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Hans-Rudolf Bork; Werner Ricken:

Bodenerosion, Holozaene und Pleistozaene Bodenentwicklung

[Soil Erosion, Holocene and Pleistocene Soil Development]

1983. 138 Seiten, 44 Abbildungen, 20 Tabellen, Catena ISBN 978-3-923381-02-9, US-ISBN 978-1-59326-211-2, 17x24cm, 450 g
Language: Deutsch

(Catena Supplements, Volume 3)

ISBN 978-3-510-65344-7, brosch., price: 53.50 €

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Keywords

BodenkundeLössPedologiePedogenese

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Mit dem Ziel, die Kenntnis über holozäne Pedogenese und Morphogenese und ihre Wechselbeziehungen zu vertiefen, wurde ein Teil des Südniedersächsischen Berglandes untersucht, das Untereichsfeld und das südwestliche Harzvorland. Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich zwischen Northeim, Osterode am Harz und Duderstadt. Stratigraphische, pedologische und sedimentologische Untersuchungen wurden an über 800 Lößstandorten durchgeführt. Besondere Aufmerksamkeit wurde der quantitativen Erfassung und Analyse der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bodenerosion gewidmet.
Folgende Ergebnisse seien hervorgehoben:
Im Altholozän entwickelte sich in Löß unter einer geschlossenen Walddecke ein an den Hängen 35 bis 40 cm und in feuchten Auen 20 bis 30 cm mächtiger Humushorizont (Hang: Bodentyp Schwarzerde; Aue: Bodentyp Pararendzina).
Vom Neolithikum bis zur mittleren Römischen Kaiserzeit wurde die durch Bodenbildung unter Waldvegetation geprägte holozäne geomorphodynamische Stabilitätsphase vereinzelt kurzzeitig durch Waldrodungen unterbrochen. Innerhalb der ackerbaulich genutzten Rodungsinsein fanden, verursacht durch wenige mäßig erosive Abflußereignisse, schwache Bodenumlagerungen statt. Auf den ungerode-ten Flächen schritt die Bodenbildung fort.
Von der jüngeren Römischen Kaiserzeit bis zum frühen Mittelalter war das Untersuchungsgebiet vollständig bewaldet.
In feuchten Auen führte die Pedogenese bis zum frühen Mittelalter zur Entkalkung, Verbräunung und schwachen Tondurchschlämmung der Pararendzina und der obersten Dezimeter des liegenden Lösses. Die durchschlämmten Pararendzinen der feuchten Talauen waren im Frühmittelalter im Untersuchungsgebiet in der Regel 50 bis 90 cm mächtig. An den Hängen verlief die Bodenbildung vergleichsweise rasch ab. Bis zum Frühmittelalter hatten sich an den Hängen in Löß Parabraunerden mit einer Mächtigkeit von 2 bis 3 m im Untereichsfeld und von 3 bis 4 m im feuchteren südwestlichen Harzvorland gebildet.
Im späten Frühmittelalter und im Hochmittelalter wurde das Untersuchungsgebiet fast vollständig gerodet und ackerbaulich genutzt, die Bodenbildung und die geomorphodynamische Stabilitätsphase dadurch beendet. Mäßig erosive Abflußereignisse hatten schwache Bodenumlagerungen zur Folge.
Im Spätmittelalter verursachten Extremabflüsse äußerst starke lineare und flächenhafte Erosion im Ackerland. Bis über 10 m tiefe Schluchten rissen ein. Vielfach bildeten sich einige hundert Meter lange und mehrere Dekameter breite Hang- und Talbodenpedimente. Weite Flächen fielen wüst und bewaldeten sich wieder. Unter diesem Wald bildeten sich in spätmittelalterlichen Sedimenten (Kolluvien) in wenigen Jahrhunderten kräftig entwickelte Parabraunerden.
Die Neuzeit war mit Ausnahme des 18. Jahrhunderts durch geringe Bodenumlagerungen im Ackerland geprägt. Im 18. Jahrhundert entstanden während der zweiten holozänen Zerschneidungsphase zahlreiche tiefe Runsen.
Im Mittelalter und in der Neuzeit wurden im Untersuchungsgebiet durch starke Erosion insgesamt 493 600 000 m3 Boden umgelagert. An den Hängen des Untersuchungsgebietes wurden im Mittel die obersten 232,3 cm erodiert. Dies' entspricht einem mittleren jährlichen Abtrag von 48 Tonnen je Hektar. 87,57o des erodierten Materials wurde auf den Hängen und in den Auen des Untersuchungsgebietes akkumuliert. 12,57o bzw. 61 860 000 m3 wurden durch die Rhume aus dem Untersuchungsgebiet ausgetragen.

Synopsis top ↑

The Holocene pedogenesis and the Holocene soil erosion were studied in southern Lower Saxony (W. Germany). The research area is situated east of Göttingen between Northeim, Osterode/Harz and Duderstadt. Stratigraphical, pedo-logical and sedimentological investigations have been caried out at more than 800 locations with loess soils. Special attention was given to a quantitative determination and analysis of soil erosion, that occured during the Middle Ages and modern times. The following results should be emphasized:
During the elder holocene a humic horizon developed in loess under forest. At about 6000 y.b.p. the average thickness of the humic horizon varied from 35 to 40 cm on slopes to 20 to 30 cm in flood plains (slopes: soil type tschernosem; flood plains: soil type pararendzina).
From the beginning of the Neolithic Age to the middle of the Roman Age the Holocene geomorphodynmic stability (with soil formation under forest) was sometimes interrupted by human beeings who cleared small parts of the forest. Due to some rainfall events a slight soil erosion took place in between these cleared and agriculturally used areas. In areas with uncleared forest cover the soil formation continued. The research area was totally covered with forest from the younger Roman Age to the early Middle Ages.
In the flood plains the pedogenesis caused a décalcification, a in situ formation of clay and a slight clay infiltration in the pararendzina and the upper part of the underlying loess until the early Middle Ages. These degraded pa-rarendzinas of the flood plains had depths of 50 to 90 cm in the early Middle Ages. On slopes the soils developed faster: the early medieval Lessives reached depths from 2 to 4 m in loess.
In the time before the 13th century the research area was totally cleared from forest and agriculturally used. Therefore geomporhodynamic stability and soil formation ceased everywhere. Rainfall events caused a slight soil erosion in the cleared areas.
During the late Middle Ages catastrophic rainfall events caused extremely heavy sheet erosion and gully erosion. Gullies with depths of 10 m and more were cut in formerly arable land. Pediments were formed, which were a few hundred meters long and several decameters wide.
During modern times a slight soil erosion took place - except in the 18th century, when a second generation of gullies was established.
During the Middle Ages and modern times 493 600 000 m3 of soil were eroded in the research area. For the slopes a mean annual erosion rate of 48 000 tons per km2^ was determined. 87.5% of the total amount of the eroded material was accumulated in the research area. The river Rhume transported 12.57, resp. 61 860 000 m3 out of the examined area.