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Hanns Kreisel:

Taxonomisch-Pflanzengeographische Monographie der Gattung Bovista

1967. 244 Seiten, 70 Abbildungen, 17x24cm, 600 g
Language: Deutsch

(Nova Hedwigia, Beihefte, Beih. 25)

ISBN 978-3-768-25425-0, brosch.

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Contents

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Eine bemerkenswerte Erscheinung in der Pflanzengeographie ist der Kosmopolitismus vieler Pilzgattungen. Er findet sich nicht nur bei niederen, sondern in beträchtlichem Maße auch bei höheren Pilzen. So bekannte Gattungen wie Boletus, Paxillus, Russula, Lactarius, Rhodophyllus, Coprinus, Lepiola, Amanita, Marasmius, Lentinus, Pleurotus, Schizophyllum, Collybia, Mycena, Polyporus, Trametes, Phellinus, Thelephora, Clavaria, Ramaria, Lycoperdon, Geastrum, Cyathus und andere sind, selbst im Sinne der heutigen engen Gattungsauffassung, auf allen Kontinenten und in allen Klimazonen vertreten, wenn auch z.T. in unterschiedlicher Artenzahl. Selbst artenarme Splittergattungen wie Anellaria, Lepista, Laccaria, Ramariopsis, Pycnoporus, Mycocalia, die zweifellos ganz natürliche, phylogenetisch homogene Gruppen bilden, sind kosmopolitisch verbreitet. Wiewohl sich diese Beispiele noch beträchtlich vermehren ließen, darf andererseits nicht übersehen werden, daß nicht wenige Pilzgattungen auf bestimmte Florenreiche oder noch kleinere Gebiete beschränkt sind. Insgesamt ist jedoch der Kosmopolitismus auf Gattungsebene bei höheren Pilzen eine gewöhnliche Erscheinung, ganz im Gegensatz zu anderen Landpflanzengruppen wie den Pteridophyta (Christ 1910) und Spermatophyta (Good 1953), die nur sehr wenige kosmopolitische Gattungen aufzuweisen haben.
Das Phänomen des generischen Kosmopolitismus kann daher bei Pilzen besonders gut studiert werden; dies muß natürlich im Zusammenhang mit einer gründlichen taxonomischen Bearbeitung geschehen. Es erschien mir lohnend, die taxonomisch-chorologische Gliederung einer solchen Gattung zu untersuchen und dabei die in der Spermatophytentaxonomie gebräuchliche geographisch-morphologische Methode (Wettstein 1898) anzuwenden, zumal derartige Untersuchungen an Pilzen noch nicht vorliegen.
Meine Wahl fiel auf die Gattung Bovista Pers. ex Pers.‚ und zwar aus folgenden Gründen:
1. Es handelt sich um eine kosmopolitische Gattung mit einer mittleren, überschaubaren Artenzahl.
2. Die Fruchtkörper sind verhältnismäßig leicht zu herbarisieren und nach Herbarmaterial zu bestimmen; die Beschaffung und Beurteilung des notwendigen Studienmaterials aus allen Erdteilen ist daher wesentlich leichter als z. B. bei Blätterpilzen.
3. Aus dem gleichen Grunde sind die Typuskollektionen der einzelnen Taxa vollständiger vorhanden und sicherer zu beurteilen als bei vielen anderen Pilzgruppen.
4. Die Gattung bot eine Fülle von taxonomischen und nomenklatorischen Problemen, so daß auch in dieser Hinsicht neue Ergebnisse zu erwarten waren.
5. Frühere Untersuchungen an mitteleuropäischen Vertretern (Kreisel 1962) hatten mir bereits gezeigt, daß die Arten pflanzengeographisch deutlich differenziert sind.
Schließlich verdient erwähnt zu werden, daß die Gattung Bovista der Familie Lycoperdaceae angehört, welche in jüngster Zeit durch die Entdeckung eines Antitumor-Antibiotikums (Calvacin: Roland et a1. 1960, Beneke 1963) ein gewisses praktisches Interesse gewonnen hat. Bisher wurde Calvacin bei Arten der Gattung Calvatia, Fr. i.w.S. gefunden, die zu Bovista enge phylogenetische Beziehungen hat, wie noch gezeigt werden wird.
Die Untersuchungen gliedern sich in einen taxonomischen Teil, welcher die Bewertung der Merkmale, die Abgrenzung und Gruppierung der Arten zum Ziel hat, und einen chorologischen Teil, welcher die Areale der unterschiedenen Sippen vergleicht, die Ursprungs- und Mannigfaltigkeitszentren herausstellt und die Arealentwicklung zu deuten versucht. Aus beiden Teilen ergibt sich schließlich eine phylo- genetische Konzeption.

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1. Einleitung 1
2. Material 3
3. Historischer Abriß 5
3.1 Die Aufstellung der Gattung Bovista 5
3.2 Abgrenzung auf rein morphologischer Basis 7
3.3 Abgrenzungen unter Berücksichtigung mikroskopischer Merkmale 8
3.4 Floristische Erforschung 12
4. Taxonomischer Teil 16
4.1 Definition und Abgrenzung der Gattung Bovista 16
4.2 Merkmalsanalyse 21
4.21 Größe und Form der Fruchtkörper 21
4.22 Exoperidie 21
4.23 Endoperidie 24
4.24 Gleba 26
4.25 Subgleba 26
4.26 Paracapillitium 27
4.27 Capillitium 27
4.28 Basidien, Sterigmen und Sporen 33
4.29 Myzelstränge 36
4.3 Entwicklungsgeschichte 37
4.31 Kernphasen 37
4.32 Entwicklung der Fruchtkörper 39
4.4 Gliederung der Gattung 42
4.41 Frühere Gliederungsversuche 42
4.42 Natürliche Gliederung der Gattung 44
4.43 Gattungsübersicht 45
4.5 Schlüssel zu den Arten 47
4.6 Beschreibung der Sippen 52
4.61 Subgenus Globaria 52
4.611 Sectio Lagoperdon 53
4.6111 Series Trachysporae 53
4.6112 Series Pusillae 57
4.6113 Series Asperae 71
4.612 Sectio Xyloperdon 83
4.613 Sectio Globaria 88
4.6131 Series Albosquamosae 89
4.6132 Series Polymorphae 102
4.614 Sectio Geastrostoma 116
4.62 Subgenus Bovista 1 20
4.621 Scctio Nanobovista 120
4.6211 Scries Fuscae 120
4.6212 Series Globisporae 134
4.6213 Series Ovisporae 143
4.622 Sectio Bovista 150
4.7 Species excludendae 171
4.8 Species dubiae 176
4.9 Zusammenfassung 177
5. Pflanzengeographischer Teil 178
5.1 Allgemeines zur Chorologie der Pilze 178
5.11 Die Größe der Areale 178
5.12 Faktoren, welche die Arealgrenzen bestimmen 182
5.2 Die Areale der Gattung Bovista 183
5.21 Das Gattungsareal 183
5.22 Die Areale der Untergattungen, Sektionen und Serien 184
5.23 Die Areale der Arten 186
5.231 Areale des holarktischen Florenreiches 186
5.232 Areale der tropischen Florenreiche 188
5.233 Areale der südlichen Florenreiche 189
5.234 Nicht-zonale Areale 189
5.3 Die Areale als Ausdruck der Sippengeschichte 190
5.31 Erläuterung der geographisch-morphologischen Methode 190
5.32 Anwendung der Methode auf die Gattung Booista 193
5.321 Selbständigkeit der Arten 193
5.322 Isoporien 193
5.323 Isocharakteren 195
5.4 Zusammenfassung 197
6. Phylogenetischer Teil 198
6.1 Die Stellung der Gattung Bovista innerhalb der Lycoperdaceae 198
6.2 Pflanzengeographische Betrachtungen zur Evolution der Lycoperdaceae 205
6.3 Die Evolution der Gattung Bovista 207
6.31 Die Evolution der morphologischen Merkmale 207
6.32 Die ökologische Evolution 210
6.33 Die Evolution des Subgenus Globaria 211
6.34 Die Evolution des Subgenus Bootsta 214
6.35 Die Evolution in Raum und Zeit 217
6.4 Zusammenfassung 221
7. Diagnosen der neuen Taxa 222
8. English Translation of "the Keys 226
8.1 Key to the Genera of the Lycoperdaccae 226
8.2 Key to the Species of Bovista 227
9. Literaturverzeichnis 232
10. Nachträge 239
11. Register 241