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Fossile Schildkröten aus vier Ländern in drei Kontinenten: Deutschland, Türkei, Niger, Philippinen

(Umschlagtitel: Fossile Schildkröten aus drei Kontinenten)

Koordinator: Ulrich Staesche

[Fossil turtles from four countries on three continents: Germany, Niger, Turkey and the Phillippines]

2007. 197 Seiten, 33 Abbildungen, 18 Tabellen, 18 Tafeln, 17x24cm, 450 g
Language: Deutsch

(Geologisches Jahrbuch Reihe B, Band B 98)

ISBN 978-3-510-95967-9, brosch., price: 29.80 €

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Keywords

fossile Schildkröte Deutschland Türkei Niger Philippinen Cheirogaster Manouria sondaari n.sp.

Contents

Beschreibung top ↑

Die vier Arbeiten über fossile Schildkröten behandeln an z.T. erstmals beschriebenen Funden sehr unterschiedliche Aspekte der Paläontologie.

Die längst fällige Überarbeitung der Schildkröten aus Jura und Unterkreide Nordwestdeutschlands trägt dem modernen Stand der Systematik Rechnung, die vor allem anhand der süddeutschen und schweizerischen Vorkommen aufgestellt wurde. Nur der geringste Teil der Taxa stimmt für beide Gebiete überein. Aufgenommen wurden auch erst in jüngster Zeit geborgene Funde, u.a. vom Schädel und den Extremitäten.

Die Beschreibung der jungtertiären Schildkröten aus der Türkei liefert einen Beitrag zur Schließung geographischer Nachweislücken in der Evolution der Schildkröten, ergänzt durch Aussagen zur Ökologie der Lebensräume. Riesen-Landschildkröten der Gattung Cheirogaster, belegt durch ein adultes und ein juveniles Exemplar, geben die Möglichkeit zu Vergleichen mit verwandten Formen von Europa bis Afrika und Vorderasien.

Wenigstens in der Jungsteinzeit besaß das Gebiet des Ténéré in der Republik Niger, heute eine der trockensten Regionen der Sahara, ein so gemäßigtes Klima, dass waldartige Vegetation und sogar offene Seen existieren konnten. Die hier nachgewiesenen fossilen Wasserschildkröten erlauben eine Darstellung des ehemaligen Gewässertyps und zusammen mit ein paar weiteren Resten fossiler Vertebraten die Interpretation der ökologischen Verhältnisse zu der Zeit.

Funde fossiler Riesen-Landschildkröten werden erstmals vom philippinischen Archipel nachgewiesen. Neben der Bestimmung der Herkunft und Verwandtschaft der neuen Art (Manouria sondaari n. sp.) werden die verschiedenen Aspekte der Entstehung solcher Inselformen diskutiert.

Bespr.: Zentralblatt Geol. Pal. T. II Jg. 2009/5-6 top ↑

Der vorliegende Band enthält unter maßgeblicher Mitwirkung von zwei Autoren vier voneinander unabhängige Beiträge über Chelonii aus dem Mesozoikum und Känozoikum.

KARL, H.-V., STAESCHE, U., TICHY, G., LEHMANN, J. & PEITZ, S. (S. 5-90) behandeln Die Systematik der Schildkröten (Anapsida: Chelonii) aus Oberjura und Unter kreide von Nordwestdeutschland. Das Material stammt aus Steinbrüchen im Wiehen gebirge, dem Raum Hannover, aus einer Baugrube in Hildesheim, dem Langenberg bei Oker, einem ehemaligen Tagebau am Ith und dem Gebiet Bückeburg- Obernkirchen. Diese Vorkommen umfassen nahezu lückenlos ein stratigraphisches Spektrum vom Callovium bis zum Berriasium, mit dem Schwerpunkt der Funde im unteren, mittleren und oberen Kimmeridgium. Neben klassischem Fundmaterial aus dem 19. Jahrhundert handelt es sich aber auch um Reste aus neueren Aufsammlungen. Die Bestände sind auf diverse Sammlungen verteilt, so dass man in der vollständigen Erfassung eine bemerkenswerte Seite der Arbeit sehen kann. Bedingt durch das Material orientiert sich die systematische Abhandlung auf die Ausbildung von Carapax und Plastron, deren Merkmale an den überwiegend im Abdruck vorliegenden Exemplaren hinreichend deutlich überliefert sind. Hauptteil der Arbeit ist gemäß der Zielstellung die systematische Abhandlung und betrifft von den Pelsiochelyidae Plesiochelys, Craspedochelys (2 Arten), Tropidemys und eine unbenannte Form, von den Hylaeochelyidae Hylaeochelys, die Pleurosternidae Pleurosternon und Desmemys sowie die Peltochelyidae Peltochelys. Alle Taxa sind formal mit Typus, Diagnose, Bemerkungen und Belegmaterial abgehandelt. 11 Foto tafeln dokumentieren umfangreiches Belegmaterial. Die größte Diversität mit jeweils 4 Arten kennt man aus dem unteren Kimmeridgium und aus dem Berriasium. Eine nähere Neubeschreibung erfährt der Holotypus von Hylaeochelys (Emys) menkeli (F. A. ROEMER, 1836), untersetzt durch umfängliches Referenzmaterial aus dem oberen Kimmeridgium vom Ith und dem Berriasium der Bückeberge. Die kurze Einschätzung zur Lebensweise interpretiert die beschriebenen Schildkröten als Bewohner küstennaher Meeresbereiche und der Mündungen größerer Flüsse.

2) STAESCHE, K., KARL, H.-V. & STAESCHE, U. (S. 91-150) beschreiben Fossile Schildkröten aus der Türkei, wobei man das Belegmaterial im Rahmen von Prospektionsarbeiten fand, die 1965 bis 1975 zwischen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und dem staatlichen Institut für Lagerstättenforschung der Türkei erfolgten. Die Bestände stammen aus einer Vielzahl Fundstellen im Miozän und Pliozän in erster Linie des westlichen Anatolien. Beschrieben sind Testudinidae mit der eurasiatischen Riesen-Landschildkröte Cheirogaster sp. cf. bolivari und der maurischen Landschildkröte Testudo sp. cf. graeca, Emydidae mit der kaspischen Bachschildkröte Mauremys sp. cf. caspica und der europäischen Erdschildkröte Clemmydopis cf. turnauensis sowie Trionychidae mit der afrikanischen Weichschildkröte Trionyx triunguis. Für die paläökologische Interpretation der Taxa ziehen Verf. die bekannten Befunde aus den rezenten Vorkommen heran. 3 Fototafeln dokumentieren Material zu Cheirogaster; die anderen Formen sind auf schwarzweißen Zeichnungen im Text dargestellt.

3) Im Beitrag von KARL, H.-V. & STAESCHE, U. (S. 151-170) über Fossile Schildkröten- und andere Wirbeltierreste aus holozänen Seeablagerungen in der heutigen Sahara fand eine Arbeitsgruppe der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in den Jahren 1971 bis 1973 bei Prospektionen in der Republik Niger das bearbeitete Fundmaterial. Die betreffenden Vorkommen liegen in holozänen Seeablagerungen mit einem absoluten Alter von knapp 4.000 Jahren. Alle Belege beschränken sich auf fragmentarische Panzerplatten der pelomedusiden Peluosis sp. und der trionychiden Cyclanorbis sp., dargestellt auf einer Fototafel.

4) KARL, H.-V. & STAESCHE, U. (S. 171-190) beschreiben Fossile Riesen-Landschildkröten von den Philippinien und ihre paläogeographische Bedeutung, die auf die Suche bzw. Exploration von Kohlevorkommen durch Geologen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe auf der Insel Luzon zurückgehen, und zwar in den Jahren 1982 bis 1987. Die wenigen Fragmente, ein Humerus, zwei Coracoide, ein Femur, Phalangen der Vorderextremität, dermale Ossifi kationen und eine Peripheralplatte sind nach Vergleichen mit Arten der Testudinidae aus Südostasien die Grundlage für Manouria sondraai n. sp. Der Fundhorizont liegt in der Laguna-Formation des basalen Pleistozän. Dieser erste Beleg einer Riesenlandschildkröte auf der betreffenden Insel veranlasst Verf. zu Betrachtungen der Besiedlung des südostasiatischen Archipels mit Landwirbeltieren. In Abhängigkeit von Absenkungen des Meeresspiegels im Pleistozän kann man Landbrücken zur Ausbreitung festländischer Populationen postulieren. Schildkröten wie Manouria konnten aber solche Bereiche nur mit kleinwüchsigen Arten überwinden, so dass die vorliegende Riesenform erst danach entstand. Gleiche Tendenzen zeigen Verf. für andere Riesen-Landschildkröten in Südostasien auf.

H. HAUBOLD

Zentralblatt Geol. Pal. T. II, Jg. 2009/5-6

Inhaltsverzeichnis top ↑

Hans-Volker Karl, Ulrich Staesche, Gottfried Tichy, Jens Lehmann
& Sabine Peitz
Systematik der Schildkröten (Anapsida: Chelonii) aus Oberjura und
Unterkreide von Nordwestdeutschland 5
Karl Staesche, Hans-Volker Karl & Ulrich Staesche
Fossile Schildkröten aus der Türkei 91
Hans-Volker Karl & Ulrich Staesche
Fossile Schildkröten- und andere Wirbeltierreste aus holozänen
Seeablagerungen in der heutigen Sahara 151
Hans-Volker Karl & Ulrich Staesche
Fossile Riesen-Landschildkröten von den Philippinen und ihre
paläogeographische Bedeutung 171