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József Pálfy:

Katastrophen der Erdgeschichte: globales Artensterben?

Bearb. dt. Ausgabe: László Trunkó

2004. VI, 245 Seiten, 69 Abbildungen, 2 Tabellen, 18 Farbphotos, 17x24cm, 610 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65211-8, brosch.

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Fossil ArtensterbenKatastrophe Erdgeschichte

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Fünfundsechzig Millionen Jahre sind vergangen, seitdem die Dinosaurier von der Erde verschwunden sind, die sie fast 200 Millionen Jahre lang beherrscht haben, und dabei die größten Landtiere hervorbrachten, die es je gegeben hat. Sie waren aber nicht die einzigen. Mit ihnen verschwanden auch viele Meeresbewohner; die hoch entwickelten, formenreichen Ammoniten ebenso wie ganze Heerscharen von mikroskopisch kleinen Einzellern und sehr viele andere Tiere mehr. Im Jahre 1980 verkündete eine Forschergruppe, die Ursache für dieses Massensterben entdeckt zu haben. Danach traf um jene Zeit ein Asteroid oder sehr großer Meteorit die Erde und löste eine globale Umweltkrise aus. In den mehr als 20 Jahren, die seit der Veröffentlichung dieser Theorie vergangen sind, fand eine unerhört intensive wissenschaftliche Debatte statt und es wurde alles versucht, um mit einer wahren Detektivarbeit Argumente für oder wider diese These zu sammeln.

Genau in dieser Zeit bekam das Thema eine Aktualität, die für paläontologische Fragestellungen eher ungewöhnlich ist. Nicht nur Biologen, sondern auch das breite Publikum erkannten, daß wir uns mitten in einer globalen Krise der Lebenswelt befinden, wie sie während der Erdgeschichte wiederholt aufgetreten sind. Es wird immer offensichtlicher, daß viele Tier- und Pflanzenarten, unsere Mitbewohner auf dem Planeten Erde, in immer schnellerem Tempo verschwinden und daß unsere zerstörerischen Eingriffe in die Ökosysteme dafür verantwortlich sind. In Deutschland begannen Bürgerinitiativen schon in den frühen 70er Jahren aktiv zu werden und im Jahre 1980 wurde die Partei der Grünen gegründet. Es ist zwar Zufall, daß es das Jahr der oben erwähnten Publikation war, aber dennoch hat es einen fast symbolhaften Charakter.

Die Paläontologen haben das in 200 Jahren angesammelte paläontologische Datenmaterial mit fast fieberhafter Eile durchsucht, um möglichen früheren Massensterbeereignissen auf die Spur zu kommen. Sie wurden fündig. Während der vergangenen 600 Millionen Jahren erlebte, überlebte das Leben fünf schwere globale Krisen neben zahlreichen kleineren Vorfällen dieser Art. Namentlich diejenigen Gesteine, welche die Spuren jener Großereignisse bergen, wurden überaus sorgfältig untersucht, ob in der Antarktis, in Bohrkernen aus den Ozeanen, in tropischen Urwäldern um die Karibik, in früher nicht zugänglichen Gebieten in China oder wo auch immer sie sich befinden. Neu entwickelte geochemische Methoden halfen bei der Fahndung nach plötzlichen Umweltveränderungen. Die Verfeinerung der physikalischen und der statistischen Methoden ermöglichte es, den Ablauf der Ereignisse und ihre zeitlichen und räumlichen Verbindungen nachzuvollziehen. Die Zeiten, als man noch aus dem Gefühl neue Theorien entwickeln konnte, gehören der Vergangenheit an. Obwohl noch viele Fragen offen sind, werden unsere Rekonstruktionen der Abläufe,der möglichen auslösenden Faktoren und der Antwort der Lebenswelt auf die Ereignisse immer genauer. Dies ist für die gesamte Evolutionsforschung von Bedeutung, denn der Zusammenbruch von Ökosystemen und das massenhafte Aussterben von ganzen Gruppen gab der Entwicklung des Lebens immer wieder eine völlig neue Wendung.

Doch es ist die gegenwärtige weltweite ökologische Krise, die dieser Forschung ihre wahre Dimension verleiht. Die geologische und paläontologische Ursachenforschung belegt, daß einem massenhaften Aussterben von Arten immer eine dramatische Umweltveränderung vorausgegangen war. Zur gleichen Zeit müssen wir erkennen, daß es sich heute nicht anders verhält, denn der heutige fast katastrophal zu nennende Rückgang der Biodiversität setzte mit dem Beginn der Industrialisierung ein und beschleunigte sich seitdem in immer rascherem Tempo. Der Zusammenhang zwischen den menschlichen Aktivitäten und der Verarmung der übrigen Lebenswelt macht die Ursachenforschung über die früheren Ereignisse auch gesellschaftlich wirklich relevant. Immer mehr Forscher sprechen aus, daß wir uns aller Wahrscheinlichkeit nach mitten im sechsten Großereignis befinden.

Welche Lehren können wir aus dem Studium der langen Geschichte des Lebens ziehen? Dieses Buch möchte versuchen, dem Leser die Vorgänge zu beschreiben und ihre denkbaren Ursachen aufzuzeigen.

Bespr.: GMIT Nr. 20, Juni 2005, S. 91 top ↑

Der Verfasser ist Paläontologe und Mitarbeiter am Naturkundlichen Museum in Budapest. Er hat in renommierten Fachzeitschriften bio- und geochronometrische Fragestellungen zum Massensterben von Trias-Faunen und des Jura bearbeitet. Diese, auch andere Erdzeitalter betreffende, Thematik ist seit den 5oer Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf ein breites Interesse gestoßen, nachdem das weltweite Faunensterben an der "Wende K/T" (v.a. Ammoniten und Dinosaurier) mit dem Impakt eines Meteoriten (Chicxulub/Golf von Mexiko) in Verbindung gebracht wurde.

Palfy ist nicht der Einzige, der sich Gedanken über Aussterbeereignisse macht. Gemeint sind die sogen. "Big Five" (außergewöhnliche Katastrophen Ende Ordovizium, Spätdevon, Ende Perm, ausgehende Trias und Ende Kreide). Z.B. erschien 2003 unter dem Titel "Katastrophen in der Erdgeschichte - Wendezeiten des Lebens" zur gleichnamigen Ausstellung der Städtischen Museen Heilbronn eine fachlich und autorenmäßig breit gefächerte Publikation. Verglichen damit liegt der Vorzug von Palfys Buch im einheitlichen Aufbau und Stil, unterstützt durch die homogene Übersetzung Laslo Trunkos (Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe). In vierzehn Kapiteln wird u.a. zur Biodiversität in Vergangenheit und Gegenwart, zur erdgeschichtlichen Zeitskala, zum Begriff des Fossils und zur Evolutionslehre Stellung genommen. Mit Kapitel Fünf erfolgt der Einstieg in die erdgeschichtlich ersten faunistischen Höhepunkte (Ediacara-Garten und kambrische Explosion); es schließen sich Ausführungen zum Artensterben im Rahmen der Big Five an. Allein 23 S. sind dem spektakulären K/T-Thema "Der große Einschlag - die Dinosaurier treten ab" gewidmet. Schließlich diskutiert der Verfasser auch weitere Einflüsse wie Vulkanausbrüche, Klimaänderungen und Meeresspiegelschwankungen als Beiträge/Auslöser zum Artensterben. Am Ende des Buches drängt sich zwangsläufig die Frage nach der Bedeutung des Eises für das Leben im Pleistozän auf (Treibhaus oder Kühlhaus?). Palfy kommt abschließend zu der Einschätzung, dass sich die Umwelt gegenwärtig unter dem Einfluss des Menschen auf ein Katastrophenszenarium Richtung "Big Six" zu entwickeln scheint.

Soweit zum fachlichen Inhalt; zu berichtigen ist lediglich, dass der Name "Keilwasser" (-Kalke, Oberdevon, S. 59) nichts mit dem Kellerwald des östlichen Rheinischen Schiefergebirges zu tun hat, sondern sich auf eine Lokalität im Harz bezieht.

Das Buch ist insgesamt spannend geschrieben; gerade der interessierte Laie wird durch plakative Überschriften wie "Die Achterbahnfahrt des Meeresspiegels" oder"Aussterben nach Fahrplan" animiert, sich mit geologisch-paläontologischen Fragestellungen vertraut zu machen, wobei das enthaltene Glossar hilfreich sein dürfte. Der Geowissenschaftler wird das nach Kapiteln geordnete, ausführliche Literaturverzeichnis zwecks vertiefender Studien besonders begrüßen.

GMIT Nr. 20, Juni 2005, S. 91

Bespr.: F.A.Z. vom 29.06.05 top ↑

Die Evolution der Tier- und Pflanzenwelt verlief im Laufe der Erdgeschichte keineswegs dauernd gleichmäßig und stetig. Immer wieder kam es zu drastischen Umweltveränderungen, die zum Teil so rasch erfolgten, daß vielen Arten keine Zeit zur Anpassung blieb. Mindestens fünfmal hatten solche Veränderungen derart katastrophale Auswirkungen, daß Geowissenschaftler vom "Massensterben" der Arten sprechen. Zum Teil wurde dabei die jeweils dominanten Spezies ausgerottet, wie beispielsweise die Dinosaurier am Ende der Kreidezeit. Über die Ursachen dieser dramatischen Ereignisse gibt es viele Theorien und zum Teil sehr widersprüchliche Spekulationen. Der ungarische Paläontologe Jozsef Palfy hat nun das gegenwärtige Wissen über diese "Katastrophen der Erdgeschichte" in einem gleichnamigen Buch zusammengefaßt. Er führt den Leser nicht nur an die geologischen Fundstellen, in denen sich dem Fachmann die Spuren des jeweiligen Massensterbens erschließen. Palfy beschreibt auch unvoreingenommen die verschiedenen Theorie über die Ursachen der Massensterben und erklärt welche Indizien jeweils für die eine oder andere Hypothese sprechen. Der Leser erhält zusätzlich einen Überblick über jeweilige die Lebensvielfalt vor und nach einer solchen Katastrophe, ohne daß der Autor dabei in die für Laien nur schwer verständliche Fachsprache der Paläontologen verfällt.

hra.

F.A.Z. vom 29.06.05

Bespr.: ekz-Informationsdienst top ↑

Treibhauseffekt, globale Erwärmung, Jahrhundertflut, Klimakatastrophe - diese Begriffe werden oft reißerisch in den Medien behandelt. In "Klimafakten" werden aus geowissenschaftlicher Sicht natürliche Klimaschwankungen im Laufe der Erdgeschichte dargestellt. Am Anfang stehen Grundlagen und Methoden, z.B. Klimamotor Sonne, Auswirkungen Plattentektonischer Prozesse Altersbestimmungen, Klimaarchive, Klimaanzeiger, natürliche Treibhausgase. Dank zahlreicher Querverweise und des ausführlichen Registers kann der Leser auch direkt in die Forschungsergebnissse (u.a. Eiszeiten und warme Klimaperioden der Erdgeschichte, Klimageschichte mit Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und die Kulturentwicklung des Menschen, Überlagerungen und Wechselwirkungen der klimawirksamen Faktoren (Klimazyklen) einsteigen und bei Bedarf die Grundlagen nachlesen.

Den Schluss bilden die z.T. sehr unterschiedlichen Klimaprognosen von Meteorologen, Geowissenschaftlern und Astronomen. Farbfotos, aussagekräftige Grafiken und Beispiele aus heutiger Zeit veranschaulichen den Text. Auch für interessierte Laien verständlich. Sehr empfohlen.(2 S)

Ingrid Rall-Haiß

ekz-Informationsdienst

ID 24105 - BA 7/05 013.505.8

Bespr.: WLA-Online 2005/2 top ↑

Seit 1980 gilt es als weitgehend gesichert, daß die Ursache für das Massensterben vor rund 65 Millionen Jahren der Einschlag eines Meteoriten oder Asteroiden gewesen ist. Das war am Ende der Kreidezeit. Geologisch ist dies jedoch keineswegs die einzige Phase drastischer Aussterbeereignisse. Ähnliches vollzog sich vor ca. 430 Millionen Jahren (Ende Ordovizium), vor etwa 360 Millionen Jahren (Spätdevon), vor ungefähr 250 Millionen Jahren (Ende Perm) und vor rund 200 Millionen Jahren (Ende Trias). Zusammenfassend spricht man dabei von den „Big Five“. Der ungarische Paläontologe József Pálfy erörtert diese Ereignisse, die in der Geschichte der globalen Biodiversität gravierende Einschnitte darstellen. Aber waren es immer extraterrestrische Impakte? Welche Rolle spielen vulkanische Großkatastrophen? Welche Steuerungsfunktion kommt dem Klima zu? Inwieweit sind Meeresspiegelschwankungen relevant? So denkt man auch wohl sofort an den geoökologischen Schlüsseltext der Bibel, die Sintflut. Das Nachdenken über „Katastrophen der Erdgeschichte“ hat so eine weit mehr als dreitausendjährige Tradition. Was die geologisch-paläontologische Dimension des Themas betrifft, so darf József Pálfys Buch zukünftig getrost als Basislektüre gelten, zumal er sich nicht auf die „Big Five“ beschränkt, sondern weiter fragt: Erweitern sich die „Big Five“ zu den „Big Six“? Denn während der nächsten 200 bis 300 Jahre könnte etwa die Hälfte der Säugetier- und Vogelarten aussterben. Bei den Palmen beträgt die Halbwertszeit nur 50 bis 100 Jahre. Und den meisten der in den „Roten Listen“ vermerkten Arten droht noch eine durchschnittliche Existenz von 100 bis 1000 Jahren. Sind wir also Zeitgenossen der sechsten globalen Bio(diversitäts)katastrophe? Einiges deutet darauf hin.
OStDir Dr. Klaus Kremb, TU Kaiserslautern

Bespr.: Veröffentlichungen des Naturkundemuseums Erfurt 2005 Band 24 top ↑

In diesem lesenswerten Buch setzt sich der Autor mit dem Aussterbeprozeß als Teil der normalen Ent wicklung des Lebens auf der Erde auseinander.In leicht verständlicher Form bringt er dem Leser das Thema nahe. Da die Erdgeschichte von riesigen Zeitdimensionen handelt,versucht der Autor,die fachspezifischen Termini dem Leser anschaulich zu vermitteln. So überwiegen vor allem einprägsame Fachbegriffe in einer populärwissenschaftlichen Erzählweise.Das Lesen ist ein reines Vergnügen;aber ganz ohne Fachwissen geht es leider nicht. Ein Glossar und weiterführende Literaturhinweise erleichtern jedoch die Verständlichkeit enorm.Das Wissen interessant und lesergerecht darzubieten,ist J.Pálfy fast überall gelungen.

Das Buch gliedert sich in 14 Kapitel.Die ersten vier Kapitel beinhalten vor allem eine Einführung in das Thema über Definitionen und Erläuterungen zur Biodiversität,geologische Zeitskalen,Fossilbildung und den Evolutionsprozeß.In den folgenden fünf Kapiteln werden die großen Faunenschnitte mit ihren noch offenen Fragen an die Wissenschaft umfassend abgehandelt.Dabei wird auch immer wieder auf die durch spezifische Fossilationsprozesse entstandenen Interpretationsmöglichkeiten hingewiesen.Verschiedene Erklärungsansätze werden gleichrangig behandelt und nach eingiebiger Darstellung wird dem wahrscheinlicheren der Vorzug gegeben.Immer wieder wird auf den Aussterbevorgang einer Art als natürlicher Prozeß verwiesen.Katastrophen als Auslöser werden hinterfragt und als Szenario eines natürlichen Vorganges (Vulkanausbrüche,Tsunamis, Meteoriteneinschlag) beschrieben.Nicht immer kann für extrem hohe Aussterberaten ein Meteorit verantwortlich gemacht werden,wie dies für das letzte große Sterben an der Grenze Kreide/Tertiär angenommen wird.Interessant für den Laien sind vor allem die Besprechungen der vorher stattgefundenen vier großen Aussterbeereignisse der Erdgeschichte,die ja auch stets für einen Faunenschnitt und damit eine neue geologische Formation stehen.Auch hier werden Zeitabläufe fachlich hinterfragt und allzu simple Theorien in die Kritik genommen.

Die Kapitel 10-14 behandeln dann einzelne Aspekte des Aussterbens,der Artenstehung und der Entwicklung der Biosphäre.In allen Abschnitten wird auch stets auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse auch anderer Disziplinen verwiesen,die z.T.gängige Lehrmeinungen in Frage stellen.

Die beiden letzten und wichtigsten Kapitel beschäftigen sich vor allem mit der Rolle des modernen Menschen im Prozeß des Aussterbens.Hier wird in aller Vorsicht auf noch zu erwartende Forschungsergebnisse ausgeführt,daß der Mensch des 20./21. Jahrhunderts mit seinen Wirtschaftsaktivitäten und seinem Bevölkerungswachstum ein bestimmender Faktor für den 6.großen Aussterbeprozeß der Erdgeschichte ist.Den wesentlichen Unterschied dieser 6.Krise der Biosphäre zu den vorherigen benennt der Autor in aller Deutlichkeit:Der Auslösefaktor ist bekannt wir Menschen sind es selbst.Eine Gefahr erwächst zusätzlich aus der Geschwindigkeit des Prozesses.Noch nie in der Erdgeschichte starben in so kurzer Zeit so viele Arten aus.Ob der Mensch aus dem Wissen darum lernt oder nach dem Prinzip weiter so seine eigenen Lebensgrundlagen vernichtet,vermag auch der Autor dieses interessanten und empfehlenswerten Buches nicht zu beantworten.

Matthias Hartmann

Veröffentlichungen des Naturkundemuseums Erfurt 2005 Band 24

Bespr.: Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jahrg. 2005 H. 5/6 top ↑

Die Dinosaurier beherrschten für fast 200 Jahre die Erde, ehe sie vor etwa fünfundsechzig Millionen Jahren von der Bildfläche verschwanden. Dies beschäftigte Laien und Forscher gleichermaßen und trieb die Erforschung von Aussterbeereignissen in der Erdgeschichte wesentlich voran. Für das Aussterben der Dinosaurier gab und gibt es verschiedene Theorien, doch spielt eine gerade in den Medien die größte Rolle: Tod durch eine kosmische Katastrophe, nämlich durch einen Meteoriteneinschlag bedingt. ALVAREZ et al. postulierten 1980, daß der Einschlag eines Asteroiden oder Meteroriten eine Umweltkatastrophe ausgelöst hätte, die zum Aussterben führte. Dies nimmt der Autor zum Aufhänger seiner Darlegungen zu verschiedenen Aussterbeereignissen in der Erdgeschichte. Zunächst einmal erläutert er aber verschiedene allgemeine Aspekte der Biodiversität, der geologischen Zeit, von Fossilien und Evolutionslehre kurz und knapp. Im Folgenden schlägt er dann einen Bogen über die wesentlichen Aussterbeereignisse der Erdgeschichte vom Präkambrium bis zur heutigen Zeit. Dabei stellt er verschiedene Theorien zu den Ursachen der einzelnen beobachteten Aussterbeereignisse vor. Das Kapitel ``Immer andere Einzeltäter - oder war es ein Serienmörder'' stellt eine Zusammenfassung der unterschiedlichen Ideen dar und macht sehr deutlich, wie viel davon eine fundierte Ableitung aus den geologischen und paläontologischen Befunden darstellt und was hypothetisch bleibt. Gelungen ist, den Bogen zur heutigen Zeit und dem vom Menschen bedingten Massenaussterben und damit den Bezug der heutigen Aussterben in den erdgeschichtlichen Gesamtzusammenhang herzustellen. Viele erdgeschichtliche Forschungen sind von der Idee inspiriert, durch Kenntnis der Vergangenheit die Gegenwart und Zukunft besser verstehen und meistern zu können. Dies gilt, wie auch im Buch genannt, natürlich auch für die Krisen des Lebens. Doch das Buch zeigt, daß schon die Möglichkeit, die Vergangenheit hundertprozentig zu verstehen, schwierig ist, und der Verf. betont, wie problematisch es ist, die teils hypothetischen Erkenntnisse auf die Gegenwart und gar auf die Zukunft zu übertragen. So wird der Leser am Ende mit der Frage konfrontiert ``Was wird das Schicksal unserer Art, Homo sapiens sein?'', die wohl zum eigenen Nachdenken anregen soll.

Auch wenn der Titel anderes vermuten lassen könnte, so ist das Buch doch weit mehr als eine einfache, reißerische Katastrophen- Hypothese; vielmehr gibt es deutlich Hinweise darauf, daß die meisten Aussterbeereignisse nicht einfach mit einer Ursache zu erklären sind und über - für unsere menschlichen Vorstellungen - relativ lange Zeit abliefen. Genau darin ist der Hauptunterschied von Krisen des Lebens in der Erdgeschichte und heute zu sehen.

Das Buch ist in einem lockeren, gut verständlichen Stil geschrieben und so für jeden an Aussterbeereignissen und damit verbundenen erdgeschichtlichen Prozessen Interessierten zu empfehlen.

C. STEFEN

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil Ii Jahrg. 2005 Heft 5/6

Bespr.: Erdkunde Band 60, Heft 3 (2006) top ↑

Seit der Entdeckung einer geochemischen Anomalie an der Kreide-/Tertiär-Grenze in Gubbio in Italien durch Alvarez et al. spielen Katastrophen in der Betrachtung der erdgeschichtlichen und biologischen Entwicklung erneut eine große Rolle. Sollte doch nach den Entdeckern einer ausgeprägten Anreicherung von Iridium im Grenzton, der Impact eines großen kosmischen Körpers (Meteorit oder Komet) hierfür verantwortlich zeichnen. Verantwortlich auch für das an der Grenze seit langem bekannte Aussterbeereignis. Nahezu 70 \% aller Arten verschwanden am Ende der Kreidezeit, unter ihnen so prominente Vertreter wie die Dinosaurier oder die Ammoniten. Diese sensationelle Behauptung entfachte eine der heftigsten Diskussionen unter den Geowissenschaftlern, die bis heute andauert. Der alte Streit zwischen Katastrophisten und Aktualisten ist erneut entbrannt. Sind es katastrophale Ereignisse (Unfälle), die die Erde formen und durch Aussterbeereignisse zu plötzlichen Evolutionsschüben der Lebewelt führen, oder sind es die sanften täglich beobachtbaren Prozessabläufe und eine kontinuierliche Darwinsche Bioevolution?

Mindestens fünf große Faunenschnitte sind in der phanerozoischen Erdgeschichte seit Beginn des Kambriums nachgewiesen. An der Wende zwischen Paläozoikum und Mesozoikum, an der Perm-/Trias-Grenze traten im ``größten Aussterbeereignis aller Zeiten'' mehr als 90 \% aller Tier- und Pflanzenarten binnen kurzer Zeit von der erdgeschichtlichen Bühne ab! ``Wie stirbt es sich aus?'' wirft der Autor die wichtigste Frage auf. Sind es dramatische Umweltveränderungen, die durch plötzliche Großereignisse hervorgerufen werden, seien diese Einschläge kosmischer Körper, gewaltige Eruptionen von Plateaubasalten, plötzliche Klimaveränderungen oder drastische Absenkungen des Meerespiegels, um nur die wichtigsten Ursachen zu nennen? Hängen diese Ereignisse ursächlich sogar zusammen oder bilden sie Ereignisketten, um so ``synergetisch'' die Zeit für das Massensterben reif zu machen? Oder sind die Aussterbeereignisse letztlich gar nichts anderes als die unkontrollierbar auftretenden Störungen selbstorganisierter kritischer komplexer Ökosysteme?

Jedes Aussterbeereignis ist ein individuelles Geschehen, das durch das alleinige oder gemeinsame Auftreten von unterschiedlichen Katastrophen und Umweltveränderungen getriggert werden kann. In Gänze ist dabei keines der Ereignisse bisher verstanden. Das jedenfalls wird klar, wenn man dem Autor von der kambrischen biologischen Explosion an durch die dramatischen Zäsuren in der Erdgeschichte folgt, bis zum letzten bereits eingeläuteten Aussterbeereignis nach der letzten Vereisung, im ``Anthropozän'', in dem der nun neue Faktor Mensch eine der wichtigsten Ursachen für das geologisch ``plötzliche'' Artensterben darstellt. Auf 245 Seiten führt József Pálfy, der bekannte ungarische Paläontologe den Leser mit der kriminalistischen Akribie modernster geowissenschaftlicher Methoden durch ein spannendes, neues Feld erdgeschichtlicher Forschung, das durchaus, wie das letzte Kapitel zeigt, für den Menschen relevant ist, wenn nicht gar überlebenswichtig werden kann.

Pálfy fasst ein interdisziplinäres, spannendes Thema der Paläontologie und Geologie gekonnt mit zahlreichen anschaulichen Abbildungen zusammen, stellt Meinungen und Strömungen gegenüber, diskutiert sie kritisch, versucht allerdings auch zu vermitteln. Seine Person, ebenso wie die des ``Übersetzers'' László Trunkó (Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe) sind Garanten für die fachliche Kompetenz des Buches. Jeder, der sich mit den modernen Ideen der erdgeschichtlichen Forschung auseinandersetzt, sollte auf dieses exzellente Buch nicht verzichten! Es ist ein spannender Kriminalroman, allerdings auf der Basis realer Geschehnisse.

Jean Thein

Erdkunde Band 60 Heft 3

Bespr.: der Aufschluss Jg. 58, Jan/Febr. 2007 top ↑

Meldungen über Katastrophen jedweder Art stoßen in der Regel auf ein lebhaftes öffentliches Interesse, zumal wenn eine akute Bedrohung für jeden Einzelnen von uns dabei im Spiel ist. Doch was gehen uns Katastrophen an, die hunderte von Jahrmillionen zurückliegen? Der ungarische Geowissenschaftler J. PÁLFY identifiziert fünf Zeitschnitte in der Erdgeschichte, die durch katastrophale Massensterben markiert werden und stellt abschließend die beunruhigende Frage, ob wir nicht gegenwärtig Zeugen eines globalen Artensterbens erdgeschichtlichen Ausmaßes sind, das jedoch bislang kaum als wirkliche Bedrohung ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen ist. Daran schließt sich die Frage an, was wir aus den Massensterben der erdgeschichtlichen Vergangenheit lernen können und zu lernen bereit sind.

Es ist noch nicht 30 Jahre her, dass das längst von Paläontologen als Faktum erkannte Massensterben an der Kreide/Tertiär-Grenze, dem nicht allein die populären Dinosaurier zum Opfer fielen, mit dem Einschlag eines Asteroiden in ursächliche Beziehung gesetzt wurde. In den Jahren nach 1980 lösten ``Beweismittel'' wie eine Iridium-Anomalie, Mikrotektite, geschockte Quarze und schließlich als Ort des Geschehens der Chicxulub-Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán einen ungeahnten internationalen Forschungsschub auf diesem Feld der Wissenschaft aus. Das faszinierende Szenario dieser Katastrophe fand auch rasch Eingang in Pressemitteilungen sowie populärwissenschaftliche Darstellungen und erzeugte dabei sicherlich nicht selten dieses wohlige Schauern, wie es zu Goethes Zeiten vielleicht die Ausgrabungen in Pompeji hervorgerufen haben.

Der Autor führt den Leser in den ersten vier Kapiteln seines Buches zunächst in sein Thema ein. Er stellt eingangs die Frage nach der ``Biodiversität in Vergangenheit und Gegenwart'', wobei der Artbegriff erörtert und schließlich die Frage gestellt wird: ``Warum und auf welche Weise sind so viele Arten im Verlauf der Erdgeschichte verschwunden?'' Von Interesse ist in dem Zusammenhang eine Betrachtung von kurzlebigen Leitfossilien und ihren langlebigen Verwandten, den ``lebenden Fossilien''. Schließlich geht es um den Zeitbegriff in der Erdgeschichte, um die Möglichkeiten der erdgeschichtlichen Zeiterfassung und um den Wandel von Kontinent-/ Meerkonstellationen in der Zeit aus plattentektonischer Sicht. Bei der Frage nach der Verlässlichkeit von Fossilien in der erdgeschichtlichen Überlieferung wird die Rolle des Zufalls anhand des Signor-Lipps-Effekts diskutiert. Der alte Streit, ob die Erdgeschichte als eine ``Folge von Katastrophen'' (Katastrophismus) oder als eine Aneinanderreihung ``alltäglicher Ereignisse'', wie sie heute vor aller Augen ablaufen (Aktualismus), zu verstehen sei, wird von PÁLFY im Folgenden zugunsten eines katastrophischen Ansatzes entschieden.

In den Kapiteln 5 bis 9 widmet sich der Autor den Krisenzeiten des Lebens auf unserem Planeten. Zu den ersten Opfern eines Massensterbens zählte wahrscheinlich, noch vor der ``kambrischen Explosion'', die präkambrische Lebensgemeinschaft des Vendiums, die Ediacara-Fauna. Die fünf markanten Floren-/Faunenschnitte des Phanerozoikums fallen in vier Fällen mit Grenzen von Perioden/Systemen zusammen, mit der Ordovizium/Silur-Grenze, der Perm/Trias-Grenze, der Trias/Jura-Grenze sowie der Kreide/Tertiär-Grenze; hinzugefügt werden muss noch die Frasnium/Famennium-Grenze im höheren Devon. Diese großen Aussterbeereignisse werden ausführlich behandelt und unter allen möglichen Gesichtspunkten diskutiert, des Weiteren kleinere Krisen, wie die im Jura und in der Kreide. In den folgenden Kapiteln 10 bis 14 werden die bisher erarbeiteten Erkenntnisse in größeren Zusammenhängen erörtert. Auf Grund einer erkannten Periodizität der Aussterbeereignisse wird zunächst nach deren möglicher Regelhaftigkeit gefragt. Als Ursachen für Massensterben werden wahrscheinlich gemacht: 1) Impakte, 2) Vulkanismus, 3) Klimaänderungen, 4) Meeresspiegelschwankungen und 5) umweltunabhängige Gründe. Auf jedes bedeutende Artensterben folgte bislang stets ein Neubeginn, der charakterisiert ist durch eine ``Überlebensphase'', eine Stagnations- und Erholungsphase. In diesen Zeiten der Reorganisation treten so genannte ``Lazarus-Arten'' und ``Elvis-Arten'' auf, auf die kurz eingegangen wird. Abschließend stellt PÁLFY die unerbittliche Frage: ``Big Five'' oder ``Big Six''? - oder mit anderen Worten: Ist der Homo sapiens die erste Art in der langen Geschichte der Erde, die in der Lage ist, Umweltveränderungen in Gang zu setzen, in deren Folge ganze Ökosysteme zusammenbrechen und ein Massensterben ungeahnten Ausmaßes ausgelöst wird. Der Autor beschwört das Prinzip ``Verantwortung'', darauf hoffend, dass der ökologischen Katastrophe vielleicht noch einmal zu entrinnen sei. Rückblickend auf die ``Katastrophen der Erdgeschichte'' weist er in Anbetracht der nur lückenhaften Überlieferung der erdgeschichtlichen Zeugnisse jedoch selbstkritisch auf die Problematik hin, aus der Vergangenheit ``Wege in die Zukunft aufzeigen zu wollen''. Dennoch, das Buch rüttelt auf und sollte besonders den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zur Lektüre dringend empfohlen werden, aber nicht nur denen, denn wir alle sind aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen, da es nicht zuletzt um das Überleben auf unserem blauen Planeten geht.

J. PÁLFY ist ein großartiges und sehr empfehlenswertes Buch gelungen. Hier schreibt einer, der seinen Stoff beherrscht und der auf diesem Feld selber wissenschaftlich gearbeitet hat. Komplexe Sachverhalte werden einfach nachvollziehbar dargestellt, doch nie unerlaubt vereinfachend. Eine Stärke des Buches besteht darin, dass versucht wird, alle Argumente für die jeweils diskutierte These immer zugleich mit den stärksten Gegenargumenten vor dem Leser auszubreiten, der damit angeregt wird, sich sein eigenes Urteil zu bilden. Die zupackende Art, wie das geschieht, ist erfrischend und ansteckend zugleich. Das Buch kann einem wirklich breiten Interessentenkreis als Lektüre, die sich übrigens von Anfang bis zum Ende wie eine spannende Detektivgeschichte liest, nur empfohlen werden. Das gilt für den wissensdurstigen Schüler genau so wie für den Fossiliensammler, der seine Funde in einem größeren Kontext begreifen möchte, des Weiteren für den im Natur- und Umweltschutz Engagierten, bis hin zum Studierenden und Dozenten besonders der Bio- und Geowissenschaften. So bleibt nur noch zu wünschen, dass dieses wichtige Buch eine weite Verbreitung findet.

Norbert HAUSCHKE, Halle (Saale)

der aufschluss Jg. 58 Jan/Feb 2007

Bespr.: der Aufschluss Jg. 58, Mai/Juni 2007, Ausg. 3 top ↑

Massenaussterbe-Ereignisse in der Erdgeschichte sind ein Brennpunktthema aktueller paläontologischer Forschung weltweit. Dass solche Ereignisse mehrmals die Lebewelt auf unserem Planeten verändert haben, wurde nicht zuletzt durch die Untersuchungen zum wohl bekanntesten Aussterben der Dinosaurier an der Wende Kreide/Tertiär vor 65 Millionen Jahren auch in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Die wissenschaftliche Debatte, was ursächlich zu solchen drastischen Veränderungen der Umwelt und schließlich zum globalen Artensterben führte, ist nach wie vor aktuell und wird durch neue Daten immer wieder neu entfacht.

Mit dem vorliegenden Buch ist es dem Autor József PÁLFY bestens gelungen, den Leser bei der spannenden Suche nach den Spuren dieser Krisen der Erdgeschichte zu begleiten. Fünf weltweite Aussterbe-Ereignisse sind in den zurückliegenden 600 Millionen Jahren fossil belegt, wobei während einer dieser Katastrophen vor ca. 200 Millionen Jahren sogar bis zu 90 % aller Lebewesen ausgelöscht wurden - auf dem Festland und in den Ozeanen. Aber diese Katastrophen waren auch der Beginn neuer Evolutionslinien, was Fossilien im Gestein belegen. Der Frage nach dem Auslöser dieser Massensterben geht der Autor anhand der bis heute verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen nach und erläutert anschaulich die Fakten.

In den einleitenden Kapiteln werden zunächst die Bedeutung von Fossilien für die Analyse der Biodiversität und Evolutionslehre sowie geologische Zeiträume erläutert. Damit wird auch der interessierte Laie sehr gut an das faszinierende Thema Evolution herangeführt. Anschließend widmet sich der Autor den eigentlichen Massenaussterbe-Ereignissen der Erdgeschichte und diskutiert deren Ursache. Dabei werden Vulkanausbrüche, Meeresspiegelschwankungen und Meteoriteneinschläge als Hauptauslöser plötzlicher Umweltveränderungen mit katastrophalen Auswirkungen auf die gesamte Lebewelt analysiert. In einem abschließenden Kapitel wird auch ein Blick auf die heutige Artenvielfalt unseres Planeten geworfen und kritisch über die Gattung Homo sapiens sapiens als mögliche Ursache eines sechsten globalen Massenaussterbe-Ereignisses reflektiert. Sind wir also schon Zeugen einer solchen weltweiten Katastrophe? Der Blick in die geologische Vergangenheit lehrt uns heutige Prozesse auf dieser Erde zu verstehen - auch das nimmt der Leser aus diesem spannend geschriebenen Buch mit.

Der Autor, Wissenschaftler am Ungarischen Naturkundemuseum in Budapest, ist selbst ein renommierter Paläontologe und arbeitet seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Evolutionsforschung. Er ist in internationale Forschungsprojekte zum Thema "Massenaussterbe-Ereignisse in der Erdgeschichte" eingebunden und verfügt über ein umfangreiches Wissen zu paläontologischen Themen. Dies dokumentiert seine Publikationstätigkeit in zahlreichen internationalen Fachzeitschriften. Mit dem vorliegenden Buch vermittelt er nun sein Wissen und den aktuellen Stand der Forschung zu Katastrophen der Erdgeschichte auch der breiten Öffentlichkeit.

Für die Übersetzung aus dem Ungarischen wurde mit dem Paläontologen László TRUNKÓ ein ebenfalls namhafter Wissenschaftler gewonnen, der bereits durch eigene Veröffentlichungen seiner Arbeiten am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe paläontologische Forschung an Fachkollegen wie interessierte Laien herangetragen hat.

Das Buch sollte in keiner geowissenschaftlichen Bibliothek fehlen und wird Wissenschaftlern, Studierenden, Hobbypaläontologen und allen, die sich für die Geschichte unserer Erde interessieren eine spannende Lektüre sein.

Annette E. GÖTZ, Halle (Saale)

der Aufschluss Jg. 58, Mai/Juni 2007, Ausg. 3

Bespr.: Info-Bulletin Nr. 35, Luzerner Stiftung f. Umweltinformation top ↑

Die Erforschung der Massensterben in der Erdgeschichte ist eines der aufregendsten Gebiete der Paläontologie. Und eines der aktuellsten. Einerseits, weil die diesbezügliche Theorie noch sehr jung ist und sich der Paläontologe einer weithin unberührten Wissenslandschaft gegenübersieht, die nur auf seine Fussabdrücke wartet. Andererseits, weil das hier erkundete Wissen einige Relevanz für unsere heutige Umwelt hat. Ganz unaufgeregt hingegen führt der Autor den Leser auf die Spur dieser wiederkehrenden Krisen. Es ist fast schon ein Plauderton, in dem er auch sehr sachspezifische Themen schlüssig darlegt. Eigentlich hätte das Buch eine populärere, etwas „lautere“ Aufmachung verdient, denn es ist ein solides Werk, das auch dem Laien seine Schätze öffnet. Nicht immer nur eingängig und leicht, nicht fingernägelbeissend spannend, aber durchweg nachvollziehbar und interessant. Am Ende erwächst die Erkenntnis, dass wir, überprüfbar auch aus dem sehr geduldigen paläontologischen Blickwinkel, am Beginn eines neuen Massensterbens stehen könnten.

Info-Bulletin Nr. 35

Luzerner Stiftung für Umweltinformation

Inhaltsverzeichnis top ↑

Vorwort III
1. Biodiversität in der Vergangenheit und in der Gegenwart 1
Was lehrt uns die Geschichte? 2
Die meisten Arten sind bereits ausgestorben 3
Was ist eine Art? 4
Überleben als Glücksspiel 6
Wie stirbt es sich aus? 9
Leitfossilien und "lebende Fossilien" 10
2. Endlos tief ist der Brunnen der Zeit 13
Die erdgeschichtliche Zeitskala 13
Wie bestimmen und gliedern wir die erdgeschichtliche Zeit? 14
Die Werkzeugkiste des Geologen 16
Die Erde als Plattenmosaik - die Plattentektonik 21
3. Was ist eigentlich ein Fossil? 23
Jeder Fund ist im Grunde ein Glücksfall 23
Das Meer und das Festland 25
Die Rolle des Zufalls: Der Signor-Lipps-Effekt 26
Können wir uns überhaupt auf die Fossilien verlassen? 28
4. Der Entwicklungsprozeß der Evolutionslehre 29
Die Anfänge, oder die Schwierigkeit, einen Elefanten zu übersehen 29
Unfälle oder stete Entwicklung: Katastrophismus und Aktualismus 30
Der Einschlag,der eine Lawine auslöst 32
Das quantifizierte Massensterben: Die Kurven von Sepkoski und Raup 35
5. Die ersten Krisen 40
Blühen und Verwelken des Ediacara-Gartens 40
Die kambrische Explosion 46
Die Explosion der Erkenntnis 47
Wieso Explosion? 49
Nicht nur eitel Sonnenschein: Aufblühen und Aussterben im Kambrium 51
Sterben am Ende des Ordoviziums 53
Eiszeit im Gewächshaus? 56
Das spätdevonische Trauerhaus 59
Was geschah hier eigentlich? 66
6. Die Katastrophe,die nur jede zwanzigste Art überlebt hat 71
Stratigraphie,ein wenig unschön 71
Der Opfergang der Meerestiere 73
Opfergang auch auf dem Land? 80
Pangea,oder das einige Festland 83
Wie schnell war das Sterben? 86
Der schnelle Tod 86
Die Basaltdecken in Sibirien 89
Und was ist mit dem Sauerstoff? 93
Eingriff aus dem Kosmos? 101
Ein Faden der Ariadne? 102
7. Artensterben vor 200 Millionen Jahren 107
Tropische Riffe im Skiparadies 107
Das verlorene Paradies 109
Die Achterbahnfahrt des Meeresspiegels 111
Seetone, Meeresschlamm, Vulkane 114
Die "Schatzinsel" 117
Krater in Kanada,Basalt in Brasilien 119
8. Rückschläge: Kleinere Krisen im Jura und in der Kreide 121
Dunkle Geschichte schwarzer Schiefer 121
Was erzählen uns die weißen Felsen? 127
9. Der große Einschlag die Dinosaurier treten ab 133
Wie war das mit dem Iridium? 133
Tsunamis und Tektite 136
Quarz im Schock 137
Der Tatort: Chicxulub 138
Die Dinosaurier und ihre Gefährten 142
Dr. Strangelove oder das Tote Meer 152
Weitere Fragen bitte? 155
10. Immer andere Einzeltäter - oder war es ein Serienmörder?? 158
Aussterben nach Fahrplan 158
Immer Impakt? 161
Was sagt der Geologe dazu? 164
Immer Vulkanausbrüche? 165
Immer das Klima? 168
Immer Meeresspiegelschwankungen, immer Anoxie? 169
Selbstorganisation als Falle für die Lebenswelt? 170
11. Schlechte Gene - oder einfach nur Pech gehabt?? 175
Wurmige Äpfel fallen vom Baum 175
Auf Riff gelaufen 177
Aussterben eine Tür öffnet sich 181
12. Es gibt immer eine Morgendämmerung 187
"Lazarus-Arten, Elvis-Arten" 187
Über die Erholungsphasen 192
13. Im Würgegriff des Eises - Artensterben im Pleistozän 195
Treibhaus oder Kühlhaus? 196
Das Sterben beginnt 198
Das Klima, der Mensch - oder beide zusammen?? 201
Sowohl als auch 203
In den Meeren nichts Neues 204
14. "Big Five" oder "Big Six"? 206
Ist das jüngste Großsterben bereits im Gange? 207
Die Mechanismen der globalen Umweltveränderung und die Folgen 209
Wie wird es weitergehen? 212
Epilog 213
Glossar 215
Literatur (nach Kapiteln geordnet) 223
Sach-und Ortsregister 240