cover

Geologie von Mecklenburg-Vorpommern

Hrsg.: Gerhard Katzung

[Regional Geology of the State of Mecklenburg-Western Pomerania, NE-Germany]

2004. 1. Auflage, XI, 580 Seiten, 192 Abbildungen, 50 Tabellen, 17x24cm, 1550 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65210-5, gebunden, price: 64.00 €

in stock and ready to ship

Order form

BibTeX file

Keywords

Quartär Küstenregion regional Geologie Ressourcen Lagerstätte

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

In der geologisch kurzen Zeit von ca. 20.000 Jahren ist die glazial geprägte Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns mit ihrer postglazial geformten Küstenregion entstanden. Das jüngere Quartär mit seinem vielfältigen Formenschatz bedeckt deshalb den weitaus größten Teil des Landes vollständig. An den Kliffs der Küste ist es sehr gut aufgeschlossen. Das ältere Quartär tritt auf vergleichsweise kleinen Flächen im Südwesten zutage. Sedimente des Tertiärs, der Kreide und auch des Juras sind allerdings seit langem an der Oberfläche in Form von Schollen bekannt, die das Inlandeis vom Untergrund abgehobelt und in das Quartär eingeschuppt hat.

Das Präquartär ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem bei der Suche nach Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten mit großem Aufwand bohrtechnisch erschlossen worden. Dabei haben zahlreiche Bohrungen Endteufen von mehr als 5 km, einige sogar mehr als 6 km erreicht. Die Bohrung Mirow 1 wurde 1976 bei der europäischen Rekordteufe von 8.009 m beendet. Die Ergebnisse dieser intensiven Bohrtätigkeit werden hier zum ersten Mal zusammenfassend dargestellt: Die weitflächig verbreiteten Ablagerungen des Mesozoikums und Perms erreichen zwischen dem Unterlauf der Elbe und dem der Oder große Mächtigkeiten. Die ebenfalls mächtigen Sedimente des Karbons, Devons, Ordoviziums und Neoproterozoikums sind im Untergrund Vorpommerns einschließlich der vorgelagerten Inseln Rügen, Hiddensee und Usedom sowie der Ostsee nachgewiesen worden. Bis hierher reicht auch das von Skandinavien bekannte Kristallin des Osteuropäischen Kratons. In dieser Monographie werden die Ausbildung und die Struktur der Schichtenfolge vom Fundament bis zur Erdoberfläche sowie die Sedimente der Küste und der Ostsee beschrieben, weiterhin die Nutzung und der Schutz der Geo-Ressourcen aufgezeigt.

Die Autoren haben zumeist über längere Zeit und in unterschiedlicher Weise an den geowissenschaftlichen Untersuchungen des Landes mitgewirkt. Der Herausgeber war maßgeblich an der Projektierung der tiefen Forschungsbohrungen sowie an der Auswertung der gewonnenen Informationen und Daten beteiligt. Von 1988 bis 2001 hat er an der Universität Greifswald Regionale Geologie und Strukturgeologie gelehrt.

Bespr.: GMIT Dez. 2004 top ↑

Mit dem im Frühjahr 2004 erschienen Buch Geologie von Mecklenburg" liegt erstmals eine moderne Monographie für das Land Mecklenburg-Vorpommern vor. Auf ca. 600 Seiten werden von den 40 Autoren vor allem die Untersuchungsergebnisse und der enorme Wissenszuwachs der letzten 50 Jahre ausführlich und anschaulich dokumentiert, welcher auf den vielfältigen und intensiven geowissenschaftlichen Untersuchungen des Landes vor allem seit den 1950-er Jahren beruht. Das Buch gliedert sich in 6 Kapitel, in denen übersichtlich und modern die Ausbildung und Struktur der Schichtenfolgen, sowie die an der Oberfläche anstehenden Bildungen beschrieben werden. Es sind aber ebenso Ausführungen zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz der Geo-Ressourcen in diesem Buch enthalten.

Nach einem kurzen Abriss zur Geschichte der geologischen Erforschung des Landes erfolgt im Kapitel 2 die regionalgeologische Zuordnung der Region. Das Kapitel 3 ist der ausführlichen Beschreibung des präquartären Untergrundes gewidmet, hier werden vor allem die zahlreichen aus Bohrungen gewonnenen Erkenntnisse dokumentiert. Einen breiten Raum nimmt die Beschreibung des Quartärs und der Küstenaufschlüsse in Kapitel 4 ein, hiermit wird der glazial geprägten Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns und seiner postglazial geformten Küstenregion Rechnung getragen. Im Kapitel 5 werden die Strukturen der Schichtenfolge vom Fundament bis zu den glazialen Deformationen betrachtet. Im abschließenden Kapitel 6 werden Fragen der Nutzung, der Gefährdung und des Schutzes der Georessourcen aufgezeigt. Abgeschlossen wird dieses Werk durch ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis mit den wesentlichen seit 1950 erschienen Publikationen. Durchgängig gut gelungen und sehr anschaulich sind auch die durchgängig in schwarz-weiss gehaltenen Abbildungen und Karten des Buches.

Dieses Buch stellt eine Fundgrube für alle Geologen, Geographen, Mineralogen, Studenten der Geowissenschaften aber auch für Schulen und alle diejenigen dar, die an der Geologie Mecklenburg-Vorpommerns interessiert sind.

Karsten Schütze, Güstrow

GMIT Dez. 2004

Bespr.: Meyniana 56 Seite 155-156 Kiel, (Nov.) 2004 top ↑

In dieser Monographie mit Beiträgen von 39 Koautoren, Spezialisten in ihren Fach-gebieten, ist der neueste Stand der Kenntnis zur Geologie von Mecklenburg-Vorpommern dargestellt. Er umfasst vom präkambrischen Fundament über die regional-geologische Entwicklung, die Tektonik und die Schichtfolge bis zum Rezenten und schließt wirtschaftliche und ökologische Aspekten ein.

Serien von lithologisch-paläogeographischen Schemata des epivariszischen Tafel-deckgebirges in Mitteleuropa ermöglichen dem Leser einen Blick in die überregionale geologische Entwicklung. Die Auswertung der zahlreichen Bohrungen (bis 8 km Teufe), hauptsächlich von der Suche nach Erdöl- und Erdgaslagerstätten, ver-mittelt bestens die Stratigraphie, Verbreitung, Mächtigkeit, fazielle Entwicklung und die Paläogeographie der stratigraphischen Einheiten. Anhand der Korrelation der zusammengetragenen Bohr- und Seismik-Profile wird die zeitliche und räumliche Verteilung der Formationen und Schichten verschiedenen geologischen Alters verdeutlicht. Den Autoren ist es gelungen, detaillierte Informationen von lokalem Interesse zu präsentieren und sie gleichzeitig in regionale Synthesen einzubinden.

Für das Paläogen und Neogen werden Abfolge und Verbreitung der Schichten kurz dargestellt. Da die Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns jedoch glazial geprägt ist, ist das umfangreichste Kapitel des Buches dem Quartär bis hinein ins Holozän gewidmet. Hierbei sind auch die angrenzenden Ostseegebiete mit einbezogen. Alt- und mittelpleistozäne Schichten in terrigener und mariner Fazies werden petrographisch und stratigraphisch untersucht, gegliedert und korreliert. Allerdings sucht der Leser hier vergeblich nach den Äquivalenzen von bzw. Zusammenhängen mit den glazialen und interglazialen Phasen, die aus Eiskernen und Tiefseeablagerungen bekannt sind. Die Schwerigkeit besteht darin, dass die terrestrischen Ablagerungen der schwächeren Glazialphasen überwiegend in den nachfolgenden weiter verbreiteten und kühleren Glazialzeiten wieder abgetragen worden sind. Ab der Eem-Warmzeit sind die Sedimente palynologisch sicherer einzustufen, jedoch wird die Eem-Zeitdauer von den verschiedenen Autoren unterschiedlich angegeben. Generell sind die Zeitangaben der Post-Eem-Ablagerungen problematisch, besonders weil in den 14 C-datierten jüngeren Schichten, die konventionellen 14 C-Alter und die korrigierten absoluten Alter nicht übereinstimmend gekennzeichnet sind.

Als besonders lobenswert erscheint die umfangreiche Beschreibung des an den Steilküsten der Ostsee anstehenden Quartärs und deren angrenzende Vorstrand-und Ostseegebiete, illustriert mit zahlreichen Abbildungen. Sie bieten nicht nur dem ausgebildeten Geologen, sondern auch allen anderen Interessenten eine gute Grundlage für Forschung und Information.

Meyniana 56 Seite 155-156 Kiel, (Nov.) 2004

Bespr.: Zeitschrift für Geologische Wissenschaften 32 (5) 2004, S. 79 top ↑

Die Fakten lassen sich sehr schnell zusammentragen: 580 Seiten Geologie zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, das wegen umfangreicher Bohrprogramme trotz "nur" oberflächlich anstehender känozoischer und kreidezeitlicher Schichtenfolgen fundierte Aussagen vom Präkambrium bis zum Holozän erlaubt. Dazu zahlreiche Abbildungen und Tabellen, die das von 40 (!) Autoren aus wissenschaftlichen Einrichtungen und der geologischen Praxis unter der Regie von Prof. Gerhard Katzung geschriebene Werk anschaulich illustrieren. Die Geologie Mecklenburg-Vorpommern wird in den Kapiteln

1 Geschichte der geologischen Erforschung
2 Regionalgeologische Stellung und Entwicklung
3 Präquartärer Untergrund
4 Quartär
5 Struktur des Untergrundes und
6 Nutzung, Gefährdung und Schott der Ressourcen

beschrieben. Für das Verständnis der Geologie des nordostdeutschen Bundeslands kommt dem Kapitel 2 (Regionalgeologische Stellung und Entwicklung) eine besondere Bedeutung zu. Hier erlauben die weit über die politischen Grenzen Mecklenburg-Votpommerns hinausgehenden graphischen Darstellungen der geologischen Verhältnisse auch für weniger mit der Geologie Nordostdeutschlands Vertraute eine fundierte regionale Einbindung in die Geologie Mitteleuropas. Diesem Ziel dienen insgesamt 19 lithologisch-paläogeographischen Schemata, die das Gebiet vom südlichen Skandinavien bis nach Böhmen und von England bis östlich der Weichsel erfassen und auf die durch eine namhafte Autorengruppe erarbeiteten Ergebnisse des IGCP-Projekts 86 (SW-Rand Osteuropäische Tafel) zurückgehen.

Nicht nur nach dem Umfang bilden die Kapitel 3 (Präquartärer Untergrund) und 4 (Quartär) den Schwerpunkt. Die detaillierte und differenzierte Schilderung des historischen Werdegangs des heutigen Mecklenburg-Vorpommern wurde wegen der oben bereits erwähnten hohen Bohrdichte zur Erkundung des Untergrunds möglich. Es kann als ein besonders glücklicher Umstand gewertet werden, dass ein Teil des umfangreichen Autorenteams schon an den Untersuchungsprogrammen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts beteiligt war.

Während für die präquertäte Schichtenfolge der historische Aspekt besondere Berücksichtigung findet, dominiert für die Darstellung des Quartärs der regionale Aspekt. Besonderes Interesse dürften hier die anschaulich beschriebenen und gut illustrierten Kliffaufschlüsse entlang der Ostseeküste finden. Sie werden in jeweiligen Einzeldarstellungen von Klütz Höved im Westen (Abschnitt 4.5.1) bis nach Usedom im Osten (Abschnitt 4.5.9) dargestellt und wecken nicht nur die Lust zu reisen, sondern sind zugleich wichtige Leitprofile für die Erforschung der nordeuropäischen Vereisung und der warmzeitlichen Intervalle. Die Beschreibung der Ostsee- und Boddensedimente bildet eine auch aus genetischen Gründen zu begrüßende regionale Ergänzung der Festlands bzw. Kliffgeologie.

Die zusammenfassende Darstellung der Strukturgeologie und der strukturellen Entwicklung des Gebietes in Kapitel 5 ist nach ihrem Informationsgehalt insgesamt zwar unverzichtbar, jedoch könnten die Befunde auch problemlos in die den erdgeschichtlichen Werdegang und die Regionalgeologie beschreibenden Kapitel drei und vier eingeordnet werden.

Zeitgemäß und dringend notwendig sind auch die im Kapitel 6 zusammengestellten Informationen zur Nutzung, Gefährdung und Schutz der tiefliegenden und oberflächennahen Ressourcen, die in ihrer großen Bandbreite vom Boden bis zu den tiefliegenden Kohlenwasserstoffen, von den historisch bedeutsamen Raseneisenerzen bis zu den künftig noch interessanter werdenden Ressourcen Erdwärme und Diatomeenkohle reichen und in ihren jeweiligen geologischen Rahmen gesetzt werden. Zu recht breiten Raum wird auch der Dynamik, der Nutzung und dem Schutz der Ressource Grundwasser sowie den Geotopen und dem landestypischen Küstenschutz eingeräumt.

Spätestens hier wird dem Leser bewusst, mit welcher Intensität sich der Herausgeber selbst mit der Erforschung und rohstoffgeologischen Bewertung dieses Bundeslandes befasst hat. Dies dürfte auch die Begründung für das in sich geschlossene und trotz der vielen Autoren wie aus einem Guss erscheinende komplexe Nachschlagewerk für die Geologie Mecklenburg-Vorpommerns sein, dem eine Zukunft als Standardwerk für die Geologie von Nordostdeutschland zu wünschen ist.

Neben der umfangreichen Literaturzusammenstellung rundet ein ausführliches und sehr nurzerfreundliches Orts- und Sachverzeichnis das vom Verlag gut ausgestattete Buch ab. Die Geologie von Mecklenburg-Vorpommern wird einem breiten Nutzerkreis aus Forschung, Lehre und Praxis empfohlen.

WERNER STACKEBRANDT (Kleinmachnow)

Zeitschrift für Geologische Wissenschaften 32 (5) 2004, S. 79

Bespr.: Zentralblatt Geol. Pal. T. II, Jg. 2005, H. 3/4 top ↑

Dieses umfassende Werk über die Geologie des Landes Mecklenburg- Vorpommern setzt sich aus Beiträgen von insgesamt 40 Autoren zusammen, die alle an der geowissenschaftlichen Erforschung des Landes beteiligt waren. Vor allem vom Ende der 50er Jahre bis zum Jahr 1989 - also in Zeiten der DDR - erfolgte eine systematische geowissenschaftliche Untersuchung des Landes, die mit geophysikalische Vermessungen und Bohrungen (vor allem bei der intensiven Suche nach Erdöl und Erdgas) auch den tieferen Untergrund umfasste. Die Ergebnisse dieser Erkundungen veröffentlichte man zum größten Teil nicht, sondern man legte sie in internen Berichten und Karten nieder. In der vorliegenden regionalgeologischen Übersicht des Landes Mecklenburg- Vorpommern erfahren diese Daten erstmalig eine zusammenfassende Darstellung.

Das Buch gliedert sich in die 6 Kapitel 1) Geschichte der geologischen Erforschung (7 S.); 2) Regionalgeologische Stellung und Entwicklung (30 S.); 3) Präquartärer Untergrund (183 S.); 4) Quartär (142 S.); 5) Struktur des Untergrundes(46 S.), und 6) Nutzung, Gefährdung und Schutz der Ressourcen (100 S.). Es schließt sich ein mit 43 Seiten sehr umfangreiches Literaturverzeichnis an, das die wichtigen Veröffentlichungen ab 1950 enthält und auch die jüngeren Arbeiten bis in das Jahr 2004 umfasst. Den Schluss bildet ein mit 37 Seiten recht ausführliches Orts- und Sachverzeichnis. Die Oberfläche des Landes Mecklenburg-Vorpommern nehmen zum größten Teil die Ablagerungen des Jung-Pleistozän ein, insbesondere die Moränen der Weichsel-Zeit (``Jungmoränen-Gebiet''), die an verschiedenen Stellen in den Steilküsten (Kliffs) gut aufgeschlossen sind. Älteres Quartär tritt nur im Südwesten des Landes zutage. Dort gibt es auch einige Vorkommen von autochthonem Tertiär. Vor-tertiäre Ablagerungen (z. B. Kreide und Jura) sind oberflächlich nur als Schollen bekannt, die vom Inlandeis vom festen Untergrund abgeschert und in die Ablagerungen des Quartärs eingeschuppt wurden. Das vorliegende Buch ist dennoch keine ausschließliche Quartärgeologie von Mecklenburg-Vorpommern (das Quartär macht nur ein Viertel des Gesamtumfangs aus), sondern behandelt in einem Drittel des Umfangs auch die im Untergrund anstehenden Schichtenfolgen vom Proterozoikum bis zum Tertiär. Somit ist diese ``Geologie von Mecklenburg- Vorpommern'' zugleich eine moderne Darstellung des Prä-Quartärs der Norddeutschen Senke.

Nach einem Überblick über die Geschichte der geologischen Erforschung folgt im Kapitel 2 eine Beschreibung der regionalgeologischen Stellung Mecklenburg-Vorpommerns im Rahmen Mitteleuropas und ein kurzer Abriss des erdgeschichtlichen Werdegangs vom Proterozoikum bis zum Holozän. Bau und Entwicklung der Norddeutschen Senke d- em westlichen Teilbereich der Mitteleuropäischen Senke - mit der Deckgebirgsabfolge vom Perm bis zum Tertiär werden in einer anschaulichen Serie von 19 paläogeographischen Kärtchen (vom Rotliegenden bzw. Saxon II bis zum Miozän) dargestellt. Die unterschiedlichen Faziesbereiche sind durch Grau-Abstufungen gekennzeichnet, die allerdings in den verschiedenen Abbildungen manchmal eine etwas veränderte Bedeutung haben. Hier hätten sich farbige Darstellungen sehr gut gemacht!

Im dem sehr umfangreichen Kapitel 3 werden die Gesteins- und Schichteinheiten entsprechend der stratigraphischen Abfolge beschrieben. Dort erscheint auch eine zu Anfang beziehungsweise im Kapitel 2 vermisste stratigraphische Übersicht über die im Bereich von Mecklenburg-Vorpommern entwickelten und in diesem Buch behandelten Schichtenfolgen (S. 39: Tabelle ``Schichtenfolge und Stockwerk- Gliederung'').

Zum Schluss folgt ein ausführliches Kapitel über die Gefährdung und den Schutz der Umwelt bei der Gewinnung von Rohstoffen und der Nutzung der natürlichen Ressourcen, über den Küstenschutz mit seinen Problemen und dem Interessenskonflikt mit dem Naturschutz sowie über den Schutz der besonderen Geotope Mecklenburg-Vorpommerns (wie z. B. Findlinge, glaziale Schollen oder Steilufer).

Das Buch enthält eine Fülle von Information, die sich wegen der übersichtlichen Gliederung der Texte und besonders auch durch die Hervorhebungen wichtiger Begriffe leicht erschließen lassen. Darüber hinaus werden zur Vertiefung am Ende thematisch geschlossener Abschnitte weiterführende Veröffentlichungen angegeben.

Positiv hervorzuheben sind auch die klaren und sauber gezeichneten Abbildungen (Profile, Karten und Tabellen), in denen man als Signaturen meistens gut abgestufte und unterscheidbare Grau-Töne verwendete. Dennoch wären manchmal farbige Darstellungen nicht nur schöner, sondern auch prägnanter gewesen! Durch die ausschließlich in Schwarz-Weiß gehaltenen 192 Abbildungen wirkt das Buch im wahrsten Sinne des Wortes etwas eintönig. Ein paar farbige Karten (wie z. B. die Serie der paläogeographischen Darstellungen von Abb. 2.2-3 bis Abb. 2.2-21) oder auch Profile (wie z. B. der Schnitt durch das Tafeldeckgebirge - Abb. 5.4-2) hätten dieser Monographie gut zu Gesicht gestanden! Waren hier die etwas höheren Kosten das entscheidende Kriterium, keine farbigen Darstellungen aufzunehmen? Für das vorliegende umfangreiche Werk sind 64 ™ ein angemessener Preis; für eine ``farbigere'' Ausgabe hätten die Käufer vermutlich gerne auch ein paar Euro mehr bezahlt.

Insgesamt ist die ``Geologie von Mecklenburg-Vorpommern'' ein sehr sorgfältig zusammengestelltes und gut ausgestattetes Buch mit einheitlicher Aufmachung, obwohl zahlreiche Autoren an dem Entstehen mitgewirkt haben. Man spürt, dass hier intensive Bemühungen des Herausgebers und des Verlages positiv ``zu Buche'' schlugen! Es ist ein fundiertes und vielseitiges Nachschlagewerk entstanden, das durch seine zusammenfassenden Kapitel zu einem schnellen Überblick verhelfen kann, darüber hinaus aber durch detaillierte Beschreibungen in den Kapiteln 3 und 4 einen tieferen Einblick in den geologischen Aufbau und die erdgeschichtliche Entwicklung des Landes vermittelt - kurz gesagt, es ist eine Fundgrube für alle, die sich für die Geologie Mecklenburg-Vorpommerns interessieren.

E. SPEETZEN

Bespr.: Zeitschrift für Geomorphologie Band 50 Heft 2 top ↑

Nachdem vor rund 50 Jahren zwei kürzere Veröffentlichungen zur Geologie des Raumes zwischen Trave- und Odermündung von S. v. BUBNOFF (1949) und K. v. BÜLOW (1952) erschienen waren, gab es keine zusammenfassende Darstellung zur Geologie von Mecklenburg-Vorpommern. Das wird jetzt mit Erfolg nachgeholt, denn endlich wurde nach der Wende die kleinliche Geheimhaltung von Bohrungen und vieler anderer geologischer Erkenntnisse aufgehoben. Nun konnte veröffentlicht werden, was bisher in verschlossenen Schränken ruhte. Von den 580 Seiten dieses Buches sind rund 70 S. den Literaturangaben, einigen Tabellen und dem Register gewidmet. Etwa 100 S. entfallen auf Angewandte Geologie einschließlich der Lagerstätten, dem Grundwasser, dem Küstenschutz, den Böden und den Umweltfragen. Die präquartären Gesteine, meist nur aus Bohrungen bekannt, werden auf 180 S. dargestellt. Sie können für die Oberflächengestaltung dort von Bedeutung sein, wo sie lokal durch glaziale Stauchung oder Schollentransport in die Nähe der Oberfläche gelangt sind. Auf das Quartär, das ganz Mecklenburg-Vorpommern (MV) überzieht, entfallen 140 S. - 40 Autoren haben zu diesem Werk beigetragen.

Die ältesten Ablagerungen führen bis in das Proterozoikum, bekannt aus einer auf -7 277 m Tiefe führenden Bohrung nordöstlich Schwerin. Ein anschauliches Bild der stratigraphischen Abfolge vermitteln 19 halbseitige Karten, die die regionale Verbreitung von Schichten vom Saxon (Rotliegendes) bis zum Miozän für den Raum zwischen Manchester und Minsk und Oslo und Prag darstellen.

Aus dem frühen Quartär zwischen dem Pliozän und der Elstereiszeit ist wenig bekannt. Nur die gut gerundeten Loosener Kiese (westlich Ludwigslust) weisen auf nordische Einflüsse hin. Die Elstereiszeit hat oberflächlich keine Ablagerungen hinterlassen, wohl aber in Tiefrinnen, in denen bei Hagenow 584 m mächtiges Quartär erbohrt wurde. Saaleeiszeitliche Ablagerungen treten im Südwesten auf etwa 10% der Landesfläche auf, sind dort aber stark periglaziär überarbeitet.

Dem gegenüber steht die Jungmoränenlandschaft der Weichseleiszeit, deren Beginn nach 10 000 Jahren Eemwarmzeit mit 110 000 B.P. angesetzt wird. Während man bisher annahm, dass die Weichseleiszeit erst im Hochweichsel vor etwa 20 000 Jahren bis auf deutschen Boden vorrückte, kennt man jetzt, aufgeschlossen am Kliff Stoltera westlich Rostock eine Mittelweichselmoräne über Eem und unter der ersten hochweichselzeitlichen Grundmoräne. Geomorphologisch hat dieser Warnowvorstoß genau so wenig Bedeutung wie ein gleich alter Vorstoß an der unteren Weichsel oder in Dänemark. Das Alter wird zwischen 50-60 000 B.P. angesetzt.

Hochweichselzeitlich sind 3 Grundmoränen bekannt, von denen die älteste die Brandenburger und die Frankfurter Endmoräne aufbauen. Die mittlere Grundmoräne gehört zum Pommerschen Stadium, die jüngste Grundmoräne zum Mecklenburger Vorstoß (Rosenthaler Eisrandlage). Eindeutig ist aber, dass es im Weichselhochglazial keine Interstadiale gab. Das Abschmelzen des Inlandeises von seiner maximalen (Brandenburger) Eisrandlage bis an die Ostseeküste lief innerhalb von nur zirka 5 000 Jahren ab! Das früher oft zitierte Blankenberg-Interstadial hat sich nirgends nachweisen lassen. Die sehr schnelle Folge von drei Weichselmoränen macht es schwer verständlich, dass "es nachweislich auch zum mehrfachen Abschmelzen bis in den Bereich der Ostsee gekommen“ sein soll (S. 286).

Die Küste erfuhr ihre Formung erst in den letzten 6 000 Jahren, als die Ostsee infolge des postglazialen Meeresspiegelanstiegs in die Nähe der heutigen Küste gelangte. Erst jetzt konnte sich die heutige Form der Kliffs und Nehrungen herausbilden. Zu beachten ist auch die Hebung Skandinaviens. Die Nulllinie der Hebung, - bisher durch die südliche Ostsee verlaufend gedacht -, zieht nach Auswertung der Daten aus den ersten 80 Jahren des 20. Jahrhunderts jetzt von Nordjütland durch Schonen zum Südende der Rigaer Bucht. Für die Küste bei Lübeck wird sogar eine Senkung um 2,5 mm/Jahr, für den Stettiner Raum von 3 mm/Jahr angenommen. Das sind sicher momentane Werte, die man nicht hochrechnen darf, denn dann ergäben sich 5-6 m Senkung allein für die letzten 2 000 Jahre. Wenn auch die Kurven für den Meeresspiegelanstieg in der Ostsee einigermaßen übereinstimmen, so besteht doch eine deutliche Diskrepanz zum Anstieg in der Nordsee, wo vor 6 000 Jahren ein Stand von -5 m, in der Ostsee von -3 m erreicht wurde. Hier gibt es noch Klärungsbedarf.

Die Grundzüge der Oberflächenformen werden in einer "glazialen Morphologie“ dargestellt. Ihr folgt eine akribische Beschreibung der Kliffs, die auf längeren Strecken den besten Einblick in die meist komplizierten Lagerungsverhältnisse geben. Deren sorgfältige Aufnahme hat sehr dazu beigetragen, die stratigraphische Abfolge im Quartär abzusichern.

Dieser lang ersehnte Band, der jetzt in sorgsamer Redigierung und bester Ausstattung vorliegt, wird für Jahre ein Standardwerk bleiben und darf in keiner einschlägigen Bibliothek fehlen.

HERBERT LIEDTKE, Bochum

Bespr.: Geohistorica Heft 8/2012 top ↑

Die glazial geprägte Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns mit der postglazial geformten Küstenregion ist in der geologisch kurzen Zeit von 20 000Jahren entstanden. Jüngeres Quartär bedeckt den größten Teil des Landes, älteres Quartär findet sich im Südwesten. Tertiäre, kretazische und jurassische Sedimente finden sich als vom Eis hochgepresste Schollen. Bei der Suche nach Erdöl und Erdgas in der DDR ist das Präquartär mit großem bohrtechnischem Aufwand erschlossen worden, zahlreiche Bohrungen haben mehr als 5 km, einige mehr als 6 km Teufe erreicht. Weitflächig verbreitete Bildungen des Mesozoikums und des Perms erreichen zwischen Elbe und Oder große Mächtigkeiten ebenso wie Sedimente des Karbons, Devons, Ordovizium und Neoproterozoikums im Untergrund Vorpommerns. Hier findet sich auch das Kristallin des Osteuropäischen Kratons. Nutzung und Schutz der Georessourcen werden aufgezeigt.

Peter Krüger, Berlin

Geohistorica Heft 8/2012

Inhaltsverzeichnis top ↑

Vorwort V
Inhaltsverzeichnis VII
Verzeichnis der Autoren X
1 Geschichte der geologischen Erforschung
(G. KATZUNG, W. VON BÜLOW, E. HERRIG & N. RÜHBERG ) 1
2 Regionalgeologische Stellung und Entwicklung (G. KATZUNG) 8
2.1 Regionalgeologische Stellung 10
2.2 Regionalgeologische Entwicklung 15
3 Präquartärer Untergrund (G. KATZUNG) 38
3.1 Vorpaläozoikum (G. KATZUNG, H. FELDRAPPE & K. OBST) 40
3.1.1 Kristallin des Osteuropäischen Kratons 41
3.1.2 Kristallin in West-Mecklenburg und Vorpommern 44
3.1.3 Neoproterozoikum 46
3.2 Altpaläozoikum (G. KATZUNG, J. MALETZ & H. FELDRAPPE) 51
3.2.1 Rügen-Kaledoniden 53
3.2.2 Vorland der Kaledoniden 63
3.3 Devon (K. ZAGORA & I. ZAGORA) 70
3.3.1 Unter- und Mitteldevon 70
3.3.2 Oberdevon 74
3.4 Karbon (W. LINDERT & N. HOFFMANN) 79
3.4.1 Unterkarbon (Dinant) 80
3.4.2 Oberkarbon (Siles) 88
3.5 Perm (G. KATZUNG) 95
3.5.1 Rotliegendes (G. KATZUNG & K. OBST) 98
3.5.2 Zechstein (I. ZAGORA & K. ZAGORA) 132
3.6 Trias (G. BEUTLER) 140
3.6.1 Buntsandstein 140
3.6.2 Muschelkalk 145
3.6.3 Keuper 147
3.7 Jura (M. PETZKA & J. RUSBÜLT, unter Mitarbeit von M. REICH) 151
3.7.1 Lias 151
3.7.2 Dogger 157
3.7.3 Malm 161
3.8 Kreide (I. DIENER) 163
3.8.1 Unterkreide (I. DIENER, unter Mitarbeit von J. RUSBÜLT
& M. REICH) 164
3.8.2 Oberkreide (I. DIENER, M. PETZKA , M. REICH, J. RUSBÜLT
& I. ZAGORA) 173
3.8.3 Kreide auf Rügen (E. HERRIG) 186
3.9 Tertiär (W. VON BÜLOW & S. MÜLLER) 197
3.9.1 Paläogen (W. VON BÜLOW & S. MÜLLER) 198
3.9.2 Neogen (W. VON BÜLOW & S. MÜLLER) 209
3.9.3 Aufgeschlossenes Tertiär (M. REICH) 217
4 Quartär (G. KATZUNG & U. MÜLLER) 221
4.1 Alt- und Mittel-Pleistozän (U. MÜLLER) 226
4.2 Jung-Pleistozän ­ Eem-Warmzeit bis Weichsel-Hochglazial
(U. MÜLLER) 234
4.3 Weichsel-Spätglazial und Holozän 242
4.3.1 Weichsel-Spätglazial (H. KLIEWE) 242
4.3.2 Holozän im Küstenraum (H. KLIEWE) 251
4.3.3 Holozän im Binnenland (W. JANKE) 265
4.4 Glaziale Morphologie (F. BREMER) 284
4.5 Quartär an den Steilküsten der Ostsee (G. KATZUNG) 292
4.5.1 Kliffs an den Klützer Höveds (U. STRAHL) 294
4.5.2 Kliffs im Bereich der Wismar-Bucht (N. RÜHBERG ) 298
4.5.3 Küste zwischen Rerik und Nienhagen (N. RÜHBERG ) 301
4.5.4 Kliff der Stoltera westlich Warnemünde (U. STRAHL) 302
4.5.5 Kliff des Fischlands (A. O. LUDWIG) 306
4.5.6 Kliff der Insel Hiddensee (G. MÖBUS) 311
4.5.7 Rügen (G. KATZUNG, H.-D. KRIENKE & U. STRAHL) 315
4.5.8 Kliff der Greifswalder Oie (G. KATZUNG) 325
4.5.9 Usedom (H.-D. KRIENKE) 327
4.6 Gliederung, Vorgänge und Sedimente an der Küste
(R.-O. NIEDERMEYER & W. SCHUMACHER) 333
4.7 Sedimente der Ostsee und der Bodden (W. LEMKE & R.-O. NIEDERMEYER) 347
5 Struktur des Untergrundes (G. KATZUNG) 363
5.1 Krustenbau und kristallines Fundament (G. KATZUNG) 364
5.2 Kaledonisches Stockwerk (G. KATZUNG & H. FELDRAPPE) 371
5.2.1 Rügen-Kaledoniden 372
5.2.2 Nördliches Vorland 381
5.3 Variszisches Stockwerk (G. KATZUNG & P. KRULL) 384
5.4 Epivariszisches Tafeldeckgebirge (P. KRULL) 388
5.5 Auflagerung des Quartärs und Glazialtektonik (G. KATZUNG, U. MÜLLER,
H.-D. KRIENKE, P. KRULL & U. STRAHL) 397
5.5.1 Quartär-Basis 397
5.5.2 Glaziale Deformationen 403
6 Nutzung, Gefährdung und Schutz der Ressourcen 409
6.1 Steine und Erden (K. GRANITZKI & G. KATZUNG) 409
6.1.1 Kiessande und Sande 409
6.1.2 Tonmineral-Rohstoffe 417
6.1.3 Kreidekalk und Kieselkreide 420
6.2 Torfe und Braunkohlen (K. GRANITZKI & G. KATZUNG) 421
6.2.1 Torfe 421
6.2.2 Braunkohlen 421
6.3 Salze und Erze (G. KATZUNG & K. GRANITZKI) 423
6.3.1 Salze 423
6.3.2 Eisenerze 424
6.4 Grundwasser (M. LÜCKSTÄDT & W. BUSSE,
unter Mitarbeit von S. HANNAPPEL) 425
6.5 Geothermie (G. KATZUNG) 444
6.6 Erdöl und Erdgas (S. SCHRETZENMAYR) 451
6.7 Untergrund-Speicher und Untergrund-Deponien (P. KRULL) 458
6.8 Oberirdische Deponien und Altlasten (A. FUCHS, N. RÜHBERG
& M. MOLL) 462
6.9 Vertikale Krustenbewegungen und Erdbeben-Gefährdung (G. GRÜNTHAL &
G. KATZUNG) 468
6.10 Küstenschutz (W. JANKE) 477
6.11 Geotopschutz (H.-D. KRIENKE & W. SCHULZ) 482
6.12 Böden (T. DANN, unter Mitarbeit von U. RATZKE) 489
Tabellen-Anhang 508
Literaturverzeichnis 509
Geologische Karten 542
Orts- und Sachverzeichnis 544