Färberpflanzen
Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin
2009. 321 Seiten, 22 Tabellen, 130 Farbabb. , 25x18cm, 910 g
Language: German
ISBN 978-3-510-65258-7, gebunden, price: 39.50 €
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Keywords
Plants • dye • fabric • dyeing • colours • Pflanzenfarben • Naturfarben • Henna • Blütenfarbe • Küpenfarbstoff • Indigo • Hausfärberei • Heilpflanzen • Naturfarbstoff • farbstoffpflanze • dyes • mordant • natural dye • pflanzenfarbe • vegetable dyeContents
InhaltsbeschreibungBespr.: Darmstädter-Echo vom 22.11.2009
Bespr.: verfilzt und zugenäht 2/10 Heft 26
Bespr.: Offenbach-Post 18.12.2009
Bespr.: weben Heft 1/2010, 54.Jg.
Bespr.: www.preetoriusstiftung.de
Bespr.: LEBENSART Juli 2010
Bespr.: Bauernzeitung 29. Woche
Bespr.: Grüner Anzeiger 5/10
Rezension: Freude am Garten Nr. 6, November/Dezember 2010
Bespr.: Zeitschrift für Arznei- und Gewürzpflanzen, Ausg. 4, Dez. 2010, 15. Jg.
Bespr.: Dieburger Anzeiger 02.01.2010
Bespr.: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 81, 2011
Inhaltsverzeichnis
In seinem Buch beschreibt er 117 Färberpflanzen, erklärt die Zusammensetzung der Farbstoffe, deren Vorkommen in den Pflanzen und erläutert die Färbeprozesse für verschiedene Textilien. Biologen, Nutzpflanzenkundler, Pflanzenliebhaber, Museums und Heilpädagogen werden die ganzseitigen, durchgehend farbigen Fotos für jede Färberpflanze ebenso zu schätzen wissen wie die detaillierten Beschreibungen ihres Vorkommens, ihrer Historie, ihrer Verwendung und Dosierung als Färbemittel und ihrer medizinischen Anwendungsgebiete auf der jeweils nebenstehenden Seite. Das Buch eröffnet dem Leser die Möglichkeit, selbst Pflanzenfärbungen auf Textilien oder Papier vorzunehmen, und ist daher eine Fundgrube für Künstler, Restauratoren, Textildesigner, Färber, Wollhändler und Pädagogen.
Die unendliche Farbenpracht bietet eigentlich jedem von uns eine passende Färbung. Aber etwas Einzigartiges soll es sein, was sich stimmig ins Werk einfügt. Um der eigenen Arbeit einen unvergleichlichen Farbton zu geben, führen viele Wege ans Ziel. Aufschlussreich kann ein Blick in die Natur sein, bevor man zu synthetischen Mitteln greift. Pflanzen sind oft ein hervorragender, natürlicher Farbstoff. Das kann also schon einen gewissen Reiz haben – doch wo soll man beginnen? Welche Pflanze erzeugt welche Färbung? Und wie muss man dabei vorgehen? Um solche Fragen zu beantworten, hat Eberhard Prinz dieses Buch geschrieben.
Dabei herausgekommen ist eine umfassende Darstellung von 117 Pflanzen. Einleitend stellt der Autor Naturfarbstoffe und den Färbevorgang im Allgemeinen dar. Dabei geht er zum Beispiel auch darauf ein, wann die beste Zeit zum Sammeln der Pflanzen ist, wie giftig sie eventuell sind und wie die Pflanzen sich nach Farbtönen ordnen lassen. Dann folgen Einzeldarstellungen der Pflanzen auf jeweils einer Doppelseite. Das geschieht natürlich alphabetisch geordnet, ungewöhnlich ist jedoch, dass dabei nach den botanischen Bezeichnungen vorgegangen wird. Das ist nicht jedermanns Sache – glücklicherweise gibt es ein Sachregister, das auch die deutschen Bezeichnungen enthält. In den einzelnen Artikeln erklärt der Autor immer prägnant und verständlich, welche Farbeigenschaften die einzelnen Pflanzen haben und wie man diese am besten nutzt. Zudem beschreibt er auch kurz ihre Geschichte als Nutzpflanze, ihre Bedeutung für die Medizin, ihre Stellung in den Kulturen dieser Welt – kurz gesagt alles, was einem ein gutes Allgemeinwissen über die Pflanze vermittelt. Eberhard Prinz gelingt es, immer auf das Wichtigste einzugehen. Schöne, farbenprächtige Fotos geben den Artikeln eine wunderbare Optik und runden sie gelungen ab. Ø Das Buch setzt zwei Schwerpunkte: Zum einen die theoretische Seite, die auch für Pflanzenliebhaber, Biologen oder Heilpädagogen interessant ist, zum anderen die praktische Seite mit den Färbeanleitungen, die für Textildesigner und Hobbyfärber gedacht sind. Und tatsächlich, hier gibt es wirklich für jeden etwas zu finden. Einziger Wermutstropfen: Günstig ist das Buch nicht gerade. Allerdings bekommt man für das Geld ein höchst informatives, gut geschriebenes und ansprechendes Nachschlagewerk – was die Sache zu einer lohnenswerten Anschaffung macht.
Konstantin Niehaus
verfilzt und zugenäht 2/10 Heft 26, Seite 53In seinem Buch „Färbepflanzen“ porträtiert Eberhard Prinz 117 Pflanzen. Hier sind Informationen über deren frühere Bedeutung als Färbe-, Nutz- und Heilpflanzen versammelt. Es wird deutlich, wieviel Wissen und Erfahrung auf diesem Sektor zu verschwinden drohen, besonders beim Thema Pflanzenfarben . Die industriellen Färbeprozesse basieren im wesentlichen auf der Verwendung von synthetischen Farben.
E.Prinz hat in seinem Buch Informationen über die unterschiedliche Anwendung verschiedener Pflanzen zusammengetragen. Neben den Färbeeigenschaften geht er auch auf die medizinische und kulturelle Nutzung ein. Die ganzseitigen Farbfotografien erlauben eine klare Bestimmung der Pflanzen. Das Buch ist nicht in erster Linie als Anleitung zum Färben zu sehen, sondern vielmehr als spannender Einstieg in die vielfältige Welt der Botanik mit ihrem breit angelegten Spektrum diverser Anwendungsgebiete.
So finden sich Kapitel über die Bedeutung von Färbepflanzen, Beispiele von Farbstoffgruppe in Pflanzen ( Carotinoide, Anthocyane, Gallotannine u.a.m.) und in welchen Pflanzenteilen sie zu finden sind. Aber auch ihre Wirkung in medizinischer und „färberischer“ Hinsicht, als Heilpflanzen und auch als Giftpflanzen wird beleuchtet.
Die richtigen Sammelzeiten , Beizen für Naturfarben, Tabellen der Pflanzenfarben, aufgeteilt in verschiedene Farbtöne (Gelbtöne, Rottöne, Grüntöne, Orangetöne, Blautöne, Violett, Schwarz, Braun und Grau.) und die Geschichte der Färberei sind weitere Aspekte auf die der Autor eingeht.
„Färbepflanzen“ ist ein interessantes und informatives Buch für Biologen, Pflanzenliebhaber, Restauratoren, Textilinteressierte, Färber und Pädagogen. Nicht zuletzt aber auch für Weber die Garne in ganz individueller, einzigartiger Farbpalette herstellen oder benutzen möchten.
weben Heft 1/2010, 54. Jg.
Der Zauber eines alten Teppichs ist schwer zu beschreiben. Die leuchtenden, harmonischen Farben, die Faszination der Zeichnung, die Schönheit der Musterkomposition und die geheimnisvolle, unergründliche Welt der Musterdeutung, alles zusammen trägt zum Zauber bei. Lässt man das Muster beiseite, bleiben die Farben. Mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass die wahrgenommenen Farben nur das vom Spektrum des Sonnenlichts oder einer anderen Lichtquelle von der verschieden eingefärbten Wolle des Teppichs reflektierte Restlicht ist, das über das Auge in unserem Gehirn den Sinneseindruck der Farben erzeugt, ist dieser Zauber noch nicht erklärt. Was also ist ursächlich für die wohltuende Sanftheit einer Farbe und die vom Zusammenspiel mehrerer Farben vermittelte Harmonie? Die Antwort ist klar: Es sind die aus der Natur gewonnenen Farbstoffe, die die vielfältigen Farben und Farbnuancen alter Teppiche ausmachen, das Ergebnis einer jahrtausendealten Färbekunst. Der überraschende und schier unendliche Reichtum dieser Naturfarben wurde, wie man heute weiß, mit nur wenigen Färbedrogen hergestellt, in denen nicht einmal dreißig verschiedene Naturfarbstoffe enthalten sind – ein Nichts im Vergleich zu den etwa 2000 künstlichen Farbstoffen, die seit William Henry Perkins Synthese des Mauvein, dem ersten Anilinfarbstoff im Jahre 1856 in den Laboratorien der Welt entwickelt worden sind. Und doch begann mit dem Mauvein der unaufhaltsame Niedergang der Naturfärberei, der schließlich dazu führte, dass altes Wissen um die Eignung bestimmter Pflanzen zum Färben und das Know How über die zum Teil hochkomplizierten Verfahren des Färbens mehr und mehr verloren gingen. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Naturfarbstoffen begonnen ebenso wie mit dem Versuch, altes Wissen durch Feldforschung aufzufinden, zu dokumentieren und wieder zu beleben. Harald Böhmer und Helmut Schweppe sind hier an erster Stelle zu nennen. Ihre einschlägigen Publikationen sind aber entweder sehr wissenschaftlich und teuer (Schweppe, Handbuch der Naturfarbstoffe, 1993) oder längst vergriffen (Böhmer, Die chemische und botanische Untersuchung der Farben in anatolischen Teppichen in „Teppiche der Bauen und Nomaden in Anatolien, 1980). Das vorliegende Buch von Eberhard Prinz über Färberpflanzen fasst dieses Wissen über etwa 10 Dutzend Färberpflanzen zusammen, erläutert Begriffe und Färbeverfahren und vermittelt auch noch die überraschende Information, dass eigentlich alle Färberpflanzen auch Heilwirkungen besitzen. Besonders hervorzuheben ist, dass jede Pflanze in wundervollen Farbfotografien ganzseitig abgebildet ist und dass konkrete Rezepte für eigene Färbeversuche abgedruckt sind. Dass die Informationen über die Chemie der Naturfarbstoffe eher knapp und pauschal ausfallen, wird den Laien nicht stören. Zum Thema ‚Zauber eines alten Teppichs’ ist hier noch die Information wichtig, dass Färberpflanzen immer eine Reihe verschiedener Farbstoffverbindungen enthalten. Im Ergebnis heißt das, dass Naturfarben aus chemischer Sicht niemals „reine“ Farben sind, sondern zumindest Spuren von anderen Farbstoffen enthalten, die das Färbeergebnis beeinflussen. Es sei hier die These vertreten, dass dieser Farbstoffmix der Färberpflanzen eine wesentliche Ursache für die Schönheit von Naturfarben ist und dafür, dass auch ganz unterschiedliche oder in der Theorie für unser Auge schwer verträgliche Farben dennoch miteinander Farbharmonien bilden können. Und dieser Farbstoffmix, das Nebeneinander verschiedener Farbstoffe in einer Färberpflanze ist nun wieder abhängig von der Jahreszeit der Ernte, dem Standort und den Bodenverhältnissen, dem Alter und dem Entwicklungsstadium der Pflanze. Wenn man dann noch die Faktoren berücksichtigt, die beim komplizierten Färbevorgang das Ergebnis beeinflussen können, als da sind das unterschiedliche Beizen und Vorbeizen des zu färbenden Materials, die Wasserqualität und Wasserhärte, die Menge des verwendeten Pflanzenmaterials, Dauer und Temperatur des Färbevorgangs und anderes mehr, wird vollends klar, dass das Färben mit synthetischen Farbstoffen zwar kalkulierbarer ist aber die niemals Vielfalt der Naturfärberei erreichen kann. Da, wie man lesen kann, sogar das Material der für das Färben verwendeten Töpfe und das jeweils herrschende Wetter – und vielleicht sollte man auch noch die Mondphasen hinzufügen – eine Rolle spielen kann, ist der als Warnung gedachte Hinweis des Autors verständlich, dass beim Färben mit Pflanzenfarbstoffen davon auszugehen ist, dass der bei einem bereits erfolgten Färbevorgang erzielte Farbton selbst bei gleicher Rezeptur kaum wieder reproduziert werden kann. Für das naturgefärbte Textil, hier unseren alten Teppich, verbirgt sich hinter diesem Warnhinweis der so genannte Abrasch, den durch die Verwendung von zu unterschiedlichen Zeiten eingefärbter Wollpartien bedingten Farbwechsel, der, wie der Teppichliebhaber weiß, ganz wesentlich für den Zauber ist, der von dem Teppich ausgeht.
Preetorius Stiftung, Asien - Kunst - Kultur
Durch das Aufkommen der synthetischen Farbstoffe im vorigen Jahrhundert ist das Wissen um die Färberpflanzen verloren gegangen, obwohl deren Nutzung sehr nachhaltig ist. In diesem Buch macht der Autor das verloren gegangene Wissen wieder verfügbar. Er beschreibt 117 Färberpflanzen und erläutert, wie man Textilien oder Papier selbst mit Pflanzen färben kann.
LEBENSART Juli 2010
Das Buch empfiehlt sich als Grundlage für die Hobbyfärberei. Schon der Titel verspricht eine interessante Mischung zum Thema, die sich beim Lesen als eine umfangreiche Zusammenstellung zur allgemeinen Information und Weiterbildung erweist. Insofern ist es dem Autor gelungen, auf kurze, aber sehr anschauliche Art und Weise die Thematik von der Klassifikation der Naturfarbstoffe, der Beschreibung der größtenteils heimischen Färbepflanzen über die Färbung bis hin zur Nutzung als Heilmittel darzustellen. Es ist dem Autor ein besonderes Anliegen, zur Aufklärung des engen Wechselverhältnisses von Mensch und Natur beizutragen und das vielfach verloren gegangene Wissen am Beispiel der Färbepflanzen dazustellen, hoch anzuerkennen. Die Aktualität der Aussagen zur medizinischen Anwendung der Pflanzen muss kritisch gesehen werden. Besonders zu würdigen sind die sehr gelungenen fotografischen Pflanzenaufnahmen in deren charakteristischen Erscheinungsbild. Die Betonung der Pflanzenfärbungen liegt auf der Wolle. Die Angaben zu weiteren textilen Naturgeweben wie Baumwolle, Leinen oder Seide oder Hanf fehlen leider. Aussagen zu den Echtheiten von Pflanzenfärbungen, die eine Entscheidungshilfe bei der Pflanzenauswahl geben können, fehlen ebenso wie Hinweise auf eine ordnungsgemäße Abwasserentsorgung von Farbbädern. Dennoch stellt das Buch für Neueinsteiger und erfahrene Färber mit der Literaturübersicht zu 117 Pflanzen eine interessante Lektüre dar. Damit leistet der Autor einen gewichtigen Teil zur öffentlichen Aufklärung über Pflanzenfarben, von denen einige Färbepflanzen seit wenigen Jahren auch in der heimischen Landwirtschaft wieder angebaut werden.
Dr. Lothar Adam
Bauernzeitung 29. Woche, 23.07.2010, S. 55
In Zeiten synthetischer Farbstoffe und industrieller Textilveredelungsprozesse sind farbstoffliefernde Pflanzen und ihre Verwendung nicht mehr allgemein bekannt. Der Autor hat es übernommen, das Wissen über ein gutes Hundert Färberpflanzen aus zahlreichen Quellen zusammenzutragen, darunter erstaunlicherweise nur wenig Literatur von vor 1980.
Die einleitenden Kapitel befassen sich mit den einzelnen Farbstoffgruppen, enthalten in den verschiedenen Pflanzenteilen von Blüte bis Wurzel und verantwortlich für unterschiedliche Farbtöne (gefärbt durchgängig auf Wolle). Der anschließende Überblick über den Färbevorgang gibt Hinweise zur Sammelzeit des Pflanzenmaterials, zu färbungsvorbereitenden Maßnahmen wie Einsatz und Wirkung verschiedener Beizen und geht kurz auf unterschiedliche Färbeverfahren ein. Der Hauptteil des Buches widmet sich 117 ausgewählten Pflanzen, die auf je einer Doppelseite in Bild und Text mit ihren Farb- und Färbeeigenschaften kurz und übersichtlich beschrieben werden. Hier finden sich auch Rezepturen und gelegentlich Hinweise zur Lichtechtheit der Färbung. Der in der Einleitung angerissene Aspekt einer physischen Wirkung heilpflanzengefärbter Textilien auf den Träger wird im Buch leider nicht weiter vertieft, so daß die Kurzbeschreibungen medizinischer und kultureller Bedeutung der jeweiligen Art seltsam zusammenhanglos angehängt wirken. Kaum verwunderlich zu erfahren, daß diese Pflanzen, mit denen der Mensch jahrhunderte- wenn nicht gar jahrtausendelang umging, für ihn einen Mehrfachnutzen auch als Heil- und/oder Nahrungsmittel hatten. Erstaunlicher ist es dagegen schon, wenn die Blütenblätter einer in allen Teilen giftigen Pflanze zum Aromatisieren von Tee verwendet worden sein sollen. Aber gewiß war zu früheren Zeiten – mehr noch als heute – bekannt, daß die Dosis das Gift macht.
Ganz eindeutig richtet sich dieses Buch nicht an den unbedarften Färberneuling, der meist genaue Schritt-für-Schritt-Rezepte sucht. Gewisse Kenntnisse der Materie und Erfahrung sind schon hilfreich, wenn man die zahlreich gebotenen und übersichtlich aufgeführten Informationen umsetzen möchte.
Grüner Anzeiger 5/10
Färberpflanzen - Vergessene Schätze
Der technologische Fortschritt lässt leider früheres Wissen oft vergessen. Dieses Schicksal traf auch die Färberpflanzen. Der lateinische Artname ’tinctoria’ vieler Heilpflanzen lässt häufig noch auf ihre Nutzung zum Färben schliessen. Naturfarben geben Textilien nicht nur eine schöne Färbung, sondern schützen ebenso vor gefährlichen UV-Strahlen oder wirken antibakteriell.
Jeder trägt sie täglich und sie ist ein modernes, robustes wie auch praktisches Kleidungsstück geworden – die Jeans. Um 1920 kam der Begriff ‘Blue Jeans’ auf, da sie mit dem Farbstoff Indigo gefärbt wurde. Der Indigostrauch (Indigofera tinctoria) und Färberwaid (Isatis tinctoria) sind typische Pflanzen zur Blaufärbung und daher wohl die bekanntesten. Es wurde in neuerer Zeit herausgefunden, dass Baumwolltextilien, die mit Indigo oder Färber- Krapp (Rubia tinctorum) gefärbt wurden, die Haut wesentlich besser vor der gefährlichen UV-Strahlung schützen als ungefärbte Textilien. Ein dunkler Farbton und ein dicker Farbauftrag auf der Faser sind ein guter UV-Schutz. Eine weitere positive Eigenschaft vieler Färberpflanzen, die heute oft noch als Nutz- und Heilpflanzen verwendet werden, ist ihre pilzhemmende und antibakterielle Wirkung. Ein gutes Beispiel dafür ist die Küchenzwiebel, de-Kermesren Schalen man an Ostern gerne zum Eierfärben verwendet oder deren Saft mit Zucker vermengt als Hustensaft hilft.
Unscheinbare Pflanzen am Wegrand
Früher konnte man keine Textilfarben kaufen oder ins nächste Geschäft gehen, um neue Kleidung zu erwerben. Aus Stoffen wurde selbst die Kleidung nach eigenen oder vererbten Schnittmustern genäht. Auf dem Land färbten die Bauern ihre Kleidung mit Hilfe der Pflanzen aus der Umgebung. Im Wald und auf den Wiesen wuchsen Duftveilchen, Brennnesseln, Waldmeister, Schöllkraut, Schafgarben oder Labkraut, im Garten die Ringelblume, Tagetes, Rainfarn oder der Frauenmantel. In der einzelnen Pflanze kommen die Farbstoffe in den Blüten, Früchten, Blättern, Stängeln und in der Wurzel vor, wobei sich die Zusammensetzung des Farbgemisches in der Pflanze mit der Jahreszeit verändert. Allgemein enthalten Färberpflanzen immer eine Reihe verschiedener Farbstoffverbindungen. Man musstesich also sehr gut auskennen, wenn man das ganze Jahr über färben wollte. Bereits eine kleine Veränderung der Rezeptur brachte neue Färbeergebnisse.
Farbpigmente
Klassisch verwendete man Blütenpigmente wie beispielsweise Flavonoide, die für die gelbe Blütenfarbe sorgen, oder Carotinoide, welche gelbe, orange oder gar rote Blütenfarben hervorbringen. Letztere erhöhen bekanntlich auch den Sonnenschutz der Haut, wenn man über einen längeren Zeitraum Karotten verzehrt. Bei der Gartenmöhre wird das Kraut und die Wurzel zum Färben verwendet. Für kräftige Rottöne sorgten Beeren und Früchte von Bäumen und Sträuchern. Typische Rottöne konnten aus den Wurzeln des Krapp (Rubia tinctorum) oder aus Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea) gewonnen werden. Die Rote Beete stellt noch heute ein beliebtes Färbemittel dar, nicht nur für Textilien. Ebenso konnten aus dem Tierreich schöne Rottöne gewonnen werden, so von der Purpurschnecke, der Kermesrenschildlaus oder der amerikanischen Cochenilleschildlaus. Der aus den Läusen gewonnene Farbstoff Karmin dient noch immer als Kosmetik-Farbstoff und als ein natürlicher Lebensmittelfarbstoff; selbst in Malerfarben findet er Anwendung.
Geheime Rezepturen
Es gleicht schon einer Wissenschaft für sich, die einzelnen Farbstoffe zu kennen und wie man sie schlussendlich anwendet, um licht- und reibechte Resultate zu erzielen. In der Naturfärberei hatte jeder Färbermeister seine eigene geheimnisvolle Rezeptur. Je nachdem, an welchem Standort die Pflanzen standen, also welchen unterschiedlichen Klimabedingungen und Bodenverhältnissen sie ausgesetzt waren, ergaben sich unterschiedliche Farbnuancen. Auch der Pflücktermin innerhalb des Jahres und ob vor, bei oder nach der Blüte gepflückt wurde, waren und sind die beeinflussenden Faktoren, die auf die zu erzielende Farbe Auswirkungen haben. Selbstverständlich ergeben sich auf den unterschiedlichen Textilien wie Wolle, Seide, Baumwolle immer andere Färbungen. Die Farbtiefe und das Farbleuchten wiederum werden durch verschiedene Prozesse wie Beizen und Nachbeizen bestimmt. Durch die Zugabe verschiedener BeizmittelBeizmittel oder Salze wie Alaun oder Eisensulfat entstehen chemische Reaktionen, die Einfluss auf den späteren Farbton der Wolle haben.
Traditionelle Färberpflanzen
Viele damals verwendete Färberpflanzen wurden grossflächig angebaut und stellten einen eigenen Erwerbszweig in der Landwirtschaft dar. Zu den einheimischen und traditionellen Färberpflanzen zählten der Färberwaid (Isatis tinctoria) oder die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) zum Blaufärben. Zum Gelbfärben nutzte man die Färber-Scharte (Serratula tinctoria), die zweijährige Resede (Reseda luteola), die auch unter dem Namen Färber-Wau bekannt ist, oder den giftigen Kreuzdorn (Rhamnus cathartica). Beliebt waren ebenso Farne, Flechten, Pilze und Baumrinden; aus letzteren stelle man beispielsweise Beizen zum Schwarzfärben her.
Der Prozess des Färbens
Um Wolle zu färben, wurde die drei- bis vierfache Gewichtsmenge an frischem Pflanzenmaterial benötigt. Dieses musste zuvor zerkleinert, in Wasser eingeweicht und dann gekocht werden. Die Wolle musste vor dem Färben gewaschen werden, um Fette und Schmutz für eine gleichmässigere Färbung zu lösen. Für dieWaschlauge wurden beispielsweise Holzasche oder die Wurzeln des Seifenkrautes (Saponaria officinalis) sowie Soda oder auch Urin verwendet.
Damit sich der Farbstoff mit den Fasern der Textilien verbinden konnte resp. kann, sind entsprechende Pflanzenbeizen notwendig. Die Textilien werden in Metallkesseln langsam gekocht. Das Beizbad wird innerhalb einer Stunde langsam auf 90 °C erhitzt, um ein Verfilzen der Wolle zu verhindern. Nach erneut einer Stunde im 90-Grad-Bad und zweimal vorsichtigem Wenden wird alles langsam über Nacht abgekühlt. Danach werden die Textilien ausgedrückt, an einem schattigen und luftigen Ort einige Tage aufbewahrt und schliesslich in Wasser gründlich ausgewaschen. Im letzten Spülgang wird Essig dazugegeben, damit sich die Fasern wieder schliessen und trocknen lassen – fertig! Wer heute noch selbst färbt, kann mit Kreativität sehr spannende Resultate an den Tag bringen. Das geht nicht nur mit dem Färben von Wolle, sondern auch bei der Eigenproduktion von Tinte.
Dr. Uwe J. Messer
Freude am Garten Nr. 6, November/Dezember 2010, Seite 52-54
Verlag FREUDE AM GARTEN
Schörisfeldweg 7, 9463 Oberriet/Schweiz
Die Verwendung von Färberpflanzen zum Färben von Textilien und Leder, als Arzneimittel oder in sonstigen Bereichen hat eine lange Tradition. Die Herstellung synthetischer Farbstoffe im 20. Jahrhundert machte die Verwendung von Naturfarbstoffen weitestgehend überflüssig und das Wissen um die Färberpflanzen ging verloren. In dem Buch wurde dieses spezielle Wissen gesammelt und bleibt damit auch für die Zukunft erhalten, in der man sich auch wegen der positiven Nebenwirkungen wie wirksamer Schutz vor UV-Strahlung, antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften noch mit Naturfarbstoffen befassen wird. Einleitende allgemeine Kapitel geben einen Überblick zum Auftreten von Farben in den verschiedenen Pflanzenarten und ihre Variation in Abhängigkeit von Standort, Pflanzenteil und Entwicklungsstadium; zu den Gruppen natürlicher Farbstoffe wie z. B. Carotinoide, Flavonoide, Anthocyane und Indigoide; zum Färbevorgang und der Abhängigkeit der zu erzielenden Farbe von dem zu färbenden Material, dem Aufbereitungsprozess der Färberpflanzen, dem Beizen, bei dem das zu färbende Material mit speziellen Mitteln behandelt wird, damit es die Farbe annimmt und dem Färbevorgang selbst sowie zur Geschichte der Verwendung von Naturfarbstoffen. Zahlreiche Tabellen geben die Informationen in gedrängter und übersichtlicher Form wieder. Das Buch enthält Monografien zu 117 Färberpflanzen mit ganzseitigen farbigen Abbildungen, mit deren Hilfe die einzelnen Arten gut identifiziert werden können. Zu jeder Art werden die folgenden Informationen vermittelt: botanische Bezeichnung, Trivialnamen auch in den wichtigsten Weltsprachen, Herkunft, zum Färben verwendete Pflanzenteile, zu erzielende Farbtöne, Beize, Farbstoffe; Beschreibung der Arbeitsgänge in den Etappen Rohstoffgewinnung, Beizung, Färben; medizinische Verwendung und Verwendung in sonstigen Bereichen. Das Buch schließt mit einem Kapitel zur ethnobotanischen Nutzung mit einer tabellarischen Übersicht der zahlreichen Indikationen. Die in dem Buch gegebenen Anleitungen zum Färben ermöglichen Künstlern, Restauratoren und Textildesignern die selbstständige Durchführung des Färbens mit Naturfarben. Das Buch vermittelt ein umfangreiches Fachwissen über die Verwendung von Färberpflanzen und kann für die Ausbildung in diesem speziellen Fachgebiet verwendet werden. Es ist leicht verständlich geschrieben und auch für den interessierten Laien geeignet.
Dr. F. Pank
Zeitschrift für Arznei- und Gewürzpflanzen, Ausgabe 4, Dezember 2010, 15. Jg., Seite 181
Nach seiner Pensionierung vor fünf Jahren widmete sich der 2. Vorsitzende des „Freundeskreises Botanischer Garten in Darmstadt“ ganz seinem Hobby. Zunächst legte er für seine Homepage eine Datenbank über Färberpflanzen an. Hierzu recherchierte er in den Botanischen Gärten und machte sich gezielt Deutschlandweit auf den Weg, um die Pflanzen mit Fotos zu dokumentieren. „In den wissenschaftlichen Gärten ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass die Beschilderung der Pflanzen auch mit ihnen übereinstimmt“, erklärt Prinz.
Als wahres Kleinod erwies sich bei seiner Suche der Klostergarten in Seligenstadt. „Hier sind Färberpflanzen und Arzneimittelpflanzen zu finden“, sagt Prinz und zeigte sich über die Motivauswahl für seine Fotos begeistert. So reifte in Prinz der Gedanke, sein Wissen als Buch zu verfassen und das Thema weiterzugeben. Drei Jahre verwandte der Botaniker darauf, das Buch zu verfassen. „Die meiste Zeit verging mit Recherche und dann selbstverständlich mit dem Erstellen der Fotos“, blick Prinz zurück. „Die Fotoreisen mussten gut geplant werden, je nach Blütezeit der einzelnen Pflanzen“. Auch hier wurde Prinz wieder in Seligenstadt fündig. Einhundert der im Buch vorhandenen Pflanzen wurden im Klostergarten aufgenommen und dokumentiert.
Schon in der Frühzeit, in der Antike und im Mittelalter wurden Textilien und Leder mit Naturfarben aus Pflanzen gefärbt. So nutzen bereits die Ägypter 1500 vor Christus die Möglichkeiten der Färberpflanzen. Der Stand der Färber im Mittelalter hatte ein hohes gesellschaftliches Ansehen. „Je bunter das Gewand damals war, desto teurer war es. Einfache Leute trugen meist fleckig gefärbte Stoffe“, so Prinz. In seinem Buch beschreibt der Botaniker 117 Färberpflanzen, erklärt die Zusammensetzung der Farbstoffe, deren Vorkommen in den Pflanzen und erläutert die Färbeprozesse für verschiedene Textilien. Er beschäftigt sich jedoch nicht nur mit dem Farbaspekt, sondern auch mit der Geschichte der Pflanzen, der Bedeutung in der Kultur und geht auf die mögliche medizinische Verwendung der Arzneipflanzen ein.
Er erklärt wie leicht sich chemische Präparate beim Färben von Stoffen durch Pflanzensud ersetzen lassen. „Purpur, gewonnen aus der Purpurschnecke war in der damaligen Zeit so teuer, das es in Gold aufgewogen wurde“, weiß Prinz und erzählt am Beispiel Thüringens, wie viel Geld sich damals mit dem Verkauf von Färberpflanzen machen ließ. „Dort wurden ab dem 12. Jahrhundert im großen Stil Färberpflanzen angebaut. Die Stadt Erfurt wurde davon so reich, dass sie damit ihren Dom finanzierte. Als die Handelswege nach Asien erschlossen waren, wurden die hiesigen Färberpflanzen allerdings von Indigo verdrängt. Damit ließen sich Stoffe bis zu dreißigmal besser färben.“
Indigo ist auch die Farbe der Blaufärber, die in Dieburg die alte Kunst des Stofffärbens ausübten. In einem Bottich befand sich eine Mischung aus Indigofarbstoff und Natriumdithionit, die so genannte Küpe. Hier wurde der Stoff hineingehängt. Nachdem er einige Zeit darin gelagert wurde, zog man ihn heraus. Noch war vom Blau noch nicht viel zu sehen, sondern das Tuch präsentierte sich schmutzig grün. Doch nach wenigen Minuten an der Luft wurde das Ergebnis des Oxidationsprozesses sichtbar. Nach dem ersten Bad wurde ein schönes sattes Mittelblau erreicht. Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt, um die Intensität der Blaufärbung zu steigern. „Böse Zungen behaupten allerdings, dass die Färber am Tag vorher betrunken waren und den Farbstoff mit Urin vermischten, um diese Färbung zu erhalten“, lächelt Prinz.
Auch für einige Sprichwörter hat Prinz eine gute Erklärung gefunden. So stammt das Wort „schönfärben“ daher, das man minderwertiges Tuch mit teurem Farbstoff gefärbte. Nach erfolgreichem Abschluss seines Projektes und der Herausgabe des Buches beim Schweizerbart Verlag hat sich Prinz bereits einer neuen Aufgabe gestellt. „Es gibt rund 600 verschiedene Arten von Minze, die ich dokumentieren möchte“, lächelt Prinz. Rund 100 Arten davon befinden sich bereits in seinem Garten. Auch hier betreibt er bereits intensive Recherche und hat Kontakte zu einer englischen Buchautorin geknüpft, die ihre Minzsammlung wegen Umzugs aufgeben muss. „Es liegen voraussichtlich rund vier Jahre Arbeit vor mir“, sagt Prinz.
Dieburger Anzeiger 02.01.2010
Gleich beim ersten Durchblättern besticht dieses Buch durch seine optische Schönheit und Klarheit. Vor allem die zahlreichen ganzseitig formatfüllend gedruckten Pflanzenabbildungen sind ausgesprochen gut gelungen und zudem in hervorragender Qualität gedruckt. Verstärkt wird dieser positive Eindruck durch die übersichtliche Gliederung des Textes.
Dem dreiseitigen Inhaltsverzeichnis folgen nach dem Vorwort des Autors und der Einleitung ein kurzes Kapitel über Blütenfarben und eine zehnseitige Darstellung von zehn chemischen Naturfarbstoffgruppen, einschließlich der tabellarischen Auflistung der jeweils dazugehörigen, größtenteils im Hauptteil vorgestellten Pflanzenbeispiele. Bei der Charakterisierung der Farbstoffgruppen erhält man nur zum Teil chemische Informationen, Strukturformeln sind nirgends angeben. Erwähnt werden pauschal die gesundheitsrelevanten Eigenschaften der Farbstoffe, etwa die antioxidativen Wirkungen von Carotinoiden, Flavonoiden und Gerbstoffen. Wo in einer Pflanze welche Farbstoffgruppen vorkommen können, veranschaulicht einprägsam ein Löwenzahn-Scherenschnitt.
Auf den folgenden 25 Seiten wird ein umfassender Überblick über den Färbevorgang gegeben. Zu Beginn steht eine Tabelle, in der die morphologischen Pflanzenteile definiert und ihre lateinischen Bezeichnungen aufgeführt werden. Die Definitionen sind allerdings zum Teil nur mit botanischen Vorkenntnissen verständlich. Eine weitere Tabelle listet auf, welche der später behandelten Pflanzen giftig sind. Für die Praxis sehr nützlich sind die auf den folgenden Seiten zusammengestellten Angaben zur benötigten Menge an Pflanzenmaterial (in Bezug auf ein Kilogramm trockene Wolle), die Informationen zur Sammelzeit und zur Vorbereitung der Pflanzen für den Färbevorgang sowie die Erläuterung, wie man die zu färbende Wolle vor dem Färben reinigt und mit welchen Beizmitteln man sie am besten in welcher Dosierung beizt. Im Kapitel „Färben“ folgen geordnet nach den Farben die tabellarische Auflistung entsprechend färbender Pflanzenarten, interessante Hinweise auf die frühere Bedeutung gefärbter Kleidung und die gut verständlich formulierte Beschreibung der Abläufe beim Färben mit Beizen- und Küpenfarbstoffen. Man erfährt außerdem, was man unter Nuancieren und Nachbeizen sowie Lichtechtheit versteht. Das Kapitel schließt mit einer sehr gut zusammengefassten Geschichte des Färbens mit Pflanzenfarben.
Es folgt der Hauptteil des Buches, der 254 Seiten mit 117 Färberpflanzenarten umfasst. Die Anordnung erfolgt alphabetisch nach dem lateinischen Gattungs- bzw. Artnamen. Die linke Seite mit eingeblendeten wissenschaftlichen und deutschen Artnamen zeigt jeweils ganzseitig eine Aufnahme der Pflanze im Habitus oder in Detailansicht. Auf der rechten Seite verläuft jeweils oben ein Balken, in dem der lateinische und der deutsche Artname und in kleinerer Schrift darunter die jeweilige Familie auf lateinisch und deutsch genannt werden. Bei jeder Art wird in einem Kasten der englische, französische, italienische und spanische Volksname der Pflanzenart aufgelistet und in einem zweiten Kasten stichwortartig Herkunft, Färbung, Farbstoffgruppe genannt. Außerdem werden die Länder aufgeführt, in denen die Färberpflanzenart traditionell verwendet wurde. Der darunter stehende Text, der je nach Art kürzer oder länger ausfällt, gliedert sich in die Abschnitte „Verwendung der Pflanze zum Färben“, „Sonstige Verwendung“, „Medizinische Verwendung“ und „Artenschutz“.
Hier im Hauptteil wären genaue Quellenangaben und etwas mehr Hintergrundinformation sehr wünschenswert. Man möchte wissen, welcher Literatur die Färberezepte entnommen sind, ob es sich um sehr alte oder neuere Färbevorschriften handelt und aus welchem Land sie stammen. Gern würde man auch erfahren, ob die Auflistung der Länder mit traditioneller Nutzung nur beispielhaft oder vollständig erfolgt. Wurde etwa Eucalyptus globulus nur in der Türkei als Färberpflanze genutzt und nicht auch in anderen Gebieten, wo man den Baum zur Trockenlegung der Sümpfe anbaute? Wurde mit dem weit verbreiteten Efeu nur in Italien traditionell gefärbt? Und wie kommt es, dass die aus Nordamerika stammende Mahonia aquifolium in der Türkei eine traditionelle Färbepflanze geworden ist? Wichtig wäre es auch, den für eine traditionelle Nutzung gültigen Zeitraum zu definieren oder zu erfahren, was der Autor darunter versteht. Sind es mindestens 25 oder noch mehr Jahre, in denen das Färberwissen zwischen den Generationen weitergegeben wird, um von Färbertradition zu sprechen?
Im abschließenden Kapitel wird auf fünf Seiten die ethnobotanische Nutzung von 113 der im Hauptteil genannten Arten in tabellarischer Form wiedergegeben; leider hat man den Eindruck, dass die Tabelle auf dem Kopf steht. Die Angaben darin basieren auf einer im Internet zugänglichen Datenbank. Es folgen ein dreiseitiger sehr informativer Anhang über das Färben mit indigohaltigen Pflanzen, die Danksagung, das Literaturverzeichnis und das Sachregister.
Das Buch ist insgesamt gut durchgesehen, die wissenschaftlichen Artnamen nahezu fehlerlos (Indigofera tictoria statt tinctoria, S. 312); die Schreibweise der deutschen Artnamen variiert, einmal wird die Gattung durch Bindestrich abgesetzt, einmal nicht (Zwerg-Holunder, Färberknöterich, Polei- Minze, Rossminze). Anzumerken wäre noch, dass bei den Asteraceae fälschlich Blütenköpfchen mit Blüte gleichgesetzt wird und die Rand-Blütenblätter Zungenblüten heißen; die bei Curcuma erwähnte Farbstoffgruppe Diarylomethan wird anfangs nicht vorgestellt; sowohl im Text als auch in der Literaturangabe wird der Giftpflanzenbuchautor Daunderer fälschlich Dauderer geschrieben. Bei den Pflanzenabbildungen zu den Farbstoffgruppen auf Seite 15 ist es etwas irritierend, dass eine gefüllte Zierform der Ringelblume dargestellt wird und anstelle der Waidblätter die Früchte gezeigt werden.
Alles in allem trotz der Kritikpunkte ein empfehlenswertes, anregendes und schönes Buch, dessen Layout, Bebilderung und Druck großes Lob verdienen. Anhand von Inhaltsverzeichnis und Sachregister kann man sich auch ohne Kenntnis der wissenschaftlichen Pflanzennamen gut orientieren. Das Buch stellt auf ästhetische und einprägsame Weise bekannte und ungewöhnliche Färberpflanzen vor, enthält interessante Färberezepte für Wolle und stellt den Aspekt der Verwendung von Färberpflanzen in der Medizin und in kultureller Hinsicht kurz und übersichtlich dar. Je nach Kenntnisstand weckt es das Interesse, sich mit der vielseitigen Verwendung der Färberpflanzen näher zu befassen oder in die Natur und in Botanische Gärten zu gehen, um diese Pflanzen kennen zu lernen. Das Buch ist für Natur-, Farben- und Pflanzenliebhaber, Naturpädagogen und Biologen als Lektüre und Nachschlagewerk und als sinnvolles ansehnliches Geschenk für alle einschlägig Interessierten geeignet.
E. Bayer
Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 81, 2011
Färberpflanzen
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9
Einleitung 11
1 Blütenfarben 13
2 Naturfarbstoffe 14
Carotinoidfarbstoffe • Anthrachinonfarbstoffe
• Naphthochinonfarbstoffe •
Flavonoidfarbstoffe • Anthocyanfarbstoffe
• Benzochinonfarbstoffe • Betalainfarbstoffe
• Basische Naturfarbstoffe
• Indigoide Farbstoffe • Gerbstoffe
Gallotannine • Kondensierte Gerbstoffe
3 Überblick über den Färbevorgang 25
• Pflanzen 25
Küpenfarbstoffe (Indigo) 43
Entwickeln (Nuancieren, Nachbeizen) 45
Herstellen von Farbtönen 46
Überfärben 46
• Lichtechtheit 46
• Geschichte 46
Tuchmacher 46
Schönfärber, Blaufärber und
Schwarzfärber 47
Hausfärberei 47
Weitere Entwicklung ab 1600 47
Blaudrucker 47
4 Färberpflanzen 51
Achillea millefolium, Schafgarbe 52
Aesculus hippocastanum, Rosskastanie 54
Agrimonia eupatoria, Odermennig 56
Alcea rosea, Stockmalve, Stockrose 58
Alchemilla vulgaris, Frauenmantel 60
Alkanna tinctoria, Alkannawurzel 62
Allium cepa, Küchenzwiebel 64
Alnus glutinosa, Schwarzerle 66
Anthemis tinctoria, Färberkamille 68
Anthriscus sylvestris, Wiesen-Kerbel 70
Anthyllis vulneraria, Gemeiner Wundklee 72
Arctostaphylos uva-ursi (Blätter),
Bärentraube 74
Arctostaphylos uva-ursi (Pflanze),
Bärentraube 76
Arnica montana, Arnika, Bergwohlverleih 78
Asperula tinctoria, Färber-Meister 80
Baptisia australis, Blaue Färberhülse 82
Berberis vulgaris, Berberitze 84
Beta vulgaris, Rote Beete 86
Betula pendula, Hänge-Birke, Weißbirke 88
Brassica oleracea, Rotkohl 90
Calendula officinalis, Ringelblume 92
Calluna vulgaris (Kraut), Heidekraut 94
Calluna vulgaris (Spitzen), Heidekraut 96
Caltha palustris, Sumpfdotterblume 98
Capsicum annuum, Spanischer Pfeffer 100
Carthamus tinctorius, Saflor,
Färberdistel 102
Centaurium erythraea,
Tausendgüldenkraut 104
Chelidonium majus, Schöllkraut 106
Consolida regalis, Acker-Rittersporn 108
Convallaria majalis, Maiglöckchen 110
Crocus sativus, Safran 112
Curcuma longa, Kurkuma 114
Cynara scolymus, Artischocke 116
Cytisus scoparius, Besenginster 118
Dahlia pinnata, Dahlie 120
Daucus carota, Gartenmöhre 122
Traditionelle Färberpflanzen • Bezeichnungen
der Pflanzenteile • Giftpflanzen
• Sammelzeit für Färberpflanzen
• Waschen der Naturtextilien oder -fasern 30
• Beize 30
Pflanzenbeizen • Alaun • Weinstein • Eisen
• Kupfer • Zinn • Chrom • Pottasche
• Kochsalz • Gelöschter Kalk
• Färben 33
Färbungen der Pflanzen 33
Lösen und Auffärben des Farbstoffs 41
Selbstziehende Farbstoffe
(Substantive Farbstoffe) 43
Beizenfarbstoffe (Adjektive Farbstoffe) . 43
Digitalis purpurea (Blätter),
Roter Fingerhut 124
Digitalis purpurea (Kraut),
Roter Fingerhut 126
Dryopteris filix-mas, Wurmfarn 128
Echium vulgare, Natternkopf 130
Equisetum arvense,
Acker-Schachtelhalm 132
Eucalyptus globulus, Eukalyptus,
Fieberbaum 134
Euonymus europaea, Pfaffenhütchen 136
Ficus carica, Feigenbaum 138
Filipendula ulmaria (Kraut), Mädesüß 140
Filipendula ulmaria (Pflanze), Mädesüß 142
Frangula alnus, Faulbaum 144
Fraxinus excelsior, Gemeine Esche 146
Galium odoratum, Waldmeister 148
Galium verum, Echtes Labkraut 150
Genista tinctoria (Blüten), Färberginster 152
Genista tinctoria (Pflanze), Färberginster 154
Hedera helix, Efeu 156
Helianthus annuus, Sonnenblume 158
Humulus lupulus, Hopfen 160
Hypericum perforatum (Kraut),
Johanniskraut 162
Hypericum perforatum (Pflanze),
Johanniskraut 164
Indigofera tinctoria, Indigostrauch 166
Inula helenium, Echter Alant 168
Iris versicolor, Verschiedenfarbige Iris 170
Isatis tinctoria, Waid, Färberwaid 172
Juglans nigra, Schwarznuss 174
Juglans regia, Walnussbaum 176
Juniperus communis, Wacholder 178
Laurus nobilis, Lorbeerbaum 180
Lawsonia inermis, Henna 182
Ligustrum vulgare, Liguster 184
Lycopus europaeus,
Gemeiner Wolfstrapp 186
Mahonia aquifolium, Mahonie 188
Malus domestica, Apfelbaum 190
Malus sylvestris, Holzapfel 192
Malva sylvestris, Wilde Malve 194
Matricaria recutita, Echte Kamille 196
Mentha longifolia, Rossminze 198
Mentha pulegium, Polei-Minze 200
Mespilus germanica, Echte Mispel 202
Myrrhis odorata, Duftende Süßdolde 204
Nymphaea alba, Weiße Seerose 206
Olea europaea, Olivenbaum 208
Origanum vulgare, Dost 210
Paeonia offi cinalis, Echte Pfingstrose 212
Papaver rhoeas, Klatschmohn 214
Parthenocissus quinquefolia,
Jungfernrebe 216
Petroselinum crispum, Blattpetersilie 218
Phytolacca americana, Kermesbeere 220
Polygonum tinctorium, Färberknöterich . 222
Potentilla erecta, Tormentillwurz,
Blutwurz 224
Prunus cerasus, Sauerkirsche 226
Prunus spinosa (Früchte), Schwarzdorn 228
Prunus spinosa (Rinde), Schwarzdorn 230
Pteridium aquilinum, Adlerfarn 232
Punica granatum, Granatapfel 234
Quercus robur, Stieleiche 236
Reseda luteola, Wau, Färber-Resede 238
Rhamnus catharticus, Wegdorn 240
Rheum palmatum,
Chinesischer Rhabarber 242
Rheum rhabarbarum,
Gemüserhabarber 244
Ribes nigrum,
Schwarze Johannisbeere 246
Rosa canina, Hunds-Rose 248
Rubia tinctorum, Krapp, Färberröte 250
Rubus fruticosus, Brombeere 252
Rumex acetosa, Großer Ampfer 254
Ruta graveolens, Weinraute 256
Salvia officinalis, Salbei 258
Salvia triloba, Dreiblättriger Salbei 260
Sambucus ebulus, Zwerg-Holunder,
Attich 262
Sambucus nigra (Blätter und Blüten),
Holunder 264
Sambucus nigra (Beeren), Holunder 266
Serratula tinctoria, Färberscharte 268
Solidago canadensis,
Kanadische Goldrute 270
Solidago virgaurea, Goldrute 272
Stachys officinalis, Heilziest 274
Tagetes erecta, Hohe Studentenblume 276
Tagetes patula,
Niedrige Studentenblume 278
Tanacetum vulgare, Rainfarn,
Wurmkraut 280
Taraxacum officinale,
Wiesen-Löwenzahn 282
Teucrium chamaedrys, Edelgamander 284
Thymus serpyllum, Quendel,
Feld-Thymian 286
Trigonella foenum-graecum,
Bockshornklee 288
Urtica dioica, Große Brennnessel 290
Vaccinium myrtillus, Heidelbeere 292
Vaccinium vitis-idaea, Preiselbeere 294
Verbascum densiflorum,
Große Königskerze 296
Viola odorata, Duftveilchen 298
Vitex agnus-castus, Mönchspfeffer 300
Vitis vinifera, Weinrebe 302
5 Ethnobotanische Verwendung 305
Anhang: Färben mit indigohaltigen
Pflanzen 311
Danksagung 314
Literaturverzeichnis 315
Sachregister 317