Cover image of: Thomas S. Lechner; Madelaine Böhme - The early Late Miocene hominid locality Hammerschmiede (Bavaria, Southern Germany) excavation, stratigraphy, and taphonomic insights
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Thomas S. Lechner; Madelaine Böhme:

The early Late Miocene hominid locality Hammerschmiede (Bavaria, Southern Germany)

excavation, stratigraphy, and taphonomic insights

2025. 97 pages, 74 figures, 5 tables, 21x30cm, 540 g
Language: English

(Senckenberg Monographs, Volume 2)

ISBN 978-3-510-61430-1, paperback, price: 37.90 €

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Keywords

fossil finds • sediment • microfossil • vertebrate • biodiversity • mammals

Contents

Synopsis top ↑

The early Late Miocene fossil site of Hammerschmiede (Hammerschmiede Clay Pit,Pforzen, Bavaria, Germany), known for more than fifty years, has revealed unprecedented insights through recent excavations by the University of Tübingen. Since 2011, and especially after 2017 with enhanced methods, the number of fossil finds has increased in both quality and quantity, enabling detailed spatial and taphonomic studies.
The site’s sedimentary sequence, gently dipping northward, comprises seven fossil-bearing layers dated to 11.62–11.56 million years ago at the base of the Tortonian stage. Current research focuses on two distinct fluvial deposits: HAM4, a dynamic meandering river, and HAM5, a smaller, stable rivulet. Differences in fauna, microfossils and charcoal point to contrasting environments, with HAM4 reflecting a fire-prone, sparsely wooded riparian landscape and HAM5 a denser, more sheltered habitat. Both water bodies featured clean, oxygen-rich conditions, supporting diverse aquatic life including giant salamanders and unionid mussels. Complex bone accumulations reveal episodic carcass input and varied preservation, linked to flow dynamics and sediment composition.
Hammerschmiede’s exceptionally high vertebrate biodiversity – 151 species, including 86 mammals – offers a rare window into Late Miocene ecosystems with high temporal resolution, bridging fossil and modern biodiversity. This monograph highlights the significance of detailed stratigraphic and taphonomic documentation for understanding past climates and ecological dynamics.

Rezension in Naturkundliche Infos 04/2026 top ↑

„Die „Tongrube Hammerschmiede“ ist eine ehemalige Ziegelei und ein Ortsteil von der Gemeinde Pforzen nördlich von Kaufbeuren im bayerischen Allgäu und zählt zu den bedeutendsten Fundstellen des späten Miozäns. Bislang konnten 115 Arten identifiziert werden, u.a. sowohl Flussbewohner wie z. B. Wels, Hecht, Karpfen, Riesensalamander, Olm, Schnappschildkröte, Weichschildkröte, Flussschildkröte, Biber, otterartige Raubtiere, als auch Bewohner der Tümpelgebiete der Aue wie Molch, Scheibenzüngler, Kröte, Wasserfrosch, Laubfrosch, Krötenfrosch, Doppelschleiche, Eidechse, Skink, Schleiche, Natter oder Sumpfschildkröte. Unter den Säugetierarten fanden sich besonders zahlreich Insektenfresser, Nagetiere, Hasen, Rüsseltiere, Nashörner, Waldpferde, Krallentiere, Schweine, Hirsche, Hirschferkel, Moschustiere, Waldantilopen, Hundebären, Marder, Säbelzahnkatze und Panda. Darüber hinaus konnten auch Primaten nachgewiesen werden, welche zwei Arten angehören: ein geschwänzter Affe und ein Menschenaffe. Es handelt sich um die erste Menschenaffen-Fundstelle im nordalpinen Vorlandbecken. Durch die Entdeckung des Menschenaffen Danuvius guggenmosi und die damit verbundenen Hinweise zur Entwicklung des aufrechten Gangs erhielt die Fossillagerstätte internationale Aufmerksamkeit. Danuvius guggenmosi wird als missing link der menschlichen Evolution beschrieben und repräsentiert nach Ansicht der Autoren ein Modell des letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffen, das die Fähigkeit zum aufrechten Gang mit Anpassungen zum langsamen Klettern in Bäumen kombiniert.

Die 2025 in der Reihe „Senckenberg Monographs“ veröffentlichte Gesamtauswertung des Fundmaterials und der Grabungsdokumentation liefert neue Erkenntnisse zur Entstehung des Fossilhorizonts der Hammerschmiede sowie zu den damaligen Ökosystemen und ihrer außergewöhnlichen Biodiversität vor rund 11,6 Millionen Jahren. Die Ergebnisse zeigen nicht nur, wie dynamisch die Landschaften jener Zeit waren, sondern eröffnen zudem völlig neue Möglichkeiten ökologische Prozesse der Vergangenheit mit zeitlicher Präzision im Bereich weniger Jahrhunderte nachzuvollziehen. Die knapp 100 Seiten starke Publikation in englischer Sprache unterstreicht die Bedeutung einer detaillierten stratigraphischen und taphonomischen Dokumentation für das Verständnis vergangener Klimata und ökologischer Dynamiken.“

Die Publikation richtet sich eher an ein Fachpublikum, aber selbst wer nicht besonders firm in paläoanthropologischer Forschung ist, findet faszinierende Aspekte, hier sind neben der Kombination aus Regionalbezug und internationalem Impact insbesondere die Möglichkeit zur zeitlich hohen Auflösung und Genauigkeit über eine Zuordnung einzelner Mäanderschleifen in den Ablagerungen sowie die detaillierte Beschreibung der paläoklimatologischen Bedingungen zu nennen.

Hans Hanebeck

Rezension in Fossilien 2026/3 top ↑

Die Molassefundstelle „Hammerschmiede“, bei Kaufbeuren im bayerischen Allgäu gelegen, hat in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht. Gleich zwei verschiedene Arten obermiozäner Menschenaffen wurden von dort beschrieben, erst Danuvius guggenmosi – bekannt unter dem Spitznamen „Udo“ – und später Buronius manfredschmidi. Zwar war die aktive Tongrube schon lange als Fossilfundstelle bekannt, aber erst die langjährigen Grabungskampagnen der Tübinger Paläontologin Madelaine Böhme rückten sie ins Licht. Jetzt hat der aktuelle technische Grabungsleiter Thomas Lechner zusammen mit ihr einen Zwischenbericht über die Grabungen zusammengestellt, der internationalen Bedeutung halber in englischer Sprache. Wir erfahren darin viele Details über die Erforschungsgeschichte, die zunächst von Amateurpaläontologen ausging, die Rekonstruktion der Ablagerungsgeometrie eines mäandrierenden Flusses und die speziellen Grabungstechniken, die solchen in der Archäologie ähneln, und den stratigraphischen Kontext. Zur Aufbereitung von voluminösem Probenmaterial vor Ort wurde eigens die Nassschlämmmaschine „Rosie“ konstruiert. Ansonsten werden Funde, deren Zahl mittlerweile in die Zehntausende geht, in einem dreidimensionalen Raster eingemessen. In einer Liste sind die bisher nachgewiesenen tierischen Taxa zusammengestellt. Einige davon wurden erstmals von dort beschrieben.
Außer Wirbeltieren sind u. a. auch Muscheln und Schnecken zu verzeichnen, wobei am Lebensort eingebettete Flussperlmuscheln eine Rekonstruktion der Fließrichtung ermöglichen. Auch Koprolithen und verschiedene andere Ichnofossilien wurden bestens dokumentiert. Die Erforschung der Fundstelle wird generell multidisziplinär angegangen. Im Fokus stehen die Taphonomie und Paläoökologie der Wirbeltierfossilien, aber auch sedimentologische und mineralogische Aspekte – einschließlich einer leichten Uranmineralisation – dienen dem Gesamtverständnis und werden nicht unterschlagen. Im Unterschied zu einer Konservatlagerstätte sind die Wirbeltierfossilien meistens stark zerfallen, oft durch Auflast oder andere Ursachen zerdrückt und die Knochen fast immer ein Stück weit verfrachtet, bei den größeren Säugetieren aber in vielen Fällen trotzdem noch konkreten Individuen zuzuordnen. Die vielen Grafiken und Fotos in guter Qualität erläutern die geschilderten Befunde weitaus anschaulicher als die mitunter zu langen Satzkonstruktionen, die durch eingeschaltete Zitate und die Komplexität der Sachverhalte ohne Insiderwissen schwer verständlich sind. Zumindest die Abbildungen hätte man fortlaufend durchnummerieren können, anstatt sie in die Hierarchie der Kapitel einzubinden. Erstaunlicherweise werden nur sehr wenige Fossilien beispielhaft abgebildet. Hier soll vermutlich geplanten Publikationen nicht vorgegriffen werden.
Für Nicht-Spezialisten sind die Fossilnamen alleine reichlich abstrakt, auch wenn versucht wird, rezente Trivialnamen für die Tiergruppen zu verwenden. In einer Literaturliste entdeckt man, wie viele Arbeiten bereits über die Hammerschmiede und die dort geborgenen Fossilgruppen publiziert worden sind. Der Erfolg der Grabungen ist zweifellos der wissenschaftlichen Neugierde und Hartnäckigkeit der Projektleiterin zu verdanken, aber Geldgeber, die zahlreichen bei der Ausgrabung eingebundenen Studierenden und sonstigen Helfer und nicht zuletzt die Kooperationsbereitschaft der Grubenbetreiber trugen ebenfalls dazu bei. Mit dem gedruckten Bericht kann man solchen Kooperationspartnern etwas in die Hand geben und andererseits methodische Anregungen für ähnliche Projekte geben – wenngleich jede Fundstelle ihre ganz speziellen Erfordernisse haben dürfte. Dies sind zumindest meine persönlichen Vermutungen zur Motivation dieses Berichts. Die Autoren hätten sich hierzu in einem Vorwort äußern und die Zielgruppen des Berichts konkret benennen können. Leider Fehlanzeige.

Günter Schweigert

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Abstract 5
1 Introduction 6
1.1 Research history of the Hammerschmiede locality 7
1.2 Introduction to taphonomy 9
2 Excavation and documentation methods 11
2.1 Excavation techniques and historical review 11
2.2 Wet sieving 11
2.3 Processing of the wet sieve residues 14
2.4 Documentation of finds 14
2.5 Excavation crew 16
2.6 Sample deposition 16
2.7 Quantity of material 16
3 Geology and stratigraphy of the clay pit Hammerschmiede 17
3.1 Fossiliferous horizons of Hammerschmiede 21
3.2 The channel HAM4 22
3.3 The channel HAM5 24
3.4 Update of the age model 26
4 Palaeontology ? faunal list of the Hammerschmiede 30
5 Taphonomy 33
5.1 Area of excavation and documentation 33
5.2 Preserved material types 3
5.3 Spatial distribution of finds (large scale) 45
5.4 Spatial distribution of finds (small scale) 46
5.5 Reconstruction of flow direction 47
5.6 Syn- and postgenetic processes 51
5.7 Microfossil taphonomy of HAM5 and HAM4 55
5.8 Case studies in large Mammal Biostratinomy 63
5.9 Biogenic bone modifications and possible producers 78
6 Conclusion and outlook 88
Acknowledgements 92
References 92