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Karl Hans Wedepohl:

Glas in Antike und Mittelalter

Geschichte eines Werkstoffes

[Glass in Antiquity and the Middle Ages. The history of a material]

2003. X, 227 Seiten, 45 Abbildungen, 29 Tabellen, 32 Farbbilder, 17x24cm, 560 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65207-5, brosch., price: 39.80 €

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Glas Antik Mittelalter Ägyptisches Glas

Contents

Beschreibung top ↑

Dieses Buch bietet den Archäologen, Historikern und einschlägig interessierten Naturwissenschaftlern eine ausführliche Zusammenfassung über die Rohstoffe, Zusammensetzung, Herstellung und Nutzung von Gläsern, die für viele Kulturen und Regionen von der Antike bis zum Mittelalter charakteristisch sind.

Glas wurde erstmals vor rund 3500 Jahren in der Bronzezeit hergestellt und war zunächst ein kostbares Gut. In Ägypten wurde es für Schmuck zur Imitation von Edelsteinen und für bunte Gefäße verwendet. Die Römer schufen daraus Vorrats- und Tafelgeschirr, aber auch prächtige Behälter. Im Mittelalter waren die meist farbigen Kirchenfenster Teile der Architektur. Gut erhaltene zeittypische Gefäße und Fenster werden in beispielhaften Farbabbildungen gezeigt.

In jeder Epoche, im antiken Mesopotamien und Ägypten, in Persien, dem römischen Reich und Byzanz, in der Zeit der Karolinger und im hohen wie späten Mittelalter wurden langzeitig tradierte Methoden und zeittypische Ausgangsstoffe wie Quarzsand, Soda und Pflanzenasche für die Glasherstellung benutzt; auch darüber gibt das Buch einen guten Überblick.

Der Autor hat in 28, teils mehrseitigen Tabellen Analysen alter Gläser aus der Literatur und eigenen Untersuchungen zusammengetragen, die heute fast zerstörungsfrei erstellt werden können. Aus der chemischen Zusammensetzung eines Glasbruchstücks, das meist aus archäologischen Grabungen stammt, kann bei günstigen Bedingungen die Region und die Epoche abgelesen werden, in der dieses Glas entstand. So vermag der Kulturgeschichtler daraus oft erstaunliche Handelswege abzuleiten.

Der Verfasser dieses Buches war von 1964 bis 1993 Professor der Geochemie und Leiter des Geochemischen Instituts der Universität Göttingen. Er ist seit 1970 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Göttingen sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen führten ihn zur Kulturgeschichte, insbesondere des Glases. So ist aus der Anwendung chemischer Methoden auf geschichtliche Fragestellungen dieses Buch entstanden.

Bespr.: Glas und Rahmen 1/2005, S. 26 top ↑

Es gibt mehrere mögliche Herangehensweisen an ein Thema der Technikgeschichte. Der Naturwissenschaftler Wedepohl, ein Geochemiker, hat dazu einen anderen - eigenen - Weg gewählt. Die Geochemie befasst sich mit dem stofflichen Aufbau und der Verteilung von chemischen Elementen und Isotopen in der Erde. Sie ist die Fachrichtung die die Geologie und die Chemie verbindet. Durch Methoden der Geochemie kann die zeitliche Entwicklung der Erde untersucht werden.

Der Autor hat sein Wissen genutzt, um archäologische Probleme mit Hilfe der chemischen Untersuchung technischer Prozesse zu lösen. Die Änderung stofflicher Zusammensetzungen nachzuweisen, ist eine Möglichkeit Veränderungen in der Geschichte eines Werkstoffes aufzuzeigen. Dies wiederum wird als Basis genutzt, um technische und geschichtliche Details damit in Verbindung zu bringen. Das Hauptaugenmerk liegt aber eindeutig bei der Darstellung der chemischen Zusammensetzung der Gläser der einzelnen Epochen. Aus der chemischen Zusammensetzung eines Glasbruchstückes, das meist aus archäologischen Grabungen stammt, kann bei günstigen Bedingungen die Region und die Epoche abgelesen werden, in der dieses Glas entstand. Daraus können nicht nur erstaunliche Handelswege abgeleitet werden. So sind auch Rückschlüsse auf die Produktionsstätten, ihre Techniken und Kapazitäten möglich. Teils sehr ausführlich, werden einzelne Glashütten im Rahmen ihrer Epoche vorgestellt und so mit ihrer Entwicklung in einen geschichtlichen Zusammenhang gebracht. Ein eigenes Kapitel haben Farbige Fenster des hohen und späten Mittelalters". Durch Vergleiche der chemischen Analysen wird u.a. die Entwicklung hin zu beständigeren Gläsern aufgezeigt. Die Verwitterung hatte den Scheiben bis dahin ständig Schaden zugefügt. Interessant sind u.a. die Kapitel zum Glas im Mittelalter. Vieles von dem was heute als selbstverständlich einfach hingenommen wird, hat in Erkenntnissen aus dieser Zeit seinen Ursprung.

Lutz Wiegand 05.01.2005

Glas und Rahmen 1/2005, S. 26

Bespr.: Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 20/2004 top ↑

Viele Fragestellungen der Glasforschung können durch eine rein kunsthistorische oder auch archäologisch-typologische Vorgehensweise nicht beantworten werden. Die Erörterung grundlegender Probleme wie etwa die Rohstoffe und ihre Herkunft, Ofenatmosphäre und Schmelzdauer oder die exakten Produktionsstätten von Glasfunden erfordert zusätzlich auch profunde Kenntnisse über die Glaszusammensetzung, für die wiederum chemische Analysen unabdingbar sind. Es bedarf also einer engen Zusammenarbeit zwischen Archäologen bzw. Kunsthistorikern und Chemikern, die im deutschsprachigen Raum in vieler Hinsicht durch Karl Hans WEDEPOHL repräsentiert wird.

In Glas in Antike und Mittelalter" stellt sich Karl Hans WEDEPOHL, wie er selbst im Vorwort schreibt, folgerichtig als Naturwissenschaftler einer kulturhistorischen Frage und versucht, mit Hilfe chemischer Untersuchungen von Gläsern zur Klärung archäologischer Probleme beizutragen.

Der Autor beschäftigt sich zunächst mit den wesentlichen Rohstoffen für frühes Glas, also Quarz, Soda, Kalk, Holzasche, Bleioxide, Farbzusätzen und Kochsalz. Er geht auf ihre chemische Zusammensetzung, auf wichtige Charakteristika sowie auf das regionale und zeitliche Vorkommen dieser Stoffe ein. Weiters zeigt WEDEPOHL auf, welche Möglichkeiten bei der Bestimmung von Alter, Herkunft oder etwa Schmelztemperatur einzelner Rohstoffe bestehen. Anschließend werden in einzelnen Kapiteln Glasuren als Vorläufer des Glases, mesopotamisches, ägyptisches, römisches, sassanidisches, byzantinisches, frühislamisches, fränkisches, karolingisches und hoch- bis spätmittelalterliches Glas behandelt. Für jede Epoche berichtet der Autor zunächst über die historischen Rahmenbedingungen sowie den Handel mit Rohstoffen und Glas. Anschließend werden die für die jeweiligen Epochen typischen Rohstoffzusammensetzungen der Glaserzeugung angeführt und mit anderen Regionen bzw. Epochen verglichen. Die Konzentrationen der charakteristischen Elementoxide werden in Form von zwei Dreiecksdiagrammen gut veranschaulicht. An Hand der interdisziplinären Ergebnisse versucht der Autor auch, den Produktionsablauf der römischen und mittelalterlichen Glashütten zu rekonstruieren. Schließlich folgt ein Ausblick auf die Glaserzeugung in der Neuzeit.

In einem sehr umfangreichen Tabellenanhang werden schließlich die chemischen Analysen repräsentativer Gläser vorgelegt.

Schon die erste Überblicksarbeit von WEDEPOHL zu mittelalterlichem Glas und seiner Zusammensetzung stellte auch für den Nicht-Chemiker einen gut verständlichen Einstieg in die Chemie dieses Werkstoffes dar. Diese gute Lesbarkeit trifft nun auch für die neue Publikation des Autors zu.

"Glas in Antike und Mittelalter" bietet zunächst natürlich grundlegende Informationen zu den Rohstoffen der Glaserzeugung sowie den drei Grundrezepten der Glasherstellung, deren Laufzeiten von der Antike bis zum Mittelalter variieren. Es wird versucht, die Gründe für diese Änderungen sowie ihre Auswirkungen auf Technologie und Umwelt darzulegen. Die Darstellung der Zusammensetzungen in Form von Dreiecksdiagrammen sowie der ausführliche Tabellenanhang ermöglichen einen guten Vergleich eigener Analyseergebnisse mit den hier dargelegten Glastypen. Bedauerlicherweise sind die Grafiken etwas zu klein abgebildet, sodass häufig einzelne Symbole nicht mehr unterscheidbar sind. Karl Hans WEDEPOHL zeigt aber auch auf, dass unter Heranziehung von chemischen Analysen ­ über die Bestimmung der Zusammensetzung hinweg - auch weiter reichende Aussagen zur Glaserzeugung möglich sind.

Interessant ist so etwa der Vergleich der nachgewiesenen Rezepturen mit den aus den antiken und mittelalterlichen Quellen überlieferten Angaben. So spricht beispielsweise die Zusammensetzung der hochmittelalterlichen Holzasche-Gläser - die gut mit den von Theophilus Presbyter angeführten Rezepturen übereinstimmt - gegen eine frühere Datierung des Theophilus-Textes in das frühe Mittelalter und auch gegen eine Herkunft des Mönches aus dem byzantinischen Gebiet, wie es immer wieder vermutet wurde.

Der Autor geht zudem auf wichtige archäologische Fundstellen wie etwa den ägyptischen Glaswerkstätten in Amarna, den spätkaiserzeitlichen Glashütten in Hambach und diverse mittelalterliche Waldglashütten in Deutschland ein und präsentiert aktuelle Ergebnisse, die in interdisziplinärer Zusammenarbeit gewonnen wurden. Diese erlauben z. B. eine Rekonstruktion der Technologie sowie der Produktionspalette der jeweiligen Hütten sowie das Herausarbeiten von Produktionsgebieten.

Schließlich verschafft die besprochene Publikation auch Einblicke zum Gebrauch von Glas bzw. zu häufigen Glasformen von der Antike bis in das Mittelalter, wobei der jeweilige historische und kulturhistorische Rahmen berücksichtigt wird.

Karl Hans WEDEPOHL ist es gelungen, die in seinem Vorwort definierte Fragestellung bezüglich der Klärung kulturhistorischer Probleme zum Werkstoff Glas vom Standpunkt eines Naturwissenschaftlers von möglichst vielen Seiten zu beleuchten und neue mögliche Ansätze aufzuzeigen. Klar offenbart sich die Bandbreite an Erkenntnissen, die durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kollegen möglich ist. WEDEPOHL bietet also mit dieser Publikation - unter Berücksichtigung chemischer, historischer, archäologischer und kunsthistorischer Ergebnisse - eine spannende und umfassende Darstellung der Geschichte des Glases und der Glaserzeugung, die durchaus auch zur intensiveren Beschäftigung mit diesem bedeutenden Werkstoff anregen sollte.

Kinga Tarcsay

Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 20/2004

Bespr.: Restauro 4/2004, S. 244/245 top ↑

Es wurde höchste Zeit für den Versuch, die inzwischen nahezu unübersehbare Literatur über historisches Glas, die in jüngerer Zeit vor allem aus einer intensiver gewordenen Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern mit Archäologen, Denkmalpflegern, Restauratoren und Museen erwachsen ist, für eine geschlossene Darstellung der Geschichte dieses uralten Werkstoffs zu nutzen. Alle bisher unter ähnlichen Titeln veröffentlichten Arbeiten schlugen den großen Bogen ohne ins Detail zu gehen oder befassten sich mit zeitlich und lokal begrenzten Ausschnitten. Die Naturwissenschaften wurden dabei allenfalls marginal berücksichtigt.

Nun gibt es ein Buch über den Zeitraum von der Antike bis zur beginnenden Neuzeit, in dem der Werkstoff die Hauptrolle spielt. Seine stoffliche Beschaffenheit, seine Eigenschaften und vor allem die Aspekte der Herstellung und Verwendung werden in historischen und lokalen Zusammenhängen diskutiert. Der Autor leitet viele neue Erkenntnisse ab, und obwohl er manche kühne, zwangsläufig nicht immer belegbare Schlussfolgerung zieht, ist die Logik seiner Argumente bestechend.

Karl Hans Wedepohl, Professor für Geochemie in Göttingen, hat vor allem die zehn Jahre nach seiner Emeritierung mit großem Fleiß genutzt, um den aus Grabungen und Museumsbeständen erhaltenen Zeugen mit Hilfe chemischer Analysen ihre Geheimnisse zu entlocken. Dennoch stellt er die eigenen Untersuchungsergebnisse unbevorzugt in die Reihe der vielen bereits von anderen Autoren veröffentlichten Daten, um so auf einer breiten Basis von Messwerten, die dem Leser zusammengefasst in 29 Tabellen auch zur eigenen Reflektion bereitstehen, ein überzeugendes Gesamtbild antiker und mittelalterlicher Glasproduktion zu entwickeln. Nicht unerwartet steht für den Geochemiker die Relation zwischen der chemischen Zusammensetzung der Gläser und den für ihre Herstellung verwendeten Rohstoffen im Mittelpunkt. Diese Aspekte allein ergäben jedoch noch kein lebendiges Bild der Entwicklungsgeschichte, hinzu kommen die bevölkerungspolitischen, religiösen, botanischen, medizinischen, sozialen und vor allem die geografischen. Dem Buch kommt zugute, dass der Autor aus einem breiten und fundierten Wissen in der allgemeinen Technikgeschichte schöpfen kann.

Auf den ersten Blick mag die Fülle der chemischen Angaben verwirrend sein. Letztlich muß sich der Leser über einen Zeitraum von fast dreitausend Jahren lediglich vier Glastypen merken, die sich hinsichtlich ihrer Rohstoffkomponenten voneinander unterscheiden. Wie groß die Gemeinsamkeiten zwischen örtlich und zeitlich weit voneinander entfernten Erzeugnissen sein können und wie sie dennoch durch eine bestimmte Komponente signifikant voneinander unterscheidbar sind, kann man sehr anschaulich mit Hilfe von Doppeldreieckdiagrammen erfahren, ohne sich in die Einzelwertangaben der Tabellen vertiefen zu müssen.

Es war sicher im Interesse eines vernünftigen Buchpreises, die Anzahl der farbigen Abbildungen angemessen zu beschränken, so dass man leider die ganze Fülle, die der Werkstoff für das Kunsthandwerk bereithält, nicht annähernd erahnen kann. Vor allem die Auswahl der abgebildeten Beispiele, aber auch deren farbliche Qualität entschädigen jedoch und machen Appetit auf den Museumsbesuch.

Für den Nutzer des Buches ist ohnehin der Text der wichtigere Teil. Die Gliederung ist sinnvoll dreigeteilt. Nach einer Einführung in die Glaseigenschaften, -herstellung und -zusammensetzung folgt eine ausführliche Beschreibung der Rohstoffe und ihrer Quellen. Anschließend werden vom dritten bis neunten Kapitel die vorangegangenen Glasuren behandelt, dann das mesopotamische und ägyptische Glas, das keltische und römische, das persische und byzantinische, schließlich das merowingisch-fränkische und karolingische. Die Chronologie endet mit dem Glas des hohen und späten Mittelalters. Bei letzterem wechselt noch einmal das Kriterium der Gliederung und bleibt vom zehnten bis zum fünfzehnten Kapitel von Glastyp, Herstellung und Erzeugnisart bestimmt. Die große Fülle von Einzelinformationen in fast allen Kapiteln bietet neue Chancen für die Zuordnung bisher nicht bestimmter Artefakte aller Art. Für den technikgeschichtlich interessierten Leser hält das Buch mit der Ableitung konstruktiver Details von historischen Schmelz- und Kühlöfen sowie mit einer eleganten Abschätzung des Gesamtumfangs der mittelalterlichen Glaserzeugung in Deutschland besondere Darstellungen bereit, die zu neuen Forschungen anregen können.

Kritische Anmerkungen lassen sich auf wenige Punkte beschränken. Vielleicht fällt es dem nicht speziell naturwissenschaftlich gebildeten Leser schwer, die aus geringen Differenzen im Gehalt einzelner Komponenten der Gläser abgeleiteten Schlussfolgerungen nachzuvollziehen. Die Kenntnis darüber, welche Bedeutung ihr hinsichtlich der Eigenschaften zukommt, wird meist vorausgesetzt. Und angesichts des umfassenden Titels "Geschichte eines Werkstoffs" hätte neben der sicher bedeutendsten Region Nordafrika/Vorderasien/Europa doch auch die schon im Altertum nachweisbare Glaserzeugung in China zumindest eine Erwähnung verdient. Der hervorragenden Qualität des Textes tut dieses Versäumnis jedoch keinen Abbruch. Er hätte es verdient, in Leinen gebunden zu werden.

Wolfgang Müller

Restauro 4/2004, S. 244/245

Bespr.: dgg journal 4 (2005) Nr. 2, S. 54 top ↑

Das Buch vermittelt einen fesselnden Einblick in die frühen Anfänge der Glasherstellung in Mesopotamien und Ägypten, sowie in die Glasfertigung zur römischen, fränkischen und karolingischen Zeit bis hin ins hohe und späte Mittelalter.

Dem Autor - kein Kunsthistoriker, sondern ein Geochemiker - ist es ein besonderes Anliegen, die Glasherstellung aus der Sicht der eingesetzten Glasrohstoffe darzustellen, woraus sich zeitlich drei Perioden ergeben. Dabei kommt bei den üblicherweise hergestellten Kalk-Alkali-Silicatgläsern neben dem Hauptrohstoff Quarzsand den jeweils verwendeten Flussmitteln eine wichtige Bedeutung zu. Die Rezepturwechel wirken sich auf die Schmelztechnik und auf die Eigenschaften der Gläser aus.

Die mesopotamische und ägyptische Glasherstellung als erste Periode ist gekennzeichnet durch ``Soda-Asche''-Gläser. Im Wesentlichen wurden Strand- und Wüstenpflanzen, die kalk- und natronhaltig sind, verascht und zur Glasschmelze eingesetzt.

Im römischen und fränkischen Reich wurde ab dem 5. Jh. v. Chr. zunehmend die natürlich vorkommende mineralische Soda (Trona) aus dem Wadi el Natrun in Ägypten verwendet. Der sonst aus der Pflanzenasche beigesteuerte Kalk musste in dieser zweiten Periode zusätzlich durch einen kalkhaltigen Rohstoff ergänzt werden.

In der dritten Periode schließlich, ab etwa 800 n. Chr. wurde nördlich der Alpen Holzasche eingesetzt, die durch Veraschung von Landpflanzen (insbesondere Buchenholz) entsteht und zu einem kalium- und kalkhaltigen Rohstoff führt. Insbesondere romanische und gotische Kirchenfenster zeichnen sich als Kalk-Kalium-Silicatgläser aus, die nur wenig Natrium enthalten.

Vom Autor wird auch die Bedeutung eines weiteren Flussmittels hervorgehoben: Bleioxid, das bei der Silbergewinnung aus Bleiglanz (PbS) anfiel. Bleisilicatgläser sind seit der Antike bekannt.

Das Buch beeindruckt durch die sorgfältige Recherche mit Literaturangaben und einer Fülle von tabellarisch aufgeführten chemischen Zusammensetzungen von Gläsern und Asche-Rohstoffen.

Dem Buch wünschte man einen größeren Leserkreis. Eine englischsprachige Ausgabe hätte diesem Anliegen Rechnung getragen; die englischen Bildunterschriften sind ein halbherziger Versuch.

H. A. Schaeffer

Erschienen in: dgg journal 4 (2005) Nr. 2, S. 54

Inhaltsverzeichnis top ↑

1 Einführung in die Eigenschaften, Herstellung und
Zusammensetzung von Glas 1
1.1 Ursprung 1
1.2 Zusammensetzung und Herstellung 2
1.3 Chemische Analysen 4
2 Die wesentlichen Rohstoffe für frühes Glas 5
2.1 Quarz 5
2.2 Soda-Asche (Natrium-reiche Pflanzenasche) 7
2.3 Mineralische Soda (Trona) 11
2.4 Kalk 14
2.5 Holzasche (Kalium-reiche Pflanzenasche) 17
2.6 Bleioxid 22
2.7 Blei-Isotopie 25
2.8 Farbzusätze 26
2.9 Kochsalz 29
3 Glasuren als Vorläufer und Begleiter des Glases 31
4 Mesopotamisches und ägyptisches Glas.
Beginn der Glasherstellung 34
4.1 Ägyptisches Glas 34
4.2 Herstellung von Glasgefäßen vor Erfindung der Glasmacherpfeife 35
4.3 Ägyptisches Farbglas 36
4.4 Ägyptische Rohglasherstellung 37
4.5 Vergleich mesopotamischer und ägyptischer Gläser
in der chemischen Zusammensetzung 37
4.6 Beginn der Glasherstellung 43
4.7 Keilschrifttexte 43
4.8 Ausklang 45
5 Der Umbruch in der Sodaglas-Zusammensetzung
im letzten vorchristlichen Jahrtausend 46
6 Römisches Glas 51
6.1 Erfindung der Glasmacherpfeife 51
6.2 Frühkaiserzeitliches Glas, polychrome Gefäße 52
6.3 Monochrome Gefäße 54
6.4 Farbloses Glas 54
6.5 Glasschliff 55
6.6 Gefäßformen 56
6.7 Hüttenbeispiele 58
6.8 Fensterglas 59
6.9 Spätkaiserzeitliche Glashütten in Hambach (Eifel) 61
6.10 Chemische Zusammensetzung 65
6.11 Rohstoffe und Zusammensetzung der Hambacher Gläser 66
7 Glas aus dem sassanidischen Persien sowie
aus dem byzantinischen und frühen islamischen
Herrschaftsgebiet 70
7.1 Sassanidisches Persien 70
7.2 Byzanz 72
7.3 Islamisches Gebiet 73

8 Glas der fränkischen und karolingischen Zeit
8.1 Merowingisch-fränkisches Soda-Kalk-Glas 74
8.2 Karolingisches Soda-Kalk-Glas 84
8.3 Repräsentative Glasfundplätze 85
8.4 Frühmittelalterliches Flachglas 88
8.5 Chemische Zusammensetzung der karolingischen
Soda-Kalk-Gläser 89
8.6 Frühmittelalterliches Holzasche-Glas 91
8.7 Karolingische Alkali-Mischgläser 94
8.8 Frühe Blei-Holzasche-Gläser 95
9 Glas des hohen Mittelalters 96
9.1 Stadtgründungen, Anstieg des Glasbedarfs 96
9.2 Holzasche-Glasrezept des Theophilus 97
9.3 Öfen und Häfen der Waldglashütten 99
9.4 Glasmacherwerkzeug 103
9.5 Islamisches Soda-Asche-Glas 103
9.6 Hedwigsbecher aus Soda-Asche-Glas 104
9.7 Venezianische emailbemalte Becher und ihre
islamischen Vorläufer 106
9.8 Holzasche-Glasproduktion in Mitteleuropa 109
10 Farbige Fenster des hohen und späten Mittelalters 111
10.1 Frühmittelalterliche und romanische Vorläufer 111
10.2 Prophetenfenster in Augsburg 112
10.3 Frühgotische Farbverglasungen (13. Jahrhundert) 113
10.4 Hochgotik 114
10.5 Spätgotik 119
10.6 Glasverwitterung 120
10.7 Chemische Zusammensetzung 121
10.8 Vergleich deutscher, französischer und englischer
Holzasche-Gläser 123
10.9 Hoch- und spätmittelalterliche Produktionsmengen an Flachglas 124
11 Glasgefäße des hohen und späten Mittelalters 126
11.1 Frühe Hüttenregionen, Glasbesitz 126
11.2 Häufige Gefäßtypen 127
11.3 Chemische Zusammensetzung 131
11.4 Produktionsmengen an Hohlglas 132
12 Holzasche-Kalk-Glas des späten Mittelalters 133
12.1 Innovation zur Einsparung von Buchen-Stammholz 133
12.2 Chemische Zusammensetzung 135
12.3 Gefäßformen, Hüttenregionen 137
12.4 Vergleich von früh-, hoch- und spätmittelalterlichem
Holzasche-Glas 138
13 Vorläufer, Technologie und Kapazität mittelalterlicher
Glashütten 140
13.1 Vorläufer und Technologie 140
13.2 Kapazität, Hüttenordnungen 144
14 Blei-Glas von der Antike bis zum Mittelalter 150
14.1 Eigenschaften Blei-reicher Gläser 150
14.2 Bleihaltige Gläser der Antike 152
14.3 Frühmittelalterliche Glättgläser und islamische Importe,
hochmittelalterliche Scheiben und Gefäße aus Blei-Glas 152
15 Rückblick und Ausblick 157
15.1 Rückblick 157
15.2 Ausblick auf die Neuzeit 161
16 Literaturverzeichnis 163
17 Tabellenanhang mit chemischen Analysen repräsentativer Gläser 173
18 Sachwortverzeichnis 223
Farbbilder 1-­8 39
Farbbilder 9-­21 76
Farbbilder 22-­26 115
Farbbilder 27-­29 129
Farbbilder 30-­31 155
Farbbild 32 162

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Dieses Buch bietet den Archäologen, Historikern und allen an antiken Gläsern interessierten Naturwissenschaftlern eine ausführliche Zusammenfassung über die Rohstoffe, Zusammensetzung, Herstellung und Nutzung von Gläsern, die für viele Kulturen und Regionen von der Antike bis zum Mittelalter charakteristisch sind. Der Autor, von 1964 bis 1993 Professor an der Universität Göttingen, hat in 28, teils mehrseitigen Tabellen Analysen alter Gläser aus der Literatur und eigenen Untersuchungen zusammengetragen, die heute fast zerstörungsfrei erstellt werden können. Aus der chemischen Zusammensetzung eines Glasbruchstücks, das meist aus archäologischen Grabungen stammt, kann bei günstigen Bedingungen die Region und die Epoche abgelesen werden, in der dieses Glas entstand. So vermag der Kulturgeschichtler daraus oft erstaunliche Handelswege abzuleiten.