Contribution
Eiszeiten und Gletscher in der Mongolei
[Glaciations and glaciers in Mongolia]
Mortensen, Hans
Zeitschrift für Geomorphologie Volume 1 Issue 3 (1957), p. 315 - 315
publié: Oct 7, 1957
Open Access (article peut être télechargé gratuitement)
Kurzfassung
Im Rahmen seines Literaturberichts über die Mongolei für die Zeit von 1938 bis 1954 im Geographischen Jahrbuch macht Fochler-Hauke (S. 201) interessante Angaben über das dortige Eiszeitklima, wie es sich nach den neueren Untersuchungen russischer und mongolischer Forscher*2) darstellt: Das eiszeitliche Klima der Mongolei war im ganzen etwas feuchter als das der Gegenwart; vor allem war die relative Feuchtigkeit bedeutend größer als jetzt. Im mongolischen Altai, wo heute der größte Eisstrom ein Länge von 20 km hat, wuchsen die Gletscher bis 140 km Länge bei einer Mächtigkeit bis 500 m an. Andere, heute sehr trockene und fast oder völlig unvereiste Gebirge wurden damals mehr oder minder stark glazial überformt. Aus den von Fochler-Hauke wiedergegebenen Zahlen kann man eine kaltzeitliche Senkung der Schnee grenze um mindestens wohl 2000 m errechnen, sofern man einen heutigen singulären Firnfleck an einem 4000 m hohen Berg im Changai-Gebirge als Maßstab für die heutige dortige Schneegrenze auffassen will. Auch die Flüsse waren damals wasserreicher, die Prozesse der Talerosion und der sonstigen Abtragung kräftiger als heute. Wichtig für die gesamte Eiszeitforschung erscheint mir daraus folgendes: Wir haben nach diesen Angaben hier ein weiteres Gebiet, wo sich auch außerhalb des rand- und subtropischen Trockengürtels das Eiszeitklima als Pluvialklima ausgewirkt hat. Mit der üblichen Annahme einer pleistozänen Verschiebung der Klimagürtel kann man das nicht mehr erklären. Im übrigen sind hier pluviales und glaziales Klima nicht nur gleichzeitig, sondern offensichtlich identisch. Was in den niederen Lagen als „pluvial“ erscheint, tritt uns in größerer Meereshöhe als „glazial“ entgegen.
Mots-clefs
Mongolia;Altai;glaciation