochore 306
Stomatochore 313
Autochorie 316
Wachstumsmechanismen 316
Entquellungsmechanismen 316
Turgormechanismen 318
Anhang: Ein System der Blütenpflanzen zur Einordnung der im Text
erwähnten Taxa 323
Literatur (eine Auswahl) 353
Register 366