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Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen

Ein Beitrag zur Miozän-Stratigraphie in NW-Deutschland

Koordinator: Klaus Jürgen Meyer

[The Nieder Ochtenhausen research borehole: A contribution to the Miocene stratigraphy of Northwestern Germany]

2001. 512 Seiten, 64 Abbildungen, 32 Tabellen, 23 Tafeln, 17x24cm, 1190 g
Language: Deutsch

(Geologisches Jahrbuch Reihe A, Band A 152)

ISBN 978-3-510-95880-1, brosch., price: 84.00 €

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Nieder OchtenhausenMiozänStratigraphieForschungsbohrung

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Schon seit über hundert Jahren bedeutet die Gliederung des Miozäns im Nordwestdeutschen Tertiärbecken für viele Wissenschaftler eine besondere Herausforderung.

Unter einer 36 m mächtigen Quartär-Bedeckung wurde die Bohrung bis zu einer Endteufe von 136 m niedergebracht. Mit den basalen Proben werden Braunkohlenschluffe erfaßt, die von Ton-Schichten mit Schluffeinlagen überlagert werden. Ab 104,9 m schließen sich zum Hangenden Schluffe, Feinst- und Mittelsande in ständiger Wechsellagerung an. In einer gemeinsamen Kampagne wurde die Bohrung gleichzeitig beprobt.

Anhand einer detaillierten Kernaufnahme, geophysikalischer Vermessungen sowie geochemischer und petrographisch-sedimentologischer Untersuchungen wird eine lithostratigraphische Gliederung aufgestellt, während mikropaläontologische Untersuchungen die Voraussetzung für eine biostratigraphische Untergliederung in Zonen waren. Die Fragen nach der chemisch-mineralogischen Zusammensetzung waren ebenso von Interesse wie die Untersuchungen zur Klima- und Vegetationsgeschichte. Anhand des Aus- bzw. Einsetzens bestimmter Leitformen und/oder ganzer Fossilgruppen werden übergreifende "events" herausgestellt.

Ein erstes "Ereignis" ist im Basisbereich der Bohrung zu erkennen, wo die Grenzlinien der verschiedenen Fossilgruppen auf engem Raum zwischen 135,5 m und1 32,0 m liegen. Zwischen den Nannoplankton-Zonen NN 4 (135,5 m) und NN 5 (132,0m) liegt die Grenze Hemmoorium/Reinbekium. Es wird die Grenze Frühes/Mittleres-Miozän erfaßt.

Ein faziesabhängiges "Ereignis" ist im Bereich zwischen 122,0 m und 117,0 m zu vermuten. Die geologisch-mineralogische Abschnittsgrenze 8/9 wird bei 119,4 m angegeben, während die Palyno-Grenze NO II/III zum Hangenden versetzt bei 117,6m liegt. Dinoflagellaten und Ostracoden zeigen in diesem Bereich durchlaufende Fossil-Zonen. Zu Beginn des weitgehend kalkfreien Abschnittes ("Tostedter Schichten") setzen die kalkigen Fossilgruppen wie folgt aus: Pyramidellen (123,0 m) -Bolboformen (122,0 m) - Otolithen (121,0 m) - Foraminiferen (120,6 m) - Uvigerinen (119,0 m) - Mollusken (119,0 m) - Pteropoden (118,75 m).

Eine ähnliche Konstellation ist am Top der "Tostedter Schichten" beim versetzten Wiedereinsetzen der verschiedenen Fossilgruppen zwischen 102,0 m und 99,5 m zu beobachten: Uvigerinen (102,0 m) - Bolboformen (101,6 m) - Pteropoden (101,5 m)- Foraminiferen (101,3 m) - Mollusken (101,0 m) - Nannoplankton (100,9 m) - Otolithen (99,5 m). Dinoflagellaten und Sporomorphen zeigen bei 101,0 m einePalyno-Grenze, während die Ostracoden-Zonengrenze bei 98,0 m liegt. Die geologisch-mineralogische Abschnittsgrenze 6/7 liegt bei 100,4 m und die Schwermineral-Assoziation-Grenze 6/7 bei 100,5 m. Nach seinen Mollusken-Befunden legt HINSCH (in diesem Band) am Top der "Tostedter Schichten" die Stufengrenze Langenfeldium/Gramium fest.

Zum Hangenden sind mehrfach keine übereinstimmenden biostratigraphischen Grenzen zu erkennen. Erst im Bereich von 70 m bis 60 m ist ein weiteres "Ereignis" zu vermuten. Da Zonen- bzw. Abschnittsgrenzen der einzelnen Fossilgruppen in diesem Bereich stark versetzt sind,die Stufenbezeichnungen allein auf den Mollusken-Befunden beruhen und GAEMERS anhand der Otolithen-Ergebnisse eine neue Stufenbezeichnung postuliert, wird auf die Beiträge der einzelnen Autoren verwiesen. Hier werden Erläuterungen zu Alters-Fixpunkten, Fazies-Fragen und zur Sequenzstratigraphie gegeben.

Mehrere Autoren diskutieren eine Korrelation mit der Forschungsbohrung Wursterheide, die ca. 44 km nordwestlich unterhalb von Cuxhaven (BENDA, 1989) abgeteuft wurde. Übereinstimmungen und Abweichungen werden aufgezeigt.

Die Bezeichnung der Stufen und Unterstufen beruht im nordwestdeutschen Tertiärbecken bisher im wesentlichen auf der Mollusken-Gliederung, und entspricht somit faktisch einer Einteilung in Mollusken-Biozonen. Da Grenzbefunde dieser Fossilgruppe nachweislich mehrfach auf Faziesaussagenberuhen, galt es, die Regionalergebnisse und die aufgestellten Unterstufen multidisziplinär zu überprüfen und neu zu definieren. Nach den bisherigen Ergebnissen sind die miozänen Stufengrenzen und deren zeitliche Zuordnung noch nicht endgültig gesichert, stehen weiter zur Diskussion und verlangen eine klare Entscheidung durch das RCNNS (Regional Committee on Northern Neogene Stratigraphy). Eine aktuelle, verbindliche Stufengliederung ist sowohl für den regionalen Bereich als auch für die Korrelation mit internationalen Gliederungen (z.B. ICCP 124, VINKEN 1988) von Bedeutung.

Mit der Kernbohrung Nieder Ochtenhausen sind eine Vielzahl neuer Basisdaten erarbeitet worden. Diese können für aktuelle Grenzdefinitionen herangezogen werden und haben somit eine wesentliche Bedeutung für die Grundlagenforschung.

Inhaltsverzeichnis top ↑


Hans Kuster
Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen: Bemerkungen zum Ansatzpunkt, zur
Lithologie und Paläogeographie 15
Hans Kuster
Makroskopische Gesteinsansprache der Schichtenfolge in der Forschungsbohrung
Nieder Ochtenhausen 39
Roland Hindel, Joachim Koch, Heinrich Rösch, Hermann Wehner & Winfried Zimmerle
Geochemische und petrographische Untersuchungen an Sedimenten aus der
Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen 71
Winfried Zimmerle
Petrographisch-sedimentologische Untersuchungen der Forschungsbohrung Nieder
Ochtenhausen 101
Adrianus W. Burger
Heavy Minerals in the Nieder Ochtenhausen Borehole 141
Robert J.W. van Leeuwen
Calcareous Foraminiferal Micropaleontology of Nieder Ochtenhausen and
Correlation with the Standard Zonation of the Netherlands 159
Dorothee Spiegler
Bolboformen aus dem Miozän der Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen
(Niedersachsen, Nord-Deutschland) 175
Curt H. Edler von Daniels
Foraminiferen im Miozän der Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen
(Nordwestdeutschland) 195
Henning Uffenorde
Die Ostracoden der Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen (Miozän,
Nord-Niedersachsen, Deutschland),
Bio- und Ökostratigraphie 241
Winfried Hinsch
Die Molluskenfauna und sonstige Mesofauna des Miozäns in der Forschungsbohrung
Nieder Ochtenhausen 257
Pieter A.M. Gaemers
The Biostratigraphy of the Nieder Ochtenhausen Borehole based on Gadidae
Otoliths and other Fish Remains, and the Establishment of the Elbian, a New
Stage for the Latest Late Miocene of NW Europe 301
Arie W. Janssen
The Nieder Ochtenhausen Borehole: Sampling of the Core
for Macropalaeontological Analysis and Results on Holoplanktonic
Mollusca (Pteropods) 341
Erlend Martini
Kalkiges Nannoplankton aus dem Neogen der Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen
sowie von Groß Pampau und Hohen Woos (Norddeutschland) 357
Elisabeth Kuster-Wendenburg
Pyramidellidae (Molluska, Gastropoda) in der Forschungsbohrung Nieder
Ochtenhausen 379
Christoph Strauss, Jens J. Lund & Jane Lund-Christensen
Miocene Dinoflagellate Cyst Biostratigraphy of the Nieder Ochtenhausen Research
Borehole (NW Germany) 395
Klaus-Jürgen Meyer
Pollenanalytische Untersuchungsergebnisse zur Forschungsbohrung Nieder
Ochtenhausen (Nordwestdeutschland) 449
Dorothee Spiegler & Helmut Erlenkeuser
O- und C-Isotope im Biogenkarbonat von Foraminiferen und Bolboformen aus dem
Miozän der Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen (Niedersachsen,
Nord-Deutschland) 461
Thomas Wonik
Ergebnisse bohrlochgeophysikalischer Messungen in der Forschungsbohrung Nieder
Ochtenhausen 495