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Klimafakten

Der Rückblick - ein Schlüssel für die Zukunft.
4. vollständig überarbeitete Auflage

Hrsg.: Ulrich Berner; Hansjörg Streif

[Facts of the Earths Climate. The look back -- a key to the future.]

2004. 259 Seiten, 286 Farbabb., 30x24cm, 1280 g
Language: Deutsch

(Monographien von BGR und LBEG)

ISBN 978-3-510-95913-6, gebunden, price: 39.90 €

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Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Wenige Themen nehmen heute in Politik und Medien ähnlich breiten Raum ein wie Klima - Klimaänderungen - Klimakatastrophen. Meist geht es dabei um mögliche Auswirkungen menschlicher Eingriffe in das Klimasystem.
Oft unterschätzt man allerdings das Ausmaß und die Dynamik natürlicher Klimaschwankungen. Rückblickend auf die Erdgeschichte legen Geowissenschaftler im vorliegenden Sachbuch ihr umfangreiches Wissen über das Klima vergangener Zeiten vor. Aus den hinterlassenen Gesteinen, dem Grundwasser und dem Eis großer Gletscher gewinnen sie eine Fülle von Informationen, wie z.B. über Wassertemperaturen ehemaliger Ozeane, die Luftfeuchtigkeit bzw. Trockenheit untergegangener Kontinente oder die Gaszusammensetzung einer früheren Atmosphäre. Dieser Rückblick ist gleichzeitig auch ein Schlüssel für die Zukunft, weil er eine Bewertung der verschiedenen im Klimasystem wirksamen Faktoren erlaubt. Hervorzuheben ist dabei, dass nicht das oft zitierte Kohlendioxid bestimmender Faktor des Klimageschehens ist. Vielmehr treibt die Sonne wie ein Motor die klimawirksamen Prozesse in der Atmosphäre, den Ozeanen und in der Biosphäre an. Zahlreiche Belege aus der Natur sprechen für eine wahre "Achterbahnfahrt" des Klimas durch die Erdgeschichte.
Wer mehr zum Thema Klima erfahren möchte, findet in diesem Buch umfassende, auch dem Laien verständliche Informationen. In anregender Form sprechen die Autoren offene Fragen an und vermitteln neue Denkanstöße. Erstmalig wird hier aus der Sicht der Geowissenschaft Stellung zur aktuellen Klimadiskussion bezogen. Mit dem hier vorgelegten, erheblich erweiterten Hintergrundwissen sind viele bisher getroffene Aussagen zum Thema Mensch und Klima höchst kritisch zu bewerten.

In den vergangenen Monaten sind der Verlag, die Herausgeber und die Redaktion des Buches "Klimafakten - Der Rückblick, ein Schlüssel für die Zukunft" immer wieder gefragt worden, warum das Buch nur wenige Hinweise auf die verwendete Literatur enthält. Der Grund, warum sich die Autoren, Herausgeber und Verlag gegen ein detailliertes Schriftenverzeichnis im Buch entschieden haben, ist in seinem beträchtlichen Umfang zu suchen, da allein ein solches Verzeichnis etwa 400 zusätzliche Druckseiten umfasst hätte.

Die positiven Reaktionen und Anregungen zu dem Buch haben uns gezeigt, dass viele Leser gern ihr Wissen vertiefen möchten.

Mit der Vorbereitung der 4. verbesserten Auflage dieses Werkes, haben Herausgeber und die Redaktion beschlossen, eine Zusammenstellung der im Buch verwendeten Literatur zu den "Klimafakten" herauszugeben, um den Lesern weiterführende eigenständige Einblicke in die Zusammenhänge des Klimageschehens zu ermöglichen. Dieses Literaturverzeichnis zum Buch liegt nun mit 8798 Zitaten auf 469 Seiten als .pdf-Datei zum Download vor.

Wir glauben, damit vielen Interessierten die Möglichkeit zu eröffnen, vertiefende Studien zu betreiben und sind zuversichtlich, mit dieser Zusammenstellung einen weiteren Beitrag zu einer sachlichen Diskussion zu liefern.

Bespr.: "Bild der Wissenschaft" 12/2001, S. 84 top ↑

Inhalt
Ein unterhaltsamer und lehrreicher Einblick in die Erd- und Klimageschichte.
Autoren
Die beiden Herausgeber Ulrich Berner und Hansjörg Streif sowie weitere 40 Geowissenschaftler.
Leser
Alle, die sich für das Werden der Erde und die heutige Klimadiskussion interessieren.
Lesbarkeit
Für eine von Fachwissenschaftlern geschriebene Zusammenschau außerordentlich verständlich (man merkt die Redaktion im Hintergrund). Viele Informationen, hervorragend gegliedert.
Optik
Viele Grafiken, viele Bilder, die den Zusammenhang zwischen Sonne - Erde - Klima zeigen. Die Grafiken sind plakativ, wirken mitunter allerdings ein bisschen ungehobelt.
Bemerkenswert
alle, die bisher der sicheren Überzeugung waren, dass der Mensch das Klima aus seinem Gleichgewicht schaukelt, haben nach der Lektüre dieses Buches ein Problem.

"Bild der Wissenschaft" 12/2001, S. 84

Bespr.: "Fusion", 22. Jg., Heft 2, 2001, S. 48 top ↑

Das Klimaabkommen von Kyoto scheint zwar am Widerstand der USA gescheitert zu sein, doch die darin erhobenen Forderungen setzen sich auf breiter Linie durch. Die Weltgroßindustrie reduziert den Verbrauch fossiler Brennstoffe und damit den Ausstoß an CO2. Sogar China, das von den Beschränkungen des Abkommens nicht betroffen ist, hat seinen CO2-Ausstoß drastisch gesenkt. Macht diese Entwicklung das Buch überflüssig? Man sollte nicht den Schaden übersehen, den die Treibhausdebatte - eine Desinformationskampagne, die nicht ihresgleichen hat- in der Offentlichkeit angerichtet hat. Es wird praktisch als Selbstverständlichkeit angenommen, CO2, die wichtigste Pflanzennahrung und damit auch unsere Lebensgrundlage, sei ein gefährliches Klimagift und seine relativ geringfügige Anreicherung in der Atmosphäre (3 Teile auf 10 000 Teile sonstiger Moleküle) würde eine katastrophale Klimaerwärmung auslösen.

Das Buch der Wissenschaftler aus der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe unternimmt den Versuch, die von Medien und opportunistischen Politikern aufgerührte Klimahysterie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuführen. Tatsache ist, daß unzählige Faktoren stärker auf das Klimageschehen einwirken, als dies dem CO2 in der Atmosphäre möglich wäre. Allem voran verweist das Buch auf die Lebensspenderin Sonne, die nicht, wie angenommen, gleichmäßig scheint, sondern in bestimmten Rhythmen und Zyklen ihre Strahlung verstärkt und abschwächt. Da ist ferner der Sonnenwind, der in ähnlichen Rhythmen stärker oder schwächer gegen die Erde strömt und dabei nicht nur das vor harter kosmischer Strahlung schützende Erdmagnetfeld erzeugt, sondern ebenfalls das chemische Verhalten der Atmosphärengase, die Zirkulation dieser Gase um die Erdkugel und vor allem das Kondensationsverhalten des Wassers in der Atmosphäre beeinflußt.

Eingehender als auf die Sonne, die eigentlich nicht Forschungsgegenstand der Geowissenschaftler ist, behandeln die Autoren die Einflußgrößen, über die die Erde ihr Klima steuert. Das betrifft die sich in Zyklen ändernde Erdbahn um die Sonne ebenso wie das Kreiseln ihrer Achse. Aber auch die Erde selbst ist "unru- hig": Kontinente verlagern sich ebenso wie Meeresströmungen als wichtige Wärmetransportadern. Am Wärmetransport sind auch die vielfältigen Gasschichten der Atmosphäre und deren vertikale und horizontale Zirkulation beteiligt. Der Leser erfährt etwas über "die Rolle der Meere", "die Eiskammern der Erde" und die Auswirkungen der Kontinente und ihrer Biosphäre.

Sehr genau wird er über die "Uhren" und Maßstäbe unterrichtet, mit denen man etwas über Klimazustände in früheren Epochen der Erdgeschichte aussagen kann. Dies ist deshalb so wichtig, weil man inzwischen weiß, daß in der langen Erdgeschichte die Veränderungen der Temperatur mit dem Auf und Ab des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre nicht parallel gingen, diesen vielfach sogar vorausgingen. Die Fachleute zeichnen ein sehr kenntnisreiches und interessantes Bild, wie Klimaveränderungen in der Vergangenheit erkannt werden und was ihre auslösenden Ursachen waren. Sie kommen zu dem Schluß, daß CO2 nur eine Einflußgröße neben vielen anderen und keineswegs die ausgeprägteste ist, daß der Einfluß des Menschen auf das Klima wesentlich geringer ist, als uns angesichts möglicher Katastrophen lieb wäre, daß die von den Klimamodellen vorgestellten "Szenarien" keine Prognosen sind, weil wesentliche Einflußgrößen auf das Klima noch nicht bekannt oder in ihrer Wirkung noch nicht abzuschätzen sind.

Neben diesen politisch wichtigen Erkenntnissen erfährt der Leser in dem Buch aber noch viel mehr über die Klimageschichte, das Klimageschehen und damit über unseren Planeten Erde. Und das alles in einer Argumentation, die zum Mitdenken anregt und nicht das Gefühl aufkommen läßt, "den Experten" alles staunend zu glauben. Ein Buch. das nicht nur informiert, sondern in das man immer wieder gerne hineinschaut, wenn Fragen anstehen, die unsere Erde und ihr Klima betreffen.

Dr. Helmut Böttiger

"Fusion", 22. Jg., Heft 2, 2001, S. 48

Bespr.: "Schwaben Alpin", 3/2000, S. 46 top ↑

Wenige Themen nehmen heute in Politik und Medien ähnlich breiten Raum ein wie Klima - Klimaänderungen - Klimakatastrophen. Meist geht es dabei um mögliche Auswirkungen menschlicher Eingriffe in das Klimasystem.

Oft übersieht man allerdings das Ausmaß und die Dynamik natürlicher Klimaschwankungen. Rückblickend auf die Erdgeschichte legen Geowissenschaftler im vorliegenden Sachbuch ihr umfangreiches Wissen über das Klima vergangener Zeiten vor. Aus den hinterlassenen Gesteinen, dem Grundwasser und dem Eis großer Gletscher gewinnen Sie eine Fülle von Informationen, wie z.B. über Wassertemperaturen ehemaliger Ozeane, die Luftfeuchtigkeit bzw. Trockenheit untergegangener Kontinente oder die Gaszusammensetzung einer früheren Atmosphäre. Dieser Rückblick ist gleichzeitig auch ein Schlüssel für die Zukunft, weil er eine Bewertung der verschiedenen im Klimasystem wirksamen Faktoren erlaubt. Hervorzuheben ist dabei, dass nicht das oft zitierte Kohlendioxid bestimmender Faktor des Klimageschehens ist. Vielmehr treibt die Sonne wie ein Motor die klimawirksamen Prozesse in der Atmosphäre, den Ozeanen und in der Biosphäre an. Zahlreiche Belege aus der Natur sprechen für eine wahre "Achterbahnfahrt" des Klimas durch die Erdgeschichte.

In elf Kapiteln werden zum Thema Klima umfassende, auch dem Laien verständliche Informationen dargeboten. In anregender Form sprechen die Autoren offene Fragen an und vermitteln neue Denkanstöße. Erstmalig wird hier aus der Sicht der Geowissenschaft Stellung zur aktuellen Klimadiskussion bezogen. Mit dem hier vorgelegten, erheblich erweiterten Hintergrundwissen sind viele bisher getroffene Aussagen zum Thema Mensch und Klima höchst kritisch zu bewerten. Klimafakten, Der Rückblick - Ein Schlüssel für die Zukunft.

"Schwaben Alpin", 3/2000, S. 46

Bespr.: Erzmetall 54 (2001) Nr. 7/8, S. 403 top ↑

Das exzellent illustrierte Buch bringt weltweite Fakten zur Klimaentwicklung, vor allem der letzten 11 500 Jahre, d.h. nach der letzten größeren Kälteperiode. Seitdem gab es nur kleinere Kältezeiten. Bis zur Industrialisierung weilte der Mensch noch nicht so zahlreich auf der Erde, als daß er diese kleinen Änderungen des Weltklimas hätte bewirken können. - Als Hauptfaktoren für Klimaänderungen geben die 40 Fachautoren Schwankungen der Sonnenfleckentätigkeit und der Erdrotation - die eine Veränderung der auftreffenden Sonnenstrahlung bewirkte - an, ferner Vulkanausbrüche, Veränderungen der polaren Eisschilde und in der Erdvergangenheit plattentektonische Veränderungen. Seit 1850 ist der Mensch am CO,-Anstieg der Atmosphäre von 280 auf 365 ppm beteiligt, vor allem durch Brandrodung, Verbrauch fossiler Energie und Moorkultivierung.- Das ansprechend gestaltete Buch stellt Fakten aus der Paläoklimatologie dar wie Schuttfahnen längst aßgeschmolzener Gletscher in heutigen Wüsten, dickschalige, in polaren Gebieten verbreitete Fossilien. Zahlreiche Karten belegen die Entwicklung von Eis- und Zwischeneiszeiten im Quartär. Für die nächsten 3000 Jahre prophezeien die Autoren eine leichte Abkühlung wegen einer Änderung der Konstellation zwischen Erde und Sonne. Aber auch mit Computer-Modellrechnungen lassen sich keine Einzelheiten voraussagen. - Die Autoren fordern eine Reduzierung des weltweiten Verbrauchs an fossiler Energie, vor allem von Erdölprodukten, da die Vorräte ab 2020 spürbar zurückgehen werden. Denn wir sollten unseren Nachkommen noch möglichst große Reserven dieser Schätze der Natur hinterlassen. - Das von den drei in Hannover ansässigen geowissenschaftlichen Institutionen (BGR, NLfB, Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben) herausgegebene Fachbuch, das auch bei Politikern starke Beachtung fand, ist als sachliche, gut gegliederte, allgemeinverständliche Faktensammlung zu empfehlen.

Erzmetall 54 (2001) Nr. 7/8, S. 403

Bespr.: Forst und Holz Nr. 17, 56. Jg., 10. Sept. 2001 top ↑

Aufmerksame Zeitgenossen registrieren: Das Ansteigen des Kohlendioxydwerte in der Luft wird mit jüngeren Erwärmungstendenzen verknüpft, zu Modellen verdichtet, im Rechner simuliert und in Sorge um das Geschick der Menschheit alsdann von denkbaren künftigen Schreckensszenarien berichtet. So erschien als Titelbild von TIME (23. April 2001) ein Spiegelei in der Pfanne brutzelnd, im gelben Dotter briet die USA und ihre Hemisphäre. Der globalen Erwärmung samt Gletscherschmelze und Meeresanstieg waren 10 Seiten gewidmet. Man will weltweit Abhilfe durch politisches und verantwortungsbewusstes Handeln schaffen. Jedoch - lassen sich die Wetterdaten der klimatologisch jünge- ren Vergangenheit so zu Modellen verdichtet und mit Computerprognosen hochgerechnet als solide Basis für weltweites Handeln nutzen? Sollte tatsächlich der Anstieg des CO2 und damit der Energiedurchsatz der Industrialisierung an allem "schuld" sein? Modelle sind eben nicht die Realität und monokausale Erklärungen erscheinen in einer vernetzten Welt fragwürdig. Da kommt folgende Veröffentlichung gerade recht:

BERNER, Ulrich, u. Hansjörg STREIF (Hrsg.): Klimafakten, der Rückblick - ein Schlüssel für die Zukunft. E. Schweizerbart sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. 2. verbesserte Auflage 2001. 238 S., 277 Abb., 78 DM. ISBN 3-510-95876-4.

Autoren sind über 40 Wissenschaftler aus der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, dem Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben und dem Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung (alle in Hannover). Sie erläutern Ausmaß und Dynamik der natürlichen Klimaschwankungen, sie denken langfristig und können es vielfältig belegen. Auch ihre Sorge gilt dem sparsamen Umgang mit Rohstoffen und Energie. Der engagierte Laie findet hier sachgerecht dargebotenes Wissen der Geowissenschaften, vom Erdkern bis zur Troposphäre und Sonne, vom KamUrium bis heute. Nach der Einleitung folgen 10 Kapitel, die von den Methoden des Zählens und Messens zum Kohlenstoffkreislauf führen. Die Dimensionsbetrachtung macht deutlich, dass das CO2 nicht die treibende Kraft für die Temperaturentwicklung in der Vergangenheit war. Wasserdampf ist das wichtigste Treibhausgas der Atmosphäre. Die Fakten der Klimageschichte werden erläutert, von den Erdbahnparametern über die Kontinentalverschiebung, die Eiszeiten, die Klimaschwankungen speziell in Norddeutschland. Überhaupt ist es neben den Hinweisen auf weltweite Forschungen - auch und gerade in den Meeren - immer wieder erfreulich, wie viel Waldgeschichte, Moorkunde und Wissen um die Nordseeküste hier am Rande geboten werden. Messbare Klimavariationen gehen von der Sonnenaktivität aus. Dies ist auch dann plausibel, wenn wir derzeit die wirkenden Faktoren noch nicht voll erkennen. Erstmalig wird hier aus der Sicht der Geowissenschaft Stellung zur aktuellen Klimadiskussion bezogen. Nach dem dankbaren Erfassen des breiten Hintergrundwissens in dem Werk keimt erhebliche Skepsis gegenüber Verallgemeinerungen hinsichtlich Mensch und Klima. Deshalb gehört es in die Hand kritischer Leser, von der Oberstufe über die Lehrkräfte bis zu den Alteren, die zwar noch Anschluss an die Wissensexpiosion unserer Tage halten wollen, die jedoch nicht gewillt sind, jedem Aufruhr in den Medien voll zu glauben. Dieses Buch hat Format, es ist hervorragend gemacht. Dies gilt ganz besonders von Text und Bildern. Man hat buchstäblich etwas Solides in der Hand, verglichen mit dem Flim- mern der Nachrichten und dem Druck anderer Medien, die im Kurzzeitdenken befangen Katastrophen beschwören. Der gelungene Druck mit einheitlich dargebotenen Bilder laden schon beim Blättern zum intensiveren Lesen ein. Der Respekt gilt dem Ergebnis, der Gemeinschaftsleistung so vieler Wissenschaftler und der Darbietung in dieser hochwertigen Form. Ein empfehlenswertes Buch.

Klaus Olischläger

Forst und Holz Nr. 17, 56. Jg., 10. Sept. 2001, S. 574

Bespr.: Geographie und Schule Nr. 141, 25 Jg. 2003 top ↑

Das in vorigen Auflagen bereits kontrovers diskutierte Buch liegt in einer sehr ansprechenden Aufmachung vor. Auf der Basis der Erforschung des Klimas der Vergangenheit wird die gängige These der anthropogenen Klimaänderungen relativiert. Die Autoren erhalten dabei offizielle Rückendeckung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung und des Instituts für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben. Die Argumentation wird mit zahlreichen Daten, Tabellen und Grafiken gestützt.

Geographie und Schule Nr. 141, 25 Jg. 2003

Bespr.: Glückauf 137 (2001) Nr. 7/8, S. 442 top ↑

Das Buch setzt sich detailliert und anschaulich mit den Klimaschwankungen der Vergangenheit und ihren Ursachen auseinander. Dabei werden sowohl Klimaschwankungen in der jüngeren (etwa 100 Jahre) als auch der etwa bis zum Jahr 1 000 zurückreichenden und der mehrere Mrd. Jahre umspannenden geologischen Vergangenheit dargestellt. Hierbei wird deutlich, daß das Klima keine Konstante ist und war, sondern sich zu allen Zeiten aus den verschiedensten - natürlichen - Gründen geändert hat und ändert. Die gegenwärtig populäre Treibhaustheorie vermag nur einen eher geringen Teil der jüngst beobachteten Klimaschwankungen zu erklären; natürliche Faktoren wie zum Beispiel Schwankungen im Energieausstoß der Sonne erscheinen hierzu eher geeignet. Das Werk ist sehr gut bebildert und enthält eine große Anzahl von anschaulichen und didaktisch lehrreichen Farbtafeln, die für eine Präsentation gut geeignet sind. Die Bedeutung der Treibhausgase für das Klima wird stark relativiert dargestellt, da es neben ihnen noch zahlreiche andere Faktoren im Klimageschehen gibt, die in der Vergangenheit einen wesentlich größeren Einfluß auf das Klima hatten, wie zum Beispiel Schwankungen der solaren Strahlungsintensität und astronomische Faktoren. Die Aussagefähigkeit von Klimamodellen für die Entwicklung des Klimas in den nächsten Jahrzehnten wird deswegen eher etwas zurückhaltend beurteilt, da sie im wesentlichen nur die Treibhausgase berücksichtigen, andererseits aber aufgrund der Komplexität des Klimasystems nur eine grobe Annäherung der tatsächlichen Verhältnisse darstellen.

Die Stärke des Buchs liegt darin, daß es in anschaulicher Weise eine Informationsfülle über das Klimageschehen der Vergangenheit, seine Ursachen und seine vielfältigen Ausprägungen und Auswirkungen auf die verschiedensten Aspekte der Natur bietet. Leicht verständlich werden auch die verschiedenen Methoden der Paläcklimatologie dargestellt, mit denen es möglich ist, Erkenntnisse über Klimate der Vergangenheit zu gewinnen. Auch die Art der Darstellung in zahlreichen didaktisch gut gemachten Farbtafeln ist lobenswert.

Kritisch anzumerken ist vielleicht, daß für den interessierten Leser ein erweitertes Literatur- beziehungsweise Quellenverzeichnis wünschenswert wäre. Insgesamt handelt es sich aber um ein sehr gelungenes Werk, das sicherlich seinen Beitrag zur Relativierung der Treibhausdiskussion leisten wird und wegen seines reichhaltigen Bild- und Farbtafelmaterials viel Referenzmaterial für Präsentationen über Klimaschwankungen in historischen Zeitabläufen bietet.

Gerd-Rainer Weber

Glückauf 137 (2001) Nr. 7/8, S. 442

Bespr.: Holz-Zentralblatt, 127. Jg., Nr. 97/98, S. 1211 top ↑

Das Buch avancierte bereits kurz nach seinem Erscheinen zum Politikum, da es die Wissensbasis der gegenwärtigen in Klimadiskussion kritisch hinterfragt. Dies geschieht in aller Deutlichkeit mit Sätzen, wie: "Klimaforscher versuchen..., mit Hilfe von Computermodellen den Abläufen im System auf die ver Spur zu kommen. Dabei wird das Klimamasystem in den Rechenmodellen vereinfacht dargestellt. Solche Vereinfachungen führen zu einfachen Ergebnissen, die nicht notwendigerweise mit den Ereignissen in der Natur zu tun haben und schon gar nicht mit der Klimazukunft." "Derartigen Klimaszenarien .. stehen geowissenschaftliche Überlegungen zur Klimazukunft gegenüber. . . Hiernach ist im Verlauf der nächsten Jahrtausende ein Absinken der Temperaturen sicher, und auch der Meeresspiegel wird sinken.... Dies ist unabhängig davon, ob die Menschheit heute die Konzentration des Kohlendioxids in der Atmosphäre . . . erhöht oder durch Einsparungen beim Energieverbrauch verringert."

Das Buch stellt in erstaunlich komprimierter Form die Klimageschichte der Erde dar und was daraus für die Klimazukunft abzuleiten ist. Die Aussagen beruhen nicht auf Spekulationen sondern sind das Ergebnis eigener Forschungen der beteiligten Organisationen (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben, Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung) sowie aufwändiger Recherchen des aktuellen Wissensstandes. Die Wissensvermittlung erfolgt in klaren und verständlichen Worten, unterstützt durch eine Vielzahl von Abbildungen. Unvermeidliche Fachbegriffe werden zudem verständlich erklärt. Der großen Zahl von beteiligten Autoren ist es gelungen, die komplexen Zusammenhänge des Klimageschehens, aktuelle klimabezogene Interpretationen des Wissensstandes zur Entwicklung der Erde sowie die Vorstellung der verfügbaren Forschungsmethoden, in einer Weise darzustellen, die es auch dem interessierten Laien erlaubt, den Ausführungen zu folgen. Er wird damit in die Lage versetzt, sich ein eigenes Bild vom Wissensstand zu machen und medienwirksam aufbereitetes und dadurch notwendigerweise Vereinfachendes Expertenwissen zu hinterfragen.

Dadurch erhält der Leser Einblick in den Wissensstand auf dessen Basis gegenwärtig weitreichende politische Entscheidungen getroffen werden. Das Buch ist damit ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich Wissenschaftler der interessierten Öffentlichkeit verständlich machen können, ohne ins Triviale abzugleiten.

Holz-Zentralblatt, 127. Jg., Nr. 97/98, S. 1211

Dr. Michael Ißleib

Bespr.: Landwirtschaftl.Wochenbl. Westfalen-Lippe,21.06.2001,H4446,25,S.86 top ↑

Ändert sich das Klima? Ja, sagen viele Forscher, die auf die Entwicklung der letzten 150 Jahre verweisen. Das sei viel zu wenig, meinen die Autoren dieses Buches. Als Geowissenschaftler, die an Forschungsinstituten des Bundes und des Landes Niedersachsen tätig sind, haben sie unvorstellbare Zeiträume von mehreren Hunderttausend oder gar Millionen Jahren im Blick.

In diesem ansprechend gestalteten und gut lesbaren Buch breiten sie ihr umfangreiches Wissen über das Klima vergangener Zeiten aus und wagen einen vorsichtigen Blick in die Zukunft. Wer sich mit Fragen des Klimawandels beschäftigt, findet hier einen guten Einstieg ins Thema.

Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe, 21.06.2001, H4446, 25, S.86

Bespr.: Natur und Museum, Band 131, Heft 10, Okt. 2001 top ↑

Der im Querformat (29,7 x 24,0 cm) produzierte Band ist in 11 aufeinander aufbauende Kapitel untergliedert, die von insgesamt 42 Autoren verfaßt wurden. Jedes Kapitel wird durch eine prägnante Zusammenfassung eingeleitet. Die Aktualität und Zielsetzung des Buches wird in einem kurzen Vorwort (2 Seiten) vom Präsidenten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Prof. Dr. Dr.-Ing. F.-W. WELLMER), dem Vizepräsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (Prof. Dr. J.-D. BECKER-PLATEN) und dem kommissarischen Direktor der Institute für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsforschung in Hannover (Prof. Dr. H.-J. DÜRBAUM) gewürdigt.

Alle drei Institutionen sind in Hannover beheimatet, und die einzelnen Autoren sind offenbar jeweils einer davon zuzuordnen. Allerdings bleibt unklar, wer wohin gehört, weil eine alphabetische, den einzelnen Instituten zugeordnete Autorenliste fehlt. Die Zahl der Ko-Autoren, die an einzelnen Kapiteln mitgewirkt haben, schwankt zwischen 2 und 17. Zielsetzung des Buches ist, "... interessierten Laien Einblick in die Klimazusammenhänge der Vergangenheit zu vermitteln" sowie "... ein naturwissenschaftliches Fachbuch zu schreiben, dessen Lektüre anregend wirkt, auf offene Fragen hinweist, neue Denkanstöße vermittelt und dazu beiträgt, die oftmals emotional geführte Diskussion von Klimafragen zu versachlichen."

In der Einleitung (Kapitel 1) wird auf 5 Seiten der inhaltliche Rahmen des Buches abgesteckt. Es wird hervorgehoben, daß das Klima nur durch eine detaillierte Rückschau verstanden werden kann, wobei diese um so verschwommener wird, je weiter man in die geologische Vergangenheit zurückgeht. - Kapitel 2 (28 Seiten) stellt die Frage "Was ist Klima?" Es werden die wichtigsten Einflußfaktoren besprochen, wie sich diese im Verlauf der Jahrmillionen relativ zueinander verändert haben und welche Konsequenzen dies gehabt hat. - Kapitel 3 (31 Seiten) handelt "Vom Zählen und Messen", d. h. wie rekonstruiert man das Klima vergangener Erdepochen und wie datiert man einzelne Ereignisse, die in den Ablagerungen vergangener Zeitabschnitte als Klimazeugen erhalten sind. - Im Kapitel 4 ("Im Treibhaus") wird auf 14 Seiten der Treibhauseffekt erklärt. Dieser postulierte Effekt hat ja gerade in der Gegenwart zu heftigen Diskussionen geführt. Es wird aber in überzeugender Weise dokumentiert, daß es auch in der Vergangenheit wiederholt Treibhausbedingungen auf der Erde gegeben hat. - Kapitel 5, "HeißLalt auf den alten Kontinenten" (8 Seiten), widmet sich den Klimaschwankungen im Verlauf der Erdgeschichte, insbesondere den Zeugnissen für frühere "Eiszeiten", die u. a. auch in enger Beziehung zur Verteilung und Lage der kontinentalen Landmassen zu sehen sind. Aber auch relativ feuchte Perioden haben mit Trockenzeiten ge- wechselt. Als Beispiel wird das warme bis tropisch-heiße Klima der unteren Trias (Buntsandstein) hervorgehoben. - In Kapitel 6 ("Eisgepanzerte Kontinente") wird auf 12 Seiten überwiegend auf die Eiszeiten des Pleistozäns, d. h. der letzten 2-3 Millionen Jahre, eingegangen. Imposant ist die Tatsache, daß selbst heute noch über 32 Millionen km3 gefrorenes Wasser in den Polkappen und Gletschern der Erde gebunden ist. Da ist wohl die Frage berechtigt, ob wir vielleicht doch noch im Pleistozän leben? - Mit 41 Seiten ist Kapitel 7 ("Das Land - frostige Zeiten und wohlige Wärme") der längste Beitrag des Buches. Er befaßt sich mit den kontinentalen Spuren der Klimaschwankungen im Pleistozän, insbesondere des europäischen Festlandes, das in dieser Hinsicht am intensivsten erforscht worden ist. - Kapitel 8, "Zwischen Land und Meer" (13 Seiten), fokussiert den Blick auf die Schwankungen des Meeresspiegels im Bereich der Nordseeküste im Verlauf der letzten 2,6 Millionen Jahre. Dabei wird auch auf die Siedlungsgeschichte in der Küstenzone im Verlauf der vergangenen ca. 2000 Jahre eingegangen. Es wird auf der Basis archäologischer Befunde die Reaktion des Menschen auf den steigenden Meeresspiegel dokumentiert. - In Kapitel 9 (26 Seiten) wird der Blick wieder auf globale Klimaschwankungen gelenkt. Dabei wird "Der Schlamm im Meer" als Archiv vorgestellt, das vielfältige, z. T. aber stark verschlüsselte Klimasignale enthält. Es wird gezeigt, wie man diese "wasserfeste Zeitung" in mühsamer Kleinstarbeit lesen lernen kann. Um so überraschender ist dann, in welchem Detail sich manche Abläufe rekonstruieren lassen. - Kapitel 10, "Was man so braucht - Wasser und Rohstoffe" (18 Seiten), wendet sich der Nutzung von Rohstoffen durch den Menschen zu. Es wird deutlich gemacht, in welchem Maße das Klima an der Bildung verschiedenartigster fossiler Rohstoffe beteiligt war. - In Kapitel 11 (19 Seiten) wird schließlich die Frage gestellt: "Klima, quo vadis?" Hier wird das Problem der Prognose zukünftiger Klimaentwicklungen angeschnitten, z. B.: Wie und auf welcher Basis können halbwegs zuverlässige Prognosen erreicht werden? Welche Limitierungen haften solchen Prognosen an? Welchen Einfluß haben verschiedene Meßmethoden und statistische Auswertungsansätze? Auf diese und andere Fragen wird mit Fakten, Zahlen und vergleichenden Diagrammen eingegangen, wobei unmißverständlich auf die Lückenhaftigkeit unseres Wissens hingewiesen wird.

Das Buch ist aufwendig und attraktiv gestaltet. Allerdings ist die Farbabstimmung einzelner Abbildungen m. E. nicht immer gelungen. Dafür ist die Sprache weitgehend frei von Fachjargon und somit auch für den Laien leicht verständlich. Im Sinne der Zielsetzung ist es ein gelungenes Werk, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist. Auch der Fachmann kann seinen Nutzen aus dieser kompakten, aber dennoch leicht verdaulichen Darstellung gewinnen. Der Preis ist mehr als angemessen. Gewünscht hätte ich mir lediglich, daß die Abbildungen auch auf einer beigelegten CD-Rom verfügbar gewesen wären, damit der Stoff leichter in Lehr- und Bildungsprogramme hätte einfließen können.

B. W. Flemming

Natur und Museum, Band 131, Heft 10, Okt. 2001, S. 365/366

Bespr.: Neue Zürcher Zeitung v. 08.08.01, Nr. 181, S. 12 top ↑

Der menschliche Einfluss auf das Klima ist ein umstrittenes Thema. Eine Gruppe von Geologen der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe mischt sich nun mit einem an die breite Öffentlichkeit gerichteten Buch in die Debatte ein und stellt sich dabei klar auf die Seite der «Klimaskeptiker», die eine anthropogene Klimaveränderung für unwahrscheinlich halten. Diese Positionierung wird von den Autoren leider nicht schlüssig begründet. Dies wäre um so notwendiger, als sie den Aussagen des Intergovernmental Panel on Climate Change diametral widerspricht. Viele Argumente der Klimaskeptiker, vor allem zur Rolle der Sonneneinstrahlung, die weder theoretisch noch empirisch belegt sind, werden in den einleitenden und abschliessenden Kapiteln, die sich auf die politische Diskussion beziehen, ohne Prüfung übernommen.

Die rein geologisch orientierten Kapitel des Buchs sind dagegen für den an Klimafragen Interessierten als Zusammenfassung des Erkenntnisstandes über natürliche Klimaveränderungen während der Erdgeschichte uneingeschränkt zu empfehlen, zumal sie ausgezeichnet illustriert sind. Sie beschreiben das Klimasystem und die unterschiedlichen Datierungsmethoden für geologische Zeiträume klar und verständlich. Die verschiedenen Einflussfaktoren auf das Klima werden detailliert erläutert. Der Kohlenstoffkreislauf nimmt ein eigenes Kapitel ein. Schöne Beispiele aus den Erdzeitaltern Perm und Kreide zeigen den Einfluss der Verteilung der Kontinente auf Meeresströmungen und Klima. Ausführlich wird auf die Faktoren eingegangen, die Eiszeiten auslösen. Auf Beschreibungen der Eisschilde der Antarktis und Grönlands sowie der durch Eisbohrkerne gewonnenen Information über das Klima der letzten 400 000 Jahre folgt die Analyse der Eiszeitspuren in Europa, die zeigen, dass es gerade gegen Ende der Eiszeiten, aber auch innerhalb vergangener Warmzeiten oft zu jähen Klimaschwankungen kam. Eine Analyse der Meeresspiegelschwankungen an der deutschen Küste und des Einflusses des Klimas auf die Bildung von Lagerstätten runden das Buch ab.

Dr. Axel Michaelowa

Neue Zürcher Zeitung v. 08.08.01, Nr. 181, S. 12

Bespr.: Norddeutscher Rundfunk, Forum 4 top ↑

Heute stelle ich Ihnen ein -wie ich meine- ganz wichtiges Buch zur Klimaforschung vor, eines mit politischen Witzen, die Willy Brandt gesammelt hat, und Sie hören von einer KLEINEN GESCHICHTE DER GEWERKSCHAFTEN:

Drei bedeutende naturwissenschaftliche Institutionen in Hannover haben sich zusammengetan, um KLIMAFAKTEN zu sammeln, die der Diskussion darüber, ob eine von Menschen verursachte Erwärmung des Weltklimas festzustellen ist oder nicht, einen Boden einziehen können. Denn wenn jede Woche neue Schreckensmeldungen aus dem Computer gezogen werden, deren Werte oft weit voneinander abweichen, möchte man doch gern wissen, wie die Wettervergangenheit ausgesehen hat und ob es nicht früher schon einmal viel schrecklicher war- oder auch nicht. Die drei erwähnten Institutionen sind: Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben und das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung, alle drei -wie gesagt- in Hannover. Sie verantworten das Buch KLIMAFAKTEN * DER RÜCKBLICK- EIN SCHLÜSSEL FÜR DIE ZUKUNFT, als Herausgeber zeichnen Ulrich Berner und Hansjörg Streif; erschienen ist das 78 Mark kostende Werk in der E. Schweizerbart' schen Verlagsbuchhandlung (Nägele & Obermiller) in Stuttgart. (ISBN 3-510-95872-1).
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Dem Menschen ist es eben nicht gegeben, in die Zukunft zu blicken. Das versuchen die Autoren des Bandes KLIMAFAKTEN im Gegensatz zu forschen Klimaforschern daher auch nur ganz zaghaft und am Rande. Und sie sagen auch deutlich zu Beginn: "Es ist schwierig oder gar unmöglich, zwischen natürlicher Klimaentwicklung und einer durch den Menschen beeinflussten Klimaschwankung zu unterscheiden-. Warum das so ist, zeigt ihr RÜCKBLICK, der eines klarmacht: So wie es ist, das Klima, also" der mittlere Zustand der Atmosphäre über einem Gebiete, so wird es nicht bleiben. Und so wie es zur Zeit ist, war es nur selten in den letzten Jahrmillionen. Das Klima ist eine riesige Schaukel, die immer wieder versucht, ins Gleichgewicht zu pendeln, und dabei zwischen extremen Zuständen schwankt. Seit 2,6 Mio. Jahren hat es mindestens 20 Kaltzeiten gegeben, mit Warmzeiten dazwischen, die aber jeweils rund zehnmal kürzer waren als die Kaltzeiten. Und innerhalb der Kaltzeiten sind sog. Zwischenwarmzeiten festzustellen. Gewisse astronomische Modelle geben der jetzigen Warmzeit, dem Holozän, noch 50 000 Jahre. Es ist jedoch wegen der kommenden Änderung der Konstellation von Erde und Sonne zu erwarten, das wir in etwa 3000 Jahren mit einer Abkühlung des Klimas zu rechnen haben. Bis dahin leben wir (und die Nachfahren) in einer Warmzeit mit geringfügigen Schwankungen, die vielleicht ihren Wärmehöhepunkt noch nicht erreicht hat. Es wird zunächst gewiss wärmer werden, weil die Sonnenstrahlung intensiver werden wird -gewissen Zyklen folgend, unter denen der Sonnenfleckenzyklus von im Mittel 11 Jahren einer ist- nach den Beobachtungen, die seit dem vorigen Jahrhundert angestellt werden. Überhaupt ist die Sonne der wichtigste Klimafaktor, der zweitwichtigste die Menge des Treibhausgases Wasserdampf in der Atmosphäre, der gegenüber das CO2 eine untergeordnete Rolle spielt, und also der Eintrag des menschengemachten Kohlendioxids eine noch weit untergeordnetere Rolle. Die Autoren diskutieren die Gefahr von CO2 und Methan zwar mit Ernst, sehen aber in diesen Gasen einen eher zu vernachlässigenden Beitrag zum Wettergeschehen, das sie in geologischen Zeiträumen überblicken, in denen dann auch die sich verschiebende Erdbahn um die Sonne und die Neigung der Erdachse eine Rolle spielen, die Drift der Kontinente, die Verkürzung des Jahres (von 420 auf 365 Tage in den letzen 500 Mio. Jahren), die Verlängerung des Tages (von 20 auf 24 Stunden im selben Zeitraum), ferner haben Einschläge riesiger Meteoriten und der Vulkanismus ihre Folgen. So hat z. B. der Ausbruch des Eitelvulkans von Maria Laach rund 16 km3 Bimstuff in die Atmosphäre geschleudert und eine 20jährige Klimaveränderung bewirkt, die von heftigen Stürmen gekennzeichnet war.

Woher kennen die Wissenschaftler der drei Institute die Vergangenheit so relativ genau? Sie haben das Eis der Pole und Gletscher geprüft, Bohrkerne vom Land und vom Meeresgrund erforscht, Gesteinsserien und Grundwasser auf der Suche nach Anzeichen für Klimadaten unter die Lupe und unter das Mikroskop genommen, Baumringe, Seespiegel und Seeablagerungen auf jahreszeitliche und längerfristige Veränderungen hin gesichtet. (Der Plußsee bei Plön und der Hämelsee bei Hannover sind wohl die in dieser Hinsicht meistgeprüften Seen.) Jedes wärmere Jahr oder Jahrhundert, jedes kältere Jahrtausend oder Jahrhunderttausend hat andere Spuren hinterlassen, Leitfossilien, Wachstumsringe, Ascheschichten. Letztere eignen sich, weil Vulkane oder große Brandkatastrophen ihre Produkte über weite Landstriche streuten, besonders gut, Zeitskalen zu eichen. Die Arbeit der Geologen, viel Kleinarbeit, ist eindrucksvoll und belegt, dass jedes Klima nur ein vorübergehender Zustand ist. Die nächste Eiszeit kommt bestimmt!

Und der Mensch ist offensichtlich im großen Getriebe der Klima-Schaukel nur ein kleines Rädchen, während die berühmte Arbeitsgruppe IPCC, INTERGOVERNMENTAL PANEL ON CLIMATE CHANGE, mit ihren Schreckenscomputermodellen den Menschen anscheinend gern wieder als omnipotenten Macher in die Mitte des Weltalls versetzen möchte, aus der ihn Kopernikus vertrieben hat.

Die Geologen, die dieses Buch KLIMAFAKTEN geschrieben haben, dabei in vorbildlicher Weise um Verständlichkeit bemüht, gehen nun keineswegs so weit, wie der Wissenschaftspublizist Dirk Maxeiner, von dem ich dieser Tage in der FAZ den Satz las: »Das neue Horrorszenario der dräuenden Klimakatastrophe basiert auf zahlreichen Ubertreibungen, spekulativen Annahmen und Vermutungen - und auf der zweifelhaften Hochrechnung gegenwärtiger Trends mit Hilfe von Computermodellen«. Aber da das Messen und Wägen, das Eichen und Zählen zu ihrem Alltag gehört, widmen diese Wissenschaftler natürlich auch den vorliegenden Messreihen ihre Aufmerksamkeit. Ihr Misstrauen wird von der Tatsache erregt, dass im Lauf der Jahrzehnte Messtationen auf- und abgebaut wurden, ohne dass Standortwechsel in den Berechnungen berücksichtigt werden. Die Messmethoden wechseln ebenfalls, die Art der Instrumente, die Beobachtungspraxis, die Zahl und die Umwelt der Wetterstationen veränderten sich. In Kalifornien hat man z. B. festgestellt, dass die Temperaturmessungen ländlicher Gebiete keinen Temperaturanstieg erkennen lassen, wohl dagegen die Bereiche der Millionenstädte, deren Temperatur aber auch immerschon höher lag als die des weniger besiedelten Terrains.

Was die Computermodelle angeht, so wird in diesem Werk darauf hingewiesen, dass ein wichtiges Element, nämlich die Wolkenbildung, die etwas aussagt über die Rückstrahlung der Sonnenenergie von der Erde in den Weltraum, noch nicht wirklichkeitsnah abgebildet werden kann. Vielleicht sollte man mit Grämen und Sorgen also warten, bis die Computer gelernt haben, einen derart wichtigen Faktor der Klimafakten in ihre Rechnungen einzubeziehen. Dennoch muss die Allgemeinheit nicht nichts tun. "Das Klima zu schädigen fällt uns offensichtlich schwerer als wir befürchten; aber es ist auch schwerer zu schützen als wir wünschen«, heißt es im Buch KLIMAFAKTEN. Die Autoren raten, zu den Gedanken des Club of Rome zurückzukehren, der eine Schonung der natürlichen Ressourcen empfahl. »Wenn sich das Klima schon nicht von uns schützen läßt«, so schreiben sie, "dann bestimmt aber unsere Gesundheit, unsere Landschaften, unsere Finanzen und vieles mehr, was uns lieb geworden ist. Wir alle sollten unseren Erben doch Ressourcen hinterlassen, mit denen sie etwas anfangen können.« Dem anschließen kann sich sicherlich jeder Leser, jede Leserin von KLIMAFAKTEN * DER RÜCKBLICK- EIN SCHLÜSSEL FÜR DIE ZUKUNFT, herausgegeben von Ulrich Berner und Hansjörg Streif in der E. Schweizerbart'schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart zum Preis von 78 Mark. Rund 275 Abbildungen helfen beim Verständnis der nicht immer leichten, aber begreiflich beschriebenen Materie.

Norddeutscher Rundfunk, Forum 4, Politische Bücher

Bespr.: TELMA Band 31, Nv. 2001 top ↑

"Den "Treibhauseffekt" zu widerlegen, ist in Niedersachsen unerwünscht". So lautet die Überschrift eines Beitrages in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in dem über die Reaktion des niedersächsischen Umweltministers auf das hier zu besprechende Buch berichtet wird. Daß es soweit gekommen ist, ist den einseitigen und oft auch fehlerhaften Berichten vieler Medien zu verdanken. "Only bad news are good news", nach dieser Grundregel wurden und werden oft aus temporären, kurzzeitigen Ereignissen falsche Prognosen oder auch Schreckensszenarien für die Zukunft entwickelt. Daran sind auch Wissenschaftler mit Schuld, denn nicht alle verschaffen sich für ihre Stellungnahmen die nötige Breite und Tiefe der Information, und die Qualifizierteren unter ihnen konnten sich gegen die oft politisch gewünschte Tendenz nicht durchsetzen. Der Mainstream schien Recht zu haben, Abhilfe tat not.

Dazu haben sich 40 Autoren aus den drei zentralen staatlichen Geoforschungseinrichtungen in Hannover zusammengetan und unter der Leitung der beiden Herausgeber die Klimafakten der Vergangenheit geordnet und zusammengestellt. Entstanden ist nicht ein Sammelwerk wie viele andere, sondern eine gesamtverantwortliche Aufarbeitung, bei der die persönlichen Anteile der Einzelautoren nicht mehr erkennbar sind. So etwas ist beispielhaft. Durch ein gemeinsames Vorwort der drei Amtsspitzen wird das Werk gleichsam noch amtlich autorisiert.

Entstanden ist ein populäres Fachbuch, gut lesbar und mit zahlreichen eingängigen Grafiken und z. T. hervorragenden Fotos illustriert. Natürliche Klimaabläufe der geologischen Vergangenheit werden dargestellt und auf ihre Relevanz für die zukünftige Klimaentwicklung geprüft. Mit großer Sachkenntnis werden die verschiedenen erdgeschichtlichen Archive, wie Ablagerungen in Seen und Ozeanen, kilometertiefe Eiskerne, um nur die wichtigsten zu nennen, beschrieben und bewertet. Für die Leser von TELMA hätte allerdings die Bedeutung der Hochmoore als Klimaarchive besser herausgearbeitet werden können, zumal gerade in Nordwestdeutschland und den Niederlanden die Hochmoorstratigraphie mit ihren verschieden alten Rekurrenzflächen die Ermittlung der Klimageschichte seit alters her stark beeinflußt hat.

Biologische, geologische und physikalische Methoden zur Klimarekonstruktion und zur Geochronologie werden anschaulich dargestellt und dabei die wichtigsten Klimaereignisse seit dem Mesozoikum beschrieben. Obwohl der für das Gesamtthema wichtigste Abschnitt des Quartärs auch große Teile des Textes bestimmt, hat die bei den Abbildungen verwendete Standard-Zeitskala als Jüngstes stets das Tertiär, der einfache Leser wird das Quartär suchen. Warum nicht "Tertiär u. Quartär", wenn man nicht den Maßstab wechseln will?

Wohl der wichtigste Abschnitt behandelt die externen Klimafaktoren: den Einfluß der verschiedenen Sonnenfleckenzyklen mit ihren Interferenzen sowie die Folgen der unterschiedlichen Stellungen der Erde zu ihrer Rotationsachse, die das Klima auf der Erde bis in allerjüngste Zeit in erster Linie bestimmt haben. Die schon vor langer Zeit von Milankovitch postulierte Abhängigkeit der Klimaentwicklung von bestimmten astronomischen Veränderungen hat sich in den vergangenen Jahren durch die stark verbesserte Langzeitkontrolle mit Hilfe geologischer Archive in vieler Weise bestätigt. Diesen externen Faktoren werden die erdeigenen natürlichen und anthropogenen Faktoren gegenübergestellt. Dabei spielen die Treibhausgase, unter denen der Wasserdampf als das wichtigste angesehen wird, naturgemäß eine große Rolle. Besonders der Kohlendioxidhaushalt und seine Auswirkungen, die bekanntlich die laufende Klimadiskussion beherrschen, werden eingehend behandelt. Die modernen physikalischen und chemischen Methoden erlauben jetzt, auch für die CO2-Konzentrationen zeitlich sehr lange Meßreihen aus den geologischen Archiven zu gewinnen, die dann den solaren und astronomischen Faktoren gegenübergestellt werden. Die parallel dazu erfaBbare tatsächliche Klimaentwicklung entscheidet dann über die richtige Bewertung. Dabei stellte sich heraus, "daß Kohlendioxid nicht die treibende Kraft für die Temperaturentwicklung der Vergangenheit war. Die Temperatur und die Kohlendioxidmenge der Atmosphäre haben sich vielfach unabhängig voneinander entwickelt". Dieses hängt für die letzten 200 Jahre auch damit zusammen, daß mehr als die Hälfte des anthropogen erzeugten CO2 wieder in Senken verschwunden ist. - Auf der anderen Seite läßt sich besonders auch für die jüngste Klimageschichte ein direkter Zusammenhang mit den Sonnenfleckenzyklen herstellen und bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen.

Der vorgelegte Band enthält indes noch einiges mehr als die reine Klimageschichte. Die wichtigsten Datierungsmethoden werden erläutert. Beiträge aus der Landschafts- und Vegetationsgeschichte und das Vorkommen von fossilem Wasser und Bodenschätzen dienen z. T. als Hintergrund für klimaabhängige Prozesse oder runden den Themenbereich in Richtung der Nachbargebiete ab. Beim Blick auf archäologische Vorgänge verliert sich die Kompetenz der Autoren allerdings etwas. Auf S. 135 wurde der Mensch erst gegen Ende des Atlantikums seßhaft, auf S. 143 beginnt die Jungsteinzeit bereits vor "mehr als 8000 Jahren". Der tatsächliche Anfang der Bandkeramik in Deutschland liegt bei 5500 v. Chr. bzw. rd. 7500 vor heute (Rez.). Auch die generelle Annahme einer Brandrodung in der Jungsteinzeit muß differenzierter betrachtet werden. Die Vegetationskarten um 9000 und 5500 v. h. auf S. 136 entsprechen besonders im Hinblick auf die Steppenverbreitung nicht den heutigen Kenntnissen. Doch tun diese kleinen Mängel dem schönen Werk keinen Abbruch.

Das Buch liefert nicht nur die nach Themen geordneten Fakten zur Klimageschichte, es ist auch eine Art populär geschriebenes Handbuch, auf das man gerne zugreifen wird. Nachholen sollte man bei einer weiteren Auflage noch eine Liste mit weiterführender Literatur. Als Kritik ist anzumerken, daß der Leser zwar alle nötigen Informationen bestens aufbereitet vorgelegt bekommt, doch für eine durchgehende Klimageschichte muß er die Quellen und Archive aus den einzelnen Kapiteln selber miteinander verbinden. Eine Synopse des Klimaablaufs der Vergangenheit bis heute wäre vor dem Blick in die Zukunft eine willkommene Ergänzung.

Insgesamt ist mit diesem Werk ein außergewöhnlich gut gemachter Band entstanden, dem man gerade in der gegenwärtigen Klimadiskussion eine weite Verbreitung wünscht. Hier wird manches klar ausgesprochen, was in der politischen Diskussion tabu ist, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Die Geowissenschaften zeigen, daß man aus der Vergangenheit viel lernen kann und muß. Auf das Klima bezogen heißt dieses: je länger und genauer man die Klimageschichte kennt, desto sicherer kann man auch die Prognosen für die Zukunft stellen.

Das Niedersächsische Umweltministerium wäre gut beraten, sich des Urteils der Fachwissenschaftler aus den dafür bestimmten Ämtern zu bedienen, statt diese Fachleute als inkompetente Minderheit abzukanzeln, wie geschehen. Der von diesen vorgelegte Band liefert jetzt auch dem Nichtfachmann den breiten Hintergrund, der für eine objektive Klimadiskussion nötig ist.

K.-E. BEHRE

TELMA Band 31, Nv. 2001

Bespr.: Wissenschaftl. LiteraturAnzeiger 41, Jg., H. 2, 2002 top ↑

Das Klima und vor allem wie es sich in Zukunft verändern wird und wie sich dies auf den Lebensraum das Menschen auswirken wird, sind dauerbrennerhaft aktuelle Fragestellungen, auf die es Antworten zu finden gilt. Das Klima geht uns alle an und es ist für uns alle lebenswichtig. Die Zukunft das Menschen hängt auch von der Zukunft des Klimas ab und sogar auch umgekehrt. Leider tut sich der Mensch sehr schwer, seine Lebensgewohnheiten klimaverträglich zu gestalten. Daller sind fundierte Fakten zum Verständnis des Klimawandels dringend notwendig. Das vorliegende Werk bringt in beindruckender Weise komplizierte genwissenschaftliche Sachverhalte dem interessierten Laien verständlich nahe, öffnet Wissenshorizonte bei den in Nachbardisziplinen Forschenden und schliesst die ein oder andere Wissenslücke bei den Geowissenschaftlern selbst. Dieser an sich schwierige Spagat wird geschafft nicht zuletzt auch durch die sehr ansprechend gestalteten Illustrationen (Karten, Fotos, Diagramme) und insgesamt angenehm wirkenden Layout des gesamtes Werkes. Lernen für die Zukunft durch die Entschlüsselung der vielfältig vorhandenen Vergangenheitsarchive, die sich im Gestein, Eis sowie im Grundwasser befinden. Lokal gemachte Analysen werden in ein räumlich-zeitlich differenziertes Prozeßgefüge eingepaßt. Der aufmeksame Leser ersteht und erkennt die Vielzahl der klimarelevanten Signale, die noch bis vor kurzer Zeit das ein oder andere Rätsel aufgaben. Wichtig ist auch das verständliche Aufzeigen der Methoden und Verfahren, um den Ergebnissen auch öffentliches Vertrauen zu verleihen.

Die spannend und geschickt formulierten Überschriften, wie zum Beispiel "Gletscher in Arabien", "Die wasserfeste Zeitung", "Pflanzen erzählen" oder "Fieberkurven der Erde" motivieren zur Lektüre, machen neugierig und verbreiten ein angenehmes sowie spannendes "Leseklima".

Das eingangs erwähnte Anliegen, die sehr häufig emotional geführte Diskussion zu versachlichen, ist voll gelungen. Denn die präsentierten Klimafakten wurden wissenschaftlich fundiert aufgearbeitet und stellen den aktuellen Forschungsstand darf. Angereichert mit dem dargelegten Wissenskompendium, sollte es für den Leser möglich sein, die komplexen Sachverhalte sachlich und zukunftsweisend zu verarbeiten und sie in wichtige zukünftige Diskussionen fruchtbringend einzubringen. Ein sehr gelungenes und äußerst ansprechendes Werk.

Wissenschaftl. LiteraturAnzeiger 41, Jg., H. 2, 2002

Bespr.: Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II, Jg. 2002, Heft 3/4 top ↑

Jetzt liegt sie also vor: die aktualisierte "amtliche" Stellungnahme zum Thema Klimaentwicklung aus geowissenschaftlicher Sicht. Erarbeitet und herausgegeben wurde das Werk von Wissenschaftlern der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, dem Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben und dem Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung in Hannover.

Dass sich Fachleute dem komplexen, kontrovers diskutierten Thema Klima angenommen haben, ist für das Werk vorteilhaft und wird schon nach einem ersten Durchblättern augenfällig: Anschaulich illustriert beschreiben die Autoren die Prozesse, die das Klima in der Vergangenheit unseres Planeten beeinflussten. Getreu dem Prinzip, dass der Rückblick auf die Vergangenheit den Schlüssel für die Zukunft bildet, sollen die Leser durch dieses Hintergrundwissen in die Lage versetzt werden, die aktuelle Diskussion um anthropogene Klimaveränderungen besser verstehen und bewerten zu können.

In einem einleitenden Kapitel werden dazu die Einflüsse natürlicher Klimaschwankungen während des Holozäns auf die Menschheitsgeschichte dargestellt - von der dürrebedingten Abwanderung aus der Sahara über die klimatischen Ursachen der Völkerwanderung bis hin zur Aufgabe grönländischer Siedlungen im 15. Jahrhundert. Das zweite Kapitel gibt einen Überblick über die Zusammenhänge des Klimasystems der Erde und damit den Lesern das nötige Rüstzeug für eine klimaorientierte Wanderung durch 2,3 Milliarden Jahre Erdgeschichte an die Hand. Anschaulich beschreibt es die ex- und intrinsischen Faktoren, die die Klimaentwicklung kontrollieren, sowie die Rückkopplungsmechanismen, die dieses Geschehen modulieren. Deutlich stellen die Autoren die zentrale Rolle der Sonne als Klimamotor heraus, um im Folgenden verschiedene Zyklen der solaren Strahlungsintensität als Ursachen für Klimaschwankungen zu diskutieren. Weitere extrinsische Faktoren, die das Kapitel behandelt, sind Schwankungen orbitaler Parameter im Milankovitch-Bereich und Einschläge extraterrestrischer Körper. Unter den intrinsischen Faktoren werden die Rolle der Plattentektonik, die Zusammensetzung der Atmosphäre sowie die Bedeutung der planetarischen Zirkulation, der Hydro-, Kryo-, Litho- und Biosphäre diskutiert. Das dritte Kapitel, plakativ unter den Titel "Vom Zählen und Messen" gesetzt, führt ein in das umfangreiche Spektrum an Analysemethoden, das die modernen Geowissenschaften erst in die Lage versetzt, Muster und Umfang von Klimaänderungen der Vergangenheit zu erfassen und zu datieren. Der Kohlenstoffkreislauf aus heutiger Sicht und mögliche anthropogen verursachte Treibhaus-Szenarien der nahen Zukunft sind Thema von Kapitel vier.

Die nachfolgenden Kapitel beschäftigen sich mit klimatischen Extremszenarien der Vergangenheit: den Vereisungen im Jung-Präkambrium und im Perm, wie sie auf der Arabischen Halbinsel dokumentiert sind, den ariden Klimaverhältnissen der Germanischen Trias sowie der tertiären und quartären Vereisungsgeschichte Grönlands und der Antarktis. Die Dokumentation von Kalt- und Warmzeiten im kontinentalen Ablagerungsbereich ist Inhalt von Kapitel sieben. Der Schwerpunkt liegt hier deutlich auf der quartären Klimaentwicklung in Deutschland, wie sie sich durch sedimentologische, paläobotanische und isotopengeochemische Methoden rekonstruieren lässt. Darüber hinaus werden die Auswirkungen historischer und prähistorischer Klimaschwankungen auf die Menschheitsgeschichte erörtert. Noch mehr als im vorigen Kapitel liegt die regionale und zeitliche Gewichtung von Kapitel acht auf dem Quartär in Norddeutschland - also quasi dem Vorgarten der Hannoveraner Autoren. Gegenstand der Betrachtung ist hier der Küstenraum, der durch eustatische Meeresspiegelschwankungen besonders stark von Klimaänderungen betroffen ist. Kapitel neun widmet sich Klimaschwankungen der Vergangenheit, wie sie im Klimaarchiv mariner Sedimente dokumentiert sind. Schwerpunkte sind hier die Prozesse, die während der Kreide - lange Zeit als Prototyp einer Treibhaus-Zeit betrachtet - und des Jungquartärs zu Klimafluktuationen geführt haben. Ein Abschnitt zur Bildung von Rohstoffen in Abhängigkeit der jeweils herrschenden Klimabedingungen schließt die Wanderung durch die Erdgeschichte ab.

Im letzten Kapitel des Buches ziehen die Autoren an Hand der Erkenntnisse, wie sie sich auch aus den Beobachtungen der Erdgeschichte ergeben, Schlussfolgerungen für die Klimaentwicklung der Zukunft und prognostizieren künftige Entwicklungen. Sie weisen darauf hin, dass aus geowissenschaftlicher Sicht Klimawechsel verschiedener Frequenzen quasi die zwangsläufige Folge der ex- und intrinsischen klimastauemden Faktoren seien. Für die kurzfristigen Klimaänderungen (d. h. im Milankovitch- und Sub-Milankovitchbereich) zeichnen nach Meinung der Verfasser orbitale und solare (d. h. extrinsische) Faktoren verantwortlich. Mit den Hinweisen, dass Temperatur und atmosphärischer CO2-Gehalt in der erdgeschichtlichen Vergangenheit nicht immer gekoppelt waren, besonders beim Kohlenstoffkreislauf noch große Kenntnislücken bestünden und direkte Messreihen aus der unmittelbaren Vergangenheit noch zu kurz für eine endgültige Bewertung seien, stellen die Autoren die vielfach diskutierte Rolle von CO2 als Treibhausgas für die heutige Erwärmung und damit eine möglicherweise anthropogen induzierte Klimaerwärmung in Frage. Dem setzen sie die geowissenschaftliche Erkenntnis entgegen, dass die gegenwärtige Temperaturentwicklung eng mit der solaren Aktivität korreliere und in ca. 3.000 Jahren - bedingt durch orbitale Veränderungen - eher eine Abkühlung des Klimas zu erwarten sei. Und spätestens hier merkt der vorgebildete Leser auf angesichts der Diskrepanz zwischen der Geo-Prognose aus Hannover und den Szenarien, die internationale Gremien wie das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) im vergangenen Jahr entworfen haben. Die IPCC-Studie geht davon aus, dass dem Treibhausgas CO2 sehr wohl eine zentrale Rolle als aktueller Klimamacher zukommt. Den (im übrigen im Internet unter www.ipcc.ch nachzulesenden) IPCC-Szenarien zu Folge führt ein Anwachsen der atmosphärischen CO2-Konzentration zu einer durchschnittlichen globalen Temperaturzunahme zwischen 1,4 und 5,8 °C bis zum Jahre 2100, selbst wenn eine zu erwartende Steigerung im Ausstoß von Aerosolen berücksichtigt wird. Hier wäre es sicher im Sinne der Sache gewesen, wenn die Verfasser von "Klimafakten" auf diesen Widerspruch detaillierter eingegangen wären. Ein ausführlicher Nachweis auf die Herkunft der Abbildungen, der interessierten Lesern einen Einstieg in weiterführende Fachliteratur ermöglicht, rundet das Buch ab.

Wo viel Licht ist, ist auch gemeinhin viel Schatten. Im vorliegenden Buch ist dieser allerdings nicht immer leicht zu finden. Auch wenn die Botschaft von Kapitel elf sicher kontrovers diskutiert werden kann, einzelne Fotos an Schärfe zu wünschen übrig lassen (z. B. Abb. 4.10 und Abb. 7.35), manche Darstellungen nicht ganz das zeigen, was die Bildunterschrift verspricht (z. B. Abb. 3.27) und einzene Fachausdrücke durchgehend falsch geschrieben sind (z. B. "Thermoluminiszenz" statt Thermolumineszenz, "Otong-Java-Plateau" statt Ontong-Java-Plateau, "OE 1b-" statt OAE lb-Schwarzschiefer): Insgesamt präsentiert sich das Werk als gelungene, sehr gut aufbereitete Dokumentation der Klimaentwicklung aus erdgeschichtlicher Sicht. Es wird sicherlich seinen festen Platz im Bücherregal all derjenigen - vom interessierten Laien bis hin zum Geowissenschaftler selbst - finden, die sich tiber den aktuellen Stand der Klimaforschung aus geowissenschaftlicher Perspektive informieren wollen [Anm. der Schriftleitung: Die 3. Aufl. des vorliegenden Werkes unterscheidet sich von der zweiten durch die Berichtigung von Fehlern.].

T. PROSS

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II, Jg. 2002, Heft 3/4

Bespr.:"Hydrologie und Wasserbewirtschaftung" Bd. 46, H. 4, 2002 top ↑

Dieses Buch ist nicht das einzige in jüngster Zeit zu diesem Thema; im gleichen Jahr erschien ein zweites, das mehr Fachwissen voraussetzt; ein drittes beschränkt sich auf die Schweizer Alpen, ein viertes auf das Alttertiär (Bericht über Symposium). Das Thema liegt also in der Luft. Alle Zweifel, ob sich die Erde gegenwärtig erwärmt, sind ausgeräumt. Es geht jetzt nur noch darum, welchen Anteil die einzelnen Faktoren daran haben. Für Kohlendioxid und andere Gase, Aerosole usw., werden Modelle gerechnet.

Über die natürlichen Schwankungen wird in 3 Zeitmaßstäben geforscht. 1. Temperaturen von Stationen, die schon seit 150-200 Jahren registrieren. 2. Datum und Ergebnis der Weinernte, Vorstöße von Gletschern, Hochwässer usw. führen ca. 800 Jahre zurück. 3. Geologische Schichten auf dem Land, im Landeis, in Seen und Ozeanen. Zwar sind die absoluten Alter noch nicht ganz sicher, aber die Trends und die Ausschläge nach "warm" oder "kalt" kommen gut heraus. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat für die letzten 15 000 Jahre (das Holozän)einen Schwerpunkt gesetzt und 50 Projekte 6 Jahre lang gefördert. Das vorliegende Buch geht nach der 3. Methode vor. Mit 42 Autoren aus 3 geowissenschaftlichen Gro?instituten in Hannover hält es einen Rekord.

Die öffentliche Meinung neigt dazu, die gegenwärtige Erwärmung allein mit der Emission von Treibhausgasen, vor allem CO2, zu erklären. Das Buch regt an, dies zu relativieren - angesichts gravierender Klimawechsel im Lauf der Erdgeschichte. Z.B. stieg vor 14 500 Jahren die Mitteltemperatur in nur 20 Jahren um 5%. Als an der Wende von der Kreide- zur Tertiärzeit (65 Mio J.v.h.) der Chixulub-Komet in Yucatan einschlug, hat das Feuer viel Staub und Ruß hochgewirbelt und den Himmel verdunkelt - 70 % aller Pflanzen- und Tierarten starben aus, z.B. die Saurier. Während das Klima des Tertiärs schon lange beschrieben ist, haben die Verf. das Verdienst, auch in der Kreide (145-65 Mio J.v.h.) Klimawechsel entdeckt zu haben.

In den letzten 20 Jahren wurde die Sonneneinstrahlung von einem Satelliten gemessen; im Maximum empfing die Erde 1,3 W/m2 mehr als im Minimum - das kommt der geschätzten Wirkung der anthropogenen Triebhausgase nahe. Au?erdem beeinflussen Sonnenwind und Erdmagnetfeld die Bildung von Wolken. CO2 und Aerosol liefen nicht synchron zur Temperaturkurve; das gelang erst, als man unnötig, den CO2-Ausstoß zu vermindern, wäre aber voreilig. Die Verf. warnen aus einem zweiten Grund vor einer sorglosen Verbrennung fossiler Energie, die Vorräte, die mit herkömmlichen Kosten zu erschließen wären, nähern sich einer Erschöpfung oder Verteuerung, ganz besonders die des Erdöls.

Nach der Lektüre meint der Kritiker, hinter den Untertitel des Buchs hätte ein dickes Fragezeichen gehört. Die Abkühlungs- und Erwärmungsphasen, das Wachsen der Eisschilde und die Wiedereinwanderung der Vegetation liefen immer wieder anders ab. Eine Prognose würde schon umgeworfen, wenn 3-4 Vulkane vom Krakatau- Volumen innerhalb von 20 Jahren ausbrechen würden. Voraussehbar sind nur die Veränderung der Erdbahnelemente, z.B. die Neigung der Erdachse. Alle 3 sprechen für eine ganz langsame Abkühlung in den nächsten 50 000 Jahren.

Die Autoren haben sich um einen Stil bemüht, den auch ein Generalist versteht. Das Buch ist reich mit farbigen Fotos und Diagrammen illustriert. Sicherlich wird bald eine 3. Aufl. nötig werden, und dafür möchte der Kritiker vorschlagen, ein paar Kleinigkeiten zu ändern. Der Genitiv von Strontium oder Rhein erfordert ein "s". Die Mehrzahl eines Isotops heißt Isotopen. Auf S. 179 wäre der Sprung von der Kreide zum Quartär zu markieren - oder noch besser, mit einem Abschnitt über das Tertiär zu überbrücken. Alle Vorgänge, die bei r.Geb. oder später beginnen, sind wie gewohnt von links nach rechts angeordnet. Aber welcher Teufel hat dem Graphiker eingeblasen, alle älteren Folgen von rechts nach links zu zeichnen? Schlimm wird es, wenn auf S. 83 beide Richtungen übereinander stehen.

Für sein Spezialfach wird der Hydrologe wenig finden; aber das Buch wird seinen Horizont erweitern, es ist auch zum Nachschlagen geeignet.

F. Fezer, Heidelberg

"Hydrologie und Wasserbewirtschaftung" Bd. 46, H. 4, 2002

Bespr.:"Wirtschaft", Journal der IHK Saarland 08/2002, S. 47 top ↑

Keine entscheidende Rolle bei Klimaänderungen spielen nach den Erkenntnissen der Geowissneschaftler von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, des Instituts für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben und des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung die in der öffentlichen Diskussion viel zitierten Auswirkungen des Kohlendioxid -- insbesondere die in unserem technischen Zeitalter vom Menschen verursachten Emissionen. Tatsache ist, dass unzählige Faktoren stärker auf das Klimageschehen einwirken, als dies dem CO2 in der Atmosphäre möglich wäre.

Neben diesen politisch wichtigen Erkenntnissen weden dem Leser in elf Kapiteln umfassende Informationen zum Thema Klima, Klimageschichte, das Klimageschehen und damit über unseren Planeten Erde dargeboten.

"Wirtschaft", Journal der IHK Saarland 08/2002, S. 47

Spiegel 23/2001: "Klima. Die Launen der Sonne" top ↑

KLIMA

Die Launen der Sonne

Geht die Erderwärmung wirklich allein aufs Konto des Menschen? Oder heizt derzeit nur die Sonne stärker ein? In den Computermodellen wurde bisher vernachlässigt, wie stark die Strahlungsausbrüche des Sterns schwanken. Nun streiten die Forscher, ob ihnen die Katastrophe abhanden kommt.

In ihrer Not opferten sie Menschen. Mit spitzen Steinwerkzeugen schlitzten sie Kriegsgefangene bei lebendigem Leibe auf. Das frische Blut boten die Maya-Priester ihrem Sonnengott Kinich Ahau an.

Trotz der Blutopfer folgte ein trockenes Jahr auf das andere - so lange, bis die Hochkultur versank. Denn nicht der Gott hatte die Erbauer der Stufenpyramiden im Stich gelassen, sondern die Sonne selbst.

Was die Maya nicht ahnen konnten, hat jetzt der US-Paläoklimatologe David Hodell herausgefunden: In regelmäßigen Abständen von rund 200 Jahren wurden die Maya von extremer Trockenheit heimgesucht. Die schwerste und längste Dürre ereilte das Volk zwischen 750 und 850 nach Christus. Auslöser der mysteriösen Heimsuchungen soll eine zyklische Veränderung in der Aktivität der Sonne gewesen sein.

Auf diese Theorie kam der Geologe von der University of Florida durch die Auswertung von Sedimentbohrkernen, die er aus dem See Chichancanab auf der Halbinsel Yucaton gezogen hat. Schicht für Schicht sind in den schlammigen Ablagerungen die klimatischen Bedingungen der Vergangenheit archiviert. Parallel dazu lässt sich auch die Menge der Energie rekonstruieren, die damals von der Sonne auf die Erde strahlte. Trockenheit und Sonnenaktivität laufen derart synchron, dass Hodell "kaum glauben kann, dass es sich hier nur um einen Zufall handelt".

Das Interesse des Forschers gilt weniger dem Schicksal der Maya als dem der heutigen Menschheit. Die Sonne ist alles andere als eine konstante Strahlenquelle. Astronomen wissen schon länger, dass das Zentralgestirn in geheimnisvollen Zyklen mal mehr und mal weniger Strahlung auf die Erde niederprasseln lässt. Nun interessieren sich auch die Klimaforscher dafür.

Einige geben der veränderlichen Sonne mittlerweile die Schuld an der globalen Temperaturerhöhung. --- S.197

Der Mutterstern der Erde avanciere derzeit "zum heißesten Thema der Klimatologen", bestätigt Ulrich Cubasch vom Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ) in Hamburg. Ist nicht der Mensch mit seinem Kohlendioxid-(CO2-)Ausstoß verantwortlich für den Treibhauseffekt, sondern heizt uns nur die Sonnekräftiger ein als sonst? In Deutschland vertritt diese provokante These vor allem Ulrich Berner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover: "Wir müssen uns vom alten CO2-Paradigma verabschieden", fordert der Klimatologe im SPIEGEL-Interview (siehe Seite 198).

Die Aussagen Berners sind politisch brisant. Die BGR ist eine Bundesbehörde, die dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist. Zwar ist dessen Chef, der parteilose Werner Müller, bekannt für eigenwillige energiepolitische Auffassungen. Doch dessen Vorgesetzter, Bundeskanzler Gerhard Schröder, zählt in Klimafragen - wie das gesamte rot-grüne Kabinett - zu den Anhängern der Kohlendioxid-Doktrin.

Dafür war der Kanzler sogar bereit, in offene Konfrontation zum US-Präsidenten George Bush zu gehen, der nichts vom Kyoto-Protokoll zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes beim Verbrennen fossiler Energieträger hält. Schröder warnte ihn daher unverhohlen, die Gefahren des Klimawandels zu "bagatellisieren".

Seitdem häufen sich die Appelle an Bush. Noch vergangene Woche schlossen die Teilnehmer des "3. Asien-Europa-Treffens" in Peking, darunter Außenminister Joschka Fischer, ihre Konsultationen mit der Forderung, "die gesamte internationale Gemeinschaft" müsse die globale Erwärmung bekämpfen.

Die Glaubwürdigkeit der Politiker steht und fällt mit der Gültigkeit des CO2-Modells. In einer Erklärung forderten 17 nationale Wissenschaftsakademien vorvergangene Woche in der Zeitschrift "Science" zu "promptem Handeln" auf, um "den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren".

Doch die demonstrative Einigkeit der Wissenschaftler täuscht. "Der Alleinerklärungsanspruch des Kohlendioxids für die Klimaerwärmung hat auch der Heidelberger Physiker Ulrich Neff erkannt. Er selbst ist daran nicht ganz unschuldig: Parallel zum Pamphlet der nationalen Wissenschaftsgesellschaften publizierte der Forscher vom Institut für Umweltphysik in "Nature" eine Studie, die der Sonne eine weit größere Bedeutung für das Klimageschehen einräumt.

Gemeinsam mit Schweizer Forschern fand Neff in den Calciumcarbonat-Schichten von Stalagmiten deutliche Hinweise darauf, dass sich der Südwestmonsun Asiens im Gleichtakt mit dem Sonnenzyklus verändert. Die historischen Beweisstücke waren in einer Höhle in Oman verborgen.

Unbestritten nehmen die Durchschnittstemperaturen auf der Erde zu. Doch uneinig sind sich die Forscher, welchen Anteil an der Entwicklung der Mensch hat und welchen die Sonne. Die Verfechter der Sonnentheorie beklagen Denkverbote durch die tonangebende CO2-Fraktion. "Der Einfluss der Sonne ist ein Tabuthema", kritisiert die Stratospären-Expertin Karin Labitzke vonder Freien Universität Berlin. "Wenn wir davon reden, wird uns sogleich vorgeworfen, wir seien auch gegen das Energiesparen."

Während die physikalischen Wirkungen des Kohlendioxids, die zum Treibhauseffekt führen, in Experimenten einwandfrei simuliert werden konnten, steht ein endgültiger Beweis für die Mechanismen bei der Sonne noch aus. Labitzke hat eine von zwei heiß diskutierten Theorien aufgestellt.

So liege der Schlüssel zum Verständnis der solaren Klimaschaukel in der Stratosphäre der Erde. Ein wichtiger Bestandteil dieser Schicht zwischen 12 und 50 Kilometern ist Ozon. Wenn sich auf der Sonne heftige Eruptionen ereignen, schleudert der Stern gewaltige Mengen kurzwelliger UV-Strahlung Richtung Erde. Dadurch bildet sich mehr Ozon, die Stratosphäre wärmt sich auf. Das wiederum hat einen bislang noch kaum verstandenen Einfluss auf die Windrichtungen und Wolkenbildung in erdnäheren Luftschichten. Labitzkes Modell leidet vor allem an akutem Datennotstand. "Wenn wir nur wüssten, wie launisch die Sonne wirklich ist", stöhnt Paläoklimatologe Neff. Eruptionen lassen sich als so genannte Sonnenflecken auch von der Erde aus beobachten. Doch --- S.198 erst ab dem 19. Jahrhundert lieferten Sternwarten systematische Aufzeichnungen. "Direkt lässt sich die von der Sonne auf die Erde treffende Strahlung erst seit 20 Jahren mit Hilfe von Satelliten messen", sagt Neff.

Was in der brodelnden Masse der Sonne vor sich geht, wenn plötzlich eine riesige Eruption entsteht, das "kapieren die Astronomen einfach noch nicht" (Neff). Sie können sich außerdem keinen Reim darauf machen, warum Phasen erh?hter Aktivität in so erstaunlicher Regelmäßigkeit wiederkehren.

Alle elf Jahre beobachten die Astrophysiker einen außergewöhnlichen Erregungszustand der Sonne. 200 Jahre lang kehrt dieser Zustand von Zyklus zu Zyklus schneller wieder, die Leuchtleistung der Sonne steigt. Dann nimmt die Intensität rund 200 Jahre lang wieder ab. Die Temperaturen auf der Erde machen diese Achterbahnfahrt mit. In den letzten 120 Jahren spiegelt die Kurve der Sonnenaktivität weit besser den Temperaturanstieg wider als die des zunehmenden CO2-Gehalts in der Atmosphäre (siehe Grafik 197)

Mittlerweile herrscht unter den Forschern weitgehend Einigkeit, dass sich die Erde auf der Achterbahnfahrt gerade bergauf bewegt. Die Anh?nger der Kohlendioxid-Theorie glauben jedoch, dass die Sonne daran nur einen geringen Anteil hat.

So haben Klimamodellierer in Hamburg und Potsdam ihre Computer mit den spärlichen Daten zur Sonnenaktivität gefüttert und die Temperaturentwicklung der letzten zwei Jahrhunderte nachrechnen lassen. Am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung kam Andrey Ganopolski zu dem Ergebnis, dass bei der globalen Erwärmung von 0,6 Grad in den letzten 100 Jahren lediglich ein Drittel (also 0,2 Grad) auf das Konto der Sonne gehen: "Ohne den Menschen ist der Temperaturanstieg nicht zu erklären."

Ähnliche Zahlen spuckten auch die Rechner des DKRZ aus. "Dennoch müssen wir unsere Modelle noch viel stärker mit Messungen zur Sonnenaktivität verfeinern", gibt DKRZ-Forscher Cubasch zu.

An diesen Daten drohen die Großrechner allerdings zu ersticken. Momentan beziehen die Computer 19 Atmosphärenschichten ein - das reicht bis in 12 Kilometer Höhe. "Für den Sonneneinfluss müssten wir die Wechselwirkungen bis in 120 Kilometer Höhe einfließen lassen", sagt Cubasch, "das entspricht 90 Schichten."

Er rauft sich die Haare. Milliarden von Rechenoperationen kostet den Computer jede einzelne Schicht. Mit jeder weiteren potenzieren sich die Schritte, die der Computer leisten muss. Cubasch: "Der Fluch des Klimas ist dessen Komplexität."

GERALD TRAUFETTER

Interview

"Blühende Landschaften"

Geologe Ulrich Berner über verfrühte Warnungen vor einer Klimakatastrophe, die überschätzten Wirkungen von Kohlendioxid und die Uneinigkeit der Klimaforscher

SPIEGEL: Herr Berner, in Ihrem kürzlich erschienenen Buch "Klimafakten" behaupten Sie, das Treibhausgas Kohlendioxid habe keine Hauptschuld an der Temperaturerhöhung. Halten Sie die Warnungen vor der Klimakatastrophe etwa für Panikmache?

Berner: In der Tat. Natürlich fügt der Mensch der Atmosphäre CO2 hinzu. Aber wie groß die Auswirkungen auf das Klima sind, das vermag im Augenblick noch niemand zu sagen. Ich bezweifle, dass der Temperaturanstieg der letzten 150 Jahre vollständig auf CO2 zurückzuführen ist. Neuere Computersimulationen zeigen, dass wir den Temperaturverlauf nur nachvollziehen können, wenn wir den Einfluss der Sonne mit einberechnen, deren abgestrahlte Energiemenge ständig schwankt.

SPIEGEL: Was sagt denn Ihr oberster Dienstherr, Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, zu Ihren Erkenntnissen?

Berner: Das Ministerium hat sich sehr positiv zu unserem Buch geäußert. Wir sind eine nachgeordnete Behörde des Wirtschaftsministeriums, weshalb unsere neuen Erkenntnisse dort auch schnell landen.

SPIEGEL: Wie genau muss man sich den Einfluss der Sonne auf unser Klima vorstellen?

Berner: Die Sonne wirkt wie ein riesiger Motor, der unser Klimasystem antreibt. Sie brennt allerdings nicht konstant wie eine Glühbirne. In ganz bestimmten Zyklen bilden sich auf ihrer Oberfläche mal mehr und mal weniger Sonnenflecken. Wir haben bislang unterschätzt, wie stark diese Sonnenflecken das Wettergeschehen auf der Erde steuern. Denn erstaunlicherweise ändert sich mit der Zahl der Sonnenflecken auch die Wolkenbedeckung auf der Erde. Wie genau das funktioniert, wissen wir leider noch nicht. Und wenn wir mehr Wolken haben, reflektiert auch mehr Energie zurück in den Weltraum. Sind weniger Wolken da, gelangt mehr Energie in unser irdisches Klimasystem.

SPIEGEL: An welchem Punkt des Sonnenfleckenzyklus befinden wir uns gerade?

Berner: Im Rahmen der letzten 150 Jahre erleben wir von Zyklus zu Zyklus einen -- S. 200 -- Anstieg der Sonnenfleckenintensität, der ziemlich genau den Temperaturverlauf der letzten Zeit nachzeichnet.

SPIEGEL: Wollen Sie damit sagen, nicht der Mensch mit seinem massenhaften Ausstoß von Kohlendioxid ist schuld daran, dass sich die Erdatmosphäre aufheizt, sondern die Sonne?

Berner: Jedenfalls sind die Klimamodelle, mit denen heute die Temperaturentwicklung vorhergesagt wird, falsch, weil sie diesen wichtigen, wenn nicht gar entscheidenden Faktor einfach ausklammern.

SPIEGEL: Eine Arbeitsgruppe von über 600 Klimaforschern des so genannten Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan als die eigentlichen Verursacher des Temperaturanstiegs identifiziert. Unterstellen Sie, dass sich alle diese Wissenschaftler irren?

Berner: Die Aussagen des IPCC sind überhaupt nicht eindeutig. Innerhalb der Fachgemeinde gehen die Auffassungen weit auseinander. Lediglich die so genannte Summary for Policymakers, die Zusammenfassung für die politischen Entscheidungsträger, suggeriert eine Einigkeit, die in Wahrheit nicht existiert.

SPIEGEL: Aber eine Kernaussage der Klimaforscher ist eindeutig: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre war in den vergangenen 420 000 Jahren noch nie so hoch wie heute. Wagt die Menschheit nicht doch ein globales Glücksspiel mit möglicherweise katastrophalem Ausgang?

Berner: In der Erdgeschichte gibt es viele Beispiele dafür, dass Kohlendioxidkonzentration und Temperatur kein Zwillingsleben führten. Es kam immer wieder vor, dass der CO2-Gehalt zunahm und die Temperatur zurückging. Das belegen die für Paäoklimatologen wichtigsten Archive: die Eiskerne aus Bohrungen in der Arktis und Antarktis.

SPIEGEL: Aber für den momentanen rasanten Anstieg der CO2-Konzentration gibt es in der jüngeren Erdgeschichte kein Vorbild. Woher nehmen Sie ihre Gelassenheit?

Berner: Aus der jüngsten Klimageschichte. Schauen wir uns die letzten 150

Jahre an. Der CO2-Anstieg in der Atmosphäre stimmt nicht mit der Temperaturkurve überein. Bis 1940 hat es einen Temperaturanstieg gegeben, der vom Anstieg des Kohlendioxid überhaupt nicht mitgemacht wurde. Dann wiederum sind Anfang der fünfziger Jahre die Temperaturen gefallen, während das Kohlendioxid in der Atmosphäre zugenommen hat. Viele Klimaforscher nehmen mittlerweile Rückzugspositionen ein und betrachten nur noch die letzten 30 Jahre, in denen man tats?chlich einen gleichzeitigen Anstieg von Kohlendioxid und Temperatur sieht.

SPIEGEL: Beunruhigend ist doch die Prognose des IPCC, dass es sogar in Zukunft noch schneller wärmer wird als befürchtet. Die Schätzungen für die nächsten 100 Jahre variieren zwischen 1,4 bis 5,8 Grad.

Berner: Es wird sicherlich schon deshalb eine Temperaturerhöhung geben, weil wir uns noch im Anstieg eines langfristigen Sonnenfleckenzyklus befinden. Nur, wie stark dieser Temperaturanstieg am Ende ausfallen wird, das wissen wir noch nicht. Sicher wird es nicht um 5,8 Grad wärmer, eine solche Vorhersage ist ganz sicher überzogen.

SPIEGEL: Die Klimaforscher entdecken bereits heute immer mehr Auswirkungen einer Klimaveränderung: Viele Gletscher ziehen sich zurück, die Erwärmung des Ozeanwassers schreitet voran, und die arktische Meereisdicke ist um 40 Prozent geschrumpft. Wie erklären Sie all diese Beobachtungen?

Berner: Die Beobachtungen sind sicherlich richtig. Allerdings ist das Klima nie stabil. Auch ohne Einfluss des Menschen pendelt es zwischen k?hleren und wärmeren Zuständen. Und im Augenblick bewegen wir uns in eine wärmere Phase hinein. Wir kommen aus der letzten kleinen Eiszeit, die ungefähr ab dem Mittelalter ausbrach --- S.201 und ihre stärkste Phase im 17. und im 19. Jahrhundert hatte.

SPIEGEL: Erst vorvergangene Woche haben 17 nationale Wissenschaftsorganisationen im Magazin "Science" bei den Politikern Maßnahmen zum Klimaschutz eingefordert. Panikmache?

Berner: Auch Wissenschaftler argumentieren in erschreckender Weise monokausal. Dass die Menschheit seit 20 Jahren nur vor dem Treibhausgas CO2 gewarnt wird, ist eine einseitige Informationspolitik, die ein Umdenken hin zu einem vielschichtigen Klimaverständnis verhindert hat.

SPIEGEL: Sie hat aber auch das Bewusstsein auf die Gefahren durch den Klimawandel gelenkt. Welche Auswirkungen würde eine Aufheizung der Atmosphäre für die Menschheit haben?

Berner: Die bevorstehende Temperaturerhöhung wird nichts übersteigen, was die Menschheit nicht schon in früheren Zeiten erlebt hat. Und in der Vergangenheit haben Klimaveränderungen die Menschen immer wieder dazu veranlasst, aktiv zu werden und sich anzupassen. Negatives Beispiel sind sicher die Völkerwanderungen. Aber es hat auch sehr positive Auswirkungen gegeben, beispielsweise während des mittelalterlichen Klimahochs: Damals lebten wir hier in Europa in blühenden Landschaften. Der Weinbau in England florierte. Er war sogar ein großer Konkurrent für den Weinbau auf dem französischen Festland.

SPIEGEL: Mehr als eine Milliarde Menschen lebt in Regionen, wo selbst geringfügige Klimaveränderungen katastrophale Folgen haben könnten. Verhalten Sie sich nicht zynisch angesichts der Bedrohungen, denen ein Bauer in Bangladesch ausgesetzt ist?

Berner: Für solche gefährdeten Regionen müssen natürlich Vorkehrungen getroffen werden. In gewissem Rahmen müssten auch Umsiedlungen vorgenommen werden, wenn wirklich katastrophale Änderungen eintreten sollten. Solche erwarte ich aber nicht, denn ein moderater Temperaturanstieg lässt den Meeresspiegel um weniger als einen Meter ansteigen - wenn überhaupt.

SPIEGEL: US-Präsident George Bush lehnt das Kyoto-Protokoll zur Verringerung der CO2-Emissionen ab, weil ihm die wissenschaftlichen Argumente dafür nicht reichen. Hat er demnach Recht?

Berner: Wenn ihm seine Berater ehrlicherweise sagen, dass sie für die Zukunft keine verlässlichen Klimaprognosen abgeben können, hat er in der Tat allen Grund für seine Zurückhaltung. Dennoch sollte er Energiesparmaßnahmen forcieren.

SPIEGEL: Halten Sie demnach das Protokoll von Kyoto, in dem sich die Industriestaaten auf eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes geeinigt haben, für überflüssig?

Berner: Nein. Kyoto bewegt schon einiges. Weniger für den Klimaschutz, mehr für Energiesparmaßnahmen.

SPIEGEL: Warum sollten wir nicht weiter 3,5 Milliarden Tonnen Öl jährlich verbrauchen, wenn das für das Klima keine negativen Folgen hat?

Berner: Weil die leicht zu erreichenden fossilen Energiereserven schon Mitte dieses Jahrhunderts knapp werden. Die Zeiten, als wir große Ölvorkommen gefunden haben, sind definitiv vorbei. Was wir jetzt noch an Erdgas und Erdöl entdecken, ist Beiwerk. Man könnte anfangen, Schweröle, wie wir sie beispielsweise im Orinoco-Becken vorfinden, zu fördern. Oder aber Lagerstätten in größeren Wassertiefen vor den Küstenzonen anzapfen. Doch der finanzielle und technische Aufwand wäre sehr groß.

SPIEGEL: Und andere fossile Energieträger wie Methan, das gefroren in großen Mengen unterhalb der Meeresböden lagert?

Berner: Für Meeres-Methan gibt es momentan noch keine sichere Fördermethode. Wir müssen einfach realistisch bleiben und regenerative Energiequellen wie zum Beispiel Geothermie erschließen. Das sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig. --- S.198

Der Geologe

Berner, 48, leitet die Klimaabteilung an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover, einer dem Wirtschaftsministerium unterstellten Bundesbehörde. Neben der Suche nach Rohstoffen und neuen Energieträgern sowie der Erdbebenüberwachung rekonstruiert das Institut auch die Klimageschichte. Dazu ziehen die Wissenschaftler von Forschungsschiffen wie der "Sonne" Sedimentbohrkerne.

Aus diesen Fundstücken rekonstruieren sie dann historische Klimadaten der Erde.

Artikel im Spiegel 23/2001: "Klima. Die Launen der Sonne" m. anschl. Interview mit Ulrich Berner

Umweltnachrichten Ausgabe 2/April 2002, S. 27/27 top ↑

Wenige Themen nehmen heute in Politik und Medien ähnlich breiten Raum ein wie Klima, Klimaänderungen und Klimakatastrophen. Meist geht es dabei um mögliche Auswirkungen menschlicher Eingriffe in das Klimasystem. Oft werden allerdings das Ausmaß und die Dynamik naturlieber Klimaschwankungen übersehen.

Erstmalig wird nun in diesem Sachbuch aus der Sicht der Geowissenschaft Stellung zur aktuellen Klimadiskussion bezogen. Mit dem hier vorgelegten, erheblich erweiterten Hintergrundwissen sind viele bisher getroffene Aussagen zum Thema Mensch und Klima höchst kritisch zu bewerten. Rückblickend auf die Erdgeschichte legen die Autoren ihr Wissen über das Klima vergangener Zeiten vor. Als Geowissenschaftler gewinnen sie eine Fülle von Informationen aus den Gesteinen, dem Grundwasser und dem Eis großer Gletscher. Rückschlusse auf das damalige Klima lassen so die Wassertemperaturen ehemaliger Ozeane, die Luftfeuchtigkeit bzw. Trockenheit untergegangener Kontinente oder die Gaszusammensekung einer früheren Atmosphäre zu.

Zahlreiche Belege der Geologen sprechen dafür, dass das Klima im Verlaufe der gesamten Erdgeschichte eine wahre Achterbahnfahrt durch heiße und frostige Abschnitte gemacht hat. Der Rückblick in die Vergangenheit unseres Planeten ist jedoch gleichzeitig auch ein Schlüssel für die Zukunft. Er erlaubt eine Bewertung der verschiedenen wirksamen Faktoren im Klimasystem. Keine entscheidende Rolle spielen nach den Erkenntnissen der Geowissenschaftler von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, des Instituts für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben und des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung die in der öffentlichen Diskussion viel zitierten Auswirkungen des Kohlendioxid - insbesondere die in unserem technischen Zeitalter vom Menschen verursachten Emissionen.

Tatsache ist, dass unzählige Faktoren stärker auf das Klimageschehen einwirken, als dies dem COIR in der Atmosphäre möglich wäre. Allem voran verweist das Buch auf die Sonne, die die klimawirksamen Prozesse in der Atmosphäre, den Ozeanen und in der Biosphäre wie ein Motor antreibt. So scheint sie nämlich nicht gleichmäßig, sondern in bestimmten Rhythmen und Zyklen, was ihre Strahlung verstärkt und abschwächt. Ferner ist da der Sonnenwind, der in ähnlichen Rhythmen starker oder schwächer gegen die Erde strömt und dabei nicht nur das vor harter kosmischer Strahlung schutzende Erdmagnetfeld erzeugt, sondern ebenfalls das chemische Verhalten der Atmosphärengase, die Zirkulation dieser Gase um die Erdkugel und vor allem das Kondensationsverhalten des Wassers in der Atmosphäre beeinflusst.

Eingehender als die Sonne, die eigentlich nicht Forschungsgegenstand der Geowissenschaftler ist, behandeln die Autoren die Einflussgroßen, über die unser Heimatplanet sein Klima steuert. Hier sind die sich in Zyklen ändernde Erdbahn um die Sonne ebenso wie das Kreiseln ihrer Achse zu nennen. Aber auch die Erde selbst ist nun ruhig.: Kontinente verlagem sich ebenso wie Meeresströmungen als wichtige Wärmetransportadern. Am Wärmetransport sind auch die vielfältigen Gasschichten der Atmosphäre und deren vertikale und horizontale Zirkulation beteiligt. Der Leser erfährt etwas über Die Rolle der Meeren, Die Eiskammern der Erden und die Auswirkungen der Kontinente und ihrer Biosphäre.

Neben diesen politisch wichtigen Erkenntnissen werden dem Leser in elf Kapiteln umfassende Informationen zum Thema Klima, Klimageschichte, das Klimageschehen und damit über unseren Planeten Erde dargeboten. Und das alles in einer auch dem Laien Verstandlichen Argumentation, die zum Mitdenken anregt und nicht das Gefühl aufkommen lässt, "den Experten" alles staunend glauben zu müssen.

Umweltnachrichten Ausgabe 2/April 2002, S. 27/27

IHK Koblenz

Zitat aus "Die Zeit" Nr. 30, 19.07.2001 top ↑

"Wo so viel Sorge um die Zukunft des Erdballs ist, gibt ein Rückblick auf die vergangene Erdgeschichte der Gegenwart ihre Herkunft zurück. Der von den Geowissenschaftlern Ulrich Berner und Hans-Jörg Streif herausgegebene und schön gestaltete Band Klimafakten (Der Rückblick -- ein Schlüssel für die Zukunft; E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stutgart 2000, 238 S., 78,00 DM) versammelt das Wissen über die Klimavergangenheiten: In Steinen, Gletschern und Gewässern lesen die Geologen die Spuren erdgeschichtlicher Klimaschwankungen Um allerdings wiederum zu bilanzieren: Effizienzsteigerung bei der Energiegewinnung und kluges Sparen beim Verbrauch der fossilen Vorräte sind unumgänglich, wenn die Erdgeschichte noch ein Weilchen weitergehen soll."

Zitat aus "Die Zeit" Nr. 30, 19.07.2001

Bespr: Forstliche Mitteilungen, Dez. 2004 top ↑

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, das Institut für geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben und das niedersächsische Landesamt für Bodenforschung haben zu einem hochaktuellen Thema ein Buch der Superlative herausgebracht. Bevor am Schluss die Frage „Klima, quo vadis?“ so beantwortet wird, dass eine direkte Ableitung der Klimazukunft aus den Rechenmodellen auf der Basis der Vergangenheit nur begrenzt möglich sei, Kohlendioxid das Klimageschehen nicht allein bestimme und differenzierte Betrachtungen aus unterschiedlichsten Perspektiven vorgestellt werden, wird vorher beeindruckend sachlich das Klima zurückliegender Zeitabschnitte entschlüsselt. Die drei Medien Gestein, Grundwasser und Eis sind für diese Aufgabe Archive voller Informationen. In perfekter Kombination von erschöpfenden Texten, die jederzeit verständlich bleiben, Spitzengrafik und aussagefähigen Fotos ist eine Dokumentation von höchstem Niveau entstanden wie man sie sich auch für die anderen Themen unserer Zeit wünschen würde.

Bespr.: der Aufschluss Jg. 56 März/April 2005, S. 90 top ↑

Durch die Ansammlung von vielen Datenund Ergebnissen aus zahlreichen Arbeiten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Hannover), des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (Hannover) sowie des Instituts für Gemeinschaftsaufgaben(Hannover) isteine Zusammenstellung, nunmehr in vierter Auflage, geglückt, die sowohl Laien als auc Woissenschafter anspricht, sich mit den Fakten und Problemen des Klimas zu beschäftigen. Das heute oft diskuteirte Thema des Klimawandels soll auf der Basis von Daten besser verstanden werden, es soll aber für alle eine Basis geschaffen werden, sich mit diesem Thema besser vertraut zu machen. Die Einschätzung des Klimas gelingt nur durch den Blick zurück, um besser einschätzen zu können, was sich als zukünftige Entwicklung ereignen könnte.

Im Buch sind interessante Themen aufbereitet, von der Erläuterung, was ist Klima überhaupt, bis hin zu Themen wie Treibhauseffekt, aber auch wie werden Rückschlüsse auf Klimaschwankungen durch Messungen aus Gesteinsablagerungen datiert. Welche Methoden werden mit welcher Genauigkeit angewandt. Der Bildung von Rohstoffen, gebunden an bestimmte Klimazonen, ist ebenfalls ein Thema, das mit behandelt wird. Zweifelsohne ist das reich bebilderte und gut aufbereitete Buch ein Muss für alle, die sich in irgend einer Weise mit dem Thema beschäftigen oder daran interessiert sind. Es ist gut aufbereitet, so dass auch der Laie durchaus sich mit dem Thema vertraut machen kann.

Das Buch wird nicht zur zur Lektüre empfohlen, es ist vielmehr ein lesenswerter Weg zum besseren Verständnis in wie weit sich mögiche Auswirkungen menschlicher Eingriffe in das Klimasystem bemerkb ar machen können.

Herbert Pöllmann, Halle (Saale)

der Aufschluss Jg. 56 März/April 2005, S. 90

Bespr.: Hydrologie und Wasserbewirtschaftung 49, 2005, H. 1 top ↑

Jahrtausende lang hat sich der Mensch aus der Natur bedient. Brandrodung, das Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas lassen die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre ansteigen, was wiederum die Temperatur beeinflusst. Die Vermutung liegt daher nahe, dass der Mensch sich vom Spielball des Klimas zum Klimamacher entwickelt hat.

Ist das wirklich so oder gilt es mehr zu beachten als nur das Kohlendioxid? Diese und andere Fragen versucht die nun vorliegende 4. überarbeitete Auflage von "Klimafakten" in verständlicher und nachvollziehbarer Weise, unterstützt von vielen farbigen Schaubildern, zu beantworten.

Die 4. Auflage war afugrund der guten Aufnhame der 3. Auflage notwendig geworden. Die Darstellungen wurden um neue Erkenttnisse ergänzt und aktuelle Ergebnisse der Klimaforschung berücksichtigt.

Hydrologie und Wasserbewirtschaftung 49, 2005, H. 1

Bespr.: Natur und Heilen April 4/2005 top ↑

Jahrtausende lang hat sich der Mensch aus der Natur bedient. Brandrodung, Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas lassen die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre ansteigen, was wiederum die Temperatur beeinflusst. Die Vermutung liegt daher nahe, dass der Mensch sich vom Spielball des Klimas zum Klimamacher entwickelt hat. Ist das wirklich so oder gilt es mehr zu beachten als nur das Kohlendioxid? Diese und andere Fragen versucht die nun vorliegende 4. überarbeitete und von Ulrich Berner und Hansjörg Streif herausgegebene Auflage von "Klimafakten" zu beantworten.

Natur und Heilen April 4/2005

Bespr.: GMIT 20, Juni 2005, S. 93/94 top ↑

Das Erscheinen der 1. Auflage im Jahr 2001 hatte eine ungeahnte Resonanz in der Presse, in der Politik und auch bei Natur- und Geowissen schaftlern. Jetzt liegt die 4. Auflage vor, und die Wogen haben sich etwas geglättet. Was ist dran an einem wissenschaftlichen Buch, das solche Reaktionen auslöste und von dem nach nur drei Jahren bereits eine 4. Auflage notwendig wird? Denn es handelt sich nicht um ein Lehrbuch im eigentlichen Sinne.

Rückblickend bleibt festzustellen, dass sich die vehemente Resonanz auf das Buch vor allem auf die ersten Seiten konzentrierte. In den ersten beiden Kapiteln zum Thema "Was ist Klima" geht es um die Rolle der Sonne als "Klimamotor" sowie darum, dass ihre Strahlung Veränderungen unterliegt. Diese beiden Faktoren waren in der Öffentlichkeit offensichtlich in ihrer Konsequenz nicht genügend bekannt. Die Zusammenhänge hatte der Astronom und Klimatologe Milutin Milankovitch aber schon vor rund 60 Jahren erkannt und Wissenschaftlern, die das Klima der Vergangenheit untersuchen, sind sie geläufig. Zeugen hierfür finden Geologen immer wieder in geeigneten Sedimenten. Aber erst durch die Untersuchung von Klimaindikatoren in gut datierbaren Eisbohrkernen aus Grönland und der Antarktis konnten die Auswirkungen der variierenden Sonneneinstrahlung verifiziert und auch quantifiziert werden. Für Geowissenschaftler ist es unbestritten, dass unser gegenwärtiges Klima erdgeschichtlich eine Ausnahme darstellt. Insgesamt gesehen wissen wir allerdings noch viel zu wenig darüber, wie es sich - auch ohne das Zutun des Menschen - über die Zeit verändern wird.

Den Wissenschaftlern aus Hannover, die an diesem Buch mitgewirkt haben (sie sind im Anhang auf den Seiten 248 und 249 genannt), gebührt ein großer Dank dafür, dass sie tatsächlich einmal all das, was wir heute zum Klima und seiner Entwicklung im Laufe der Erdgeschichte wissen, akribisch zusammengetragen und gut verständlich aufbereitet haben. Die nun vorliegende Auflage ist tatsächlich in weiten Teilen wesentlich überarbeitet worden, z.T. wurden Aussagen und Abbildungen präzisiert und versachlicht. Dies gilt vor allem auch für das Schlusskapitel "Klima, quo vadis?"

GMIT 20, Juni 2005, S. 93/94

Bespr.: ekz-Informationsdienst top ↑

Im Zuge der Biodiversitätsforschung der letzten Jahrzehnte galt das Interesse der Paläontologen und Biologen zunehmend auch Fragen, wann, aus welchen Gründen und in welchem Umfang Tier- und Pflanzenarten verschwanden. 5 erdgeschichtliche Krisen, hervorgerufen durch dramatische Umweltveränderungen, lassen sich ausmachen, eine 6., ausgelöst vom Menschen, steht bevor. Palm, Paläontologe (Budapest), ermöglicht einen profunden Einblick in das Instrumentarium der Forscher, ihre Theorien und Befunde. Das Fachbuch, sorgfältig illustriert, zeichnet sich durch angenehme Lesbarkeit aus, eine gelungene Übersetzung sowie großes didaktisches Geschick. Es sollte in zentralen Großstadtbibliotheken unbedingt angeboten werden.

Helga Lüdtke

ekz-Informationsdienst

ID 23/05 013.504.7

Bespr.: Geographie und Schule, Nr. 158, Jahrg. 27, Dez. 2005 top ↑

Das hier in vierter und vollständig überarbeiteter Auflage vorliegende Buch hat sich erfolgreich in die Diskussion um die Erklärung und Bewertung der Klimaveränderun- gen eingebracht. Dabei stellt es sich gegen kurzfristige Erklärun- gen, sondern hebt die Bedeutung der Sonne als klimawirksamen Motor hervor. Nicht das Kohlen- dioxid und letztlich der Mensch sind danach für den Klimawandel verantwortlich. Die Belege zu dieser Hypothese werden aus der Klima- vergangenheit gewonnen. Die Sonne beeinflusst die Achterbahn" des Klimas durch die Erdgeschichte.

Geographie und Schule, Nr. 158, Jahrg. 27, Dez. 2005

Bespr.: Archaeopteryx 23 (2005) top ↑

Jahrhundertsommer 2003, Hurrikans am laufenden Band, Schneechaos, Hochwasser, Dürre ... .

Vielleicht haben die am eigenen Leib oder über die Medien hautnah erlebbaren Wetterkapriolen den Absatz des Buches ``Klimafakten'' so gesteigert, dass nach der 1. Auflage 2001 für 2004 schon die 4. Auflage notwendig wurde, die vom Verlag als ``vollständig überarbeitet'' angekündigt wurde.

Es liegt ein gut ausgestattetes Buch vor, das in überaus zahlreichen farbigen Abbildungen instruktive Grafiken, vielfältige Kartendarstellungen und eindrucksvolle Fotos bietet. Das Buch ist von Kerstin Riquelme, die für das Layout verantwortlich zeichnet, grafisch ``durchgestylt'', was neben dem aktuellen Thema auch zur Verlockung beiträgt, dieses Buch in die Hand zu nehmen und drin zu schmökern. Das kann leicht dazu führen, dass man den Band dann doch von Anfang bis zum Schluss liest, obwohl die Aufmachung und Gliederung in einzelne Themenkomplexe durchaus ein selektives Lesen möglich machen würde. Neben Fach- und allgemeinen Bibliotheken passt dieses Buch auch sehr gut in den privaten Bücherschrank jedes am Zeitgeschehen Interessierten, den die tagesaktuelle Berichterstattung über Wetterereignisse und die gesellschaftliche Diskussion der richtigen Reaktion auf die erkennbaren Trends keine Ruhe lässt.

Er bekommt einen auch für den Laien gut lesbaren Überblick zu ``Was ist Klima?'' und in einer Reihe von Kapiteln einen spannenden Einblick in die Arbeit der Geowissenschaften, die mit raffinierten Methoden einen Rückblick auf das Klima vergangener Zeiten ermöglichen. Allerdings darf man sich bei der Ankündigung im Untertitel ``Der Rückblick - ein Schlüssel für die Zukunft'' für den Abschnitt zur Zukunft nicht zu viel erwarten. Denn die Autoren aus den drei beteiligten Institutionen, der Bundesanstalt für Geowissenschaften, des niedersächsische Landesamt für Bodenforschung und des Instituts für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben, stellen zwar die Fakten wissenschaftlich exakt fest, sind aber sehr vorsichtig beim Blick in die Zukunft.

Die Überschrift zum letzen Kapitel ``Klima, quo vadis?'' wird im Prinzip nicht beantwortet, ja es wird bezweifelt, ob die Frage beim jetzigen Stand der Wissenschaften überhaupt beantwortbar ist. Die Autoren bleiben auch reserviert gegenüber den Anstrengungen der Umweltpolitik, durch internationale Vereinbarungen das Klima ``zu schützen'', lassen aber erkennen, dass eine Reduktion des Kohlenstoffdioxidausstoßes nicht falsch sein kann, weil damit eine Schonung der Ressourcen verbunden wäre, die den Geowissenschaftlern in Hinblick auf ihre Endlichkeit der fossilen Energieträger am Herzen liegen.

Dem Buch liegt unter dem Stichwort ``Errata'' auf drei Blättern ein neues Inhaltsverzeichnis bei, weil beim eingebundenen Inhaltsverzeichnis die Seitenangaben nicht stimmen. Eigenartigerweise wurde das korrigierte Inhaltsverzeichnis in sich gegliedert mit Hilfe von verschiedenen Schrifttypen, z.T. unlogischen Einrückungen und Teilüberschriften, von denen mindestens zwei im Text des Buches nicht auftauchen. Diese Feststellung beeinträchtigt aber nicht den Genuss beim Umgang mit diesem Buch.

Johann Beck

Archaeopteryx 23 (2005)

Bespr.: Zentralblatt für Geologie u. Paläontologie Teil II Jahg. 2005 H. 5/6 top ↑

Die überzufällige Häufung von Wetterkapriolen in den letzten fünfzehn Jahren (Jahrhundertstürme Lothar und Wiebke, mehrere Hochwasser am Rhein, Oder-Flut und Sommerdürren) weckte das Interesse der Bevölkerung am Klimageschehen. Regelmäßig nehmen Meteorologen zu aktuellen Unwetterereignissen Stellung. Ein Klimaforscher wie Prof. MOJIB LATIF vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universitat Kiel ist inzwischen durch das Fernsehen allgemein bekannt und gefragter Experte in einschlägigen Talkshows. - Wir erfahren, dass die mittlere Jahrestemperatur in den letzten 100 Jahren weltweit um 0,6ºC gestiegen ist und dass der Mensch durch den Ausstoß von Treibhausgasen, allen voran Kohlendioxid, die Ursache des Temperaturanstiegs ist. 0,6ºC in 100 Jahren erscheint als zu vernachlässigende Größe. Bedenkt man aber, dass seit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 11.000 Jahren die Zunahme der mittleren Jahrestemperatur nur 5-6ºC beträgt, sind 0,6ºC in der kurzen Zeitspanne von 100 Jahren sehr viel. Der weltweite Temperaturanstieg ist ein Faktum, das niemand bezweifelt; aber seine anthropogene Ursache ist umstritten.

Das vorliegende Werk erstellten die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben in Hannover und das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung in Hannover gemeinsam. Die seit dem Erscheinen der 1. Auflage im Jahr 2000 nun schon in der 4., vollständig überarbeiteten Auflage erschienenen ``Klimafakten'' unterstreichen das große Interesse am Thema, und sie bestechen durch die völlige Negierung jeglichen anthropogenen Einflusses auf unser Klimageschehen. Eine ausführliche Inhaltsangabe gab das Referat von J. PROSS (vorliegende Zeitschrift, 2002 (3/4), Ref. 356). Die dritte Auflage unterscheidet sich von der zweiten durch die Berichtigung von Fehlern. In der Neuauflage brachte man versehentlich das Inhaltsverzeichnis der vorhergehenden Auflage. Das aktuelle mit der korrekten Paginierung liegt als Erratum bei.

Es genügt, hier einige Punkte herauszugreifen. Im zweiten Kapitel ``Was ist Klima'' unterstreichen die Autoren die Bedeutung der Sonne als wichtigster Motor unseres Klimasystems. Sie treibt die Klimaschwankungen mit Zyklen unterschiedlicher Länge an. Wasserdampf ist das wichtigste Treibhausgas der Atmosphäre. Die übrigen Treibhausgase spielen eine geringere Rolle, da der Wasserdampf einen großen Teil der Strahlungsenergie aufgenommen hat. Wasserdampf kommt durch Verdunstung des Oberflächenwassers der Ozeane in die Atmosphäre. Zum gesamten Treibhauseffekt unserer Erde tragen die anthropogenen Anteile beim Kohlendioxid nur 1,2% bei. Die Autoren betonen die Bedeutung der Wälder auf der nördlichen Hemisphäre - neben den Ozeanen - als Reservoire fur die Aufnahme von atmosphärischem CO2. Nach neueren Untersuchungen soll aber die sibirische Taiga eine geringere Rolle bei der Senkung des CO2 spielen, als man bisher dachte (vgl. SCHIERMEIER, Q., Nature, 435: 732-733, 2005).

Einige kleinere Korrekturen aus säugetierpaläontologischer Sicht scheinen dem Rez. angebracht. Säugetiere haben nicht nur im Quartär eine herausragende Bedeutung als Leitfossilien, sondern ebenso im Tertiär. Pflanzen und Tiere wandern in Kaltzeiten nicht nach Süden aus. Sie starben vielmehr regional aus und überdauerten in ihrem südlich gelegenen permanenten Verbreitungsgebiet. Von dort aus besiedelten sie in der folgenden Warmzeit die nördlichen Gebiete. Mitteleuropa war stets temporäres Verbreitungsgebiet kälteadaptierter Formen (Mammut, Fellnashorn) und besonders wärmeliebender Tiere (z. B. Flusspferd, Damhirsch).

Im 11. Kapitel ``Klima, quo vadis?'' belegen die Autoren die Unabhängigkeit des Klimaverlaufs vom menschlichen Einfluss. Die Eisbohrkerne der Antarktis zeigen, dass die Temperatur nicht der Änderung der CO2-Konzentration folgte. Die Autoren führen die Diskrepanz zwischen den Prognosen der Klimamodellierer (Meteorologen) und der Paläoklimatologen geologischer Provenienz auf Kenntnislücken über die Abläufe im Kohlenstoffkreislauf zurück. Insgesamt ist das Buch ein gelungenes Werk, kompetent geschrieben, reich an Information, hervorragend illustriert und jedem zu empfehlen, der sich für das komplexe Klimageschehen auf der Erde interessiert. Bleibt nur zu hoffen, dass Politiker, falls sie es lesen, nicht die falschen Schlüsse daraus ziehen und für ein bequemes ``Weiter so'' plädieren. Erdöl ist viel zu schade zum Verbrennen, und wir sollten auch unseren Nachkommen noch Spielraum für eigenständiges Handeln lassen.

R. ZIEGLER

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jahrg. 2005 Heft 5/6

Bespr.: Laborscope 11/05, S. 29 top ↑

Mythenkiller ist auch der Klimawissenschaftler Ulrich Berner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. In seinem neu aufgelegten Buch "Klimafakten" gibt er Einblick in die aktuelle Debatte um die möglichen Auswirkungen von Kohlendioxid (Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung). Spannend am Buch: Auch die Klimaschwankungen werden ausführlich besprochen. Das Werk ist reich illustriert.

Laborscope 11/05

Bespr.: Der Mineralbrunnen Heft 9, 55. Jg. 2005 top ↑

Klima - quo vadis?

Mit dem Begriff Klima wird das langfristige Wettergeschehen eines Gebietes beschrieben. Nur wenige Themen nehmen in neuerer Zeit in Politik und Medien einen ähnlich breiten Raum ein wie Klima, Klimaveränderungen und Klimakatastrophen. Zahlreiche Menschen fühlen sich täglich durch neue zum Teil hysterische Medienberichte betroffen oder gar bedroht. Zu Recht fragen sie, was verbirgt sich hinter den weltweit registrierten extremen Naturereignissen?

Jahrtausende lang hat sich der Mensch aus der Natur bedient. Brandrodung, das Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas lassen die Konzentration des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre ansteigen, was wiederum die Temperatur beeinflusse. Dafür liegt die Vermutung nahe, dass der Mensch sich vom Spielball des Klimas zum Klimamacher entwickelt hat. Ist das wirklich so oder gilt es mehr zu beachten als nur das Kohlenstoffdioxid?

Das Klima der Erde ist ein so kompliziertes System, dass es sich mit ComputerModellen nur unvollständig darstellen lässt. Aus dieser Überzeugung speist sich die Kritik, die von Fachleuten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover an Klimaprognosen geübt wird. Einige Forscher aus dieser weltweit angesehenen wissenSchaftlichen Institution haben die ihrer Meinung nach wichtigen Klimafakten in der 4. überarbeiteten Auflage des Buches "Klimafakten" in verständlicher und nachvollziehbarer Weise zusammengefasst und kritisch bewertet, unterstützt von vielen farbigen Schaubildern. Sie präsentieren Zeugnisse des erdgeschichtlichen Klimageschehens, die man unter anderem aus den Schlämmen des MeeresArundes und der Seen, aus dem Eis der Gletscher und aus den Böden in den verschiedenen Klimazonen unserer Erde gewonnen hat. Die geologische Vergangenheit zeigt: Große Klimasprünge sind globale Ereignisse. Es gab gute und schlechte Zeiten, weil das Klima Achterbahn fuhr. Selbst innerhalb der letzten 50 Jahre lassen sich deutliche Klimasprünge nachweisen. Es zeigt sich auch, dass die Klimasprünge eng mit der sich ändernden Sonnenaktivität variieren und diese kann der Mensch nun wirklich nicht beeinflussen.

Wir leben heute in der Warmzeit eines Eiszeitalters. Die Kaltzeiten dauern in etwa zehnmal länger als die Warmzeiten. Erstaunlicherweise erfolgt das Auf und Ab zwischen Erwärmung und Abkühlung innerhalb von Zehnerjahren! Und die Prognose für die nächsten 100.000 Jahre wird durch astronomische Modellrechnungen klar: im Verlauf der nächsten Jahrzehntausende wird es wieder kälter werden. Diesen langfristigen Trend werden aber kurzfristige Veränderungen überlagern. Dies ist unabhängig davon, ob die Menschheit heute die Konzentration des Kohlenstoffdioxids in der Atmosphäre rasch erhöht oder den Ausstoß von Treibhausgasen verringert. Aber aus energiewirtschaftlichen Gründen sollte sie mit ihren endlichen Kohlenwasserstoff-Lagerstätten wesentlich sparsamer umgehen.

Das sehr ansprechende und gut gemachte Buch vermittelt dem interessierten Laien großartige Einblicke in die Klimazusammenhänge der geologischen Vergangenheit. So ist es heute z. B. möglich, die Wassertemperaturen ehemaliger Ozeane, die Luftfeuchtigkeit bzw. die Trockenheit untergegangener Kontinente oder die Gaszusammensetzung einer früheren Atmosphäre zu rekonstruieren. Durch das hier vermittelte aktuelle Hintergrundwissen sollen die Leser in die Lage versetzt werden, das heutige Klima mit seinen beobachtbaren Naturprozessen verstehen und einschätzen zu können. Es ist ein naturwissenschaftliches Fachbuch, dessen Lektüre kurzweilig ist und anregend wirkt, auf offene Fragen hinweist, neue Denkanstöße vermittelt und das dazu beiträgt, die oftmals emotional geführte Diskussion von Klimafragen zu versachlichen. Sehr empfehlenswert, besonders auch für die Umweltpolitiker und solche, die sich dafür halten.

Gert Michel

Bespr.: bergbau 3/2007 5. Jg., S. 107 top ↑

Jahrtausende lang hat sich der Mensch aus der Natur bedient. Brandrodung, das Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas lassen die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre ansteigen, was wiederum die Temperatur beeinflusst. Die Vermutung liegt daher nahe, dass der Mensch sich vom Spielball des Klimas zum Klimamacher entwickelt hat.

Ist das wirklich so oder gilt es mehr zu beachten als nur das Kohlendioxid? Diese und andere Fragen versucht die nun vorliegende 4. überarbeitete Auflage von ``Klimafakten'' in verständlicher und nachvollziehbarer Weise, unterstützt von vielen farbigen Schaubildern zu beantworten.

Die 4. Auflage war aufgrund der guten Aufnahme der 3. Auflage notwendig geworden. Die Darstellungen wurden um neue Erkenntnisse ergänzt und aktuelle Ergebnisse der Klimaforschung berücksichtigt.

War das Klima früher stabil? Heute fällt es schwer, zwischen natürlicher Klimaentwicklung und einer durch den Menschen beeinflussten Klimaschwankung zu unterscheiden. Will man das Klimasystem wirklich verstehen, so hilft nur der Blick zurück und zwar in Zeitabschnitte der Vergangenheit, in denen der Mensch nicht oder nur sehr wenig aktiv war. Die Vergangenheit zeigt: Große Klimasprünge sind globale Ereignisse. Es gab gute und schlechte Zeiten, weil das Klima Achterbahn fuhr. Selbst innerhalb der letzten 50 Jahre lassen sich deutliche Klimasprünge nachweisen.

Es zeigt sich: Die Klimasprünge korrelieren eng mit der sich ändernden Sonnenaktivität.

Steuert allein CO2 die Temperatur? Rekonstruktionen der Klimavergangenheit machen deutlich, dass Kohlendioxid nicht die treibende Kraft für die Temperaturentwicklung in der Vergangenheit war. Die Temperatur und die Kohlendioxidmenge der Atmosphäre haben sich vielfach unabhängig von einander entwickelt. Es muss also weitere Steuerfaktoren im Klimasystem geben.

Die wichtigen Klimagrößen sind die Sonne, die Energierückstrahlung durch Wolken und Landflächen und der Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre. Denn der Wasserdampf ist das wichtigste ``Klimagas'' im Treibhaus Erde und führt im Wettstreit deutlich vor Kohlendioxid oder Methan. Der heutige menschliche Beitrag zum Gesamt- Treibhauseffekt durch Emissionen von Kohlendioxid und anderen Spurengasen ist dagegen von untergeordneter Bedeutung.

Was lehrt uns die Vergangenheit? Jede Warmzeit (auch das heutige Holozän) verläuft im Detail einzigartig. Man kann daher aus dem Verlauf einer früheren Warmzeit nicht präzise auf die Klimaentwicklung der Gegenwart und nahen Zukunft schließen. Klimarekonstruktionen ertauben jedoch die Zusammenhänge im Klimasystem besser zu verstehen, wie etwa den Einfluss der Sonne auf unser Klima. Ob Zyklen von 100000 Jahren oder 11 Jahren, die Sonne steuert das Klimageschehen im Großen und im Kleinen. Selbst bei der Preisentwicklung von Getreide sind Sonnenstrahlen im Spiel. Alle Beobachtungen und Rekonstruktionen bilden die Basis für unser Klimaverständnis. Der Rückblick in die Klimavergangenheit ist ein Schlüssel für die Zukunft, weil dieses Wissen Eingang in Computerprogramme findet, mit deren Hilfe Modellierer versuchen, die Klimazukunft zu erschließen. Aber Vorsicht, das Klimageschehen hat gezeigt, wie schnell es sich im Verlauf von 10 bis 20 Jahren ändern kann. Es kam zu regelrechten Sprüngen. Die kann heute noch kein Computermodel! nachvollziehen oder für die Zukunft voraussagen.

Woher stammen die Daten ? Klimainformationen sind im Eis der Gletscher, im Schlamm von Seen und in den Ozeanen gespeichert. Klimazustande lassen sich über Millionen von Jahren bis zu Ereignissen innerhalb eines Jahres rekonstruieren. Ob Temperaturen oder Niederschläge, ob Salzgehalt im Meerwasser oder Kohlendioxidkonzentrationen in der Luft, geowissenschaftliche Untersuchungen decken Klimafakten auf. Wie sieht die Klimazukunft aus? Die Klimaentwicklung der nächsten 100000 Jahre wird durch astronomische Modellrechnungen klar: im Verlauf der nächsten Jahrzehntausende wird es wieder kälter. Diesen langfristigen Trend werden aber kurzfristige Veränderungen überlagern, wie wir sie z.B. auch in den letzten 2000 Jahren erlebt haben. Diese Klimawechsel im Rahmen von Jahrhunderten sind offenbar primär durch die sich ändernde Sonnenaktivität bedingt. Sie lassen sich allerdings nicht exakt vorhersagen, weil unsere Kenntnisse über die kurzfristigen Änderungen der Sonnenaktivität noch zu gering sind.

bergbau 3/2007 58. Jg., S. 107

Bespr.: Rotary Magazin 4/2007, S. 29-30 top ↑

Wenige Themen nehmen heute in Politik und Medien ähnlich breiten Raum ein wie die vermeintliche Klimakatastrophe. Allerdings richten Politik und Medien ihren Blick ausschließlich auf mögliche Auswirkungen menschlicher Eingriffe. Das Ausmaß und die Dynamik natürlicher Schwankungen werden übersehen oder ausgeblendet. In diesem Buch schildern Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, des Instituts für geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben und des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung, wie sich das Klima der Erde seit Jahrtausenden im Wandel befindet. Ihre wichtigste These: Nicht das Kohlendioxid ist maßgeblich für das Klimageschehen, sondern die Sonne, die wie ein Motor die klimawirksamen Prozesse in der Atmosphäre antreibt.

Rotary Magazin 4/2007, S. 29-30

Bespr.: HOMO - Journal of Comparative Human Biology 57 (2006) p. 115 top ↑

In the view of the ongoing climate change past climate fluctuations have become of major concern for a wide range of academic disciplines in the natural sciences but of course also in the humanities. The book, richly illustrated, is an introduction for the non-specialist to the climatological disciplines. In the first chapter the term climate is defined and explained, and then the numerous methods of palaeoclimate proxy-data recording are introduced. This part is followed by an overview about past climates on a global but also regional scale with a slight focus on northern Central Europe. The diverse reasons for climate change are discussed for the glacial and the Holocene. Notably for the latter period the impact of climate change on human societies is equally discussed, albeit in a somewhat general manner. One chapter has a very regional focus, namely the shore-line changes in the northern European lowlands. Climate fluctuations here had resulted in enormous environmental changes which had a considerable impact on human settlement system. In the last chapter authors demonstrate that climate changes are natural processes and have continuously challenged human societies. They present calculations and models for the future but they also call for a cautious treatment of these scenarios. The book ends with a surprisingly confident statement about the abilities of humanity to cope with upcoming changes. While this confidence may be astounding for some readers the volume nevertheless is a competent introductory guide to palaeoclimatology, not only for scholars in anthropology and other academic disciplines but also all those who are professionally concerned with climate change.

Detlef Gronenborn, Mainz

HOMO - Journal of Comparative Human Biology 57 (2006) p. 105

Bespr.: VERNATE 27/2008, S. 279 top ↑

Der nüchterne Titel weckt wenig Neugier, ja, er leitet den suchenden Leser vielleicht sogar in die Irre. Das Buch ist mitnichten eine Variante des Wetterberichtes, der sich vom Faktischen immer mehr zur Unterhaltung entwickelt. Es ist auch kein erweiterter Hundertjähriger Kalender.

„Klimafakten" ist viel weitgehender: ein umfassender Blick auf die Bedingungen an der Oberfläche der Erde, unter denen das Leben ermöglicht wurde.

Anhand einleuchtender Beispiele und verständlicher Argumentationsketten werden die Entwicklungen, die das Klima genommen hat, unter die Lupe genommen. Aus Gesteinen und anderen Zeugen der Vorzeit lassen sich überraschend genau Klimabedingungen ablesen. Dem Leser wird, auch ohne ein naturwissenschaftliches Studium vorauszusetzen, das methodische Herangehen verständlich. Die Fülle der Zahlen und Fakten bereitet gewisse Schwierigkeiten. Die Veranschaulichung in Diagrammen und Schemata erleichtert zwar das Verstehen, aber es bleibt ein schwieriger Stoff. So ist das Buch weniger geeignet als eine Klimageschichte gelesen zu werden. Vielmehr kann es wie ein Handbuch zu Rate gezogen werden, will man etwas über Eiszeiten, Vulkanismus oder Treibhauseffekte wissen.

Wenn man es fertigbringt, sich in den Zeiträumen von Jahrtausenden und Jahrmillionen nicht zu verlieren - ein Grundproblem der erdgeschichtlichen Betrachtung überhaupt - darf man immer wieder erstaunt sein, wie sehr die Temperaturen und Wasserstände schwankten. Die Veränderungen, die der Mensch in der Neuzeit verursacht hat, werden damit in einen globalen Rahmen gebracht. Einerseits sind deren augenblickliche Auswirkungen unübersehbar, andererseits müssen sie in die natürlichen Dimensionen eingeordnet werden. Da nehmen sich die geringen Schwankungen bescheiden aus, die gleichwohl für unsere Lebensbedingungen kritisch sein können. Das vieldiskutierte Treibhausgas Kohlendioxid etwa ist weder die entscheidende Ursache für Klimaänderungen noch ist die steigende Emission unmittelbar klimawirksam. Sonnenaktivität und Wasser(dampf)kreislauf werden als bestimmende und unbeeinflußbare Einflüsse erläutert. Der Mensch ist bis heute vielmehr ein Klimafolger als ein Klimamacher.

Das entbindet uns freilich nicht von einem verantwortlichen Umgang mit fossilen Rohstoffen. Der Grund dafür liegt jedoch im Gebrauch und den unmittelbaren Folgen und weniger in den globalen Auswirkungen, über die wir angesichts der Dimensionen und der Komplexität wenig Genaues vorhersagen können. Auch diese Ungewißheit wird an vielen Beispielen von teils einander widersprechenden Computersimulationen gezeigt.

„Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind, und unser kleines Leben eingebettet in einen langen Schlaf."

Oder nüchterner als bei Shakespeare: Die Erde braucht den Menschen nicht, auch nicht das Leben in seiner heute bekannten Form.

Hinter der bescheidenen Überschrift verbirgt sich nicht weniger, als daß unsere Existenz ein faktisches Wunder auf einem schmalen Grat ist.

Rainer Stumm

VERNATE 27/2008, S. 279

Inhaltsverzeichnis top ↑

VORWORT 7
1 EINLEITUNG 9
2 WAS IST KLIMA? ? 15
Der Klimamotor Sonne 16
Die veränderliche Sonne 20
Die unruhige Erde 22
Zwischen Himmel und Erde 25
Schichten aus Gas 27
Bei Wind und Wetter 28
Die Rolle der Meere 30
Die Eiskammern der Erde 33
Die Kontinente und ihre Biosphäre 35
Killer aus dem All 40
3 VOM ZÄHLEN UND MESSEN 45
Welcher Tag ist heute? 46
Die Atom-Uhren 47
Die Kohlenstoff-Uhr 48
Die Uran-Thorium-Uhr 49
Die Thermoluminiszenz-Uhr 49
Die Kalium-Argon-Uhr 50
Die biologischen Uhren 51
Die Fossilien-Uhr 51
Die Pollen-Uhr 51
Die Jahres-Schichten-Uhr 52
Die Baumring-Uhr 56
Die chemischen Uhren 57
Die Sauerstoff-Uhr 57
Die Strontium-Uhr 58
Ein Barcode der Erdgeschichte 60
Woher wissen wir, wie das Klima war? 63
Als Elefanten noch Haare hatten 63
Was schwimmt und krabbelt denn da? 65
Kieselalgen 66
Dinoflagellaten 66
Foraminiferen 67
Käfer 68
Große Pflanzen mal ganz klein 68
Nichts für Allergiker: Pollen und Sporen 69
Das Pflanzen-Thermometer 70
Was uns Atome und Moleküle erzählen 71
Die Klima-Thermometer der Erde 72
Das Eis-Thermometer 72
Das Kalkschalen-Thermometer 73
Das Biomolekül-Thermometer 73
Wieviel Kohlendioxid war in der Atmosphäre? 74
4 IM TREIBHAUS 77
Der Kohlenstoffkreislauf 78
Kohlendioxidkonzentrationen in der geologischen Vergangenheit 84
Faktor Mensch 86
5 HEIßKALT AUF DEN DEN ALTEN KONTINENTEN 91
Gletscher in Arabien 92
Der Buntsandstein, die heiße Phase des Klimas 95
6 EISGEPANZERTE KONTINENTE 99
Die Gefriertruhe der Erde liegt am Südpol 100
Die Eismassen der Ost- und Westantarktis 101
Was können Meteoriten über Bewegungen des Eises berichten? 102
Was findet sich unter dem Eis?
Das-Cape-Roberts Projekt 103
... und was erzählt uns das Eis? 106
Grönland - Die Kühlkammer des Nordens 107
Warme Gletscher und schnell fließendes Eis 108
Klimasignale aus dem Grönlandeis 108
Warum es am Nordpol keinen Eisschild gab 110
7 DAS LAND - FROSTIGE ZEITEN UND WOHLIGE WÄRME 111
Eisspuren 112
Schutt des Eises - Moränen 113
Schürfwunden 114
Verborgene Rinnen 115
Fragliche Vereisungsgebiete 116
Bodenfrost 117
Die Rolle des Wassers 118
Kältewellen in der Vergangenheit 119
Vom Winde verweht 123
Staubstürme 123
Flugsand 124
Schmelzendes Eis 125
Flussgeschichten 126
Pflanzen erzählen 128
Die Klimaschwankungen in Norddeutschland 129
Bavel-Komplex 129
Cromer-Komplex 129
Elster-Komplex 131
Holstein-Warmzeit 131
Saale-Komplex 132
Eem-Warmzeit 132
Weichsel-Kaltzeit 133
Auf dem Weg zum heutigen Klima 135
Noch ist es warm! Das Holozän 136
Das Gedächtnis der Seen 140
Sprünge des Klimas 140
Asche aus fernen Vulkanen - nur ein Hauch 141
Verschwundene Seen in 4 000 m Höhe 142
Der Mensch greift ein! 144
Spiegel des Menschen in Seen, Flüssen, Wäldern und Mooren 145
Der Mensch, ein Klimamacher? 148
8 ZWISCHEN LAND UND MEER 151
... lang, lang her! 154
Gewinn und Verlust 160
Küstenmensch - von der Reaktion zur Aktion 161
9 SCHLAMM IM MEER 165
Die wasserfeste Zeitung 167
Signale vom Land 169
Signale des Meeres 170
Der Rhythmus des Klimas 171
Die Kreidezeit, ein Treibhaus lang vergangener Zeiten 172
Kälteeinbruch im Treibhaus 172
Leben im Treibhaus 174
Als das Weltmeer umkippte 175
Klimazyklen im Treibhaus 179
Die Pazifische Klimaschaukel 181
Auf Umwegen in die Eiszeit 182
Das Klima der jüngeren Vergangenheit 186
Das Nordmeer erwärmt sich langsam 186
5000 Jahre Monsun 188
10 WAS MAN SO BRAUCHT - WASSER UND ROHSTOHSTOFFE 191
Grundwasser heute 192
Wasser, Lebenselixier aus alten Zeiten 193
Altes Wasser für den Mogul 194
Im Land der Pharaonen 195
Rohstoffe 196
Kühl im Norden, warm im Süden: die Prozesse in den Klimazonen 196
Ohne Energie geht nichts! (Torf, Kohle, Erdöl, Erdgas) 198
Gut für die Landwirtschaft (Phosphat-Dünger) 200
Der heiße Tiegel (Kali, Salz und Gips) 201
Die warme Badewanne (Kalksteine und Riffe) 202
Rot wie Ziegelstein (Laterite) 203
Auf dem Waschbrett der Natur (Mineralsande) 205
11 KLIMA, QUO VADIS? 209
Gute Zeiten, schlechte Zeiten 212
Fieberkurven der Erde 214
Spätzünder 216
Der Modellbaukasten 219
... und die Zukunft? 221
Was sagt der Computer ...? 221
... und was sagt der Geologe? 226
Paradigmenwechsel 227
AUTORENLISTE 231
ABBILDUNGSHERKUNFT 233
WEITERFÜHRENDE LITERATUR 245
INDEX 251

Beschreibung top ↑

Wenige Themen nehmen heute in Politik und Medien ähnlich breiten Raum ein wie unser Klima, Klimaänderungen und Klimakatastrophen. Meist geht es dabei um mögliche Auswirkungen menschlicher Eingriffe in das Klimasystem. Oft werden allerdings das Ausmaß und die Dynamik natürlicher Klimaschwankungen unterschätzt. Rückblickend auf die Erdgeschichte legen die Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissensschaten und Rohstoffe, Hannover in diesem Sachbuch ihr Wissen über das Klima vergangener Zeiten vor. Nachdem das Werk wenige Monate nach seinem Erscheinen vergriffen war, liegt nun die 4. vollständig überarbeitete Auflage vor.
Aus abgelagerten Gesteinen, dem Grundwasser und dem Eis großer Gletscher gewinnen sie eine Fülle von Informationen. Wassertemperaturen ehemaliger Ozeane, die Luftfeuchtigkeit bzw. Trockenheit untergegangener Kontinente oder die Gaszusammensetzung einer früheren Atmosphäre lassen Rückschlüsse auf das damalige Klima zu. Zahlreiche Belege aus der Natur sprechen für eine wahre Achterbahnfahrt des Klimas durch die gesamte Erdgeschichte hindurch. Der Rückblick in die Vergangenheit unseres Planeten ist gleichzeitig auch ein Schlüssel für die Zukunft. Er erlaubt eine Bewertung der verschiedenen wirksamen Faktoren im Klimasystem. Hervorzuheben ist dabei, dass die Sonne wie ein Motor die klimawirksamen Prozesse in der Atmosphäre, den Ozeanen und in der Biosphäre antreibt. Hinweise auf das viel zitierte Kohlendioxid als bestimmender Faktor des Klimageschehens liegen den Geowissenschaftlern nicht vor
Mit seinen allgemeinverständlichen Formulierungen und mehr als 280 vierfarbigen Abbildungen im Format 30x24.5cm richtet sich an alle, die sich über die gegenwärtige Klimadiskussion fachkundig informieren wollen und sich 'eine zweite Meinung' zu diesem Problem einholen wollen.