Field trip guide

Exkursion in das Fluvioglazial und die Endmoräne am Osning, 8. August 1952

[Field trip to fluvioglacial deposits and the terminal morain at the Osning Mtn., August 8, 1952]

Keller, G.

Kurzfassung

Von der Paßhöhe an der Straße über den Teutoburger Wald bei Iburg bot sich ein Überblick über das Exkursionsgebiet vor der Iburger Pforte mit einer Reihe von baumbestandenen Hügelzügen. An dem zuerst besuchten Laerer Karne konnte die Schüttungsrichtung aus der Neigung der Schrägschichtung und der Einregelung plattiger Kalkgerölle des 8 km entfernten Teutoburger Waldes erkannt werden. Die ehemalige Strömungsrichtung verläuft parallel zu der Längserstreckung des 2,5 km langen Hügels. Verstellungen von papierdünn geschichteten Schluffbänken zeigten, daß diese aus ihrer ursprünglichen horizontalen Lage herausgedreht waren. Die durch die heutige Lage im Raum angedeuteten Texturen sind weder jugendlicher tektonischer Art noch durch Eisdruck entstanden, sondern durch das Fortschmelzen der Eisenunterlage bedingt. Es war festzustellen, daß das morphologische Bild der heutigen Hügelform alt und von Erosion unabhängig ist, wie kryoturbate Erscheinungen, insbesondere das Vorkommen einiger unverzerrter Brodeltöpfe auf der primär breit angelegten Hügelkuppe, zeigten. Gegenüber diesen für Karnes typischen Texturen ist der Evenbrink dicht vor der Iburger Pforte quer zu seinem Streichen angeschuppt, indem die ursprünglich horizontal abgesetzten Sande und Kiese mit 40—80° in der Stoßrichtung des Eises und vor diesem von rückwärts her hochgedrückt sind. Der Evenbrink ist die einzige Stelle, die auf der 70 km langen Strecke des nordwestlichen Osnings übrigbleibt, wo von einer endmoränenartigen Textur gesprochen werden kann. Die Vorstellung einer Endmoränenlage entlang dem Teutoburger Wald und die Aufstellung eines besonderen Stadiums ist durch dieses eine kleine Vorkommen weder zu begründen noch aufrechtzuerhalten. Vom Kamme des Teutoburger Waldes läuft westlich von Iburg eine Kette von schmalen Hügeln nach Süden ab, die aus schmalen Kieskuppen über Sockeln aus feineren Sanden bestehen. Fließrichtung, Einregelung der Schotter und sogar das Gefälle der Schotterbasis geben die Strömung senkrecht zum ehemals etwa ostwestverlaufenden Eisrand der Saaleeiszeit an. Die Gratform der Hügel läßt den Zug als einen Oos erkennen, der von seiner Wurzel bis zu seinem Ende mit mehreren Sand- und Kiesgruben abgegangen wurde. Die gewölbeartige Textur mit dem Herunterklappen der Seiten beim Forttauen des Toteises mit einer gleichgerichteten Abschiebung konnte in einem frischen Einschnitt quer zur Hügelrichtung südlich der Landstraße erläutert werden. Bei Lienen wurde ein ursprünglich zur Osning-Endmoräne gestellter Sandhügel aufgesucht, der sich als aus Vorschüttungssanden unter konkordant überlagernder saaleeiszeitlicher Grundmoräne bestehend erwies. Fluviatile Sand- und Kieskuppen, die sich einerseits wegen ihrer Lage zur Niederterrasse als vor-weichseleiszeitlich, andererseits wegen ihrer Beziehung zum Glazial der Saaleeiszeit als nach dieser entstanden zu erkennen geben, stellen in ihrer Verbreitung von der Morphologie abhängiges Fluviatil des Saale-Weichsel-Interglazials dar. Von diesen Hügeln wurde der Brochterbeck gezeigt, der nicht nur vor einer Ausräumung des Teutoburger Waldes, sondern vor dem einzigen Durchbruchstal seiner 50 km langen Nordweststrecke liegt. Dieses Durchbruchstal kann nur dem Vorhandensein großer Schmelzwassermassen zugeschrieben werden, die sich aber eine petrographisch sehr ungünstige Stelle aussuchten. Der normale Wasserabfluß reichte zu der sehr intensiven Erosionswirkung nicht aus, wie aus dem damaligen Einzugsgebiet zwei weitere Wrasserläufe von Brochterbeck zu erkennen ist. Die Auswahl der Durchbruchsstelle war offenbar vorbestimmt durch das Toteis, auf dem sich zunächst die abströmenden Schmelzwässer einschnitten und konsequent das epigenetische Tal schufen. Zum Abschluß führte der Exkursionsweg auf die Südseite des Schafberges, wo eine sehr eindrucksvolle Kameslandschaft mit 13 Einzelhügeln liegt. Von den im allgemeinen gut aufgeschlossenen Sand- und Kieshügeln wurde der Hügel bei dem Hof Hofberg aufgesucht. Aufschlüsse auf der Süd- und Nordseite zeigen zunächst die Schüttungsbilder und Texturen als abhängig von der Hügelform. An dem Nordende des Hügels sind sogar die auskeilenden Schichten in der Längserstreckung des Hügels heruntergeklappt und machen für die Erosionsrinne im Toteis eine in der Länge gestreckte ovale Hohlform deutlich. Als besondere Eigentümlichkeit ließ sich an diesem Hügel das Vorkommen mauerartig senkrecht hochgepreßter Geschiebelehmkeile zeigen. Es ist das einzige bisher in Westdeutschland bekannte Vorkommen eines Kernkames.