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Über den oberen Ganlt von Lüneburg

Ernst, W.

Kurzfassung

Durch das Entgegenkommen von Herrn Prof. Gürich wurde es mir ermöglicht, im Herbst 1921 Untersuchungen in der angeblichen Tourtia von Lüneburg vorzunehmen. Dieselben erstrecken sich bisher lediglich auf die im Norden der Stadt gelegenen Zeltbergaufschlüsse und wurden durch die Ungunst der Witterung unterbrochen; jedoch können die wichtigsten fragen schon heute im wesentlichen als geklärt gelten. Da die gemachten Beobachtungen eine Keine bislang nicht bekannter Tatsachen ergaben und zu einer nicht unwesentlichen Umdeutung hinsichtlich des Alters der betr. Schichten nötigten, so erschien es zweckmäßig, hierüber bereits jetzt eine vorläufige Mitteilung zu machen. Im Jahre 1892 hatte Gottsche(7.) im unteren Teil der Lüneburger Kreide am Zeltberg mächtige, bis dahin nicht bekannte Tonmergel aufgefunden, welche er nach den darin enthaltenen Fossilien und insonderheit den Belemniten, die er als Belemnites minimus List, bestimmte, für Miriimus-Schichten des oberen Gault erklärte. Ein Jahr später glaubte v. Strombeck (17.) die betreffenden Belemniten als Belemnites ultimus D'orb. und die sie einschließenden Mergel demnach als Tourtia deuten zu müssen. Zweifellos befand sich v. Strombeck gegenüber Gottsche insofern im Recht, als beiden Autoren zu jener Zeit der Neohibolites minimus List, vom Zeltberg noch nicht vorgelegen hat, wie dies auch von Gottsche auf der Hauptversammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft in Goslar anerkannt wurde. Der Anwurf, welcher später gegen v. Stkombeck erhoben wurde, ,an der etwa 50° geneigten Steinmergelbank hinaufzuklettern und die Belemniten (Bel. minimus) unter diesen Umständen abzulesen, sei eine Aufgabe gewesen, die der alte Herr mit seinen 80 Jahren einfach nicht mehr leisten konnte", ist hinfällig aus dem Grunde, weil damals die untersten Schichten der Zeltberg-Kreide noch gar nicht aufgeschlossen waren. ...