Original paper

Subsidenz-Entwicklung im Kantabrischen Variszikum und an passiven Kontinentalrändern der Kreide — Vergleichsfälle? Versuch einer Antwort. [Subsidence Development in the Variscan Cantabrian Orogen and at Cretaceous Passive Continental Margins — Are they Comparable? A Reply

Kullmann, J.; Schönenberg, R.; Wiedmann, J.

Kurzfassung

Das Thema des Kolloquiums betrifft eine Frage an die „vergleichende Geodynamik“. Bei dem Versuch, die Antworten auf diese Frage zu Papier zu bringen, stützen wir uns zwar in erster Linie auf die Beiträge und Diskussionen des Kolloquiums, beziehen aber auch manche Anregungen ein, die uns während der Druckvorbereitung zuteil wurden. In diesem Sinne sind vor allem die Beiträge des 26. Intern. Geologenkongresses in Paris 1980 und der 1982 erschienene Band „Geology of the Northwest African Continental Margin“ (herausgegeben von v. Rad, Flinz, Sarnthein & Seibold) zu nennen. Sehr hilfreich war für uns die Diskussion der geodynamischen Aspekte mit unseren Tübinger Kollegen W. Frisch und J. Loeschke. Wir zählen im folgenden zunächst unsere Ausgangspunkte für die Möglichkeit auf, die Subsidenzentwicklung des Kantabrischen Variszikums mit derjenigen der marokkanisch-iberisch-westmediterranen Kreide zu vergleichen. Es handelt sich dabei um die folgenden Übereinstimmungen: 1) In beiden Fällen handelt es sich unstreitig um kontinentale Kruste und somit um „intrakontinentale“ bzw. „ensialische“ Sedimentationsbecken. 2) Der Magmatismus ist gering oder fehlt ganz. Eine Ausnahme macht die Kreide der Baskischen Ketten. 3) Für die Subsidenzentwicklung ist in beiden Fällen die Aufeinanderfolge von Karbonatplattformen mit Riffen und deltaartigen Sandschüttungen charakteristisch. 4) Die Subsidenzentwicklung mündet — z. T. nach einer Flyschphase — in ± alpinotype Orogenese. Dies gilt nicht für die NW-afrikanischcn Küstenbecken. 5) Überall ist vor Einsetzen des Flyschs ein „Nivellierungs-Stadium“ ausgebildet mit geringmächtiger, monotoner, kondensierter pelitisch-kieseligkalkiger Sedimentation ohne nennenswerte terrigene Zufuhr. Hierzu zählen auch Schwarzschiefer-Vorkommen. 6) Dem variszischen „Nivellierungs-Stadium“ im Unterkarbon geht das globale Erlöschen der riffbauenden Korallen und vieler anderer Riffbesiedler am Ende der Frasne-Stufe voraus. Ähnliches gilt für die riffbauenden Organismen in der Mittelkreide. 7) Das kretazische „Nivellierungs-Stadium“ entspricht der weltweit verbreiteten mittel-oberkretazischen Transgression (als „mid-Cretaceous Event“). Sie wird auf die Aufwölbung und Verbreiterung des Mittelatlantischen Rückens zurückgeführt. Aus Oberdevon und Unterkarbon sind ebenfalls weltweite Transgressionen bekannt — ob hier eine vergleichbare Ursache zu Grunde liegt, bleibt eine offene Frage.

Keywords

Meeting (Tübingen 1980) • Cretaceous • subsidence • shelf • platform • reef • limestone • silexite (phthanite) • black shale • condensation • delta • paleogeography • passive margins • rift • plate tectonics • critical review; Spain • Morocco