Die paläontologischen Sammlungen in Deutschland
Inhalte, Erfassung und Gefährdung
Hrsg.: Ulrich Jansen; Fritz F. Steininger
[Paleontological collections in Germany. An annotated list, addresses, inventories and collections and their future]
2002. 101 Seiten, 17 Abbildungen, 8 Tabellen, 30x21cm, 480 g
Language: German
(Kleine Senckenberg-Reihe, Band 42)
ISBN 978-3-510-61337-3, brosch., price: 17.00 €
in stock and ready to ship
Contents
InhaltsbeschreibungBespr.: Geschiebekunde Aktuell, Heft 4, 18. Jg. 2002, S. 145
Bespr.: der Aufschluss 4, Jg. 54, März/April 2003, S. 128
Bespr.: Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jg. 2003 H. 1-2
Prof. F.F. Steininger und Dr. U. Jansen vom Forschungsinstitut Senckenberg versuchten deshalb seit 1998, die deutschen paläontologischen Sammlungen systematisch zu erfassen, wobei reine Privatsammlungen natürlich nicht berücksichtigt werden konnten. Die vorliegende Schrift stellt die erste Auswertung der gesammelten Daten dar. Ihr Zweck besteht darin, die Situation der paläontologischen Sammlungen in Deutschland darzustellen. Die Liste soll der Politik und der Öffentlichkeit vor Augen führen, wo finanzielle, technische und personelle Hilfen nötig sind. Die Auflistung der Daten repräsentiert zugleich eine Informationsquelle für den Geowissenschaftler zur Lokalisierung bestimmter Sammlungen und Sammlungsobjekte.
Dabei wurden etwa 850 potentielle Standorte paläontologischer Sammlungen in Deutschland ermittelt. Instituten, Museen und Behörden wurde ein zehnseitiger Erfassungsbogen zugeschickt, der einerseits Fragen zur allgemeinen Situation (Aufstellung, Erfassungsstand, Zugänglichkeit) der Sammlungen, andererseits zu den paläontologischen Objekten enthielt. Es wurde nach Anzahl der Objekte bestimmter systematischer Gruppen und chronostratigraphischer Einheiten gefragt. Die Daten wurden anschließend in eine Datenbank überführt und statistisch ausgewertet. Für jeden Sammlungsstandort wurde ein Datenblatt erarbeitet. Dieses Datenblatt und eine vorläufige Auswertung wurden im August 1999 allen Institutionen zugesandt, von welchen nach der ersten Umfrage Rückantworten eingegangen waren. Weil der Rücklauf mit 180 Antworten noch relativ gering war, wurden größere Museen und Institute, die noch nicht geantwortet hatten, ein weiteres Mal angeschrieben. Dadurch erhöhte sich die Zahl der erfassten Standorte immerhin noch auf 238. Inzwischen sind wir damit in der Lage, die allgemeine Situation der paläontologischen Sammlungen in Deutschland befriedigend darzustellen. Die fehlenden Institutionen, die nicht geantwortet haben, aber sehr wahrscheinlich oder sicher paläontologische Sammlungen beherbergen, sind in unserer Aufstellung lediglich namentlich aufgeführt.
Dr. Roger Schallreuter
Geschiebekunde Aktuell, Heft 4, 18. Jg. 2002, S. 145
Aus der Einleitung geht hervor, dass zwischen 1998 und 1999 insgesamt 850 potentielle Institutionen Deutschlands angeschrieben und hinsichtlich ihres Fundus befragt wurden. Erste graphisch aufbereitete Statistiken aus den 238 zurückgesandten Antworten geben eine Übersicht zur Art der Aufstellung, Umfang, Zugänglichkeiten und Defiziten der Sammlungen. Den Hauptteil der Publikation bildet eine alphabetische Auflistung mit Adressen und Ansprechpartnern der Institutionen in Deutschland, die paläontologische Sammlungen beherbergen. Sofern aus den Rückantworten ersichtlich, werden weiterhin die Thematik und Größe der jeweiligen Kollektionen vorgestellt und durch Aussagen zum Stand der Inventarisierung, Verfügbarkeit im Internet, Qualität der Aufstellung, Entleihbarkeit und Hinweisen über finanzielle sowie personelle Probleme ergänzt.
Somit liegt eine erste und zugleich relativ preiswerte Datensammlung vor, die sowohl für Geowissenschaftler als auch für im musealen und administrativen Bereich tätige Personen eine wichtige Informationsquelle liefert. Zugleich wird deutlich, welch umfangreiches Untersuchungsmaterial in deutschen Institutionen verfügbar ist und das die Erfassung dieser Bestände mit der vorliegenden Studie noch nicht abgeschlossen ist.
Dr. Jörg ERFURT, Halle (Saale)
der Aufschluss 4, Jg. 54, März/April 2003, S. 128
Mit zunehmender Kulturentwicklung entstanden erste Sammlungen, die nicht nur als Kuriositäten-Bewahrung fungierten, sondern durchaus auch verstärkter geistiger Auseinandersetzung Grundlagen boten. Damit wurden die Objekte dieser Sammlungen aber auch wichtige Belege für die abgeleiteten Interpretationen und besonderer Obhut bedürftig, erforderten sachgerechte Erfassung und Katalogisierung sowie gesicherte Aufbewahrung an geeigneten Orten, beispielsweise in Museen. Dies gilt in besonderem Maße auch für paläontologisches Fundgut.
In einer Zeit, in der sich in nur kurzer Zeit unser Weltbild grundlegend gewandelt hat, der Mensch aus der "Unwissenheit" heraustrat in die Welt der "exakten Wissenschaft", erfuhr er auch sein eigenes Dasein als eine Kontinuität des Lebens seit seinem Ursprung - dessen Zeugen die Paläontologie geborgen, erforscht und in Sammlungen als wichtige Beweisstücke, als unersetzliche Dokumente, hinterlegt hat.
Die Komplexität unserer Welt und unseres Daseins lässt sich allein verstehen aus dem Werdegang der Materie, der Entstehung des Alls und der Erde und der Stellung letzterer im Wechselspiel des Sonnensystems, aber auch aus dem Werdegang unseres Heimatplaneten selbst, seiner diversen "Gemütsäußerungen", Wechselwirkungen, die zu ergründen eine Vielzahl von Disziplinen bemüht ist, die aber ohne die Zeitzeugen, Gesteine und Fossilien, kaum zu entschlüsseln sind. Geowissenschaften, und damit vor allem auch die Paläontologie, nehmen somit eine Schlüsselstellungen ein, und "Kaum eine der Disziplinen der Geowissenschaften kommt heute noch ohne die Paläontologie und damit ohne entsprechende Forschungssammlungen aus".
Somit gebührt entsprechenden Sammlungen auch der Status, Bestandteil des Kulturerbes der Menschheit zu sein - wie dies in verschiedenen Vereinbarungen nationaler wie internationaler Organisationen klar postuliert wurde [durch die geistige Auseinandersetzung mit den Objekten der Natur werden diese eo ipso zum Kulturgut!]. Dies setzt dann aber auch voraus, dass nicht nur die Objekte, sondern auch die Sammlungen selbst erfasst und nutzbar gemacht werden - nicht allein im Interesse der Wissenschaften, sondern auch im Hinblick auf die Öffentlichkeit bis hin zu den politischen Gremien. Nur so kann der besondere Wert der Sammlungen und ihrer Inhalte wirklich in allgemeinem Bewusstsein verankert werden. Hier darf indessen nicht unerwähnt bleiben, dass in einer naturwissenschaftlich-technisch orientierten Gesellschaft naturwissenschaftliche Museen - insbesondere die kleineren - gegenüber den kulturgeschichtlichen und den Gesellschafts-relevanten Museen vielfach zurückstehen müssen. Dies trifft insbesondere kleinere Museen, die in ihrem Bestand bzw. in ihrer Arbeit real gefährdet sind und teilweise dem Rotstift zum Opfer fallen bzw. ausgesetzt sind. Gravierende Missstände konnten hinreichend aufgedeckt werden [Schließungen von Museen resp. Auflösungen von naturwissenschaftlichen Sammlungen sind ebenfalls belegbar].
Nach einer ersten Erfassung in "Übersichtskarte der Geowissenschaftlichen Museen in der Bundesrepublik Deutschland", durch die Deutsche Geologische Gesellschaft in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts initiiert und in den "Nachrichten der DGG" [erste Karte 1977: Heft 16] in mehreren, nach Bundesländern gegliederten Folgen publiziert, liegt jetzt eine von der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft herausgegebene, umfangreichere und umfassendere Zusammenstellung vor, die nun auch die neuen Bundesländer erfasst. Die Zusammenstellung folgt dem Standort in alphabetischer Reihung.
Die Einleitung ist der Problemstellung und der "Bedeutung paläontologischer Forschungssammlungen", der Art der Datenerfassung per Fragebogen sowie auch einem Aufruf zur weiteren Datenübermittlung, u. a. bisher nicht erfasster Museen, gewidmet. Das Kapitel "Auswertung" befasst sich mit der Analyse der Sammlungen: "Der Standorte in Deutschland", "Strukturen der paläontologischen Sammlungen in Deutschland", "Umfang der paläontologischen Sammlungen und ihre Verteilung auf Standorte", "Gravierende Defizite an den Standorten der paläontologischen Sammlungen", "Zugänglichkeit der paläontologischen Sammlungen", "Erfassungsstand der Sammlungen" sowie "Paläontologische Sammlungen im Internet". Alle diese Themen sind durch Graphiken bildlich erläutert, die derzeitige Situation der Museen und ihre gravierenden Probleme klar vor Augen führend.
"Gesamtbetrachtung und Ausblick" ist eine eindringliche Mahnung, oder - aus eigener Anschauung und Erfahrung - vielleicht doch eher als eine (An)klage zu betrachten. Naturwissenschaftliche Sammlungen/Museen sind noch immer Stiefkinder der Museumsentwicklung in unserer naturwissenschaftlich-technisch geprägten Gesellschaft.
Die jeweiligen Institutionen sind durch Anschrift [inkl. eventuell vorhandener E-Mail und Internet-Adresse] sowie hier dann durch "hausspezifische" Angaben zur generellen Situation der Sammlungen und deren Betreuung, zu Inhalten, Umfang und Erfassung [Inventarbücher, -listen, Karteikarten, aber auch bereits EDV-Erfassung] charakterisiert. Besonderheiten, wie Sammlungsschwerpunkte und thematische Ausrichtungen sowie Personen bezogene Sammlungen werden hervorgehoben, ebenso wie die Art der Aufstellung. Nicht zu vergessen sind die Hinweise auf Defizite der Sammlungen: vorwiegend Raumnot und Personalmangel. Ausdruck der allgemein defizitären Situation - Personal- wie Finanzsituation - ist zweifellos die in seltensten Fällen gegebene Internet-Verfügbarkeit der Sammlungen (nur 5,9% erfasst; 78,2 % nicht erfasst, 16 % keine Angaben). Hier einen Zusammenhang zwischen unvollständigen Angaben zum Bestand zu übersehen, dürfte mehr als schwer fallen.
Eine wahre Fundgrube ist neben den Daten zu den Sammlungen das Schriftenverzeichnis, finden sich doch hier viele hoch interessante Publikationen zu den Sammlungen oder Teilen derselben, regional oder international, zur Geologie und Paläontologie der betreffenden Regionen bzw. überregionaler Gebiete, zur Stratigraphie und Systematik, zur historischen Entwicklung der Sammlungen u. a. m., eine Liste kleiner und großer "Raritäten".
Was ist nun Ziel und Zweck und wer sind die Zielgruppen, mit denen dieser Band angesprochen werden soll? Die erste Frage wurde bereits angeschnitten und beantwortet. Ziel und Zweck ist die Erfassung unwiederbringlichen Kulturgutes [auch wenn dies immer wieder in Frage gestellt wird: Fossilien werden zum Kulturgut dadurch, dass sich der Mensch geistig mit ihnen auseinander setzt]. Darüber hinaus dient diese Zusammenstellung auch der Erfassung der Diversität des Lebens auf der Erde gemäß Systematics Agenda 2000. - Zu den Zielgruppen zählen zweifellos und aus vielschichtigen Gründen in erster Linie die Museen selbst, ebenso wie Forschungsinstitute, auch wenn in beiden Fällen hinreichende Verknüpfungen bestehen. Als eine weitere wichtige Zielgruppe sollten die zahlreichen ernst zu nehmenden Privat-Forscher betrachtet werden. Diese tragen erheblich zum Forschritt paläontologischer Forschung bei und sollten nicht unterschätzt werden. Eingedenk der sinkenden Stellenzahl für hauptamtliche Paläontologen können und werden sie in Zukunft nicht unerheblich an der Forschung beteiligt sein. Und nicht zuletzt, eher vordringlich richtet sich der Band an Verwaltungen und Politiker: Dazu sei hier wörtlich zitiert:
".... Öffentliche Zuwendungsgeber sind dazu aufgerufen, der unhaltbaren Situation vieler Standorte entgegenzuwirken. Die Wissenschaftspolitik und die öffentlichen Zuwendungsgeber werden auch dringend dazu aufgefordert, die Rolle von Museen, Forschungsinstituten und universitären Einrichtungen im Hinblick auf die Betreuung und Verfügungshaltungen von Sammlungen grundlegend zu überdenken und neu zu strukturieren".
Finanzielle, technische und personelle Hilfen sind essentiell - oder dient der Terminus "Weltkulturerbe" nur als Zierde auf dem politischen Revers?
K. OEKENTORP
Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil II Jahrgang 2003 Heft 1-2