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Die Ansatztiefe der rezenten Korallenriffe im Indischen Ozean

[The depth of recent coral reefs in the Indian Ocean]

Biewald, Dieter

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Zeitschrift für Geomorphologie Volume 8 Issue 3 (1964), p. 351 - 361

19 references

published: Oct 7, 1964

DOI: 10.1127/zfg/8/1964/351

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ArtNo. ESP022000803006, Price: 29.00 €

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Kurzfassung

Die Ansatztiefe der rezenten Korallenriffe im Indischen Ozean von Dieter Biewald, Berlin mit 6 Abbildungen. Im Zusammenhang mit den Forschungen über die Klimate des Eiszeitalters, die unter anderem am Geomorphologischen Laboratorium der Freien Universität ausgeführt werden, beschäftigte sich der Verfasser mit Klimaschwankungen des Weltmeeres unter Berücksichtigung der Ansatztiefe rezenter Korallenriffe während des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs. Die Arbeiten begannen im Frühjahr 1961; sie wurden vom Dezember 1963 bis zum Mai 1964 mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft fortgeführt. Dann mußte die weitere Aufbereitung des Materials unterbrochen werden, da der Aufbau der Forschungsstation Bardai des Geomorphologischen Labors alle Kräfte erforderte. Da andererseits die bearbeiteten Probleme aktuell sind, scheint es zweckmäßig, die ersten Ergebnisse schon jetzt allgemein zugänglich zu machen; der Autor verspricht sich zugleich davon, daß aus dem Kreise der Leser des Aufsatzes durch Hinweise, Ergänzungen und Kritik der weitere Fortgang der Arbeiten gefördert wird. Anregungen und Fragestellung Seit Darwin auf einer Weltumseglung in den Jahren 1831-1836 seine ersten Beobachtungen und Mutmaßungen über die Entstehung von Atollen anstellte, ist eine große Anzahl von Arbeiten erschienen, die sich mit dem Problem der Entstehung der Korallenriffe und Atolle, den Umweltbedingungen zur Zeit ihrer Entstehung und den Riffbildnern selber beschäftigen. Viele spekulative und beschreibende Arbeiten wurden veröffentlicht, bis Daly 1934 mit den damals vorliegenden Meßergebnissen eine exakte Untersuchung über den Habitus der Riffe vornehmen konnte. Er war es, der die Korallenriffe und Atolle nicht um ihrer selbst willen untersuchte, sondern als Indikator für die eiszeitliche Meeresspiegelabsenkung benutzte, der aber gerade durch diese Untersuchungen den entscheidenden Beitrag zur Theorie der Entstehung von Atollen und Riffen lieferte, indem er zeigte, daß auf den von ihm postulierten Abrasionsplatten neue Riffe mit dem Ansteigen des Meeresspiegels emporwuchsen. Die höchsten Teile dieses Aufwuchses sind die heutigen Atolle. Bis heute konnte man selbst mit den neuesten Methoden und mit Bohrungen der DALYschen „Glacial control theory“ nicht den Todesstoß versetzen, wenn auch in den letzten Jahren ein paar Zusätze wie z. B. von Guilcher (1958) gemacht wurden. Guilcher verneint auf Grund verschiedener Bohrungen, daß die Meeresspiegelschwankungen allein Ursache der Abrasionsplatten bzw. des rezenten Riffs seien; er modifiziert die Theorie, indem er einen tektonischen Faktor dazubringt, der Dalys Theorie auf einen größeren Anwendungsbereich ausweitet. Eine für den Denkanstoß für meine Untersuchungen sehr wichtige Arbeit wurde im Jahre 1953 von Emil Werth veröffentlicht. Er beschrieb die Verbreitung und Verteilung der Korallenrifformen und wertete Seekarten aus. Er legte durch verschiedene Riffe Profile und versuchte die verschiedenen Unstetigkeiten verschiedenen Terrassen zuzuordnen, um zu einer Feingliederung der Meeresspiegelschwankungen zu gelangen. Dies führte er sowohl an rezenten unter wie auch an gehobenen, heute über dem Meeresspiegel liegenden Riffen aus. Diese Arbeit führte weit über Dalys erste Ansätze hinaus und stellte den ersten Weg zu einer Feingliederung dar. Daraus ergab sich folgender Ansatz: Gelingt es, den tatsächlichen Ansatzpunkt des rezenten, d. h. des postwürmeiszeitlichen Riffs auf der fossilen Riffplatte oder auf anstehendem Untergrund zu finden, so kann man eine Aussage über die Temperatur des Meereswassers an der Oberfläche zur Zeit der Besiedlung machen, da die Korallen - besser die Riffbildner unter den Korallen - an ein bestimmtes Maximum und, für diese Arbeit noch viel wichtiger, an ein Minimum der Temperatur gebunden sind. Der erste Impuls, die Ansatztiefe des rezenten Riffs auf dem fossilen festzustellen war, an den Bohrkernen C14-Bestimmungen auszuführen, Nimmt man hier alle 10 m eine Altersdatierung vor, so muß sich bei der Ansatztiefe des rezenten Riffs ein Sprung von etwa 20000 Jahren gegenüber etwa 140000 Jahren markieren, ein mit der Genauigkeit unserer heutigen C14-Datierungen selbst in diesem Altersbereich gut zu ermittelnder Unterschied. Eigenartigerweise sind selbst bei den neuesten amerikanischen Arbeiten nie C14-Bestimmungen an Bohrkernen vorgenommen worden. Die einzigen Bestimmungen dieser Art stammen von Urely (1947), der mit dieser Methode das maximale Höhenwachstum verschiedener Riffe in den oberen 5 m bestimmt hat. Die Auswertung der amerikanischen Bohrungen ging bisher immer davon aus, daß an der Trennfläche zwischen fossilem und rezentem Riff ein Facieswechsel oder wenigstens ein deutlicher Wechsel in der Kalksteinzusammensetzung sichtbar sein müßte. Dieser Beweis ist allerdings bis heute nicht vollständig geglückt. Da an unserem Institut die Möglichkeiten C14-Untersuchungen vorzunehmen, nicht gegeben waren, mußte auf die durch Werth aufgezeigte Methode zurückgegriffen werden. Dazu wurden zunächst einmal Seekarten größerer Genauigkeit als sie Werth zur Verfügung standen, ausgewählt. Hier half besonders Prof. Dr. Stocks vom D. H. I. mit seiner privaten Sammlung weiter, die mir bis zu seinem Tode zur Verfügung stand.

Abstract

The author gives a provisional report on his investigations. The depth of the deposition of recent coral reefs of the Indian Ocean is determined by charts. It is controlled by the geographical latitude and on closer analysis gives the possibility to determine directions of distribution and areas of retreat. By applying these facts on the question of the climate during the maximum of the Würm glaciation it can be proved that the Indian Ocean in the inner tropic regions was by 8-9° colder than it is at present. The investigations are continued.

Résumé

Dans ce travail des corails formant des récifs ont été usés comme indicateurs de climat. Si l’on trouve une méthode permettant de constater à l’aide de cartes la profondeur de récifs récents sur des récifs fossils on peut indiquer la date et la température de la récolonisation. D’après les premières recherches il semble y avoir une dépendance linéaire des récifs formés après l’epoque glaciale et de la latitude géographique. Il est probable que dans la mer des Indes tous les corails formant des récifs ont été détruits pendant l’époque glaciale. Cela correspondrait à une dépression de température de 8° C de la surface de la mer près de l’équateur. Seulement avec l’échauffement de la surface de la mer pendant le temps après l’époque glaciale une récolonisation des régions s’est faite.

Keywords

coral reef • depth of base