cover

Raimo Becker-Haumann:

Anwendungen der Geoinformatik für die hochauflösende 3D-Modellierung fluviatiler Terrassenkörper

Die prä-risszeitliche Chronologie und Paläogeographie des Illergletschergebietes, Bayerisches Alpenvorland

[Using geoinformatics for high-resolution 3D modelling of Quaternary age terraces. A contribution to the pre-Riss age chronology and paleogeography of the Iller-glacier region, Bavaria]

2005. IX, 330 Seiten, 118 Abbildungen, 23 Tabellen, 8 Datentab. im Anhang, 17x24cm, 790 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65214-3, brosch., price: 48.00 €

in stock and ready to ship

Order form

BibTeX file

Keywords

GeoinformatikGeländeIllerLechSchmelzwasserSedimentBayern

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung sind langjährige, systematische Geländeaufnahmen des Iller-Lech-Gebietes (bayerisches Alpenvorland) und Widersprüche in vielen regionalen Beschreibungen, die die pleistozäne Stratigraphie und die fluss- und landschaftsgeschichtliche Entwicklung dieser Region betreffen. Die Arbeit führt alle Geländeinformationen des Gebietes zwischen Iller und Lech zusammen und präsentiert hydraulisch konsiste 3D-Modelle aller prä-risszeitlichen Schmelzwasserterrassen. Die heterogene Interpretation der geologischen Daten in der Literatur beruht u.a. auf dem Fehlen einer geometrisch stimmigen Gesamtlösung der flussgeschichtlichen Entwicklung. Diese wird in vorliegender Arbeit durch die Betrachtung des gesamten Vorlandes des Illergletschers sowie die Anwendung der GIS-gestützten 3D-Modellierung erarbeitet. Im gesamten Pleistozän werden 22 kaltzeitliche Einheiten unterschieden, anhand derer eine chronologische Gliederung erstellt und die paläogeographische Entwicklung des Untersuchungsgebietes rekonstruiert wird.

Umfangreiche sedimentologische und petrographische Untersuchungen führen zur Charakterisierung des Ablagerungsraumes. Methodisch neu ist die 3D-Modellierung quartärer Terrassenkörper auf der Basis eines Konzeptes zur Hydraulik von Tälern. Die allgemein gültigen, geometrischen Grundparameter von Schmelzwassertälern werden durch diese Vorgehensweise für stratigraphische Korrelationen von Schottervorkommen und für paläogeographische Rekonstruktionen genutzt. Bei der Modellierung wird zunächst die Oberfläche und danach die Basisfläche einer jeden Terrasse virtuell erzeugt (top-down modelling), um lokale Unterkantenschwankungen von stratigraphisch relevanten Niveaudifferenzen zu trennen. Als Modellinput dienen Höhenwerte der Terrassenoberfläche und -basis, sedimentologische und petrographische Informationen sowie solche zur Paläoströmungsrichtung. Die Position der ursprünglichen Terrassenoberfläche wird aus den heutigen Schottermächtigkeiten und der Auflagerungshöhe von Deckschichten rekonstruiert. Anhand dieser Daten und unter Berücksichtigung der geometrischen Grundparameter werden die untersuchten Terrassenkörper als 3D-Objekte dargestellt. Systematische Validierungen der Modellvoraussagen im Gelände führen zu einer iterativen Optimierung der einzelnen Modelle.

Die hochauflösende Untergrundmodellierung wird hier erstmals auf ein großes, zusammenhängendes Gebiet angewendet und damit ihr hoher Nutzwert für geologische Fragestellungen demonstriert. Da die vorliegenden Datenbestände mit GIS- gestützter Software erschlossen sind und georeferenziert vorliegen, entstanden von den untersuchten Einzelregionen u.a. lagegenaue Schichtverbreitungskarten, Profilschnitte und 3D-Ansichten.

Aus dem Unterpleistozän werden fünf biberzeitliche und sieben donauzeitliche Terrassenakkumulationen unterschieden. Habitus und Terrassengeometrie legen für den Illergletscher unterpleistozäne Eisvorstöße bis in das Alpenvorland nahe. Das Illertal ist Südwest-Nordost ausgerichtet gewesen und hat sich im Verlauf der Bibereiszeit nordwestwärts verlagert. Während des Donau 1 bis 3 ist der Zusammenfluss von Iller und Lech im Gebiet von Buchloe zu vermuten, bevor ein Talwechsel der Iller nach Norden erfolgt ist. Bis zur Brunhes/Matuyama-Grenze sind zwischen Ulm, Augsburg und Memmingen weitflächig Schotter der jüngeren Donaueiszeit (Donau 4) abgelagert worden, deren mehrphasige Entstehung durch petrographische Merkmale sowie die 3D-Modelle angedeutet wird. Bis zur Günzeiszeit, die durch eine glaziale Serie überliefert ist, ist die Umstellung der Entwässerungsrichtung in Süd-Nord-Richtung erfolgt, nachdem Schmelzwässer des Illergletschers autochthone Täler des Gletschervorlandes okkupiert hatten.

Während der Haslacheiszeit, die ins Cromer der norddeutschen Gliederung zu stellen ist, hat der Illergletscher seinen Maximalstand erreicht. Die nachfolgende Mindeleiszeit ist dreigeteilt und stratigraphisch zum Älteren und Jüngeren durch Paläoböden abgegrenzt. Im Mindel 1 wird der Hochstand des Illergletschers erreicht. Während der Mindeleiszeit hat sich der Haupt-Schmelzwasserauslass des Illergletschers vom Obergünzburger Gebiet westwärts in das Kemptener Becken verlagert. Zwischen Mindel- und Risseiszeit schiebt sich eine weitere Eiszeit (Paar ?) ein, deren stratigraphische Eigenständigkeit durch pedologische Befunde und das Vorliegen einer glazialen Serie angezeigt wird.

Bespr.: Umweltjournal 22.05.06 top ↑

Im Buch von Raimo Becker-Haumann wird die 3D-Modellierung fluviaitiler Ablagerungen eingehend erläutert und an einem Beispielgebiet dargestellt. Mit Hilfe eines neuen Konzeptes wird die Höhenlage, das Gefälle und die Mächtigkeit der Schichten in die Modellierung einbezogen. Dadurch sind die errechneten Schichtmodelle flussgeschichtlich stimmig. Hochauflösende farbige Karten und dreidimensionale Ansichten stellen die geologischen Verhältnisse anschaulich dar.

Als Beispiel wird ein Teilgebiet des deutschen Alpen-Vorlandes (Illergletschergebiet) behandelt und dessen Entwicklung während der quartären Eiszeiten nachgezeichnet. Die rechnergestützte Neuauswertung der Daten führt zu einem umfassenden Bild der Landschaftsgeschichte und zu neuen Erkenntnissen über das plestozäne Klima der Region.

Mit der vom Autor weiterentwickelten 3D-Modellierung lässt sich der geologische Aufbau des oberflächennahen Untergrundes präzise abbilden. Das Verfahren ist für viele umweltwissenschaftliche Fragestellungen relevant und lässt sich auf andere Regionen übertragen.

Der Autor Raimo Becker-Haumann ist als Priv. Doz. am Geographischen Institut der Universität zu Köln tätig. Er ist Experte für das Erdzeitalter Quartär und die Erforschung des Paläoklimas.

Dr. Thomas Wardenbach

Umweltjournal 22.05.06

Umweltjournal Thomas Wardenbach

Bespr.: Erdkunde Band 60 Heft 3 (2006) top ↑

Als langjähriger Kenner der alt- und mittelpleistozänen Flussterrassen im Bayerischen Alpenvorland hat der Autor seine und die zur Verfügung stehenden Daten aus Kartierungen, Bohrungen und sedimentologischen Untersuchungen zu einer regionalen Gesamtschau der Fluss- und Landschaftsgeschichte korrelierend zusammengestellt. Die vorliegenden Informationen zu den ineinander verschachtelten Terrassenkörper wurden dabei mittels eines Geographischen Informationssystems analysiert und unter anderem dreidimensional dargestellt. Dies ist sehr anschaulich gelungen, da dadurch auch das verwirrende Bild der durch jüngere Überdeckungen verborgenen Verbreitung der Schotterkörper aufgelöst werden kann. Die detailreichen Analysen der einzelnen Terrasseneinheiten sind reichhaltig illustriert und werden am Ende des jeweiligen Teilkapitels übersichtlich zusammengefasst. Dadurch werden auch Lesern, die mit dem Untersuchungsgebiet noch nicht vertraut sind, die zentralen Ergebnisse erfolgreich vermittelt. Berücksichtigt man in Ergänzung zum Kernthema der Arbeit auch die riss- und würmzeitlichen Terrassen des Iller-Lechgebietes, finden sich insgesamt 22 Schotterkörper. Während die ausgedehnten, auf Schwemmlandebenen hindeutenden unterpleistozänen Terrassenkörper durch eine große Anzahl im Gelände nur schwer unterscheidbarer Erosions- und Akkumulationsphasen differenziert werden, findet am Übergang zum Mittelpleistozän ein Wechsel zur Ausbildung leistenförmiger Talrandschotter statt. Die heutige Talfüllung machen jeweils zwei riss- und würmzeitliche Terrassenkörper aus. Durch großräumige Hebung während des Pleistozäns hat sich das Flusssystem bis zu 140 m eingeschnitten und entsprechend mächtige, reich gegliederte Schotterkörper hinterlassen, die durch sedimentologische Charakteristika auch Hinweise auf frühe, im Relief nicht erhaltene, Gletscherausdehnungen erlauben.

In der klassisch quartärgeologisch aufgebauten Arbeit werden einleitend terminologische Fragen geklärt, was vor dem Hintergrund der Vielzahl von Einzelstudien mit unterschiedlichem Vokabular aus dem Gebiet sehr hilfreich ist. Dieser Vergleich der Bezeichnungen einzelner Befunde findet sich auch in Tabellenform in der über zweihundertseitigen Auswertung der einzelnen Terrassenkörper wieder, was die Übersichtlichkeit erleichtert. Die klare Gliederung und Strukturierung der Ausführungen lässt sich gut nachvollziehen, was bei der erforderlichen Diskussion kontrovers interpretierter Detailbefunde nicht leicht zu bewerkstelligen ist. Neben dem Einsatz moderner graphischer Darstellungen weist die Arbeit auch methodisch moderne Ansätze in Form der Berücksichtigung der Systemeigenschaft von Flüssen auf, die auf Klimaschwankungen zeitlich verzögert, im Extremfall hinsichtlich ihres Sedimenthaushaltes auch gar nicht reagieren. Dem Autor ist es zweifellos gelungen, ein komplexes Arbeitsgebiet mit einer langen Forschungsgeschichte und zahlreichen älteren (Teil-)Übersichten zusammenzufassen und dem Neuling in der Region attraktiv zu vermitteln, weshalb das Werk allen am Früh- und Mittelpleistozän Interessierten sehr empfohlen werden kann.

Jürgen Herget

Erdkunde Band 60, Heft 3 (2006)

Bespr.: Die Erde 4/2007, S. 312 top ↑

Wer beim Lesen des Titels der vorliegenden Arbeit zunächst lediglich an GIS-gestützte Visualisierungen hinlänglich bekannter Geländebefunde denkt, der irrt gewaltig. Denn der Untertitel steht mindestens gleichgewichtig für den Inhalt der Arbeit. Raimo Becker-Haumann, der seit mehr als 10 Jahren im Iller-Lech-Gebiet arbeitet, hat dabei nicht nur eine Fülle eigener Daten verarbeitet, sondern es werden auch sämtliche in der Literatur bekannten Befunde seit den ersten grundlegenden Arbeiten von Penck und Brückner zu Beginn des 20. Jahrhunderts berücksichtigt. Im ersten Teil der Arbeit wird das Untersuchungsgebiet in geographisch-geologischer Perspektive sowie der quartärgeologische Forschungsstand vorgestellt. Anschließend erfolgt ein zweigeteilter Methodenteil zu den sedimentologischpetrographischen Methoden sowie zur GIS-gestützten Datenverarbeitung und 3D-Modellierung. Anschließend werden die Ergebnisse der Terrassenmodellierung im regionalen Kontext vorgestellt. Für Arlesrieder Terrassentreppe, Staudenplatte, Staufenberg- Terrassentreppe, Aindlinger Terrassentreppe, Zusamplatte, sowie für Böhener Feld, Kronburg und Hoher Rain werden jeweils die Forschungsgeschichte vorgestellt, die Geländebefunde diskutiert und Erläuterungen zu den 3D-Modellierungen gegeben. Weitere Kapitel sind besonders schwierig zu interpretierenden Schottern des Unterund Mittelpleistozäns gewidmet. Abschließend erfolgt eine zusammenfassende chronologische Fluss- und Landschaftsgeschichte für das Illergletschergebiet sowie eine Übersichtsdarstellung der Schmelzwasserterrassenchronologie im Iller-Lech- Gebiet. Kurzzusammenfassungen am Ende (fast) jeden Kapitels helfen dem Leser, die wichtigsten Inhalte abschnittsweise zu überblicken. Besonders erwähnenswert erscheint mir, dass es gelingt, die prä-risszeitlichen Terrassenschüttungen für ein gesamtes Gletschereinzugsgebiet paläogeographisch zu rekonstruieren. Laut den Angaben des Autors werden dazu erstmals Basis und Oberfläche der Terrassenkörper gleichermaßen genutzt. Dabei werden durch top-down modelling zuerst die Oberflächen und dann die Basisfläche rekonstruiert, um lokale Unterkantenschwankungen von stratigraphisch relevanten Niveaudifferenzen trennen zu können. Alle Terrassenkörper werden durch virtuelle, dreidimensionale Modelle über die gesamte rekonstruierbare Tallänge beschrieben. Für ein solch großes Untersuchungsgebiet ist dies sicherlich der immensen Datenfülle von 1387 im Gelände ermittelten primären Höhendaten von Terrassenbasen zu danken. Zusätzlich wurden 3110 Literaturwerte zum Vergleich herangezogen. Das zusammenfassende Kapitel zur Rekonstruktion der Fluss- und Landschaftsgeschichte überzeugt v.a. durch 14 paläogeographische Karten, die gemeinsam mit der ausführlichen Erläuterung eine übersichtliche Darstellung für die Zeit zwischen Biber- und Riss- Komplex ergeben. Für das gesamte Pleistozän unterscheidet Becker-Haumann schließlich 22 glazifluviale Akkumulationen. „Aus den erhaltenen Sedimenten die Prozesse und die Geschichte der Landschaftsformung zu rekonstruieren, ist ein anspruchsvolles Unterfangen, ...“ heißt es auf S. 2 der Arbeit. Dass dies dennoch möglich ist, zeigt das gelungene Werk von Becker-Haumann. Wenn auch mancher Leser sich einen ausführlicheren Methodenteil zur 3DModellierung gewünscht hätte, so ist die Arbeit zweifellos ein überaus wichtiger und wertvoller Beitrag zur Anwendung neuer wissenschaftlicher Methoden aus dem Bereich der Geoinformatik zur Lösung schwieriger geomorphologischer Fragestellungen. Darüber hinaus bietet sich die Arbeit auch als Nachschlagewerk zur Forschungsgeschichte und zum Forschungsstand der Quartärgeologie in der Region des Illergletschergebiets an.

Stefan Hecht (Heidelberg)

Die Erde 4/2007, S. 312

Bespr.: Zeitschrift für Geomorphologie 52/2 (2008) S. 262-263 top ↑

Mit dem Iller-Lech-Gebiet hat sich der Autor DIE klassische Region der deutschen Eiszeitforschung für einen Versuch vorgenommen, eine große Zahl zum Teil umstrittener Einzelbefunde in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Die morphostratigraphische Methode, den Ausführungen zufolge nach wie vor der einzige Ansatz zur Erstellung einer Chronologie der prä-risszeitlichen Schmelzwassersedimente, erhält durch den Einsatz moderner EDV-Werkzeuge neue Möglichkeiten. Diese reichen von der Integration der zahlreichen räumlichen Daten (Aufschlüsse und Messergebnisse) in ein GIS bis hin zur Rekonstruktion längst erodierter Geländeoberflächen und Sedimentkörper mithilfe spezieller, zum Teil im ‚echten‘ dreidimensionalen Datenraum angesiedelter Modellierungsansätze.

Während die einzelnen Kapitel in sich sorgfältig und übersichtlich gegliedert sind (z. B. bei den Fallstudien: Einleitung, Forschungsgeschichte, Befunde/Modellierungsergebnisse, Zusammenfassung), lässt der Gesamtaufbau der Arbeit eine solche Gliederung vermissen. Auf die (schlüssige) Abfolge von Einführung, geographisch-geologischen und erdgeschichtlichen Überblicken, Forschungsstand sowie zwei ausführlichen Methodenkapiteln folgen unvermittelt sieben Kapitel zu den Ergebnissen (lokale Fallstudien), deren Anordnung sich dem Leser nicht erschließt. Ebenso übergangslos ist der Wechsel von den genannten Fallstudien zu den Kapiteln 14–20, die als regionale bzw. chronologische Synthese angelegt sind. Eine einleitende Erklärung zum Aufbau des Buches bzw. des jeweiligen Abschnitts sowie eine übergeordnete Gliederung der Kapitel 1–4, 5–6, 7–13 bzw. 14–20 in einen Einführungs-, Methoden-, Ergebnis- bzw. Syntheseteil wären meiner Ansicht nach dringend anzuraten gewesen. Sehr gut hingegen sind die stichwortartigen Zusammenfassungen zu bewerten, die am Ende eines jeden Kapitels stehen.

Im Anschluss an die einleitenden Kapitel 1–4 widmet sich der Autor auf insgesamt 32 Seiten detailliert der Untersuchungsmethodik (zu gleichen Teilen Gelände/Labor und GIS-gestützte Modellierungsmethoden). Der innovativste Teil der Arbeit bezieht sich auf die 3D-Rekonstruktion von Terrassenkörpern mithilfe von spezieller Software (GSI3D sowie die ArcView-Erweiterung VirGIL Analyst). Die Modellierung erfolgt für einzelne (Paläo-)Täler durch eine Rekonstruktion der Terrassenoberfläche und -basis auf der Grundlage von Geländemessungen (z. B. Gerölleinregelung zur Rekonstruktion der Paläo-Strömungsrichtung, Mächtigkeitsentwicklung der Terrassenkörper) sowie geomorphologischer und hydraulischer Grundannahmen (z. B. Isobasen verlaufen parallel zu den Isohypsen der Terrassenoberflächen, das Gefälle nimmt mit der Laufstrecke ab, etc. . . .). Sie wird Schritt für Schritt beschrieben.

Hervorzuheben ist, dass die Modellierung ausschließlich mit den 1387 durch den Autor selbst ermittelten Höhendaten für Terrassenbasen durchgeführt wurde (S. 43), während die mehr als doppelt so große Anzahl von aus der Literatur entnommenen Daten aufgrund der verbreiteten Positionsungenauigkeiten lediglich für die Diskussion und einen Abgleich verwendet wird. Auf diese Weise basieren die gewonnenen Ergebnisse auf einer hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Daten sehr konsistenten Grundlage.

Die Ergebnisse der Modellierung werden in den folgenden Kapiteln zur Visualisierung in Form von Karten, Schnitten und Blockbildern sowie zur Analyse verwendet. Für sechs regionale Fallstudien werden Farbtafeln mit den Ergebnissen der 3D-Modellierung präsentiert, die die modellierte Ausdehnung der betreffenden Terrassen zum heutigen Relief in Bezug setzen. Weitere, überwiegend aufschlussreiche Abbildungen stellen die Ergebnisse gemeinsam mit Geländebefunden dar (dies ist angesichts der Vielzahl an genannten Lokalitäten für die Übersicht ortsunkundiger Leser wichtig) und dienen der ausführlichen Diskussion. Besonders anschaulich erscheint die Serie von vierzehn Karten zur Landschaftsentwicklung der Region zwischen Biber 1 und der postulierten Paar-Eiszeit (Kap. 19). Die Massenbilanzen der einzelnen Terrassenkörper (d. h. deren ursprüngliche bzw. erhaltene Volumina) stellen ein weiteres interessantes und wichtiges Ergebnis dar. Im letzten Kapitel (Kap. 20) werden die Ergebnisse im Hinblick auf die Chronologie der Schmelzwasserterrassen in Gegenüberstellung mit bisherigen Deutungen diskutiert und die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

Auf das gut zwölfseitige Literaturverzeichnis folgen Datentabellen (Aufschlussübersichten, Ergebnisse der Gelände- und Laboruntersuchungen (Gerölleinregelung, Rundungsgrade, Quarzrieselzahlen, Schotterpetrographie, Maximalgerölle, Granulometrie)) sowie ein umfassendes Stichwortregister mit Seitenhinweisen zu stratigraphischen und lokalen Bezeichnungen, Begriffserklärungen und Abbildungen.

Das vorliegende Werk stellt im Hinblick auf Methode und Ergebnisse eine wichtige Neuerung in der Diskussion um die Chronostratigraphie der Iller-Lech-Platte dar. Die computergestützte Rekonstruktion von Terrassenkörpern ist auch für die Bilanzierung von Speichern in Untersuchungen zum Sedimenthaushalt eine denkbar interessante Möglichkeit.

Tobias Heckmann, Eichstätt

Zeitschrift für Geomorphologie N.F. 52/2 (2008) S. 262-263

Inhaltsverzeichnis top ↑

Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung VII
Abstract VIII
1 Einführung 1
Vorbemerkungen * Terrassenstratigraphie * Chronologie ­
Chronostratigraphie­ Geochronologie * Zielsetzung der Arbeit
2 Geographisch-geologische Übersicht 7
Lage des Arbeitsgebietes * Morphologische Einteilung und Begriffe *
Generelles zur Sedimentologie der Terrassenschotter * Kartenbasis
3 Erdgeschichtlicher Überblick 20
4 Quartärgeologischer Forschungsstand 24
5 Sedimentologisch-petrographische Untersuchungsmethoden 26

Bestimmung der Schotterbasishöhe * Vermessung der B-Achse von
Maximalgeröllen * Schotterpetrographie * Rundungsgradanalyse *
Quarzrieselzahl * Gerölleinregelungen als Paläoströmungsindikatoren *
Schottersiebung im Gelände * Nasssiebung im Labor * Schlämmanalyse nach
Köhn
6 GIS-gestützte Datenverarbeitung und 3D-Modellierung 41
Grundlagen * Datenbasis * Hydraulisches Konzept als Grundlage der
3D-Modellierung * Die Terrassenmatrix * Konstruktion der
Terrassenoberfläche * Konstruktion der Terrassenbasis * Modellaussagen
und ihre Validierung
7 Arlesrieder Terrassentreppe 56
Forschungsgeschichte * Befunde * 3D-Modellierung * Zusammenfassung
8 Staudenplatte 72
Forschungsgeschichte * Befunde * Die D 2-Terrasse * 3D-Modellierung *
Zusammenfassung
9 Staufenberg-Terrassentreppe 97
Forschungsgeschichte * Befunde * 3D-Modellierung *
Sedimentologisch-petrographische Charakterisierung * Zusammenfassung
10 Aindlinger Terrassentreppe 116
Forschungsgeschichte * Befunde * 3D-Modellierung * Zusammenfassung
11 Die D4-Schotter: problematisch in Alter u. stratigraphischer
Gliederung 133
Zur Altersfrage * Petrographische Gliederung * Lagerungsverhältnisse *
Terrassenstratigraphisches Konzept aufgrund der 3D-Modellierung *
Zusammenfassung
12 Zusamplatte 153
Forschungsgeschichte * Befunde * 3D-Modellierung * Zusammenfassung
13 Böhener Feld, Kronburg, Hoher Rain 162
Forschungsgeschichte * Befunde * Zusammenfassung
14 Zur Lage der Wasserscheiden im Unterpleistozän 173
15 Die Entstehung der Beckenlandschaft auf der Mindel-Lech-Platte 177
16 Günz- und Haslacheiszeit 181
Das Irseer Feld als Schlüssel zur Günzeiszeit * Haslachzeitliche
Ablagerungen * Zusammenfassung
17 Die M 1- und M 2-Terrassen: Zeugen eines ausgedehnten Talsystems 194
Untrasried-Stephansrieder Schotter * Obergünzburg-Mindelheimer Schotter *
Warmisrieder Feld * Hartenthal-Simonsberger Schotter * Kirchheim-Burgauer
Schotter * Die M 2-Terrasse * Zusammenfassung
18 M 3-Terrasse und Paar-Thematik: Das Grönenbacher Feld und der
Schwaighausener Schotter 229
19 Fluss- und Landschaftsgeschichte, Massenbilanz 242
20 Chronologie der Schmelzwasserterrassen im Iller-Lech-Gebiet 264
Voraussetzungen * Chronologische Gliederung * Morphologische Typen der
Terrassen und die Frage morphotektonischer Wenden" * Bewertung der
chronologischen Gliederung * Zusammenfassung
21 Literaturverzeichnis 276
22 Datentabellen 289
23 Stichwortregister 325