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Zur Einführung in die Phasen der paläozoischen Gebirgsbildung.

Stille, Hans

Kurzfassung

Einleitung: Von dem Herrn Geschäftsführer der Goslarer Hauptversammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft bin ich gebeten worden, den einleitenden Vortrag zu dem Tagesthema des 4. August, ,Zeiten der Gebirgsbildung im Paläozoikum", zu halten. Nachdrücklich lautet das Thema des Tages ,Zeiten der Gebirgsbildung des Paläozoikums" und nicht etwa ,Zeiten der Tektonik". Denn ,Zeiten der Tektonik" wäre fast ein Widerspruch in sich selbst. Verläuft die Tektonik doch gar nicht in bestimmten Zeitabschnitten, die durch Zeiten der Ruhe getrennt wären, sondern kontinuierlich. Tektonik umfaßt eben nicht nur Gebirgsbildung (Orogenese), d.h. Veränderungen der Struktur des Untergrundes, also gewissermaßen die Hochzeiten der Tektonik, sondern auch die Epirogenese, d.h. Massenbewegungen aufwärts und abwärts unter Wahrung der Struktur des Untergrundes. Sicher beruhen letztere zu einem wesentlichen Teile, vielleicht sogar überhaupt, auf großwelligen Verbiegungen; aber diese Verlegungen sind eben so großwellig, daß die örtliche Struktur nicht beeinflußt wird. In der Literatur wird nun zuweilen geäußert, daß die ganze Unterscheidung von Oro- und Epirogenese übertrieben und viel zu schematisch sei. Denn erstens, so wird gesagt, gibt es doch Übergänge. Diesen Grund empfinde ich als unlogisch. Oder sind etwa Tag und Nacht keine Gegensätze, trotzdem es eine Dämmerung gibt? Dazu ist der Kreis der Übergänge nur klein; denn das meiste, was man als solche bezeichnet, schlägt sich, wenn man von den klaren Begriffsbestimmungen ausgeht, auf die eine oder Andere Seite. So sind auch die Spezialundationen innerhalb der Geosynklinaltröge - auch diejenigen der Molassevortiefe der Alpen - keine ,Zwischenformen", sondern unter Zugrundelegung der oben angeführten Definitionen, die jetzt in der Literatur immer mehr Zustimmung finden, klare epirogene Vorgänge. ...