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Hans-Peter Fuchs:

Nomenklatur, Taxonomie und Systematik der Gattung Isoetes Linnaeus in geschichtlicher Betrachtung

1962. 103 Seiten, 13 Abbildungen, 17x24cm, 300 g
Language: Deutsch

(Nova Hedwigia, Beihefte, Beih. 3)

ISBN 978-3-768-25403-8, brosch.

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Die vorliegende Arbeit war ursprünglich lediglich als vorbereitende Studie zu einer kritischen pflanzengeographischen und floristischen Bearbeitung der Gefäßkryptogamen der Ossolatäler in Italien gedacht. Wegleitend war dabei die Überlegung, daß eine floristisch-phytogeographische Monographie auch eines relativ eng begrenzten Gebietes in möglichst vielen Belangen kritische Beiträge liefern sollte. (Eine solche Forderung hat eine um so größere Berechtigung, wenn es sich — wie im Falle der Ossolatäler — um ein pflanzengeographisch als Verbindungsglied zwischen ost— und westalpinen Elementen sowie zwischen insubrischem und hochalpinem Florenbezirk wichtiges Gebiet handelt. Aus diesem Grunde wurde auch auf die Nomenklatur besondere Sorgfalt verwendet, und die Benennung der zu behandelnden Taxa basiert auf der Methode der nomenklatorischen Typen. Die spezielle Problemstellung brachte es auch mit sich, daß in dieser Studie in erster Linie das Augenmerk auf die in Mittel- und Nordeuropa vorkommenden, im Gebiet der Ossolatäler im weiteren Sinne (d. h. unter Einschluß der beiden Seenbezirke des Lago Maggiore und des Lago d’Orta) tatsächlich gefundenen oder nur in der Literatur angegebenen zwei Isoätes-Arten gerichtet wurde.
Der Umstand, daß viele — um nicht zu sagen die meisten — der nach I 753 binär benannten mitteleuropäischen Taxa bereits vor diesem nomenklatorischen Stichdatum bekannt, mit multinominaler Formel benannt und beschrieben waren, brachte es mit sich, daß die Autoren mit und nach Carl Linnaeus [nach 1761 Carl von Linniä] den nach unseren heute geltenden Nomenklaturregeln erstmals gültig veröffentlichten Taxa nicht allein ein Binom zuordneten sowie eine Diagnose beifügten, sondern gleichzeitig in Form von Synonymhinweisen sich auf vorlinneische Beschreibungen bezogen. Dies bedingt jedoch heute mehr denn je ein möglichst weitgehendes und vollständiges Studium dieser vorlinneischen Autoren; nur dadurch besteht die Möglichkeit, die heute unterschiedenen Taxa eindeutig zu typisieren und zu benennen, und zwar bis hinunter zu den kleinsten infraspezifischen Einheiten.
Da im Rahmen dieser Vorstudie neben den Nachforschungen nach den verschiedenen nomenklatorischen Typen gleichzeitig auch sämtliche gedruckten und — soweit möglidm — handschriftlichen Quellen beigezogen werden mußten, wuchs die Arbeit weit über den ursprünglich vorgesehenen Rahmen hinaus und ließ eine gesonderte Publikation als wünschenswert erscheinen. Die rein historischen Tatsachen im Zusammenhang mit der Entdeckungs- und wissenschaftlidaen Entwicklungsgeschichte der Isoätiden wurden in Form einer Zeittafel als Dissertationsteildruck zur Publikation gegeben [cf. H. P. Fuchs 1959: 205—232].
Die heute vorliegende Studie muß als Versuch angesehen werden, die Typenmethode bis ins letzte Detail durchzuführen. Inwieweit die im folgenden nied‘ergelegte Arbeitsmethode auch auf andere Taxa der mitteleuropäischen Flora mit Erfolg angewandt werden kann, muß die Zukunft weisen. Immerhin scheint es, daß eine solche historisch fundierte, auf der Typenmethode aufbauende Arbeitsweise die beste Möglichkeit bietet, zu einer wissenschaftlich verantwortbaren Stabilisierung der botanischen Nomenklatur zu führen.