Mexikanischer Bernstein ist seit längerem bekannt, aber hinsichtlich seiner
biologischen Einschlüsse - im Vergleich mit anderen Bernstein-Vorkommen -
nur ungenügend wissenschaftlich bearbeitet worden. Er stammt aus der
Region Simojovel de Allende im Bundesstaat Chiapas (SE-Mexiko); sein
Alter läßt sich unter Auswertung aller zur Verfügung stehenden älteren
Daten jetzt auf das mittlere Miozän eingrenzen. Die Inklusen enthalten
einen hohen Prozentsatz an Insekten.
Die Untersuchung stützt sich auf etwa 2.400 Einschlüsse aus drei umfangreicheren
Bernstein-Sammlungen in Deutschland (Staatliches Museum für Naturkunde,
Stuttgart), den USA (University of California, Berkeley) und Mexiko
(Paläontologisches Museum Tuxtla Guitierrez, Chiapas). Den Hauptanteil
bilden kleine, aktiv fliegende Diptera (vor allem Cecidomyiidae), gefolgt
von Hymenoptera und Heteroptera. Durchweg selten sind Arten mit aquatischen
Larval-Stadien wie Ephemeroptera, Trichoptera und innerhalb der Diptera die
Chironomidae. Vertreten sind auch Collembola, Microcoriphia, Blattaria, Isoptera, Orthoptera, Psocoptera, Thysanoptera, Auchenorrhyncha, Stenorrhyncha,
Coleoptera und Lepidoptera. Die Insekten-Fauna setzt sich weitestgehend aus
typischen zentralamerikanischen Arten zusammen und zeigt für das mittlere
Miozän enge palaeobiogeographische Beziehungen zwischen dem Süden Mexikos
und Hispaniola. Unter Einbeziehung paläobotanischer Daten läßt sich der
mexikanische Bernsteinwald recht gut als tropisch-trockener Tiefland-Wald
mit Tendenzen zu einer offenen Bewaldung mit Mangroven-Beständen
rekonstruieren.
Die vorliegende umfangreiche Arbeit resultiert aus einer am Institut für
Paläontologie der Universität Bonn verfaßten Dissertation und ist ein
hervorragender und vorbildhafter Beitrag zur Erforschung von neogenen
Bernstein-Insekten.
Carsten Brauckmann & Elke Gröning (TU Clausthal/Deutschland)
Entomologia Generalis 31/3 (2008)