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Manfred Grasshoff; Michael Gudo:

Die Evolution der Tiere

Poster mit deutschsprachigem Begleitheft

Mitarbeiter: S. Hilsberg; W. Oschmann; J. Scholz.

2001. 16 Seiten, 1 Poster Format 118x84cm
Language: German

(Senckenberg-Poster, Nr. 1)

ISBN 978-3-510-61324-3, brosch., price: 13.00 €

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Beschreibung
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Es ist ein wesentliches Aufgabengebiete der heutigen Wissenschaft, die langfristigen Veränderungen in der Natur zu untersuchen und zu erklären. Längst ist die Einsicht nicht mehr zu umgehen, daß das Universum, die Planetensysteme, die Gestalt unserer Erde und natürlich die Lebewesen, in ständiger Veränderung und Entwicklung begriffen sind. Der Aufbau der heutigen Organismen erlaubt Rückschlüsse auf ihre Geschichte, auf ihre Entwicklung durch die Jahrmillionen, d.h., auf ihre Evolution.
Dabei sind es nicht oberflächliche Ähnlichkeiten, die solchen Einblick ermöglichen. Zu betrachten und zu beachten sind vielmehr die Bauteile der Organismen, deren Materialeigenschaften, Anordnungen und Zusammenwirken, kurz, die Körper-Konstruktion. Daraus lassen sich Antworten gewinnen auf die Fragen: Wie konnten die verschiedenen Lebewesen entstehen und wie haben sie sich allmählich entwickelt?

Diese Arbeitsweise enthält entscheidende Neuerungen. Zwar lassen sich bisherige Erfahrungen und Ergebnisse der Zoologie integrieren, doch es wird darüberhinaus eine Frage gestellt, die in der traditionellen Zoologie so gut wie nie beachtet wurde: ist eine allmähliche Umwandlung, die man aufgrund von Beobachtungen annimmt, überhaupt mit den Bauteilen, ihren Anordnungen und ihrem Zusammenwirken, zu bewerkstelligen? Läßt sich eine Körper-Konstruktion überhaupt in eine andere umwandeln? An einem Beispiel verdeutlicht: Konnten sich Dinosaurier zu Vögeln weiterentwikkeln? Ja, die Konstruktion läßt es zu. Konnten sich Dinosaurier zu Säugetieren weiterentwickeln? Nein, die Konstruktion läßt es nicht zu. In der Evolution gilt, daß Tiere niemals wegen Umbau geschlossen haben können, alle Zwischenformen müssen voll funktionstüchtig sein.

Diese Arbeitsmethode und ihre Ergebnisse sowie der damit verbundene wissenschaftstheoretische Hintergrund wurde im Wesentlichen von einer Arbeitsgruppe im Senckenberg Museum Frankfurt, in Zusammenarbeit mit auswärtigen Kollegen, entwickelt. Bekannt geworden ist die konstruktionsbezogene Erforschung der Lebewesen und die neue Sicht der Evolution unter den Namen Konstruktions-Morphologie und Frankfurter Evolutions-Theorie. Die über Jahrzehnte erarbeiteten Ergebnisse sind in einer graphischen Darstellung zusammengefaßt. Sie ist im Senckenberg-Museum im Ausstellungssaal 206 als Wandbild und in detailierter Form auf den Tafeln der Vitrinen 1--13 zu sehen; zudem ist sie als Poster erhältlich.

Der obere Bildteil zeigt die Entwicklung der Erde und der ersten Organismen. Die Entstehung des Lebens auf der Erde ist aus der planetarischen Entwicklung zu erklären. Da unsere Betrachtung im Wesentlichen der Evolution der Tiere gilt, stehen die urtümlichen ersten Tiere im Zentrum. Von ihnen gehen Evolutionslinien aus, die sich weiter verzweigen. Konstruktionszeichnungen zeigen die wichtigsten Schritte der Umwandlungen. Die Linien enden bei den heute lebenden und den fossilen Tieren; sie sind in naturalistischer Weise gezeichnet, da sie die real existierenden Repräsentanten am (derzeitigen) Ende der Entwicklungslinien sind. Sie stehen im Kontrast zu den modellhaften, hypothetischen Ableitungen und Konstruktions-Darstellungen. Alle heutigen Organismen sind gleich weit vom ursprünglichen Zentrum entfernt und alle sind in ihrer Weise hoch entwikkelt. Die traditionelle anthropozentrische, d.h., auf den Menschen bezogene Weltsicht, mit der sich der Mensch an die Spitze eines von unten nach oben, vom Niederen zum Höheren wachsenden Stammbaumes stellt, ist verlassen.