cover

Dolf Seilacher:

Fossil art

2013. 97 Seiten, 43 Abbildungen, 40 Farbtafeln, 20x26cm, 580 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-510-65277-8, brosch., price: 27.80 €

in stock and ready to ship

Order form

BibTeX file

Keywords

artkunstschichtflächesedimentologiesedimentstrukturspurenfossiltrace fossilsedimentary structure

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Schichtflächen von Gesteinen sind Lithographien aus vergangenen Zeiten. Sie wurden von Wellen und Strömungen geformt und frühe Lebewesen haben darin ihre Spuren und Bauten hinterlassen. Es ist Aufgabe von Sedimentologen und Paläontologen, solche Dokumente zu erkennen und zu interpretieren.

Diese "Lithographien" sind von einer ihnen eigenen Schönheit, die auch nicht-Sedimentologen und nicht-Paläontologen in ihren Bann zieht; es sind unverfälschte Kunstwerke, die lange vor der Zeit entstanden bevor es ein Auge gab, das sehen konnte.
Die Schichtflächen, die hier beschrieben werden, decken einen Zeitraum von mehr als einer Milliarde Jahren ab, beginnend bei der Kambrischen Revolution, der einschneidendsten Umwälzung der Erdgeschichte.

Fossil Art stellt, professionell fotographiert, Exponate aus fünf Kontinenten von eigener Ästhetik vor, von denen aufgrund des Gewichtes nur Abgüsse von höchster Qualität angefertigt werden konnten - eine Kunst an sich.

Für Studenten der Geologie, Sedimentologie und Paläontologie ist "Fossil Art" ein kleines, elegantes Bilder-Lehrbuch der Sedimentstrukturen, das - aufs Beste illustriert - den Ursprung der Strukturen erläutert, was sonst in der Vorlesung anhand meist weniger aussagekräftiger Beispiele vorgestellt wird.
Für alle anderen ist es ein Bilderbuch über die Natur als Schöpfer ästhetischer Kunstwerke. Anhand der ansprechenden Bilder und dazugehörigen Erläuterungen (jeweils gegenüber der Bilder) kann man ein Gefühl davon bekommen, wie die Natur bzw. Lebewesen solche Kunstwerke erschaffen konnten.

Eine englischsprachige Ausgabe dieses Bandes ist ebenfalls lieferbar.

Bespr.: Naturwissenschaftliche Rundschau 66. Jg., Heft 3, 2013 top ↑

Der Tübinger Paläontologe Seilacher ist einer der kreativsten Wissenschaftler seiner Zunft, und er hat stets versucht, neue Wege der paläontologischen Erkenntnis neben dem „Main Stream“ zu etablieren – als Tübinger Studenten der Paläontologie haben wir von dieser anderen Art des Denkens enorm profitiert. Fossil Art ist eigentlich kein neues Werk – eine englische Version wurde schon 2008 publiziert, basierend auf einem Ausstellungskatalog von 1997. Das Buch stellt auch eine Zusammenfassung von Seilachers wissenschaftlicher Lebensleistung dar, natürlich aufbereitet zum einen für an Paläontologie interessierte Personen und zum anderen auch für Künstler, die sich mit den „Kunstformen der Natur“ beschäftigen, wie es schon der große Evolutionsforscher Ernst Haeckel 1904 gemacht hat. Haeckel hat ein Werk mit diesem Titel publiziert, um auf die Vielfalt und Schönheit natürlicher Formen in der Natur hinzuweisen. Seilachers Anliegen ist bis zu einem bestimmten Grad mit der Intention Haeckels vergleichbar. Er sagt in seinem Vorwort zur Auflage von 2013: „Paläontologie hat den Vorteil der Anschaulichkeit“, und Ulrike Kastrup bemerkt in ihrem Vorwort: „Die reliefartige Beschaffenheit der Gesteinsplatten ermuntert viele Betrachter, sie tastend zu erkunden.“ Es ist in der Tat so, dass Fossilien, sieht man von Mikrofossilien ab, mit unterschiedlichen Sinnen erfasst werden können und sich so neue Erfahrungswelten erschließen.

Das vorliegende Buch basiert auf einer Wanderausstellung, die von Seilacher schon in den 1980er Jahren konzipiert wurde. Er beschreibt in seinem Vorwort mit wenigen Sätzen, wie es zu dieser Idee gekommen ist: Sammlungen und kleine Museen, insbesondere in der Obhut von Universitäten, sind Kostenfaktoren und haben zudem den Charakter des Verstaubten, auf das man eigentlich verzichten könnte. Entsprechend hat man sie vernachlässigt oder auf sie ganz verzichtet und die finanziellen Ressourcen in andere Bereiche der universitären Verwaltung verschoben. Zum Glück vollzieht sich heute langsam ein Umdenken, und man besinnt sich wieder der Erhaltung von Kulturgut, wozu auch Fossilien gehören, da sie u. a. die unwiderlegbaren Belege der Evolution sind. Die Idee Seilachers war es, die fossilen Objekte zu den Menschen zu bringen und nicht umgekehrt, da die Möglichkeiten der Präsentation in den Sammlungen nur noch schwer realisierbar waren – er nannte es „Museum im Exil“. Allerdings haben Steine einen großen Nachteil, sie sind schwer und lassen sich nur mit großem Aufwand transportieren. Viele interessante Objekte lassen sich auch nicht vom Fundort bergen, so dass das Konzept des „Kunststoff-Fossils“ entwickelt wurde, das Abgießen großer Objekte mit Kunstharz und die Montage auf transportable Holzplatten. Seilachers Präparator Hans Luginsland in Tübingen hat dies mit großer Perfektion umgesetzt. Die Verleihung des Crafoord-Preises im Jahre 1992 (vergleichbar mit dem Nobel-Preis, allerdings für andere Disziplinen) erlaubte Seilacher die Umsetzung dieser Idee des Museums im Exil.

Wie bereits erwähnt, gibt das vorliegende Buch einen hervorragenden Einblick in das wissenschaftliche Schaffen des Autors. Seilachers Bedeutung liegt in der tiefgründigen Analyse von Spurenfossilien, die es ihm unter anderem ermöglicht hat, auch ehemaliges Verhalten von Organismen zu erfassen, was mit „klassischen Fossilien“ nicht ohne weiteres möglich ist. Neben den Spurenfossilien werden Sedimentstrukturen gezeigt, die Aufschluss geben unter anderem über unterschiedliche klimatische Prozesse in ursprünglichen Lebenswelten.

Das Buch zeigt eine Vielzahl von Bildern und Zeichnungen des Autors zu diesen Themenkomplexen, die schon zu einem erheblichen Teil in seinen wissenschaftlichen Arbeiten publiziert wurden. Insgesamt werden 47 Objekte auf ganzseitigen Tafeln vorgestellt, mit schwarzem Hintergrund, exzellent ausgeleuchtet und farbecht präsentiert. Für die ausgezeichnete Qualität der Abgüsse und vor allem auch die photographische Aufbereitung kann ich mich verbürgen, da ich einige der großen Fossilplatten in ihrer natürlichen Umgebung kenne, beispielsweise die Vendobionten-Platten auf der Farm Aar in Namibia und am Mistaken Point in Neufundland. Erst die Abgüsse und ihre naturgetreuen Farben lassen eine eingehende wissenschaftliche Bearbeitung zu. Vorbildlich sind die kurzen Beschreibungen der Objekte und die graphische Aufbereitung bzw. Interpretation der Objekte. Hier ist anzumerken, dass der Autor oft die wissenschaftliche Terminologie übernimmt, was allerdings für den interessierten Laien sicherlich kein großes Manko ist. Die spezielle Ästhetik der Bilder spricht für sich und lädt den Betrachter dazu ein, in fremde Welten einzutauchen. Die vom Autor präsentierten Interpretationen geben einen guten Einblick in die Bedingungen der frühen Erdgeschichte und das sedimentologische Geschehen. Mit seiner exzellenten Beobachtungsgabe und seinem fundamentalen Verständnis geobiologischer Prozesse gelingt es Seilacher, mit wenigen Worten komplexe Vorgänge in Raum und Zeit darzustellen. Besonders beeindruckend sind seine Interpretationen zur Ediacara-Zeit, einem Intervall der Erdgeschichte am Ende des sogenannten Präkambriums, am Beginn der modernen Organismenwelt vor rund 550 Millionen Jahren. Seine alternativen Vorstellungen zur Lebensweise der heute vollständig ausgestorbenen Organismen dieser Übergangszeit (Vendobionta) als „Luftmatratzen“-Organismen waren revolutionär.

Auch seine Spurenfossil-Analysen beeindrucken immer wieder, insbesondere seine Vorstellungen über die Lebensweise von Trilobiten (Dreilappkrebse), die vermutlich mit spinnenartigen Gliedertieren verwandt waren. Der Grabspuren-Typ „Cruziana“ wurde von Seilacher in besonderer Weise bearbeitet und graphisch dargestellt. Seine Vorstellungen zu Einbettungsprozessen und Erhaltungspotentialen werden vor allem im Objekt „Leben und Tod im Dinosaurierpark II“ beeindruckend deutlich gemacht.

Die letzten im Buch präsentierten Objekte, die „Wellen von Petra“ und „Was ist ‚wahre’ Kunst?“, sind dem Kunstbegriff gewidmet. Es ist naturgemäß schwierig, natürliche Objekte so aufzubereiten, dass sie einer künstlerischen Auseinandersetzung standhalten können; deshalb ist der Titel des Buches Fossil Art ein wenig missverständlich. Viele Bezeichnungen der Objekte wie „Ikebana“, „Das Amuri-Rätsel“ oder „Jurassischer Tatzelwurm“ sind vielleicht nicht glücklich gewählt. Diese kleinen Kritikpunkte schmälern den hervorragenden Gesamteindruck des Buches in keiner Weise. Der Verlag hat keine Mühe gescheut, dem Buch ein exzellentes Layout zu geben, dies gilt besonders für die Qualität der Bilder, bei denen zum Glück auf Hochglanz verzichtet wurde. Die Auswahl der Objekte und ihre inhaltliche Darstellung sind Seilacher-typisch hervorragend gelungen. Das Buch ist für interessierte Laien, versierte Fachpaläontologen, Kunstinteressierte und selbst für Personen, die noch keinen Zugang zu Fossilien gehabt haben, gleichermaßen attraktiv – es ist weit mehr als nur ein Sachbuch.

Prof. Dr. Joachim Reitner, Göttingen

Naturwissenschaftliche Rundschau, 66. Jg., Heft 3, 2013

Bespr.: Fossilien, Heft 2013 (3) top ↑

Dolf Seilacher, emeritierter Professor an den Universitäten Tübingen und Yale – und Autor von FOSSILIEN –, gilt als ein Nestor der Spurenfossil-Forschung. Für sein Lebenswerk erhielt er im Jahr 1992 den Crafoord-Preis, der quasi einem Nobelpreis für die Geowissenschaften entspricht. Einen Teil des Preisgelds investierte er in eine Wanderausstellung mit dem Titel „Fossil Art“. Darin wurden vom Tübinger Präparator Hans Luginsland meisterhaft abgegossene und kolorierte Schichtflächen mit Sedimentstrukturen, Fossilabdrücken oder Spurenfossilien gezeigt. Die Originalstücke wären für einen Transport viel zu schwer und unhandlich gewesen oder waren auf andere Weise nicht zu bergen. Sie werden hier nun in einem aufwändig gestalteten Bildband in ihrer ganzen Pracht vorgestellt. Jedem der Objekte ist eine plausible und manchmal auch überraschende Deutung beigegeben, die häufig mit charakteristischen Zeichnungen aus der Hand des Autors illustriert werden. In manchen Fällen bleibt die Entstehung der gezeigten Struktur letztlich rätselhaft und regt zum Nachdenken an. Manche Strukturen sind rein anorganischer Natur, andere lassen auf die Ablagerungsbedingungen schließen, und sehr viele davon wurden von selbst nicht überlieferten marinen oder terrestrischen Lebewesen im oder auf dem Sediment erzeugt. Auch echte Körperfossilien mit Beispielen aus der eigentümlichen Ediacara-Fauna, oder massenhaft zu Tode gekommene Muscheln samt ihren Spuren im selben Gesteinsblock, werden vorgestellt. Dolf Seilacher lässt die fossilen Kunstwerke nicht nur wieder lebendig werden, sondern schildert auch in vielen Fällen, wie er selbst oder andere Kollegen auf die Objekte gestoßen sind, teils im heimischen Institut, teils auf fernen Kontinenten. Das Buch ist einerseits alles andere als trivial, lässt aber die Begeisterung des Autors mittels der hervorragend fotografierten und reproduzierten Objekte auch auf den mit Fachtermini weniger bewanderten Leser überspringen. Das einzige, was es kritisch anzumerken gibt, sind die recht zahlreichen orthografischen Flüchtigkeitsfehler, die offenbar bei der Rückübersetzung aus dem Englischen entstanden sind. Der Qualität des Inhalts insgesamt tut dies aber keinen Abbruch. Der Bildband zeigt eindrücklich, wie eng Fossilien und Sediment oft miteinander verknüpft sind und welchen Scharfsinns es bedarf, diese erdgeschichtlichen Dokumente zu entziffern. Der Leser wird sedimentäre Felswände auf künftigen Urlaubsreisen mit ganz anderen Augen betrachten und, so sei zu hoffen, der Ästhetik in der Natur seinen Respekt zollen. In diesem Sinne sei dem Buch ein guter Erfolg gewünscht!

Günter Schweigert

Fossilien, Heft 2013 (3), S.190-191

Bespr.: Umweltjournal Artikel Nr. 20294 21.06.2013 top ↑

Es ist Aufgabe von Sedimentologen und Paläontologen, solche Dokumente wie Sedimentstrukturen oder Spurenfossilien zu erkennen und zu interpretieren. Diese "Lithographien" ziehen ebenso Naturliebhaber durch ihre Ästhetik und Formen in ihren Bann.

Der Band „Fossil Art“ von Dolf Seilacher stellt, professionell fotografiert, Exponate aus fünf Kontinenten vor, die einen Zeitraum von mehr als einer Milliarde Jahren abdecken.

Für Studenten der Geologie, Sedimentologie und Paläontologie ist "Fossil Art" ein kleines, elegantes „Lehrbuch der Sedimentstrukturen“, das den Ursprung der Strukturen erläutert.

Für alle anderen ist es ein Bilderbuch über große Kunstwerke aus der Erdgeschichte. Anhand der ansprechenden Bilder und dazugehörigen Erläuterungen erfährt der Leser viel wissenswertes über deren Entstehung.

Umweltjournal Artikel Nr. 20294 21.06.2013

Umweltjournal Thomas Wardenbach

Bespr.: Mitteilungen Nr. 65 des Nassauischen Vereins für Naturkunde top ↑

Der emeritierte Tübinger Paläontologie- Professor Dolf Seilhacher versteht naturgemäß etwas von Fossilien. In seinem im Januar 2013 erschienenen Buch geht es ihm jedoch nicht um die üblichen Körperfossilien, sondern um Spurenfossilien, biogene und abiogene, um zu Stein gewordenen Spuren längst vergangenen Lebens und geologischer Prozesse. Für ihn wurden Schichtflächen von Locker- und Festgesteinen zu „Lithographien“ aus den Urzeiten der Erde und jüngerer Ären. In Stein gezeichnete und zu Stein gewordene Trockenrisse oder Strömungsrippel oder Spuren von laufenden, grabenden oder wühlenden Tieren wie Wattwürmer oder Muscheln am Meeresgrund werden von Sedimentologen und Paläontologen gelesen und gedeutet, wegen ihrer ihnen eigenen Schönheit ziehen sie aber auch den sogenannten Laien in ihren Bann. Denn es handelt sich um Kunstwerke, die teilweise vor einer Milliarde Jahren entstanden sind und trotzdem zum Sehen und Staunen überliefert wurden.

Die im Buch vorgestellten Exponate sind die professionell fotografierten, von Profis in höchster Qualität hergestellten Abgüsse der natürlichen Kunstwerke auf Schichtflächen. Abgüsse deshalb, weil man einerseits die schweren Originale aus fünf Kontinenten nicht hätte mitnehmen können und die fossilen Kunstwerke andererseits zerbrochen wären. Diese leicht transportierbaren Abgüsse aus Kunstharz werden in einer Wanderausstellung, für die man den Namen Fossil Art, fossile Kunst, wählte, oder auch in geologischen Museen präsentiert. Nicht nur Studenten der Geowissenschaften soll bewusst werden, dass die Natur Schöpfer ästhetischer Kunstwerke ist, sondern auch alle anderen, denn der Mensch ist Teil dieses Kunstwerks, auch weil er sehen kann, auch weil er verstehen kann, er muss es nur genügend wollen.

In diesem Sinne ist Fossil Art ein kleines Lehrbuch und auch ein wunderschönes Bilderbuch, vor allem aber ein Ausstellungskatalog, der auf raffinierte Art und Weise in die in Paneele gegossene Erdgeschichte und ihre Wunder aufmerksam macht. In dem Katalog werden auf den ersten 99 Seiten rd. 60 Lithografien dargestellt, auf der jeweils gegenüber liegenden Seite wird der Ursprung der gezeigten Struktur auch anhand von gut verständlichen Skizzen erläutert. Die Seiten 100 bis 107 enthalten Gedanken über die „wahre“, d. h. die vom Menschen gemachte Kunst, eine Auflistung der Fundorte der Exponate, eine geologische Zeitskala sowie Literaturverzeichnis, Sach- und Personenregister. Die restlichen Seiten vermitteln einen Eindruck darüber, wie ein Abguss erstellt wird.

Fossil Art ist ein hervorragendes Bildwerk mit Erläuterungen eines ausgewiesenen Fachmanns mit einer eindeutigen, positiven Botschaft für uns. Es ist aber gleichzeitig auch ein Ausstellungskatalog, der nach Meinung des Rezensenten, der selber Geologe ist, im Vergleich zu anderen naturkundlichen Büchern mit vielen aussagekräftigen Abbildungen und von Fachleuten verständlich geschriebenen Texten als Ausstellungskatalog etwas zu teuer ist.

Benedikt Toussaint

Mitteilungen Nr. 65 des Nassauischen Vereins für Naturkunde

Bespr.: Zentralblatt f. Geologie u. Paläontologie Teil II Jg. 2013, Heft 3-4 top ↑

Adolf Seilacher ist in der Fachwelt seit Jahrzehnten u. a. für seine Arbeiten über fossile und rezente Spuren mit ihren einleuchtenden, so typischen Illustrationen so hinreichend bekannt, dass man darüber nicht noch viele Worte verlieren muss. Vor wenigen Jahren flossen seine gesammelten Erfahrungen in ein Lehrbuch über Spuren ein (Seilacher 2008). Unglücklicherweise nennt er sich hier kurz „Dolf“, was in der Bibliographie dann zu Seilacher, A. und Seilacher, D. führt und dann für unwissende Zeitgenossen zwei verschiedene Autoren existieren.

Der vorliegende Band begann als ein 40seitiges Heftchen in deutscher Sprache im Jahr 1995, erschien dann als Katalog zu einer Wanderausstellung mit fotografi erten Spurenplatten in englischer Sprache im Jahr 1997 und bereits mit 63 Seiten Umfang. Als die Ausstellung 2008 auch an Seilachers Hauptwirkungsstelle, nämlich an der Universität Tübingen, zu sehen war, erschien wiederum ein erweiterter Katalog mit 97 Seiten, der in etwa dem hier vorliegenden weitgehend entspricht und den es vorher auch in japanischer und portugiesischer Sprache gab, denn die Wanderausstellung war inzwischen in Deutschland, USA, Kanada, Japan, Brasilien, Portugal, Rumänien, Kroatien, Spanien, Norwegen und Dänemark zu sehen. Das vorliegende Heft ist so die 2. deutschsprachige Aufl age. An der ETH Zürich machte man diese Ausstellung zusätzlich auch blinden und sehbehinderten Menschen zugänglich, weil die vorgestellten Gesteinsplatten meist ein kräftiges Relief aufweisen und somit auch gut abzutasten sind.

Hans Luginsland besorgte die Fundbergungen, Wolfgang Gerber und Edith Seilacher die Fotografie, erstere beiden vom Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Tübingen, inzwischen das Institut für Geowissenschaften. Die charakteristischen Zeichnungen fertigte der Verf. natürlich selbst an.

Die fotografierten Spurenplatten stammen aus allen fünf Kontinenten und zu jeder gäbe es sicher eine recht bemerkenswerte Geschichte zur Entdeckung und Bergung zu erzählen. Da Spurenplatten häufig den Nachteil einer großfl ächigen Ausdehnung haben, oft gar nicht von ihrer Gesteinsunterlage zu trennen sind und – falls doch geborgen – ein enormes Gewicht aufweisen, fertigte man bereits vor Ort oder für die Ausstellung gut kolorierte Abgüsse an. Hinzu kommt, dass manche Fundstellen fossiler Spuren wie bei der australischen Ediacara-Fauna, den Dinosaurierspuren in Barkhausen im Wiehengebirge oder einer berühmten Trilobitenspur in Nordspanien unter gesetzlichem Schutz stehen und nicht beschädigt werden dürfen.

Beim vorliegenden Heft muss man in Ruhe die jeweils ganzseitigen Tafeln der Reihe nach betrachten und am besten auch die Erläuterungen auf der gegenüberliegenden linken Seite zur Kenntnis nehmen. Die deutschsprachigen Texte sind bewusst kurz gehalten, wenn auch stellenweise sprachlich nicht gut aus dem Englischen übersetzt. Das faszinierende an fossilen Spurenplatten, Fährtenzügen und dergleichen ist, dass sie Aktivitäten (Bewegung, Fressen, Auflauern, Verkriechen, Ruhen, Sterben, Kämpfe) von vergangenen Lebewesen für die Nachwelt überliefern, ohne dass man vielfach weiß, von wem sie stammen. Dies gilt in besonderer Weise für das Archaikum und Proterozoikum, wo Fossilien praktisch keine Hartteile aufweisen – sie waren vermutlich noch nicht oder selten entwickelt. Das ändert sich dann mit dem Kambrium. Charakteristische Spuren sind jedoch häufi g gerade da erhalten, wo Fossilreste nicht körperlich überliefert sind. Ein gutes Beispiel sind die Dinosaurierspuren von Barkhausen im westfälischen Wiehengebirge und im niedersächsischen Münchehagen – keine Spur von Knochenfunden. Die teilweise recht langen Fährtenzüge belegen allerdings ein lebhaftes Hin- und Herlaufen von Raubdinosauriern und pfl anzenfressenden Sauropoden. Im Einzelfall kann eine solche Spuren-Lagerstätte sogar einiges über die Anatomie und das Sozialverhalten von Dinosauriern verraten. Solche Fährtenzüge wären im vorliegenden Heft nur als Foto zu dokumentieren gewesen. Hier sehen wir nun – um einige Beispiele zu den 45 Farbtafeln zu nennen – quallenähnliche Bildungen, Abdrücke seltsamer Wesen aus der Frühzeit der Erde (Vendobionten in der sogenannten Ediacara-Fauna), Ruhespuren von Seesternen, Trilobitenspuren, Spuren von Nacktschnecken, Wurm-, Muschelund Arthropodenspuren sowie Wirbeltierfährten. Am Schluss zeigt eine Karte die Fundorte der Objekte auf einer Weltkarte und eine schematisierte Geologische Zeittabelle.

Außer Spuren sind jedoch auch Sedimentstrukturen wie Trockenrisse, Wellenrippeln, dann anorganisch entstandene Liesegangsche Ringe, ferner körperliche Fossilien wie Stromatolithe und Muschelanreicherungen zu sehen.

Am vorliegenden Katalog ist kaum etwas zu kritisieren. Nur ist im Impressum ein peinlicher Fehler unterlaufen: Statt „DR. A. Seilacher“ muss es richtig „Prof. Dr. Adolf Seilacher“ heißen, denn er hatte bis zu seiner Emeritierung an der Universität Tübingen als Ordentlicher Professor den Lehrstuhl für Paläontologie inne – das muss man zu seiner Ehre hier ergänzen. Der Text ist seltsamerweise aus dem Englischen ins Deutsche rückübersetzt worden – dadurch entstanden etliche stilistische, sprachliche und noch viel mehr einzelne, durchwegs vermeidbare Schreibfehler. Eine Titelseite gibt es auch nicht: Das Heft beginnt mit einem Vorwort, dann kommt das Impressum und dann wieder ein Vorwort – nicht gerade fachmännisch! Der Verlag Schweizerbart erhielt wohl das in Dänemark fertig hergestellte Heft in der vorliegenden Form so zum Vertrieb.

Das vorliegende Buch kann für alle an der Natur Interessierten eine ästhetische oder anregende Literatur sein, Studenten vor allem der Geologie/Paläontologie besonders einleuchtende Beispiele für die wissenschaftliche Auswertung solcher Funde liefern und für Künstler durchaus auch als Anregung für weitere Werke dienen. Insofern ist der Kreis der Liebhaber bei diesem Band wahrscheinlich viel größer, als man sich das hier ausmalen kann. Das vorliegende Heft ist ein guter Botschafter für die Paläontologie und als solches uneingeschränkt zu empfehlen. Auch der weltweite Erfolg der Ausstellung spricht dabei für sich. Man sollte allerdings auch darüber nachdenken, ob nicht viele Leser lieber eine ordentlich gebundene Ausgabe hätten, denn ein solches Heft verschleißt bei häufi gem Gebrauch doch rasch: Das Schwarz auf der Heftrückseite zeigte beim Rez. bald deutliche Abriebspuren.

Wolfgang Riegraf, Münster in Westf.

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2013, heft 3-4

Inhaltsverzeichnis top ↑

#1-2 Trockenrisse 10
#3 Rippelmarken 12
#4-6 Palimpsest-Rippelmarken 14
#6a “Dinosaurierhaut” von Coxsackie 16
#6b-d Teppich-Muster 18
#7 St romatolithen-Garten 20
#8-9 Quallen-ähnliche formen 22
#10-11 Die merkwürdige Welt der Ediacara-Zeit 24
#12-13 Schnappschüsse aus der Ediacara-Zeit 26
#14 Vendobionten im Untergrund 28
#15 Mattenkratzer 30
#16 Feuerwerk 32
#17 St erne aus Sand 34
#18-19 Trilobiten-Spuren 36
#20a-b Trilobiten-Pirouetten 38
#20c-f Der Trilobitenzirkus von Penha Garcia 40
#21-22 Spuren riesiger Nacktschnecken 42
#23 Lassospur 44
#24 Wurmspuren-Dschungel I 46
#24a-b Häcksel aus Utah 48
#24c Wurmspuren-Dschungel II 50
#25 Krebsbau-Dschungel 52
#26 Jurassicher Tatzelwurm 54
#26a Haarnadel-tunnel 56
#27 Hexenbesen-Spuren 58
#27a Neuseeländische Regenschirme 60
#27b Amuri Rätsel 62
#28 Japanisches Blumenbeet 64
#28a Ikebana 66
#28b Lobenlinien im Wadi 68
#29 Ornamente im Tiefseeschlamm 70
#29a Benkovac: Ein rätselhafter Plattenkalk 72
#30 Leben und Tod im Dinosaurierpark I 74
#30a Leben und Tod im Dinosaurierpark II 76
#31 Erste Schritte an Land 78
#31a Riesenskorpione 80
#31b Kambrische St rand-party I 82
#31c Kambrische St rand-party II 84
#31d-f Quallen oder Felszeichnungen? 86
#32a-b Permische Unterfährten 88
#33 Verkehrte Hände 90
#33a Geflochtene Flossenspuren 92
#33b Unterschriften des Gebirgsarchitekten 94
#34 Natur als Fingermaler 96
#34a-b Wellen von Petra 98
#35-38 was ist “wahre” kunst? 100