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Jean-Paul Poirier:

Die Erde - Mutter oder Rabenmutter?

aus dem Französischen übersetzt von: Herbert Vossmerbäumer

2003. X, 158 Seiten, 15 Abbildungen, 14x21cm, 265 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65206-8, brosch., price: 19.80 €

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Erde Erdbeben Plattentektonik Seismizität Vulkan Radioaktivität Klima Ozon Erdöl Hot Spot

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Die Erde ist unsere Mutter Sie versorgt uns mit Wasser, Bodenschätzen und Energierohstoffen: mit allem Lebensnotwendigen. Die Energie der Erde äußert sich aber auch in gewaltigen Wutanfällen und Naturkatastrophen, denen Menschen zum Opfer fallen. Von Zeit zu Zeit kommt es zu Massensterben. Dann wird vernichtet, was ihre Oberfläche bewohnt. Wäre die Erde somit eine Rabenmutter für ihre Kinder?
Dieses Buch beschreibt das Verhältnis zwischen der Erde und den Menschen und von seinen Folgen für die Menschheit. Erdbeben, Vulkane, Radioaktivität, nuklearer Müll, Treibhauseffekt, Wasser und Kohlenwasserstoffe, Klima und Inneres der Erde, die Grenze Kern-Mantel und ihre Bedeutung für das Leben - Jean-Paul POIRIER berichtet, erklärt und zieht historische Beispiele heran; er blickt voraus, gelangt von Berichten zu Beweisen! von Theorien zu Entdeckungen. Es geht um Gefahren, um ihre Wahrnehmung und um die Frage möglicher Vorsichtsmaßnahmen. Es geht aber auch um die Nutzung der "Wohltaten" der Erde. Schließlich versucht der Autor, Risiko und Verantwortung zu definieren. Welche Rolle kommt den Wissenschaftlern zu, die nicht alles wissen (können), und welche den Politikern, die Entscheidungen treffen (müssen)? Wie soll man zu einer begründeten eigenen Meinung finden zwischen den Vorhersagen von Unglückspropheten und den beruhigenden Vorschlägen anderer?
Ein faszinierend geschriebenes Buch für ein breit gestreutes Publikum, vom Schüler bis zum Politiker und für alle, die sich für das Geschehen auf und in unserer Erde interessieren. Die französische Originalausgabe wurde von Herbert Voßmerbäumer, Professor für Geologie an der Universität Würzburg, ins Deutsche übersetzt.

Jean-Paul Poirier leitet seit 1978 das "Departement des Geomaterioax" im weltberühmten Institut de Physique du Globe de Paris. Er ist Mitglied des Bureau des Longitudes, der Academia Europaea und korrespondierendes Mit- glied der Academie des Sciences. J.-P. Poirier hat weitere allgemeinverständliche Bücher geschrieben, u.a. "Les Profondeurs de la Terre" (Masson, 1991), "Le Mineral et le Vivant" (Fayard, 1995), "Le Noyau de la Terre" (Flammarion, 1996) und "Mystification l'Academie des Sciences" (Edition Le Pommier, 2001).

Bespr.: www.umweltjournal.de top ↑

Erdbeben, Vulkane, Radioaktivität, nuklearer Müll, Treibhauseffekt, Wasser und Kohlenwasserstoffe, Klima und Inneres der Erde, die Grenze Kern/Mantel und ihre Bedeutung für das Leben - Jean-Paul Poirier berichtet, erklärt und zieht historische Beispiele heran; er blickt voraus, gelangt von Berichten zu Beweisen, von Theorien zu Entdeckungen. Es geht um Gefahren, um ihre Wahrnehmung und um die Frage möglicher Vorsichtsmaßnahmen. Es geht aber auch um die Nutzung der "Wohltaten" der Erde. Schließlich versucht der Autor, Risiko und Verantwortung zu definieren. Welche Rolle kommt den Wissenschaftlern zu, die nicht alles wissen (können), und welche den Politikern, die Entscheidungen treffen (müssen)? Wie soll man zu einer begründeten eigenen Meinung finden zwischen den Vorhersagen von Unglückspropheten und den beruhigenden Vorschlägen anderer?

Es gibt eine Menge guter Bücher, die zum umsichtigeren Umgang mit der Erde aufrufen. Das Buch von Poirier behandelt diese Thematik jedoch aus einer besonderen Sichtweise - aus der des Geowissenschaftlers: Er legt in seinem Buch andere qualitative und quantitative Maßstäbe an, als die anderen Autoren. Dieses betrifft vor allem die Zeitdimensionen ("die 5 Mrd. Jahre alte Erde") und die darin abgelaufenen Naturkatastrophen.

Ein faszinierend geschriebenes Buch für ein breit gestreutes Publikum, vom Schüler bis zum Politiker und für alle, die sich für das Geschehen auf und in unserer Erde interessieren.

www.umweltjournal.de

Bespr.: GMIT Nr. 14, Dez. 2003 top ↑

J.-P. Poirier leitet seit 1978 das "Département des Géomateriaux" im "Institut de Physique du Globe de Paris". Der Autor hat sich mit geophysikalischen sowie Themen der Speziellen Mineralogie befasst. Das vorliegende Buch behandelt Georisiken und anthropogene Gefährdungen der Umwelt sowie Fragen der Geoökonomie mit den Kapiteln: Erdbeben - Vulkane - Radioaktivität - Klima und Inneres der Erde - Die lebenswichtigsten Flüssigkeiten - Die Grenze Kern-Mantel.

Wie der Buchtitel zeigt, wird weniger der Fachmann, sondern vielmehr der naturwissenschaftlich interessierte Laie angesprochen. Der Text ist dementsprechend verständlich abgefasst, aber fachlich korrekt formuliert, durchaus auch ein Verdienst des Übersetzers.

Der Griff in die erdgeschichtlich jüngere Vergangenheit kommt gut in den Kapiteln Erdbeben und Vulkanismus zum Ausdruck. Während bei Erdbeben nur von Schäden gesprochen werden kann, behandelt der Autor den Vulkanismus sowohl unter den Stichworten Misse- als auch Wohltaten (letztere hinsichtlich der Fruchtbarkeit vulkanischer Böden).

Im Kapitel "Radioaktivität" werden zunächst die naturgegebenen Kriterien und anschließend das Thema "Atomkraft" behandelt. Die Frage der Wirksamkeit minimaler Dosen hinsichtlich Krebserkrankungen wird ebenso diskutiert wie die Politik des "Null-Risikos" beim Betrieb von Kernkraftwerken und der Endlagerung erschöpfter Brennelemente. Das Thema "Klima und Inneres der Erde" konzentriert sich besonders auf die Treibhausgase CO2, Methan und Wasserdampf. Zu diesen, verstärkt anthropogen erzeugten Komponenten, gesellen sich die nicht weniger gefährlichen Gashydrate aus auftauenden Permafrost-Böden und Methanhydraten unter den Ozeanböden, Phänomene, die u.a. von Meteorologen und Ökologen für zu erwartende Klimaänderungen verantwortlich gemacht werden.

Mit dem Kapitel "Die lebenswichtigen Flüssigkeiten" konzentriert sich Poirier auf die nutzungsbezogenen Aspekte von Wasser und des Erdöls. Hier wird der historische Bogen bis weit in die Antike gespannt, z.B. mit Blick auf die Bewässerungslandschaften an Euphrat und Tigris oder beim Erdöl auf China, das frühzeitig bereits dessen Einsatz zum Fetten der Achsen von Wagenrädern kannte oder Erdöl zur Herstellung von Tinte benutzte. Beim Blick in die jüngste Vergangenheit muss man allerdings feststellen, "...der Teufel steckt mitunter im Detail"; so ist dem Autor wie vielen anderen nicht bekannt, dass im August 1859 erstmals erbohrtes Erdöl nicht in Titusville/Pennsylvania/USA, sondern bereits sechs Monate zuvor in Wietze/Niedersachsen angetroffen wurde. Für Baku/Rumänien ist lt. "Internet"-Recherche sogar schon für 1844 eine fündige Erdölbohrung erwiesen.

Das Schlusskapitel "Die Grenze Kern-Mantel" wirft spezielle Fragen auf. So könnten magnetische Felder, "Hot Spots", Mantelkissen und Lava-Ergüsse (Trapp-Basalte) das Massensterben an der Grenze Perm/Trias und am Ende des Mesozoikums beeinflusst haben (Eruptionen mit beachtlichen Mengen an Stäuben und Aerosolen); die bekannte "Meteoriten-These" stünde dann nicht als alleiniges Auslöser-Argument für die große Katastrophe zum Ende der Kreidezeit da.

Insgesamt gesehen bietet sich der Leserschaft eine kurzweilige und dennoch fachlich profunde Lektüre, die dem Spannungsfeld "Erde, Mutter oder Rabenmutter" sehr wohl gerecht wird, und das zu einem akzeptablen Preis.

Horst Aust, Hannover

GMIT Nr. 14, Dez. 2003

Bespr.: Naturwissenschaftl. Rundschau, 57. Jg., H. 5, 2004, S. 283-284 top ↑

Um es gleich vorab zu sagen: Es handelt sich beim Buch Die Erde - Mutter oder Rabenmutter? weder - wie man spontan glauben könnte - um eine esoterische Abhandlung über die Beziehung von Mensch zu Erde, noch um eine dezidierte Antwort auf diese Frage.

Beginnen wir aber mit einer der Schlussfolgerungen des Buches: Treibhauseffekt, Ozonloch, radioaktive Abfälle, Erschöpfung der Wassereserven - das sind Themen, zu denen jeder eine Meinung hat. Und das ist in einer Demokratie sehr gesund. Weniger gesund aber ist es, dass die Meinung im allgemeinen auf unvollständigen, häufig unkorrekten und oft tendenziösen Informationen begründet.

Jean-Paul Poirier erklärt deshalb in sechs Kapiteln (Erdbeben, Vulkane, Radioaktivität, Klima und Inneres der Erde, Die lebensnotwendigen Flüssigkeiten, Die Grenze Kern-Mantel) wie sich unser ambivalentes Verhältnis zur Natur und unser Verständnis sowie unsere Kenntnisse von den komplexen Vorgängen in und auf der Erde entwickelt haben. Es geht in diesem Buch sowohl um die Wahrnehmung und differenzierte Einschätzung von natürlichen Risiken und den damit einhergehenden möglichen Vorsorgemaßnahmen als auch um die vielschichtige Nutzung der irdischen Wohltaten, wie Wasser, Energieträger und mineralische Rohstoffe.

Die ersten zwei Kapitel sind Erdbeben und Vulkanismus gewidmet, wobei Poirier ausgehend von den höchst aufschlussreichen historischen Interpretationen und Hypothesen zur vielschichtigen Problematik von Vorhersagen und Vorsorgemaßnahmen kommt. Im folgenden Kapitel werden die natürliche Radioaktivität und die Risiken der Entsorgung von anthropogenen radioaktiven Abfällen erörtert und bewertet. Im vierten Kapitel beschäftigt sich Poirier mit der Bedeutung von Kohlendioxid und Methan in Bezug auf den Treibhauseffekt und den damit verbundenen Folgen einer globalen Erwärmung der Erdatmosphäre. Welche Vermeidungsstrategien stehen uns zur Verfügung? Welche Maßnahmen sind notwendig, welche technisch möglich und welche davon überhaupt politisch durchsetzbar? Der Raubbau an Wasser- und Erdölvorräten ist Thema von Kapitel 5. Erstere sind zweifelsfrei extrem lebensnotwendig, denn Leben wäre ohne Wasser nicht möglich. Letztere sind zumindest für die Industrienationen lebenswichtig, da als Hauptenergiequelle noch unverzichtbar. Im Vordergrund steht hier die Frage nach der Akzeptanz von Lösungen zur langfristigen Versorgung und gerechten Verteilung von Wasser und Erdöl in der Zukunft. Im letzten Kapitel schließlich wird auf die überraschend vielfältigen Beziehungen von Erdinneren und Biosphäre eingegangen. Auch wenn manches noch Spekulation ist, so gibt es doch Hinweise darauf, dass dem Erdkern eine Rolle bei der Veränderung des Klimas zukommt und vielleicht sogar zum Massenaussterben an der Grenze Tertiär/Kreide und Perm/Trias beigetragen hat.

Poirier liefert dennoch weder einen weiteren Beitrag zur allgemeinverständlichen Darstellung des Systems Erde, noch einen neuen Appell zum Thema Umwelt (Erden-)Schutz. Er möchte uns vielmehr bewusst machen, dass nicht so sehr die Erde eines Schutzes bedarf, sondern wir - die Menschheit - von der Versorgung mit den lebensnotwendigen Rohstoffen der Erde und deren Erhaltung abhängig sind. Die Erde ist nicht auf uns angewiesen, sondern wir auf sie.

Eine große Stärke des Buches ist die immer wieder zur Diskussion gestellte Rolle von Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern. Welche Funktion und Verantwortung kommen den Wissenschaftlern zu, die nicht alles wissen (können), und welche den Politikern, die Entscheidungen treffen (müssen)? Was kann und was muss von beiden Gruppen an moralischer Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit und tatsächlicher Verantwortung eingefordert werden, und was können oder dürfen wir nicht von ihnen verlangen?

Das leicht lesbare und von Herbert Voßmerbäumer exzellent aus dem Französischen übersetzte Buch ist deshalb allen zu empfehlen, die wissen wollen, wie und in welchem Ausmaß natürliche Prozesse und anthropogene Eingriffe das Verhältnis der Menschen zur Erde beeinflussen, und die sich eine begründete Meinung darüber bilden wollen, ob und wieweit Risiken durch Vorausschau, Vorhersage und Vorbeugung minimiert werden können oder ob wir sie - aus welchen Gründen auch immer - akzeptieren müssen.

Ist die Erde nun Mutter oder eher Rabenmutter? Die Antwort zu dieser Frage sei hier nicht verraten; sie findet sich aber auf S. 145 des überaus empfehlenswerten Buches.

Dr. Udo Neumann, Institut für Geowissenschaften, Universität Tübingen

Naturwissenschaftliche Rundschau, 57. Jg., Heft 5, 2004, S. 283-284

Bespr.: Archaeopteryx Bd. 21, Heft 1 (2003) top ↑

"Die Menschheit und die Erde unterhalten eine dauernde und intensive Wechselbeziehung: die Erde ist unsere Mutter. Sie versorgt uns mit Wasser, ohne das kein Leben möglich ist. Aus ihrem Inneren holen wir uns die Energierohstoffe, ohne die unser Leben recht schwierig wäre. Die Energie der Erde äußert sich aber auch in gewaltigen Wutanfällen, die Menschen morden: die Erde bebt; sie speit Feuer. Wäre sie somit eine Rabenmutter für ihre Kinder? Ist nicht auch sie es, die von Zeit zu Zeit Massensterben heraufbeschwört, vernichtet, was ihre Oberfläche bewohnt? gerade über dieses Verhältnis zwischen der Erde und den Menschen - und seine Folgen für die Menschheit - möchte ich mich mit dem Leser unterhalten." So beschreibt der Geowissenschaftler Jean-Paul Poirier im Vorwort seines nun ins Deutsche übersetzten populärwissenschaftlichen Buches seine Absichten. Sein Stil kommt tatsächlich einer Unterhaltung nahe, einer geologischen Plauderei, in der der Autor die verschiedenen Aspekte seines Themenkatalogs immer wieder neu beleuchtet, so als hätte er tatsächlich ein Gegenüber, das Einwände erhebt und Fragen stellt. Auf diese Weise gelingt es Poirier, auch komplizierte Sachverhalte so darzustellen, dass sie jedem und jeder verständlich werden. Leider sind bei der Übersetzung ins Deutsche gelegentlich mehr Fremdworte und Fachbegriffe hineingeraten, als notwendig gewesen wären, und als offensichtlich in Poiriers ursprünglicher Absicht gestanden hat. Dennoch ist das Bändchen ein sehr gut verständliches Werk.

Anders als Poiriers Absichtserklärung es vermuten lässt, konzentriert sich der Inhalt überwiegend auf dem Aspekt "Rabenmutter Erde", der natürlich der reißerischere Teil der Geschichte von der Wechselbeziehung Erde-Mensch ist. Dabei würfelt der Autor Themen zweierlei Ursprungs zusammen: Einerseits geologisch verursachte Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Massenaussterbeereignisse und andererseits Probleme unserer heutigen Zivilisation, zu denen die Erde lediglich das Potential geliefert hat, die aber ansonsten im wesentlichen von Menschen gemacht sind, wie die Endlagerung radioaktiver Abfälle, der anthropogene Klimawandel, Wasserknappheit und das Wohl und Wehe der Nutzung fossiler Energieträger.

Gelegentlich finden sich kleine sachliche Fehler, im großen und ganzen aber erhält der Leser oder die Leserin ordentlich recherchierte Informationen darüber, beispielsweise, ob man Erdbeben vorhersagen kann oder welche präventiven Maßnahmen man ergreifen kann, um möglicherweise die eine oder andere Katastrophe zu minimieren.

Über manche Analyse lässt sich auch trefflich streiten, überall da, wo die öffentliche Debatte mehr von Ideologien als von Sachargumenten geprägt ist, wie beispielsweise bei der Problematik rund um die Endlagerung von stark radioaktiven Abfällen. Der oben geschilderte Schreibstil des Buches erleichtert allerdings auch hier - wie stets - die eigene Meinungsbildung von Leser oder Leserin.

Damit legt der Autor auch seine eigentliche Absicht dar. Denn dass die Begriffe "Mutter" oder "Rabenmutter" unseren Erdball, der ja keine bewusste Absicht in Bezug auf seine Bewohner verfolgt, unangebracht vermenschlichen, das weiß auch Poirier. Sei eigentliches Thema ist denn auch weniger das zufällige Verhalten der Erde gegenüber uns Menschen als vielmehr das von uns zu gestaltende Verhältnis der menschlichen Zivilisation gegenüber den oft genug unangenehmen Überraschungen der Natur.

Die Stichworte, die immer hierbei wieder kehren, sind Verantwortung und Risiko(-bereitschaft): Poirier schreibt: "Unsere fortschrittlichen Gesellschaften haben durch Ignoranz, Sorglosigkeit oder Egoismus zugelassen, dass sich auf mehr oder weniger lange Sicht potentiell gefährliche Situationen entwickeln. [...] Treibhauseffekt, Ozonloch, radioaktive Abfälle, Erschöpfung der Wasserreserven - das sind Themen, zu denen jeder eine Meinung hat... Und das ist in einer Demokratie sehr gesund. Weniger gesund aber ist es, dass die Meinung im allgemeinen auf unvollständigen, häufig unkorrekten und oft tendenziösen Informationen gründet. Die Öffentlichkeit bangt mit Fug und Recht, ob die Politiker die gebotenen Maßnahmen ergreifen, um die Gefahr zu bannen. Auf der anderen Seite zögern die Verantwortlichen, im Interesse zukünftiger Generationen Maßnahmen zu ergreifen, die im Augenblick teuer sind, denen sich zudem verschiedene Interessengruppen entgegenstellen. Das gilt um so mehr, als die Risiken nicht unmissverständlich definiert sind, die gebotenen Maßnahmen aber noch weniger. In einer solchen Situation schaut jeder auf die Wissenschaftler und erwartet, dass sie die Risken [sic] präzisieren und den Weg weisen, dem man folgen muss, um sie abzuwenden. Wohl gemerkt, jedermann ignoriert oder tut so, als wisse er nicht, dass eine solche Einstellung den wissenschaftlichen Spielregeln zutiefst widerspricht. Diese verlangen, dass man im Falle einer unklaren Antwort auf eine Frage nicht irgendeine Sicherheit zum Ausdruck bringt ... um so mehr, wenn man keine gute Frage formulieren kann, was oft genug der Fall ist."

Das Buch lehnt also die Verantwortung für Vorsorge und Risikoabwägung durch Wissenschaftler ab. Diese können nach Poirier nur eine Beschreibung eines möglichen Risikos liefern und auch dies oft genug nicht mit absoluter Sicherheit. Die Risikoabwägung und die daraus folgende Verantwortung des Handeln oder Nichthandelns trägt nach Poirier die Politik und die Gesellschaft (und damit wir alle) gleichermaßen.

Poirier ist hier wohl vom Unwohlsein getrieben, das ihn befällt, wenn er wie viele seiner Kollegen und Kolleginnen mit Fragen konfrontiert werden, die im ureigensten Sinne unwissenschaftlich sind, die sie also nicht qua Amtes als Wissenschaftler entscheiden können, und zu denen sie nur eine persönliche Meinung äußern können, wie alle anderen eben auch.

Poirier selbst scheint sich eher den Fatalismus des Geologen, der in Jahrmillionen zu denken gelernt hat, zu eigen gemacht haben. Er kann sich sehr gut eine Erde ohne Menschen vorstellen, weiß er doch, dass sie die meiste Zeit sehr gut ohne uns ausgekommen ist. Wenn wir dem Autor da nicht folgen wollen, so werden wir wohl - diesen Schluss legt das Büchlein nahe - an unserer Beziehung zur Mutter Erde noch ganz kräftig arbeiten müssen. Poiriers Büchlein ist sein Beitrag, seinen Lesern und Leserinnen genügend Sachinformationen an die Hand zu geben, um zu den oben genannten Problemfeldern einen eigenen, sachbezogenen Standpunkt finden zu können.

M. Kölbl-Ebert

Archaeopteryx Bd. 21, Heft 1 (2003)

Bespr.: Der Aufschluß, 2/2004 top ↑

Treibhauseffekt, Ozonloch, radioaktive Abfälle, Erschöpfung der Wasserreserven ­ das sind Themen zu denen jeder eine Meinung hat ... und das ist in einer Demokratie sehr gesund, weniger gesund aber ist es, dass die Meinung im allgemeinen auf unvollständigen, häufig unkorrekten und oft tendenziösen Informationen gründet. Dieser kurze Auszug aus der Zusammenfassung der Schlussfolgerungen des Buchs zeigt hervorragend und trefflich was das Ziel des Buchs sein sollte und um es vorweg zu nehmen auch optimal gelungen ist.
Der Autor beschäftigt sich mit vielen geowissenschaftlichen Themen wie Erdbeben, Vulkanen, Klima, Inneres der Erde, lebenswichtigen Flüssigkeiten (Erdöl, Wasser), Grenze Erdmantel-Erdkern. Eingeflochten in beweisbare geowissenschaftliche Hintergrunddaten beschreibt der Autor trefflich die Grenze zwischen Wissenschaft und Spekulation. Wie und wann können Erdbeben fundiert vorausgesagt werden, wann bricht ein Vulkan aus, wie lange reichen unsere Energiereserven und wie gehen wir damit um? Wie muss man wissenschaftliche Daten richtig interpretieren und wo sind die Grenzen bei der Interpretation und Voraussage. Das Buch liest man, wenn man einmal begonnen hat, gleich bis zum Ende ­ man kann einfach nicht aufhören. Hier wird der Nutzen der geowissenschaftlichen Kenntnisse aufgezeigt, aber auch die Grenzen. Der Autor versteht es die gesellschaftlich relevanten Themen gut verpackt, die trockene Wissenschaft aufbereitet, dem Leser nahe zu bringen. Hier zeigt sich auch die weitreichende Erfahrung des Autors. Die Frage des Verhältnisses zwischen Erde und Mensch wird schließlich auch beantwortet ­ wie eigentlich auch nicht anders zu erwarten ­ die Erde verhält sich indifferent gegenüber der Menschheit. Die Risikoabschätzung wird hier zum zentralen Thema.

Das Buch muss man als geowissenschaftlich Interessierter einfach gelesen haben. Eine faszinierende Darstellung geowissenschaftlicher Themen für ein breites Publikum, das sich eine fundierte Meinung zu einigen auch gesellschaftspolitisch relevanten Themen bilden möchte. ­ Ein absolutes Muss!!!

Herbert Pöllmann, Halle (Saale)

Bespr.: Süddeutsche Bauwirtschaft Nr. 6, Juni 2004, S. 147 top ↑

Die Erde ist unsere Mutter. Sie versorgt uns mit Wasser, Bodenschätzen und Energierohstoffen. Dieses Buch beschreibt das Verhältnis zwischen der Erde und den Menschen und seine Folgen für die Menschheit.

Süddeutsche Bauwirtschaft Nr. 6, Juni 2004, S. 147

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Der renommierte französische Geowissenschaftler Jean-Paul Poirier versucht in diesem Buch ein sehr schönes Experiment: er beschreibt und analysiert die Mensch-Erde-Beziehung und nimmt den Leser spannend mit auf den Weg zur Antwort auf die Frage, wer denn überhaupt schuld ist für die katastrophalen Rückschläge der Erde gegen die Menschheit; sprich für die Naturkatastrophen: "die Natur schlägt zurück" und sie tut es immer öfter und vor allem intensiver. Warum wehrt sich die Erde? Weil der Mensch über die Grenzen der Belastbarkeit gegangen ist und immer noch geht - aus der gutmütigen und gütigen Mutter Erde wird plötzlich eine böse Rabenmutter, die kein Verantwortungsgefühl mehr für ihre Menschenkinder hat. Begreift der Mensch es nicht, daß der Bogen langsam überspannt ist oder ignoriert er die Abwehrzeichen der Erde?

So ganz nebenbei und dies ist wirklich sehr eindruckvoll, lernt der Leser in einer sehr allgemeinverständlichen Form die Grundzüge der Tektonik, Seismik und der Klimageographie kennen und zwar nicht in tausendfach wiederholter Art und Weise, sondern gepaart mit den neuesten Erkenntnissen von der Forschungsfront. Wichtig dabei ist auch die Darstellung der derzeitig gültigen Vorhersageverfahren, denn eine rechtzeitige Vorbereitung auf eine nahende Naturkatastrophe kann viele Menschenleben retten.

Sehr spannend geschrieben ist das Kapitel "Klima und Inneres der Erde", in dem das komplexe Wirkungsgefüge des Erdsystems ganzheitlich beleuchtet wird. Natürlich wird gefragt, wie man den anthropogenen Treibhauseffekt mit allen seinen ökologisch negativen Auswirkungen minimieren kann. Teure Klimakonferenzen ohne Ergebnis oder Handeln durch zum Beispiel: "Stäube in die Stratosphäre schießen, um eine Abkühlung zu provozieren": sehr gewagt, oder? Es werden weitere Grenzbereiche angesprochen: Kern-Mantel mit den uns bekannten Hot Spots sowie die Unterschiede der Tagelängen auf den beiden Halbkugeln und die Erschöpfung der Wasserreserven. Es wird dabei auf elementare Zusammenhänge hingewiesen, die bislang eher untergeordnet in der Global-Change-Debatte diskutiert werden.

Und was ist jetzt mit der Antwort auf die Eingangsfrage: die Erde als Mutter oder Rabenmutter? Wir Menschen haben es letztendlich in der Hand, wie sich die Erde entwickelt: ernährt sie uns oder schwächen und zerstören wir sie vorher selbst so sehr, daß sie uns gar nicht mehr ernähren kann. Die Menschen akzeptieren dieses Risiko und riskieren dadurch ihre eigene Existenz. Wenn sie die Grenze der Belastbarkeit definiert haben, ist sie bereits überschreiten.

Für mich persönlich ist die Erde Mutter, die Rabenmütter/-väter sind wir, denn wir Menschen agieren egoistisch und überwiegend auf die Gegenwart konzentriert.

Ein sehr lesenswertes und lehrreiches Buch, bei dem man zwischen den Zeilen doch ein schlechtes Gewissen bekommen sollte. Man wird gekonnt aufgerufen,sich gegenüber einer Mutter respektvoller zu verhalten und endlich das kollektive Jammern durch ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Handeln zu ersetzen. Zum Glück ist dieses spannende Werk kompetent ins Deutsche übersetzt worden, ohne den Charme der französischen Ausdrucksweise von Jean-Paul Poirier zu verlieren.

WLA Online

Zeitschrift für Geomorphologie Band 49 Heft 1, S. 143/144 top ↑

Das kleinformatige Buch spricht die großen geologischen Gefahren auf unserer Erde an. Deshalb wird die Frage aufgeworfen, ob die Erde eine Mutter für uns ist, die uns umsorgt und den Lebensraum zur Verfügung stellt, oder ob sie eine Rabenmutter ist, die uns zu wenig umsorgt und vielen Gefahren aussetzt.

Eine dieser Gefahrenquellen sind die Erdbeben. Der Autor führt in - heute teilweise grotesk anmutende - historische Theorien über die Entstehung der Erdbeben ein und spannt dann den Bogen zur Plattentektonik und einer modernen Erklärung für die Erderschütterungen, die großteils an Plattengrenzen gebunden sind. Schließlich werden die Vorboten von Beben und die Möglichkeiten und Schwierigkeiten von sinnvollen Erdbebenvorhersagen wie auch Vorsorgemaßnahmen angesprochen, die zur Schadensbegrenzung führen können. Dies erscheint gerade im Hinblick auf das jüngste verheerende Erdbeben in Bam im Iran besonders aktuell, da hier ein mittelstarkes Erdbeben größte Schäden und Opferzahlen hervorgerufen hat, was auf die völlig fehlende Vorsorge in einem bebengefährdeten Gebiet zurückzuführen ist.

Eine weitere Gefahr stellen Vulkane dar. Vulkane sind wie die Erdbeben Ausdruck der in Bewegung und Umwälzung begriffenen Erde. Diese Dynamik ist natürlich eine ständige Gefahrenquelle, aber bildet, getrieben vom Temperaturgradienten durch den Erdkörper, auch die Grundlage für die Existenz von Leben. Vulkanische Gesteine sind zudem besonders fruchtbar, weshalb Vulkane immer wieder Menschen dazu verleiten, an ihren Abhängen zu siedeln und Felder zu bestellen. Man lebt bewusst mit der Gefahr. Auch hier stellt sich die Frage, wie präzise man Ausbrüche und ihre Folgen vorhersagen kann.

Ein weiteres lebensbedrohendes Problem ist die Radioaktivität. Zum einen gibt es natürliche Quellen von Radioaktivität wie zum Beispiel Radon-Entgasungen aus Gesteinen (deren Gefahr aber teilweise auch überschätzt wird), zum anderen fallen durch die Industrie radioaktive Abfälle an, die entsorgt werden müssen. Unsere industrielle Epoche beeinflusst auch zunehmend das Klima, wobei ein zäher Streit entflammt ist, welches die natürlichen Änderungen sind und wie viel von der - inzwischen unbestrittenen - heutigen globalen Erwärmung auf den anthropogenen Treibhauseffekt zurückgeht. Lebenswichtig sind sauberes und ausreichend zur Verfügung stehendes Wasser, aber auch andere Flüssigkeiten wie Erdöl, ohne das unser wirtschaftliches Gefüge nicht mehr funktionieren würde.

Zuletzt werden Prozesse in 3000 km Tiefe angesprochen, die im Erdkern oder an der Grenze vom Erdkern zum Erdmantel ablaufen, Auswirkungen auf die Erdoberfläche haben und somit das Leben beeinflussen - durch das Magnetfeld, das kosmische Strahlung abschirmt, oder durch Mitsteuerung der erwähnten dynamischen Prozesse. Schließlich wird auch die Frage der Massenaussterben angesprochen, für die sowohl Einwirkung von außen durch Meteoriteneinschläge oder von innen, zum Beispiel durch exzessiven Vulkanismus, diskutiert werden. In den letzten 500 Millionen Jahren, seit komplexes Leben reichhaltig ist, gab es 5 große Aussterbe-Ereignisse, heute sind wir dabei, das sechste zu verursachen.

Das Buch spricht all diese Fragen an, problematisiert sie und zeigt die Wege auf, die Schutz bringen können. Es ist von einem Fachmann in verständlicher Sprache geschrieben und liest sich flüssig, wenn auch die Übersetzung aus dem französischen Originaltext kleine Eigenwilligkeiten aufweist. Es regt an, informiert und trägt dazu bei, Themen, die heute teilweise kontrovers und meist nicht ohne Emotionen diskutiert werden, mit sachlichem Abstand zu betrachten. Das Buch ist, wie der Autor selbst sagt, eher ein Plädoyer für den Schutz der Menschheit (die irgendwann abtreten wird) als für den Schutz der Erde (die den Menschen sicher überleben wird). Sein Reiz liegt in der kurzweiligen Verbindung zwischen Historischem, Naturwissenschaftlichem und Gesellschaftsrelevantem zu geowissenschaftlichen Fragen und Gefahren unseres Alltags.

Das Buch kann einem breiten Leserkreis empfohlen werden - naturwissenschaftlich Interessierten ebenso wie jedermann, dem die aktuellen, von der Natur beeinflussten gesellschaftlichen Probleme am Herzen liegen, oder Personen, die sich meist ohne viel Sachkenntnis zu den angesprochenen Themen zu Wort melden - also Politikern.

WOLFGANG FRISCH, Tübingen

Zeitschrift für Geomorphologie Band 49 Heft 1, S. 143/144

Inhaltsverzeichnis top ↑

Erdbeben 1
Erdbeben in Legenden und in der Geschichte 2
Göttlicher oder aber natürlicher Ursprung? 6
Die sogenannten pneumatischen Theorien gaben während
mehrerer Jahrhunderte den Ton an 9
Die seismologische Wissenschaft 12
Plattentektonik und Seismizität 14
Kann man ein Erdbeben voraussehen? 18
Was taugen die Vorboten? 20
Empfinden Tiere Erdbeben im voraus? 22
Das seismische Risiko hängt von der seismischen Geschichte ab 24
Seismisches Risiko und Wahrscheinlichkeiten 26
Falscher Alarm 29
Die Verantwortung von Wissenschaftlern und jene der Obrigkeit 31
Die Vorbeugung gegen seismische Schäden 32
Das Erdbeben kommt was tun? 36

Vulkane 39
Feuerberge, Heilige Berge 39
Vulkanische Theorien 41
Einige berühmte Vulkanausbrüche im Mittelmeergebiet 44
Der Tambora und das Jahr ohne Sommer 47
Der Mont Pelée auf Martinique 48
Missetaten von Vulkanen 50
Wohltaten der Vulkane 52
Geburt und Tod von Vulkanen 55
Kann man Vulkanausbrüche vorhersehen? 58
Wird ein Vulkanausbruch katastrophale Folgen
haben oder wieder einschlafen? 60
Die vulkanologischen Observatorien 62
Radioaktivität 67
Natürliche Radioaktivität 68
Welche Einheiten für die Radioaktivität und die natürliche Bestrahlung? 68
Das Radon-Problem 72
Schwellenwirkung und Hormesis 74
Die fossilen Atomreaktoren 79
Das Problem der radioaktiven Abfälle 81
Die Tiefenlagerung der Abfälle 85
Die Verbrennung der Abfälle 89
Klima und Inneres der Erde 91
Das Kohlendioxid und der Treibhauseffekt 93
Methan und Treibhauseffekt 96
Fossile Brennstoffe und der anthropogene Treibhauseffekt 98
Vulkane und Klima 102
Was soll man tun? 104
Das Ozon in der Stratosphäre 108
Das Ozonloch 110
Die lebenswichtigen Flüssigkeiten 114
Das Wasser 114
Bewässerung, Grundwasser-Niveaus und Flüsse 116
Wasserschutz 120
Das Erdöl 123
Die Entstehung des Erdöls 124
Die Erdölreserven 127
Die Grenze Kern Mantel 130
Die Grenze Kern Mantel 130
Das magnetische Feld 134
Tageslänge 137
Hot Spots, Mantelkissen, Lavaergüsse und Massensterben 139
Schlussfolgerungen 145
Literatur 151
Abbildungsnachweise 157

Kurzbeschreibung top ↑

Die Erde ist unsere Mutter. Sie versorgt uns mit Wasser, Bodenschätzen und Energierohstoffen: mit allem Lebensnotwendigen. Das vorliegende Buch beschreibt dieses Verhältnis zwischen der Erde und den Menschen und von seinen Folgen für die Menschheit. Erdbeben, Vulkane, Radioaktivität, nuklearer Müll, Treibhauseffekt, Wasser und Kohlenwasserstoffe, Klima und Inneres der Erde, die Grenze Kern-Mantel und ihre Bedeutung für das Leben - Jean-Paul POIRIER berichtet, erklärt und zieht historische Beispiele heran; er blickt voraus, gelangt von Berichten zu Beweisen, von Theorien zu Entdeckungen.
Ein faszinierend geschriebenes Buch für ein breit gestreutes Publikum, vom Schüler bis zum Politiker und für alle, die sich für das Geschehen auf und in unserer Erde interessieren.