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Hannes Hertel:

Revision einiger Calciphiler Formenkreise der Flechtengattung Lecidea

1967. 155 Seiten, 18 Tafeln, 17x24cm, 400 g
Language: Deutsch

(Nova Hedwigia, Beihefte, Beih. 24)

ISBN 978-3-768-25424-3, brosch.

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Die von Acharius 1803 auf teilweise recht heterogene Formenkreise begründete Gattung Lecideal erhielt ihre heutige Umgrenzung (wie sie etwa bei Grummann 1963 verwendet wird) durch Th. M. Fries 1874. Dessen Gattungsgliederung — vier Untergattungen mit zahlreichen „stirpes“ (von Räsänen 1939 zu Sektionen kombiniert und von mehreren späteren Autoren in ihrer Zahl vermehrt) — blieb, gestützt vor allem auf äußerliche, chemische und, entsprechend der damaligen Optik, gröbere anatomische Merkmale, bis heute im Prinzip unverändert und unwidersprochen, sieht man von einem sonst wenig fundierten Vorschlag Choisy’s (1950) ab, der besonders der Länge der Pyknosporen hohen systematischen Wert beimißt.
Während so in der Systematik der Gattung nur geringe Fortschritte erzielt wurden, wuchs ihr Umfang ungeheuer an. Mit 1518 heute unterschiedenen Species (Grummann 1963 : 6) wurde Lecidea zur artenreichsten Flechtengattung überhaupt. Kaum ein Gebiet der Erde dürfte bekannt sein, in dem nicht Vertreter siedeln, und bezüglich der Substratwahl scheinen ebenfalls kaum Beschränkungen zu bestehen. Moderne kritische Übersichten, die ein größeres Gebiet betreffen, liegen bislang nur von Skandinavien vor (Vainio 1934; Magnusson 1952 — Schlüssel der fennoskandischen Formen: 360 Arten!).
In den Alpen waren es vor allem L. E. Schaerer, Ph. Hepp, A. v. Krempelhuber, A. Massalongo, F. Arnold und in neuerer Zeit J. Poelt, die dieser Gattung ihre Aufmerksamkeit widmeten und für das Gebiet eine Fülle von Taxa nachwiesen und neu beschrieben. Deren Zahl ist heute, vor allem auch durch die zahllosen Neubeschreibungen von W. Nylander und J. Müller Argoviensis, so angewachsen, daß auch an eine Gesamtdarstellung nur der alpinen Sippen dieser Gattung vorläufig nicht zu denken ist.
Um dieser Riesengattung aber nun beizukommen, erschien es nötig, zunächst kleinere Einheiten zu schaffen und gesondert darzustellen. Zur Abgrenzung solcher Gruppen erwiesen sich die bisher bekannten systematischen Merkmale aus mancherlei Gründen als unzureichend. Auf der Suche nach geeigneteren Merkmalen fiel die Wahl dabei auf das Substrat. (Krustenflechten zeigen nämlich durch den unmittelbaren Kontakt mit dem Gestein eine sehr hohe Substratspezifität. wie sie von anderen Pflanzengruppen in diesem Maße nicht mehr erreicht wird.) So hat vorliegende Arbeit zum Ziel, erstmals eine kritische Übersicht über jene denkbar ungenügend bekannten, alpinen, calciphilen Lecideen der Untergattung Lecidea sensu Th. M. Fries zu geben, die sich nach Zahlbruckner’s Catalogus auf über 100 Taxa verteilen, und dabei Merkmale herauszuarbeiten, die über die hier untersuchten Formenkreise hinaus einmal zur Gattungsgliederung Verwendung finden könnten.
Behandelt wurden alle Vertreter des „Subgenus Lecidea sensu Th. Fr. („Eulecidea Th. Fr.“) der Alpen, soweit sie über kalkhaltigen Gesteinen wachsen. Ausgeschlossen blieben nur ausnahmsweise auf schwach kalkhaltige Gesteine übergreifende Silikatsippen. Angesichts der vergleichsweise weiten Verbreitung vieler Flechten schien es erforderlich, auch die von Th. M. Fries und B. Lynge aus der Arktis, von W. Nylander aus den Pyrenäen, von Th. M. Fries und H. Magnusson aus Skandinavien und die von J. Nädvornik aus der Hohen Tatra beschriebenen calciphilen Taxa mit in die Untersuchung einzubeziehen. In einigen Fällen wurde auch weiteres Material aus dem übrigen Europa, der Arktis, den Rocky Mountains und asiatischen Hochgebirgen, soweit bei der Revision vorgefunden, berücksichtigt.
Dem Charakter der Arbeit entsprechend ergab sich eine Dreigliederung der Arbeitsweise: Merkmalsanalyse in Verbindung mit Untersuchung der Variabilität, Typenstudium und Geländebeobachtungen.
Vielleicht im Gegensatz zu einigen silikophilen Formenkreisen der Gattung mit unterschiedlich stark differenziertem Thallusbau kommt Lagermerkmalen hier nur untergeordnete Bedeutung zu. Dagegen liefern Anatomie, Chemismus und Ontogenie der Apothecien (vor allem in Sporen-, Ascus- und Gehäusestrukturen und den überraschend vielgestaltigen Paraphysen) wesentliche Merkmale. Geländestudien und die Vertrautheit mit Standortsverhältnissen und Vergesellschaftungen erwiesen sich als bedeutsam zur Klärung systematischer Fragen, gerade weil sich diese Flechten zur Zeit noch nicht kultivieren lassen. Reichliches Frischmaterial (24 der 30 alpinen Sippen konnten selbst gesammelt werden), das ich auf Exkursionen in die Allgäuer, Rhätischen, Lombardischen und Berner Alpen, ins Südtiroler Hochland und ins Etschbuchtgebirge, in die Nordtiroler Kalk- und Salzburger Schieferalpen sammeln konnte, erleichterte die Untersuchungen sehr wesentlich und ermöglichte in mehreren Fällen erst die Klärung systematischer Fragen.

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A. Einleitung 1
Zur Methodik 3
Zur Terminologie 4
Zu den Fundortsangaben 5
Zu den Abbildungen 6
Abkürzungen und Zeichen 7
B. Allgemeiner Teil
Morphologie und Anatomie 7
Thallus 7
Apothecien 9
Schadformen 16
Ökologie 18
Verbreitung 20
C. Spezieller Teil
Übersicht über die behandelten Arten 23
Gruppenschlüssel 24
I. Lecidea 25
subg. Lecidella 26
sect. Acrocyaneae 27
subg. Lecia’ea 35
Lecidea-umbonata-Gruppe 36
Lecidea-fessellata—Gruppe 45
Lecidea-speirea-G ruppe 5 l
subg. Haplocarpon 63
sect. Haplocarpon 63
sect. Ypocritae 69
sect. Juranae 76
subg. Carbonea 101
subg. Cephalophysis 107
Arten unsicherer systematischer Stellung lll
A. Lecidea-variegatula-Gruppe lll
B. Weitere Arten 118
II. Stenhammarella 124
Species incertae sedis 128
Nicht behandelte Arten 129
Species excludendae 130
Gesamtschlüssel 131
Literatur 138
Diskussion 146
Zusammenfassung 149
Index nominum 151